06: Kap. 22. Gerros Geheimnis - Kap. 25. Neue Nachtmahre (S. 231 - 267)

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  • Das ist für mich als Autor natürlich eine besonders interessante Rückmeldung. Welche zusätzlichen Perspektiven hättest Du/hättet Ihr Euch gewünscht? Ein Kapitel aus Josefas Sicht - oder aus der von Astana? Oder lieber von Nebenfiguren wie Bentur oder Xina?


    Ich finde z.B. das die Mönche, das Kloster und ihre Lebensweise bisher viel zu kurz gekommen sind. Und jetzt sind sie auch schon aus dem Spiel.

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL


  • Das ist für mich als Autor natürlich eine besonders interessante Rückmeldung. Welche zusätzlichen Perspektiven hättest Du/hättet Ihr Euch gewünscht? Ein Kapitel aus Josefas Sicht - oder aus der von Astana? Oder lieber von Nebenfiguren wie Bentur oder Xina?


    Mit der Erzählhaltung von Zarria habe ich kein Problem. Aber über die Nebenfiguren etwas mehr zu erfahren fände ich auch gut. Speziell würde mich Josefa interessieren. Wie ist sie so geworden und was geht in ihrem Kopf vor? Wie ist es mit Josefas Verbindung zu dem Drachen? Ist das bei ihr genauso/ähnlich wie bei Zarria oder total anders? Ich weiß allerdings nicht, ob es sich auf den Spannungsbogen der Geschichte nachteilig auswirken würde, da das Geheimnisvolle und Rätselhafte, was Josefa umgibt, dann wegfällt.

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)


  • Ich weiß allerdings nicht, ob es sich auf den Spannungsbogen der Geschichte nachteilig auswirken würde, da das Geheimnisvolle und Rätselhafte, was Josefa umgibt, dann wegfällt.


    Es wäre eine andere Geschichte. Von vornherein ist das weder besser noch schlechter, aber eben anders.
    Ich könnte mir vorstellen, dass man den DRACHEN ins Zentrum rücken könnte und eine Geschichte aus den Perspektiven vieler Figuren erzählt, die mit dem DRACHEN zu tun haben. Da wären die einfachen Bürger, die von einem Draken überfallen werden, aber auch zu essen bekommen und auf den Feldern arbeiten, wo sie sich vor den Geistern fürchten. Wir hätten Büttel wie Zarria, Angehörige der Drachengarde (das könnten dann separate Figuren sein), Patrizier, die in ihren Familien wirken, die Mönche, ein Medium und auch die Drachenmeisterin und vielleicht auch den DRACHEN selbst. Die Welt der Geschichte wäre die gleiche, vermutlich wäre aber die Handlung eine andere, weil diese Figuren anders motiviert wären als Zarria.

  • Mir gefällt es, daß wir zusammen mit Zarria allmählich die Geheimnisse entdecken, die den Bewohnern vorenthalten werden. Und wie wir durch Zarrias Augen überhaupt Koda kennenlernen. Ich hätte mich zwar auch gefreut, mehr von/über die Mönche zu lesen, aber andererseits regt genau diese kurze Rolle der Mänche wiederum Zarrias Neugier an: warum sind die Familien so scharf darauf, ein paar harmlose irre Spinner mundtot zu machen.


  • Es wäre eine andere Geschichte. Von vornherein ist das weder besser noch schlechter, aber eben anders.
    Ich könnte mir vorstellen, dass man den DRACHEN ins Zentrum rücken könnte und eine Geschichte aus den Perspektiven vieler Figuren erzählt, die mit dem DRACHEN zu tun haben. Da wären die einfachen Bürger, die von einem Draken überfallen werden, aber auch zu essen bekommen und auf den Feldern arbeiten, wo sie sich vor den Geistern fürchten. Wir hätten Büttel wie Zarria, Angehörige der Drachengarde (das könnten dann separate Figuren sein), Patrizier, die in ihren Familien wirken, die Mönche, ein Medium und auch die Drachenmeisterin und vielleicht auch den DRACHEN selbst. Die Welt der Geschichte wäre die gleiche, vermutlich wäre aber die Handlung eine andere, weil diese Figuren anders motiviert wären als Zarria.


    Das hört sich auch interessant an.

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)


  • Mir gefällt es, daß wir zusammen mit Zarria allmählich die Geheimnisse entdecken, die den Bewohnern vorenthalten werden. Und wie wir durch Zarrias Augen überhaupt Koda kennenlernen. Ich hätte mich zwar auch gefreut, mehr von/über die Mönche zu lesen, aber andererseits regt genau diese kurze Rolle der Mänche wiederum Zarrias Neugier an: warum sind die Familien so scharf darauf, ein paar harmlose irre Spinner mundtot zu machen.


    Da bin ich deiner Meinung. :five:

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)

  • Ich war auch etwas enttäuscht von dem Kapitel "Gerros Geheimnis" Da nimmt Zarria so viel auf sich, um bei Rubinsteyns einzubrechen und alles was passiert ist, dass Glad sich blamiert. Er tut mir leid. Für ihn war es vermutlich die letzte Gelegenheit so etwas wie einen Kuss zu probieren und sie hätte ihn nicht so barsch in die Schranken weisen müssen. Noch dazu wo sie ihn ja indirekt dazu ermutigt hat. Auch ihre Antwort in der Kathedrale "Du hast Deine Stellung vergessen" fand ich nicht gerade nett.
    Ansonsten dachte ich, sie fände noch irgendein Indiz auf den Mörder, war so gar schon fast bei einem unehelichen Kind aus seiner Beziehung zu Vitoria. Dann die nächste Spannung, der Hausherr Rubinsteyn erscheint und er scheint das mit dem Glaubenswandel Gerros gewußt zu haben. Woher? Ein Grund, ihn zu ermorden war es wohl nicht, denn er ist doch sehr gelassen. Mir gefällt hier wieder mal die Handlungsweise des Patriarchen. Sie ist eingebrochen und er hätte allen Grund, sie mit den Bütteln hinaus werfen zu lassen, aber er läd sie zum Essen ein. Leider bringt auch das GEspräch nicht viel Neues. Schade, auf das Gespräch war ich sehr gespannt.
    Josefas Spiele, was ist es wirklich. Wir sehen es aus unserer und der Sicht Zarrias. Was aber braucht Josefa und wofür. Liebe hat sie nie kennengelernt, Freundschaft wohl auch nicht. Alles was bleibt ist sich an einer Art skurrilem Theater zu erfreuen. Vielleicht ist alles auch Vorbereitung auf die Verbindung mit dem Drakenfeuer.


    Ich verstehe jetzt auch, welchem Irrtum ich aufgesessen bin. Es werden nicht die zu Geistern, die im Drachenfeuer sterben, sondern im Drakenfeuer. Aha.


    Bei den Skulpturen war ich ja nicht so überrascht. Dass es eingefangene Seelen waren, war mir klar. Wie eingefangen war im Detail nicht so weit weg von meinen Vorstellungen.


  • Das sind ja spannende Spiele, die Josefa da im Amphitheater unterhält, ich wäre auf einiges gekommen, aber darauf nicht :o Als Josefa erwähnt, daß es diese Nacht eine hervorragende Ernte geben und sie am Ende wieder stark sein wird, dachte ich, ob auf diese Art und Weise irgendwie für den Drakennachwuchs gesorgt wird. Oder meinte sie die Ernte der Glasskulpturen? Aber warum muß sie dazu die Mönche "erregen"? Nur aus Perversion oder hat das doch einen tieferen Sinn?


    Ich denke, dass es verschiedene Illusionen gibt. Diese spezielle Szene war für Zarria gedacht.



    1. wenn Josefa damals (Prolog) wirklich eine Drachenskulptur in die Kathedrale gebracht hat, wie hat sie diese hergestellt?
    2. Und was ist eigentlich mit dem Kardinal geschehen? Steht er vllt. auch irgendwo als Skulptur?


    Ich bin sicher, dass der Kardinal und alle aus seiner unmittelbaren Umgebung als Skulpturen herumstehen, aber vermutlich nicht sehr öffentlich.



    Nun bin ich vollends davon überzeugt, daß die Seele der Menschen in den Skulpturen steckt, der Geist ist davon getrennt, er bildet keine Einheit mehr. Das bedeutet aber, daß die Menschen, die in der Erde begraben liegen und nicht durch Drakenfeuer sterben, zwar als Geist umhertreiben, aber ihre Seele nicht in einer Glasskulptur feststeckt, oder nicht? Und diejenigen, die durch das Feuer des Drachen sterben, bleiben aber eins, denn danach entstand keine Skulptur. Allerdings heißt es nicht, nur weil wir bisher keinen Geist von Gerro gesehen haben, daß ihnen nicht doch das gleiche Schicksal droht.


    Ich gehe mal davon aus, dass das Drachenfeuer alles zerstört, auch die Seele. Möglicherweise übernimmt der Drache diese? Wenn die einfach begrabenen zu Geistern werden und es von ihnen keine Skulptur gibt, dann sind diese wohl die einzigen, die in die Stadt wirklich hinein können.
    Ich denke, dass der Schutz etwa so funktioniert wie bei gleichen Polen. Sie stoßen sich ab. Irgendwie muss es aber eine Möglichkeit geben, dass die in der Skulptur gefangenen Seelen aufhören können aktiv zu sein, vielleicht sogar gänzlich zu erlöschen und damit den Weg frei zu machen für die Geister. Damit sind diese dann verloren, könnten aber andere retten. Vielleicht ist es aber auch nur die Zeit, die dazu führt, dass die Funken erlöschen.


    Ich finde es sehr schade, daß Fidelius stirbt, aber dennoch habe ich das Gefühl, daß sein Tod - und auch der von Xina - wichtig ist, ohne ihren Tod wäre Zarria nicht so schnell hinter die Wahrheit gekommen. Ich hoffe, sie macht jetzt auch was draus.


    Ich bin mir noch nicht sicher, ob Fidelius wirklich tot ist. Ich gäbe was dafür, ihn an Zarrias Seite zu sehen. Er würde bisher am besten zu ihr passen.


    Wer hat Vitora getötet? Die Rubinsteyns oder ist das ein weiterer Mord, der auf das Konto der Machons geht?


    Die Machons oder jemand, dem der Friede zwischen den Häusern missfällt.



    übrigens scheint es ja so, als ob der Onkel auch bald dran glauben muss.


  • alles was passiert ist, dass Glad sich blamiert. Er tut mir leid.


    Für mich ist die emotionale Wirkung meiner Texte besonders interessant. Hat noch jemand Mitleid mit Glad - oder erscheint er jemandem eher als komische Figur?



    Ansonsten dachte ich, sie fände noch irgendein Indiz auf den Mörder, war so gar schon fast bei einem unehelichen Kind aus seiner Beziehung zu Vitoria.


    Mit Vitora war Kaydon zusammen, nicht Gerro.



    Josefas Spiele, was ist es wirklich. Wir sehen es aus unserer und der Sicht Zarrias. Was aber braucht Josefa und wofür. Liebe hat sie nie kennengelernt, Freundschaft wohl auch nicht. Alles was bleibt ist sich an einer Art skurrilem Theater zu erfreuen.


    Du hast eine starke Empathie für Josefa, kannst Dich gut in sie hineinfühlen. Sehr schön.
    :klatschen:



    Ich verstehe jetzt auch, welchem Irrtum ich aufgesessen bin. Es werden nicht die zu Geistern, die im Drachenfeuer sterben, sondern im Drakenfeuer. Aha.


    In Kapitel 6 gehen die Patrizier ins Drachenfeuer, um in Träumen zu schwelgen, was sie unbeschadet überstehen. Bei Gerros Bestattung verbrennt das Feuer den Sarg. Der DRACHE kann auf verschieden Art Feuer speien.



    Bei den Skulpturen war ich ja nicht so überrascht. Dass es eingefangene Seelen waren, war mir klar. Wie eingefangen war im Detail nicht so weit weg von meinen Vorstellungen.


    Ja, das hast Du treffsicher vermutet. ;)



    Ich gehe mal davon aus, dass das Drachenfeuer alles zerstört, auch die Seele. Möglicherweise übernimmt der Drache diese?


    Er ernährt sich nach dieser Theorie also nicht ausschließlich von seinen Jungen?



    Ich denke, dass der Schutz etwa so funktioniert wie bei gleichen Polen. Sie stoßen sich ab. Irgendwie muss es aber eine Möglichkeit geben, dass die in der Skulptur gefangenen Seelen aufhören können aktiv zu sein, vielleicht sogar gänzlich zu erlöschen und damit den Weg frei zu machen für die Geister.


    Wenn ich es richtig verstehe, vermutest Du, es gäbe zwei Möglichkeiten, was nach dem Ableben mit den Seelen geschieht: Entweder, sie werden in Glasfiguren gefangen, oder sie irren als Geister durch das Leidende Land. Seelen dieser beiden "Sorten" stoßen sich ab.
    Habe ich das richtig verstanden?



    übrigens scheint es ja so, als ob der Onkel auch bald dran glauben muss.


    Wieso vermutest Du das?


  • Mit Vitora war Kaydon zusammen, nicht Gerro..

    :-[


    In Kapitel 6 gehen die Patrizier ins Drachenfeuer, um in Träumen zu schwelgen, was sie unbeschadet überstehen. Bei Gerros Bestattung verbrennt das Feuer den Sarg. Der DRACHE kann auf verschieden Art Feuer speien..


    Verbrennt es nur den Sarg? Ich dächte alles? Naja, mal sehen.


    Er ernährt sich nach dieser Theorie also nicht ausschließlich von seinen Jungen?.


    Davon bin ich eigentlich nie ausgegangen. So viele Jungen kann es gar nicht geben, denke ich um jeden Tag einen Drachen satt zu bekommen.


    Wenn ich es richtig verstehe, vermutest Du, es gäbe zwei Möglichkeiten, was nach dem Ableben mit den Seelen geschieht: Entweder, sie werden in Glasfiguren gefangen, oder sie irren als Geister durch das Leidende Land. Seelen dieser beiden "Sorten" stoßen sich ab.
    Habe ich das richtig verstanden?.


    Nein, so habe ich das nicht gemeint mit dem Abstoßen. Ich dachte, dass die Seelen in den Skulpturen die Geister abstoßen. Vielleicht durch die Wirkung des Drakenfeuers. Also Seele und Geist als zwei Pole, die sich abstoßen. (Allerdings verwirrt mich doch immer noch, dass sowohl die im Feuer getöteten als auch die begrabenen zu Geistern werden. Das bekomme ich nicht passend.) Wenn dann in den Skulpturen die Funken nicht mehr leben, oder nicht mehr aktiv sind, dann könnten die Geister vorbei. Möglicherweise hatten die Mönche einen Weg gefunden, die Seelen aus den Skulpturen zu befreien oder den Geistern die Möglichkeit zu bieten, dies selbst zu tun. Ach ja, ich lese einfach weiter.


    Wieso vermutest Du das?


    Zarria bedauert doch nicht noch mal mit ihm gesprochen zu haben. Es gäbe natürlich Schlimmeres, nämlich, dass (wie schon jemand hier vermutet hat) die erzählende Zarria vor der Hinrichtung steht.


  • Verbrennt es nur den Sarg? Ich dächte alles? Naja, mal sehen.


    Den Sarg samt Inhalt, das ist schon richtig.
    Worauf ich hinaus will: Manchmal verbrennt das Drachenfeuer (Bestattung), dann wieder können Medien und Patrizier ins Feuer gehen, ohne zu verbrennen, und auch Josefa und Zarria stehen im Drachenfeuer, das zwar Zarrias Kleidung verbrennt, nicht aber ihren Körper. Der DRACHE kann also verschiedene Arten von Feuer speien, die unterschiedliche Wirkungen haben.



    Zarria bedauert doch nicht noch mal mit ihm gesprochen zu haben.


    Liebes Tagebuch,
    da streut man mal einen winzigkleinen Hinweis ein - und schon wird er entdeckt!

  • Im Gespräch mit Glad bestätigt sich, dass Zarria eine besondere junge Frau ist. Wir wissen ja schon, dass sie sich für die Stadtwache entschieden hat, obwohl ihre Familie sie gern verheiratet hätte. Aber sie hat beschlossen, sich ihren Ängsten zu stellen und ihre Wünsche zu verwirklichen und ihr eigenes Leben zu gestalten. Meint sie mit Ängsten die Befürchtungen, nicht bestehen zu können? Mir gefällt, dass sie ein Siegen oder Scheitern allein sich zuschreiben wird, weil sie über ihren Lebensweg entschieden hat und nicht andere. Nur bei der Wahl zur Obristin hatte sie es dann doch nicht in der Hand, ist nun jedoch bemüht, das Beste aus ihrer Lage zu machen.


    Auch die erneute Begegnung mit Josefa gibt mir wieder zu denken. Ich finde sie sehr vielschichtig. Sie wirft manche Frage auf, die nicht nur Zarria grübeln lässt: "Ist ein Feind jemand, der dir Böses will, oder jemand, der dir Böses tut?" (Seite 243) - Tja, wenn man das nur unterscheiden könnte.


    Einerseits tut Josefa mir leid, weil ich sie nach wie vor für eine einsame Frau halte. Andererseits spüre ich ihre Kälte.


    Und die Spiele von Josefa sind wahrlich ein Schauspiel. Überraschend, anziehend und abstoßend zugleich. Ist das die eine Gelegenheit für Josefa, Gefühle wahrzunehmen, wenn ihre Opfer vor Lust, Schmerz, Vergnügen und Angst schreien, wenn sie die Erkenntnis trifft, dass keine Hoffnung mehr besteht und der Moment der Verzweiflung gekommen ist? "Du musst begreifen, dass es nicht um Schuld oder Unschuld geht. Schon gar nicht um finstere Absichten. In der edelsten Gesinnung liegt oft die größte Gefahr. Umgekehrt wird kaum jemand Liebe dafür empfinden, dass ich mich am Schmerz meiner Gäste erfreue, und doch erhalte ich damit die Stadt." (Seite 245 f.)


    Und im Höhepunkt ihrer Empfindungen modelliert Josefa im Feuer der Draken Figuren aus Glas, und es sieht tatsächlich so aus, dass sie darin etwas von dem Menschen einschließt, nach dessen Abbild die Figur geschaffen wurde...

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Mir gefällt, dass sie ein Siegen oder Scheitern allein sich zuschreiben wird, weil sie über ihren Lebensweg entschieden hat und nicht andere.


    Solche Figuren sind literarisch dankbar: Sie neigen dazu, Entscheidungen zu treffen, sie umzusetzen und damit die Geschichte zu gestalten - wenn auch nicht immer die Ergebnisse eintreten, die sie sich wünschen.



    "Ist ein Feind jemand, der dir Böses will, oder jemand, der dir Böses tut?" (Seite 243)


    "Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." Das sagt Goethes Mephisto im Faust über sich selbst. Obwohl er also böse Absichten hat, wird die Welt durch seine Existenz ein besserer Ort.
    Prosaischer wäre das Beispiel eines arroganten Kapitalisten, der aber sein Unternehmen mit großem Talent führt und damit vielen Menschen Lohn und Brot verschafft.
    Umgekehrt führen gute Absichten manchmal ins Verderben. Ein Arzt möchte vielleicht helfen, verschreibt aber eine falsche Medizin und trägt zur Verschlechterung der Lage bei.
    Sympathischer ist uns natürlich derjenige mit den besten Absichten, auch wenn er scheitert.
    Dennoch sollte man ihn, rational betrachtet, stoppen und das Werk des Unsympathen fördern, der die Welt besser macht. Ein Dilemma ...


  • Eigentlich ist das tolle am Mephisto die Dialektik, die dahinter steht. Da Gut und Böse nur im Zusammenhang erkannt werden können, wäre mein Feind erst einmal der, der mir Böses tun will. Jemand, der mir Böses tut, könnte dies ganz unabsichtlich tun. Wie Bernard schreibt, kann auch Gutes gewollt sein. Etwas, was für viele gut ist, kann für den Einzelnen Böse sein und umgekehrt. Wer mir aber Böses tun will, der ist mir feindlich gesinnt und wird nach einem Weg suchen, dass es auch so bei mir ankommt.

  • Suse

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