Allgemeine Fragen an Robert Corvus

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  • Du bist in so vielen Welten (Battletech, Aventurien, Perry Rhodan) unterwegs, Bernard, und schaffst auch noch eigene. Kommst Du da nicht manchmal durcheinander?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

  • Nein, diese Problem habe ich glücklicherweise nicht. :)
    Wahrscheinlich habe ich es dabei sogar leichter als jemand, der Krimis, Thriller oder andere Geschichten schreibt, die in unserer Alltagswelt spielen, denn zusätzlich zu Figuren und Handlungen kommt bei mir jeweils ein komplett anderes Setting als Unterscheidungsmerkmal hinzu.
    BattleTech und Perry Rhodan sind zwar beide Science Fiction mit interstellarer Raumfahrt, aber davon abgesehen unterscheiden sie sich ganz erheblich. Perry Rhodan kennt eine Galaxis voller außerirdischen Lebens, hyperintelligente Roboter und einen kosmologischen Überbau mit Kosmokraten und Chaotarchen, die Hauptfiguren sind unsterblich und lösen Probleme meist durch Verständigung. BattleTech ist viel bodenständiger, alle Akteuere sind Menschen und der Hintergrund ist extrem kriegerisch.
    Aventurien ist eine Welt, die genau dem entspricht, was einem bei dem Begriff "Fantasy" als Erstes in den Sinn kommt. Wahrscheinlich hat Das schwarze Auge auch die Wahrnehmung des Genres für viele der heutigen Fans in Deutschland geprägt. Durch die 30 Jahre Geschichte haben sehr viele Leute sehr viel angebaut, sodass man im Resultat einen Hintergrund hat, in dem jede Geschichte spielen kann, die die typischen Stärken der Fantasy ausspielt.
    Meine eigenen Welten dagegen sind exakt auf die Geschichte zugeschnitten, die ich jeweils erzählen möchte, sodass diese optimal in Szene gesetzt wird. Ich denke, das wird auch bei Grauwacht sehr deutlich, je weiter Ihr in dem Roman vordringt ... ;)


  • Meine eigenen Welten dagegen sind exakt auf die Geschichte zugeschnitten, die ich jeweils erzählen möchte, sodass diese optimal in Szene gesetzt wird.


    Ich habe gerade ein sehr interessantes Interview gelesen, das Carsten Kuhr mit Dir für die Zeitschrift 'phantastisch' geführt hat.
    Da gehst Du auf den obigen Aspekt auch ein. Du sagst weiter, das sowohl der Held wie auch sein Widersacher der Geschichte dienen müssen. Und das Du unparteiisch bist, gerade an Wendepunkten oder gar im Finale.
    Was gibt dann den Ausschlag für den Sieg oder das Überleben des Einen oder des Anderen?

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  • Ich habe gerade ein sehr interessantes Interview gelesen, das Carsten Kuhr mit Dir für die Zeitschrift 'phantastisch' geführt hat.


    Das Interview mit der Phantastisch! hat mir besonderen Spaß gemacht, weil ich langjähriger Abonnent der Zeitschrift bin und dort besonders gern die Interviews lese. Da habe ich mir schon lange gewünscht, einmal in die Riege der Interviewten aufzuschließen.



    Du sagst weiter, das sowohl der Held wie auch sein Widersacher der Geschichte dienen müssen. Und das Du unparteiisch bist, gerade an Wendepunkten oder gar im Finale.
    Was gibt dann den Ausschlag für den Sieg oder das Überleben des Einen oder des Anderen?


    Jede Figur hat ihre eigenen Gefühle, ihre eigenen Ziele und Fähigkeiten. Sie hat Wünsche und Ängste und ihre eignen Herangehensweisen, mit denen sie den Herausforderungen der Geschichte begegnet. Vielleicht hält sie sich für "gut", ihre Ziele für "erstrebenswert" und ihre Methoden für "angemessen" - und als Autor teile ich ihre Maßstäbe, wenn ich mich in sie hineindenke, auch wenn ich das als Leser vielleicht nicht täte. In meinem "Autorenmodus" folgt daraus eine gewisse Gleichberechtigung der Figuren, unabhängig davon, ob sie für die Mehrzahl der Leserinnen und Leser Sympathieträger oder Gegenspieler werden. Besonders schön sind die Leserunden, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor einem ähnlichen Zwiespalt stehen: mit einer Figur emotional mitgehen, deren Ziele oder Vorgehen sie bei nüchterner Betrachtung ablehnen. Das hat bei den Schattenherren und bei Schattenkult gut geklappt. ;D
    Wenn die Figuren aufeinandertreffen und gegeneinander agieren, gewinnt die Geschichte. Das Kräftemessen geht so aus, dass es den stärksten Effekt für den weiteren Verlauf der Geschichte hat. Manchmal lege ich dazu ein zusätzliches Gewicht (in Form eines Faktors im Umfeld oder einer Anpassung im Hintergrund der Figur) auf die eine oder die andere Waagschale, aber es gibt auch Situationen, in denen sich die Geschichte dreht, wenn die Figuren in eine andere Richtung drängen. Dann schaue ich nach, wie ich meinen Szenenplan ändere, und das Ergebnis ist dann eine im Ganzen dramatischere Geschichte.
    Das Ende ist ein Spezialfall, weil nichts mehr darauf aufbaut. Das Finale ist vielmehr ein Summenstrich. Da horche ich in mich hinein, und manchmal ist es so, dass die beteiligten Figuren in meinem Innern Plädoyers für "ihre Sache" führen - sie weisen darauf hin, was sie im Laufe der Geschichte gelernt haben, wie sie gewachsen sind und wie gut sie für das Finale gerüstet sind, sodass sie sich dort durchsetzen können. Aber auch die Geschichte selbst spricht, sie hat einen "Zug zum Grundton", sie will harmonisch abschließen - nüchterner ausgedrückt geht es um ein "realisitsches Ende". Auch von dieser Sorte gibt es aber mehrere, und welches davon gewählt wird, hängt wieder davon ab, was die Figuren im Verlauf der Geschichte geleistet haben.

  • Meine nächste Veröffentlichung wird im Juli 2015 Drachenmahr sein. Wie Grauwacht wird es bei Piper erscheinen. Das ist aufgrund der außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte auch selbstverständlich: Die Idee kam mir bei der Piper-Fantasy-Lesung am Rande der Leipziger Buchmesse 2014, und entwickelt haben meine Piper-Lektorin und ich sie am nächsten Tag an der Fantasy-Leseinsel auf der gleichen Messe. Sie hat noch am gleichen Tag den Chef der Piper-Fantasy-Abteilung angefixt, und dann ging es auch mit der Zusage sehr schnell.
    Die Geschichte spielt in einer Stadt, die seit Jahrzehnten von der Außenwelt abgeschnitten ist. Sie wird von einem Drachen beherrscht, der in einer Kathedrale angekettet ist, die über der Stadt thront. Er frisst seine Jungen, die nachts ausschwärmen und Albträume in die Gassen tragen. Vielleicht ist die wahre Herrscherin auch die Drachenmeisterin, eine uralte Frau, die mit dem Drachen spricht. Die Intrigen zwischen den Patriziern spülen die junge Zarria Machon in eine machtvolle Position. Aber sie weigert sich, ein Spielzeug zu sein und nur zu tun, was andere von ihr wollen. So kommt sie hinter ein Geheimnis, das die Ordnung der Stadt erschüttert – und damit auch ihre eigene Position gefährdet. Von einer der bedeutendsten Frauen der Stadt könnte sie zu jemandem werden, die gejagt wird wie ein tollwütiges Tier. Und an den Entscheidungen der Achtzehnjährigen hängt das Schicksal der gesamten Stadt, denn vor dem Zorn des Drachen kann niemand bestehen ...


    Drachenmahr ist ein weiterer Einzeltitel. Danach möchte ich bei Piper wieder einen Mehrteiler machen. Dieses Projekt ist noch in einem frühen Stadium, aber ich kann schon verraten, dass es sehr handfest wird. Schwerter, Festungen, Banner, Schlachtreihen und Feuer. Viel Feuer.


    Außerdem arbeite ich derzeit gemeinsam mit Bernhard Hennen an einem Großprojekt. Wir beide haben unsere literarischen Wurzeln bei Das schwarze Auge und kehren nun dorthin zurück. Bernhard hat eine Kampagne geschrieben, die das Rollenspiel in den 90ern sehr bereichert hat und bis heute eine der beliebtesten ist: Die Phileasson-Saga. Dabei umrunden zwei Gruppen von Nordländern den Kontinent Aventurien auf den Spuren eines zauberhaften, lange verlorenen Volks. Ein wahrhaft episches Abenteuer, das wir für den Heyne-Verlag als Romanreihe adaptieren. Die ersten Bände werden 2016 erscheinen.


  • Außerdem arbeite ich derzeit gemeinsam mit Bernhard Hennen an einem Großprojekt. Wir beide haben unsere literarischen Wurzeln bei Das schwarze Auge und kehren nun dorthin zurück. Bernhard hat eine Kampagne geschrieben, die das Rollenspiel in den 90ern sehr bereichert hat und bis heute eine der beliebtesten ist: Die Phileasson-Saga. Dabei umrunden zwei Gruppen von Nordländern den Kontinent Aventurien auf den Spuren eines zauberhaften, lange verlorenen Volks. Ein wahrhaft episches Abenteuer, das wir für den Heyne-Verlag als Romanreihe adaptieren. Die ersten Bände werden 2016 erscheinen.


    Das klingt doch sehr gut 8). Hoffentlich können wir die DSA Reihe hier besprechen :).
    Wie kommt es, das Ihr mit dem Projekt bei Heyne gelandet seit? In den letzten Jahren kamen die DSA- Romane doch bei Ulisses bzw. FanPro heraus.
    Schreibt Ihr beide gemeinsam an der Reihe?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL


  • Wie kommt es, das Ihr mit dem Projekt bei Heyne gelandet seit? In den letzten Jahren kamen die DSA- Romane doch bei Ulisses bzw. FanPro heraus.


    Heyne ist Bernhard Hennens Hausverlag, deswegen hatte Heyne die erste Möglichkeit, ein Angebot abzugeben. Das hat der Verlag genutzt.
    Ulisses ist mit im Boot und unterstützt das Projekt mit Quellen- und Begleitmaterial.



    Schreibt Ihr beide gemeinsam an der Reihe?


    Ja. Wir entwickeln gemeinsam für jeden Band einen Szenenplan und teilen die Szenen auf, die wir jeweils schreiben. Wir schicken uns dann unsere Manuskripte und machen Anmerkungen. Wenn sie weit genug gereift sind, machen wir ein Treffen und führen die Fragmente zusammen, indem wir alle dann noch offenen Punkte gemeinsam am Bildschirm durchgehen.


  • Das klingt doch sehr gut 8). Hoffentlich können wir die DSA Reihe hier besprechen :).


    Naja, mal sehen, ob es dann besser wird als mit Taladur. Da sind wir ja leider nicht weiter gekommen, dabei ist es eine so spannende Erzählung und hat mich überhaupt erst zu DSA gebracht. Spät aber immerhin.


  • Naja, mal sehen, ob es dann besser wird als mit Taladur. Da sind wir ja leider nicht weiter gekommen, dabei ist es eine so spannende Erzählung und hat mich überhaupt erst zu DSA gebracht. Spät aber immerhin.


    Naja diesmal haben wir nur zwei Autoren. Und Bernd ist ja ein umtriebiger Leserundenautor. Mir würde es jedenfalls viel Spaß machen. Außerdem würden wir ja nicht nur eine aventurische Stadt bis ins Detail kennenlernen, sondern weit mehr vom Land sehen. :) Wir sollten es im Augen behalten ;)

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

  • Ich bereite gerade den hiesigen Literaturkreis für März vor (Thema wird 'Grauwacht' sein).
    Dabei ist mir 'Schattenkult' in die Hände gefallen.
    Du widmest das Buch Frank Herbert. Welche Bedeutung hat der Autor für Dich?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL


  • Ich bereite gerade den hiesigen Literaturkreis für März vor (Thema wird 'Grauwacht' sein).


    Das ist eine schöne Sache! :)
    Was ist das für ein Literaturkreis?



    Dabei ist mir 'Schattenkult' in die Hände gefallen.
    Du widmest das Buch Frank Herbert. Welche Bedeutung hat der Autor für Dich?


    Frank Herberts Wüstenplanet-Reihe gehört für mich zu den größten Werken der Science-Fiction. Da kaum Technik darin vorkommt, stützt sie auch meine These, dass technische Entwicklungen nicht im Zentrum der Science-Fiction stehen, sondern es um gesellschaftliche Phänomene geht. Beim Wüstenplaneten ist das die Religion als soziologischer Faktor. Das verhandelt Herbert auf unerreichtem Niveau.
    Schattenkult handelt ebenfalls von diesem Thema. Wenn ich die Wüstenplanet-Reihe nicht gelesen hätte, wäre mein Interesse an diesem Teilaspekt der Religion nicht so groß und Schattenkult wäre vermutlich nie entstanden.
    Dass der Handlungsort in einer großen Wüste liegt, ist eine Hommage an das Vorbild.


  • Das ist eine schöne Sache! :)
    Was ist das für ein Literaturkreis?


    Wir treffen uns seit 12 Jahren jeden letzten Samstag im Monat und sprechen über phantastische Literatur in all seinen Spielarten. Wir nehmen uns einen Autor oder ein Buch oder ein spezielles Thema (z.B. Perry Rhodan).
    Manchmal laden wir AutorenInnen (wenn sie in der Nähe wohnen oder Lust dazu haben) ein. Da waren schon Markus Heitz, Andreas Eschbach, Helmut W. Pesch und Ju Honisch.
    Einer oder mehrere von uns Literanauten arbeitet sich in das Thema ein und stellt dann vor.
    Am letzten Samstag im März bist Du dran, mit Schwerpunkt auf 'Grauwacht' und 'Die Türme von Taladur'.
    Wir haben eine Menge Spaß und lernen auf diese Art neuen Lesestoff kennen.


    Zitat

    Da kaum Technik darin vorkommt, stützt sie auch meine These, dass technische Entwicklungen nicht im Zentrum der Science-Fiction stehen, sondern es um gesellschaftliche Phänomene geht.


    Das ist auch genau das, was mich am meisten in der Science Fiction interessiert: zukünftige Gesellschaftsformen und menschliche (Weiter)Entwicklungen. Technik ist für mich eher nebensächlich.
    Deshalb bevorzuge ich Autoren wie Ursula K. LeGuin oder Anne McCaffrey.


    Zitat

    Frank Herberts Wüstenplanet-Reihe gehört für mich zu den größten Werken der Science-Fiction. Beim Wüstenplaneten ist das die Religion als soziologischer Faktor. Das verhandelt Herbert auf unerreichtem Niveau.


    Ich glaube, ich muss das Buch nochmals lesen. Wir haben den 'Wüstenplanet' schon im Literaturkreis besprochen und sehr kontrovers diskutiert. Für mich war der Roman nicht mehr, als die Geschichte vom Aufstieg eines Diktators. Das ist ja erst mal nichts schlimmes. Aber ich konnte keine Position des Autors entdecken in dem Roman. Weder für seinen Helden, noch gegen ihn. Das störte mich gewaltig.

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

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  • Euer Literaturkreis hört sich sehr interessant an. 12 Jahre sind ja auch schon eine stolze Zeit.



    Hast Du eigentlich mal darüber nachgedacht, einen eigenen SF- Roman oder Mini- Zyklus zu schreiben?


    Ich nehme das mal zu den "Allgemeinen Fragen".
    Ich habe einige Konzepte für Science-Fiction-Romane und auch ein lektoratsfertiges Manuskript. Der Markt für dieses Genre ist in den vergangenen Jahren sehr eng gewesen. Allerdings gibt es aktuell Anzeichen, dass sich das ändert und man solche Stoffe künftig etwas besser verkaufen kann. Vielleicht wird es also in absehbarer Zeit auch einen eigenständigen SF-Roman von mir geben.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen