03: Kap. 8.Das Rätsel der Leiche - Kap. 12. Der letzte Sonnenaufgang (S. 98-140)

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  • Ich hatte ja schon geschrieben, dass Zarria (für mich) eine denkende Person ist? Jedenfalls ist nachvollziehbar, dass sie sich Gedanken über die Mönche macht. Schließlich benutzen diese mit dem Kreuz ein Symbol, dass es sonst nur in der Kathedrale gibt. Dann leben sie unter Geistern, verehren zudem noch einen toten Gott und waren angeblich in der Tatnacht unterwegs, und das ohne wohl Angst vor den Draken zu haben. Ich kann mich allerdings nicht der Mutmaßung erwehren, dass der Verdacht auf die Mönche gelenkt wird? Aus einem bestimmten Grund. Denn mit Glads Hilfe findet Zarria ja heraus, dass Gerro erst vergiftet, bevor er mit dem Dolch erstochen wurde. Somit ist der Dolch eine falsche Spur.


    Das Machtgerangel zwischen den Hohen Häusern nimmt zu. Da erkennt Arlbert „schweren Herzens“, dass nur er selbst die Bürde des Kommandos über die Drachengarde tragen kann. War das von Anfang an die Absicht der Rubinsteyns? Ich stelle mir in dem Zusammenhang durchaus die Frage, ob Gerro sich gegen die Interessen seiner Familie gestellt hat und deshalb sterben musste?


    Und auch die "Aufgabenverteilung" scheint nicht mehr so ernst genommen zu werden. Denn wenn die Garde lediglich die Kathedrale mit dem Drachen und den Draken zu schützen hat und sie alles andere nichts angeht, hat sie sich auch nicht mit den Geschehnissen im Turm zu beschäftigen. Es passt allerdings zu ihrem arroganten Auftreten. Und wenn sich viele Gardisten tatsächlich am Anblick derjenigen erfreuen, die sich in Albträumen winden, wundert es mich nicht, dass sie bei der einfachen Bevölkerung verhasst sind. Ohne die beunruhigende Tatsache, dass sie außerdem "der Drachenmeisterin die Opfer für ihre grausamen Spiele" zuführen. (Seite 115) - Diese Spiele können auf jeden Fall nichts Gutes sein...


    Kommt es womöglich zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Hohen Häusern? Zwischen Drachengarde, Stadtwache und einfacher Bevölkerung?


    Apropos Josefa, hier fühle ich mich in einigen meiner Überlegungen bestätigt: "Diese Frau hatte den DRACHEN gerufen, gezähmt und in Ketten geschlagen. Viele wagten ihren Namen nur zu flüstern, und nicht wenige hielten sie für die wahre Herrin der Stadt." (Seite 118)


    Noch weiß ich wie die Einwohner von Koda nicht, was die beiden wirklich miteinander verbindet. Aber klar ist, dass wenn Josefa den Drachen befreit oder von seinem überlebenswichtigen Dienst abhält, das Chaos in der Stadt ausbrechen würde. Damit ist sie in meinen Augen diejenige Person, die die tatsächliche Macht in Koda in den Händen hält. "Die alte Frau war wie Feuer, lebensnotwendig und zugleich bedrohlich." (Seite 119)


    Ich denke ja nach wie vor, dass Josefa einsam trotz ihrer Macht ist. Und dass Zarria ahnt, dass die Meinung in der Bevölkerung, Josefas Herz sei so weit versteinert, dass es nur noch bei größtem Glück und tiefstem Leid etwas fühlen könne, passt sehr gut zu diesem Eindruck.


    Ein interessanter Vorgang ist für mich die "Bestattung" von Gerro und seinem gleich ihm ermordeten, potentiellen Nachfolger Kaydon. Auch hier werden Unterschiede gemacht. Während der Drache den Sarg samt Gerros Leiche verbrennt, schaut es für mich so aus, dass Kaydon "nur" eingegraben wird. Und dann noch die Bemerkung von Josefa: "Nimm ihn zu dir, mein Schöner!" (Seite 120) - Hier kommt mir Josefa schon fast wie eine Frau vor, die zu ihrem Geliebten spricht...


    In diesem Abschnitt hat mich der Angriff der Wordas mit den Hunden ungemein erschüttert, ja regelrecht abgestoßen. Ich konnte mir das Schnappen, Schmatze und Kläffen so sehr vorstellen, dass mir übel wurde. Und das auch nach der Beschreibung (Seite 128), was mit Xinas Gesicht geschehen ist. Vor allem bei der Vorstellung „Jetzt hatte sie keine Augen mehr, sie waren zur Totenspeise eines zum Monstrum abgerichteten Hunds geworden.“ (Seite 129) muss ich immer noch "schlucken".


    Ein Wunder, dass sie diesen Angriff überlebt hat. Doch dass sie sterben wird, ist mir im Grunde schon klar gewesen. Insofern habe ich mit ihrem Tod gerechnet, die Beschreibung hat mich dann trotzdem sehr bewegt.


    Zum Schluss kommt dann noch ein Paukenschlag: Zarria soll die neue Obristin der Drachengarde werden und damit den Drachen schützen, über den sie rein gar nichts weiß. Nichts mehr mit Gerechtigkeit und Rache. Ahnte ich es nicht bereits!?


    Und der Kreis schließt sich: Bedingung für Zarrias Ernennung ist das Auffinden und Verbringen der Mönche in den Kerker. Dabei soll sie nicht kümmern, ob die Mönche für den Tod von Gerro und Kaydon verantwortlich sind. Die logische Schlussfolgerung ist, dass Zarrias Familie Kaydon aus dem Weg schaffte, um diesen für Zarria freizumachen. Was für Ränke! Und das alles nur für die Familie, weil diese alles ist, was zählt?

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Ich stelle mir in dem Zusammenhang durchaus die Frage, ob Gerro sich gegen die Interessen seiner Familie gestellt hat und deshalb sterben musste?


    Falls dem so sein sollte - hatte er Verbündete? Dass er Feinde hatte, ist ja recht offensichtlich ... ;)



    Und auch die "Aufgabenverteilung" scheint nicht mehr so ernst genommen zu werden. Denn wenn die Garde lediglich die Kathedrale mit dem Drachen und den Draken zu schützen hat und sie alles andere nichts angeht, hat sie sich auch nicht mit den Geschehnissen im Turm zu beschäftigen. Es passt allerdings zu ihrem arroganten Auftreten.


    Das stimmt. Die Drachengarde ist eine elitäre Truppe von 100 Kämpfern. Da kann man sich einiges herausnehmen, weil es in der Stadt kaum eine einzelne Macht gibt, die sich ihr militärisch entgegenstellen könnte.



    Apropos Josefa, hier fühle ich mich in einigen meiner Überlegungen bestätigt: "Diese Frau hatte den DRACHEN gerufen, gezähmt und in Ketten geschlagen. Viele wagten ihren Namen nur zu flüstern, und nicht wenige hielten sie für die wahre Herrin der Stadt." (Seite 118)


    Wer, denkst Du, stellt im Buch diese Überlegung an: die Zarria, die die Geschichte erlebt - oder ist das eine Erklärung derjenigen Zarria, die später, mit dem Wissen, wie alles ausging, darüber berichtet?



    Ich denke ja nach wie vor, dass Josefa einsam trotz ihrer Macht ist. Und dass Zarria ahnt, dass die Meinung in der Bevölkerung, Josefas Herz sei so weit versteinert, dass es nur noch bei größtem Glück und tiefstem Leid etwas fühlen könne, passt sehr gut zu diesem Eindruck.


    Andererseits sprechen Zarria und Xina bereits früher in dem Buch darüber, dass beinahe so viele Geschichten über Josefa Rubinsteyn kursieren, wie die Stadt Einwohner hat ... ;) Sie ist eine Frau, die dazu einlädt, dass man sich über sie Gedanken macht.



    In diesem Abschnitt hat mich der Angriff der Wordas mit den Hunden ungemein erschüttert, ja regelrecht abgestoßen. Ich konnte mir das Schnappen, Schmatze und Kläffen so sehr vorstellen, dass mir übel wurde. Und das auch nach der Beschreibung (Seite 128), was mit Xinas Gesicht geschehen ist. Vor allem bei der Vorstellung „Jetzt hatte sie keine Augen mehr, sie waren zur Totenspeise eines zum Monstrum abgerichteten Hunds geworden.“ (Seite 129) muss ich immer noch "schlucken".


    Hätte ich das gewusst, wäre ich Dir selbstverständlich mit einem Fläschchen Riechsalz zur Hilfe geeilt. ;D



    Zum Schluss kommt dann noch ein Paukenschlag: Zarria soll die neue Obristin der Drachengarde werden und damit den Drachen schützen, über den sie rein gar nichts weiß. Nichts mehr mit Gerechtigkeit und Rache. Ahnte ich es nicht bereits!?


    Hmmmm ... Glaubst Du, als Obristin hat sie nicht genug Macht, um Rache zu üben?
    Und was ist Gerechtigkeit? Das ist eine so schwierige Frage, weil Gerechtigkeit eigentlich ein absoluter Wert ist, aber dennoch jeder Mensch aus seiner subjektiven Warte zu einem anderen Schluss kommt, was konkret gerecht ist und was nicht. Falls Zarria die Drachengarde hinter sich bekommt, wird sie jedenfalls viel durchsetzen können - im Zweifel auch das, was sie für gerecht hält.
    Oder doch nicht ...? ;)



    Die logische Schlussfolgerung ist, dass Zarrias Familie Kaydon aus dem Weg schaffte, um diesen für Zarria freizumachen. Was für Ränke! Und das alles nur für die Familie, weil diese alles ist, was zählt?


    Siehst Du einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Gerro und dem an Kaydon?


  • Was für Spiele lässt Josefa im Amphitheater durchführen? Sowas wie Gladiatorenkämpfe? Böses, böses Weib!


    Gladiatorenkämpfe kann ich mir nicht vorstellen. Ich vermute, dass es mit dem Drachen zusammenhängt. Denn



    Sie quält ihn und liebt ihn scheinbar gleichzeitig. :(


    ... und richtet ihr Leben völlig nach ihm aus. Nur in seiner Nähe und mit ihm zusammen scheint sie etwas zu empfinden. Und bei ihrer Passion, der Erschaffung von Glasfiguren, der sie angesichts der Menge in der Stadt nun ungestört frönen kann.

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Falls dem so sein sollte - hatte er Verbündete? Dass er Feinde hatte, ist ja recht offensichtlich ... ;)


    Verbündete? Mmm? Vielleicht ist der Gedanke jetzt etwas verwegen? Aber könnte es nicht sein, dass der Grund dafür ist, den Mord an Gerro den Mönchen in die Schuhe geschoben werden soll, darin liegt, dass er möglicherweise mit ihnen sympathisierte? Kann es nicht sein, dass Gerro, der immer hautnah am Geschehen in der Kathedrale und beim Drachen gewesen ist, Zweifel gekommen sind, ob denn das alles so "richtig" ist. Das ist eventuell unwahrscheinlich, aber durchaus denkbar. Denn am Beispiel von Zarria sehen wir, dass das Hinterfragen der Gegebenheiten möglich ist, und deshalb schließe ich Gerro da mal nicht mit aus.



    Wer, denkst Du, stellt im Buch diese Überlegung an: die Zarria, die die Geschichte erlebt - oder ist das eine Erklärung derjenigen Zarria, die später, mit dem Wissen, wie alles ausging, darüber berichtet?


    Wenn du das so formulierst, gehe ich mal davon aus, dass Zarria am Ende überhaupt in der Lage ist, von den Geschehnissen zu berichten (dann brauche ich womöglich und erfreulicherweise kein Riechsalz mehr?).


    Ich hatte mir die "Ahnung" zwar notiert, habe den Abschnitt jetzt aber nochmals gelesen. Danach gehe ich tatsächlich davon aus, dass sich hier Zarria mit Blick auf die Vergangenheit erinnert und schlussfolgernde Feststellungen zu den Behauptungen trifft, die sie zum Zeitpunkt, als die Geschichte tatsächlich stattfand, als Hirngespinste abgetan hat.



    Hmmmm ... Glaubst Du, als Obristin hat sie nicht genug Macht, um Rache zu üben?
    Und was ist Gerechtigkeit? Das ist eine so schwierige Frage, weil Gerechtigkeit eigentlich ein absoluter Wert ist, aber dennoch jeder Mensch aus seiner subjektiven Warte zu einem anderen Schluss kommt, was konkret gerecht ist und was nicht. Falls Zarria die Drachengarde hinter sich bekommt, wird sie jedenfalls viel durchsetzen können - im Zweifel auch das, was sie für gerecht hält.
    Oder doch nicht ...? ;)


    Da liegt wohl der Knackpunkt. Falls es ihr gelingt, dass die Drachengarde hinter ihr steht, könnte sie einiges erreichen. Auch die Gerechtigkeit, wie sie sieht. Zu diesem Zeitpunkt wage ich das zu bezweifeln. Ich weiß nicht (mehr), wie die Häuserverteilung in der Garde ist, könnte mir aber vorstellen, dass da viele Rubinsteyns marschieren, die von einer Machon-Obristin wenig begeistern sein werden.



    Siehst Du einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Gerro und dem an Kaydon?


    Außer dem offensichtlichen, dass Kaydon als Nachfolger von Gerro ausgeschaltet werden sollte, um Platz für einer Obristin aus einem anderen Hohen Haus zu machen, sehe ich keinen Zusammenhang. Es sei denn, es hat wiederum mit den Mönchen zu tun... Ich muss darüber noch ein wenig nachdenken und weiterlesen.

    Das Leben ist das schönste Märchen. Hans Christian Andersen


  • Verbündete? Mmm? Vielleicht ist der Gedanke jetzt etwas verwegen? Aber könnte es nicht sein, dass der Grund dafür ist, den Mord an Gerro den Mönchen in die Schuhe geschoben werden soll, darin liegt, dass er möglicherweise mit ihnen sympathisierte?


    Schon möglich. Und Verbündete in der Stadt?



    Wenn du das so formulierst, gehe ich mal davon aus, dass Zarria am Ende überhaupt in der Lage ist, von den Geschehnissen zu berichten (dann brauche ich womöglich und erfreulicherweise kein Riechsalz mehr?).


    Dass Zarria im Rückblick berichtet, ist dadurch klar, dass sie immer wieder Vorausdeutungen bringt. In diesem Leseabschnitt etwa auf ...
    [quote author=Seite 125]
    »Am Ende ist die Familie alles, was zählt!«
    Auch wenn mir die Zeit geblieben wäre, darüber nachzudenken, hätte ich wohl nicht vermutet, den gleichen Satz bald von meinem Vater zu hören.
    [/quote]
    ... was dann erst nach Xinas Tod passiert.
    Die Frage ist nur: liegt sie auf einer Streckbank oder sitzt sie auf einem Thron, während sie die Geschichte erzählt? ;)



    Ich weiß nicht (mehr), wie die Häuserverteilung in der Garde ist, könnte mir aber vorstellen, dass da viele Rubinsteyns marschieren, die von einer Machon-Obristin wenig begeistern sein werden.


    Je näher am DRACHEN, desto mehr Rubinsteyns ... ;)



    Außer dem offensichtlichen, dass Kaydon als Nachfolger von Gerro ausgeschaltet werden sollte, um Platz für einer Obristin aus einem anderen Hohen Haus zu machen, sehe ich keinen Zusammenhang.


    Also vermutest Du unterschiedliche Täter/Auftraggeber?

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen