09: Kap. 38. Der Weg - Epilog (S. 361 - Ende)

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  • So das wars ...


    Eins vorneweg: der Schluß gefällt mir wirklich gut!


    Der Satz, mit dem das erste Kapitel dieses Abschnitts beginnt: "Die Stadt zeriss sich selbst." trifft wohl nicht nur auf den letzten Aufstand zu. Das macht sie eigentlich schon die ganze Zeit. Die Zustände in dieser Stadt lassen gar keinen anderen Weg zu.


    Zarria gibt wirklich dem Drachenblut in ihr viel Macht über ihr Handeln. Aber sie weiß trotzdem immer noch genau, was sie tut. Und sie opfert wissentlich und absichtlich die Weber und die Wordas, um die Stadt zu befreien. Na wenigsten tut es ihr um die Weber leid. Ein Teil von Zarria ist noch sie selbst. Aber andererseits ist es auch gut, dass Zarrias Handeln so stark vom Dracheblut beeinflusst wird, denn sonst wäre sie wohl nicht in der Lage, das zutun, was getan werden muss. Ob mir das so gut gefällt, da bin ich mir nicht so sicher.


    Josafas "Welt aus Glas" konnte ich mir sehr gut vorstellen. Es ist toll beschrieben und ich konnte die vielen Glasfiguren und die Lichtreflexe, die sich darauf spiegeln, fast körperlich vor mir sehen. Der Raum muss aber auch unwahrscheinlich irreal und ziemlich verwirrend auf Andere wirken. Es ist sicher sehr schwierig, durch diesen Raum zu gehen mit den vielen Spiegeln, die die tatsächliche/n Größe/Abmaße verzerren. Und dann findet sie die Figur des Drachen, des freien Drachen. Genauso sollte ein Drache sein - frei! Das Zarria nicht in Lage wäre, diese Schönheit zu zerstören überraschte mich nicht. Josefa weiß ganz genau, was sie für eine unvorstellbare und einmalige Schönheit sie mit dieser Glasfigur geschaffen hat und dass Zarria diese niemals zerstören könnte. Aber als Zarria Josefa dann bei ihrer Eifersucht packt und vorschlägt, den DRACHEN zwischen ihnen entscheiden zu lassen ist genial und selbstmörderisch zugleich. Zarria kann schließlich nicht wissen, wie stark die Verbindung zwischen Josefa und dem DRACHEN ist.


    Und endlich gibt es Einblicke und Antworten zu Josefa und wie sie geworden ist, was sie ist. Und sie hat mehr mit Zarria gemeinsam, als ich gedacht hätte:

    Zitat

    die seltsame Tochter ..., die mit dem Pöbel verkehrte ...

    Welche Trauer und welcher Hass müssen in Josefa gewesen sein, als all ihre Schöpfungen zerstört wurden? Sie war doch nur ein Mädchen von acht Jahren und konnte logischerweise nicht verstehen, was das Ganze soll. Und genau aus diesen Scherben ist der Glasdrache entstanden, das wohl schönste Werk von allen. In ihm hat sie ihren Wunsch nach Freiheit gebannt, darum ist der Glasdrachen frei. Und nicht nur dass, sondern sämtliche Emotionen und Träume von ihr und das Leid der Stadt. Sie hat alles gegeben, was sie geben konnte.

    Zitat

    ... denn sie war auch ein Mädchen, das mehr opferte, als ein Mensch geben kann, ohne sich selbst aufzulösen.

    Sie hat alles aus ihrer Seele "gerissen" und in den Glasdrachen gebannt. Solange, bis sie vollkommen leer war und sie nur noch die stärksten und schlimmsten Emotionen wahrnehmen und fühlen konnte. Josefa war wahrlich der einsamste Mensch, den ich mir vorstellen kann. Wie traurig. Sie war doch nur ein Kind, sie hat sich und ihre Seele für die Stadt geopfert. Sie hat die Stadt gerettet aber zu einem unbezahlbaren Preis für sich selbst und im Endeffekt auch für Koda. Es ist unendlich traurig, dass die Angst der Menschen vor dem Kind, der Drachenmeisterin, dazugeführt hat, das Josefa keine Hoffnung und Liebe als stärkste aller Emotionen erfahren hat. Denn dann wäre alles anders gekommen und Josefa hätte ihren Traum nicht in Ketten legen müssen und wäre somit nicht zur Grausamkeit in ihrem Herzen verdammt gewesen. Zum Schluss erkennt Josefa, was sie sich selbst und dem DRACHEN angetan hat und der DRACHE erlöst Josefa.


    Der DRACHE bittet Zarria um seinen Tod. Doch zum Glück erkennt Zarria die Wahrheit und das wahre Wesen des DRACHEN. Er steht für die Träume, Wünsche, Illusionen der Menschen. Ohne diese wäre wir Menschen dem Untergang geweiht. Es gäbe keine Weiterentwicklung, keine Hoffnung, keine Freiheit des Geistes und der Seele mehr. Es wäre ein tristes Dasein und kein Leben! Sie schenkt dem DRACHEN die Freiheit, so wie das bei Träumen auch sein soll. Man darf sie nicht in Ketten legen! Und der DRACHE zereißt mühelos die Ketten, zerstört die Kathedrale und fliegt in die Freiheit. Ein wunderschönes Bild (bis auf die blutenden Ohren und die unter den Trümmern Begrabenen ;) )


    Den Epilog finde ich besonders schön. Es gibt ein Happy End. Wer hätte das gedacht. Die Stadt ist befreit. Die Geister wurden durch das Drachenfeuer erlöst. Die Tore der Stadt sind geöffnet und es gibt eine Verbindung zur Außenwelt. Zarria und Turan sind zwar nicht zusammen, aber auch für Turan gibt es ein gutes Ende. Und Zarria und der Drache sind frei und zusammen und fliegen durch die Welt. Sie leben ihren Traum ....

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich musste das Buch einfach auch beenden und kann mich dir anschu nur anschließen: Auch ich bin total begeistert von diesem Ende! Du hast die wichtigsten Inhalte übrigens schon sehr schön zusammengefasst. Genau so habe ich es auch empfunden: Zarria lässt den Drachen endlich frei und gemeinsam mit ihm leben sie alle ihre Träume und geben den Menschen auch wieder ihre Träume und Hoffnungen. Ein wirklich schönes Bild! Und ich finde es sehr passen. Eine Zarria, die eine glückliche Beziehung mit Turan führt, hätte einfach nicht zu diesem Buch am Ende gepasst.


    Den Spiegelsaal mit den ganzen Glasfiguren fand ich auch sehr beeindruckend, denke aber auch, dass der mich total verwirrt hätte. Da läuft man ja Gefahr, dass man doch mal gegen einen Spiegel rennt, da einem das gar nicht klar ist. Tolle Idee!


    Die Erklärung zu Josefa hat mir auch sehr gut gefallen und ist in sich sehr stimmig. Das arme Kind, das so missverstanden wurde, schließlich ein riesiges Opfer gebracht hat und sich damit selber zu einem unfreien und einsamen Leben verdammt hat. Wie schrecklich! :o Dabei hatte sie nie böse Absichten und wäre sie nicht zu so einer krassen Tat gezwungen worden, hätte sie der Stadt wahrscheinlich sehr viel Schönheit bringen können. Ein wirklich schlimmes Schicksal, dafür fand ich das Ende sehr versöhnlich.


    Schön auch, dass am Ende erwähnt wird, dass die Glasbläsereien der Stadt wieder auferstehen und die Stadt so richtig schön erblüht. Alles in allem ein rundum gelungenes Ende.


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

  • In dem Durchgang vom Haus Lenan zur Kathedrale hätte ich echt Beklemmungen bekommen, als Zarria durch das Wasser tauchen muß :o Aber was bleibt ihr anderes übrig, wenn sie heimlich in die Kathedrale will.


    Wie Zarria Josefa davon überzeugt, sich dem Drachen zu stellen, war raffiniert, sie packt sie damit an ihrem schwachen Punkt. Die Eifersucht muß schon sehr stark sein, daß sie sich tatsächlich so schnell darauf einläßt.


    Und der Drache hält Zarria und Josefa den Spiegel vor, es ist wie eine Art wertneutrale Abrechnung mit dem, was aus Josefa geworden ist. Das Kind Josefa kann einem leid tun, weil sie nicht das tun durfte, für was sie innerlich brannte, nämlich die Glasbläserei. Wie schlimm muß es für sie gewesen sein, als ihre Skulpturen zerbrochen wurden. Mit ihrer ganzen kindlichen Wut schuf sie dann den perfekten Glasdrachen. Und auch in ihr brannte der Funken der patrizischen Wertvorstellung: zuzusehen, daß man der Stärkste ist, daß man Macht über die Anderen hat, nur dann ist man frei (mehr oder weniger), zu tun und zu lassen, was man will. Und der Senat hat damals ebenfalls dazu beigetragen, daß Josefa das tat, was in ihrem Sinne war, genauso wie er Zarria manipulieren und einsetzen wollte – im Gegensatz zu Zarria hat Josefa das als Kind jedoch nicht bemerkt. Wie auch, wenn sie keine Gefühle mehr in ihrem Herzen übrig hatte.


    Habe ich das richtig verstanden, daß sich nicht Teile der Drachenseele in dem Glasdrachen befinden, sondern die goldenen Funken von Josefas Kinderseele stammten? Dadurch war sie in der Lage, ihn zu rufen und zu lenken, weil sie mit ihm eine Einheit bildete, verbunden durch die Figur?
    Jetzt löst sich auch die Frage auf, warum Menschen, die im Drachenfeuer sterben, entweder zu Geister werden oder aber auch ewige Ruhe finden können.


    Und mit meiner Gleichgewichtsgeschichte lag ich gar nicht mal so ganz falsch ;D: wo kein Schatten ist, gibt es auch kein Licht! Gut und Böse, Traum und Albtraum bedingen sich gegenseitig und treiben den Menschen an. Ich bin froh, daß Zarria sich nicht zur neuen Drachenmeisterin aufschwingt, sondern dem Drachen die Freiheit schenkt – und damit auch endlich die Stadt befreit! Es gibt also doch noch fremde Städte, Dörfer, Menschen rund um Coda und seine Bewohner sind nicht mehr länger abgeschnitten, das Leben floriert um und in Coda.


    Ich habe mich gefreut, daß Turan den Kampf überlebt hat – daß er und Zarria nicht zusammenkommen, war nach ihrem Verrat abzusehen. Außerdem fühlt sich Zarria zu sehr mit dem Drachen verbunden, daß sie unter den Menschen sicher zu einsam gewesen wäre. So haben sich zwei einsame Seelen gefunden, die nun zusammen unterwegs sind, ohne daß Zarria den Drachen dabei dominiert.


    Eines ist mir aber noch nicht klar, ich hoffe, ich habe das im Eifer des Kampfgefechts nicht überlesen: woher kommen denn nun die Drakeneier?


    Ein schönes Ende, vor allem tatsächlich wieder ein Happy End :D


  • Der Satz, mit dem das erste Kapitel dieses Abschnitts beginnt: "Die Stadt zeriss sich selbst." trifft wohl nicht nur auf den letzten Aufstand zu. Das macht sie eigentlich schon die ganze Zeit. Die Zustände in dieser Stadt lassen gar keinen anderen Weg zu.


    Da hast du aber so was von recht.



    Josafas "Welt aus Glas" konnte ich mir sehr gut vorstellen. Es ist toll beschrieben und ich konnte die vielen Glasfiguren und die Lichtreflexe, die sich darauf spiegeln, fast körperlich vor mir sehen. Der Raum muss aber auch unwahrscheinlich irreal und ziemlich verwirrend auf Andere wirken. Es ist sicher sehr schwierig, durch diesen Raum zu gehen mit den vielen Spiegeln, die die tatsächliche/n Größe/Abmaße verzerren.


    Diese Welt aus Glas stelle ich mir auch gigantisch vor - und mir ging es wie Tammy: ich hätte Angst, etwas umzuwerfen oder gegen was zu laufen.


  • Eines ist mir aber noch nicht klar, ich hoffe, ich habe das im Eifer des Kampfgefechts nicht überlesen: woher kommen denn nun die Drakeneier?


    Oh ja, das ist eine gute Frage. Das ist mir auch noch nicht ganz klar?


    Auch die Marotte von Zarria, dass sie immer Handschuhe anhaben muss, wurde auch nicht geklärt, oder? :-\


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:


  • Auch die Marotte von Zarria, dass sie immer Handschuhe anhaben muss, wurde auch nicht geklärt, oder? :-\


    Nein, das ist wohl tatsächlich eine Marotte. Ich war mir nicht sicher, ob sie vllt. mal irgendeine schlechte Erfahrung mit den bloßen Händen gemacht hätte.

  • Oh ja, das ist eine gute Frage. Das ist mir auch noch nicht ganz klar?


    Ja die Frage stelle ich mir auch immer noch. Vielleicht kamen die Eier ja irgendwie von den unerfüllten Träumen der Bewohner oder irgendetwas in der Art. So ein Traum ist ja auch irgendwie wie ein unausgebrütetes Ei, der erst mit Verwirklichung Gestalt annimmt. Und vielleicht mussten die Draken sich ja deshalb von Alpträumen ernähren ... ???


    [/quote]


    Nein, das ist wohl tatsächlich eine Marotte. Ich war mir nicht sicher, ob sie vllt. mal irgendeine schlechte Erfahrung mit den bloßen Händen gemacht hätte.


    Vielleicht ist es ja auch sinnbildlich zu verstehen. In der Art, dass sich Zarria nicht die Hände mit den Intrigen und irren Zuständen der Stadt schmutzig machen wollte. Sie hat da ja von Anfang an nicht mitgemacht oder reingepasst.

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)


  • Vielleicht kamen die Eier ja irgendwie von den unerfüllten Träumen der Bewohner oder irgendetwas in der Art. So ein Traum ist ja auch irgendwie wie ein unausgebrütetes Ei, der erst mit Verwirklichung Gestalt annimmt. Und vielleicht mussten die Draken sich ja deshalb von Alpträumen ernähren ... ???


    Da könnte was dran sein. In Josefas Welt aus Glas hatte ich kurz erwartet, daß dort womöglich Glas-Eier stehen würden, daß sie die Eier ähnlich wie damals den Drachen "beschwört".



    Vielleicht ist es ja auch sinnbildlich zu verstehen. In der Art, dass sich Zarria nicht die Hände mit den Intrigen und irren Zuständen der Stadt schmutzig machen wollte. Sie hat da ja von Anfang an nicht mitgemacht oder reingepasst.


    Die Erklärung gefällt mir gut.

  • Da könnte was dran sein. In Josefas Welt aus Glas hatte ich kurz erwartet, daß dort womöglich Glas-Eier stehen würden, daß sie die Eier ähnlich wie damals den Drachen "beschwört".


    Das ist auch eine interessante Idee. Ja, das ist gut vorstellbar.


    Die Erklärung gefällt mir gut.


    Mir auch! Das passt wirklich sehr gut! 8)



    Im zur Drachenmahr-Blogtour gehörigen Protagonisteninterview blickt Zarria auf die Ereignisse zurück.


    Ui, klasse, muss ich mir gleich angucken! Danke!


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:


  • der Schluß gefällt mir wirklich gut!



    Auch ich bin total begeistert von diesem Ende!


    :freu: :freu:


    Beim Schreiben von DRACHENMAHR entstand der Prolog erst, als das Manuskript beinahe vollständig war, parallel zu der Szene, in der Zarria alle Zusammenhänge versteht. Den Dialog mit dem Kardinal, den Zarria mit Glads Hilfe führt, habe ich danach noch einmal umgeschrieben, damit alles zusammenpasst.


    Wo die Eier herkommen, wird nirgendwo im Buch geschildert. Von daher ist jede Interpretation erlaubt - da kann jeder seine eigene, persönliche Lösung in seine Version der Geschichte hineinweben. Ich mag generell Geschichte, bei denen man selbst ein bisschen hineinträumen kann.



    Habe ich das richtig verstanden, daß sich nicht Teile der Drachenseele in dem Glasdrachen befinden, sondern die goldenen Funken von Josefas Kinderseele stammten? Dadurch war sie in der Lage, ihn zu rufen und zu lenken, weil sie mit ihm eine Einheit bildete, verbunden durch die Figur?


    Ja, das ist richtig ... aber da könnte auch noch mehr sein. ;)
    Hat Josefa den DRACHEN gerufen - oder hat sie ihn erschaffen?
    Falls der DRACHE letzlich aus Josefas kindlichen Wünschen entstanden ist, dann entspricht er auch den Vorstellungen einer Achtjährigen. Dazu könnte gehören, dass ein Drache Eier legt - unabhängig von fortpflanzungstechnischen Details bei zweigeschlechtlichen Lebensformen. ;) Und vielleicht haben Drachen ohnehin nur ein Geschlecht?


    Zitat


    »Wir kennen sie«, sagten die Bürger der Stadt, wenn die Sprache auf diese Frau kam, und bei jedem lag dann Stolz in der Stimme. »Sie ist Zarria Machon. Eine von uns.«


    Als dieser Absatz beim Schreiben plötzlich da stand, habe ich mich gefragt, ob Zarria das auch so sehen würde. Denkt Ihr, sie sieht sich selbst als "eine von ihnen"? Würde sie von sich selbst sagen: "Ich bin eine Machon", oder "Ich bin eine Bürgerin von Koda"?


  • Wo die Eier herkommen, wird nirgendwo im Buch geschildert. Von daher ist jede Interpretation erlaubt - da kann jeder seine eigene, persönliche Lösung in seine Version der Geschichte hineinweben. Ich mag generell Geschichte, bei denen man selbst ein bisschen hineinträumen kann.


    Das finde ich auch in Ordnung - und bin beruhigt, daß ich nichts überlesen habe.



    Ja, das ist richtig ... aber da könnte auch noch mehr sein. ;)
    Hat Josefa den DRACHEN gerufen - oder hat sie ihn erschaffen?
    Falls der DRACHE letzlich aus Josefas kindlichen Wünschen entstanden ist, dann entspricht er auch den Vorstellungen einer Achtjährigen. Dazu könnte gehören, dass ein Drache Eier legt - unabhängig von fortpflanzungstechnischen Details bei zweigeschlechtlichen Lebensformen. ;) Und vielleicht haben Drachen ohnehin nur ein Geschlecht?


    Das hatte ich mich auch gefragt, ob er durch Josefa gerufen oder erschaffen wurde. Ich habe dann eher zum Rufen tendiert, weil der Kardinal das an einer Stelle so erwähnt und weil niemand großartig über den Drachen erstaunt war, als er auftaucht (so hatte ich das Gefühl). Andererseits hatten die Stadtbewohner damals andere Sorgen, wie sich Gedanken zu machen, woher der Drache kommt - und ganz geheuer war er ihnen nicht.
    Wenn er schon vorher existiert hat, habe ich mich natürlich gefragt, wo er bis dahin gelebt hat und ob er iin der Lage ist, diese hohe Felswand zu überwinden. In meiner Vorstellung kann er das, weil er ein Drache ist und mich dann natürlich frage, was hinter der Felswand sein könnte.


    Daran, daß der Drache nach den Vorstellungen einer 8-jährigen geformt sein und sich das auf seine Fortplfanzung auswirken könnte, hatte ich jetzt gar nicht gedacht.



    Als dieser Absatz beim Schreiben plötzlich da stand, habe ich mich gefragt, ob Zarria das auch so sehen würde. Denkt Ihr, sie sieht sich selbst als "eine von ihnen"? Würde sie von sich selbst sagen: "Ich bin eine Machon", oder "Ich bin eine Bürgerin von Koda"?


    Ich könnte mir vorstellen, daß sie hier abgrenzt: mit den verlogenen Familien und ihren Intrigen, die so viel Leid über sie persönlich und Koda gebracht haben, will sie sich bestimmt nicht mehr identifizieren. Gegenüber den ärmeren Menschen, wie den Webern, sehen ihre Gefühle vielleicht anders aus. Wenn sie gnädig ist, dann denkt sie vielleicht: "Jaja, nachdem nun alles gut ausgegangen ist, bin ich gut genug", wenn sie weniger gnädig ist, dann ärgert sie sich vielleicht über die Verlogenheit der Familien, besonders die der Machons, die den Umstand, daß Zarria eine Machon ist/war, garantiert für sich ausgeschlachtet haben. Im Gegensatz zu Josefa glaube ich aber, daß sie doch etwas wie eine Verbundenheit oder Verantwortung gegenüber Koda empfindet.


  • Wo die Eier herkommen, wird nirgendwo im Buch geschildert. Von daher ist jede Interpretation erlaubt - da kann jeder seine eigene, persönliche Lösung in seine Version der Geschichte hineinweben. Ich mag generell Geschichte, bei denen man selbst ein bisschen hineinträumen kann.


    Ich habe mag auch Geschichten, bei denen nicht alle Fragen eindeutig geklärt werden. Da kann dann jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen und für sich die Antwort finden, die ihm am besten gefällt. :)


    Als dieser Absatz beim Schreiben plötzlich da stand, habe ich mich gefragt, ob Zarria das auch so sehen würde. Denkt Ihr, sie sieht sich selbst als "eine von ihnen"? Würde sie von sich selbst sagen: "Ich bin eine Machon", oder "Ich bin eine Bürgerin von Koda"?


    Ich denke auch, dass Zarria sich eher mit der Stadt allgemein verbunden fühlt, nicht mit den Patriziern. Dass sie eine Machon ist, ist für Zarria wahrscheinlich eher nebensächlich.


    Das hatte ich mich auch gefragt, ob er durch Josefa gerufen oder erschaffen wurde. Ich habe dann eher zum Rufen tendiert, weil der Kardinal das an einer Stelle so erwähnt und weil niemand großartig über den Drachen erstaunt war, als er auftaucht (so hatte ich das Gefühl). Andererseits hatten die Stadtbewohner damals andere Sorgen, wie sich Gedanken zu machen, woher der Drache kommt - und ganz geheuer war er ihnen nicht.
    Wenn er schon vorher existiert hat, habe ich mich natürlich gefragt, wo er bis dahin gelebt hat und ob er iin der Lage ist, diese hohe Felswand zu überwinden. In meiner Vorstellung kann er das, weil er ein Drache ist und mich dann natürlich frage, was hinter der Felswand sein könnte.


    Daran, daß der Drache nach den Vorstellungen einer 8-jährigen geformt sein und sich das auf seine Fortplfanzung auswirken könnte, hatte ich jetzt gar nicht gedacht.


    Ich habe anfangs auch eher zum rufen tendiert, aber bei genauerer Betrachtungsweise denke ich, dass Josefa den Drachen erschaffen hat. Ihr Wunsch war so stark, dass er sich in Form des Drachen erfüllt hat. Sie hat den sehnlichen Wunsch gehabt frei in ihrem Handeln zu sein, sich nicht vorschreiben zu lassen, was sie tun darf und was nicht (ihre Liebe zur Glasbläserei), sie wollte in ihrer kindlichen Logik und Trotz von 8 Jahren allen beweisen, zu was sie fähig ist. Und sie wollte Macht über die Menschen, die ihr das verboten haben, was sie am liebsten hatte. Was symbolisiert für ein Kind all diese Dinge am besten? Ein DRACHE. Er ist frei, kann fliegen wohin er will, kann tun und lassen, was er will, hat die Macht Feuer zu speien und alle zu vernichten, die im Weg stehen.

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)


  • Ich habe anfangs auch eher zum rufen tendiert, aber bei genauerer Betrachtungsweise denke ich, dass Josefa den Drachen erschaffen hat. Ihr Wunsch war so stark, dass er sich in Form des Drachen erfüllt hat. Sie hat den sehnlichen Wunsch gehabt frei in ihrem Handeln zu sein, sich nicht vorschreiben zu lassen, was sie tun darf und was nicht (ihre Liebe zur Glasbläserei), sie wollte in ihrer kindlichen Logik und Trotz von 8 Jahren allen beweisen, zu was sie fähig ist. Und sie wollte Macht über die Menschen, die ihr das verboten haben, was sie am liebsten hatte. Was symbolisiert für ein Kind all diese Dinge am besten? Ein DRACHE. Er ist frei, kann fliegen wohin er will, kann tun und lassen, was er will, hat die Macht Feuer zu speien und alle zu vernichten, die im Weg stehen.


    Vor allem wußte sie genau, wie er auszusehen hat, das läßt darauf schließen, daß sie ihn geschaffen hat oder daß Drachen den Menschen von Koda doch bekannt waren.


    Aber dann fallen meine Felswandüberlegungen flach, seufz :D

  • Ein sehr schöner Schluss und ich war sehr nah bei dem Vergleich mit der Unendlichen Geschichte. Phantasie und Emotion ist nichts Unerschöpfliches. Es braucht geistige Nahrung, um immer wieder aufzutanken. Viele von euch schreiben ja scheinbar selbst und kennen sicher die Wirkung , wenn man seine Emotionen in das Geschriebene legt und sie damit abbaut. Rauslassen. Was aber, wenn dann nichts mehr reinkommt. Wer ist denn nun verantwortlich an den Taten Josefas? Der Kardinal? Die Eltern? Oder die vielen Menschen, die unfähig waren hinter der Maske der Drachenmeisterin das kleine Mädchen zu sehen, einsam und liebebedürftig. Es war schon so, sie hat sehr viel Mitleid verdient. Ich habe in ihr immer das verlassene kleine Mädchen gesehen. Es mag der schlimmste Moment gewesen sein, als sie erkannte, dass sie es selbst hätte ändern können, wenn sie den Drachen frei gelassen hätte - auf die Macht verzichtet. aber woher sollte sie das wissen? Der Drache weiß eigentlich nicht mehr als josefa, denn er ist sie, mit allen Sehnsüchten, aller Wut, aller Verzweiflung. Sie waren beide gefangen. Zarria bringt mit ihrer Erfahrung das Element in die Dreiecksgeschichte, welches eine neue Sichtweise ermöglicht. Erstmals eine außerhalb Josefas. (Vielleicht nicht für den Drachen ganz neu, aber auf alle Fälle für Josefa, denn damit sie diese Erkenntnis aufnimmt muss sie wissen, dass der Ratende sie vollkommen versteht und das tat Zarria in dem Moment.


    Dann steigt der Drache wie Phönix aus der Asche und hinterläßt eine Stadt, die sich nun in Ruhe erholen kann. ich glaub nicht dran. Hat der Schock dazu geführt, dass sie aufgehört haben gegeneinander zu kämpfen oder mussten sie warten, bis sie einen neuen Grund gefunden hatten?




    Zarria eine von uns? Das sagen die Leute immer wenn man mit einer Idee Erfolg hatte. Wenn es schief geht ist man natürlich keiner von ihnen. Ich verabscheue diese Selbstgerechtigkeit, auf etwas stolz zu sein, für das sie nichts getan haben. Zarria ist vielleicht mal in der Stadt aufgewachsen, aber jetzt ist sie nur sie. DIE Drachenreiterin. Würde diese Stadt für sie einstehen, wenn sie in Not käme, oder würde man dann ganz schnell vergessen, woher sie kam? Auch sie ist einsam. Ich weiß nicht, wie sehr es die Liebe von Menschen ersetzt, wenn man von einem Drachen geliebt wird. Von einem freien Drachen. Es muss toll sein, mit ihm frei und unabhängig durch die Welt zu sausen, aber ist es genug?



    Ich habe überlegt, als ich hier las, es sei ein happy End, wieso Bernd ein Buch mit Happy End schreibt. Das ist jetzt schon das zweite, oder gibt es noch eines? Ist das Auftrag oder Wunsch von Dir gewesen?
    Wobei man Happy End unterschiedlich sehen kann. wie gesagt, die Liebe zwischen den Menschen bekommt hier keine Chancen. Aber was soll's -Drachen sind eh die besseren Menschen ;D


  • Oder die vielen Menschen, die unfähig waren hinter der Maske der Drachenmeisterin das kleine Mädchen zu sehen, einsam und liebebedürftig. ... Ich habe in ihr immer das verlassene kleine Mädchen gesehen.


    Ja, hast Du. Ich habe immer geschmunzelt, wenn Du das in den verschiedenen Leseabschnitten hast anklingen lassen. :)



    Hat der Schock dazu geführt, dass sie aufgehört haben gegeneinander zu kämpfen oder mussten sie warten, bis sie einen neuen Grund gefunden hatten?


    Bislang waren sie isoliert, eingeschlossen. Da baute sich der Druck auf wie in einem Dampfkessel. Ohne das Leidende Land mit seinen Geistern gibt es Alternativen dazu, sich in der Stadt durchzusetzen: Man kann sein Glück woanders versuchen.
    In dem Buch Geschichte Afrikas führt John Iliffe die Weite des Kontinents (insbesondere in Relation zur Bevölkerungsdichte) als Grund dafür an, dass es dort vor der Kolonialzeit kaum lang andauernde kriegerische Konflikte gab. Wenn eine Gruppe zu unterliegen drohte, ist sie weggezogen ...



    Ich habe überlegt, als ich hier las, es sei ein happy End, wieso Bernd ein Buch mit Happy End schreibt. Das ist jetzt schon das zweite, oder gibt es noch eines? Ist das Auftrag oder Wunsch von Dir gewesen?


    Das war mein Wunsch. Tatsächlich stand dieses Ende als eine der ersten Sachen fest. Ich wollte keine Geschichte, in der jemand den anderen vernichtet und dadurch siegt, also keine Drachentöterin. Mir war die Botschaft lieber, dass jeder in der Welt seine Berechtigung hat - sogar ein DRACHE. ;)

  • Woow, was für ein tolles Ende für ein grandioses Buch. Die letzten Seiten sind dann beim Lesen schnell vergangen. Der Einbruch in die Kathedrale war sehr gut geschildert, so dass man sich das alte Gemäuer gut vorstellen konnte.


    Der Kristallraum war dann ein echtes Tiffany Paradis :) . So viel Glitzer in einem Raum und dann endlich die Auflösung für den Leser. Der Glasdrache ist da! Ich selber habe immer das Problem mir etwas so überirdisch schönes vorzustellen, da ich in der realen Welt noch nichts gesehen habe, was diese Faszination in mir ausgelöst hätte.


    Das Zarria den Drachen dann am Ende nicht hat sterben lassen fand ich passend. Dazu waren die beiden schon zu sehr verbunden. Mir hat dann auch gefallen, dass noch weitere Teile des Landes kurz angerissen wurden über die die beiden dann geflogen sind. Das hat den Eindruck einer großen Welt auch ausserhalb der Stadt noch verstärkt.


    So bleibt bei mir noch die Frage übrig, wieso in der Fantasy Welt der christliche Glaube gesetzt wurde. War dies dazu da, um dem Leser schnell ein Bild der alten Religion zu geben, ohne jetzt einen neuen Fantasy Glauben zu entwickeln, den man erst kompliziert erklären müßte? Oder fandest du die Vermischung von Fantasy und echter Welt an dieser Stelle reizvoll?


  • Mir hat dann auch gefallen, dass noch weitere Teile des Landes kurz angerissen wurden über die die beiden dann geflogen sind. Das hat den Eindruck einer großen Welt auch ausserhalb der Stadt noch verstärkt.


    Das war dazu gedacht, nach der Enge der Stadt, in die die gesamte Geschichte eingezwängt war, einen Eindruck von Weite und Freiheit zu vermitteln. Schön, dass das funktioniert. :)


    So bleibt bei mir noch die Frage übrig, wieso in der Fantasy Welt der christliche Glaube gesetzt wurde. War dies dazu da, um dem Leser schnell ein Bild der alten Religion zu geben, ohne jetzt einen neuen Fantasy Glauben zu entwickeln, den man erst kompliziert erklären müßte?


    Ja, das war der Hauptgrund. Der Same der Geschichte ist das Bild des DRACHEN, der in der Kathedrale angekettet liegt. Ich brauchte also eine Religion, die prachtvolle Sakralbauten errichtet. Gleichzeitig brauchte ich die Mönche als mildtätige "Überzeugungstäter". Beides ist in der christlichen Religion vorhanden. Ich hätte auch eine erfundene Religion zusammenbasteln können, die diese Aspekte bietet, aber das erschien mir als Umweg. Ganz profan ausgedrückt kostet die Erklärung einer dem Leser unbekannten Religion Seiten im Buch, Lesezeit, die ich lieber nutzen wollte, um die Geschichte voranzubringen.
    Nebenbei gefällt es mir, wenn ich Genrekonventionen ein bisschen dehnen oder sogar in Teilen aufheben kann. Bei Sanguis B., meinem ersten veröffentlichen Roman, war das die übliche Setzung, dass Vampire im Verborgenen leben. Bei Drachenmahr ist es der Dreiklang Technologie aus dem Mittelalter - Philosophie aus der Neuzeit - Religion aus der heidnischen Antike, bei dem ich den letzten Aspekt beiseite gelassen habe, um zu schauen, was sich dann ergibt.