07: Kap. 26. Die Mission - Kap. 31. Blick in die Vergangenheit (S. 267 - 308)

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  • Ich werde jetzt mal ohne Zitate schreiben. Eigentlich habt Ihr ja schon viel gesagt.
    Ich finde einiges anders. Meiner Meinung nach haben nicht alle Angst, höchstens um ihre Macht. Die Patrizier wissen doch eine Menge es wäre ihnen doch jederzeit möglich dieses System zu öffnen. Aber sie haben sich schön eingerichtet. Keine Konkurrenz von außen und feste Traditionen. Das geht ja sogar bin in die Geister. Das finde ich besonders pervers. Geisterfürsten sorgen dafür, dass ´die anderen nicht in die Stadt können. Noch nicht mal unter Geistern herrscht Gleichheit. Pfui!


    Der Kardinal kommt mir sehr armselig vor. Wie kann man ein Gesetzt so wörtlich auslegen als intelligenter Mensch. Wenn ich Pech habe und schlimme Eltern habe, dann soll ich auch auf alles hören? Wäre es nicht besser gewesen, mit den Eltern zu reden und sie von dem Talent ihrer Tochter überzeugen. Eigentlich ist er Schuld an allem was danach passiert ist.
    Allerdings bekommt er auch einen Pluspunkt. Er glaubt noch an das kleine Mädchen in ihr, dass nie erwachsen werden konnte.
    Vermutlich sind es also wohl die Träume Josephas, die nur durch das Drachenfeuer verstärkt werden. Das erklärt auch die Spiele, denn sie braucht neue Anregungen. Es gibt ja nicht Neues ansonsten. Da kann die Phantasie auch ausgehen. Der Kardinal sagt doch wohl auch nicht, dass sie eine gute Glasbläserin sei, sondern eine starke Träumerin. Naja oder beides. Mein Buch ist leider nicht hier.
    Aber vor allem braucht sie neue Seelen. Ich würde mich ja freuen, wenn es wirklich gelänge, das kleine Mädchen in Josefa zu befreien. Ich habe immer noch Mitleid mit ihr.
    Hallo Tagebuch!


    Dass Glad Zarria verrät war mir schon klar. Angst vor Veränderungen und ich denke er ist auch nicht dumm. Er hat sicher gemerkt, warum Zarria ihn küßte und ich fand das eine ziemlich schlimme Art Glad für sich zu gewinnen. Die mußte schief gehen.


    Nun bin ich gespannt, ob wir uns jetzt in die Erzählebene der zweiten Zarria begeben.


  • Meiner Meinung nach haben nicht alle Angst, höchstens um ihre Macht. Die Patrizier wissen doch eine Menge es wäre ihnen doch jederzeit möglich dieses System zu öffnen.


    Wenn sich alle Patrizier einig wären, könnten sie die Regeln in der Stadt nach Belieben ändern.
    Alle Patrizier schließt auch Josefa Rubinsteyn ein.
    Nun ist die Frage, wer innerhalb der Patrizier wie viel zu sagen hat. Könnte ein einzelnes Haus eventuell auch schon die gesellschaftliche Realität ändern? Immerhin behandeln die Rubinsteyns ihre Schützlinge anders als die anderen Häuser - sie lassen sie in der Nähe ihres Familiensitzes siedeln etc. Von daher könnte ein Haus "seinen" Bürgerlichen auch Freiheiten zugestehen - oder bekäme es dann Ärger von den anderen?
    Wenn der Senat sich einig wäre, könnte er die Regeln sicher umfassend ändern. Oder bekäme er dann Ärger mit Josefa, die den DRACHEN und damit die Nahrung kontrolliert?
    Könnte umgekehrt Josefa etwas gegen den Senat durchsetzen?
    Wenn sich alle einig sind, können sie viel bewegen - aber sobald ein "Machtblock" innerhalb der Patrizier nicht mitzieht, ist es vielleicht nicht mehr so einfach ...



    Der Kardinal kommt mir sehr armselig vor.


    Bei dieser Einschätzung würde er Dir vermutlich selbst zustimmen. Offenbar war er schon damals mit seinem Handeln nicht im Reinen: "ein solches Talent zu ersticken … Es erschien mir wie ein Mord."



    Dass Glad Zarria verrät war mir schon klar. Angst vor Veränderungen und ich denke er ist auch nicht dumm. Er hat sicher gemerkt, warum Zarria ihn küßte ...


    Wie sehen das die anderen: Ist Glads Verhalten verständlich? Wenn Ihr mit ihm befreundet wärt - was hättet Ihr ihm geraten, wenn er Euch erzählen würde: "Zarria setzt ihre Reize ein, um von mir zu bekommen, was sie haben will. Ich soll etwas für sie tun, das mich das Leben kosten kann, wenn es jemand herausfindet. Sie will die einzige Sicherheit zerstören, die ich habe. Ich weiß, ich habe kein spannendes oder glorioses Leben - aber was ich habe, ist mein Leben ..."

  • Zitat

    Wie sehen das die anderen: Ist Glads Verhalten verständlich? Wenn Ihr mit ihm befreundet wärt - was hättet Ihr ihm geraten


    Verständlich finde ich es nicht. Es hätte gereicht, ihr nicht zu helfen und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Aber Verrat? Er mußte wissen, was mit ihr passieren würde. Das es sie das Leben hätte kosten können.

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

  • Ich kann Euren Eindruck verstehen - aber "Verrat" kann man in Bezug auf Glad auch in beiden Richtungen sehen.
    Man kann sagen: Er war mit Zarria befreundet und hat nun diese Freundschaft verraten. Das ist eine durchaus legitime Sichtweise.
    Oder man kann sagen: Er ist ein Medium und ein arn Rubinsteyn. Seine "Machenschaften" mit Zarria waren ein Verrat an seiner Familie und der Gemeinschaft, in der er lebt und die für ihn sorgt. Wenn er Zarria jetzt ausliefert, ist das eine Wiedergutmachung für seine früheren (kriminellen?) Aktivitäten.

  • Für mich stellt sich die Frage: War es denn eine Freundschaft? So wie es gelaufen ist, sah es für mich eher aus wie eine Zweckgemeinschaft.
    Zarria war neugierig und Glad hatte Wissen. Glad war einsam und unsicher und Zarria nahm ihn wahr. Glad war hier eindeutig in der schlechteren Position aufgrund seiner Schüchternheit und seiner mangelnden Erfahrung. Dieses Bündnis hat Zarria mit mangelnden Gegenleistungen wirklich überstrapaziert. Sie hätte kein Verhältnis mit ihm anfangen müssen, aber Zuhören und Mut machen und spätestens als sie hörte, das Glad in sie verliebt ist, hätte sie als Freundin mit ihm reden müssen. Leider blieb ihr der Mansch Glad gleichgültig. wenn sie ihn nicht brauchte.


  • Ich kann Euren Eindruck verstehen - aber "Verrat" kann man in Bezug auf Glad auch in beiden Richtungen sehen.
    Man kann sagen: Er war mit Zarria befreundet und hat nun diese Freundschaft verraten. Das ist eine durchaus legitime Sichtweise.
    Oder man kann sagen: Er ist ein Medium und ein arn Rubinsteyn. Seine "Machenschaften" mit Zarria waren ein Verrat an seiner Familie und der Gemeinschaft, in der er lebt und die für ihn sorgt. Wenn er Zarria jetzt ausliefert, ist das eine Wiedergutmachung für seine früheren (kriminellen?) Aktivitäten.


    Stimmt, das kann man so oder so sehen. Ich denke, da uns Zarria näher ist als die Familien, denen man nicht trauen kann, nehmen wir eher Position für Zarria ein - jedenfalls geht es mir so.

  • Stimmt, das kann man so oder so sehen. Ich denke, da uns Zarria näher ist als die Familien, denen man nicht trauen kann, nehmen wir eher Position für Zarria ein - jedenfalls geht es mir so.


    In gewisser Weise hat Zarria ihn auch verraten. Sie handelt nicht in seinem Interesse, sondern benutzt ihn, ist das nicht auch Verrat? Nicht alles, was meine Lieblinge tun ist gut und an der Stelle hat sie nicht nett gehandelt, gar nicht nett.


  • In gewisser Weise hat Zarria ihn auch verraten. Sie handelt nicht in seinem Interesse, sondern benutzt ihn, ist das nicht auch Verrat? Nicht alles, was meine Lieblinge tun ist gut und an der Stelle hat sie nicht nett gehandelt, gar nicht nett.


    Das stimmt, das war nicht die feine Art von ihr, Glad so zu hintergehen. Aber wie geschrieben, empfinde ich diesen Verrat weniger schlimm (ich will doch auch wissen, ob die Beschwörung klappt ;D), weil ich mir denke, es könnte sclhußendlich zum Wohle der Stadt und seiner Bürger sein, während Glads Verrat nur wieder den Familien zugute kommt, die irgendwelche Aufdeckungen vermeiden wollen und damit alles beim Alten bleibt. Verrat ist beides, keine Frage, eben nur von mir persönlich unterschiedlich bewertet ;D

  • Das stimmt, das war nicht die feine Art von ihr, Glad so zu hintergehen. Aber wie geschrieben, empfinde ich diesen Verrat weniger schlimm (ich will doch auch wissen, ob die Beschwörung klappt ;D), weil ich mir denke, es könnte sclhußendlich zum Wohle der Stadt und seiner Bürger sein, während Glads Verrat nur wieder den Familien zugute kommt, die irgendwelche Aufdeckungen vermeiden wollen und damit alles beim Alten bleibt. Verrat ist beides, keine Frage, eben nur von mir persönlich unterschiedlich bewertet ;D


    aber woher soll er wissen, wer von beiden im Recht ist? Er glaubt doch daran, dass die Stadt ohne Josefa und den Drachen verloren ist. Er schützt nicht nur sein Leben, sondern er denkt das Leben aller vor einer wahnsinnigen zu schützen. Schließlich weiß Zarria auch nicht, ob das richtig ist, was sie macht. sie hat keinerlei Beweis nur ihren eigenen Gerechtigkeitssinn. Dieser ist unserem nahe, deshalb sind wir auf ihrer Seite. Glad wird anderes als gerecht empfinden.

  • Rhea :
    Glad kann sich auch nur auf sein Gefühl verlassen, daß er das richtige tun wird, das ist klar. Aber ich habe Bernds Frage auf mich als Leser bezogen, wie ich das persönlich (bzw. die Mitleser) sehen.

  • Ahja, da liegt vielleicht das Missverständnis. ich versuche schon die Figuren in ihrem Umfeld zu sehen und die Gründe für ihre Handlungsweise.
    Ich als Leser habe ja einen ganz anderen Hintergrund.

  • Ich denke auch, dass beide, Glad und Zarria, Verrat aneinander begangen haben.
    Zarria hat sich definitiv Glad gegenüber nicht richtig verhalten und seine Zuneigung ausgenutzt. Das ist schon irgendwie ein Verrat. Aber Glad hat Zarria auch verraten. Erst beginnt er, aus Interesse und Anziehung für Zarria, eine Freundschaft mit ihr und in der Hoffnung, dass mehr daraus wird. Er erzählt ihr von seinen Zweifeln und Ängsten und schürt dadurch in Zarria auch Zweifel am System. Er unterstützt sie solange, wie die Aussicht besteht, dass Zarria seine Gefühle erwidert. Als Glad feststellen muss, dass das nicht der Fall ist, verrät er sie. Er weiß genau, welche Konsequenzen dieser Verrat für Zarria hat. Er opfert ihr Leben, um seins zu retten.
    Wenn Glad nur aus Angst um sein Leben und vor den Familien Zarria nicht helfen wollte, dann hätte es auch gereicht, wenn er ihr seine Hilfe verweigert hätte. Aber er hat Zarria in einem Moment ausgeliefert, in dem sie absolut hilflos war und keinerlei Chance hatte zu entkommen oder sich zu retten. Das ist für mich eindeutig der schlimmere Verrat.

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)


  • Ich denke auch, dass beide, Glad und Zarria, Verrat aneinander begangen haben.
    Zarria hat sich definitiv Glad gegenüber nicht richtig verhalten und seine Zuneigung ausgenutzt. Das ist schon irgendwie ein Verrat. Aber Glad hat Zarria auch verraten. Erst beginnt er, aus Interesse und Anziehung für Zarria, eine Freundschaft mit ihr und in der Hoffnung, dass mehr daraus wird. Er erzählt ihr von seinen Zweifeln und Ängsten und schürt dadurch in Zarria auch Zweifel am System. Er unterstützt sie solange, wie die Aussicht besteht, dass Zarria seine Gefühle erwidert. Als Glad feststellen muss, dass das nicht der Fall ist, verrät er sie. Er weiß genau, welche Konsequenzen dieser Verrat für Zarria hat. Er opfert ihr Leben, um seins zu retten.
    Wenn Glad nur aus Angst um sein Leben und vor den Familien Zarria nicht helfen wollte, dann hätte es auch gereicht, wenn er ihr seine Hilfe verweigert hätte. Aber er hat Zarria in einem Moment ausgeliefert, in dem sie absolut hilflos war und keinerlei Chance hatte zu entkommen oder sich zu retten. Das ist für mich eindeutig der schlimmere Verrat.


    So unterschiedlich kann man das sehen. Glad war absolut unfähig, sich der starken Persönlichkeit zu entziehen. Er hat nicht die Freundschaft zu ÄZarriaq gesucht, sondern sie hat ihn angesprochen, weil sie etwas von ihm wollte. Es war immer Zarria, die etwas brauchte von ihm. er hat sich nur zu viel von ihr versprochen, ihre Aufmerksamkeit ihm gegenüber war für den unscheinbaren Glad viel mehr als er gewohnt war und er hat wohl deshalb gemeint, sie empfände etwas für ihn. Er war von Anfang an ängstlich und er hat nur ihr zuliebe mitgemacht. Dann hat er ihr gesagt, dass er ihr Vorgehen für falsch hält und sie hat trotzdem von ihm gefordert mitzumachen. Ich denke er hat versucht, ihr zuliebe diesen Weg zu gehen, hat dann aber solche Angst bekommen vor dem was da losgelassen wurde, was er nicht verstand und was alles Bekannte auf den Kopf stellte, dass er sich an Josefa gewandt hat. Das war kein geplanter Verrat für mich, sondern Angst. Während Zarria sich voll bewußt war, dass sie sich Glad gegenüber schäbig benimmt und das sozusagen als Kolateralschaden in kauf genommen hat.

  • Manche Sätze muss ich zweimal lesen, weil ich sie total klasse finde. "Wenn man ein Loch bohrt,... muss man darauf achten, dass sich die eigene Hand nicht auf der anderen Seite des Bretts befindet..." (Seite 269) - In dem Zusammenhang macht Astana Machon sehr deutlich, dass Zarria zur Familie gehört und von dieser geschützt wird und darum mögliche Rivalen ausgeschaltet werden. Und zwar solange, bis das Haus Machon den Platz einnimmt, der ihm (aus Sicht der Machons) zusteht. "Gerechtigkeit und Freiheit sind Märchen für Kinder. Aber ein gutes Leben kann man sich verdienen. Jeder an seinem Platz. Sei du eine gute Obristin, Zarria, und versuche nicht, meine Sorgen zu tragen. ich führe das Hohe Haus Machon, und es ist besser, wenn du darüber so wenig wie möglich weißt."(Seite 270) - In dem Moment hat Zarria die wahrscheinlich ernüchternde Gewissheit, dass es keine Rolle spielt, was sie, Zarria, möchte, dass Astana für ihren Erfolg und den des Hauses auch Zarria fallen lassen würde. Wer ist Freund und wer ist Feinde? Gibt es tatsächlich nur Menschen, die sich gegenseitig ausnutzen, um Zielen nachzujagen, die sie selbst nicht begreifen?


    Auch wenn ich nach wie vor zum Team Turan gehöre, erkenne ich an, dass Glad fähig ist, die Geister zu beschwören. So verkehrt ist die Vermutung nicht gewesen, was die Funken in den Glasfiguren betrifft. Tatsächlich ist es die Seele eines Menschen. "Der Körper ist vergangen, der Geist ruhelos, aber die Seele ist in der Statuette gefangen. Wenn sie zerbricht, zersplittert auch die Seele." (Seite 277) - Was für eine Tortur, wenn das tatsächlich unsäglichen Schmerz und Irrsinn bedeutet, weil die Persönlichkeit zerreißt, ohne zu vergehen und die Teile nie wieder zueinander finden. Und nur wenn einem Geist Ruhe geschenkt wird, geht alles, was den Menschen ausmacht, vereint in die Ewigkeit ein.


    Kein Wunder, dass es unter den Geistern im Leidenden Land rumort, zumal wenn es dort auch Fürsten und Sklaven, also die Herrschenden und die Geknechteten gibt. Scheinbar wird das Gebot, das wohl von Josefa stammt und besagt, dass die Geister nicht über die Stadtmauer dürfen, sondern im Leidenden Land ausharren müssen, von einigen nicht mehr eingehalten. Schließlich gab es den Angriff auf den Wachturm. Die Ursache erschließt sich mir noch nicht vollständig...


    Überrascht hat mich letzten Ende irgendwie nicht, dass die Führer der Hohen Häuser Bescheid wissen, welche Macht den Glasfiguren und Geistern inne wohnt. So ganz ohne deren Wissen, wäre das ganze nicht möglich gewesen. Und die unterschiedliche Bestattungsweise, die mir bereits aufgefallen ist, erhält ebenfalls eine Begründung: Nur die Edelsten werden im Drachenfeuer verbrannt und nicht in der Erde vergraben, wodurch sie Frieden finden und nicht zu ruhelosen Geistern werden. "Diese Gunst wird jenen gewährt, die im Leben die schwerste Bürde tragen." (Seite 281) - Daher wird auch Zarria eines Tages in den "Genuss" kommen, nicht als Geist durchs Leidende Land streifen zu müssen. Was für Aussichten!


    Mir scheint, dass Glad einen Rückzieher machen will, als Zarria davon ausgeht, dass sie beide doch die Mächtigen der Stadt herausfordern sollten. Gerade noch hatte ich ihn ein wenig mutiger eingeschätzt. Aber mir kommt es so vor, dass er, obwohl er den Drachen bislang fürchtete und die damit verbundene Ungewissheit, was in dessen Nähe Traum oder Wirklichkeit ist, sich an den Ort zurücksehnt, in dem auch seine größte Furcht Wirklichkeit werden wird. "Ich habe eine größere Angst in mir entdeckt. Die Furcht vor dem Unbekannten. Ich werde viel verlieren von dem, was mich jetzt ausmacht, wenn Josefa mich initiiert. Aber wenigstens weiß ich, dass die Welt um mich herum Bestand hat. Ich trage sogar dazu bei." (Seite 283) - Also schätzt Glad das mehr, was er hat, weil er nicht weiß, was davon nach einem Aufbegehren noch "übrig" bleibt. Das erklärt für mich auch sehr eindringlich, warum sich Glad letzten Endes entscheidet, Zarria zu verraten.


    Vielleicht hat dazu auch die "Beschwörung" der Glasfigur von Marcus Kardinal Lenan beigetragen. Es gab also tatsächlich ein achtes Haus, die Familie Lenan, die wahrscheinlich büßen musste, dass Marcus Josefa einst das Erschaffen von Glasfiguren verbot. Erstaunlich ist für mich, dass die Hohen Häuser damals der Forderung einer Achtjährigen nachgegeben habe, dass der Drache ein Opfer aus jeder Familie fordert, um die Stadt nach dem großen Sieg über die Heere zu verschonen und vor dem Zorn des Drachen zu schützen. So harrte Marcus' Seele in seiner Glasfigur in der Dunkelheit aus, weil er der Meinung war, er würde den Menschen damit einen Dienst erweisen. Stattdessen hat er Josefa Gelegenheit für ihre Rache gegeben.


    Gefreut habe ich mich, dass ich mit meinem Verdacht, dass es eine Glasfigur des Drachen gab, richtig liege. Marcus bestätigt es ja, und seine Aussage im Prolog bezieht sich darauf: "Ein Drache, schön und fürchterlich zugleich. Noch nicht einmal die Engel haben solche Pracht geschaut... Sie ist damit auf das Dach der Kathedrale gestiegen. Und dann ist der echte DRACHE erschienen." (Seite 306)


    Die Erklärung, warum die von Josefa geschaffene Figur des Drachen den echten anlockte, kommt ja (hoffentlich) noch. Denn da es ja zur Zeit der Entstehung keine Draken gegeben hat, ist sie beispielsweise nicht mit der von Fidelius zu vergleichen, die Josefa im Feuer der Draken geformt hat. Vielleicht hat Josefa etwas von ihrem Herzblut dazugegeben...


    Im Grunde ist es ein Glück, dass Marcus Zarria die Worte lehrt, die notwendig sind, um den Geistern Frieden zu geben. Schließlich ist niemand "Geheiligter" mehr da, der es sonst tun könnte. Wenn Marcus auch zu Lebzeiten das abgelehnt oder nicht verstanden hat, was Josefa als Kind zu schaffen vermochte, scheint er jetzt einsichtig zu sein und glaubt daran,dass irgendwo in ihr noch das kleine verträumte Mädchen lebt. Seine Bitte, sie nicht aufzugeben, ist für mich deshalb gut nachzuvollziehen. Vielleicht weil ich selbst auf dieses kleine Quentchen Einsicht hoffe...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Manche Sätze muss ich zweimal lesen, weil ich sie total klasse finde.


    :freu:



    In dem Moment hat Zarria die wahrscheinlich ernüchternde Gewissheit, dass es keine Rolle spielt, was sie, Zarria, möchte, dass Astana für ihren Erfolg und den des Hauses auch Zarria fallen lassen würde. Wer ist Freund und wer ist Feinde? Gibt es tatsächlich nur Menschen, die sich gegenseitig ausnutzen, um Zielen nachzujagen, die sie selbst nicht begreifen?


    Diese Einschätzung scheint Zarria ja nicht ungefragt zu übernehmen. Was denkt Ihr - wo hat sie ein anderes Modell des Zusammenlebens kennengelernt? In der Stadtwache - oder bereits beim Spielen mit den Gassenkindern? Oder ist sie einfach von ihrer Persönlichkeit her anders?


    So verkehrt ist die Vermutung nicht gewesen, was die Funken in den Glasfiguren betrifft.
    ...
    Gefreut habe ich mich, dass ich mit meinem Verdacht, dass es eine Glasfigur des Drachen gab, richtig liege.


    Das stimmt - Ihr habt die Hinweise im Buch sehr gut zusammengesetzt.
    :klatschen:



    Erstaunlich ist für mich, dass die Hohen Häuser damals der Forderung einer Achtjährigen nachgegeben habe, ...


    Stell Dir vor, in der Vorstandssitzung eines Großkonzerns taucht plötzlich eine Achtjährige mit einer Handgranate auf. Wenn die dann anfängt, mit dem Sicherungsstift zu spielen, hat sie bestimmt die ungeteilte Aufmerksamkeit der versammelten Damen und Herren ...
    ;D



    Die Erklärung, warum die von Josefa geschaffene Figur des Drachen den echten anlockte, kommt ja (hoffentlich) noch.


    Ja, das kommt noch, versprochen. Ich hoffe, dass diese Erklärung dann auch Deine Zustimmung findet. ;)


  • Diese Einschätzung scheint Zarria ja nicht ungefragt zu übernehmen. Was denkt Ihr - wo hat sie ein anderes Modell des Zusammenlebens kennengelernt? In der Stadtwache - oder bereits beim Spielen mit den Gassenkindern? Oder ist sie einfach von ihrer Persönlichkeit her anders?


    Ich würde ja ganz stark auf das Spielen mit den Gassenkindern tippen. Innerhalb ihrer Sippe hat sie ja nur dieses vorteilsdenken kennengelernt und dass sie einfach nur aufgrund ihrer Persönlichkeit anders tickt, glaube ich auch nicht so ganz. :-\



    Stell Dir vor, in der Vorstandssitzung eines Großkonzerns taucht plötzlich eine Achtjährige mit einer Handgranate auf. Wenn die dann anfängt, mit dem Sicherungsstift zu spielen, hat sie bestimmt die ungeteilte Aufmerksamkeit der versammelten Damen und Herren ...
    ;D


    :D Schönes Bild, aber trifft sehr gut zu. Aus dieser Perspektive habe ich das auch noch nie betrachtet. ;D


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

  • Ich würde ja ganz stark auf das Spielen mit den Gassenkindern tippen. Innerhalb ihrer Sippe hat sie ja nur dieses vorteilsdenken kennengelernt und dass sie einfach nur aufgrund ihrer Persönlichkeit anders tickt, glaube ich auch nicht so ganz. :-\


    Ich denke, es hängt mit ihrer untergeordneten Stellung in der Familie zusammen, dass sie mehr Freiheiten hatte (z.B. überhaupt mit den Gassenkindern spielen konnte) Besonders denke ich aber hat der Onkel Einfluss auf sie. Er ist eine sehr gerade und ehrliche Persönlichkeit und Zarria hat ihn schon zum Vorbild, finde ich. Außerdem habe ich gelesen, dass die Menschen normalerweise einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben, wenn der also nicht absichtlich verkümmert wird, dann kommt vielleicht eine Zarria raus.

  • Suse

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