Peter Lancester - Dämonentränen (Kapitel 44 bis Ende)

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  • Hier könnt Ihr zu den letzten Kapiteln von Kapitel 44 an beginnend schreiben. Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Der letzte Teil war sehr interessant. Ich fand es spannend endlich zu erfahren, was mit Frank passiert ist. Wer hätte das gedacht? Flugteufelchen in unserer Welt und dann auch noch 5 Stück davon. Das sie ihre Mutter nicht erkennen, hätte sie sich doch gleich denken können. Sie sieht aus wie ein Mensch und redet wie einer, wie sollen da die kleinen "Flügelchen" sie erkennen. Das aber trotzdem ein Menschenjunge bei rausgekommen ist, scheint sehr interessant. Das lässt vermuten, dass Jungen immer menschliches Aussehen bekommen und nur die weiblichen Embryos Flugteufel werden oder ist das ein reiner Zufall?


    Frank wächst ja noch einmal über sich hinaus, als er sich auf die Suche nach Mona macht. Bricht diverse Gesetze und befreit sie schließlich aus dem Gefängnis. Was mich nur gewundert hat ist Rico? Wie schafft er es mit abgenagten Armen und Beinen zu überleben? Müsste er nicht längst verblutet sein? Spätestens bei der Hauptschlagader im Oberschenkel, wäre doch Feierabend gewesen? Ist es wirklich realistisch, dass er das überlebt hat? ???


    Dorfi nennt Silvana zum Schluß bei ihrem wahren Namen: L´weth, was den Schluß nahe legt, dass sie nicht aus dieser Welt stammt. Mal abgesehen davon, dass er ihr sagt, Silvana wartet 100-200 Jahre auf sie. Wer sie allerdings genau ist, wissen wir immer noch nicht. Er nennt Mona auch zum Schluß meine kleine Anai-Niwith. Irgendwie klingt das so vertraut. Ist er ihr Vater? Ihre Haut kann ihm doch nicht das genaue Alter sagen, schließlich ist die äußere Haut gerade mal ein paar Jahre alt. Nur ihre Flügel schauen raus und anhand derer kann er ihr Alter bestimmen? Nenene.


    Es bleiben trotzdem noch viele Fragen offen:
    1. Wer ist Dorfi?
    2. Was will er in der Anderwelt?
    3. Was passiert mit Mona? Wird sie wieder vergessen?
    4. Wer sind die Leute rund um Dorfi, vor allem wer ist Miguel?
    5. Von wem stammt Mona ab und wer waren ihre Eltern?


    Aber ich denke einfach mal, dass es deswegen noch zwei weitere Bücher geben wird, nicht wahr, Herr Autor? ;)

    Rettet die Erde, sie ist der einzige Planet mit Schokolade


  • Das lässt vermuten, dass Jungen immer menschliches Aussehen bekommen und nur die weiblichen Embryos Flugteufel werden oder ist das ein reiner Zufall?


    Hach ja, immer diese nagenden Zweifel ... ;)


    Zitat


    Was mich nur gewundert hat ist Rico? Wie schafft er es mit abgenagten Armen und Beinen zu überleben? Müsste er nicht längst verblutet sein? Spätestens bei der Hauptschlagader im Oberschenkel, wäre doch Feierabend gewesen? Ist es wirklich realistisch, dass er das überlebt hat? ???


    Wär's ein Film, würde ich jetzt sagen: Siehst du doch, daß er überlebt hat!
    Es ist ganz wichtig, der Geschichte zu glauben. Der Autor hat nur wenige Fehler gemacht, und das waren zumeist nur irgendwelche blöden Fehler wie falsche Jahreszahlen oder ein verwechselter Name.


    Zitat


    Dorfi nennt Silvana zum Schluß bei ihrem wahren Namen: L´weth, was den Schluß nahe legt, dass sie nicht aus dieser Welt stammt. Mal abgesehen davon, dass er ihr sagt, Silvana wartet 100-200 Jahre auf sie. Wer sie allerdings genau ist, wissen wir immer noch nicht. Er nennt Mona auch zum Schluß meine kleine Anai-Niwith. Irgendwie klingt das so vertraut. Ist er ihr Vater? Ihre Haut kann ihm doch nicht das genaue Alter sagen, schließlich ist die äußere Haut gerade mal ein paar Jahre alt. Nur ihre Flügel schauen raus und anhand derer kann er ihr Alter bestimmen? Nenene.


    Dorfi ist ein komischer Mensch. Wie alt er wohl selber ist?



    Die Antworten:
    1. In Band 5
    2. In Band 4
    3. In Band 4 (Aber wenn man sich das Titelbild zu Band 5 ansieht, weiß man es auch schon jetzt)
    4. Miguel ist ein spanischer Kleinkrimineller. Die anderen, hm, Band 4 oder 5.
    5. Prolog von Band 5. (Bald als Leseprobe erhältlich. Bald = in einigen Monaten)


    Peter

  • Was mir dabei noch aufgefallen ist; Dorfi und vorher Hursfeld wollen Mona wegen ihrer Besonderheit. Hursfeld findet ja durch seine Tests einiges heraus.
    Wenn Silvana aber zur Hälfte ein Flugteufel ist, hat sie dann auch dieses besondere Blut? Denn schnell zu regenerieren scheint sie sich ja auch.
    Dorfi ist krank und sicher schon einiges alt. Hat Silvana da ihre Hände im Spiel, dass er überhaupt noch lebt?


    Was mir wegen Rico noch einfällt, hätte es da nicht ein großes Polizeiaufgebot samt gründlichster Fahndung geben müssen? Denn er sah ja entsprechend aus, als er gefunden wurde.


    Wunderschön zu lesen finde ich das kurze Glück, das Mona mit Frank erlebt. Und sie vertraut ihm ja sehr und liebt ihn wirklich.
    Das Ende ist da umso tragischer.


    LG
    Maren

  • Hallo!



    Wer hätte das gedacht? Flugteufelchen in unserer Welt und dann auch noch 5 Stück davon. Das sie ihre Mutter nicht erkennen, hätte sie sich doch gleich denken können. Sie sieht aus wie ein Mensch und redet wie einer, wie sollen da die kleinen "Flügelchen" sie erkennen.


    Tja, ist schon blöd, dass die ihre eigene Mutter nicht erkennen.



    Das aber trotzdem ein Menschenjunge bei rausgekommen ist, scheint sehr interessant. Das lässt vermuten, dass Jungen immer menschliches Aussehen bekommen und nur die weiblichen Embryos Flugteufel werden oder ist das ein reiner Zufall?


    Wer glaubt schon an Zufälle?;)



    Frank wächst ja noch einmal über sich hinaus, als er sich auf die Suche nach Mona macht. Bricht diverse Gesetze und befreit sie schließlich aus dem Gefängnis.


    Frank ist eben doch mutiger als ich dachte.



    Dorfi nennt Silvana zum Schluß bei ihrem wahren Namen: L´weth, was den Schluß nahe legt, dass sie nicht aus dieser Welt stammt. Mal abgesehen davon, dass er ihr sagt, Silvana wartet 100-200 Jahre auf sie. Wer sie allerdings genau ist, wissen wir immer noch nicht.


    Um ehrlich zu sein, möchte ich das auch gar nicht so genau wissen...



    Er nennt Mona auch zum Schluß meine kleine Anai-Niwith. Irgendwie klingt das so vertraut. Ist er ihr Vater?


    Hat er ihr dann auch sprechen beigebracht?



    Nur ihre Flügel schauen raus und anhand derer kann er ihr Alter bestimmen? Nenene.


    Klar kann er das und ich kann aus meinem Radieschenbeet die Zukunft ablesen... ;) :D
    366 Jahre ist reltaiv alt. Ein langes Leben haben die Anai-Niwith auf jedenfall.



    Dorfi ist krank und sicher schon einiges alt. Hat Silvana da ihre Hände im Spiel, dass er überhaupt noch lebt?


    Gute Frage. Möglich wäre es.



    Wunderschön zu lesen finde ich das kurze Glück, das Mona mit Frank erlebt. Und sie vertraut ihm ja sehr und liebt ihn wirklich.
    Das Ende ist da umso tragischer.


    Ich mag tragische Enden.
    Die letzte Szene, in der Mona weint und die kostbaren Tränen nutzlos versickern gefällt mir irgendwie. Warum? Ich weiß es nicht genau.


    Ein wenig verwirrt hat mich Folgendes:

    Zitat von Seite 324

    „Oh... Gott ... “ stammelte Mona. „Sind sie etwa...“


    Keine Ahnung, wer das sagt, aber Mona wird es wohl nicht sein, denn bei dieser Szene sind meines Wissens nach nur Betty und Frank anwesend und Mona wird gefangengehalten. ???


    Liebe Grüße


    Nirika

    People say that life is the thing; but I prefer reading.<br />(Logan Pearsall Smith)


  • Wer glaubt schon an Zufälle?;)


    In diesem Zusammenhang wüßte ich nicht mal, was man als Zufall bezeichnen könnte.


    Zitat


    Frank ist eben doch mutiger als ich dachte.


    Gelle?
    Würdest du sagen, er ist ein "tragischer Held"?


    Zitat


    Um ehrlich zu sein, möchte ich das auch gar nicht so genau wissen...


    Nicht?


    Zitat


    Hat er ihr dann auch sprechen beigebracht?


    Schwer zu sagen. Vielleicht wurde sie ja auch von der Mutter großgezogen. Oder sie wurde adoptiert ...


    Zitat


    Klar kann er das und ich kann aus meinem Radieschenbeet die Zukunft ablesen... ;) :D
    366 Jahre ist reltaiv alt. Ein langes Leben haben die Anai-Niwith auf jedenfall.


    Und Mona ist noch eine von den jüngeren Exemplaren.


    Zitat


    Ich mag tragische Enden.
    Die letzte Szene, in der Mona weint und die kostbaren Tränen nutzlos versickern gefällt mir irgendwie. Warum? Ich weiß es nicht genau.


    Gefällt mir, daß es dir gefällt.


    Zitat


    Ein wenig verwirrt hat mich Folgendes:


    Keine Ahnung, wer das sagt, aber Mona wird es wohl nicht sein, denn bei dieser Szene sind meines Wissens nach nur Betty und Frank anwesend und Mona wird gefangengehalten. ???


    Das war ein Flüchtigkeitsfehler, den keiner rechtzeitig bemerkt hat. Sehr ärgerlich.


    Peter

  • Hallo!



    Gelle?
    Würdest du sagen, er ist ein "tragischer Held"?


    Nö. Ich bezeichne ihn nicht als Helden, obwohl er schon heldenhaft handelt, aber die Bezeichnung als Held gefällt mir bei ihm nicht. Tragisch... Hm...



    Nicht?


    Nein. :D


    Liebe Grüße


    Nirika

    People say that life is the thing; but I prefer reading.<br />(Logan Pearsall Smith)

  • Nein, ein Held ist Frank nicht. Tragisch ist sein Schicksal aber irgendwie schon. Ein bißchen mehr Glück hätte ich ihm schon gegönnt.
    Zumal er ja aus den wenigen Möglichkeiten die er hatte - und ganz schön gehandicapt durch seinen Sehfehler und sehr helle war er ja auch nicht - das beste gemacht hat. Und für Mona war er ja ein Segen, ohne ihn wäre ihre Geschichte garantiert anders verlaufen.
    Sympathien, ja, die weckt er.


    LG
    Maren

  • So, im Zug habe ich das Buch jetzt durch bekommen und gleich die Karte ausgefüllt und nach Ankunft direkt in den Briefkasten geworfen, um mir den 4-Euro-Gutschein zu sichern, har har. Diesen Fisch lasse ich nicht mehr vom Haken.


    Der letzte Leseabschnitt - was kann ich dazu schreiben? Hm.


    Frank hat einen guten Run. Er ist ohnehin mein Sympathieträger und da finde ich es dann immer gut, wenn solche Figuren die Initiative ergreifen. Insofern hat mir Kapitel 45 richtig Freude bereitet. Die Aktion mit dem Brecheisen ... Vorher das Einschalten der Detektei ...
    Für mich ist Frank ein Held, und zwar deswegen, weil er sich selbst überwindet - er tut Dinge, die er eigentlich lieber nicht tun würde, um sein Ziel zu erreichen - und auch, weil er Sachen macht, die in seinem gesellschaftlichen Kontext ungewöhnlich sind und ein besonderes Engagement, ein Einstehen für die eigene Überzeugung verlangen. Das beginnt ganz allgemein mit seinem Lebenswandel, bei dem man schon enormes Rückgrat braucht, um das im Alltag durchzuziehen, und geht über die Rettungsaktion bis hin zur Suche nach Mona mit Brecheisen. Welcher Normalsterbliche hätte denn das gemacht? Die Polizei anrufen - das wäre für die meisten Zeitgenossen wohl das höchste der Gefühle gewesen.
    Zudem ist er eine tragische Figur, denn es ist ja eigentlich von Anfang an klar, dass er in seinem Bemühen scheitern wird.
    Am Ende von Kapitel 45 dachte ich, dass Frank von einer im Kerker ausgehungerten Mona gefressen werden würde. Dieses Klischee hat der Autor vermieden - sehr schön.


    Auch ich halte Ricos Verletzungen für unglaubwürdig. Meines Erachtens hätte er nicht überleben dürfen. Diese Verletzungen "kaufe ich dem Autor nicht ab". Sie sind aber nicht handlungstragend, daher ein verzeihlicher Ausrutscher.
    Hervorragend gefallen hat mir hier meine Lieblingsfigur Frank. In diesem Kapitel bekommt er meinen "Glorienschein für echte Helden" (tm). Er hat keine Angst, vor gar nichts, steht zu seinen Überzeugungen, wenn es sein muss auch bis zum bitteren Ende. Respekt - auch vor der glaubhaften Schilderung des Autors.
    Leider halte ich dieses Befreiungskapitel 46 insgesamt für missraten, und zwar, weil die Figur Mona in diesem Kapitel und in den Nachbeben unplausibel wird und sich erst kurz vor Schluss wieder fängt. In den Kapiteln zuvor war sie immer recht kindlich, sowohl in ihrer Weltsicht als auch in ihrem Faktenwissen um die Welt. Beides hat sich in ihrer Sprache, insbesondere in der Wortwahl, geäußert. Nun war die Zeit im Keller zweifelsohne traumatisch, was für mich eine erwachsenere Weltsicht plausibel machen würde - die rosa Brille ist halt endgültig kaputt. Monas Faktenwissen hat sich allerdings ebenfalls erheblich erweitert. Dazu hätte Rico ihr im Folterkeller mehr Wissen eintrichtern müssen, als es Frank in der gesamten Zeit zuvor geschafft hat. Das ist unplausibel.
    Dieses Faktenwissen äußert sich in einer Mona-untypischen Durchtriebenheit - sie kann auf einmal sehr genau abschätzen, wie Handlungen, die sie zuvor noch nicht erlebt hat, von ihrer Umwelt, insbesondere von Frank, aufgenommen werden, und sich zielgerichtet verstellen. Das zeigt sich in Kapitel 46 selbst, als sie Ricos Entstellungen solange verbirgt, bis Frank weg ist, zieht sich über das Unterjubeln von Ricos Kindern an Frank bis zu den Überlegungen, was die Polizei in welchen Fällen tun wird.
    Der Verdacht liegt nahe, dass der Autor Kapitel 46 und Einiges vom Folgenden vorkonzipiert hatte, bevor alles davor geschrieben wurde. Es mutet wie das Ziel des Buches an. An dem Punkt, an dem die Handlung auf Kapitel 46 "aufläuft", gibt es für mein Empfinden eine Bruchstelle.
    Auch die Figur Frank leidet unter dieser Bruchstelle. Bei dem getöteten Arzt handelt er für mein (figurenpsychologisches) Empfinden "falsch". Jetzt kann man sagen: "Okay, Bernard, dann lernst du jetzt halt eine neue Seite an Frank kennen." Mag sein. Es ist nur so, dass ich Franks Verhalten von Beginn an sehr, sehr gut nachvollziehen konnte. Das ist in diesen Szenen nicht mehr so. Er erscheint ausgewechselt.
    Ich "kaufe" diese Mona nicht, und diesen Frank "kaufe" ich auch nicht.


    Auf S. 356 erfahren wir, dass Mona gegen Kindermord ist. Immerhin mal ein sympathischer Zug.


    Die geflügelten Babies fand ich sehr gelungen.


    Auf S. 372 fehlt ein Wort in einem Satz: "Frank hatte keine Angst vor dem Gefängnis". Überhaupt werden die Fehler zum Ende hin etwas dichter, bleiben aber immernoch unter dem, was man anderswo findet.


    Was bezeichnet das Adjektiv "yatterig"?


    Das letzte Kapitel war wieder sehr schön. Insbesondere diese Bitten "Ich will mein Leben zurück" / "Ich will sterben" drücken Monas Verzweiflung sehr gut aus.
    Tja, und wer Dorfi ist - das ist wohl die Frage, mit der der Leser in die Folgebände entlassen wird. Durchaus legitim, die Anderwelten sind ja als Reihe deutlich gekennzeichnet.


    Schade finde ich, dass Frank draufgegangen ist. Nicht nur, weil er meine Lieblingsfigur ist, sondern vor allem, weil er unausgeschöpftes Potenzial hatte. Seine spezielle Sichtweise hätte bei einer Reise durch die Anderwelten eine Menge Pepp gegeben. Wirklich bedauerlich. :'(
    Andererseits sollten echte Helden jung sterben, bevor sie im Alter irgendwas Blödes machen, was ihre Bilanz vermasselt. ;D


    Insgesamt war der letzte Leseabschnitt für mich der schwächste. Dadurch ist das Buch bei mir von "2+" auf "2" abgesackt.
    Immernoch ein gutes Buch, aber "Das blaue Portal" hat mir entschieden besser gefallen.


    PS:


    ... und sehr helle war er ja auch nicht ...


    Auf Anhieb fällt mir jetzt keine Stelle ein, an der Frank "nicht sehr helle" war, wenn man davon absieht, dass er Mona in sein Bett gelassen hat ...
    Ich hatte diesen Verdacht zu Beginn auch, hervorgerrufen durch den Zettel mit der schrecklichen Rechtschreibung, von dem sich aber jetzt herausgestellt hat, dass Mona ihn geschrieben hat.



    Die letzte Szene, in der Mona weint und die kostbaren Tränen nutzlos versickern gefällt mir irgendwie. Warum? Ich weiß es nicht genau.


    Mir auch. Ich weiß auch nicht, warum. ;)



    Und sie vertraut ihm ja sehr und liebt ihn wirklich.


    Weder das eine noch das andere.
    Würde sie ihm vertrauen, würde sie ihm sagen, dass sie von Rico schwanger ist, anstatt ihn auszutricksen.
    Und lieben tut sie ihn erst recht nicht. Sie liebt sich selbst. Sie instrumentiert Frank, weil sie sich bei ihm wohl fühlt, er ihr ein gutes Gefühl gibt. Ähnlich, wie Rico es vorher mit ihr getan hat, nur nicht so brutal, sondern eher lady-like.
    Auf eine solche Liebe könnte ich als Objekt (im wahrsten Sinne des Wortes) gut verzichten ... :vogelzeigen:


  • So, im Zug habe ich das Buch jetzt durch bekommen und gleich die Karte ausgefüllt und nach Ankunft direkt in den Briefkasten geworfen, um mir den 4-Euro-Gutschein zu sichern, har har. Diesen Fisch lasse ich nicht mehr vom Haken.


    LOL


    Zitat


    Frank hat einen guten Run. [...] Welcher Normalsterbliche hätte denn das gemacht? Die Polizei anrufen - das wäre für die meisten Zeitgenossen wohl das höchste der Gefühle gewesen.


    Tjaaaa, interessanter Gedanke. Wäre eine "normale" Figur in der Lage gewesen, diese Geschichte so werden zu lassen wie sie wurde?


    Zitat


    Zudem ist er eine tragische Figur, denn es ist ja eigentlich von Anfang an klar, dass er in seinem Bemühen scheitern wird.
    Am Ende von Kapitel 45 dachte ich, dass Frank von einer im Kerker ausgehungerten Mona gefressen werden würde. Dieses Klischee hat der Autor vermieden - sehr schön.


    Ich sehe zu, Klischees IMMER zu vermeiden, denn ich hasse sie. Bisher kann ich von mir hoffentlich behaupten, daß es mir gelungen ist.


    Zitat


    Auch ich halte Ricos Verletzungen für unglaubwürdig. Meines Erachtens hätte er nicht überleben dürfen. Diese Verletzungen "kaufe ich dem Autor nicht ab". Sie sind aber nicht handlungstragend, daher ein verzeihlicher Ausrutscher.


    He, ich bin Arzt. Chirurg!
    Du glaubst wirklich allen Ernstes, mir würden solche "Ausrutscher" passieren?


    Zitat


    Hervorragend gefallen hat mir hier meine Lieblingsfigur Frank. In diesem Kapitel bekommt er meinen "Glorienschein für echte Helden" (tm). Er hat keine Angst, vor gar nichts, steht zu seinen Überzeugungen, wenn es sein muss auch bis zum bitteren Ende. Respekt - auch vor der glaubhaften Schilderung des Autors.


    Irgendwie freut es mich, daß sich einer gefunden hat, der Frank ein paar Punkte gibt. Normalerweise dominiert Mona das Szenario und - so habe ich es erlebt - sind die Leser geneigt, Frank als Nebenfigur einzustufen. Halt einer von den vielen, mit denen Mona zu tun hatte.


    Zitat


    Leider halte ich dieses Befreiungskapitel 46 insgesamt für missraten, und zwar, weil die Figur Mona in diesem Kapitel und in den Nachbeben unplausibel wird und sich erst kurz vor Schluss wieder fängt. In den Kapiteln zuvor war sie immer recht kindlich, sowohl in ihrer Weltsicht als auch in ihrem Faktenwissen um die Welt. Beides hat sich in ihrer Sprache, insbesondere in der Wortwahl, geäußert. Nun war die Zeit im Keller zweifelsohne traumatisch, was für mich eine erwachsenere Weltsicht plausibel machen würde - die rosa Brille ist halt endgültig kaputt. Monas Faktenwissen hat sich allerdings ebenfalls erheblich erweitert. Dazu hätte Rico ihr im Folterkeller mehr Wissen eintrichtern müssen, als es Frank in der gesamten Zeit zuvor geschafft hat. Das ist unplausibel.
    Dieses Faktenwissen äußert sich in einer Mona-untypischen Durchtriebenheit - sie kann auf einmal sehr genau abschätzen, wie Handlungen, die sie zuvor noch nicht erlebt hat, von ihrer Umwelt, insbesondere von Frank, aufgenommen werden, und sich zielgerichtet verstellen. Das zeigt sich in Kapitel 46 selbst, als sie Ricos Entstellungen solange verbirgt, bis Frank weg ist, zieht sich über das Unterjubeln von Ricos Kindern an Frank bis zu den Überlegungen, was die Polizei in welchen Fällen tun wird.


    Wieso sollte gerade Rico ihr diese Durchtriebenheit und Selbsteinschätzungsfähigkeit eingetrichtert haben? Hatte Mona da nicht viiiiel bessere Lehrmeister(innen) in all den Wochen zuvor?


    Zitat


    Der Verdacht liegt nahe, dass der Autor Kapitel 46 und Einiges vom Folgenden vorkonzipiert hatte, bevor alles davor geschrieben wurde.


    Da ich generell vorkonzipiere (anders würde diese Reihe auch nicht funktionieren), ist der Verdacht doppelt naheliegend.
    Aber ich konzipiere nicht alles bis ins letzte Detail vor.
    In der Urfassung des Buches hat Frank die ganze Ululei überlebt und wurde mit Mona zusammen entführt.


    Zitat


    Es mutet wie das Ziel des Buches an. An dem Punkt, an dem die Handlung auf Kapitel 46 "aufläuft", gibt es für mein Empfinden eine Bruchstelle.


    Daß da eine Bruchstelle ist, dem stimme ich zu. Es ist der Knackpunkt, wo alles gut hätte werden können aber zwischenzeitlich der Samen des endgültigen Verderbens gesät wurde.


    Zitat


    Auch die Figur Frank leidet unter dieser Bruchstelle. Bei dem getöteten Arzt handelt er für mein (figurenpsychologisches) Empfinden "falsch". Jetzt kann man sagen: "Okay, Bernard, dann lernst du jetzt halt eine neue Seite an Frank kennen." Mag sein. Es ist nur so, dass ich Franks Verhalten von Beginn an sehr, sehr gut nachvollziehen konnte. Das ist in diesen Szenen nicht mehr so. Er erscheint ausgewechselt.
    Ich "kaufe" diese Mona nicht, und diesen Frank "kaufe" ich auch nicht.


    Erzähl mir etwas mehr über Frank. Warum kaufst du ihn nicht?


    Zitat


    Auf S. 356 erfahren wir, dass Mona gegen Kindermord ist. Immerhin mal ein sympathischer Zug.


    So wie ich sie ungerne verurteilt sehe, weil sie viele Dinge in ihrer Tragweite nicht erfassen kann und triebgesteuert ist, ebenso muß ich gegen Lob aus dieser Quelle Einspruch erheben. Ich bin mir ziemlich sicher, daß sie nicht unbedingt so denken würde, wenn es um Kinder anderer Frauen ginge. Aber das Szenario habe ich nicht durchgespielt.


    Zitat


    Auf S. 372 fehlt ein Wort in einem Satz: "Frank hatte keine Angst vor dem Gefängnis". Überhaupt werden die Fehler zum Ende hin etwas dichter, bleiben aber immernoch unter dem, was man anderswo findet.


    Ja, das Lektorat ist ... war ... äh ...
    Nein, ich glaube, das sollte ich nicht schreiben.


    Zitat


    Was bezeichnet das Adjektiv "yatterig"?


    Das überlasse ich der Fantasie des Lesers.
    Für mich sind es die kichernd-gackernden Laute, die die Gremlins gemacht haben, als sie das Haus verwüsteten.


    Zitat


    Schade finde ich, dass Frank draufgegangen ist. Nicht nur, weil er meine Lieblingsfigur ist, sondern vor allem, weil er unausgeschöpftes Potenzial hatte. Seine spezielle Sichtweise hätte bei einer Reise durch die Anderwelten eine Menge Pepp gegeben. Wirklich bedauerlich. :'(
    Andererseits sollten echte Helden jung sterben, bevor sie im Alter irgendwas Blödes machen, was ihre Bilanz vermasselt. ;D


    In gewisser Weise ist er ja tatsächlich nicht früh genug gestorben, denn im letzten Abschnitt kaufst du ihn ja nicht mehr. ;)


    Zitat


    Insgesamt war der letzte Leseabschnitt für mich der schwächste. Dadurch ist das Buch bei mir von "2+" auf "2" abgesackt.
    Immernoch ein gutes Buch, aber "Das blaue Portal" hat mir entschieden besser gefallen.


    Jedem seinen Favoriten. Hauptsache die Gesamtbilanz besagt, daß man auch noch an Band 4 und 5 interessiert ist.


    Zitat


    Weder das eine noch das andere.
    Würde sie ihm vertrauen, würde sie ihm sagen, dass sie von Rico schwanger ist, anstatt ihn auszutricksen.
    Und lieben tut sie ihn erst recht nicht. Sie liebt sich selbst. Sie instrumentiert Frank, weil sie sich bei ihm wohl fühlt, er ihr ein gutes Gefühl gibt. Ähnlich, wie Rico es vorher mit ihr getan hat, nur nicht so brutal, sondern eher lady-like.
    Auf eine solche Liebe könnte ich als Objekt (im wahrsten Sinne des Wortes) gut verzichten ... :vogelzeigen:


    [/quote]
    Vertraut hat sie ihm wohl nicht. Sie hat es ja mehr als einmal gezeigt, indem sie ihm nicht die Wahrheit erzählt hat.
    Das mit der Liebe ist schon ein schwerer faßbares Thema. Was ist Liebe für dich? Du klingst an dieser Stelle wieder verkopft. Geradezu juristisch. Kann man nicht jemandem mißtrauen und ihn instrumentalisieren und ihn trotzdem lieben?
    Mona hat an Franks Verlust schwer zu tragen. Sehr viel schwerer vielleicht, als sie es sich selbst bewußt ist. Sie hätte jeden Mann haben können, aber sie wollte Frank. Sein Verlust hat sie völlig durcheinandergebracht, sie ist geistig ausgestiegen, Kurzschluß.
    Bemerkenswert finde ich dieses hier:

    Zitat


    weil sie sich bei ihm wohl fühlt, er ihr ein gutes Gefühl gibt.


    Das mag für viele nicht hinreichend sein, um von Liebe zu sprechen, aber ist das nicht schon sehr in diese Richtung gehend?
    Wenn man unbedingt mit jemandem zusammen sein will, die Nähe des anderen gut tut; wenn man sich nicht vorstellen kann, ohne den anderen weiterexistieren zu können, ist das keine Liebe? Welch hohen Kriterien muß Liebe genügen, um in deinen Augen bestehen zu können?


    Peter


  • Wäre eine "normale" Figur in der Lage gewesen, diese Geschichte so werden zu lassen wie sie wurde?


    Natürlich nicht. Frank ist handlungstragend, und auch das ist typisch für Helden in Geschichten.



    Ich sehe zu, Klischees IMMER zu vermeiden, denn ich hasse sie. Bisher kann ich von mir hoffentlich behaupten, daß es mir gelungen ist.


    Oh nein, absolut nicht. Du hast viele innovative Dinge in Deinen Büchern, insbesondere die "Fabelwesen" (Pferde, Flugteufel, Steinteufel), aber auch echte Klischees. Rico etwa ist ein Klischee-Zuhälter. Nur an Kohle interessiert, kann ganz nett sein, wenn er sie kriegt, Pomade in den Haaren, raucht und spielt Karten mit seinen Kumpels.
    Ein Klischeebruch wäre gewesen, wenn er statt dem verrauchten Kartenspielraum im Hinterhof einen Wintergarten mit Orchideenzucht gehabt hätte und sauer geworden wäre, wenn ihn jemand beim Umtopfen der Pflanzen gestört hätte. ;)



    He, ich bin Arzt. Chirurg!
    Du glaubst wirklich allen Ernstes, mir würden solche "Ausrutscher" passieren?


    Zunächst mal bist Du Autor. Unabhängig davon, was Du als Chirurg weißt, schaffst Du es bei mir und anderen nicht, uns diese Szene so "rüberzubringen", dass wir sie "kaufen".
    Anderes Beispiel: Wenn ich als Autor irgendwo schreibe, dass die mittelalterliche Inquisition der katholischen Kirche praktisch keine Rolle in der Hexenverfolgung gespielt hat, dann erwarte ich einen hysterischen Aufschrei in der Leserschaft. Obwohl meine Aussage richtig ist, kann ich das bereits vorhersehen, weil diese Tatsache dem allgemeinen (Un-)Wissensstand zuwiderläuft. Ich muss daher entweder mit dem Aufschrei leben, oder solche Aussagen weglassen, oder, wenn ich sie doch bringe, sie zusätzlich plausibilisieren ("1) gab es im Mittelalter kaum Hexenverfolgungen, das ist ein neuzeitliches Phänomen. 2) war Hexerei zwar eine Sünde, aber, genau wie Mord, dennoch ein primär weltliches Verbrechen, das von weltlichen Gerichten verfolgt wurde. 3) gab es Hexenverfolgungen in gleicher Stärke in nicht-katholischen Gebieten. 4) hatte die Hexenverfolgung in den meinungsmachenden Kreisen der katholischen Kirche keine Lobby, sondern wurde als "Volksglauben" kopfschüttelnd betrachtet.")
    Du wählst aber als Autor die Option: "unplausibel scheinendes (!) Element darstellen und nicht erklären". Damit erscheint (!) es als Fehler - und normalerweise liest man das Buch nicht in einer Leserunde, in der der Autor die Erklärung nachschieben kann.



    Wieso sollte gerade Rico ihr diese Durchtriebenheit und Selbsteinschätzungsfähigkeit eingetrichtert haben? Hatte Mona da nicht viiiiel bessere Lehrmeister(innen) in all den Wochen zuvor?


    Schon, aber der Charakterbruch tritt nach dem Kerkeraufenthalt auf, und da war sie ausschließlich mit Rico zusammen.



    Erzähl mir etwas mehr über Frank. Warum kaufst du ihn nicht?


    Bislang war seine Handlungsweise immer straight forward: "Ich tue das, was ich als richtig (insbesondere moralisch richtig) erkannt habe, ungeachtet möglicher negativer Konsequenzen." Da passt es nicht, dass er das Auto des Arztes versteckt. Ferner ist er von christlichen Glaubensinhalten bis zur Konsequenz des Martyriums überzeugt. Es erscheint mir unplausibel, dass er sich von seiner Jetzt-Ehefrau Mona entfernt - und ausgerechnet Mona muss ihn an das "in guten und in schlechten Zeiten" erinnern.
    Nebenbemerkung: Zumindest nach katholischer Logik sind die beiden auch im spirituellen Sinne verheiratet. Das Ehesakrament wird von den Eheleuten gespendet, die Zeremonie mit dem Pfarrer in der Kirche ist spirituell irrelevant und eher organisatorischer Natur. Es ist wahrscheinlich, dass Frank diese Sichtweise adaptiert hat.
    Im ganzen handelt und redet Frank nicht mehr "in character" - zumindest für mein Empfinden.



    Das überlasse ich der Fantasie des Lesers.
    Für mich sind es die kichernd-gackernden Laute, die die Gremlins gemacht haben, als sie das Haus verwüsteten.


    :D Genau an die Gremlins hatte ich auch gedacht! :D



    In gewisser Weise ist er ja tatsächlich nicht früh genug gestorben, denn im letzten Abschnitt kaufst du ihn ja nicht mehr. ;)


    Das ist eine andere Ebene. Der Schauspieler hat geschwächelt und konnte die Rolle nicht mehr rüberbringen. Die Rolle an sich wäre für das Drehbuch aber noch interessant gewesen - auch für das Drehbuch der Fortsetzung. Zumindest aus meiner Perspektive.



    1) Die von Dir beshriebene Form der Liebe kann man 1:1 auch Rico attestieren. Auch er "kann ohne Mona nicht leben", "fühlt sich in Monas Nähe wohl", "ist traurig, wenn Mona weg ist". So gesehen riskiert er seine wirtschaftliche Existenz "für Mona". Allerdings doch wohl eher "dafür, Mona zu besitzen und entsprechend seiner Bedürfnisse gebrauchen zu dürfen."
    2) Liebe ist für mich nicht "haben wollen", sondern "geben wollen". Sie ist am Wohlergehen des anderen interessiert. Das muss nicht ausschließlich sein, insbesondere die erotische Liebe hat wohl auch immer ein besitzergreifendes Element, aber der andere steht bei der Liebe immer im Vordergrund.
    Was Mona macht, ist in meinen Augen "vortäuschen von Liebe zur Erlangung von Vorzügen/ für sie erstrebenswerten Zuständen". Im letzten Kapitel hätte sie auch weinen können, weil ihr jemand ihre Puppe kaputtgemacht hat - das sind Verlusttränen. Wobei Mona sicherlich gar nicht klar ist, dass sie Frank nicht geliebt hat - da sie vorher auch noch nie jemanden geliebt hat, kann sie den Unterschied nicht beurteilen. Sie spielt "Liebe" so, wie sie auch "Menschsein" spielt. Es bleibt ein Spiel, wobei sie im Fall "Menschsein" spielerisch schon so viel gelernt hat, dass sie wohl begriffen hat, um was es geht (wie die späteren Dialoge mit Rico zeigen).


  • Oh nein, absolut nicht. Du hast viele innovative Dinge in Deinen Büchern, insbesondere die "Fabelwesen" (Pferde, Flugteufel, Steinteufel), aber auch echte Klischees. Rico etwa ist ein Klischee-Zuhälter. Nur an Kohle interessiert, kann ganz nett sein, wenn er sie kriegt, Pomade in den Haaren, raucht und spielt Karten mit seinen Kumpels.
    Ein Klischeebruch wäre gewesen, wenn er statt dem verrauchten Kartenspielraum im Hinterhof einen Wintergarten mit Orchideenzucht gehabt hätte und sauer geworden wäre, wenn ihn jemand beim Umtopfen der Pflanzen gestört hätte. ;)


    Hehe. GENAU DAS wäre ein ganz übles fettes Klischee gewesen! Der Bösewicht mit der sanften Seite. Typ Wolf Larsen. Ja ja.
    Wir sollten uns vielleicht mal darüber unterhalten, was ein Klischee ist. Die Wahrheit kann nie zum Klischee werden. Klischee ist dann, wenn etwas erzählt wird, das keine Verankerung in der Realität hat, sondern aus anderen fiktionalen Werken übernommen worden wurde.


    Zitat


    Zunächst mal bist Du Autor. Unabhängig davon, was Du als Chirurg weißt, schaffst Du es bei mir und anderen nicht, uns diese Szene so "rüberzubringen", dass wir sie "kaufen".


    Gut, das muß ich akzeptieren.
    Aber wieso sprichst du von dir in der Mehrzahl? ;)


    Zitat


    Anderes Beispiel: Wenn ich als Autor irgendwo schreibe, dass die mittelalterliche Inquisition der katholischen Kirche praktisch keine Rolle in der Hexenverfolgung gespielt hat, dann erwarte ich einen hysterischen Aufschrei in der Leserschaft. Obwohl meine Aussage richtig ist, kann ich das bereits vorhersehen, weil diese Tatsache dem allgemeinen (Un-)Wissensstand zuwiderläuft. Ich muss daher entweder mit dem Aufschrei leben, oder solche Aussagen weglassen, oder, wenn ich sie doch bringe, sie zusätzlich plausibilisieren


    Das ist richtig. Insofern hätte ich es wohl plausibilisieren müssen, wie Rico das überleben kann, das ist Kern deiner Aussage.
    Hätte ich auch getan, wenn ich daran gedacht hätte, daß da ein Aufschrei stattfindet. Manche Leut schreiben ja noch sehr viel befremdlichere medizinische Sachen, ohne daß es Aufschreie gibt, weil es die medizinisch nicht tätigen Leser es gar nicht besser wissen und daher hinnehmen. Probleme verursachen dann Änderungen im Stand der Wissenschaft, Halbbildung beim Leser, Klischees ("aber das ist doch sonst immer so?") und Vorurteile.
    Die mittelalterliche Inquisition und die Hexenverbrennungen sind auch so ein Fall, wo es recht speziell wird und die Plausibilisierung problematisch. Zweifelsohne spielte die Kirche eine ganz bedeutende Rolle bei der Hexenverfolgung generell, indem Papst Innozenz diese Hexenbulle signierte und das Handbuch der Hexenjäger von einem Dominikanermönch verfaßt worden ist. Daß zu dem Zeitpunkt das Mittelalter schon vorbei war und Verbrennungen damit ursprünglich nicht autorisiert waren, sind historische Details. Ein historischer Roman, der dies berücksichtigt, ist gut recherchiert, muß aber gegen die falschen Vorstellungen in den Köpfen ankämpfen.
    Nun finde ich aber Plausibilisierungen bisweilen ziemlich affig. Man müßte dazu eine Figur hernehmen und sie Dinge fragen/sagen lassen, die sonst im "realen Ablauf" der Dinge nicht vorkämen.
    Ich habe einige Plausibilisierungem im blauen Portal via Fußnote geregelt. Klischee: Alle denken vor Kolumbus, die Welt sei eine Scheibe. Wilhelms Überlegungen, die auf einer Erd-Kugel basieren, wirken auf den Leser falsch; bestenfalls denkt er "Jaja, der ist natürlich wieder seiner Zeit voraus". Aber wie soll ich das im Roman plausibilisieren? Soll Wilhelm laut nachdenken und einer seiner Leute einwenden, daß die Welt eine Scheibe ist, und von Wilhelm belehrt werden, daß das längst keiner mehr glaubt? Affig! Fußnote. ZACK, fertig.
    Wo ich auch solche Sachen hintun würde, sind Vorworte bzw. Nachworte, wie es Kai Meyer tut - und wie ich es in Dämonentränen diesmal auch getan habe. Oftmals versöhnt es den Leser ja dann doch im Nachhinein, wenn er eine Erklärung bekommt bzw. die Gewißheit, daß etwas kein Fehler sondern Absicht war. Mir selbst ging es mal in einem Krimi so, wo ein Polizist im Wald zufällig ein wichtiges Beweisstück fand, klar doch, und mich das so furchtbar geärgert hat, daß ich das Buch schon weglegen wollte. Bis dann hundert Seiten später herauskam, daß es eben gar kein Zufall gewesen war.


    Zitat


    Du wählst aber als Autor die Option: "unplausibel scheinendes (!) Element darstellen und nicht erklären". Damit erscheint (!) es als Fehler - und normalerweise liest man das Buch nicht in einer Leserunde, in der der Autor die Erklärung nachschieben kann.


    Ich bin aber in der glorreichen Position, daß ich noch einen vierten und fünften Band habe, um was nachzuschieben. :P


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    Schon, aber der Charakterbruch tritt nach dem Kerkeraufenthalt auf, und da war sie ausschließlich mit Rico zusammen.


    Wann der Charakterbruch auftritt, kann man eigentlich nicht sagen, da Mona lange Zeit in einer Umgebung agiert, in der Durchtriebenheit zum Überleben gehört und sie in dieser Umgebung schlichtweg zu funktionieren lernt. So, wie sie ihre Freier ja routinemäßig betrügt.
    Erst, wenn wieder die alten Werte gefragt sind, wird die Diskrepanz offenbar.
    Ich glaube manchmal, daß wenn die Katastrophe mit den Kindern nicht passiert wäre, Frank Mona auf den Pfad der Tugend gebracht hätte. Ich glaube sogar, er war ganz kurz davor. So kurz davor, daß es einfach nur tragisch ist. Was meinst du? Hat Mona am Ende nicht doch etwas gelernt? Etwas von Frank in ihrem Herzen mitgenommen? Ist sie am Ende des Romans immer noch ein egoistisches, durchtriebenes, nur auf ihren Vorteil bedachtes Ding? Wirklich nirgends ein altruistischer Gedanke, im ganzen Roman nicht?


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    Bislang war seine Handlungsweise immer straight forward: "Ich tue das, was ich als richtig (insbesondere moralisch richtig) erkannt habe, ungeachtet möglicher negativer Konsequenzen." [...] Im ganzen handelt und redet Frank nicht mehr "in character" - zumindest für mein Empfinden.


    Die ersten Risse in der Konsequenz zeigen sich doch schon, als er Mona in sein Bett läßt. Und von da an geht es munter abwärts.
    Wer hat doch gleich geschrieben, daß wenn ein Mann etwas Dummes tut, er es meist wegen einer Frau tut?
    Vielleicht ist er ja auch nicht mehr ganz er selbst ...?


    Und steht es nicht geschrieben: Die Dämonen wurden gesandt, um unsere Seelen zu verderben?


    Zitat


    1) Die von Dir beshriebene Form der Liebe kann man 1:1 auch Rico attestieren. Auch er "kann ohne Mona nicht leben", "fühlt sich in Monas Nähe wohl", "ist traurig, wenn Mona weg ist". So gesehen riskiert er seine wirtschaftliche Existenz "für Mona". Allerdings doch wohl eher "dafür, Mona zu besitzen und entsprechend seiner Bedürfnisse gebrauchen zu dürfen."


    Nun, wenn ich jemanden liebe, denke ich nicht daran, daß ich auf mein Verderben zugehe und spiele nicht mit Pistolen und dem Gedanken, sie zu benutzen, um wieder frei zu sein.


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    2) Liebe ist für mich nicht "haben wollen", sondern "geben wollen". Sie ist am Wohlergehen des anderen interessiert. Das muss nicht ausschließlich sein, insbesondere die erotische Liebe hat wohl auch immer ein besitzergreifendes Element, aber der andere steht bei der Liebe immer im Vordergrund.


    Das halte ich für eine romantisch verklärte Sichtweise. Ein Klischee, wenn du so willst. Und zugleich für eine Meßlatte, die zu hoch angelegt ist für uns Sterbliche. Funktioniert nur, wenn man nicht hinterfragt, warum man denn geben will und warum gerade jener Person und nicht einer anderen.


    Zitat


    Was Mona macht, ist in meinen Augen "vortäuschen von Liebe zur Erlangung von Vorzügen/ für sie erstrebenswerten Zuständen". Im letzten Kapitel hätte sie auch weinen können, weil ihr jemand ihre Puppe kaputtgemacht hat - das sind Verlusttränen.


    Ein kleines Mädchen kann auch seine Puppe lieben wie eine Schwester und vom Verlust traumatisiert werden.
    Verlusttränen, was heißt das schon? Soll das eine Wertung beinhalten? Natürlich weinen wir um eine verlorene Liebe, weil sie ein Verlust ist.


    Meine Sichtweise: Was wir lieben, wird ein wichtiger Teil von uns. Wir gehen eine emotionale Bindung damit ein. Bzw. wenn wir das tun, wird es im Nachhinein als Liebe bezeichnet. Ein Seemann kann das Meer lieben. Und was man dann für den anderen tut, tut man, als ob man es für sich selbst täte. Der Unterschied ist aufgehoben oder doch zumindest stark vermindert.


    Zitat


    Wobei Mona sicherlich gar nicht klar ist, dass sie Frank nicht geliebt hat - da sie vorher auch noch nie jemanden geliebt hat, kann sie den Unterschied nicht beurteilen. Sie spielt "Liebe" so, wie sie auch "Menschsein" spielt. Es bleibt ein Spiel, wobei sie im Fall "Menschsein" spielerisch schon so viel gelernt hat, dass sie wohl begriffen hat, um was es geht (wie die späteren Dialoge mit Rico zeigen).


    Nun, wenn du das so siehst, finde ich das zwar irgendwie schade, aber der Leser hat immer recht.
    Wobei ich nicht mal sagen kann, daß du irgendwas falsch verstanden hättest oder ich nicht sauber rübergebracht hätte. Die Gedanken und Gefühle der Figuren liegen dir klar vor. Du hast lediglich eine andere Interpretation derselbigen als ich. Und auch wenn ich der Autor bin, so ist die deine Ansicht der meinen absolut gleichwertig.


    Peter


  • Hehe. GENAU DAS wäre ein ganz übles fettes Klischee gewesen! Der Bösewicht mit der sanften Seite. Typ Wolf Larsen. Ja ja.
    Wir sollten uns vielleicht mal darüber unterhalten, was ein Klischee ist. Die Wahrheit kann nie zum Klischee werden. Klischee ist dann, wenn etwas erzählt wird, das keine Verankerung in der Realität hat, sondern aus anderen fiktionalen Werken übernommen worden wurde.


    Für mich ist ein Klischee, wenn etwas so aufgebaut wird, wie es das schon x-mal gegeben hat. Wenn Du mich vor dem Roman gefragt hättest: "Bernard, wie stellst Du Dir einen Hamburger Zuälter vor?", dann hätte ich Dir Rico bereits ziemlich genau beschrieben. Da hat mich das Buch also nicht überrascht, es hat nichts Neues gebracht. Dieser Typ von Zuhälter ist einfach "ausgelutscht" und "wohlbekannt". Es stört nicht wirklich, dass der in "Dämonentränen" auch so ist, aber eine solche Figurenzeichnung ist eben auch nicht geeignet, das Werk positiv herauszuheben.
    Ich habe auch grundsätzlich nichts gegen die Verwendung von Klischees. Alle Klischees zu vermeiden, hat etwas Krampfiges, genauso schlimm, wie sie alle zu erfüllen.



    Gut, das muß ich akzeptieren.
    Aber wieso sprichst du von dir in der Mehrzahl? ;)


    Würde ich nie tun. ;)
    Kara hat geschrieben, dass sie ebenfalls kaum glauben kann, dass man mit solchen Verletzungen überleben kann. "Wir" ist also "Kara + ich + eventuell weitere".



    Nun finde ich aber Plausibilisierungen bisweilen ziemlich affig. Man müßte dazu eine Figur hernehmen und sie Dinge fragen/sagen lassen, die sonst im "realen Ablauf" der Dinge nicht vorkämen.


    Das ist genau die Schwierigkeit des Autors.
    Der Leser erwartet eine Menge überraschender Wendungen, sonst wird die Handlung fade.
    Wenn die Wendung aber zu überraschend ist, fliegt er aus der Kurve. Damit taucht er aus der Geschichte auf und wird sich wieder voll bewusst, dass er einfach bedrucktes Papier in der Hand hält.
    Also baut man als Autor Leitplanken (das sind die Plausibilisierungen), damit er nicht aus der Kurve fliegt. Je nachdem, wie das Vorwissen oder die "Grundakzeptanz" des Lesers sind, braucht er mehr oder weniger Leitplanken. Wenn ich als Autor zu viele Leitplanken einziehe, beschweren sich die Leser, dass die Route im Ganzen doof ist, weil man vor lauter Leitplanken die schöne Landschaft nicht mehr sieht.



    Ich habe einige Plausibilisierungem im blauen Portal via Fußnote geregelt.


    Das hat mir auch gut gefallen.
    Ich gestehe Dir auch zu, dass die Szene, um die es geht, nur sehr schwer mit Plausibilisierungen zu versehen ist.
    Ich wüsste auch nicht, wie ich das machen würde.
    Aber, hey! Hat jemals jemand behauptet, es wäre einfach, ein tolles Buch zu schreiben? ;D



    Mir selbst ging es mal in einem Krimi so, wo ein Polizist im Wald zufällig ein wichtiges Beweisstück fand, klar doch, und mich das so furchtbar geärgert hat, daß ich das Buch schon weglegen wollte. Bis dann hundert Seiten später herauskam, daß es eben gar kein Zufall gewesen war.


    Das ist ein Risiko des Autors, denn nicht bei jedem Leser bleibt es beim beinahe weglegen.
    Auch hier gilt wohl: Man kann es nicht jedem (Leser) recht machen.
    Wahrscheinlich will man das auch gar nicht. Motto: "Ich schreibe nicht für Idioten."



    Wann der Charakterbruch auftritt, kann man eigentlich nicht sagen, ...


    Netter Versuch, har har.
    Selbstverständlich kann man das sehr genau sagen, weil viele Szenen aus Monas Sicht geschildert werden. Und diese "Innenkamera" wurde ausgewechselt. Mona denkt anders, redet anders und handelt anders.
    Oder ich bilde mir das nur ein. ;D Selbst wenn - für mich als Leser ist es so, auch wenn ich da eventuell (?) eine Minderheit bin. :P



    Die ersten Risse in der Konsequenz zeigen sich doch schon, als er Mona in sein Bett läßt. Und von da an geht es munter abwärts.


    Wiederum muss ich wiedersprechen. Mein Mandant Frank handelte auch in dieser Situation konsistent. Aus seinen Gedanken lernen wir, dass er konsistent selbstlos motiviert ist. Er legt eine logische, wenn auch naive, Kette von Schlussfolgerungen vor, die dazu führt, dass dieses Verhalten Mona hilft, ihr Trauma aus der Gefangenschaft zu überwinden.
    Was das weitere "munter abwärts" angeht, so kann ich ihnen leider nicht folgen. Präzisieren Sie bitte, Herr Kollege!



    Nun, wenn ich jemanden liebe, denke ich nicht daran, daß ich auf mein Verderben zugehe und spiele nicht mit Pistolen und dem Gedanken, sie zu benutzen, um wieder frei zu sein.


    Das fällt unter (extrem) zwiespältige Gefühle ...


    Und zur "Liebe" als solcher ...
    Tja, ich bin halt ein Romantiker (wie die meisten Männer). Zu meiner Verteidigung kann ich anführen, dass ich damit ganz gut durch's Leben komme.
    Als Leser Deines Buches kann ich nur sagen: "Ich möchte von niemandem so geliebt werden, wie Frank von Mona geliebt wird. Dann lieber gar nicht."

  • Hallo,


    was mich an diesem Ende eigentlich am meisten verwundert hat war der Beginn des Buches :P


    Also zu Beginn ist doch beschrieben, dass Frank an dem Abend, als Mona verschleppt wird, bei ihr ist (S.19 bis 23).
    Und auch nach Franks offensichtlichem Tod taucht er zumindestens in Monas Vorstellung wieder auf (S.375/376).


    Hat sie die Realität nach Franks Tod so verdrängt? Einfach so weitergemacht, als sei nichts geschehen?
    Scheint so...


    Liebe Grüße
    Redcat

  • Nun, man hat ja schon öfter davon gelesen, dass Leute in extremen Schocksituationen durch allerlei merkwürdiges Verhalten probieren, damit umzugehen.
    Mona mag vielleicht so ein Fall sein. Sie schien ja wirklich, bis fast zum Ende davon auszugehen, dass Frank noch lebt.


    Was mir ja immer noch nicht klar ist: was will "Dorfi" nun eigentlich von ihr?


    Liebe Grüße
    Redcat

  • Hallo,


    gelesen hatte ich das Buch schon vor einer Woche, aber mir fehlt momentan die Zeit, um zu schreiben...


    Ich muß sagen, daß ich das Ende wirklich hart fand :o. Mona tat mir jetzt erstmals richtig leid, als sie krampfhaft Mutterglück sucht, einem "normalen" Menschenleben zustrebt (obwohl Blut in Flaschen im Kühlschrank beim Ottonormalbürger eher unüblich sind) und dabei doch nur scheitern konnte :'(. Wie dann diese kleinen Flugteufelchen durch die Wohnung irren, auf der Suche nach Nahrung auch ihre Geschwister nicht verachten und selbst die "Mutter" anknabbern...das war dann schon wieder so viel, daß ich beim Lesen ungläubig den Kopf schütteln mußte.


    Zitat von "Bernard"


    Auch ich halte Ricos Verletzungen für unglaubwürdig. Meines Erachtens hätte er nicht überleben dürfen. Diese Verletzungen "kaufe ich dem Autor nicht ab". Sie sind aber nicht handlungstragend, daher ein verzeihlicher Ausrutscher.


    Ich fand es auch unglaubwürdig, aber nicht wirklich störend. Hat mich an so einige Horrorfilme erinnert...


    Zitat von "Bernard"


    Bei dem getöteten Arzt handelt er für mein (figurenpsychologisches) Empfinden "falsch".


    Das Gefühl hatte ich gar nicht.


    Insgesamt muß ich aber sagen, daß mir die ersten beiden Teile der Anderwelt besser gefielen. Mit Mona wurde ich einfach nicht warm, auch wenn ihre Geschichte zweifellos spannend ist...ich hoffe einfach, daß mir der nächste Band wieder besser gefallen wird.


    Gruss
    Bianca