#03 - Seite 152 bis 221 (Kapitel 14 bis 20)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

  • O ja, das hat mir Riesenspaß gemacht, über Humboldt zu schreiben! Die Adresse stimmt, das Haus, die Wohnung, der Papagei, der Diener ... Es war ein großes Vergnügen, diese Rechercheergebnisse in den Roman einfließen zu lassen. Auch Humboldts Worte im Gespräch sind zum Teil aus seinen Briefen und schriftlichen Zeugnissen übernommen.


    Herzlich,


    Titus


    Aber wie kommt man an solche Details? Ist das wirklich alles dokumentiert??? Klar, heutzutage hätte Humboldt einen Facebook-Account oder ein Blog und würde dort über seinen Papagei schreiben. Aber hat man im 19. Jahrhundert wirklich soviel aufgeschrieben und dann auch noch aufgehoben?


    Muna

  • Nun gibt es erste Tote unter unbewaffneten Demonstranten – was für eine fatale Fehlentscheidung des Militärs zu schießen! :o


    Julius hat gleich erkannt, welche Brisanz diese Entwicklung für die ohnehin schwelende Unruhe haben wird.
    Eine Katastrophe dürfte kaum noch abzuwenden sein. Erstaunt war ich dann aber doch wen er da zu Rate gezogen hat.
    Die Figur von Julius ist wirklich sehr vielschichtig ausgearbeitet.
    Ich finde es sehr spannend, seinem Vorgehen zu folgen – ein äußerst cleverer Stratege.
    Hihi und schon wieder eine Liste! Wer war wohl auf dem 2. Platz deutlich vor den Gebrüdern Grimm?


    Seine politischen Einstellungen und seine Offenheit haben mich schon sehr überrascht.
    Wenn er sich öffentlich dafür einsetzt, dass Gesetze ausgearbeitet werden, die für mehr Gerechtigkeit sorgen, stellt er sich auf die Seite der Rebellen und kann seine Position als Polizeipräsident wohl kaum noch halten.
    Wie aber soll er den Aufstand noch im Zaum halten und ein Blutbad abwenden, wenn die Rebellen sich bewaffnen, muss er den Schiebbefehl auch tragen. Was für eine Zwickmühle!


    Den Besuch bei Humboldt fand ich sehr faszinierend. Julius sucht bei einem anerkannten Wissenschaftler Rat und bekommt zunächst nur ausweichende Antworten.
    Kein Wunder, dass der „rote“ Humboldt sehr vorsichtig ist und seine wahre Meinung nicht äußern will.
    Schließlich ist auch er der Meinung, dass sich nach all der Warterei nur etwas mit Gewalt bewegen lässt …
    Ein Teufelskreis für den es gar keine Lösung mehr zu geben scheint. ;)


    Victor ist der typische arrogante, adelige Offizier, der meint sich im Leben alles nehmen zu können und ein Recht auf einen gewissen Lebensstil hat.
    Die Gräfin sollte ihm nur mit seinen Spielschulden helfen, wer wird es das nächste Mal sein?
    Um billige Ausreden ist er ja nicht verlegen. Mir kam es eher so vor, als würde es ihm bei der Kontaktaufnahme gar nicht um Alice gehen, sondern es ist eher sein verletzter Stolz, dass Alice ihn für einen wie Hannes die kalte Schulter zeigt.
    Wie armselig, dass er seine Überlegenheit Hannes erneut spüren lässt – von viel Selbstwertgefühl zeugt seine Aktion auch nicht, denn eigentlich ist einer wie Hannes doch gar keine Gefahr für so einen tollen Hecht!


    Alice ist verliebt, malt sich ein Leben an Hannes Seite aus und sieht das Ganze doch sehr romantisch verklärt.
    Sie überlegt sogar ernsthaft, was ihr mit Hannes alles Schönes im Leben entgehen würde, doch kann sie sich nicht mal annähernd vorstellen, was ein Leben in Armut für sie wirklich bedeuten würde und würde sie ihr angenehmes Leben für Hannes aufgeben?
    Von ihren Eltern würde sie doch niemals den Segen für eine derartige Mesalliance bekommen – so nett sie auch zu Hannes waren.
    Sie trennen doch Welten!


    Und dann lässt Alice sich wie ein unerfahrener Backfisch von dem grauenvollen Victor wieder um den Finger wickeln und geht tatsächlich trotz der Verbote ihrer Eltern mit ihm in die Oper.
    Also ein bisschen mehr Verstand hätte ich ihr schon zugetraut, durchschaut sie seine billigen Schmeicheleien denn gar nicht.
    Ein letztes Mal sagt sie sich, zieht seinen Ring sogar wieder an …will sich einfach amüsieren und mit ihm gesehen werden.
    Wo ist denn die couragierte Alice geblieben??? Aber während der Oper merkt man ja auch wieder, wie sie den schönen Schein hinterfragt und sich nicht wirklich wohl fühlt.


    Hmm, das Spiel mit dem Feuer ist nun leider schief gegangen - Hannes sieht sie mit Victor in der Kutsche und wendet sich zu Recht entsetzt ab. Er muss sich von Alice doch sehr veralbert vorkommen und dann ausgerechnet noch an der Seite von Victor.
    Wie furchtbar, dass er in seinem Frust nun bei den Rebellen mitmachen will.
    Ich bin mal gespannt, wie sich die Beziehung zwischen beiden nun weiterentwickeln wird.


    Hannes hat mir in diesem Leseabschnitt echt leid getan … so viele Schicksalsschläge und Enttäuschungen auf einmal.
    Äußerst traurig fand ich die Begegnung von Hannes mit seiner Mutter.
    Ich war schon sehr erstaunt zu lesen, wie sie damals ihren kleinen Jungen beim alkoholkranken Vater zurückgelassen hat und quasi die Zelte zu ihrem früheren Leben abgebrochen hatte, um einen Neuanfang in Wohlstand zu beginnen.
    Wie bitter, dass sie ihn nie mehr kontaktiert hat, ja ihn quasi abgeschrieben hat.
    Und ihre erste Frage gilt Geld … keine Freude oder Umarmung.
    Man hatte fast den Eindruck, dass sie bei Hannes Weggang erleichtert war, dass sie diese unangenehme Episode aus ihrem früheren Leben wieder streichen kann. :(


    Wie haben sich denn eigentlich die hohen Kirchenvertreter zu den Missständen, Ungerechtigkeiten und den Unruhen gestellt?


  • Ich denke auch, daß die Vorstellung, daß Alice freiwillig ein Leben in Feuerland wählt, für die Eltern nicht existent ist. Gut finde ich, daß die Eltern Alice nicht um jeden Preis an einen Adeligen verheiraten wollen und Victor ablehnen. Vielleicht aber auch deswegen, weil sie davon überzeugt sind, daß er niemals feste Absichten haben wird.


    Ja, ich finde das auch gut, daß sie nicht sagen "Je höher gestellter um so besser, hauptsache Geld und Ansehen".
    Denn das war ja durchaus oft so... und wenn der Kerl sich dann als Windhund entpuppte, riet man den Frauen eben das "zu übersehen und sich einzurichten".


    Das Alice ins Feuerland gehen würde, könnte ich mir als Eltern auch nicht recht vorstellen.
    Ich meine, hier geht es ja nicht um einen sozialen Abstieg, sondern wirklich ums Überleben an sich.


    So wirklich einen Plan haben die Eltern aber auch nicht. Eigentlich treiben sie hier den Teufel mit dem Beelzebub aus, dann Hannes ist ja in ihren Augen wirklich kein passender Heiratskandidat.


    Die geschichtlichen Hintergründe finde ich total spannend und gut erzählt !
    Ich finde Geschichte sehr interessant (immer schon, also, bereit sind er Schule) aber mich interessieren in erster Line die Menschen (Geschichtszahlen braucht man halt zur "ungefähren Orientierung" sowie auch das Hintergrundwissen über die Gegebenheiten)
    Von daher mag ich das so in Romanform mit guten Hintergrundinfos total gerne ! :daumen:


    Gut beschrieben ist der Zwiespalt in dem sich Julius befindet !
    Und auch, daß man ohne Gewissenbisse ja ein viel einfacheres Leben führt ::)


  • Aber wie kommt man an solche Details? Ist das wirklich alles dokumentiert??? Klar, heutzutage hätte Humboldt einen Facebook-Account oder ein Blog und würde dort über seinen Papagei schreiben. Aber hat man im 19. Jahrhundert wirklich soviel aufgeschrieben und dann auch noch aufgehoben?


    Humboldt wurde mal vom amerikanischen Schriftsteller Bayard Taylor Alexander in seiner Berliner Wohnung besucht, und der hat anschließend genau aufgeschrieben, wie es dort aussah und wie der Besuch vonstatten ging. Das hat mir viel genützt. Zu finden in Frank Holl: Alexander von Humboldt. Mein vielbewegtes Leben. Der Forscher über sich und seine Werke, Eichborn 2009, S. 263ff.


    Herzlich,


    Titus

  • Ich kann mir auch schwer vorstellen, daß ihre Eltern eine Heirat zwischen Alice und Hannes zulassen würden - ich weiß nicht, inwiefern Alice hier selbstbestimmt handeln kann. Wobei ich denke, daß die Eltern, jedenfalls der Vater, nicht so weit gehen würden, und ihre Tochter verstossen würden, wenn sie sich wirklich für ein Leben in Feuerland entscheiden würde.


    Müsste sie das wirklich? Ich denke eher, dass ihre Eltern und auch Ludwig dafür sorgen könnten, dass Hannes einen besser bezahlten Job bekommt. Er ist ein helles Köpfchen und das haben sie schon erkannt. Deshalb denkt Alice vielleicht, dass sie mit ihm in Armut leben müsste, aber das glaube ich nicht.


  • Die geschichtlichen Hintergründe finde ich total spannend und gut erzählt !
    Ich finde Geschichte sehr interessant (immer schon, also, bereit sind er Schule) aber mich interessieren in erster Line die Menschen (Geschichtszahlen braucht man halt zur "ungefähren Orientierung" sowie auch das Hintergrundwissen über die Gegebenheiten)
    Von daher mag ich das so in Romanform mit guten Hintergrundinfos total gerne ! :daumen:


    Ja, das wird das alles noch mal viel lebendiger und ich habe schon gemerkt, daß ich mir auf diese Weise historische Fakten viel besser merken kann.



    Müsste sie das wirklich? Ich denke eher, dass ihre Eltern und auch Ludwig dafür sorgen könnten, dass Hannes einen besser bezahlten Job bekommt. Er ist ein helles Köpfchen und das haben sie schon erkannt. Deshalb denkt Alice vielleicht, dass sie mit ihm in Armut leben müsste, aber das glaube ich nicht.


    Das ist auch meine Hoffnung, daß sowohl Ludwig als auch der Vater sich für Hannes einsetzen können.

  • Hm was soll ich nur von Alice halten? Im ersten Abschnitt fand ich sie so lala, im zweiten toll und jetzt? Will sie sich alles offen halten oder wie? Sie kann doch nicht mit Victor und Hannes zur selben Zeit? Schon sehr böse. Klar wäre Victor finanziell die bessere Partie, aber dann darf sie doch nicht mit Hannes spielen. Die Initiative ging ja nun mal von ihr aus. Ich hoffe sie entscheidet sich noch.


    Die Unruhen sind ja mal richtig intensiv beschrieben, da habe ich eine ordentliche Gänsehaut bekommen. Und die ersten Opfer sind zu beklagen, oh weh. :o



    Ich wundere mich, wie viel Zeit sich Alices Familie für Hannes nimmt, ihre Fragen sind zwar ein wenig taktlos, aber nicht allzu sehr: das hat eher mit Nichtwissen und fehlender Einfühlsamkeit zu tun, als mit Absicht. Aber ich hätte mir nicht gedacht, dass jemand aus ihrer Gesellschaftsschicht sich so viel Zeit für die unteren Klassen nimmt, auch wenn Paulines Vater ja durchaus nett ist. Ob Ludwig wirklich einen Job für Hannes findet? Ich fand es übrigens wenig einfühlsam von Alice, in Hannes' Gegenwart zu erwähnen, dass sie ihm Ludwigs Kleider gegeben hat!


    Ja das hat mich auch sehr erstaunt, da sind wir wohl zu voreingenommen. Ich hätte gedacht, dass die Reichen sich null für andere interessieren, sondern nur daran interessiert sind noch mehr Geld zu machen und nur Menschen zu achten, die ebenfalls Geld haben. ::)

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)


  • Hannes kann ich noch am besten verstehen. Er wollte es durch Arbeit (und Betrügereien) aus dem Elend heraus schaffen, hat ein wenig vom Tee der Reichen genippt. Und wollte sich deshalb erstmal aus dem Aufstand heraushalten. Als er nun Alice mit Victor sieht, wird ihm klar, auf welche Seite er gehört. Ihm ist vermutlich auch nicht klar, dass Alice, obwohl sie im Schloss wohnt, eben doch nicht zur ganz oberen Gesellschaft gehört, sondern eher eine Art bürgerliche Hausmeistertochter ist. Ich glaube nicht, dass Victor sie jemals heiraten wird. Aber das weiß Hannes nicht. Er denkt, die Gesellschaft ist in zwei Teile gespalten. Dabei gibt es ziemlich viele Schichten.


    Das hast du schön formuliert und ich stimme dir vollends zu. Aktuell sieht es für mich so aus: Victor spielt mit Alice und Alice spielt mit Hannes und dabei geht es die Gesellschaftsklassen abwärts... ::)

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)


  • Hm was soll ich nur von Alice halten? Im ersten Abschnitt fand ich sie so lala, im zweiten toll und jetzt? Will sie sich alles offen halten oder wie? Sie kann doch nicht mit Victor und Hannes zur selben Zeit? Schon sehr böse. Klar wäre Victor finanziell die bessere Partie, aber dann darf sie doch nicht mit Hannes spielen. Die Initiative ging ja nun mal von ihr aus. Ich hoffe sie entscheidet sich noch.


    Ja, mir gefällt das auch nicht so richtig, wie sie sich hier verhält.



    Ja das hat mich auch sehr erstaunt, da sind wir wohl zu voreingenommen. Ich hätte gedacht, dass die Reichen sich null für andere interessieren, sondern nur daran interessiert sind noch mehr Geld zu machen und nur Menschen zu achten, die ebenfalls Geld haben. ::)


    Wobei Alice Familie ja nicht zu den Reichen gehört...
    Aber ihr habt Recht: mich hat das auch gewundert.


    Das ist auch meine Hoffnung, daß sowohl Ludwig als auch der Vater sich für Hannes einsetzen können.


    Ja, ich denke auch, daß die Eltern das tun könnten...
    Wobei es eben eher die Frage ist, ob sie diese Verbindung unterstützen.
    Schlau wäre es ja, ihm jetzt direkt eine bessere Stellung zu verschaffen und zu sehen, wie er damit umgeht.
    Wobei ich mir Hannes gerade nicht so recht als Diener eines Offiziers vorstellen kann.

  • Was für ein Mist, dass Hannes Alice und Victor zusammen sieht. Klar, dass er sich da seinen Teil denkt. Ich ärger mich in Büchern oft, wenn die Protagonisten einfach nicht miteinander sprechen und so von einem Missverständnis ins nächste stolpern, aber hier kann ich gut verstehen, dass Hannes nicht erst mit ihr reden will, sondern seine Schlüsse zieht. Und das gerade an diesem Tag, nach den Schüssen, die gefallen sind, da muss es ihn umso härter treffen, dass er sich anscheinend in Alice getäuscht hat.
    Nur dumm, dass er sich dadurch nun praktisch "radikalisieren" lässt, wo er bisher immer versucht hat, sich rauszuhalten.


    Aber ich kann auch Alice verstehen, dass sie diesen Opernabend nochmal "mitnehmen" wollte. Gerade weil Victor sie betrogen hat und nun bereit ist, sich mit ihr in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich hätte an ihrer Stelle auch nicht wiederstehen können.
    Erstaunlich aber, dass sie ihre Eltern dafür sogar belügen muss. Das macht mir die Eltern nochmal ein Stück sympathischer. Victor wäre sicher eine gute Partie, aber sie wissen, dass er sie auf Dauer unglücklich machen würde, und lehnen eine Verbindung daher ab. Sie könnten ja auch einfach sagen, heirate ihn und genieß das Luxusleben an seiner Seite, aber jammer nicht, wir haben dich gewarnt ;)


    Ihre Überlegungen zu einem Leben mit Hannes scheinen mir trotz allem immer noch ziemlich rosarot gefärbt zu sein. Trotz erster Einblicke kann sie sich meiner Meinung nach ein echtes Leben in Armut nicht wirklich vorstellen, wie auch?


    Und ich habe mich gewundert, dass sie an Victors Seite nur ein Leben wie das ihrer Mutter für sich sieht, alternativ die Armut mit Hannes.
    Wie wäre es mit einem Zwischending? Einen wohlhabenden Mann heiraten, aber eben das Leben dann nicht "sinnlos" vertun, sondern sich mit dem finanziellen Hintergrund für etwas einsetzen? Klar, der Mann müsste da mitspielen, und ob Victor das tun würde, ist ungewiss, aber Alice sieht alles so schwarz-weiß ;)


    Dass Hannes Mutter sich "hochgeheiratet" hat, hat mich überrascht, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Schade, dass sie ihr neues Leben ohne ihren Sohn aufgebaut hat :(


    Sehr gut gefallen hat mir auch das Gespräch zwischen dem Polizeipräsidenten und von Humbolt. Hier zeigt sich, dass Julius nicht um jeden Preis und mit allen Mitteln gegen die Aufständischen vorgehen will. Besonders eindrücklich fand ich seine Aussage, dass in Polen ein Krieg angezettelt werden sollte, während die Menschen hier für ihre Lebensumstände kämpfen und dass das zwei verschiedene Dinge sind, die unterschiedlich zu bewerten sind. Ich muss gestehen, eine so differenzierte Sichtweise hatte ich ihm anfangs gar nicht zugetraut.


    Ein Detail ist mir noch aufgefallen: Schuhe mit Absatz kamen damals erst in Mode? Das ist ja interessant, ich hätte gedacht, die gibt es schon viel länger!


  • Dass man seine Eltern siezte (zumindest in den gebildeten Schichten), war ganz normal, es war ein erwartetes und notwendiges Zeichen des Respekts.


    Meine Mutter war in den frühen 70er Jahren bei einer "höhergestellten" französischen Familie als Austauschschülerin - und dort wurden die Eltern auch noch gesiezt ;D


  • Hm was soll ich nur von Alice halten? Im ersten Abschnitt fand ich sie so lala, im zweiten toll und jetzt? Will sie sich alles offen halten oder wie? Sie kann doch nicht mit Victor und Hannes zur selben Zeit? Schon sehr böse.


    Ich würde mir ja wünschen, daß sie mal wieder Nägel mit Köpfen macht, wie damals, als sie Hannes Lügengeschichten aufgedeckt hat ;D Wobei sie ihre eigenen Lügengeschichten jetzt toleriert, aber das merkt sie selbst, daß das eigentlich fadenscheinig ist.



    Und ich habe mich gewundert, dass sie an Victors Seite nur ein Leben wie das ihrer Mutter für sich sieht, alternativ die Armut mit Hannes.
    Wie wäre es mit einem Zwischending? Einen wohlhabenden Mann heiraten, aber eben das Leben dann nicht "sinnlos" vertun, sondern sich mit dem finanziellen Hintergrund für etwas einsetzen? Klar, der Mann müsste da mitspielen, und ob Victor das tun würde, ist ungewiss, aber Alice sieht alles so schwarz-weiß ;)


    Wenn ich das so lese, habe ich bei Hannes und bei Alice immer mehr das Gefühl, daß sie jeweils in Gesellschaftsschichten leben, in die sie irgendwie nicht richtig passen: Hannes legt Wert auf Bildung und hat Träume, während Alice zwischen dem Schloßprunk und ihrem bürgerlichen Leben steht und die Diskrepanzen zum Leben in Feuerland sieht. Alice scheint mir ihren Platz nicht so richtig zu finden, sie ist unsicherer als zu Beginn des Buches, finde ich.



    Ich muss gestehen, eine so differenzierte Sichtweise hatte ich ihm anfangs gar nicht zugetraut.


    Ich auch nicht, zu Beginn des Buches habe ich ihn als Paragraphenreiter und Korinthenkacker eingestuft, aber mit der Einschätzung habe ich mich völlig vertan :-[


  • Ein Detail ist mir noch aufgefallen: Schuhe mit Absatz kamen damals erst in Mode? Das ist ja interessant, ich hätte gedacht, die gibt es schon viel länger!


    Nicht Absätze waren neu, sondern Stiefeletten mit Seitenverschluss und Gummibandeinsatz. Es geht um diese spezielle Mode. :)

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen