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    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!


    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • Dann mache ich hier mal in puncto Rezension den Anfang. ;D


    Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Das Leben einer Anderen leben?


    Über dieses zauberhafte Buch bin ich nur durch Zufall gestolpert und es war mein erster Roman von Thommie Bayer, aber ganz sicher nicht mein letzter.


    In der Geschichte geht es um Chiara, die ihre Heimat Italien fluchtartig verlassen hat. Sie nimmt in Deutschland den Platz ihrer Freundin Leonie ein und verdient ihren Lebensunterhalt als Putzfrau. Dieser Job soll eigentlich nur für den Übergang sein, doch sehr schnell stellt Chiara fest, dass ihr der Beruf liegt, ist sie doch gern in den Wohnungen fremder Menschen unterwegs und hat es gern ordentlich. Doch dann findet sie in einer der Wohnungen jede Woche eine Geschichte und immer mehr wird zur Gewissheit, dass diese Geschichten etwas mit ihr zu tun haben. Kann das wirklich sein?


    Obwohl dieses Buch verhältnismäßig wenige Seiten umfasst, strömt diese Geschichte so viel aus. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, der Schreibstil des Autors ist fesselnd und allgemein ist eine Tiefe gegeben, die ich so nicht erwartet hatte.


    Die Ereignisse werden uns durch einen allwissenden Erzähler übermittelt.


    Chiara als Protagonistin ist unheimlich spannend, eine quirlige Person, deren Schicksal man gern miterlebt. Als Leser möchte man unbedingt das Geheimnis ihrer Flucht ergründen. Ich konnte mich mit ihr identifizieren und auch wenn ich selbst nicht alle Entscheidungen, die sie trifft gutheiße, so konnte ich sie dennoch gut verstehen.


    Für mich ist dieses Buch ein klarer Geheimtipp, denn es verzaubert und verwöhnt einen zudem mit einer unheimlich tollen Sprache.


    Fazit: Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Perfekt auch als Geschenk für Freunde und Bekannte. Klasse!


    Bewertung: 5/ 5 Sternen


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    Rezensionslinks:


    Amazon: http://www.amazon.de/review/R3…405PTY/ref=cm_cr_rdp_perm


    Goodreads: https://www.goodreads.com/revi…60?book_show_action=false


    Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/auto…4-w/rezension/1153125041/


    Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension/das-leben-einer-anderen-leben


    Literaturschock- Hauptseite: http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/gegenwartsliteratur/weißer-zug-nach-süden


    Literaturschock- Forum: https://literaturschock.de/lit…x.php?thread/36480.0.html


    mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/…ension-thommie-bayer.html


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    Ich bin unheimlich froh, dass ich hier mitgelesen habe, denn sonst hätte ich ein unheimlich tolles Buch verpasst. Daher ganz lieben Dank an das Organisationsteam und natürlich auch an Thommie für das tolle Buch und die Leserundenbegleitung. :bussi:

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Ich möchte auch dem Leserunden-Team für das Buch und die gelungene Organisation und Thommie für das Buch und die tolle Begleitung der Runde danken. Es hat einen Riesenspaß gemacht, dieses besondere Buch hier gemeinsam zu erlesen.


    Hier nun auch meine Rezension:



    Ein bisschen wehmütig, aber gleichzeitig satt - so wie nach einer abgerundeten Mahlzeit, einer mit mehreren Gängen und den dazu passenden Weinen: so fühlte ich mich nach der Lektüre von Thommie Bayers "Ein weißer Zug nach Süden", einem Roman, der trotz seiner grundlegenden leicht melancholischen Stimmung einfach ein Gute-Laune-Buch ist.


    Woran das liegt? Thommie Bayer findet einfach die richtigen Worte und dass in seiner ganz speziellen Art und Weise, die durchaus locker-flockig ist, ohne aber im mindesten flapsig zu wirken. Nein, Thommie Bayer beweist hier einmal mehr, dass "leger" und "gewählt" keine Gegensätze sein müssen; beide Adjektive eigenen sich nämlich in Ergänzung zueinander bestens, um dieses Buch zu beschreiben.


    Worum es geht: Chiara, eine Deutschitalienerin bzw. Italiendeutsche - kurzum: eine junge Frau mit deutscher Mutter und italienischen Vater, die nach einer in Süddeutschland verbrachten Jugend nun in Italien lebt, verlässt Hals über Kopf ihr Zuhause, als sich ihr die Möglichkeit bietet, länger in Deutschland unterzukommen. Ihre Freundin Leonie zieht es nach New York und Chiara kann sowohl Häuschen als auch diverse Putzjobs übernehmen. Warum sie so überstürzt nach Deutschland gekommen ist, erfährt der Leser zunächst nicht.


    Chiara richtet sich auf höchst eigenwillige und individuelle Weise in Leonies Leben ein - man könnt sagen, dass sie es auf ihre ganz und gar spezielle Art und Weise lebt, wobei vor allem einer ihrer "Pützlinge" ihr Interesse weckt - Herr Vorden, in dessen Wohnung, ja Leben sie auf bestimmte Art eindringt, ohne ihn je gesehen zu haben. Das geht nicht unbemerkt an Herrn Vorden vorbei, der bestimmte Zeichen seiner Wahrnehmung hinterlässt. Und er hinterlässt Geschichten, Woche für Woche eine neue, die Chiara stets liest.


    Ein besonderes Buch, in dem es um Geheimnisse, Beziehungen, Individualität, Streben nach Erfüllung und noch vielem mehr geht - und das ich mit großem Genuss gelesen habe. Das Einzige, was aus meiner Sicht hätte wegfallen können: immer wieder formuliert der Autor Selbstverständliches, Gedanken, auf die der Leser sowieso kommt, quasi als Resümee. Hier wäre aus meiner Sicht weniger mehr gewesen, auch wenn das Buch sich sowieso nur auf 144 Seiten beschränkt. Doch mehr ist bei einem so wortgewaltigen Künstler wie Thommie Bayer auch gar nicht nötig. Formulierungen wie "Menschenfreund aus sicherer Entfernung" (über Vorden auf S. 132) haben mich immer wieder berührt. Ich empfehle dieses Buch jedem, der leichte Lektüre liebt, Seichtes dagegen hasst und das Buch nach dem Lesen mit einem guten Bauchgefühl zuklappen will.



    Tausend Dank nochmal - sie erscheint auch bei lovelybooks und auf amazon.

  • Hier nun meine Rezension :)


    Wenig Seiten - viel Inhalt


    Inhalt:
    Die junge Deutsch-Italienerin Chiara hat Hals über Kopf ihre Familie in Castelnuovo verlassen und ist bei ihrer Freundin Leonie in Deutschland untergekommen. Leonie wiederum zieht es nach New York. So kommt es, dass Chiara in Leonies Haus lebt und deren Putzjobs übernimmt, ein Stück weit in deren Leben schlüpft. Sie entwickelt ihre eigenen Routinen, die ihr Sicherheit geben. Durch die Wohnungen, die sie putzt, lernt sie deren Bewohner kennen, auch wenn sie ihnen persönlich nie begegnet. Dabei haben es ihr besonders Herr Vorden und seine schöne Wohnung angetan. Ganz langsam entwickelt sich eine subtile Kommunikation zwischen den beiden. Hier ein Zettel, da eine Tafel Schokolade, schließlich Kurzgeschichten, in denen Chiara sich und ihr Leben wie auf magische Weise wiederfindet.


    Meine Meinung:
    Mit viel Empathie lässt Thommie Bayer den Leser an einer Episode in Chiaras Leben teilhaben. Auf wenigen Seiten zeichnet er ein dichtes Bild seiner Protagonistin, die ihren weiteren Lebensweg finden muss. Es sind die leisen Töne, die punktgenauen Beschreibungen, die mir an Bayers Schreibweise so gut gefallen. Jedes Wort ist sorgfältig ausgewählt und harmonisch mit den anderen kombiniert, hier ist nichts überflüssig. So gelingt es, auf wenigen Seiten so viel auszudrücken.


    Möchte man anfangs unbedingt wissen, was in Chiaras Vergangenheit passiert ist, weshalb sie aus Italien geflüchtet ist, wird mit der Zeit diese faszinierende, kaum zu fassende Beziehung zu Vorden immer interessanter. Hier kann die Fantasie des Lesers auf Hochtouren arbeiten.


    Mich hat das Buch von vorne bis hinten gefesselt, es hat mich auch zwischen zwei Leseabschnitten beschäftigt. Dabei war mir Chiara nicht einmal besonders sympathisch, einige ihrer Verhaltensweisen kann ich nicht gutheißen. Doch zu ihr passen sie, sie machen das Besondere dieser Figur aus.


    Thommie Bayer hat mit diesem kleinen, aber feinen Buch wieder einmal gezeigt, was für ein großartiger Autor er ist.


    :buchtipp:



    Meine Rezi ist auch hier zu finden:


    Literaturschock-Hauptseite
    Literaturschock-Großes Bücherforum
    amazon
    LovelyBooks
    wasliestdu
    Mein Blog

  • Ein wirklich schönes Buch!


    Inhalt:


    Die junge Halbitalienerin Chiara ist Hals über Kopf aus ihrem Heimatort Castelnuovo geflohen und hat bei ihrer besten Freundin Leonie in einem kleinen badischen Ort Unterschlupf gefunden. Dankbar springt sie in deren Leben, übernimmt ihre Wohnung bzw. das Häuschen und deren Putzjobs. Und sie fühlt sich momentan wohl damit. Leonie ihrerseits nimmt sich eine Auszeit in New York. Chiara nimmt ihre neue Arbeit als Haushaltshilfe sehr ernst,sie macht ihre Arbeit ordentlich und analysiert dabei mit großer Menschenkenntnis ihre „Putzbefohlenen“.
    Nur mit Herrn Vorden ist sie gnädig, eine aufgeräumte saubere Wohnung, an der alles seinen Platz hat und die von dem Schriftsteller nur an einem Tag in der Woche bewohnt wird. Irgendetwas scheint sie an dieser Wohnung zu faszinieren, sie fühlt sich dort auf magische Weise besonders wohl und verbringt heimlich mehr Zeit dort als nötig. Nachdem sie mit ihrer Arbeit fertig ist legt sie sich in die Badewanne, hört Musik – danach werden aber immer alle ihre Spuren bis aufs letzte beseitigt.
    Dann passieren ihr kleine Fehler, eine fehlende Tafel Schokolade im Kühlschrank, eine nicht zurückgelegte CD. Durch diese kleine Unachtsamkeiten entspinnt sich eine zarte Kommunikation zwischen ihr und dem Unbekannten.
    Eigentlich möchte sie nicht in den privaten Dingen des Wohnungsbesitzers herumschnüffeln, von dem sie überhaupt nichts weiß, weder Alter noch Vornamen – trotzdem liest sie eines Tages eine seiner Kurzgeschichten, die jede Woche in einem Stapel neben seiner Schreibmaschine liegen.


    Chiara fühlt sich seltsam berührt - nicht nur, weil sie glaubt, dass sie den Schriftsteller durch die vergessene CD vielleicht zu dieser Geschichte inspiriert hat. Vordens Geschichten haben auf unerklärliche Weise mit ihrem eigenen Leben zu tun ….


    Aber was kann Herr Vorden von ihr wissen? Weshalb sie Italien verlassen hat, das hat sie niemandem erzählt, selbst ihrer besten Freundin Leonie nicht.


    Leseindruck:


    Eine sehr gut geschriebene Erzählung um eine Reihe von Kurzgeschichten, die alle für sich schon sehr reizvoll und bildhaft sind, aber zusammen mit Chiaras Geschichte noch einmal ganz anders zum Nachdenken anregen.
    Ein kleines Buch über das Leben, die Sehnsucht und die Suche nach dem Glück, der eigenen Bestimmung, über hierzu notwendige Neuanfänge und Abschiede.
    Mir hat das Buch von der ersten bis zur allerletzten Seite sehr gut gefallen! Es war mein erstes, aber ganz sicher nicht letztes Buch dieses Autors. Ich bin froh, diese kleine Perle unter hunderten von Neuerscheinungen entdeckt zu haben!


    Ich werde selbstverständlich auch auf anderen Seiten meine schöne Leseerfahrung teilen - das sind üblicherweise lovelybooks, amazon, Mayersche, literaturschock etc.


    Ganz lieben Dank für die schöne Runde mit Euch und dem Buchschatz!

  • Und hier kommt meine Rezension:


    Chiara hat ihre Heimat Italien verlassen um ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Sie ist geflohen und in das Leben ihrer Freundin Leonie eingetaucht, die ihrerseits für einen längeren, noch unbestimmten Zeitraum in Amerika weilt. Chiara bewohnt Leonies Haus und übernimmt ihre Jobs. Sie putzt und übt im Rahmen ihrer Tätigkeit auch andere Alltagsaufgaben aus. Jeden Tag unterhalb der Woche ist sie beschäftigt, morgens und nachmittags trifft sie auf andere Menschen und/oder andere Wohnungen. Am liebsten putzt Chiara die Wohnung des Herrn Vorden. Diese Wohnung ist so anders. Alles ist ordentlich, geradlinig und gepflegt. Herrn Vorden selbst kennt sie nicht persönlich, aber je länger Chiara seine Wohnung putzt, je mehr hat sie das Gefühl diesen Mann zu kennen und ihm emotional sehr nahe zu sein. Und das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn Vorden ist Schriftsteller und in den Kurzgeschichten, die er schreibt und in seiner Wohnung liegen lässt, findet Chiara sich selbst und Teile ihres Lebens wieder.


    Thommie Bayer schafft es in seinem kleinen Buch eine wundervolle Geschichte zu erzählen über die Möglichkeiten, die das Leben bietet. Hierbei spielen zwischenmenschliche Beziehungen und die Vorstellungskraft jedes Einzelnen eine große Rolle.
    Besonders gelungen sind die vielen kleinen Geschichten, die hier perfekt in die Rahmenhandlung integriert sind. Und doch stellt jede für sich gesehen eine kleine Besonderheit dar.


    Man sollte „Weißer Zug nach Süden“ in Ruhe genießen und auf die vielen kleinen, erzählerischen Details achten, die der Autor hier einstreut. Erst dann wird das Buch seine ganze Faszination entfalten.


    [i]Sie findet sich auch hier:


    Buchrezicenter:
    http://buchrezicenter.filmbesp…ik/weiser-zug-nach-suden/


    Literaturschock Hauptseite:
    http://www.literaturschock.de/…iscussions/review?id=7992
    [i]
    Großes Bücherforum:
    https://literaturschock.de/lit….msg848139.html#msg848139

  • Eine junge Frau verlässt ihr Heimatstädtchen Castelnuovo nahe Rom Hals über Kopf und schlüpft bei ihrer Freundin Leonie unter. Diese hat in einem Ort im Badischen ein Häuschen, weilt aber selbst momentan in New York City.
    Chiara, die Italienerin mit deutscher Mutter, kümmert sich nicht nur um das Zuhause ihrer Freundin, sondern vertritt Leonie während ihrer Abwesenheit auch als Putzfrau in ganz unterschiedlichen Haushalten. Chiara macht diese kleinen Jobs mit Hingabe - vielleicht sogar mit etwas zu viel davon, denn sie findet die fremden Wohnungen ziemlich spannend. Besonders fasziniert ist sie schon bald vom Heim eines gewissen Herrn Vorden, den sie allerdings noch nie gesehen hat: mit besonderer Vorsicht stellt sie nach der Oberflächenreinigung die einzelnen Gegenstände an ihren Platz zurück - einfach, weil sie diese Wohnung ganz besonders schätzt. Nach kurzer Zeit greift sie aber in das Stillleben ein: sie isst Schokolade aus dem Kühlschrank, hört Musik und lässt sich zum Abschluss zur Entspannung in Vordens Badewanne gleiten. Klingt das befremdlich? Vielleicht. Aber die zusätzliche Würze bekommt die Geschichte als Chiara einen Papierstoß findet - geradezu von Vorden für sie zurecht gelegt. Und so liest sie jede Woche eine neue Erzählung, von der jede zu ihrem Erstaunen viel mit ihrem eigenen Leben zu tun hat... Ausgerechnet mit Chiara, die ein Geheimnis um ihre überhastete Abreise aus dem Haus ihres Vaters macht. Werden wir erfahren, was die junge Frau in ein geliehenes Leben getrieben hat?


    Thommie Bayer ist in meinen Augen ein Satzakrobat: mit seiner feinen, klaren Sprache schafft er kluge Sätze, die die Suche einer jungen Frau nach ihrem eigenen Leben gekonnt einfängt. Es ist ein bisschen wir mit einer Skizze: mit nur wenigen Strichen entstehen Bilder im Kopf. Dabei haben viele Szenen eine bemerkenswerte Tiefe: ich habe mich nicht nur einmal dabei ertappt, dass mich vor allem so manche zwischenmenschlichen Situation nachdenklich gemacht hat... Nicht zu vergessen: Sätze, die man sich schon fast auf der Zunge zergehen lassen kann und auf denen ich regelrecht durch das Buch geschwebt bin, und ein Wortwitz, der mich immer wieder zum Grinsen gebracht hat und dabei wirklich intelligent daherkommt.


    Ach, was soll ich sagen? Ich liebe dieses Buch. So einfach ist es.

  • Also das war eine tolle Erfahrung mit Euch. Nicht nur, weil Ihr so achtsam und manchmal sogar leidenschaftlich gelesen und berichtet habt und so in die Geschichte eingetaucht seid, wie ich mir das immer erträume, sondern auch, weil ich was gelernt habe. Man misst das Gelesene an der eigenen Wirklichkeit und der eigenen Haltung. Man stellt sich nicht nebendran und schaut zu, was die Leute da tun in der Geschichte, sondern man zieht sich probeweise ihre Haut an und macht Ihnen das Angebot, sich zu identifizieren. Dass das nicht immer geht, ist klar, aber dass wir uns auch selbst suchen in dem, was wir lesen, ist eine gute Sache. Das war aufregend für mich.


    Und dass, und wie sehr Euch das Buch gefallen hat, ist einfach großartig.


    DANKE!



    Thommie

  • Vielen Dank für dein Fazit, Thommie!
    Schön, dass es dir gefallen hat, vielleicht wiederholen wir das ja irgendwann zu einem anderen Buch?

  • @ Thommie: Das freut uns sehr, dass es dir bei uns gefallen hat.


    Für mich sind es immer die besten Bücher, wenn ich mich so sehr in eine Figur hineinversetzen kann, dass ich quasi den Weg durch die Geschichte mit dieser Figur gemeinsam gehe bzw. als diese Figur. Das ist eigentlich auch mein Ziel beim Lesen: Den Alltag vergessen und einfach mal etwas anderes erleben.

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • INHALT
    Chiara stammt aus Castelnuovo in Italien. Warum sie nach Deutschland gekommen ist, geht niemanden etwas an. Jetzt ist sie da und führt das Leben, das ihre Freundin Leonie ihr hinterlassen hat: Chiara wohnt in Leonies Haus auf dem Hügel und hat auch ihren Job übernommen, sie putzt. Für den Übergang, sagt sie sich, aber dieses Leben gefällt ihr, sie mag es, in fremde Wohnungen zu schauen, die Dinge in Ordnung zu bringen. Die Wohnung des Herrn Vorden übt dabei eine besondere Anziehung auf sie aus. Und auch Vorden scheint eine tiefere Verbindung zu ihr zu haben - denn jede Woche, wenn Chiara seine Räume betritt, findet sie auf seinem Schreibtisch einen Stapel Blätter mit einer Geschichte. Und jede Woche fragt sie sich, ob der Mann, von dem sie nicht einmal den Vornamen kennt, ihre Gedanken lesen kann. Denn seine Geschichten haben sehr viel mit ihrem Leben zu tun.
    (Quelle Piper Verlag)

    MEINE MEINUNG

    Mit „Weißer Zug nach Süden“ ist dem deutschen Autor Thommie Bayer erneut ein außerordentlich faszinierender Roman gelungen, der die kurze, recht unspektakulär verlaufende Geschichte eines Neubeginns in der Fremde aus Sicht der jungen Italienerin Chiara erzählt.
    Sehr ruhig und behutsam entwickelt sich die Handlung, in der allmählich immer mehr Details aus der Vergangenheit der Hauptfigur Chiara enthüllt werden. Fasziniert folgt man den Schilderungen von Chiaras neuem Leben und ihrem eher eintönigen Alltag als Putzhilfe, einem Job, den sie von ihrer deutschen Freundin Leonie übernommen hat, die ihrerseits ihr Glück in New York sucht. Schon bald taucht man in Chiaras ganz eigene Welt voll seltsamer Gewohnheiten ein, beginnt gemeinsam mit ihr die spannende Wohnung des mysteriösen Wohnungsinhabers Vorden zu ergründen und sich für seine rätselhafte Persönlichkeit zu interessieren. Zudem fragt man sich neugierig, was Chiara zur Flucht aus ihrem alten Leben bewogen haben könnte und ist gespannt darauf, ihr vermeintlich fesselndes Geheimnis zu ergründen.
    Trotz seiner geringen Seitenzahl ist die virtuos komponierte Erzählung auf beeindruckende Weise äußerst tiefgründig angelegt, steckt voller Poesie und versteht den Leser zu berühren. Sehr bemerkenswert sind auch die genial in die Rahmenhandlung eingeflochtenen, geheimnisvollen Kurzgeschichten, die aus der Feder des fiktiven Schriftstellers Vorden stammen, auf verstörende Weise besondere Momente aus Chiaras Leben aufzugreifen scheinen und den Leser zum Nachdenken über das Leben anregen.
    Bayer versteht es, punktgenau und mit viel Feingespür außergewöhnliche Stimmungen und zwischenmenschliche Zwischentöne in seiner Geschichte einzufangen, auf unnachahmliche Weise zu bewegenden Ereignissen zu verdichten.
    Sein prägnanter, leichter und faszinierend nuancierten Sprachstil gewürzt mit feinsinnigen, humorvollen Passagen macht die Lektüre zudem zu einem besonderen Leseerlebnis.


    FAZIT
    Eine außerordentlich faszinierende, tiefgründige Erzählung mit einem wundervollen Schreibstil!


    Zur Leserunde:
    Eine tolle Leserunde, die mir viel Spaß gemacht. Einen herzlichen Dank auch an Thommie für die nette Leserunden-Begleitung.
    Ich bin schon sehr auf einen neuen Roman gespannt ... :)

  • Meine abschließende Meinung:


    In Chiaras Leben ist irgendetwas geschehen und hat sie dazu gebracht, fluchtartig ihren Heimatort zu verlassen. Sie kommt in der Wohnung ihrer Freundin Leonie unter, die ihrerseits gerade in den USA ist und jemanden braucht, der für eine gewisse Zeit ihre Wohnung hütet und ihre Putzjobs bei verschiedenen Leuten übernimmt. Chiara kann sich so ganz unauffällig in Leonies Leben einrichten. Sie putzt die Wohnungen ganz unterschiedlicher Menschen. Doch eine hat eine ganz besondere Wirkung auf Chiara. Obwohl sie ihrem Besitzer, Herrn Vorden, nie begegnet, entwickelt sich zwischen den beiden ein sonderbarer Dialog mit tiefen Einblicken.


    Ich liebe die Bücher von Thommie Bayer und war zuerst enttäuscht, dass das neue Werk nur knapp 150 Seiten umfasst. Doch einmal mit der Lektüre begonnen, war diese Enttäuschung schnell vergessen, denn dem Autor gelingt es, hier eine dermaßen dichte und besondere Story zu erzählen, mit Geschichten in der Geschichte, dass mir das Buch viel dicker vorkam.


    Wunderschön fand ich auch das Ende, das dem Leser viel Raum für eigene Gedanken lässt, wie eigentlich das ganze Buch hindurch schon. Es bietet so viele Facetten und interessante Ansätze, die man dann selbst im Kopf weiterspinnen kann. Es werden viele Fragen aufgeworfen, die jeder Leser für sich beantworten kann. Immer wieder schmunzeln musste ich über manche der Szenen, es zeigt sich durchgehend ein tiefsinniger und feiner Humor.


    Sprachlich hat mich der Autor, wie bisher jedes Mal, auch hier wieder völlig überzeugt. Die Geschichte an sich wird sicher noch einige Zeit in mir nachhallen.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen