(6) Simone Behnke - "Federspiel" Seite 251 - Ende

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  • Ich bin mal die erste??? 8)


    Gestern abend sind mir kurz vor Schluss die Augen zugefallen, aber so hatte ich wenigstens Zeit, rumzurätseln, wie der Roman wohl ausgehen würde. Die Auflösung, was es mit dem Prolog auf sich hat, kommt ja wirklich erst auf den letzten Seiten. Gut so, da bleibt es spannend. Ich mag es nicht, wenn Liebesromane ab S. 10 erkennen lassen, dass das Paar sich am Ende glücklich in den Armen liegt, womöglich noch bei Sonnenaufgang oder/und am Strand.


    Mit diesem Ende hätte ich aber wirklich nicht gerechnet. Ich muss heute morgen schwer schlucken. Thoralf stirbt :'(
    Ich finde aber es ist ein passendes Ende zu der Geschichte, auch wenn ich natürlich hoffnungslos romantisch bin und bis zum Schluss geglaubt habe, die beiden finden zueinander. Allerdings haben wir uns ja auch schon Gedanken gemacht, ob die Beziehung funktionieren kann. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist und so kann das Glück, das die beiden gehabt haben, nicht mehr vermindert werden. Außerdem berührt eine tragische Liebesgeschichte immer mehr - mich zumindest.


    Der Brief von Thoralf ist wieder typisch. Warum haben die beiden es nicht geschafft, früh genug ihre Gefühle auszudrücken? Warum ist sie nicht eine Woche früher hingeflogen? Warum konnten die beiden nicht einfach ehrlich zueinander sein? Obwohl, sie waren ja nur unehrlich bezüglich ihrer Gefühle zueinander. Beide, bzw. zum Schluss vor allem Thoralf, haben ja schon daran gezweifelt, ob sie gemeinsam glücklich werden können. Und entsprechend hat er eine Entscheidung getroffen, die hätte nicht sein müssen. Oder doch?


    Ein wenig hat mich der Schluss an den englischen Patienten erinnert. Wie geht es euch?


    LG
    Claudi

  • Ahhhh :'( ich habs geahnt, das nimmt kein gutes Ende. :'(
    Aber ein Happy End hätte auch nicht gepasst, schade.
    Jeder von beiden hat einen letzten Schritt in die gemeinsame Richtung getan.... Thoralfs Brief und Elaines Dankeschön auf dem Diktiergerät und der Flug zu ihm.
    Warum musste das nur so enden *schnief*


    Simone
    Sie haben ja das Buch innerhalb von 10 Wochen geschrieben. Ab wann stand denn dieser dramatische Schluß fest?
    Haben Sie auch mit dem Gedanken an ein anderes Ende gespielt?
    Und das wichtigste: War der Absturz wirklich Absicht von Thoralf?


    Ich füge mal ein Zitat von Seite 229 ein.

    Zitat

    Elaine: Du bist für mich wie deine Falken. Ein Himmelsstürmer, der doch gar keine Bindung ertragen kann.
    Thoralf: Wenn du es so sagst, dann habe ich mir die Flügel an dir gebrochen.


    wääää :'( :'( :'(


  • Simone
    Sie haben ja das Buch innerhalb von 10 Wochen geschrieben. Ab wann stand denn dieser dramatische Schluß fest?
    Haben Sie auch mit dem Gedanken an ein anderes Ende gespielt?
    Und das wichtigste: War der Absturz wirklich Absicht von Thoralf?


    Ja, der Zeitrahmen, indem dieser Roman entstand hat mich selbst überrascht. Es lag wohl daran, dass die Recherchen zu der Geschichte bereits abgeschlossen waren als ich beschloss, einen Roman über die Falknerei "zwischen den Kulturen" zu schreiben.
    (Für den Nachfolgeroman MITTSOMMERNÄCHTE habe ich deutlich länger benötigt. Obwohl es noch schwieriger war als bei den Falknern, an die wahrhaftigen Helden hinter der Romankulisse heran zu kommen ;))


    Ab wann stand der Schluß fest?
    Hmm,...auch auf die Gefahr hin, dass Schriftsteller meistens belächelt werden, wenn sie nachfolgendes von sich geben; etwa ab Seite 251 hatte ich mich komplett in den erstebenswertesten Zustand geschrieben - den Flow. Das heißt, ab diesem Zeitpunkt hatte ich keinen Einfluss mehr auf die Geschichte. Es bestand keine Chance mehr für mich, sie lenken zu wollen. Folglich habe ich auch nie darüber nachgedacht, ob ein anderer Schluß glaubwürdig wäre. Man ist als Autor nur noch darauf konzentriert, möglichst schnell die Tasten zu bedienen damit man hinter der Geschichte noch halbwegs hinterher kommt.
    Ich kannte dieses Gefühl übrigens bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Es hat mich überrumpelt. Und es scheint ab dem damaligen Moment das ausschlaggebende zu sein, was mich zum Schreiben treibt.
    Ein Journalist fragte mich einmal: "Wenn Sie die Wahl hätten, sich zwischen einem Orgasmus und einem Flow zu entscheiden - welche Glückseligkeit würden Sie bevorzugen?"
    Meine Antwort kam ohne zu überlegen ;)


    Mein Agent riet mir dann später, vielleicht doch einmal ein Happyend zu erwägen...für alle Fälle, falls das in Verlagen gewünscht würde...
    Als dann aber der Verlagsleiter das bestehende Ende niemals in Frage stellte, blieb alles so wie es heute noch ist.


    Ob der Absturz von Thoralf wirklich geplant war, kann ich nicht beantworten. Ich weiß es selbst nicht. Nur, dass Männer gelegentlich die sonderbarsten Dinge tun - nur um sich ja nicht ihren Gefühlen zu stellen.


    Denn, wäre es nicht möglicherweise doch so gekommen, dass Thoralf seine Falknerei aufgegeben hätte wenn...?


    Ich bin froh, dass er sich treu geblieben ist. Selbst, wenn das letztendlich sein Ende bedeutete. Denn mögliche PartnerInnen (vermeinliche Lieben) kommen und gehen im Leben - die Leidenschaft für seine Berufung hingegen, trägt jeder ein Leben lang in sich. Bewundernswert, wer den Mut aufbringt, sie kompromisslos auszuleben!


    Beste Grüße
    Simone Behnke

  • Hallo Simone :winken:


    so einen Flow hatte ich auch mal, ich kenne das Gefühl.
    Mir ist es in der Deutschprüfung so gegangen, wir bekamen einen Titel und mussten dazu eine Geschichte schreiben.
    Irgendwann hatte es mich dermaßen gepackt, dass der Kugelschreiber glühte (dafür gabs übrigens ne 1 8))



    (Für den Nachfolgeroman MITTSOMMERNÄCHTE habe ich deutlich länger benötigt. Obwohl es noch schwieriger war als bei den Falknern, an die wahrhaftigen Helden hinter der Romankulisse heran zu kommen ;))


    Sie kennen wirklich Polarwissenschaftler? Wow...


    Zu Thoralf:
    Er hatte doch aber am Ende eingesehen, dass er ein gemeinsames Leben mit Elaine und die Freiheit mit den Falken gehabt hätte.
    Oder das war wieder nur ein Gedanke während des Briefschreibens ... ?
    Selbst wenn Liebe vergänglich ist, kann man doch die Zeit die man mit der Wunschpartnerin hat genießen.
    Elaine machte sich so gut mit den Falken, die hätten irgendwann zusammen gezüchtet ;D


    LG Kati

  • Gerade bin ich fertig geworden. Und ich muss sagen, ich bin fix und fertig. :'( :'( :'(


    Ich hätte mit allem gerechnet, aber damit nie und nimmer. Zu beginnt dieser Leserunde hatte ich mich ja schon geoutet, dass sich die Romantik bei mir sehr in Grenzen hält und ich eigentlich auch sehr selten zum Liebesroman greife. Haus und Hof hätte ich zu Beginn des Buches verwettet, dass es mit einen dicken romantischen Happy End ausgeht.


    Jetzt muss ich es erst mal sacken lassen. Morgen schreibe ich noch mal was. :winken:

  • Sie kennen wirklich Polarwissenschaftler? Wow...


    Zu Thoralf:
    Er hatte doch aber am Ende eingesehen, dass er ein gemeinsames Leben mit Elaine und die Freiheit mit den Falken gehabt hätte.
    Oder das war wieder nur ein Gedanke während des Briefschreibens ... ?
    Selbst wenn Liebe vergänglich ist, kann man doch die Zeit die man mit der Wunschpartnerin hat genießen.
    Elaine machte sich so gut mit den Falken, die hätten irgendwann zusammen gezüchtet ;D


    Hallo Kati,
    auch wenn beide Protagonisten letztendlich zu ihren Gefühlen standen - sie offenbarten sich dem potentiellen Partner nie zum richtigen Zeitpunkt. Das ist die Essenz aus dieser Geschichte. Eine Tatsache, die so oft zwischen Menschen stattfindet. Leider.


    Selbst wenn sie sich letztendlich auf ein gemeinsames Wagnis eingelassen hätten - Elaine wäre auf einer von Thoralfs Burgen versauert und er wäre nach Ende der rosaroten Zeit wieder gen Himmel gestürmt ;). Denn schließlich hat er sich schon einmal zuvor gegen eine Ehe entschieden.


    In diesem Moment, indem ich diese Zeilen schreibe, fällt mir überraschend wieder "Der Pferdeflüsterer" (die Verfilmung) ein. Was ich damit sagen will? Es gibt große Lieben, die einfach nicht alltagstauglich sind. Wenn man davon selbst betroffen/getroffen ist/wurde, ist es nur so unendlich schwer, sich dieser Tatsache bewußt zu werden.


    Was die Polarforscher betrifft - ja, ich durfte sie kennen lernen :)...ein wortkarger Falkner, den man ständig suchen muss, ist allerdings handzahm gegen die Helden im Eis. ;)


    Beste Grüße
    Simone Behnke


  • Gerade bin ich fertig geworden. Und ich muss sagen, ich bin fix und fertig. :'( :'( :'(


    Ich hätte mit allem gerechnet, aber damit nie und nimmer. Haus und Hof hätte ich zu Beginn des Buches verwettet, dass es mit einen dicken romantischen Happy End ausgeht.


    Hallo Karthause,


    Ihre Zeilen lassen mich Schmunzeln. :) Ich betrachte sie als Kompliment, für das ich mich herzlich bedanke! Gern hätte ich die Wette vorab angenommen... ;)


    Beste Grüße
    Simone Behnke

  • Oh!?
    Das empfinde ich als einen indirekten Tipp, mir den Film einmal anzusehen! Ich kenne ihn nämlich nicht. :( Wäre das einer, der mir gefallen könnte?


    Ich glaube schon. Mir hat er jedenfalls gefallen. Wahrscheinlich erinnert das Buch mich an den Film, weil er ebenfalls in der Wüste und mit einem Flugzeug endet.

  • Hallo Simone,


    es war schon eine Art Kompliment. Von Liebesromanen bin ich eigentlich ja nur sehr schwer zu überzeugen, deshalb lese ich sie auch nur sehr selten. Häufig fallen die Protagonisten im rosaroten Rausch über einander her und leben glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. ::) (Ich würde von mir nie behaupten, keine Vorurteile zu haben. ;D ) Dies war einer der besten Liebesromane, die ich gelesen habe. Elaine und Thoralf kamen als Menschen daher, jeder war in seinem Leben verwurzelt, hatte eigene Wertvorstellungen und Träume, Stärken und auch Schwächen. Vorallem die Schwächen haben es mir angetan. Sie waren weder gekünstelt noch wirkten sie aufgesetzt.


    Dieses Buch habe ich sehr gern gelesen. Es hat mir über einige Stunden gute Unterhaltung geboten. Die Erzählungen rund um die Falknerei waren für mich das Sahnehäubchen.

  • So, ich bin nun auch druch. Ich hatte mir schon gedacht das mich das Buch -ähnlich wie das erste- ergreifen würde, und bin umso glücklicher nicht immer aufgrund von Zeitmangel nach 2o Seiten schon wieder aufgehört haben zu müssen.


    Nun, es ist ja kein Geheimnis das ich "Mittsommernächte" bereits für LS rezensiert habe. Leider war daher das Ende von "Federspiel" für mich nicht halb so überraschend wie für die anderen (hoffe ich habe nicht zu viel verraten, tut dem Buch selbst keinen Abbruch und ist trotzdem ganz, ganz toll). Dennoch hatte auch ich Tränen in den Augen, weil Simone es einfach zu gut versteht Stimmungen und Gedanken über so einen Traurigen Vorfall in Worte zu packen. Und am End ist ja dann doch noch Hoffnung, zumindest hat Elaine das nun gelernt. Ob der Tod Thoralfs nun absichtlich oder nicht war, das wird man wohl nie erfahren. Es bleibt dieser Beigeschmack des mysteriösen und ich finde es gut das es keine komplette Auflösung dazu gibt, denn die braucht es auch gar nicht.


    Alles in allem ein tolles Buch, ein Ende wie es eben das Leben schreibt, und nicht die Fantasie.

  • Hallo zusammen,


    nachdem ich das Buch schon vor ein paar Tagen fertig gelesen habe, kommen jetzt noch ein paar Gedanken von mir.


    Bis zur Mitte des Buches hat mich die fast gesamte Einschränkung auf Elaine und Thoralf gestört. Ich habe immer auf mehr Informationen aus dem Umfeld gewartet. Warum wehrt sich Tom nicht mehr, was ist mit Thoralfs Familie.........
    Rückblickend finde ich das Buch genau deshalb gelungen, hier wird nur diese eine Liebesgeschichte beschrieben, nur Elaine und Thoralf, der Rest ist nur "Dekoration". Auch das Erzähltempo hat mich zuerst irritiert, die gemeinsamen Zeiten werden ausführlich erzählt, alles andere rauscht vorbei. Aber wie schon an anderer Stelle gesagt, genau das macht eine Beziehung (rückblickend) aus, diese intensiven Momente.


    Für mich erschließt sich dieses Buch eher von hinten, keine Ahnung, ob ich mich verständliche ausdrücke........


    Ein Happyend hätte hier nicht gepasst.



    ....- sie offenbarten sich dem potentiellen Partner nie zum richtigen Zeitpunkt. Das ist die Essenz aus dieser Geschichte. Eine Tatsache, die so oft zwischen Menschen stattfindet. Leider....



    Simone Behnke


    Wie war der wunderbare Satz : Es gibt für alles im Leben zwei Zeitpunkte; den richtigen und den verpassten. Leider weiß man meistens erst im Nachhinein, welcher welcher war.


    Ganz liebe Grüße und :-*


    Olima


  • Bis zur Mitte des Buches hat mich die fast gesamte Einschränkung auf Elaine und Thoralf gestört. Ich habe immer auf mehr Informationen aus dem Umfeld gewartet. Warum wehrt sich Tom nicht mehr, was ist mit Thoralfs Familie.........
    Rückblickend finde ich das Buch genau deshalb gelungen, hier wird nur diese eine Liebesgeschichte beschrieben, nur Elaine und Thoralf, der Rest ist nur "Dekoration". Auch das Erzähltempo hat mich zuerst irritiert, die gemeinsamen Zeiten werden ausführlich erzählt, alles andere rauscht vorbei. Aber wie schon an anderer Stelle gesagt, genau das macht eine Beziehung (rückblickend) aus, diese intensiven Momente.


    Es freut mich sehr, wenn das die Essenz der Geschichte ist. Die Worte erinnern mich an das erste Urteil meines Agenten, die mir damals sehr gefallen haben.
    "Ohne Spektakel spektakulär."


    Ich habe ein paar Tage über Olimas Worte nachgedacht. Mit dem Ergebnis, dass ich auch in Zukunft nie mehr als zwei Protagonisten in meinen Geschichten Raum geben möchte. Danke für diese Erkenntnis!


    Beste Grüße
    Simone Behnke

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen