Gerhard J. Rekel - Der Duft des Kaffees (Seite 196 bis Ende)

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  • Natürlich habe ich die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch gelesen. Man merkt irgendwie, dass der Autor Drehbücher schreibt, er hält sich nicht lange an seitenlangen Erklärungen und Beschreibungen auf. Da geht es schnell zur Sache. Das finde ich gut.


    Das Verhältnis zwischen Brioni und seinem Sohn finde ich sehr gut, die Szene ist sehr gefühlsintensiv beschrieben. Ich bleibe dabei, dass Jakob der stärkste Charakter in diesem Buch ist.


    Das Ende fand ich dann doch etwas sehr knapp und wirft einige Fragen auf. War es nun eine Verschwörung oder nicht? Letztendlich liest sich das so, dass einfach nur mehrere Faktoren aufeinandertrafen, die diese Verschwörungstheorie Nahrung verschaffte. Und auf welcher Seite steht nun dieser rothaarige Detektiv? Und was passierte mit der Kassette, die Agathe ihrem Exfreund zuschicken wollte? Hat Maurice eventuell etwas damit zu tun?


    Fazit: Insgesamt ein spannendes, temporeiches Buch ohne viel Blabla. Die vielen kleinen Informationen über Kaffee fand ich sehr schön und hat mich zum bewussten Kaffeetrinken animiert. Der Schreibstil gefällt mir auch.


    Lieber Herr Gerhard J. Rekel: Sie sollten nicht nur Drehbücher schreiben, sondern auch weiterhin Romane!


    LG Murkxsi

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Auch ich habe das Buch ausgelesen. Ich kann es kurz machen, mir hat es gut gefallen. Wie Murksi schon schrieb, es hatte keine Längen oder Hänger, war flott geschrieben und somit sehr gut zu lesen.


    Wieder muss ich von Brioni anfangen zu schwärmen. Ich habe noch nicht viele Kriminalromane gelesen, in denen den Männer eine solche gefühlvoller Rolle zukommt. Jedenfalls fällt mir momentan keiner ein. Auch Jakob war ein gut gelungener Typ. Beide sehr sympathisch. Zu Agathe habe ich ja im vorigen Abschnitt eigentlich schon mein Urteil gefällt. Meine Freundin wurde sie bis zum Schluss nicht. Aber die Handlung hat sie bereichert. Es war gut einen Typ wie sie in dem Buch zu haben, gerade weil solche Frauen z.Z. nicht "in Mode" sind.


    Das Ende war etwas, wie soll ich es schreiben, ich musste es 2x lesen und hoffe, es 1x verstanden zu haben. ;) Die Rolle von Maurice ist mir aber noch nicht so richtig aufgegangen. ??? Ich warte erst mal die weiteren Beiträge ab, vielleicht habt ihr etwas gelesen, was mir entgangen ist.


    Zu etwas Besonderem wurde dieses Buch für mich durch die Ausflüge in die Welt des Espresso, der Kaffeesorten, Röstverfahren etc. Ohne dies wäre das Buch ein guter Krimi, so wurde er zu einem Leckerbissen.

  • Nachtrag: Ich habe heute einen Senseo-Kaffee im Büro getrunken - und er schmeckt mir nicht mehr!


    Wieder mal einen Beweis dafür, dass Bücher beeinflussen können. Ich spare jetzt auf eine Espresso-Maschine ;)


    LG Murkxsi

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Ein wunderbares Bauernopfer ? oder mehr?


    Wir werden es wohl nie im Detail erfahren.
    Zu viele Fragen sind offen. Zu schnell kam der Schluss.


    Schade, das Agathe auch noch im sinnlichsten Moment an diese "doofe" Kassette und dann auch
    noch an Maurice denken musste :(
    Ich finde, das war ein i-Tüpfelchen zu viel.


    So gesehen war für mich die einzige wirklich berührende Szene im letzten Abschnitt, jene, da Hans Brioni seinen
    Sohn besucht. Oder besser noch - als Jakob sich im Treppenhaus noch einmal "gesammelter"
    verabschiedet.
    Diese Szene rührte an und brachte mich zum klingen...


    Trotz des ruckeligen Schlusses - Gerhard J.Rekel - wird es uns sicher noch erläutern, was er mit diesem
    Ende bezweckte - fand ich das ganze Buch durchweg gut und spannend zu lesen.
    Vor allem weil dieses Buch mit herrlichen Detail der Geschichte und des Kaffees gespickt war.


    Es war mal wieder seit langem etwas anderes. Etwas neues. Eine so gänzlich andere Art.
    Mir jedenfall hat es gut gefallen und es bleibt nur zu hoffen, das Hr.Rekel sich auch in Zukunft
    noch entschließen kann auch weiterhin Bücher solcher Art zu schreiben.


    Bücher, deren Charaktere sich wie in dieser Geschichte nicht nach dem Massenkonsum und den
    langweiligen Vorlagen der Medien richten.


    Grüssle
    Marion, die nun auch sehr gespannt ist, was die anderen Leserundenteilnehmer zum Schluss dieser
    Geschichte meinen.

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • So, ich bin jetzt auch am Ende und bin immer noch schwer am Grübeln.


    Aber von vorne: Amüsiert haben mich die kleinen Annäherungen und Rückzüge zwischen Brioni und Agathe, Jeder fragt sich, was der eine wohl vom anderen denkt, wie er zu ihm steht. Die üblichen Missverständnisse eben. Also lässt sich ahnen, was da noch kommt.


    Agathe steigert sich in ihrer Handlungsfähigkeit nochmals und legt eine rasante Flucht hin, die man ihr so am Anfang des Buches noch nicht zugetraut hätte, ebenso wie den Knüppel zwischen Brionis Beinen (Aber sehr verständlich, dass es Brioni nach seinen Vorstellungen über Verfolgung jetzt reichte).


    Toll fand ich auch Agathes Reaktion, als sie für ihren Chef ein Event drehen sollte und merkte, dass sie nicht wie Maurice werden wollte und eine Weiche stellte.


    Sehr schön und sehr emotional fand ich auch die Stelle mit Brioni und seinem Sohn. Dieser Abschied, bzw. das Loslassen auf der Treppe hat mich auch sehr berührt.


    Seite 230 , Agathe: Sie hatte einen Rhythmus gefunden. Ich habe das Gefühl, sie tut jetzt etwas, hinter dem sie steht. Das Wort Rhythmus kommt ja immer wieder vor. Brioni hat durch den Kaffee seinen Rhythmus gefunden (weswegen ich ja auch glaube, dass er deshalb immer seine Espressomaschine mit sich herumschleppt, um ihn nicht zu verlieren…). Er betont ja auch öfter, dass Agathe nicht im Rhythmus ist (z. B. S. 156 Sie fällt aus dem Rhythmus). Überhaupt kommt das Wort Rhythmus oft vor.


    Interessant auch Brionis Gedanken, als er beim Küssen den Cremageschmack spürte, ohne Kaffee getrunken zu haben: Beruhte seine Liebe zum Kaffee auf einer Projektion, weil die Liebe ohne Projektion keine Wurzeln schlägt. Liebe bedeutet Kaffee, Kaffee bedeutet Liebe?Weiter vorne heißt es: Während der Jahre mit Jakobs Mutter hatte Brioni ausschließlich Tee getrunken, dann kamen Veränderungen. Und mit ihnen der Espresso.Kaffe ist also erst seit der Trennung seine neue Liebe.


    Auch gut gefällt mir der Ruck, der durch Brioni ging und den er den Menschen weitergeben will, durch seinen künftigen Beitrag zur Kaffeerevolution.


    Das Ende... Einfach nur Zufall und zur Verschwörungstheorie passende und interpretierte Situationen oder doch Opfer gezielter Manipulation, was viel wahrscheinlicher klingt? Beides wäre möglich und man wünscht sich fast, es ist wirklich die zweite Theorie, das erste wäre ja zu banal und peinlich. Die Verfolgungsgedanken von Brioni wären ja im Fall, es gab keine Verschwörung doch nur reiner Verfolgungswahn und überinterpretierte Situationen.


    Mir gefällt dieses Ende. Alles könnte sein, aber mit Sicherheit weiß man es nicht. Und das finde ich passender und spannender, als eine richtige Aufklärung. (Es sei denn ich habe es nicht verstanden und etwas entscheidendes, erklärendes überlesen, dann kläre man mich bitte auf ;) )


    Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Wie apassionata schrieb, war es mal etwas ganz anderes, neues, und hat mir viel Spaß gemacht. Ich bin schon gespannt, was noch so aus Herrn Rekels Feder kommen wird.


    Edit: Wortauszeichnung geändert

  • Toll fand ich auch Agathes Reaktion, als sie für ihren Chef ein Event drehen sollte und merkte, dass sie nicht wie Maurice werden wollte und eine Weiche stellte.


    Sehr schön und sehr emotional fand ich auch die Stelle mit Brioni und seinem Sohn. Dieser Abschied, bzw. das Loslassen auf der Treppe hat mich auch sehr berührt.


    Ja, das fand ich auch ganz fantastisch.
    Nach ihrem ewigen hin und her, hat sie zumindest für den Moment begriffen wie sie eigentlich
    überhaupt nicht sein möchte.


    Es ist doch immer wieder schön, das ein Mensch auch einmal Mensch sein darf und damit die Möglichkeit hat
    nicht nur seine Anschauung zu revidieren sondern auch zu erkennen, das die bisherigen Vorbilder vielleicht gar keine sind.


    Grüssle
    Marion :winken:

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • Ich bin nun auch durch. Gleichmal vorneweg: mir hat die Auflösung sehr gut gefallen. auf diese möchte ich später noch zurückkommen; zunächst meine Leseeindrücke in diesem Abschnitt.


    Dass Brioni und Agathe im Aromakessel einschlafen, finde ich nicht verwunderlich; sie habe schliesslich eine Reise quer durch Deutschland und Österreich hinter sich. Zur Erinnerung: von Berlin nach Wien, von Wien nach Hannover, von Hannover nach Hambur gmit Umweg über Berlin für Brioni - da kann schon mal Müdigkeit aufkommen, zumal der Kaffeevorrat zu Ende ist.


    Agathe verblüffte mich durch ihre immer enschlosenere Handlungsweise; sie stiehlt den Lieferwagen, liefert sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und bremst Brioni aus, als er im Begriff ist, sich zu stellen. Hut ab vor ihr! Auf Brioni hat sich plötzlich auch eine anziehende Wirkung, aber seine Hemmschwelle ist schon gewaltig. Ihre übrigens auch...


    Zurück in Berlin, präsentiert uns Brioni zum ersten Mal eine Theorie zur Auflösung des Falles; mir kam ja in der Mitte ungefähr schon mal die Sache mit der Großen Refom verdächtig vor; warum gerade kurz vor Weihnachten, warum ist sich Hummel seiner Sache so sicher usw.
    Nun geht alles Schlag auf Schlag: die Durchsuchung der Wohnung von Christine Savoy und des Detektivbüros Ritter. Auf dem Balkon kommt wieder einmal das Thema Kaffee vs. Tee zur Sprache. Herr Rekel, schön, dass Sie auch für den Tee so sinnliche und intensive Worte übrig hatten. Ich für meinen Teil behaupte immer noch, man kann beides sein, Kaffee- und Teetrinker. Einen Kaffee trinke ich, um der Welt die Stirn zu bieten; den Tee, um mich anschliessend wieder mit ihr zu versöhnen.


    Maurice gibt die entscheidenden Hinweise zur Verknüpfung zwischen der Kaffeestudie und dem Industriellenverband. Agathes Gedankengänge zu Politik, Demokratie und Kapitalismus haben mir sehr gut gefallen. Es steckt viel Wahres darin und einiges davon ist aktueller denn je.


    Die Pressekonferenz mit Jürgen Hummel und sein anschliessendes Gespräch mit Agathe zum Thema Verschwörungen beseitigen eigentlich den letzten Zweifel daran, dass Brioni recht hatte und die Anschläge tatsächlich zur Durchsetzung der Großen Reform dienen sollten. Der beste Satz daraus:

    Zitat

    Ist es nicht ein Merkmal der Demokratie, dass unpopuläre Maßnahmen nur mit Hinterlist durchzusetzen sind?


    Ohne Zweifel ein echter Demokrat...


    Brioni ist unterdessen in einer Zelle gelandet. Bemerkenswert fand ich seinen Traum - ein kleiner Ausflug ins Surreale, mit sehr viel Aussagekraft auch zwischen den Zeilen. Nicht zu fassen, dass der Roman mich immer noch mehr überraschen kann.


    Interessant finde ich, dass als nächstes für beide, Brioni und Agathe, ein Lebensabschnitt endet. Sie bricht mit ihrem Chef, weil sie sich nicht länger auf die unfairen Machenschaften des Fernsehsenders einlassen möchte; er muss Abschied von Jakob nehmen, der sich abgenabelt hat und sein eigenes Leben führen will. Beste Voraussetzungen, dass die beiden endlich zueinander finden. Und es passt zur Geschichte, dass eine äthiopische Kaffeezeremonie den Beginn ihrer Beziehung markiert.


    Was mich sehr verblüfft hat: dass Agathe plötzlich an der Kaffeeverschwörung zweifelt und alles in Frage stellt. Deswegen bleibt es letztendlich dem Leser überlassen, wie er zum Schluss die Geschichte für sich auflöst. Raffiniert gemacht, Herr Rekel. Im ersten Moment hat mich Agathe mit ihren Zweifeln auch angesteckt, aber nur für einen kleinen Augenblick. Obwohl der allerletzte Beweis für die Verschwörung fehlt, für mich hat sie ganz klar stattgefunden. In mir steckt eben eine Verschwörungstheoretikerin... ;)


    Ein sehr schönes, stimmiges Ende und ein wunderbares Buch, das mir viel Freude bereitet hat.

  • "Einen Kaffee trinke ich, um der Welt die Stirn zu bieten; den Tee, um mich anschliessend wieder mit ihr zu versöhnen."


    Was für ein schöner Satz, Kompliment, großartig! Ich mag übrigens auch gerne Tee...


    Morgengruß gjr


  • Ich für meinen Teil behaupte immer noch, man kann beides sein, Kaffee- und Teetrinker. Einen Kaffee trinke ich, um der Welt die Stirn zu bieten; den Tee, um mich anschliessend wieder mit ihr zu versöhnen.


    Das hast du sehr schön rübergebracht, Miramis.
    Dem schließe ich mich an.



    Brioni ist unterdessen in einer Zelle gelandet. Bemerkenswert fand ich seinen Traum - ein kleiner Ausflug ins Surreale, mit sehr viel Aussagekraft auch zwischen den Zeilen.


    Ja, genau diese Aussagekraft zwischen den Zeilen, das Angedeutete, nich ausgesprochene, finde
    ich an Hr.Rekels Geschichte immer wieder sehr schön platziert.


    Grüssle
    Marion :winken:

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi


  • Natürlich habe ich die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch gelesen. Man merkt irgendwie, dass der Autor Drehbücher schreibt, er hält sich nicht lange an seitenlangen Erklärungen und Beschreibungen auf. Da geht es schnell zur Sache. Das finde ich gut.


    Das ging mir bei diesem Buch auch so.


    Zitat von Heimfinderin

    Mir gefällt dieses Ende. Alles könnte sein, aber mit Sicherheit weiß man es nicht. Und das finde ich passender und spannender, als eine richtige Aufklärung.


    Dem stimme ich zu. Ich denke eine "richtige" Auflösung ist für die Geschichte auch gar nicht so wichtig.


    Die Abschiedsszene von Brioni und seinem Sohn fand ich sehr gefühlvoll und sensibel, mir ging das richtig ans Herz. Und Agathes Reaktion auf seine Anrufe "Ich...du...es", toll ;D


    Schön fand ich diese leise Darstellung von Brionis Gefühlen Agathe gegenüber:
    Da ist ein Mann mit einer Nase welche mehr als sensibel Gerüche erkennen kann, und dann merkt er bei der Zeremonie nicht, dass Agathe keinen Kaffee, sondern gemahlene Gewürznelken in ihrer Schale hat. Tse, tse...

  • Da ist ein Mann mit einer Nase welche mehr als sensibel Gerüche erkennen kann, und dann merkt er bei der Zeremonie nicht, dass Agathe keinen Kaffee, sondern gemahlene Gewürznelken in ihrer Schale hat. Tse, tse...


    Vielleicht will er es gar nicht bemerken (weil die Sensibiltät gegenüber Kaffee einer anderen Sensibilität weicht)?
    Wäre ja möglich, sogar bei solch einem "verschrobenen Mann", rein theoretisch, oder?:)


    Wunderschönen Abend wünscht - gjr

  • Die Auflösung hat mich nicht so ganz hundertprozentig überzeugt, bei Krimis ist mir eine "deutliche" Aufklärung lieber.


    Aber letztendlich tut das dem Buch dennoch keinen Abbruch. Zwischen den Zeilen kam für mich einiges an Gesellschaftskritik herüber (das Timing der Abstimmung über die Reform, die Darstellung von Jürgen Hummel, der von seinem hohen Ross gut Verzicht fordern kann), und die zahlreichen Infos und Gedanken zum Thema Kaffee (und auch Tee) waren wunderbar in die Geschichte eingebettet, so dass man sie quasi im Vorbeilesen aufsaugen konnte.


    Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn eine meiner Lieblingskaffeesorten erwähnt wurde und konnte die Überlegungen, was einen guten Kaffee ausmacht, sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch der Ansicht, dass ein liebevoll hergestellter Kleinrösterkaffee ein ganz anderer Genuss ist als ein großindustrielles Massenprodukt. Und Gott bewahre uns vor künstlichem Kaffee *würg*


    Die Kaffeezeremonie gefiel mir auch gut, ich finde es herrlich, Kaffee so zu zelebrieren, und ich fand es auch witzig, dass Brioni das mit den Nelken gar nicht bemerkt hat ;D


    Ich muss sagen, dass ich Agathe und Brioni gerne mal wieder "treffen" würde :smile:

    Nicht müde werden,sondern dem Wunder wie einem Vogel die Hand hinhalten.<br />-Hilde Domin-


  • Da ist ein Mann mit einer Nase welche mehr als sensibel Gerüche erkennen kann, und dann merkt er bei der Zeremonie nicht, dass Agathe keinen Kaffee, sondern gemahlene Gewürznelken in ihrer Schale hat. Tse, tse...


    Vielleicht will er es gar nicht bemerken (weil die Sensibiltät gegenüber Kaffee einer anderen Sensibilität weicht)?
    äre ja möglich, sogar bei solch einem "verschrobenen Mann", rein theoretisch, oder?:)


    Stimmt, die Möglichkeit gibt es auch. Nur fiel sie mir nicht ein, da ich selbst so unromantisch veranlagt bin [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/smilie/frech/a050.gif]

  • Guten Morgen zusammen,


    jetzt wollte ich auch noch ein wenig zum Schluß schreiben. Das Ende fand ich gut - offen wie es ist. Allerdings war es kein bewegendes Ende... Das wiederum war für mich absolut die Szene mit Brioni und seinem Sohn! Äußerst gelungen, wie Hans Jakob gewähren lässt und lieber für sich Schwäche zeigt, indem er traurig ist. Eine starke Reaktion!
    Die Schlußszene mit Agathe und Brioni hat mir aufgrund ihrer Kaffeehuldigung besonders gut gefallen. Schön zu lesen, dass es doch noch Menschen gibt, die nicht immer mit dem (schnellen) Strom fließen, sondern sich durchaus ihre Auszeiten nehmen...


    So, jetzt werde ich die Geschichte ein wenig sacken lassen und mich dann nochmal melden.


    Liebe Grüße
    dubh

  • Ja, mir hat das Buch als Charakterstudie auch ausnehmend gut gefallen, sprachlich ansprechend, gut erzählt.
    Die Auflösung hat mich ja, wie schon erwähnt, wenig interessiert und mir war sie dann einfach irgendwie "eine Nummer zu groß". Weiss nicht, wie ich das genauer definieren soll. Eigentlich eher unglaubwürdig in meinen Augen.


    Die Szene mit Brioni und Jacob hat mich auch auch sehr berührt, da wurden glatt meine Äuglein nass. ;)
    Toll natürlich auch die Ausflüge in die Welt des Kaffees und in die Geschichte im Allgemeinen.


    Im Mittelpunkt bis zum Schluss aber die Geschichte um Agathe und Brioni - und bis zum Schluss konnte mich Agathe als "Frau" überhaupt nicht überzeugen. Sie hat einen Mann wie Brioni nicht wirklich verdient, oberflächliche Bekanntschaften wie die zu Maurice scheinen doch eher zu ihrem Naturell zu passen. >:( Dass sie dann im Bad beschliesst die Wohnung zu verlassen - ich dachte nur "dann geh doch, dumme Tussi" ;) . Brioni ist mit dem Herz ohnehin noch bei seiner Exfrau und vermutlich mehr als nur aus Gewohnheit und sie scheint ihn ja auch nicht so ganz vergessen zu haben. Schade, dass ihre Beziehung den Unterschieden nicht stand halten konnte.


    Jedenfalls toll gezeichnete Charaktere. Ich mag es auch, wenn ein Autor es schafft Unsympathien für einen Protagonisten zu erzeugen.


    Frage: War das so beabsichtigt oder sehe ich Agathe einfach zu streng (weil sie so ein Typ ist, den ich auch im echten Leben nicht gut ertragen könnte)?


    Und Brioni ist auf jeden Fall eine Roman-Figur, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.


    Ich freue mich, dass ich mich noch spontan für diese Leserunde und damit für dieses Buch entschieden habe. :winken:

    Greetz,<br />Weratundrina<br /><br />...alll I ever wanted, all I ever needed - is here in my arms... DM

  • Noch einmal zum Schluss.
    Irgendwie beschäftigt mich das noch immer.
    Grundsätzlich fand ich ihn sehr schön und habe mich sehr darüber gefreut,
    das sich die Geschichte wie ein Kreis schließt und mir einer Kaffeezeremonie zwischen
    Hans und Agathe endet.
    Welche so schön beschrieben wurde, das mich die beiden kurzen Unterbrechungen
    als Agathe bei dem Packetdienst anrief und später das Päckchen mit der Kassette abgab
    als krasse Störung empfunden habe.


    Ich weiß jetzt noch immer nicht, ob ich das richtig rüber gebracht habe ?
    Wollte nur nochmal kurz erläutern, was genau mich da störte.
    Es waren nur diese zwei kurze Momente, in denen ich Agathe mal wieder schütteln konnten. ::)


    Aber alles in allem, ein sehr gelungenes Buch.


    Grüssle
    Marion :winken:

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi

  • apassionata: mir geht es auch so, mich beschäftigt der Schluss auch noch.


    Nach längerem Nachdenken gefällt er mir aber ganz gut, so wie er ist. Dieses zaghafte Aufeinanderzugehen und dann gleichzeitig der Versuch, Distanz zu schaffen mit irgendwelchen Kleinigkeiten (z.B. das Paket abgeben im Falle von Agathe, und sich einen Espresso zu machen wie Hans Brioni), das zeigt doch, wie unsicher die beiden sich ihrer Gefühle sind. Das ist für mich viel authentischer, wie wenn sie sich plötzlich um den Hals fallen würden und alles sich in Wohlgefallen auflösen würde...das tut es mit Sicherheit am Ende noch früh genug. Ich kann mich jedenfalls in die beiden sehr gut hineinversetzen und deshalb geht den Ende für mich auch in dieser Hinsicht in Ordnung (dass ich mit der Auflösung bezüglich der Verschwörung sehr zufrieden war, erwähnte ich schon).


    Viele liebe Grüße
    Miramis


    PS: meine Folgelektüre nach "Der Duft des Kaffees" ist wie geschaffen, um dem Buch nochmal nachzuspüren; der Roman spielt in Paris im 19. Jahrhundert und sehr viele Szenen spielen sich in Kaffeehäusern ab. Zuletzt hatte ich ein Kapitel, in dem von einem gewissen Balzac die Rede war... ;)


    Mit dem Wissen aus "Der Duft des Kaffees" im Hinterkopf, gewinnen manche Sätze und Situationen eine völlig neue Bedeutung als das zuvor der Fall gewesen wäre.

  • Hallo zusammen



    Die Auflösung hat mich nicht so ganz hundertprozentig überzeugt, bei Krimis ist mir eine "deutliche" Aufklärung lieber.


    Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich dieses Buch als Krimi sehen soll. Irgendwie ist es eher eine "Utopie" die aber zum Greifen nahe ist. Überlegt Euch doch mal, wie leicht eine Stadt, ein Volk, die Menschen ansich zu beeinflussen sind. Hier ist es der Kaffeeentzug, in der Realität wird bei Langstreckenflügen der Sauerstoffgehalt gesenkt, damit die Passagiere ruhiger sind. Wenn man den Kaffeeentzugsgedanken weiterspinnt, was wäre alles möglich..........Wie praktisch, dass der Abgeordnete dessen Stimme das Zünglein auf der Waage ist friedlich auf dem Klo schläft und woher kommt der Kaffeeduft bei den Befürwortern der großen Reform. Heute schaut man sehr auf die Manipulation durch die Medien, welche andere Manipulationen wären (sind) möglich, wie wäre es mit Baldrian im Trinkwasser ;) - doch das Buch bringt ich sehr zum Grübeln.


    Schade finde ich, dass Agathe in den letzten Szenen Brioni wieder verrät, der Austausch der Kaffeebohnen, ich hatte gehofft, dass sie seine Öffnung ihr gegenüber mehr würdigt.


    Grübelnde Grüße


    Olima