03 - Seite 201 bis 270 (Kapitel 18 - 23)

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  • Artsruni ist ein Nachname ...



    Ich hab mir ja solche Muehe gegeben, diese Verwirrung anzurichten!
    Und tagelang nach einem geeigneten Namen gesucht, der nicht auf -ian endet ...


    Und dann hast du noch so einen königlichen Արծրունիներ gefunden.

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Dass Amarna sich bei Arman fühlt als würde sie nach Hause kömmen kann ich gut verstehen. Wer hatte nicht schon mal das Gefühl beim Anblick einer bestimmten Person aus der Kindheit es wäre wie ein Heimkehren. Also mir ist das auch schon mal passiert. Zwar nicht in diesem Ausmaß wie bei Amarna, aber ich kann es sehr gut nachempfinden :)


    Mir geht es ähnlich. Wenn man das Herz weit offen hat, findet sich die Liebe, ohne dass man sich "kennen" muss. Weil es sich einfach richtig anfühlt.

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen

  • Vielen Dank fuer Deine Eindruecke, Svanvithe.


    Ich freue mich ganz besonders, dass Du mein Liebespaar magst und diese Szenen gern gelesen hast.
    Ich moechte immer ueber Liebe schreiben, Eros und Thanatos, ohne Liebe keine Fallhoehe, aber mir gelingt es nicht so, wie ich es gern moechte, ich habe keine Hand dafuer (Tod ist leichter ...), und meine Liebesszenen kann ich hinterher nie wieder anschauen, so peinlich ist mir das.
    Die zwei hier sind meine. Die habe ich immer wieder gelesen, muss zwar grinsen, aber peinlich ist mir nix. Sie sind so geworden, wie ich sie wollte. Darueber freu ich mich auch ein Jahr spaeter noch.


    Und Du schaffst es ja, meine wundervolle Spaghettischrift hier einzutippen. Bei mir geht das nicht, obwohl ich bei Word umschalten kann. Aber nicht im Netz, leider ...
    Ich fand den Namen auch schoen. Nachdem ich in Armenien war, fand ich ihn noch schoener. Sprichst Du Armenisch, Svanvithe? Wir leider nicht. Wir haben seit einem Jahr einen Trainer, aber so richtig vorwaerts kommen wir leider nicht. Zu wenig Zeit, zu wenig Platz und zu viel Rost im Kopf. Trotzdem bin ich wild entschlossen, mir, wenn wir jetzt bald wieder hinfahren, todesmutig auf Armenisch ein Fruchtjoghurt zu kaufen ...


    Ich freu mich, dass Nathan Rosen als Vermittler der Geschichte angekommen ist. Es war eine sehr schwere Entscheidung, das aus zweiter Hand und gedaempft erzaehlen zu lassen, ueber die ich immer noch nachdenke. Den Leserreaktionen nach habe ich das (und alle Szenen und Erzaehlungen, die dazugehoeren) zu sehr zurueckgenommen, hatte noch zu viel Angst vor versagenden Mitteln oder davor, nach Effekthascherei auszusehen. Aber es war eben mein erster Versuch.


    Dass Du und Karin geschrieben habt, es geht euch nahe, ist eine grosse Erleichterung.
    Dennoch muss ich wohl im zweiten Buch deutlich mehr Farbe bekennen. Da ist zu vieles ohne Wirkung verpufft, und das macht mich traurig.


    Zu den Hintergruenden der Schlangenstory darf ich (wie zu Deinen vielen anderen interessanten Spekulationen) ja leider noch nichts sagen. Aber das ist natuerlich richtig: Arman war voellig sich selbst ueberlassen, ist ohne Halt aufgewachsen und macht eine ganze Menge Muell, um irgendjemandes Aufmerksamkeit zu erlangen.
    Dass man als Vater allerdings durchdreht, wenn man in einem Gebiet, in dem es zahlreiche Giftschlangen gibt, im Bett seiner Fuenfjaehrigen eine Schlange findet, kann ich auch nicht uebelnehmen. (Womit ich kein brutales Verpruegeln entschuldige, hoechstens eine spontane Ueberreaktion.)


    Paul mag ich in der Szene auch!
    Und ueberhaupt mag ich das an Paul: Er ist kein mutiger Held. Aber vor allem keiner, der bei Unrecht zusehen kann.


    Merten war fuer mich eine der interessantesten Figuren ueberhaupt aus genau den Gruenden, die Du anfuehrst: Er ist einer, der fuer Toleranz und Menschenrecht kaempft, der ein Buch geschrieben und noch einiges andere gemacht hat (kommt, glaube ich, erst spaeter), aber das heisst nicht, dass in ihm keine Tendenzen von Menschenverachtung brodeln, auf die er achten (und die er sich dazu erst einmal eingestehen!) muesste, um sie in Schach zu halten.
    Als junge Frau hat mir in einem Faschismustheorie-Seminar einmal ein Dozent gesagt: Man muss den eigenen inneren Faschisten erst einmal ansehen, um ihn zu bannen. Damals war ich eine junge Mutti, die Jugendgruppen nach Auschwitz und Buchenwald leitete, aufgezogen in einer wundervollen antifaschistisch-multinationalen Familie und stinksauer darueber. Innerer Faschist? Ich? Wollte ich nicht hoeren.
    Nicht allzu viel spaeter war mir klar, wie klug das ist, was fuer eine wichtige, kluge Warnung.
    An den Mann habe ich viel gedacht, als ich Merten geschrieben habe.


    Ich bedank mich noch einmal sehr herzlich.
    Habe mich sehr ueber Deine Eindruecke gefreut.
    Herzlich,
    Charlie

  • Ich gehe mal davon aus, dass sie außer Freundschaft nie etwas für ihn empfunden hat und deswegen so leichtfertig damit umgeht.


    Toll ist das nicht und echt fies gegenüber Paul. Ich bin da voll auf deiner Seite. :bussi: Ich habe irgendwie auch immer ein Herz für die Verlassenen, liegt vielleicht auch daran, dass ich oft der "Paul" in der Beziehung war.


    Ja, ich glaube auch, das ist genau das Problem. Für Armana war Paul immer der gute Freund, der immer zur Stelle war, wenn sie jemanden brauchte, aber verliebt war sie nicht wirklich in ihn. Vielleicht hat sie sogar geglaubt, ihn zu lieben, aber als sie ihre wahre Liebe trifft, ist Paul vergessen. Paul ist eine arme treue Seele, sein Traum mit Armana ist wohl geplatzt. Ich finde es aber trotzdem toll, dass er sich noch immer als Ehrenmann verhält, das zeigt seine menschliche Größe.

  • Dieser Abschnitt hat ja einige interessante Erkenntnisse gebracht.


    Der beeindruckendste für mich ist, dass sich Armana und Arman schon auf früherster Jugend kannten und gemeinsam auf der Ausgrabungsstätte waren, keine Wunder also, dass sie sich gleich so vertraut gefühlt haben. Ich glaube, es ist für Armana eine wichtige Entdeckung, auch wenn erst ein Teil der Erinnerung wiedergekommen sind.


    Was ist damals nur passiert? Was hat zu diesem totalen Hass von Mertens gegen Amran geführt? Warum verschweigt Armanas Vater die Zeit komplett? Warum wurden Forschungsberichte versteckt und Namen geschwärzt? Ob das etwas mit der Verfolgung der Armenier zu tun hat?


    Interessant fand ich das Gespräch, das Armana mit Rosen geführt hat. Ich wusste zwar, dass es das Massaker an diesem Volk gab, aber das Ausmaß war mir nicht bewusst. Arman scheint ja seine ganze Familie verloren zu haben und damit auch seine Wurzeln. Genau so kommt er mir vor, wie eine Pflanze ohne Wurzeln, der nirgends Halt findet. Nach der Beschreibung der Ermordung seiner Mutter kann ich mir das Grauen der Verfolgungen, die er erlebt hat, richtig vorstellen. Kein Wunder, dass eine Leben ausserhalb diese Gesellschaft führt, die ja immerhin für die Taten verantwortlich war.


    Einzig die Geschichte der Hettither scheint ein Pol zu sein, um den sich sein Leben dreht. Da hat er wirklich beeindruckende Kenntnisse und auch seine Bildhauerkunst scheint von überdurchschnittlicher Begabung zu zeugen. Aber hat er nicht auch noch ein Geheimnis, dass er vor Armana verbirgt? Ich habe so den Eindruck.


    Mertens Verhalten gegenüber Arman ist sehr seltsam. Er schein vollkommen über zu reagieren. Interessant fand ich, dass er angeblich ein Buch über Toleranz geschrieben hat und dann dieses Vorgehen gegenüber Arman, dass passt doch nicht zusammen. Es bleibt wirklich spannend, was ist damals nur passiert, dass Mertens zu so einer Reaktion gegenüber Arman bewegt.


    Es bleibt spannend, ich lese dann mal weiter.

    Einmal editiert, zuletzt von Taubenschlag ()

  • Mertens Verhalten gegenüber Arman ist sehr seltsam. Er schein vollkommen über zu reagieren. Interessant fand ich, dass er angeblich ein Buch über Toleranz geschrieben hat und dann dieses Vorgehen gegenüber Arman, dass passt doch nicht zusammen. Es bleibt wirklich spannend, was ist damals nur passiert, dass Mertens zu so einer Reaktion gegenüber Arman bewegt.


    Bei Merten sind Theorie und Praxis wohl zweierlei. Toleranz ja, aber nicht Arman gegenüber.

  • Hallo zusammen,


    was ist damals in Hattuša nur geschehen? Gaspar ist Armans Vater, aber warum ist sein Name in den Dokumenten immer wieder geschwärzt? Das wilde Verhalten seines Sohnes ist doch kein Argument...
    Das, was wir über Arman erfahren, bringt etwas Licht ins Dunkel. Dennoch frage ich mich, warum er - laut Merten - Tilman Brandstätter so sehr hasst? Bislang klingt es eher so, dass er ihm dankbar ist. Oder ist es eher das, was Nathan Rosen beschreibt? Dass Arman nicht akzeptieren kann, dass er überlebt hat - seine Mutter und seine Schwester jedoch nicht? Interessant ist jedenfalls, dass Arman im selben Haus lebt wie seine Familie vor dem Völkermord an den Armeniern...
    Und Amarna erfährt immerhin ein paar winzige Bruchstücke aus ihrem Leben. Aber für mich wirft das eher die Frage auf, ob Nora wirklich existiert hat. Oder ist das nur ein Name, den man ihr 'hingeworfen' hat? Stammt ihre Mutter vielmehr aus dem Dorf nahe Hattuša?
    Und dann die Beschreibungen von Armans Rücken... Auch die von Hieben gezeichnete Haut könnte Richtung Urih-Tešub deuten, auch wenn sie mit Sicherheit aus dem Heim an der Grenze zu Russland stammen. :o
    Warum nur hasst Merten den Jungen Arman nur so? Doch nicht nur, weil er so widersprüchliche Gefühle in ihm ausgelöst hat? Und andererseits schickt er bzw. sein Freund Tilman Schecks... Ist Gaspar damals in Hattuša zu Tode gekommen? Durch die Schuld der beiden deutschen Freunde vielleicht?


    Fragen über Fragen - ich muss sagen, dass ich dieses Buch sehr gerne lese. Auch wenn das Thema nicht immer einfach ist und mich sehr erschüttert. Wenn ich nur denke, dass die Türkei noch heute den Völkermord an den Armeniern nicht eingesteht...


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea

    Einmal editiert, zuletzt von dubh ()

  • Fragen über Fragen - ich muss sagen, dass ich dieses Buch sehr gerne lese. Auch wenn das Thema nicht immer einfach ist und mich sehr erschüttert. Wenn ich nur denke, dass die Türkei noch heute den Völkermord an den Armeniern nicht eingesteht...


    Danke, dubh.


    Ich hoffe, es geht Dir besser.


    So wie Nathan Rosen es beschreibt, war und ist es fuer einen Grossteil der Menschen mit Survivor's Syndrome - auch wenn viele Gelegenheiten, aussagekraeftige Studien, vor allem an Kindern, durchzufuehren, leider nicht genutzt wurden und man die heute sehr alten betroffenen Menschen in Ruhe lassen muss und nicht noch einmal mit einem "Trigger" in ihr eigenes Trauma stuerzen darf. Ueberleben, entkommen sein, waehrend es fuer alle, die zu einem gehoerten, keine Rettung gibt, loest einen schier unertraeglichen Druck aus. Zudem kann man sich praktisch keine Klage erlauben, kaum auf Hilfe hoffen. Das lebende Vorbild der Hauptfigur in meinem Roman "Als wir unsterblich waren", eine Frau, die entfliehen und in Sicherheit ueberleben konnte, waehrend ihre Freunde und Verwandte in Deutschland ermordet wurden, hat mir mal erzaehlt, zu ihr haetten Leute spaeter gesagt: "Was ist denn so schlimm fuer dich? Du bist doch rausgekommen, dir ist doch nichts passiert."


    Das Haus wiederhaben zu wollen, fand ich nachvollziehbar. Arman hat keine Graeber, keine Andenken, keine Moeglichkeit (die gibt es, wie du ja auch anfuehrst, bis heute nicht), enteigneten, gestohlenen, zerstoerten Besitz seiner Familie wiederzubekommen. Das Haus ist alles, was von seinen Wurzeln uebrig ist. Ich fand, er muesse das wiederhaben wollen, zumindest versuchen, zu spueren, was seine Familie war.


    Alles Liebe von Charlie


  • Und Du schaffst es ja, meine wundervolle Spaghettischrift hier einzutippen.
    Ich fand den Namen auch schoen. Nachdem ich in Armenien war, fand ich ihn noch schoener. Sprichst Du Armenisch, Svanvithe? Wir leider nicht. Wir haben seit einem Jahr einen Trainer, aber so richtig vorwaerts kommen wir leider nicht. Zu wenig Zeit, zu wenig Platz und zu viel Rost im Kopf. Trotzdem bin ich wild entschlossen, mir, wenn wir jetzt bald wieder hinfahren, todesmutig auf Armenisch ein Fruchtjoghurt zu kaufen ...


    Ich finde die Spaghettischrift einfach genial, sie übt eine Faszination aus, der man sich nicht entziehen mag...


    Armenisch selbst spreche ich nicht. Doch ich bin auf Grund deiner Blogbeiträge so sehr infiziert, dass ich gerade heute meine Freundin Oxana daran erinnert habe, dass sie mir im letzten Jahr versprochen hat, mich nach Jerewan zu begleiten. (Als Russin spricht sie ihre Muttersprache perfekt, mein Schulrussisch ist ausbaufähig, aber zusammen kommen wir in Jerewan damit vermutlich sehr weit.)
    Und dann hat sie mir noch offenbart, dass ihre erste Liebe ein Armenier war. Wenn das kein Omen ist...



    Ich freu mich, dass Nathan Rosen als Vermittler der Geschichte angekommen ist. Es war eine sehr schwere Entscheidung, das aus zweiter Hand und gedaempft erzaehlen zu lassen, ueber die ich immer noch nachdenke. Den Leserreaktionen nach habe ich das (und alle Szenen und Erzaehlungen, die dazugehoeren) zu sehr zurueckgenommen, hatte noch zu viel Angst vor versagenden Mitteln oder davor, nach Effekthascherei auszusehen. Aber es war eben mein erster Versuch.


    Dass Du und Karin geschrieben habt, es geht euch nahe, ist eine grosse Erleichterung.
    Dennoch muss ich wohl im zweiten Buch deutlich mehr Farbe bekennen. Da ist zu vieles ohne Wirkung verpufft, und das macht mich traurig.


    Ich muss sagen, dass die Erzählung von Nathan Rosen für mich sehr eindringlich war, wahrscheinlich aus dem Grund, weil die leisere Töne meinen Nerv oft empfindlicher treffen.


    Mich beschäftigt das Schicksal der Armenier auch außerhalb der Leserunde. Gerade gestern Abend sprach ich mit meinem besten Freund darüber und war ein wenig erstaunt, dass der Genozid am armenischen Volk für ihn nichts Unbekanntes gewesen ist. Er wusste sogar eine Jahreszahl (1916). Es ist ein Freude, jemanden zu haben, mit dem man sich austauschen kann. Mein Mann ist zwar auch belesen, aber das, was in der Vergangenheit liegt, interessiert ihn nicht...



    Paul mag ich in der Szene auch!
    Und ueberhaupt mag ich das an Paul: Er ist kein mutiger Held. Aber vor allem keiner, der bei Unrecht zusehen kann.


    Das hat er ja bereits in Berlin bewiesen... Was wäre aus der Welt geworden, wenn es mehr von den nicht mutigen Helden gegeben hätte...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen

  • Also ich kam mit meinem Russisch nicht weit, was natuerlich an meinem Russisch liegen kann, obwohl ich mich vorab mit muttersprachlichem Helfer bemueht hatte, das gruendlich aufzufrischen. Wir fanden die Erfahrung aber schoen. Es war das erste Mal, dass wir irgendwo praktisch komplett auf non-verbale Kommunikation (in der unser Sohn und ich voellig versagen, mein Mann aber glaenzt) angewiesen waren.
    Viele reizende, unvergessliche Erlebnisse waeren uns andernfalls verloren gegangen.
    Wir sind Vegetarier. Da wir das der charmanten alten Frau an einem Stand mit Backwaren nicht vermitteln konnten, sie aber sehr wohl begriff, dass wir irgendwelche Schwierigkeiten mit einer Zutat in ihren Teigtaschen haben koennten, riss sie die vergnuegt alle auf und liess uns reinschauen oder auch abbeissen, bis wir eine, die eindeutig fleischlos gefuellt war, gefunden hatten. Natuerlich wollten wir alle bezahlen. Sie hat gelacht, sich geweigert und die aufgerissenen mit uns zusammen gegessen. Den Becher Wein, den wir anboten, nahm sie hingegen an. Picknick auf Armenisch. Unbezahlbar.


  • Viele reizende, unvergessliche Erlebnisse waeren uns andernfalls verloren gegangen.
    Wir sind Vegetarier. Da wir das der charmanten alten Frau an einem Stand mit Backwaren nicht vermitteln konnten, sie aber sehr wohl begriff, dass wir irgendwelche Schwierigkeiten mit einer Zutat in ihren Teigtaschen haben koennten, riss sie die vergnuegt alle auf und liess uns reinschauen oder auch abbeissen, bis wir eine, die eindeutig fleischlos gefuellt war, gefunden hatten. Natuerlich wollten wir alle bezahlen. Sie hat gelacht, sich geweigert und die aufgerissenen mit uns zusammen gegessen. Den Becher Wein, den wir anboten, nahm sie hingegen an. Picknick auf Armenisch. Unbezahlbar.


    Was für ein großartiges Erlebnis, Charlie. Das sind solche Dinge, bei denen ich mir sicher bin, dass sie in Deutschland nicht möglich sind - und das finde ich sehr schade. Ich mag es einfach, wenn ein Händler etwas aus reiner Freundlichkeit und nicht aus Profit macht. :herz:

  • Ich denke, solche Erlebnisse sind mit die schönsten einer solchen Reise. Die bleiben in der Erinnerung haften...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Viele reizende, unvergessliche Erlebnisse waeren uns andernfalls verloren gegangen.
    Wir sind Vegetarier. Da wir das der charmanten alten Frau an einem Stand mit Backwaren nicht vermitteln konnten, sie aber sehr wohl begriff, dass wir irgendwelche Schwierigkeiten mit einer Zutat in ihren Teigtaschen haben koennten, riss sie die vergnuegt alle auf und liess uns reinschauen oder auch abbeissen, bis wir eine, die eindeutig fleischlos gefuellt war, gefunden hatten. Natuerlich wollten wir alle bezahlen. Sie hat gelacht, sich geweigert und die aufgerissenen mit uns zusammen gegessen. Den Becher Wein, den wir anboten, nahm sie hingegen an. Picknick auf Armenisch. Unbezahlbar.


    Wer reist kann viel erzählen, unangenehmes und angenehmes. Wenn ich mich an unsere Ostanatolienreise erinnere, dann denke ich zu allererst immer an die wundervollen gastfreundlichen Menschen. Überall wollte man sich mit uns unterhalten und hat uns eingeladen. Wenn wir uns nicht verstanden, wurde oft jemand gesucht, der schon mal in Deutschland war,und übersetzten musste. So was würde es hier nicht geben.

  • Interessant fand ich das Gespräch, das Armana mit Rosen geführt hat. Ich wusste zwar, dass es das Massaker an diesem Volk gab, aber das Ausmaß war mir nicht bewusst.


    Bewusst war mir das schon. In der Türkei, ganz im Osten, haben wir damals sehr viel über die Armenier und auch über dieses Massaker erfahren (Akem sei Dank!). Man verdrängt es dann aber, weil einem immer die Geschichte in Deutschland mit der judenverfolgung vor Augen gehalten wird. Dieses Buch war für mich der Anstoß, mich noch einmal mit der Geschichte der Armenier zu beschäftigen. Dabei bin ich auch auf einige Unterlagen gestoßen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie hatte. Stück für Stück hole ich Erinnerungen aus der Tiefe.

  • Suse

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