05: Kapitel 14 - Ende (Seite 281 - Ende)

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  • Hier könnt Ihr zum fünften und letzten Abschnitt - Seite 281-Ende - schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Hallo miteinander,


    im letzten Abschnitt geht es hauptsächlich um Sophia. Ehrlich, manchmal verstehe ich sie nicht. Azo ist verheiratet und will nur einen Stammhalter von ihr. Ich hatte zuerst den Eindruck, dass er sie tatsächlich heiraten will, aber das kann er ja gar nicht. Ich finde das ziemlich mies und frage mich, warum er nicht schon lange einen Sohn von einer Geliebten hat. Marcella ist ja schon 13 Jahre alt, warum kommt er erst jetzt und mit Sophia auf diese Idee? Und Irmengard rät Sophia in einer Erscheinung auch noch zu, "Azo kennenzulernen". Merkwürdig. Und Sophia scheint Azo trotz allem zu lieben - noch merkwürdiger. "Obwohl er sie wie eine Gefangene einsperrte, wuchs ihre Zuneigung" (Seite 286). Das ist für mich völlig unverständlich.


    Hezilo unterwirft sich Heinrich und dieser lässt Gnade walten - sicher auch eine politische Entscheidung, denn Hezilo muss einflussreiche Anhänger gehabt haben, sonst hätte er sich nie zur Rebellion entschlossen. Damit bindet Heinrich auch diese Fürsten an sich, das ist ein kluger Schachzug. Interessant fand ich die Beschreibung des Festmahles - ich lese gerne, was man in diesen Zeiten auf den Tisch gebracht hat.


    Sophias Kind wird geboren, und sie weiß nicht einmal richtig, was vor sich geht. Das war wohl nicht Teil des Unterrichts im Kloster, auch wenn immer klar war, dass Sophia keine Nonne werden sollte, sondern nur im Kloster zur Erziehung war, bis man einen passenden Ehemann für sie ausgewählt hatte. Hm, vermutlich war das die übliche Aufklärung, nämlich gar keine. Dass Sophia bei der Geburt noch nicht mal weiß, auf welche Art das Kind das Licht der Welt erblicken wird, muss ihr ziemlich Angst machen, besonders in Hinblick auf die Wehenschmerzen.


    Dass die Verbindung zu Azo nicht überall auf Wohlwollen stößt, wird deutlich, dass sich niemand findet, der das Kind freiwillig taufen möchte. Die Brutalität, mit der Azo den Priester dazu zwingt, fand ich erschreckend. Sogar vor Sophia nimmt er sich nicht zusammen. Azo ist ein völlig unberechenbarer Charakter, am Anfang fand ich ihn sehr interessant, aber er hat eine sehr feudale Einstellung der Welt gegenüber. Er nimmt sich, was ihm nützt, ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden. Das ist nicht gerade die Eigenschaft eines Landesherren, aber vielleicht ist das für diese Zeit zuviel verlangt? Ich denke aber, dass es schon immer verantwortungsvolle Herrscher gegeben hat, die auch darauf achteten, dass es der Bevölkerung gut ging. Azo scheint die Sorge ums Wohlergehen seines Volkes den Klöstern zu überlassen. Das sind schon wilde Zeiten.


    Wild ist auch Heinrich, wie er sich bei Pavia benimmt. Hier kennt er keine Gnade, aber die feindlichen Fürsten unterwerfen sich ihm. Damit hat er gewonnen.


    Dass Sophia letztendlich doch nach Frauenwörth zurück kommt, kann man als gutes Ende ansehen. Ihr wurde übel mitgespielt, erst von Adalbert, dann von Azo. In Frauenwörth kann sie jetzt zur Ruhe kommen. Kunigunde und Heinrich haben zwar die Täuschung durchschaut und wissen, dass sie mit Azo in irgendeiner Form zusammengelebt haben muss, aber sie bewahren Stillschweigen. Das finde ich jetzt wieder nobel von ihnen, denn wenn Sophias wahres Verhältnis zu Azo und ihr Kind bekannt geworden wären, hätte sie es sehr schwer gehabt. Zumal sie ihre Heilkraft verloren hat - nun ist sie eine "normale" Frau, allerdings hat sie noch ihr Wissen um Heilkräuter.


    Dass Sophia im Epilog ihren inzwischen erwachsenen Sohn zu Gesicht bekommt, fand ich schön. Das macht die Geschichte rund. Eine gewisse Ironie liegt in der Tatsache, dass der junge Azo Priester werden will - also wird er keine Kinder bekommen und die Linie der Casale geht doch mit Marcella weiter.


    Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen! Jetzt bin ich aber gespannt auf die übrigen Meinungen.


    Grüße von Annabas :winken:

  • Hezilo unterwirft sich Heinrich und dieser lässt Gnade walten - sicher auch eine politische Entscheidung, denn Hezilo muss einflussreiche Anhänger gehabt haben, sonst hätte er sich nie zur Rebellion entschlossen. Damit bindet Heinrich auch diese Fürsten an sich, das ist ein kluger Schachzug. Interessant fand ich die Beschreibung des Festmahles - ich lese gerne, was man in diesen Zeiten auf den Tisch gebracht hat.


    Die Praxis der Unterwerfung war früher üblich und auch das "Verzeihen" mit diesem Ritual. Ihr dürft nicht vergessen, der Adel war eine geschlossene Gesellschaft und mußte auch irgendwie miteinander auskommen.

  • Azo ist ein völlig unberechenbarer Charakter, am Anfang fand ich ihn sehr interessant, aber er hat eine sehr feudale Einstellung der Welt gegenüber. Er nimmt sich, was ihm nützt, ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden. Das ist nicht gerade die Eigenschaft eines Landesherren, aber vielleicht ist das für diese Zeit zuviel verlangt? Ich denke aber, dass es schon immer verantwortungsvolle Herrscher gegeben hat, die auch darauf achteten, dass es der Bevölkerung gut ging. Azo scheint die Sorge ums Wohlergehen seines Volkes den Klöstern zu überlassen. Das sind schon wilde Zeiten.


    Ich fürchte wir können uns einfach nicht mehr vorstellen, wie die Herrscher über dem Volk standen. Und die Männer über den Frauen.
    Im späten Mittelalter hatten die Frauen der Handwerker z.B. schon viel mehr Rechte, aber vorher war die übliche Ordnung, dass ein Mann über die Frau bestimmt und ein Herrscher über sein Volk. Egal wie er sich verhalten hat, wer sollte ihn anklagen?


  • Wild ist auch Heinrich, wie er sich bei Pavia benimmt. Hier kennt er keine Gnade, aber die feindlichen Fürsten unterwerfen sich ihm. Damit hat er gewonnen.


    Dieses unselige und unheilige Gemetzel fand wirklich statt und ist auch so überliefert. Als ich die Geschichte und die Schilderung darüber gelesen habe, mußte ich echt schlucken. Wirklich schlimm!

  • Im letzten Abschnitt geht es wirklich noch mal richtig rund! ;)


    Zitat

    Hezilo unterwirft sich Heinrich und dieser lässt Gnade walten - sicher auch eine politische Entscheidung, denn Hezilo muss einflussreiche Anhänger gehabt haben, sonst hätte er sich nie zur Rebellion entschlossen.


    Über Heinrichs Gnadenerlass und die Rehabilitation Hezilos habe ich mich auch ein wenig gewundert.
    Aber Heinrich ist ein cleverer Stratege und da er gegen die Langobarden in den Krieg ziehen will, ist es nachvollziehbar, Hezilo als erfahrenen Kämpfer in seine Reihen aufzunehmen.
    Zudem wird er sicher Interesse daran haben, seine Schwester aus den Fängen Azos zu befreien.


    Ich hätte ja nicht gedacht, dass wir noch einmal in einen Krieg geraten – aber Sophias Geschichte ist ja noch nicht zu Ende erzählt und die hält noch so einige Überraschungen für uns parat.
    Sophia ist tatsächlich mehr oder weniger freiwillig die Geliebte von Azo geworden und beginnt sogar ihn zu lieben, obwohl er sie immer noch als Geisel eingesperrt hält und kaum Freiheiten einräumt.


    Zitat

    Und Irmengard rät Sophia in einer Erscheinung auch noch zu, "Azo kennenzulernen". Merkwürdig. Und Sophia scheint Azo trotz allem zu lieben - noch merkwürdiger. "Obwohl er sie wie eine Gefangene einsperrte, wuchs ihre Zuneigung" (Seite 286). Das ist für mich völlig unverständlich.


    Ja, Sophias Entwicklung konnte ich auch nicht so ganz nachvollziehen, aber eine andere Alternative als sich anzupassen hatte sie ja auch nicht – vielleicht kann man ja das Ganze besser mit dem Phänomen des „Stockholm“-Syndroms erklären. ;D
    Interessant fand ich auch, dass sie gar nicht mehr so viel über eine Rückkehr zum Frauenkloster und ihre eigentliche Bestimmung nachgedacht hat.
    Irgendwie war es aber auch klar, dass sie bald von ihm schwanger wird – die Ärmste.
    Nicht auszudenken, wie Azo sich verhalten hätte, wenn sie ihm keinen Stammhalter geboren hätte!
    Ob sie sich mit dem Baby ihre Zukunft verwirkt hat, habe ich erst noch überlegt, aber es entwickelt sich ja dann doch in eine ganz andere Richtung, die eigentlich für sie die beste Lösung darstellte.
    So hat sie schließlich die Möglichkeit nach Frauenwörth zurückzukehren und ein erfülltes Leben zu führen.


    Der Trennungsschmerz von ihren kleinen Sohn muss anfangs ja entsetzlich gewesen sein!
    Aber immerhin konnte sie sich ja darauf verlassen, dass ihr Sohn als Azos Stammhalter in guten Händen ist.


    Toll fand ich, dass Heinrich ihr Geheimnis gewahrt hat und wie wir im Epilog erfahren, später sogar für die heimliche Zusammenführung von Mutter und Sohn gesorgt hat.
    Ein wirklich schönes Ende und stimmiger Ausklang!


    Schade, dass Sophia ihre heilerische oder sicher auch ihre visionäre Gabe verloren hat, oder ist sie später doch noch zurückgekommen? Aber sonst wäre sicher noch die 2. Heilige von Frauenwörth geworden! ;D


    Etwas traurig fand ich, dass wir von Tuta und ihrem weiteren Wirken als Äbtissin gar nichts mehr erfahren haben!
    Sie ist scheinbar sogar noch vor Gerhard gestorben – vielleicht hätte sie besser auch so asketisch leben sollen wie er… ;)


    Insgesamt ein sehr interessanter, gut recherchierter und lehrreicher historischer Roman, der mich bestens unterhalten hat.


  • Marcella ist ja schon 13 Jahre alt, warum kommt er erst jetzt und mit Sophia auf diese Idee?


    Stimmt, darauf bin noch gar nicht gekommen. Ich könnte mir bei ihm auch gut vorstellen, dass er etliche uneheliche Kinder überall verstreut hat, aber das zählte sicher nicht für ihn. Immerhin ist Sophia von ihrem adeligen Stand her ja schon etwas besonderes und ihm eher ebenbürtig!


    Interessant fand ich die Beschreibung des Festmahles - ich lese gerne, was man in diesen Zeiten auf den Tisch gebracht hat.


    Hihi, ja das war schon sehr aufschlussreich vor allem im Hinblick darauf, was den Nonnen im Kloster dagegen täglich zur Verfügung gestellt wird. ;)


    Dass Sophia bei der Geburt noch nicht mal weiß, auf welche Art das Kind das Licht der Welt erblicken wird, muss ihr ziemlich Angst machen, besonders in Hinblick auf die Wehenschmerzen.


    Unter diesem Aspekt ist die Geburt eines Kindes umso mehr ein Wunderwerk Gottes! :)
    Ihre totale Unwissenheit und Panik waren sehr amüsant!
    Das einfache Volk war in der Hinsicht sicher wesentlich besser aufgeklärt, denn viele Kinder waren früher bei der Geburt der Geschwister dabei und mussten mithelfen.
    Da nach gab es wohl keine verklärten Mysterien mehr um die Geburt, sondern eher Angst davor, dieses Martyrium als Mutter zu überleben.



    Wild ist auch Heinrich, wie er sich bei Pavia benimmt. Hier kennt er keine Gnade, aber die feindlichen Fürsten unterwerfen sich ihm. Damit hat er gewonnen.


    Auf dem Weg zum Kaiser hat sich Heinrich nicht nur mit Ruhm befleckt, sondern auf seinen verschiedenen Feldzügen etliche Blutbäder angerichtet und wie wir schon gelesen haben auch vor Verrat und Gewalt nicht zurückgeschreckt, um seine Macht auszuweiten.
    Das passt also wirklich nicht so ganz ins Bild des angeblich so gottesfürchtigen Herrschers ... ;)

  • Ich bin auch fertig und ganz erstaunt, was da am Ende noch alles passiert ist!


    Sophia hatte ja echt eine aufregende Zeit, in guter und schlechter Hinsicht. Ich glaube, sie hat Azo dann wirklich geliebt und vor allem natürlich ihr Söhnchen. Dass sie sich von ihrem Kind trennen muss, ist natürlich verdammt hart.


    Umso schöner und versöhnlicher fand ich den Schluss, als der König ihr Jahre später ihren Sohn bringt, obwohl er ja offiziell nie gewusst hat, was passiert ist. Da hat er (oder Kunigunde ;) ) wirklich gut kombiniert und sich sehr fein verhalten.



    Etwas traurig fand ich, dass wir von Tuta und ihrem weiteren Wirken als Äbtissin gar nichts mehr erfahren haben!
    Sie ist scheinbar sogar noch vor Gerhard gestorben – vielleicht hätte sie besser auch so asketisch leben sollen wie er… ;)


    Ja, ich hätte auch gerne noch ein bisschen mehr von Tuta gelesen. Anfangs war sie für mich die Hauptfigur des Buches, aber es verlagert sich ja dann doch immer mehr zu Sophia - mit der Heiligen Irmengard als Bindeglied zwischen all den verschiedenen Handlungssträngen.


  • Umso schöner und versöhnlicher fand ich den Schluss, als der König ihr Jahre später ihren Sohn bringt, obwohl er ja offiziell nie gewusst hat, was passiert ist. Da hat er (oder Kunigunde ;) ) wirklich gut kombiniert und sich sehr fein verhalten.


    Ja, das war ein versöhnliches Ende, so konnte Sophia ihren Sohn noch mal sehen und sich sicher sein, dass es ihm gut geht. Ich hatte schon früher das Gefühl, das Heinrich vermutet, dass zwischen Sophia und Azo mehr passiert ist und sind die Zeit nicht nur im Kerker verbracht hat. Es gab da eine Stelle, wo er sich über den guten Zustand gewundert hat, in dem sich Sophia befand. Andere Kerkerinsassen waren da in einem deutlich schlechteren Zustand.


    Ich fand es schon etwas überraschend, dass Sophia sich in Azo verliebt hat. Sein Verhalten ihr gegenüber war nun wirklicht nicht fair. Er hat sie benutzt, um einen Sohn zu bekommen, wissend, dass er sie so bald nicht heiraten kann. Er nimmt es in Kauf, dass sie in den Augen der Menschen der damaligen Zeit ihre Ehre verliert und auf dem Heiratsmarkt deutlich an Wert verliert. Er denkt gar nicht daran, was das für Sophia bedeutet, er will einen Sohn haben und der Rest ist ihm egal. Eiskalt ubergibt er Sophia an Heinrich und behält den kleinen Azo. Das muß so furchtbar führ Sophia gewesen sein. Mich hat gewundert, das Irmengrad ihr zu diesem Verhalten geraten hat, das habe ich von einer ehemaligen Äbtissin nicht erwartet.


    Sophia verliert also die beiden Azos, aber ihr Wunsch nach dem Leben in Frauenwörth wird ihr erfüllt. Sie schein damit glücklich zu sein, wenn sie auch ihr Sohn und Azo nachtrauert. Aber ich denke mal, diesen Verlust haben viele Frauen damals erlitten, waren sie doch eigentlich machtlos und der Willkür der Männer ausgesetzt.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn mich die Erscheinungen Irmengards etwas irritiert haben. Ich habe immer etwas Probleme mit überirdischen Erscheinungen, aber in diesem Buch hat es irgendwie gepasst. Ich stelle mir die Zeit damals als sehr wundergläubig vor und daher hat es hier sogar für mich gepasst. Das Buch hat die Stimmungen der Zeit sehr gut aufgenommen und auf eine angenehme ruhige Art die Geschichte erzählt.


    Die Rezension werde ich in den nächsten Tagen schreiben, ich muß das Buch noch etwas sacken lassen.

  • Suse

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