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  • Diesmal habe ich die Rezi parallel zur Leserunde geschrieben, denn sonst hätte ich bestimmt was vergessen. Ich fand das Buch traumhaft schön und das wollte ich auch zum Ausdruck bringen und hoffe, dass mir das zumindest im Ansatz gelungen ist. Ich weiß nicht, was schöner war, das Buch oder die Leserunde mit Nina, ihren ganzen Zusatzinfos und Links. Tausend Dank, liebe Nina, für dieses so wunderbare Erlebnis!!



    Sprachlos


    lässt mich dieses wunderbare, erstaunliche, aufrüttelnde, kluge, humorvolle, eloquente und weise Buch zurück - und zudem in der Hoffnung, dass die Autorin Nina Blazon bald wieder einen "Erwachsenenroman" mit vergleichbarer Thematik verfassen wird. Normalerweise sind nämlich eher Fantasy, Historisches und Jugendliteratur ihre - bereits durchaus vielseitigen - Genres. Ihr neuer Roman rundet dieses Oeuvre trefflich ab: etwas so Originelles, so wenig Adaptiertes und damit im allerpositivsten Sinne Eigenes (keineswegs jedoch Eigenartiges oder Eigentümliches) habe ich selten gelesen und so trafen mich ihre Worte, ihre Botschaften wie eine riesige Welle.


    Wir treffen auf die Fotografin Mo, eigentlich Moira, die meint, in Leon endlich ihrer großen Liebe begegnet zu sein. Er nimmt sie mit zu einer Familienfeier, auf der Mo ein Riesendesaster erlebt - aber auch Aino, Leons aus Finnland stammender Oma begegnet und sich mit ihr nach einer wilden Jagd auf einem Schiff nach Finnland wiederfindet, wo sie erstmals nähere Bekanntschaft mit Finnen, vor allem mit der überaus eigentümlichen Spezies der finnischen Männer macht. In Helsinki, dessen Beschreibung jedem, der die Stadt bereits kennt, lebendige Erinnerungen bescheren wird, stellt sich heraus, dass Aino auf der Suche nach einer Freundin aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist, die sie lange Zeit für tot hielt. Es gab nun aber Hinweise darauf, dass sie zumindest die Kriegsjahre überlebt hat - weilt sie etwa noch unter den Lebenden? Mit einem Fingerzeig aus der Vergangenheit begeben sich Aino und Mo auf eine Spurensuche, die immer mal wieder Assoziationen mit den "Leningrad Cowboys" und anderen Filmen der Kaurismäki-Brüder aufkommen lässt. Dabei wohnen sie bei dem jungen Aarto, der selbst einem dieser Kaurismäki-Filme entstiegen zu sein scheint und mit seiner Präsenz die Geschichte erst richtig rund macht. Wer also einen Sinn für das Skurrile, das Humorvolle, das Reduzierte und nicht zuletzt für die finnische Seele hat - der ist hier richtig aufgehoben und wird wie ich mit Kummer den letzten Seiten des Buches entgegensehen.


    Aber davor passiert noch so einiges - jede Menge Action, wenn auch auf die finnische und somit eher reduzierte Art, die jedoch voller Überraschungen steckt. In gewisser Art und Weise ist dies nämlich ein Road Movie in Buchform, der Aino und Mo einen Parcours durch die Gegend, aber ebenso in vergangene Zeiten beschert, auf dem sie auf faszinierende Typen beiderlei Geschlechts treffen.


    Und nicht zuletzt ist die Art, in der Aino, Aarto und vor allem Mo die Welt sehen, eine unglaublich faszinierende. Sätze wie
    "Ich weiß schon, warum meine Fotos Beweise sind: Weil sie nicht zulassen, dass Wirklichkeiten einfach wieder verschwinden, als hätten sie nie existiert." (S. 201)
    oder
    "Es ist verrückt, dass es immer wieder Bilder sind, die mich aus meinen kleinen Paradiesen vertreiben." (466)
    oder
    "Es ist eine Sache, nicht an die Familie zu glauben, aber eine ganz andere, sie zu verlieren." (S. 501)
    versetzen den Leser in neuartige, nie zuvor erahnte Dimensionen.


    Ich muss sagen, so etwas habe ich noch nie gelesen und wie bereits eingangs erwähnt, hoffe ich sehr, dass dies nicht der einzige "Erwachsenenroman" dieser so grandiosen Autorin bleiben wird. Mit so etwas meine ich eine absolut gelungene Melange aus Entwicklungsroman, Liebesgeschichte(n), Familienroman, historischem Hintergrund, Humorvollen, psychologischen Themen und, und, und. Ich empfehle Ihnen von Herzen, das selbst zu überprüfen! Ich selbst warte jedenfalls gespannt und - wie ich zugeben muss - nicht sonderlich geduldig auf den nächsten Wurf von Nina Blazon!


    Sechs von fünf Sternen... oder besser sieben!

  • :buchtipp:


    Buchrücken: "Fotos verraten alles. Sie zeigen das, was gezeigt werden soll - aber darüber hinaus zeigen sie die Lücken in den Familien. Die schadhaften Stellen am Haus."
    Verstohlene Blicke, versteckte Gesten, die Abgründe hinter lächelnden Gesichtern: Fotografin Mo sieht durch ihre Linse alles. Wenn sie der Welt ohne den Filter ihrer Kamera begegnen soll, wird es kompliziert. Mit ihrer Schwester hat sie sich zerstritten, von ihrem Vater entfremdet. Umso mehr freut sich Mo auf das Familienfest ihres Freundes Leon. Doch das endet in einer Katastrophe. Mo reicht es. Gemeinsam mit Aino, Leons eigensinniger Großmutter, flieht sie nach Finnland. Eine Reise auf Umwegen für die beiden grundverschiedenen Frauen. Als Mo in Helsinki Ainos geheime Lebensgeschichte entdeckt, ist sie ein anderer Mensch.


    Beide Frauen sind auf den ersten Blick grundverschieden, und vom Alter her gesehen, könnten Moira und Aino Enkeltochter und Großmutter sein, doch eigentlich sind sie eine eher zufällige Zwangsgemeinschaft auf der Flucht vor der Enge ihrer Familie. Beide Frauen kommen erstmal so gar nicht miteinander aus, aber ihre Flucht vor der Familie verbindet sie letztendlich doch! Während Mo ihre unschöne, bisher nicht verarbeitete Vergangenheit vergessen möchte, will die Aino sie endlich aufarbeiten und so lernen sie mit Hilfe der anderen einen vollkommen neuen Blickwinkel auf das Geschehen kennen.


    Abgesehen von der eigentlichen Geschichte, mit sehr starken Charakteren, werden historische Hintergründe zu Finnland erzählt.


    Fazit: Ein wunderschöner, einfühlsamer Roman. Ein sehr angenehmer Schreibstil, der das schwierige Thema leichter verdaulich macht.

    Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche die Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.

  • Vielen Dank nochmal, dass ich an dieser wunderschönen Leserunde mit Nina teilnehmen durfte.
    Ich fand es sehr schön und freue mich bald auf die nächste Leserunde mit Nina.
    Das Buch fand ich auch super, auch wenn ich vorher ja skeptisch war, da es nicht so mein Genre ist...


    Fazit:


    Liebten wir liebte ich von Anfang bis Ende. Gibt es dazu noch mehr zu sagen


    Bewertung:


    Ehrlich gesagt, hatte ich ja ein wenig Angst vor dem Buch. Ich mag die Autorin bisher sehr gerne und da es nicht ganz mein Genre ist, hatte ich eben Angst, dass es mir nicht gefallen wird. Meine Angst war aber zum Glück total unbegründet


    Mo ist genial. Sie hat einfach den Blick fürs Detail. Sie erkennt so viel in der Körpersprache von anderen, was viele übersehen. Durch die Fotografie sieht man diese Momente eingefangen.
    Aber hinter Mo verbirgt sich so viel mehr, die Abgründe ihrer Familie. Auf dieser Reise lernt sie aber so viel mehr und springt über ihren Schatten. Es ist sehr schön, sie auch auf ihrer inneren Reise zu begleiten. Ich mochte sie wirklich gerne.
    Auch hinter Aino verbirgt sich viel mehr, als es den Anschein hat. Aber auf Grund ihrer ruppigen, bestimmenden Art, mag ich sie öfters nicht so gerne. Trotzdem ist sie total authentisch und echt.
    Es zeigt sich auch, wie verschiedene und doch gleich beide sind. Beide lassen tief Blicken.


    Was ich auch sehr schön fand war, dass ich bei keiner Person dachte, die ist aber unecht. Die Personen sind wie im wahren Leben. Total verschieden, vielseitig und der eine eben sympathisch und der andere eben nicht.


    Es gab auch so viele Fragen, die ich mir immer wieder stelle und genau das macht die Spannung in diesem Buch aus. Ich möchte einfach wissen, was ist da los. Warum macht das jemand, wieso jetzt das. So geht das immer weiter. Besonders die Familiengeheimnisse sind immer wieder spannend und erschreckend.


    Der Schreibstil der Autorin lässt mich von der ersten Sekunde an in dem Buch verbleiben. Ich liebe Frau Blazon einfach. Schon als ich die ersten Seiten gelesen habe, konnte ich aufatmen, da es einfach ihr Schreibstil ist, der mich fesselt.

  • Eine Mischung aus Tragikomik, Road-Movie und Reise in die eigene Vergangenheit


    Die junge Fotografin Mo hat durch ihre Kamera einen ganz besonderen Blick auf die Menschen: sie deckt mit ihren Fotos die Wahrheit hinter der Maske der Alltäglichkeit auf. Wenn es allerdings um den Blickwinkel auf das eigene Leben geht, sieht es bei ihr düster aus, ihr eigenes Familienleben besteht nur aus Schweigen und Streit. Umso mehr freut sie sich auf das Familienfest ihres Freundes Leon, das jedoch in einer Katastrophe und in der gemeinsamen Flucht mit der kratzbürstigen Großmutter Aino nach Finnland endet. Ainos Reise in ihre Vergangenheit wird auch für Mo ein Blick in die eigene Vergangenheit samt all ihrer Probleme.


    Mit diesem Buch wendet sich die Autorin diesmal an erwachsene Leser und ich hoffe sehr, daß es nicht der letzte Ausflug in dieses Genre sein wird. Mit einer ausdrucksstarken und bildhaften Sprache nimmt Nina Blazon den Leser mit auf eine Reise nach Finnland und in die Vergangenheit zweier völlig unterschiedlicher Frauen. Aber das Buch kommt nicht nur ernst daher, dazwischen blitzt auch immer wieder der Humor der Autorin auf. Und stellenweise erinnert das Buch auch an ein Road-Movie.


    Die Charaktere sind liebevoll und tiefgehend ausgearbeitet, nach und nach schälen sich immer mehr Details aus der traurigen Vergangenheit von Mo und Aino heraus.


    Bei Mo(ira) und ihrer Schwester Danae wird schnell klar, daß ihre Kindheit durch Lieblosigkeit und Mißachtung gekennzeichnet war, was schließlich auch zum Bruch zwischen den Schwestern geführt hat. Die beiden Schwestern haben sich in völlig verschiedene Richtungen entwickelt und haben immense Probleme damit, überhaupt miteinander zu kommunizieren. Zwischen ihnen haben sich Frust, Hass, Schweigen und Unverständnis breitgemacht.


    Die lieblose Kindheit spiegelt sich in Mos Fotos wider: sie ist immer auf der Suche nach den dunklen Seiten der Menschen und ihrer Familien („Fotos verraten alles. Sie zeigen das, was gezeigt werden soll – aber darüber hinaus zeigen sie die Lücken in den Familien, die schadhaften Stellen am Haus.“). Mos Sehnsucht nach dem perfekten Familienidyll geht soweit, daß sie ihre Partner nach deren Familien aussucht, von denen sie hofft, daß sie sie mit offenen Armen aufnehmen.


    Leons Großmutter Aino ist über 80 Jahre alt, lebt im Pflegeheim und gilt bei ihrer Familie als senil. Mit ihrer kratzbürstigen und verletzenden Art der Familie und Mo gegenüber ist ihr erster Auftritt nicht sehr einnehmend. Und über der gezwungenermaßen gemeinsamen Flucht von Aino und Mo herrscht Gewitterstimmung. Aber bald müssen die beiden Frauen einsehen, daß sie bei ihrer Flucht nach Finnland, Ainos Heimatland, aufeinander angewiesen sind. Ainos Geschichte sowie die Gründe, warum sie noch einmal nach Helsinki will, sind spannend und bis zum Schluß überraschend. Und nebenbei zwingt sie Mo, endlich in ihrer eigenen Vergangenheit aufzuräumen.


    Nebenbei erfährt der Leser einiges über Finnland und seine Bewohner, wie die Liebe der Finnen zur Sauna, zum Alkohol und Karaoke, ihre Wortkargheit, aber auch die tiefe Liebe zum finnischen Tango, welche mir bisher völlig unbekannt war und der nicht nur im Buch eine große Rolle spielt.


    Das Ende des Buches ist für mich sehr stimmig und war bis zur letzten Seite offen. Außerdem bringt es noch einige überraschende Aufklärungen.


    Meine Rezension erscheint bei:
    Amazon
    Großes Literaturschock-Bücherforum
    Literaturschock.de
    LovelyBooks
    Thalia


    Zur Leserunde:
    Wie immer macht auch diese Leserunde wieder sehr viel Spaß. Liebe Nina, herzlichen Dank für deine tolle Begleitung - auch hier muß ich mich einfach wiederholen ;D Und ich freue mich schon auf Oktober mit dem nächsten Buch und Runde :winken:

  • Ich habe zwar hier nicht bei der Leserunde mitgelesen, aber meine Rezi will ich trotzdem auch hier einstellen. :)



    Fotos sind mehr als Momentaufnahmen


    Inhalt:
    Moira ist Fotografin. Ihre geliebte Kamera ist immer und überall dabei. Moira, auch Mo genannt, hat einen Blick für Zusammenhänge, vor allem bei anderen, weniger bei sich selbst. Sie liest aus ihren Fotos ganze Geschichten heraus.


    Ihre eigene familiäre Situation ist ein Drama. Deshalb ist sie sehr nervös, als sie die Familie ihres Freundes Leon auf der Geburtstagsfeier von Leons Vater kennenlernen soll. Und prompt geht die Sache schief. Plötzlich findet sich Moira zusammen mit Leons finnischer Großmutter Aino auf der Flucht.


    Meine Meinung:
    Ich habe Nina Blazon als Autorin von Jugendbüchern kennen- und lieben gelernt. Nun ist ihr erster Roman für Erwachsene erschienen, und ich muss sagen, auch in diesem Genre konnte Nina Blazon mich überzeugen.


    Erzählt wird die Geschichte von zwei ungleichen Frauen. Moira ist Ende zwanzig und wünscht sich nichts mehr, als von einer Familie geliebt zu werden. Ihre eigene Familie ist total zerrüttet, und Mo hat gegen etliche Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen. Dabei nimmt sie es nicht unbedingt sehr genau mit der Wahrheit, belügt sich auch gerne selbst.


    „Sollen wir?", frage ich mit einem Lächeln, so echt wie eine Fata Morgana.“ (S. 41)


    Die eigensinnige Aino ist 85 und wird von ihrer Familie mehr als Kostenfaktor gesehen denn als geliebte Mutter bzw. Großmutter. Sie hat in Helsinki noch eine Rechnung aus Kriegszeiten offen, die sie unbedingt begleichen will. Ihr Gesundheitszustand ist nicht der beste und so bleibt ihr nicht mehr viel Zeit. Es dauert eine gute Weile, bis die beiden Frauen sich auf ihrer seltsamen Reise zusammenraufen und einander schätzen lernen.


    Nina Blazon schreibt sehr detailliert. Zuweilen war es mir fast ein bisschen zu viel, zu ausufernd, vor allem zu Beginn. Aber immerhin ist eine wirklich tolle Story dabei herausgekommen, da kann ich darüber hinwegsehen. Und vielleicht braucht es auch einfach so viele Worte, um eine entsprechende Tiefe der Charaktere zu erreichen. Später habe ich es auch nicht mehr als ausufernd empfunden, sondern nur noch als fesselnd. Es hat mir auch gut gefallen, dass hin und wieder etwas Humor aufblitzt und die eigentlich sehr ernsthafte Handlung auflockert.


    Nach und nach lernen wir als Leser die beiden Frauen, die anfangs ja selbst nichts voneinander wissen und sich nicht einmal mögen, sehr gut kennen. Die Abgründe in Moiras Vergangenheit tun sich immer weiter auf. Und auch Aino hat ihre Geheimnisse, die sie nicht gerne der Öffentlichkeit und auch nicht Moira preisgibt. Hier hält die Autorin manche Überraschung bereit. Immer wenn man denkt, man wüsste jetzt, was damals geschehen ist, belehrt sie einen eines Besseren.


    Auch die finnische Lebensart ist ein großes Thema dieses Romans. Ich wusste über die finnischen Eigenheiten so gut wie gar nichts und fand es sehr interessant, darüber etwas zu erfahren.


    Fazit:
    Ein großartiger Roman über eine Reise nach Helsinki, eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise zu sich selbst.


    :buchtipp:

  • Liebsten Dank für diese schöne Leserunde! Für die Diskussionen, für die vielen Youtube-Links oder Bilder, für die Hintergrund-Infos, für eure eigenen Erfahrungen. Hat mir viel (Lese-)Freude bereitet, wie das Buch selbst auch.


    Meine Meinung zum Buch:


    Nina Blazon ist sowieso schon eine sehr beliebte Autorin und die Vorfreude auf und Erwartungen an ihr Belletristik-Debüt “Liebten wir” waren bei vielen Fans extrem hoch, so auch bei mir. Vorwegnehmen kann ich in diesem Sinne gleich, dass ihr mit diesem Debüt ein unglaublich toller Roman gelungen ist. Nina Blazon spielt hier mit menschlichen und psychologischen Abgründen, skurrilen Momenten und einem fast rasanten Roadtrip nach und durch Finnland.


    Die Protagonistin dieses Romans, Moira, ist Fotografin und gerade frisch bei ihrem neuen Freund Leon eingezogen. Nun steht das erste Treffen mit seiner Familie bevor und Mo ist aufgeregter denn je, denn eine liebende Familie ist alles, was sie sich wünscht, mehr noch als einen liebenden Partner. Beim Kennenlernen geht allerdings alles schief, was nur schiefgehen kann, und Mo muss flüchten. Kurz bevor sie losfahren kann, sitzt plötzlich Leons Großmutter Anusch mit im Auto und befielt ihr sie mitzunehmen. Und zwar nicht einfach nur nach Hause, nein, Anusch, die eigentlich Aino heißt, möchte nach Helsinki und ihr sind alle Mittel recht, um ihren Willen durchzusetzen. So beginnt also ein ungewöhnlicher Roadtrip zweier Frauen, die sich überhaupt nicht kennen, aber so was von kennenlernen werden.


    Moira selbst ist schon eine der gebrochensten Personen dieser Geschichte, die Gründe dafür erfährt man allerdings erst im Verlauf des Romans. Schnell wird jedoch klar, dass sie nicht einfach nur Fotografin ist oder sich hinter ihrer Kamera versteckt, sondern dass sie diese fast als Lupe oder gar Waffe benutzt, um beim Fotografieren all die Abgründe und Geheimnisse der abgelichteten Personen zu ergründen. Zu Beginn wirkt ihr Verhalten noch recht amüsant, als sie eine Hochzeit fotografiert und dabei nicht nur hinter die fröhliche Fassade blickt, sondern auch eine Affäre entdeckt. So witzig das auch klingen mag, so schaurig wird ihr Verhalten allerdings, wenn langsam deutlich wird, warum sie das macht. Und schon befindet man sich überhaupt nicht mehr in einem schönen und kuscheligen Roman, sondern muss sich fragen, wo da überhaupt der Boden ist, auf den man fallen könnte.


    Es ist allerdings nicht nur Moira, die in ihrem Leben unter vielen Erfahrungen gelitten hat, im Grunde hat hier jeder Charakater einen ordentlichen Knacks. Anusch/Aino gehört natürlich dazu, auch wenn man hier ebenso lange nicht weiß warum. Zunächst tritt sie als eine sehr herrische und mürrische Person auf, die anderen Leuten, besonders Mo, ständig den Spiegel vorhält und sie dabei oft gründlich vor den Kopf stößt. Ganz allmählich eröffnet sich auch bei Aino eine Vergangenheit, die emotional mitreißt.


    “Liebten wir” ist ein unglaublich vielschichtiger Roman: Beginnend bei einer schlimmen Familienfeier, die so viele menschliche Abgründe zeigt, dass mir beim Lesen fast schlecht geworden ist, reisen wir über das Meer nach Helsinki, das für die eine ein Ziel und für die andere nur Flucht ist. Dabei zeichnet Nina Blazon nicht nur ein unglaublich plastisches Bild vom schönen Helsinki, sondern auch umso traurigere Bilder vom Leben mehrerer Personen. Jeder Moment berührte mich dabei ganz tief und hat mich richtig in die Geschichte eintauchen lassen, obwohl sie doch manchmal so voll von negativen Emotionen ist. Auch die neuen zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich hier entwickeln, besonders die zwischen Aino und Mo, haben mich mitfühlen und zittern lassen, denn zwischen all den negativen Erfahrungen waren diese ein richtiger Lichtblick. Doch nicht nur der Gefühlsaspekt steht hier im Vordergrund, auch die Geschichte selbst ist eine unheimlich spannende und mitreißende. Um die Vergangenheit von Moira und Aino — zwei Frauen, die mit ihren Erinnerungen kämpfen — wird lange ein Geheimnis gemacht, das man sich zwar durch einige Hinweise irgendwie zurecht puzzeln kann, das aber am Schluss zu einem sehr überraschendem Ende kommt.


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  • Gleich vorneweg, dieses Buch ist ein absoluter :buchtipp:


    Durch die ersten Seiten mußte ich mich etwas durchquälen, weil hier eine so schreckliche Familiensituation erzählt wurde, das mir ganz schlecht wurde.
    Auch diese ist wunderbar erzählt von Nina, aber ich finde es furchtbar, so etwa szu lesen.


    Aber "leider" braucht es diesen "Vorspann" um die Geschichte richtig einordnen und verstehen zu können.


    Daß das Buch sich zu einem meiner Jahreshighlights entwickeln würde, habe ich allerdings auf den ersten ca 100 Seiten noch nicht erwartet.


    Hat es aber :flirt:


    Dieses Buch gehört zu den ganz besonderen Büchern, die sich heimlich still und leise ins Herz einschleichen, deren Figuren so echt und so besonders und trotzdem "normal" sind das man nicht nur die 552 Seiten des Buches, sondern noch eine ganze Reihe mit ihnen verbringen möchte.
    Und das, trotzdem die Geschichte wirklich alles andere als "leichtgängig" ist und ich nicht nur einmal schlucken mußte.


    Einen Teil des Zaubers macht sicher auch der finnische Hintergrund aus... ich möchte bitte gerne mal nach Helsinki reisen !


    Die Geschichte an sich ist sehr spannend und auch wenn es immer kleine "Teilauflösungen" gibt (bei denen man schon nach Luft schnappt) bleibt es bis zum Schluß spannend und das Ende hält noch weitere Überraschungen bereit, Dinge, mit denen man als Leser nicht gerechnet hat, die aber stimmig und einleuchtend sind.


    Das Ende selbst hat mir gut gefallen... es gibt einen wirklich versöhnlichen Ausgang und daß es ein wenig "offen" ist, passt absolut zur Geschichte.
    Auch die weniger schönen Aspekte des Endes sind stimmig und "besser" hätte es eben nicht enden können ohne dann kitschig zu werden.


    Die Leserunde hat mir gut gefallen, ein besonderer Dank an Nina für die nette Begleitung und die tollen Hintergrundinformationen. :bussi:

  • WAS heisst hier LIEBTEN WIR?? Ich liebe es zum Regal der Lieblingsbücher!
    Vielen Dank an das Forum für dieses zauberhafte Buch, ich glaube mir würden die Adjektive ausgehen, bevor ich es hinreichend beschreiben könnte! Danke an Nina und die tolle Leserunde und an den Ullstein-Verlag!
    :)
    Nina Blazon - Liebten wir - Ullstein


    Moira und Danae, zwei Schwestern, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten:
    Kompetente Anwältin mit Sirenenerscheinung gegen Gelegenheits-Fotografin mit Understatement.
    Eine, die immer wusste, was sie will und eine, die einen pfadlosen Weg geht.
    Wo sie können gehen sie sich aus dem Weg, Moira hat sogar ein Extra-Handy mit Danaes Nummer darauf..
    Leonid schleppt Moira mit zu seinem Elternhaus, die Familie hat sich versammelt, um die neue Freundin kennenzulernen, sogar die altersschwache Oma Aino wird dafür aus dem Heim geholt.
    Moiras Stand ist nicht der Beste, Vergleiche mit der Ex-Freundin werden gezogen und als Danae unerwartet auftaucht, kippt die Lage so schnell, wie Sahne in der Sonne. Sie tut etwas Unglaubliches mit Leon, ihr korallenroter Lippenstift ist Zeuge..
    Wenig später sieht sich Moira mit der plötzlich sehr mitteilsamen Aino auf der Flucht. Der eben entwendete Schmuck der Verwandtschaft wird gegen zwei Finnland-Tickets eingetauscht.
    Aino hat etwas zu verstecken und umschifft ihr Geheimnis, wie die Fähre die Untiefen nach Helsinki. Aino ist clever, aber die stark gehbehinderte Dame mit eingeschränkter Lungenfunktion ist auf Moiras Hilfe angewiesen. Die Austellung einer verstorbenen Künstlerin dient ihr als Wegweiser. Nach einem Museumsbesuch machen sie einen jungen Mann ausfindig, in dessen Wohnung sie sich einfach einquartieren und Aarto lässt sich in die Suche nach dem fehlenden Puzzleteil miteinbeziehen. Moira weiß nicht, was sie von dem wortkargen Musiker in Lederjacke und Sturmfrisur halten soll..
    Die beiden setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um Aino nach ihrer Spursuche in die Vergangenheit zu helfen, manchmal haarscharf an der Grenze ihrer Möglichkeiten.
    Als Aino die letzte Information bekommt, verschwindet sie..
    -----------------------------------------
    Einerseits bin ich glücklich so ein schönes Buch gelesen zu haben und andererseits traurig, weil es schon vorbei ist.
    Es ist spannend und mitreissend, ein Buch der Sehnsüchte: Luftgitarre für die Seele!


    5/5


    https://leserunden.de/forum/in…11598.msg241871#msg241871


    http://www.literaturschock.de/…iscussions/review?id=8537


    https://literaturschock.de/lit…x.php?thread/37532.0.html


    http://www.amazon.de/review/R1…ZFXYY0/ref=cm_cr_rdp_perm


    https://www.goodreads.com/review/show/1354668860


    http://wasliestdu.de/rezension/luftgitarre-fuer-die-seele


    http://www.lovelybooks.de/auto…6-w/rezension/1169651000/

  • Mitgerissen von einer einzigen Figur entdeckt der Leser das schöne Helsinki


    Klappentext
    „Manchmal muss man auf eine Reise gehen, um anzukommen


    Verstohlene Blicke, versteckte Gesten, die Abgründe hinter lächelnden Mündern: Fotografin Mo sieht durch ihre Linse alles. Wenn sie der Welt ohne den Filter ihrer Kamera begegnen soll, wird es kompliziert. Mit ihrer Schwester hat sie sich zerstritten, von ihrem Vater entfremdet. Umso mehr freut sich Mo auf das Familienfest ihres Freundes Leon. Doch das endet in einer Katastrophe. Mo reicht es. Gemeinsam mit Aino, Leons eigensinniger Großmutter, flieht sie nach Finnland. Eine Reise mit vielen Umwegen für die beiden grundverschiedenen Frauen. Als Mo in Helsinki Ainos geheime Lebensgeschichte entdeckt, ist sie selbst ein anderer Mensch.“

    Gestaltung

    Das Cover hat etwas Spezielles und Besonderes an sich. Der schlammfarbene Hintergrund lässt die pinken Schnörkel und Wolken noch viel knalliger wirken. Auch die Schwalben finde ich sehr gut positioniert. Einerseits ist das Cover schlicht und andererseits durch diese Schlichtheit sehr auffällig. Die Hintergrundfarbe ist zwar nicht unbedingt mein Lieblingsfarbton und ich hätte mir einen schöneren vorstellen können, aber dennoch ergibt sich ein schönes Gesamtwerk, das stimmig ist.


    Meine Meinung
    Als großer Nina Blazon Fan steht für mich außer Frage, dass ich jedes ihrer Werke lese. Normalerweise bin ich eher im Kinder- und Jugendbuchgenre unterwegs, aber für eine meiner absoluten Lieblingsautoren mache ich selbstverständlich auch gerne eine Ausnahme. Immerhin kann ich mir bei ihr sicher sein, dass mir ihre Romane gefallen.


    Und so war es auch wieder mit „Liebten wir“! Nina Blazons erster Roman für erwachsene Leser, welcher gleichzeitig auch mein erster Roman in diesem Bereich seit langem ist, hat mir sehr gut gefallen. Wie ich es nicht anders erwartet habe, bin ich auch dieses Mal wieder nahezu in dem wundervollen Schreibstil der Autorin versunken. Ein Nina Blazon Buch zu lesen ist für mich jedes Mal wie nach Hause zu kommen: ich brauche nur die ersten Sätze ihrer Geschichten zu lesen und fühle mich sofort pudelwohl.


    Der Anfang von „Liebten wir“ hat mir sofort den Atem genommen, da gerade die ersten Seiten wirklich überaus spannend eine Todesszene schildern, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Mit solch einem Beginn habe ich nach dem Titel und Cover eigentlich nicht gerechnet und somit war meine Aufmerksamkeit sofort voll und ganz bei der Geschichte.


    Die Protagonistin Mo sieht das Leben öfter durch die Linse ihrer Kamera an sich vorbeiziehen als durch ihre eigenen Augen. Sie hat eine ziemlich schlimme Vergangenheit hinter sich, meist nicht sehr viel Glück mit Männern und auch Familien steht sie eher kritisch gegenüber. Als Mo auf die alte Aino trifft und mit ihr nach Helsinki aufbricht, beginnt ein sehr einfühlsamer, interessanter Roadtrip, der Mos Sichtweisen langsam bröckeln lässt.


    Mein Highlight in „Liebten wir“ war definitiv die alte Dame Aino. Absolut cool, frech und mit allen Wassern gewaschen kommt sie daher. Ihre Familie hat sie für unmündig erklärt, doch Aino ist alles andere als das. Sie ist gerissen und weiß sich selber gut zu helfen (und zur Not kann man sonst ja auch einfach jemanden mit allen erdenklichen Mitteln dazu bringen, das zu tun, was man möchte). In meiner Begeisterung und Verehrung für sie, habe ich Mo manchmal etwas aus den Augen verloren. Doch auch sie ist eine sehr vielschichtige Figur, der viele schwere Bürden auferlegt sind und die mit großem Ballast aus der Vergangenheit zu kämpfen hat.


    Ich habe mich durch den Trip der beiden Frauen nach Helsinki sehr gut unterhalten gefühlt. Als Leser lernt man gemeinsam mit Mo die finnische Stadt Helsinki kennen. Besuche im Kunstmuseum, in Tanzlokalen, Fahrten mit der U-Bahn. All dies trägt dazu bei die finnische Kultur ein wenig näher kennen zu lernen.


    Schon von Beginn an habe ich eine sehr sichere Vermutung darüber gehabt, wie es mit Aino enden wird. Und obwohl ich am Ende wirklich sehr traurig darüber war, habe ich dennoch auch positive Aspekte entdecken können. Das Ende hat noch einmal einen richtig schönen Dahinschmelzfaktor für das Herz bereit gehalten. Es ist nicht einfach nur ein Ende, sondern ein Neuanfang voller Möglichkeiten. Für Mo endet es recht offen, sodass ich mir selber noch Gedanken machen kann und ihre Geschichte für mich selber zufriedenstellend weiterspinnen kann.


    Fazit
    Mit „Liebten wir“ hat Nina Blazon es wieder geschafft, einen wundervollen Roman zu schreiben und in einem für sie neuen Genre weitere Facetten ihres Schreibtalentes zu präsentieren. Ihr grandioser Umgang mit Sprache sorgt jedes Mal wieder dafür, dass ich mich in ihren Romanen verlieren kann. Mit Aino hat sie hier zudem eine wundervolle, taffe Figur geschaffen, die mein Herz im Sturm erobert hat. Neben Aino habe ich leider den Draht zu Protagonistin Mo etwas verloren. Das Ende gefiel mir auch sehr gut, da es alle Fragen beantwortet und dennoch Raum für eigene Ideen lässt.
    4 von 5 Sternen!


    Reihen-Infos
    Einzelband


    Die Leserunde war wieder ganz toll! Vielen Dank dafür! Und natürlich geht auch ein großes Danke an Nina! :bussi: Danke, dass du mit uns diskutiert hast, dich unseren Fragen stellst und einfach soo sympathisch und toll bist!


    Die Rezension stelle ich die Tage noch hier im Forum und auf anderen Seiten sowie meinem Blog ein. Erstmal muss ich morgen meine Prüfung überleben :o

    Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel... und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen. (Walt Disney)<br /><br />http://skyline-of-books.blogspot.de/

  • Liebten Wir…in allen Zeiten und Altern


    Wie macht sie das bloß! Jedes Buch dieser Autorin ist wundervoll geschrieben, hat interessante spannende Geschichten und lebendige Protagonisten in sich.


    Dieses Buch ist keine Ausnahme. Im Gegenteil, ich fand diesmal den Stoff so vielfältig, so facettenreich und informativ, dass ich nicht sagen kann, welche dieser Eigenschaften überwiegt. Es ist eine harmonische, feinabgestimmte Kost, deren Nuancen man nachschmecken kann und mit Würzen, die immer wieder überraschen.


    Man kann eigentlich auch nicht grob über den Inhalt schreiben, ohne etwas zu verraten. Deshalb möchte ich es auch nicht tun.
    Aber die Figuren des Spiels kann ich wohl vorstellen. Die Hauptlast der Geschichte trägt Mo – eine Abkürzung für Moira, das Los oder Schicksal wenn es nach der Bedeutung im Griechischen geht.
    Sie arbeitet als Fotografin und sieht durch ihre Kamera Familiengeschichten, die Tragödien hinter dem Schein. Sie beobachtet, analysiert und ist dabei fixiert auf etwas, das sie nicht hatte – Familie. Ist es ein Trost, dass die anderen Familien auch nicht im Sinne von Mo funktionierende Familien sind, Familien, die zusammenhalten, in denen man sich geborgen und angenommen fühlt. In so eine Familie aufgenommen zu werden ist der größte Traum von Mo. Einer taffen, klugen Frau voller Herzensgüte.
    Ihr Freund heißt Leon. Auch an ihm ist für Mo das Wichtigste seine Familie. In seinem Fotoalbum wirken die Mitglieder seiner Familie natürlich und nicht geschönt. Sie möchte dazu gehören, aufgenommen werden. Und es ist soweit. Sie sind zu einem Familienfest eingeladen. Auf dem Weg dorthin sollen sie die Großmutter aus dem Pflegeheim abholen und weil es so schön passt, könnte man doch gleich Mos Schwester besuchen. Mos Schwester? Sie hat doch keine Familie oder was?


    Danae ist wirklich Mos Schwester, aber Mo hat ein Extratelefon um sie anzurufen und sie tut es auch nur, weil Leon sie bittet und ihr keine glaubhafte Ausrede einfällt. Was ist zwischen den Schwestern vorgefallen?
    Danae ist Anwältin, Mutter eines sehr aktiven Kindes und verheiratet. Von Mos Anruf ist sie nicht begeistert.


    Die aus dem Pflegeheim zu holende Großmutter, die laut Leon nicht mehr richtig im Kopf ist – Aino. Ist ebenfalls eine der Hauptpersonen. Sie stammt aus Finnland und musste nach einer Hüftoperation ins Seniorenheim. Nun wird dies der Familie zu teuer und man hat beschlossen, sie zuhause zu pflegen. Das will Aino aber nicht. Sie ist altersstarrsinnig? Paranoid? Unfreundlich? Sie ist was sie ist.
    Und ihre Geschichte wird sich mit Mos Geschichte verweben. Durch sie rückt Finnland als Hintergrund in die Geschehnisse. Finnen, finnische Geschichte, kulturelle Besonderheiten, Legenden und Traditionen. Alles fließt fast unmerklich in die Handlung ein und ist gleichzeitig ein Teil davon.


    Dann kommt da noch ein Mann ins Spiel, der in einer on-off-Beziehung lebt, Humor versteht, sehr einfühlsam ist und von den beiden Frauen einfach überrannt wird. So eine Art Traummann zum Anfassen. Ein Mann, der eine am Tisch eingeschlafene Frau nicht weckt, sondern einen Kaffee hinstellt und in Ruhe seinen austrinkt, ihr beim Schlafen zu sieht und geht. Ein Mann der die Fragen nicht stellt, die sich der Leser im ganzen Buch immer wieder stellt. Ein Mann, der andere Fragen stellt, der sich nicht über seine Familie, sondern über seine Freunde definiert.


    Was ist wichtiger Familie oder Freunde? Welche Schicksale haben die Protagonisten?


    Wie eine Zwiebel , die geschält wird, erfährt der Leser immer wieder Antworten, sieht eine dünne Haut, in der neue Antworten schimmern, die aber den Kern der beiden Lebensgeschichten verbergen bis die letzte Schale ab ist.


    Ein wundervolles Buch, voller interessanter Personen und Geschichten – eine absolute Empfehlung! :buchtipp:


    Vielen Dank an die schöne Runde und vielen Dank an Nina, dass sie so ausführlich unsere Fragen beantwortet hat.
    Vielen Dank für Das Buch.

  • Zuerst einmal bedanke ich mich ganz herzlich dafür, dass ich an dieser Leserunde teilnehmen durfte.
    Ich finde es immer ganz wunderbar, wenn man sich auch mit den Autoren austauschen darf und hier in dieser Runde gab es einige wertvolle Hintergrundinfos zur Geschichte des Romans. Leider hat "Liebten wir" nicht ganz meinen Nerv getroffen - aber das ist eine ganz subjektive Lese-Empfindung, ich hoffe sehr, niemand ist mir böse. Dreieinhalb goldene Sterne möchte ich hier vergeben!
    :)


    Mein Leseeindruck:


    Die junge Fotografin Moira erlebt bei einem Familienfest bei der Verwandtschaft ihres Freundes Leon eine private Katastrophe.
    Diese endet mit der überstürzten Flucht, doch Leons eigensinnige Oma Aino hat sich in den Wagen geschmuggelt. Auf einer turbulenten Reise nach Finnland werden beide Frauen auf unterschiedliche Art mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, aber können am Ende friedlich mit dieser abschließen.


    Eigentlich ein turbulenter Road Trip, mir war jedoch Vieles zu detailliert beschrieben und es gab einige Passagen, in denen leider nicht wirklich viel geschieht, das die eigentliche Geschichte weiterbringt. Ich selbst habe mich deshalb mit dem Lesen etwas schwer getan obwohl die Sprache im Buch mir gefällt.


    Die Chemie zwischen den beiden Protagonisten Moira und Aino ist sehr bissig und teilweise aggressiv, leider bis zum Schluss der Geschichte. Obwohl beide sich kennenlernen und wohl auch irgendwo mögen, hört die ewige Kabbelei zwischen den beiden Frauen nicht auf.


    Hauptaugenmerk hat die Autorin neben der Geschichte auf den Schauplatz Finnland und seinen Menschenschlag gelegt. Hier bietet das Buch einige Stellen und Beschreibungen, an denen man schmunzeln muss, wenn man die Finnen ein wenig kennt. Allerdings geht mir Nina Blazon auch hier wieder zu sehr ins Detail, indem immer wieder finnische Wörter oder Redewendungen erklärt werden, die ich mir ohnehin nie werde merken können und wollen.


    Mir fehlt leider die Spannung während der Reise der beiden Frauen, auf der Faden um Faden ihrer verknoteten Vergangenheit entwirrt wird.


    Die doch sehr konstruierte Auflösung zu Moiras Vergangenheit stellt mich nicht wirklich zufrieden, obwohl sie Alles in Allem schlüssig ist.


    Richtig fesseln und mitnehmen konnte mich die Geschichte nicht, schade.

  • Hallo ihr Lieben! :winken:


    Ich schaue noch eine Weile rein, für den Fall, dass es vielleicht noch jemand postet (ich glaube, Heckenrose liest noch?).
    Aber hier schon einmal auch mein Fazit.

    Man hat es sicher gemerkt: Mir hat die Leserunde mit euch seeehr viel Spaß gemacht!


    Den Austausch empfand ich als offen, witzig, oft spielerisch, aber auch tiefgründig und – so empfinde ich es für mich - in jeder Hinsicht ein Gewinn. Über euer Interesse an den Details, an Finnland und den Figuren, und auch über eure Anmerkungen (auch die kritischen) habe ich mich sehr gefreut. Eure Anekdoten aus dem Leben (ich sag nur: betrunkene Finnen im Aufzug ;D) und die traurigen Erinnerungen fand ich bereichernd und berührend, und ich danke euch für eure Offenheit, auch diese Facetten des Lebens mit der Runde zu teilen - und für eure Bereitschaft, so tief in das Buch und in die nicht immer so „leichten“ Themen einzutauchen. :-*


    Und natürlich freue ich mich sehr über so viele tolle Rückmeldungen und Rezensionen. Danke auch dafür, das ist für mich sehr motivierend, mich schreibend in das nächste Buch und das nächste Land zu begeben – und das wird Island sein.


    Mit einigen aus dieser Leserunde gibt es ja bald schon ein Wiedersehen bei „Winter der schwarzen Rosen“. Bis dann, ich freue ich schon! 8)


    Liebe Grüße
    Nina

  • Danke! ;D


    Und hier noch ein kleiner Nachtrag als runder Abschluss, für alle, die gerne noch ab und zu virtuell nach Finnland reisen wollen:


    Tarja Prüss ist Journalistin, Moderatorin und Fotografin mit finnischen Wurzeln und betreibt einen sehr spannenden und informativen Blog über Finnland! (Mit wirklich schönen Fotos und vielen Inside-Infos aus dem Alltags- und Kulturleben).
    Die Adresse ist http://www.tarjasblog.de, und hier findet sich nun auch eine Rezension plus Interview zu "Liebten wir".


    Liebe Grüße! :winken:
    Nina

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen