09: Kap. 38. Der Weg - Epilog (S. 361 - Ende)

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  • Der letzte Abschnitt war nicht lang, und ich gebe zu, ich habe das Buch vor ein paar Tagen beendet. Doch ich habe mit meinen Überlegungen etwas länger gebraucht...


    Als Erstes schließe ich mich der allgemeinen Begeisterung das Ende betreffend an, auch mir gefällt es.



    Der Satz, mit dem das erste Kapitel dieses Abschnitts beginnt: "Die Stadt zeriss sich selbst." trifft wohl nicht nur auf den letzten Aufstand zu. Das macht sie eigentlich schon die ganze Zeit. Die Zustände in dieser Stadt lassen gar keinen anderen Weg zu.


    Dieses Empfinden habe ich ebenfalls.


    Obwohl Zarrias ja durchaus Anteil an der nun in Gang gesetzten Entwicklung hat und den Vorteil sieht, der wahrscheinlich ihr allein zugutekommt, empfindet sie Mitleid mit den "Bauernopfern", den Webern. Verständlich, dass sie am Schicksal der Wordas keine solche Anteilnahme hegt, werden diese doch nach dem Mord an Xina ihrer Strafe zugeführt. Ihre Zweifel, vielleicht doch zurückzukehren und die Kämpfer aufzufordern, wegen der Aussichtslosigkeit der Sache zu fliehen, werden sehr deutlich. Gleichzeitig leuchtet aber auch ein, dass Zarria nach der Offenbarung, dass der Angriff auf die Kathedrale lediglich Ablenkung sein soll, nicht mehr lachen könnte, nicht einmal "freudlos". Ich finde es gut, dass Zarria trotzdem Gewissensbisse spürt, weil es zuvor zwar einige Opfer von Intrigen gegeben hat, doch lange nicht so viele Menschen ihr Leben verloren haben. Wobei ja mit dem Tod für einige das Dasein nicht endete, weil sie als Geister weiter existieren mussten.


    Der Raum aus tausendfachem Glas muss überwältigend und gleichzeitig einschüchternd sein. Wenn selbst der Fußboden gläsern ist, sich alles spiegelt, verwirrt das einem die Sinne. So erging es mir beim Lesen, als ich mir das bildlich vorstellte. Und dann die lebensechten Figuren, die "zum Weinen schön" sind.


    Nicht zu vergessen der gläserne Drache. Das muss wahrlich ein erhabener Anblick sein, wenn Zarria zukünftig alles andere hässlich und unbedeutend erscheinen wird. Darum wundert es mich nicht, dass sie nicht in der Lage ist, den Drachen zu zerstören. Und dass Josefa dies auch weiß, Zarria durchschaut hat. Für einen Moment sieht es ja auch so aus, als ob Josefa die Oberhand behält. Bis Zarria sie herausfordert, sie und gleichzeitig den Drachen. Sich zwischen den beiden zu entscheiden. Um die Zweifel bei Josefa zu beseitigen, ob der Drache womöglich sie nicht nur allen liebt. Das ist äußerst mutig von Zarria, zudem verwegen. Ich denke, dass Drachenblut in ihr lockt dermaßen, dass sie das Risiko eingeht. Denn inzwischen pocht in ihr die gleiche Eifersucht, weil sie dem Drachen wie Josefa verfallen ist. Den Drachen, die Josefa erschaffen hat. Dem gläsernen, den sie aus den eingeschmolzenen zerbrochenen Glasscherben ihrer Schöpfungen, in die sie so viel Herzblut und Sehnsüchte gelegt hatte, formte...



    Sie hat alles aus ihrer Seele "gerissen" und in den Glasdrachen gebannt. Solange, bis sie vollkommen leer war und sie nur noch die stärksten und schlimmsten Emotionen wahrnehmen und fühlen konnte.


    Und dem echten Drachen, mit dem Josefa so viel verbindet. Für mich stellt es sich am Ende so dar, dass auch der lebende Drache von Josefa erschaffen wurde, als ein wahr gewordener Traum, entstanden aus all ihren Sehnsüchten und Träumen und Albträumen.



    Josefa war wahrlich der einsamste Mensch, den ich mir vorstellen kann. Wie traurig. Sie war doch nur ein Kind, sie hat sich und ihre Seele für die Stadt geopfert.


    Ja, und es war niemand da, der ihr geholfen hat, ihre Emotionen wiederzufinden und ihr Herz aus der Starre zu lösen.


    Ohne Hoffnung hat sie allein ihre Schöpfungen um sich gehabt. "Sie waren zu dritt, Josefa, der DRACHE und die Glasfigur. Und zu dritt waren sie allein." (Seite 383) - Sie hat ihre Träume in Ketten gelegt. Und indem sie den Drachen demütigte, knechtete sie sich im Grunde auch selbst. Deshalb konnte sie die Leere in ihrem Herzen nicht füllen.


    Und deshalb hat der Drache auch Erbarmen. Dass er nach dem Tod von Josefa Zarria um seinen eigenen bittet, ist für mich eine logische Schlussfolgerung, scheint es doch so, dass der Inhalt seines Daseins verloren ist. "Diejenige, die ihn gerufen hatte, gab es nicht mehr. Niemals hatte es ein Wesen wie den DRACHEN gegeben. Und da niemand solche Schönheit schaffen konnte, wie es Josefa gelungen war, Schönheit, die die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum überwand, würde es niemals einen weiteren geben." (Seite 385)


    Doch...



    ... wo kein Schatten ist, gibt es auch kein Licht! Gut und Böse, Traum und Albtraum bedingen sich gegenseitig und treiben den Menschen an.


    Und deshalb finde ich es gut, dass Zarria sich für das Leben des Drachen entscheidet, und letzten Endes teilt sie es, damit es weiterhin Träume und Albträume gibt und die Menschen ihre Möglichkeiten ausschöpfen.

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Wo die Eier herkommen, wird nirgendwo im Buch geschildert. Von daher ist jede Interpretation erlaubt - da kann jeder seine eigene, persönliche Lösung in seine Version der Geschichte hineinweben. Ich mag generell Geschichte, bei denen man selbst ein bisschen hineinträumen kann.


    Die Frage woher, die Eier der Draken herkamen, ist für mich nicht so wichtig gewesen. Ich bin davon ausgegangen, dass der Drache wie beim Hermaphroditismus über beide Geschlechter verfügt.


    Ja, das ist richtig ... aber da könnte auch noch mehr sein. ;)
    Hat Josefa den DRACHEN gerufen - oder hat sie ihn erschaffen?
    Falls der DRACHE letzlich aus Josefas kindlichen Wünschen entstanden ist, dann entspricht er auch den Vorstellungen einer Achtjährigen. Dazu könnte gehören, dass ein Drache Eier legt - unabhängig von fortpflanzungstechnischen Details bei zweigeschlechtlichen Lebensformen. ;) Und vielleicht haben Drachen ohnehin nur ein Geschlecht?


    Das passt gut mit meinem Eindruck zusammen, dass Josefa letzten Endes beide Drachen "erschaffen" hat. Denn auch im echten Drachen findet sich etwas von Josefas Seele: "Mit einem Schlag begriff ich, dass es exakt die gleiche Farbe hatte wie die Flämmchen in der Figur. Beide glichen geschmolzenem Gold." (Seite 378). - Für mich sind die Drachen nach Josefas Vorstellungen, Sehnsüchten und Wünschen, Träumen und Albträumen entstanden. Wobei "gerufen" auch nicht falsch ist, wenn sich etwas aus eigenem Wunschdenken heraus "gerufen" wird und sich manifestiert.

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Als Erstes schließe ich mich der allgemeinen Begeisterung das Ende betreffend an, auch mir gefällt es.


    :freu:



    Verständlich, dass sie am Schicksal der Wordas keine solche Anteilnahme hegt, werden diese doch nach dem Mord an Xina ihrer Strafe zugeführt.


    Genau so wird Zarria das sehen - was allerdings auch offenbart, dass in Koda das Prinzip der Sippenhaft mit Selbstverständlichkeit angewandt wird. Auch Zarria, die sonst gern die ganze Wahrheit erforscht, denkt nicht daran, die Wordas in Täter, Mitläufer und möglicherweise Unschuldige zu differenzieren.



    Der Raum aus tausendfachem Glas muss überwältigend und gleichzeitig einschüchternd sein. Wenn selbst der Fußboden gläsern ist, sich alles spiegelt, verwirrt das einem die Sinne. So erging es mir beim Lesen, als ich mir das bildlich vorstellte. Und dann die lebensechten Figuren, die "zum Weinen schön" sind.


    Schön, dass diese Szenerie in der Leserunde so intensiv rüberkommt. :)



    Ich denke, dass Drachenblut in ihr lockt dermaßen, dass sie das Risiko eingeht. Denn inzwischen pocht in ihr die gleiche Eifersucht, weil sie dem Drachen wie Josefa verfallen ist.


    Das könnte ich mir durchaus vorstellen ... Was denkt Ihr, wie ähnlich sind sich Josefa und Zarria inzwischen?



    Für mich sind die Drachen nach Josefas Vorstellungen, Sehnsüchten und Wünschen, Träumen und Albträumen entstanden. Wobei "gerufen" auch nicht falsch ist, wenn sich etwas aus eigenem Wunschdenken heraus "gerufen" wird und sich manifestiert.


    Nach meinem Empfinden stimme ich Dir da zu - das Rufen und das Erschaffen verschwimmen in diesem Fall.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen