Allgemeine Fragen an Simone Behnke

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  • Hallo :winken:


    mir brennt schon eine Frage auf der Seele.
    Ich habe in dem Interview auf Literaturschock gelesen, dass Sie erst ihren Literaturagenten kennengelernt haben und danach Ihr erstes Buch ("Federspiel") schrieben.
    Diese umgekehrte Herangehensweise macht mich neugierig. Normalerweise schreibt man doch zuerst und sucht dann einen Agenten bzw. Verlag.
    Wie kam es dazu?


    LG Kati :)

  • Na, dann will ich mal gleich einsteigen, indem ich den Brand auf der Seele lösche. ;)


    So, wie es keinen klassischen Weg gibt um Schriftsteller zu werden, so gibt es meines Erachtens auch keinen um an einen Literaturagenten zu geraten. Auch ich finde es sehr spannend, von anderen Autoren zu erfahren, wie sie zu ihrer Agentur gekommen sind. Da gibt es die abenteuerlichsten Geschichten...


    Als ich beschloß, Schriftstellerin zu werden, dachte ich nicht im Traum daran, mich in die Riege der Belletristikautoren einzureihen.
    Also suchte ich nach einer literarischen Nische, die ich alsbald fand. Da ich ursprünglich aus der Tourismusbranche komme, entwickelte ich ein entsprechendes Sachbuchprojekt. Das allerdings so neu war, dass es sich keinem Genre zuordnen ließ. Und diese Tatsache ist für Verlage widerum wenig attraktiv.


    Ein Jahr lang suchte ich selbst einen passenden Verlag für mein touristisches Projekt - vergebens. Also den Traum aufgeben?
    Natürlich hatte ich immer im Hinterkopf, das Suchen und Verhandeln Profis zu überlassen. Allerdings wußte ich auch, dass es sehr viel schwieriger ist, einen einflußreichen Literaturagenten als einen Verlag von seinen schriftstellerischen (und charismatischen) Qualitäten zu überzeugen.


    Um es kurz zu machen; es gelang mir beim ersten Treffen. Obgleich er mir offenbarte, dass es schwierig werden würde, ein Projekt einer Debütantin zu vermitteln, das zwischen den Genres angesiedelt ist. Schelmisch fragte er mich darum, warum ich denn mit meinem Hintergrundwissen eigentlich keinen Roman geschrieben hätte.
    "Würde Sie der denn interessieren?", fragte ich überrascht. Als er nickte, versprach ich ihm, einen über einen Falkner zu schreiben, der für die Sheiks in Dubai arbeitet :)
    Vier Monate später war FEDERSPIEL vollendet.


    Beste Grüße
    Simone Behnke

  • Ein paar Seiten habe ich schon gelesen und mir brennt auch eine Frage auf der Seele. Kann es sein, dass ich die wirklich existierende Falknerei der Burg Gleichenstein wiedererkenne. Der Falkner dort arbeitet (so ist es mir in Erinnerung) auch für die Scheichs in Dubai. Es ist wirklich wunderschön dort. :herz:

  • Ah! Eine Thüringen Kennerin!


    Die "Burg zum blauen Wunder"... mich erstaunt und erfreut immer wieder, wie sehr sich Leser in die Beschreibung einfühlen können bzw. "mit der Autorin mitgehen".


    Wie unschwer zu erkennen ist - auch die Autorin kennt die Burg Gleichenstein ;)
    Ich habe damals drei Wochen in Thüringen recherchiert...und habe noch heute Sehnsucht nach diesem Landstrich. Nie zuvor hätte ich für möglich gehalten, wie wundervoll Thüringen ist!


    Beste Grüße,
    Simone Behnke

  • Danke für die schnelle Anwort. Als Thüringen-Kennerin will ich mich nicht bezeichnen, aber ich habe in Jena studiert und die nähere und weitere Umgebung hat mir sehr gut gefallen. Gerne fahre ich immer wieder dort hin. Mich hat das Cover auch sehr angesprochen, das war mit ein Grund, mir dieses Buch zu kaufen. Ich habe die Taschenbuchausgabe von 2005.

  • Hallo und danke für die Aufklärung. Dieses Sachbuchprojekt befasste sich auch mit Burgen und Falknerei?
    Ich finde es toll, dass Sie so einfach auf Roman umschwenken konnten. Und es hat ja sehr gut funktioniert :)


    Zum Thema Thüringen muss ich mich natürlich auch melden.
    Ich war so gerührt, als ich davon las.... ich bin in Thüringen geboren und in der Nähe von Mühlhausen (3km) aufgewachsen.
    Die ganze Zeit hab ich gehofft, dass der Name des Ortes fällt, wo die Burg steht.
    Es gibt ja unheimlich viele sehenswerte Gemäuer.
    Ich habe eine Flugshow der Falken übrigens selbst schon gesehen, ist aber bestimmt schon 10 Jahre her.
    Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es auf "Gleichenstein" war.


    LG Kati

  • Inzwischen ist FEDERSPIEL viele Tausend Male verkauft worden. Sie sind erst die Zweite, die den genauen Schauplatz erkannt hat. Die erste Leserin schrieb mir, dass ich wohl genau ihren täglichen Arbeitsweg beschrieben hatte.
    Mein Anspruch ist es übriegens in all meinen Romanprojekten, Geschichten an real existierenden Schauplätzen zu erzählen.


    Es ist übriegens wahrscheinlicher, dass Sie vor ca. 10 Jahren auf der fast gleichlautenden Burg GREIFENSTEIN eine Flugshow gesehen habe. Der Falkner (Herbert Schütz)mußte - nachdem im letzten Jahr sein 10 Jahrespachtvertrag dort auslief - leider eine neue Burg beziehen. Wo genau diese sich nun befindet, steht auf meiner Webseite. Er macht das einfach großartig mit den Greifvögeln.


    Mein "Sachbuchprojekt" befaßt sich unter anderem mit einigen Kultursehenswürdigkeiten Thüringens. Es ist für Individual - Autoreisende konzipiert und liegt noch gut geschützt in einer Schublade. Eines Tages kommt auch dafür der richtige Zeitpunkt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. ;)

  • "Greifenstein" könnte natürlich auch sein. Das bekomme ich aber sicher nur raus, wenn sich meine Eltern erinnern können.
    Wobei die eher Fans von der "Wartburg" in Eisenach, den Eseln und dem Rennsteig sind. ;D


    Dieses Sachbuch würde mich ja brennend interessieren. Vielleicht käme ein Artikel im Reiseteil einer Thüringer Zeitung gut an.
    Säcke voller Leserpost könnten sicher einiges in Bewegung setzen. ;)
    Allerdings kann ich es verstehen, wenn man sein geliebtes Werk nicht einfach teilweise in eine Zeitung setzt, es hat schließlich besseres verdient.
    Das ist aber auch schwierig. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass es noch klappt und ein Verlag das zu würdigen weiß.


    Kati :winken:

  • Auch habe dann noch eine Frage, die zum Teil ja schon beantwortet wurde.


    In wie weit ist der Roman autobiografisch ;)


    Sie hatten ja schon von der Verselbstständigung des Schreibens geschrieben, aber die Ansätze, da wär ich ja schon neugierig ;D


    Liebe Grüße


    Olima


  • Auch habe dann noch eine Frage, die zum Teil ja schon beantwortet wurde.


    In wie weit ist der Roman autobiografisch ;)


    Liebe Olima,


    kennen Sie die meistgehaßte und -gestellte Frage Elke Heidenreichs auf ihren Lesungen?
    "Haben Sie das alles selbst erlebt oder haben Sie sich das "nur" ausgedacht?"


    Ich behaupte, dass nicht nur die Autorin Elke Heidenreich weiß, was die Leser darauf hören wollen.
    Sagt der Autor ,"Ja, alles selbst erlebt!" kommt ein "Wow" und er erzeugt noch mehr Neugierde auf sich (den Autor).
    Sagt er hingegen "Nein, leider "nur" ausgedacht", steht die Enttäuschung den Lesern ins Gesicht geschrieben. Wäre aber gleichzeitig das viel größere Kompliment an die Fähigkeiten (kreatives Kraftpotential) eines Schriftstellers.


    Herunterzuschreiben, was Autor erlebt hat, ist meines Erachtens keine allzu große Kunst. Auch fehlt es solchem Schriftsteller vermutlich an den nötigen Fähigkeiten um sich langfristig im Literaturbetrieb zu etablieren.


    Mein Agent sagte einmal zu mir: "Ach, wissen Sie, Frau Behnke, die schönsten Geschichten, die es auf der ganzen Welt gibt, schreibt immer noch das Leben."
    Ich gebe ihm Recht - hundertprozentig.


    In diesem Sinne - entscheiden Sie selbst wie schön (oder glaubwürdig) Sie FEDERSPIEL fanden. ;)


    Beste Grüße
    Simone Behnke

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen