01 - Prolog sowie Kapitel 1 bis 3

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  • Ich liebe ihn sehr, weil er mich in seiner jungmännlichen Verlorenheit anrührt ... aber Elena, die Studentin, die mir bei der Lit.beschaffung hilft, war auch ziemlich streng mit ihm :(


    also, lasst euch bitte überraschen! Kommen ja bald noch neue spannende Figuren dazu ...
    Muss noch schnell sagen, dass es mir schon wieder solchen Spaß mit euch macht! :winken:
    Herzlichst Brigitte


    Oft sind die Gleichaltrigen die größten Kritiker. Ich hab wohl ein bisschen "Muttergefühle" für Jakob. Und ich wünsche ihm ja, dass er noch seinen Weg findet und auch, dass er mit Nele glücklich wird.

  • Ich mag Jakob...
    Aber ich glaube, das man hierfür auch wirklich Band 1 und seine (Jacobs) Vorgeschichte braucht.
    Ist ja auch nicht so das er lediglich "eine Karriere als Dieb hinter sich hat" sondern er wurde verletzt (psychisch und physisch), gedemütigt, mißbraucht.
    Er hat eine Kindheit erlebt, für die man wirklich eine "gute Aufarbeitung" braucht, um heile da raus zu kommen.
    Das er Probleme hat, anderen zu vertrauen und auch damit, zu glauben das jemand ihn mag, ist dadurch wirklich verständlich.

  • Das hast du wunderbar ausgedrückt, vielen Dank! :-*


    Dass seine Mutter ihn verkauft hat , wie er von klein auf geglaubt hat, an einen Mann, der ihn missbraucht und erniedrigt hat, war ein Riesentrauma für ihn. Inzwischen "weiß" Jakob, dass es anders war und Johanna ebenfalls getäuscht und hintergangen wurde, aber diese traumatischen Gefühle sind tief in ihm gespeichert. Ich konnte keinen jungen Mann beschreiben, der sich jetzt munter und klaglos in die "Normalität" einfügt - falls es das damals überhaupt gegeben hat!-
    Deshalb fühlt bitte mit ihm, seid auf seiner Seite, auch wenn er "Schmarrn macht" (wie wir in München sagen), während er versucht, seinen Weg zu finden ...


    Herzlichst eure Brigitte


  • Und wie findest du die Figuren bisher so? Zu Jakob hast du ja schon ein bisschen geschrieben, und die anderen? Den Inhalt lesen wir auch ;)


    Johanna ist eine sympathische Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Obwohl sie ja auch schon so viel mitgemacht hat, ist sie nicht verbittert. Sie zeigt jetzt auch nicht, dass sie sich in Basel nicht wohlfühlt, denn das würde ihre Familie belasten. Erst als es nicht anderes mehr geht, zeigt sie auch ihre Gefühle.


    Vincent liebt Johanna sehr, aber er ist ehrgeizig und die Kranken kommen oft an erster Stelle. Was in Jos Kopf vorgeht, hat er auch nicht bemerkt. Was da gegen ihn auf der Beerdigung vorgeht, hätte er eigentlich voraussehen müssen. Da war er aber ziemlich blind oder wollte es nicht wahrhaben.


    Nele gefällt mir sehr gut. Sie ist eine treue Seele.

  • Hallo Zusammen!


    Mir hat dieser erste Abschnitt sehr gut gefallen! Ich habe recht schnell in die Geschichte hineingefunden und fühle mich dort schon sehr wohl, auch wenn die Ereignisse natürlich alles andere als schön sind.
    Oh je, der arme Vincent! Da tut er alles, was er kann, um Menschen zu retten, und dann wenden sich alle gegen ihn und beschuldigen ihn. Medicus zu sein, war damals ein sehr undankbarer Beruf, fürchte ich, und auch gefährlich. Ich kann natürlich die armen Eltern von Toni und seinem Bruder verstehen; es muss ganz schrecklich sein, beide Kinder so kurz nacheinander zu verlieren! Aber Vincent hat doch alles getan, was er konnte. Dass Toni dann auch noch in diesen Nagel treten musste, war natürlich ganz schön übel. Ich hatte mich vorher schon so gefreut, dass er diese schwere Krankheit und den Schnitt in den Hals überstanden hatte. So eine Operation damals war sicher auch ziemlich risikoreich; wie schnell hätte sich die Wunde entzünden können. Um so schlimmer ist es eigentlich, dass er die OP übersteht, und dann eine Blutvergiftung bekommt wegen des rostigen Nagels! :'(


    Jakob hat natürlich Schuldgefühle; das kann ich gut nachvollziehen. Hätte er nur diesen blöden Ring nicht gestohlen; das konnte ja nur Ärger geben!
    Trotzdem mag ich Jakob. Und ich finde, seine widersprüchlichen Gefühle, seine Ängste kommen ziemlich gut rüber. Ich bin froh, dass er Nele hat. Sie ist wirklich eine liebe Person. Ich hoffe, sie kann ihm beistehen und ihm helfen.


    Das gleich gilt für Johanna und Vincent. Ich denke, die beiden können sich auch gegenseitig gut stützen. Hoffentlich haben sie in Mainz ein besseres Leben, aber ich befürchte ja, dass da auch wieder Schlimmes passieren wird. :lesen:

  • Nachdem die Lektüre der "Pestmagd" schon zwei Jahre zurückliegt, war ich gespannt, inwieweit der Einstieg in den Folgeband gelingt. Nahtlos kann ich resümieren, denn nach wenigen Seiten erinnerte ich mich an Johanna und die anderen, wobei sich bei jedem Einstreuen der Vergangenheit in die laufende Geschichte Puzzlestücke hinzufügten.


    Gefreut habe ich mich, dass die Liebe von Johanna und Vincent mit der kleinen Barbara gekrönt wurde und sich die beiden sehr nahe sind. Es ist schön zu erleben, wie sie sich stets aufs Neue ihrer Liebe versichern. Bestimmt gibt es noch das eine oder andere Geheimnis, Vincent deutet es an, doch es bleibt Zeit, diese auf dem gemeinsamen Weg ins Alter zu ergründen.


    Die alte Sabeth hat immer noch ihre blauen und grauen Tage, und Nele ist so ein feines Mädchen und Jakob aufrichtig zugetan.


    Jakob hadert mit sich und der Welt, so scheint es mir, und dem Empfinden, dass ihn mit seinem Vater nichts verbindet. Zumindest bildet er sich das ein. Ich denke, seine Vergangenheit, in der er verkauft, geschlagen, missbraucht und gedemütigt wurde, hat nicht nur sichtbare, sondern auch unsichtbare Narben hinterlassen, das Trauma seiner Kindheit kann er (noch) nicht abstreichen. Er ist für mich ein sehr vielschichtiger Charakter, und ich hoffe, dass er es schafft, sich von den Schrecken endgültig zu lösen. Wie sagt Sabeth: "Leg die dunklen Flügel ab, Jakob!... Die brauchst du nicht mehr. Ab jetzt trägt dich die Liebe deiner Eltern. Du musst dich nur noch darauf verlassen." (Seite 25) - Und auf die von Nele kann sich Jakob ebenso verlassen. Ich bin überzeugt, dass er in der Zukunft seinen Platz findet und das Gefühl haben wird, dazuzugehören und die Liebe, die ihm entgegen gebracht wird, zu schätzen weiß.


    Großartig ist es auch, Mendel ben Baruch wieder zu begegnen. Er sagt einen - wie ich finde - wundervollen Satz über die Kinder: "Sie sind das Salz der Welt... Unsere Liebe. Unsere Zukunft." (Seite 32) - Da musste ich gleich an meinen Sohn (stolze 18) denken...


    Beim Auftauchen von Kathi dagegen hat es mich geschüttelt, und die Situation während und nach der Erkrankung bzw. dem Tod des kleinen Toni habe ich als bedrückend und bedrohlich empfunden. Wenn es nicht bereits oft in Romanen thematisiert wird, würde mich das engstirnige, dumme Verhalten der Menschen verblüffen und schockieren. Die Beklemmung bleibt hier jedenfalls bestehen, was Unwissenheit und Aberglaube bewirken können...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Bei Halsbräune musste ich erstmal online nachschlagen um was für eine Krankheit es sich hier schon wieder handelt. Wir sind ja mit heute mit den alten Begrifflichkeiten nicht unbedingt vertraut.


    Halsbräune kannte ich schon aus einem anderen Roman. Ich habe mir stattdessen die Gundelrebe, auch Gundermann genannt, noch mal anschauen müssen. Wenn man die Pflanze kennt, kann man sie auf Schritt und Tritt bei uns entdecken...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Ich habe dein kleinen Toni nicht aus Effekthascherei sterben lassen, das wirst du mir sicherlich glauben, sondern, um zu zeigen, wie nah der Tod den Menschen in jedem Moment war. Mensch, da hat er diese Not-Op überlebt - und dann war es "nur" ein rostiger Nagel - und alles aus. Was mir so wichtig daran ist: Das konnte jeden treffen, reich, arm, alt, jung, den Bettler ebenso wie den König ... die Hauptmittel der Medizin waren Aderlass und Einlauf - kannst dir vorstellen, was passiert, wenn man diese beiden "Methoden" einem geschwächten Organismus angedeihen lässt ... :(


    Außerdem wollte ich zeigen, wie rasch die Stimmung kippen konnte - und das konnte sie: heute noch umjubelt, dann geht etwas schief - und der Medicus ist der Böse ...


    Genau so habe ich es empfunden. Die Menschen waren damals weit weniger gegen Gefahren geschützt, und da kann es eben einen schneller dahinraffen als er denken kann. Dass nicht nur die Eltern Vincent anfeinden, hast du nachvollziehbar deutlich gemacht. Dem Hass gegenüber ist man machtlos...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Ich habe es schon geschrieben, möchte es aber noch einmal bekräftigen, dass ich Jakob gut leiden und verstehen kann. Mit dem Päckchen auf dem Rücken braucht es eine Zeit und ganz viel Zuneigung, um das Erlebte zu überwinden...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Wie sagt Sabeth: "Leg die dunklen Flügel ab, Jakob!... Die brauchst du nicht mehr. Ab jetzt trägt dich die Liebe deiner Eltern. Du musst dich nur noch darauf verlassen." (Seite 25)


    Die Sabeth hat ihm einen guten Rat erteilt. Sie hat anscheinend seherische Fähigkeiten, nur niemand bekommt es mit. Da Sie verwirrt ist (Demenz?), nimmt man ihre Aussagen nicht so ernst.

  • Sabeth hat gute und schlechte Tage, so wie wir das heute bestimmt tatsächlich bei Demenzkranken empfinden. Ich denke allerdings schon, dass ihre seherischen Ahnungen durchaus bemerkt werden, vor allem, wenn sie sich als richtig herausstellen...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen

  • ja, Sabeth hat blaue und graue Tage - und manchmal "sieht" sie auch das Gras wachsen ... wenn der "Honig im Kopf" nicht zu dickflüssig ist ... jemand hat mich auf den neuen Til-Schweiger-Film angesprochen ... aber den kannte ich nicht, ich muss nämlich leider die Flucht ergreifen, wenn ich den reden höre ... :(


    Herzlichst Brigitte

  • So, jetzt habe ich mich endlich auch hier zurecht gefunden und möchte sagen, dass ich vom Prolog und den ersten drei Kapiteln schon sehr angetan bin. Ich fand es super, dass du Band 1 aufgreifst und gleich extrem spannend in die Handlung einsteigst. Man erspürt schon gleich wieder die Zeit, kann sich perfekt in sie hinein versetzen und die Handlungen der Charaktere nachvollziehen. Mir gefällt sehr gut, wie du es geschafft hast, dass ich mich von Beginn an wohlfühle und unbedingt weiterlesen möchte.

  • danke, liebe Heidi!
    Ich wollte es den Lesern, die Band 1 nicht kennen, möglich machen, auch so hier einzusteigen ... natürlich hat mehr davon, wenn man beides kennt, weil ich ja nicht durch ein paar Andeutungen 500 Seiten intensiven Text ersetzen ...


    Die Reise geht also weiter - und ich freue mich, dass du dabei ist - ein tolles Forum hier, wie du sicherlich schon gemerkt hast! :)
    Herzlichst Brigitte


  • Die Reise geht also weiter - und ich freue mich, dass du dabei ist - ein tolles Forum hier, wie du sicherlich schon gemerkt hast! :)


    :-*


    Und am meisten Spaß macht es, wenn man auch auf die Beiträge der anderen eingeht und so ein bisschen über das Buch diskutiert ;)

  • nur mal kurz hier reingeschneit:


    Mir ist der Film ja nur eingefallen, weil ich über den Begriff "Honig" im Kopf gestolpert bin und ich ihn so treffend finde. Wenn man Sabeth über längere Zeit begleitet, merkt man, wie treffend der Vergleich mit dem Honig ist.