Fazit, Rezensionen zu "Tod dem Zaren"

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    Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.


    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten.
    Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen !

  • Bevor ich mich auf das nächste Abenteuer mit Boris und Olga stürze, möchte ich meine Eindrücke zum ersten Teil hier festhalten.


    Boris und Olga, zwei außergewöhnliche Hauptdarsteller


    Ich hatte die Magnus-Bücher schon gelesen und war von den Charakteren und der Handlung begeistert.


    Darum habe ich mich anschließend direkt für Boris und Olga entschieden und muss sagen, Frau Spieweg hat mit diesen Figuren meine Begeisterung noch steigern können.
    Die Welt in der Boris und Olga leben ist von Krieg und Armut geprägt. Dennoch wollen Boris und Olga überleben und suchen nach einem kleinen Glück.
    Wenn ein gestandener Soldat, der seinem Zaren treu ergeben ist, auf eine 12 jährige Anarchistin trifft, dann wird es spannend.


    Da es sich hier um einen Steampunk Roman handelt, leben die Hauptdarsteller in der Vergangenheit (1898) und kämpfen mit den Auswirkungen, die von der Politik und der Wissenschaft gemacht wurden.
    Diese Auswirkungen haben die Umwelt zerstört und Menschen krank gemacht.
    Ein Szenario, das gar nicht mal so abwegig ist, wenn man mal über die Klimaveränderungen und Umweltsünden von heute nachdenkt.


    Boris hat man zum >blauen Krieger< umgebaut und hier haben die Wissenschaftler fehlerhaft gearbeitet.
    Aber Boris lebt und trifft auf Olga die sich ganz alleine durchschlagen muss.


    Olga ist clever, phantasievoll und hat ein großes Herz. Man muss sie einfach gern haben.
    Das zusammentreffen dieser beiden Figuren zaubert dem Leser immer wieder ein schmunzeln ins Gesicht und stellenweise musste ich auch laut lachen.


    Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht lesen und die Erzählweise ist sehr lebendig. Besonders feinfühlig beschreibt Frau Spieweg die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich bei den Hauptdarstellern langsam entwickeln.


    Durch einen geschickten Szenenwechsel zeigt die Autorin dem Leser, wie es zu den oftmals witzigen Missverständnissen, zwischen Boris und Olga kommt.


    Auch wenn zu Beginn des Buches die Atmosphäre etwas dunkel und grausam erscheint, so wird sie nach und nach durch die Hauptdarsteller freundlicher.
    Dieses Buch lebt von sehr einfallsreichen und humorvollen Charakteren die dem düsteren "Endzeit-Szenario", welches die Wissenschaftler geschaffen haben, mit einem unerschütterlichen Lebenswillen trotzen.


    Ich freue mich schon darauf Boris und Olga in dem nächsten Buch zu begleiten.


    Meine Rezension erscheint auf folgenden Internet Seiten:


    Amazon


    Steffis Bücherkiste


    Buchcouch

  • Steampunk mitten im Ural


    Der gut 50 Jahre alte Boris ist seit seinem sechsten Lebensjahr Soldat des Zaren und ihm treu ergeben. Boris ist der einzig Überlebende eines Experiments, dessen Körper vor Jahren quantenmagisch umgebaut wurde, mit dem Ziel, den perfekten Krieger zu erschaffen. Momentan befindet er sich mit seiner Einheit mitten im Krimkrieg gegen die Osmanen, verliert aber den Anschluss, da seine veränderten Körperfunktionen nicht an die kalten Temperaturen angepasst sind. Bewegungslos wird er von der 12-jährigen Anarchistin Olga gefunden. Das ungleiche Paar hat einen etwas holprigen Start, aber die folgenden Geschehnisse schweißen die beiden immer mehr zusammen.


    Die Romane um Boris und Olga gehören zur Steampunk-Reihe „Clockwork Cologne“, von der ich bereits mit Begeisterung die Bücher von Simone Keil und Susanne Gerdom gelesen haben. Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen lässt Selma J. Spieweg ihre Figuren im russischen Zarenreich agieren. Aber es tauchen einige Verbindungen zu Cöln und zu Figuren aus „Der blaue Tod“ auf. Diese Querverbindungen finde ich immer besonders gelungen. Es ist allerdings keine Voraussetzung, die anderen Bücher zum Verständnis dieses Romans gelesen zu haben.


    In diesem ersten Band um den langjährigen Soldaten und die freche kleine Anarchistin kommen die typischen Steampunk-Elemente wie Luftschiffe oder dampfbetriebene Technik eher weniger vor. Der Schwerpunkt liegt auf der Flucht der ungleichen Gruppe durch den Ural nach Perm und in Rückblicken auf dem „Umbau“ von Boris in einen Blauen Krieger. Eine große Rolle spielt dagegen das Blaustein bzw. die blaue Strahlung, der auch die zentrale Energie für Boris' Körper darstellt. Wobei das mit der Energiekartusche und ihre Fähigkeiten nicht so ganz klar wird, ich denke, das wird auch noch Thema in den nächsten Bänden sein.


    Boris ist seit seinem 6. Lebensjahr Soldat des Zaren und führt seither pflichttreu seine Befehle aus, was anderes hat er nie kennengelernt. Eigene Entscheidungen sind ihm fremd, menschliche Nähe ebenfalls. Als Blauer Krieger wird er von den Kameraden gemieden und gefürchtet, daher ist die Aufmerksamkeit und Zuneigung, die ihm Olga entgegenbringt, für ihn absolutes Neuland.


    Olga hat ebenfalls keine leichte Kindheit hinter sich und schlägt sich als Diebin durch das Leben. Sie hat ein sehr großes Herz und viel Empathie, kann aber auch ganz schön frech und mutig sein, außerdem ist sie für ihr Alter ziemlich clever. Sie sieht in Boris den Menschen und behandelt ihn auch dementsprechend.


    Die Gruppe um Boris und Olga vergrößert sich mit der Zeit um doch recht überraschende Zeitgenossen.


    Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Boris und Olga ab und die Gegenwartshandlung wird immer wieder durch Rückblenden unterbrochen. Gerade Boris' Erinnerungen an seine Umwandlung zum Blauen Krieger sind erschütternd und oftmals keine leichte Kost. Die Handlung ist am Ende im Großen und Ganzen zwar in sich abgeschlossen, aber es bleiben noch genügend Fragen, auf deren Beantwortung ich mich im zweiten Teil sehr freue.


    Meine Rezension erscheint bei:
    Amazon
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    LovelyBooks
    Thalia
    Qindie Ich sehe gerade, hier hat er mir einen Buchstabendreher ganz am Anfang reingebracht.

  • Meine erste Leserunde, Zeit ein Fazit zu ziehen, bevor es mit dem nächsten Buch richtig weiter geht.


    Zum einen kann ich sagen, es macht richtig Spaß und meine ganze Nervosität vorher war unbegründet.


    Aber hautsächlich lerne ich unheimlich viel dabei, ich erkenne, wo ich Sachen besser machen kann, wo ich den Leser nicht ganz mitgenommen habe, aber auch, dass einiges, was mir wichtig war, anscheinend gelungen ist.
    Fange ich mit dem an, was verbesserungswürdig an "Tod dem Zaren" ist.
    Es sind ein paar Fragen zuviel offen geblieben, mehr als für einen Spannungsaufbau oder einen Cliffhanger nötig oder gut sind. Offene Frage, die gar nicht so bedeutend sind, wie zum Beispiel, dass Yegor plötzlich fliegen kann. Ja, ihr habt richtig vermutet, es liegt an den Baumpilzen, die er in dem Dämonenwald vor lauter Hunger gegessen hat, doch ich hätte das einfach am Ende des Buches auflösen können. Ein Nebensatz hätte dafür schon gereicht. Aber das ist der Vorteil als Selfpublisher, du kannst jederzeit kleine Korrekturen vornehmen und bei der nächsten Überarbeitung werden solche Dinge wie das angepasst. Falls euch noch mehr solche Stellen einfallen, sagt es mir gerne.


    Als ich an der Hochschule der Künste studierte hatte ich einen Kurs belegt, der mir in bleibender Erinnerung geblieben ist. Er hieß: "Was man weiß, kann man auch zeichnen". Eine simple Erkenntnis, doch der muss man sich erst einmal bewusst werden.
    Für Autoren gilt das Gleiche: "Was man weiß, kann man auch schreiben". ;) Das hat natürlich nichts damit zu tun, dass man einen Mord begehen muss, um einen zu beschreiben. ;)
    Als ich hier auch mein eigenes Buch mitgelesen habe, ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass mir einige Dinge selbst unklar waren, und deswegen auch verworren ankamen. Zum einen liegt es daran, dass ich zuerst ein anderes Buch beenden und nur eine Szene zu Papier bringen wollte, um den Kopf wieder frei zu haben. Doch dann hatten Boris und Olga schon das Kommando übernommen und ich schrieb weiter, ohne zu wissen, was die beiden noch zu erzählen haben. Klar, vieles davon ist wieder rausgeflogen, wurde gestrafft oder umgeschrieben, doch ich habe das Gefühl, ich hätte es besser machen können.


    Bei anderen Sachen, die nicht ganz klar rüber kamen, liegt es daran, dass Clockwork Cologne ein Gemeinschaftsprojekt ist und ich manche Informationen über die Welt nicht von Anfang an hatte, ich von falschen Annahmen ausgegangen bin oder die Auflösung so halten wollte, dass sie nicht im Widerspruch zu Susannes und Simones Geschichten steht, bis sie entschieden haben, wie was passieren soll.
    Ich erinnere mich noch, wie Susanne im Steamsister-Chat plötzlich sagte. "Ach übrigens, ich habe eben Homunkel eingeführt. Das sind künstliche Menschen." Gut, diese Neuerung kam für mich zu genau dem richtigen Zeitpunkt und ich sagte: "Prima, die kann ich dringend brauchen". Danach fragte ich ihr Löcher in den Bauch: Gibt es die in verschiedenen Ausführungen? Wer baut die und wo? Wie lange brauchen die, um ausgewachsen zu sein? (Wer möchte schon Ewigkeiten Homunkel-Windeln wechseln)
    Eine Sache, wo ich von etwas falschem ausgegangen bin, ist die Art und Weise, wie die Zeitmaschine funktioniert, wenn sie denn funktionieren würde.
    Zeitreise Geschichten sind immer kompliziert, und nach meinem Geschmack darf es auch ein klein Wenig verworren sein, doch wenn ich mir das Buch noch einmal vornehme, werde ich mir diese Stellen noch einmal ganz genau ansehen. ich denke, wenn ich mir selber im klaren bin, wie die Maschine in die Zeit eingreift, lösen sich einige Knoten von selbst.


    Aber um zu lernen, noch bessere Bücher zu schreiben, muss man auch erkennen, was man richtig gemacht hat oder anderes ausgedrückt, um nicht in Eigenlob abzudriften, wo man nicht unter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben ist. So wie ein Sprinter, der vielleicht nie Weltrekord läuft, aber seine persönliche Bestleistung erreicht hat.


    Ich glaube, ich konnte ganz gut die Stimmung einfangen, die Landschaft, die Kälte ohne in langatmige Beschreibungen zu verfallen. Natürlich können Leser die düstere Welt als zu düster empfinden, aber dass ist dann persönlicher Geschmack.
    Ich hatte mal eine 1-Sterne Rezension für meinen Kurzkrimi, über die ich richtig glücklich war, leider hat der Leser sie inzwischen gelöscht. Aber anscheinend habe ich die Situation und die inneren Konflikte, in die ein Mensch geraten kann, so eindringlich beschrieben, dass es den falschen Schluss zog, ich würde Selbstjustiz verherrlichen. Natürlich habe ich nichts dergleichen getan, das liegt mir wirklich fern.


    Außerdem bin ich mit den wichtigsten Figuren im zufrieden. Ich denke, sie sind nicht nur glaubwürdig, sondern auch Figuren, die man gerne auf ihrer Reise begleitet, deren Entwicklung man verfolgt und nachvollziehen kann, was sie verbindet.


    Bei einer anderen Sache, die hier auch angesprochen wurde, hatte ich schon bei den ersten Korrekturen nach der Veröffentlichung lange überlegt, ob ich das ändern soll oder nicht: Die Szenen, die einmal aus Boris' und einmal aus Olgas Sicht erzählt werden. An diesem Punkt schieden sich die Geister, manche mochten es sehr, andere fanden es furchtbar. Daraufhin schaute ich mir die Stellen noch mal ganz genau an und fragte mich, warum nicht einfach weglassen? Die, die die zwei Sichtweisen nicht mögen, sind nicht mehr genervt und die anderen wissen ja nicht, was ihnen entgeht.
    Ich habe mich entschieden, es so zu belassen wie es ist, selbst gekürzt habe ich nicht viel. Es sind ja nur oberflächlich die gleichen Szenen, doch wie Boris und Olga sie selbe Situation interpretieren ist so grundverschieden, dass es eigentlich eine ganz andere Szene ist. Und gerade am Anfang war mir wichtig zu zeigen, wie sehr die beiden aneinander vorbeireden - und sich gerade deswegen Näherkommen. Dieses Missverstehen ist einfach ein Grundthema der Geschichte. Am Ende (und im 2. Band) ist es ja schon reduzierter. Da kennt der Leser Boris und Olga gut genug und kann sich denken, dass Boris Olgas Worte anders auffasst, als sie gemeint sind - und umgekehrt.


    Ich stand also vor zwei Möglichkeiten, weglassen oder beibehalten und beides hatte seine Berechtigung. In solchen Fällen entscheide ich nicht danach, mit welchem Buch ich mehr Leser erreichen würde, sondern, was ich selbst gerne lesen würde (und verlasse mich darauf, dass ich nicht einzigartig bin, sondern es Menschen gibt, die meinen Geschmack teilen).



    Das war nun mein (Halbzeit-)Fazit nach meiner ersten Leserunde und ich möchte euch allen noch mal recht herzlich Danken.
    Es macht wirklich Spaß mit euch.

  • Bevor ich zu tief in den zweiten Teil vordringen und versehentlich auch noch spoilere, hier schon mal meine Rezension zum 1. Teil:


    Klappentext:
    Die humorvolle und rührende Geschichte über die Freundschaft zweier Außenseiter in einer kalten Welt. Russland 1897: Boris Sergejewitsch ist Soldat, ein treuer Untertan des Zaren. Seit 44 Jahren kämpft er jede Schlacht für Nikolaus II., und es käme ihm nie in den Sinn, einen Befehl zu verweigern. Selbst dann nicht, als er einem geheimen Experiment zugeteilt wird, bei dem eine unbesiegbare Armee aus Blauen Kriegern erschaffen werden soll, Soldaten, die halb Mensch, halb Maschine sind. Das Projekt entpuppt sich als totaler Fehlschlag. Boris verliert seinen rechten Arm, seine Gesundheit und einen Teil seiner Menschlichkeit. Man schickt ihn zurück zu seiner Einheit. Eines Tages kann Boris seiner Kompanie nicht mehr folgen und wird zurückgelassen. Die quantenmagische Energiequelle, die den mechanischen Teil seines Körpers antreibt, erweckt das Interesse von Olga, einer 12-jährigen Diebin. Zur Bewegungsunfähigkeit verdammt muss er mit ansehen, wie Olga versucht, ihn auseinanderzubauen. Der zu Tode erschöpfte und desillusionierte Boris hätte vielleicht noch akzeptieren können, auf diese Art zu sterben, nicht jedoch, dass die wertvolle Energiequelle ausgerechnet in die Hände von verräterischen Aufständischen fällt, denn Olga macht aus ihrer Gesinnung keinen Hehl. Aber „Tod dem Zaren!“ ist eine Parole, die man niemals in Boris’ Gegenwart aussprechen sollte. Mit anderen Worten: Ihre erste Begegnung stand unter keinem guten Stern. Ebenso wenig die zweite …


    Informationen:
    Das Buch ist Teil der Steampunkt Welt „Clockwork Cologne“, die von den drei Autorinnen Susanne Gerdom, Simone Keil und Selma J. Spieweg geschaffen wurde. Für das Verständnis des Buches muss man die Bücher der anderen Autorinnen nicht kennen. Allerdings ist es spannend und interessant zu sehen, was die jeweilige Autorin aus der Welt „gemacht“ hat und welche Überschneidungspunkte die Bücher bieten.


    Inhalt:
    Dies ist der erste von insgesamt drei geplanten Bänden über Boris & Olga. Boris ist ein Soldat, der seit seinem 6. Lebensjahr nichts anderes gemacht hat, als für Russland und den Zaren zu kämpfen. In einem geheimen Experiment werden ihm verschiedene Körperteile entfernt und diese durch Maschinen ersetzte, um aus ihm (und seinesgleichen) eine unbesiegbare Armee zu machen. Aber etwas geht schief und so ist Boris der einzig Überlebende. Er trifft auf das 12jährige Waisenkind Olga, eine gewitzte Diebin, die versucht in der harten Welt über die Runden zu kommen und obwohl die beiden viele Ansichten und Erfahrungen trennen, vereint sie doch der Wunsch nach einem zu Hause und einer Person, der sie vertrauen können.
    Aber erst mal müssen sie jede Menge Abenteuer überstehen: Gefangenschaften, Trennungen, falsche Verbündete und solche, die sich als solche ausgeben. Eine kleine Gruppe findet sich zusammen, die eine gefahrenvolle Reise durch das eiskalte Russland begeht.


    Meine Meinung:
    Ich habe bereits die anderen Bücher aus der Clockwork Cologne Reihe gelesen und muss sagen, dass dieses Buch perfekt in die Welt passt. Auch wenn die klassischen Steampunk-Elemente „nur“ durch Boris in Szene gesetzt werden, passt die Geschichte einfach sehr gut zu den bisherigen Romanen.
    Durch einen häufigen Wechsel der Erzählperspektive gelingt es Selma J. Spieweg den beiden Hauptpersonen eine Tiefe zu verleihen und ihren Charakter besonders gut darzustellen. Auch die anderen Personen werden durch diesen Perspektivwechsel sehr gut ausgeleuchtet und bleiben nicht oberflächlich.
    Mir gefällt besonders gut, dass der Soldat Boris auch als gebrochene Person dargestellt wird, der stark mit seinen eigenen psychischen Belastungen kämpfen muss. Eine m.E. sehr realistische Einschätzung des Soldatentums. Aber auch ein sehr feiner Humor kommt zum Vorschein, so dass das Buch nicht nur schwere Kost ist, sondern man das ein oder andere Mal lachend die Seiten umblättern kann.
    Das Buch erhält eine absolute Leseempfehlung – auch und gerade für „Einsteiger“ in den Steampunk bestens geeignet!


    Meine Rezensionen erscheinen auf:
    Amazon
    Großes Literaturschock-Bücherforum

  • Jacqueline: Vielen Danke für dein ausführliches Fazit - wow!


    Also, ich finde, es muß nicht immer alles aufgelöst und beantwortet werden. Z.B. würde mich zwar interessieren, wie es kommt, daß Yegor fliegt (daß es mit dem grusligen Bäumen zu tun hat, von denen er gegessen hat, dachte ich mir), ob er nun immer fliegen muß. Aber das sind Dinge, die evtl. in den nächsten Bänden noch eine Rolle spielen. Und wenn es nicht weiter thematisiert wird, dann finde ich das auch nicht schlimm. Es wäre interessant, ist dann aber eine andere Geschichte.


    Tja, und das mit den Zeitmaschinen ist natürlich immer etwas schwierig, denn physikalisch gesehen sind sie nicht realisierbar, wie also etwas beschreiben, daß es logisch ist, wenn es von Natur aus gar nicht möglich ist ;D

  • Zitat von Selma

    Zum einen kann ich sagen, es macht richtig Spaß und meine ganze Nervosität vorher war unbegründet.


    Das freut mich sehr, dass du dich hier in unserer Runde wohl fühlst und Spaß hast. :bussi: Uns macht es ja auch großen Spaß Boris & Olga zusammen mit dir zu begleiten.


    Zitat von Selma

    Ich glaube, ich konnte ganz gut die Stimmung einfangen, die Landschaft, die Kälte ohne in langatmige Beschreibungen zu verfallen.


    Ja, da hast du eindeutig die richtige Dosierung im Text gefunden.
    Das ist dir gelungen genauso wie die Figuren. :daumen:
    Aber was mir noch aufgefallen ist, du hast dem Leser bei allen Beschreibungen und Charakterisierungen genug Raum gelassen, um eigene Gefühle zu den Landschaften und Protagonisten zu entwickeln.
    Der Zar ist da schon ein gutes Beispiel. Während einige LR-Teilnehmer ihn am Ende wieder freundlicher betrachteten, kann dieser Typ bei mir keinen Blumentopf gewinnen.
    Er ist für mich einfach ein großer Störfaktor im Leben von Boris und Olga.
    Aber ich weiß natürlich das es diese unbeliebten Figuren in Romanen geben muss, die Kunst der Autoren besteht darin diese "Fieslinge" facettenreich zu Charakterisieren. Das ist dir gelungen, aber ich habe es vergessen in der Rezi zu erwähnen. ::)
    Aber ich habe ja noch eine Chance es in der nächsten Rezi zu erwähnen. ;)


    Das kommende Wochenende gehört nun Boris & Olga und dem Araber.
    Ich habe heute beim Zahnarzt schon mal angefangen zu lesen, aber noch nicht ganz den ersten Abschnitt geschafft.
    Aber den Zaren den könnte ich ja schon wieder.... :kommmalherfreundchen:

  • Auch von mir einen lieben Dank für dein Fazit, Jacqueline! Ich finde es total interessant, wie du unsere Gedanken und Eindrücke erlebt hast. Von mir natürlich auch ein Danke an dich, dass du so fleißig unsere Fragen beantwortest und uns immer wieder mit deinen Kunstwerken von Boris und Olga fütterst! Und danke natürlich auch an alle Mitleser, das ist so toll, wie wir zusammen die Verknüpfungen zu den anderen Büchern auseinander puzzeln usw. usf. Macht einfach Spaß!


    Hier mein Fazit zum Buch und die Links:


    Boris und Olga, zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten


    Letztes Jahr im Winter habe ich die ersten Bücher aus der Clockwork Cologne-Welt gelesen, und zwar die Reihe um Magnus von Susanne Gerdom. Nun, nicht ganz ein Jahr später, aber der Sommer ist leider während der Lektüre so langsam verschwunden, habe ich endlich weiter gelesen und das hätte ich schon viel früher tun sollen! Diesmal las ich die Reihe um Boris und Olga von Selma J. Spieweg, die passend zum Temperaturabfall in unserer Welt im verschneiten und eiskalten Russland spielt. Das Setting ist hier also ein ganz anderes, die Steampunk-Welt erkennt man aber zweifellos wieder und genügend Verbindungen zu Cöln sind selbstverständlich auch vorhanden. Clockwork Cologne ist eine Steampunk-Reihe von Simone Keil, Susanne Gerdom und Selma J. Spieweg. Die drei Autorinnen schreiben jeweils eigene Reihen mit ihren eigenen Figuren, verknüpfen diese allerdings auch immer mal wieder miteinander. Diese Bücher können auch unabhängig voneinander gelesen werden, dennoch hoffe ich, dass es jeden Leser wie mir ergehen wird: Nach der Lektüre eines Buches wollte ich unbedingt noch mehr Abenteuer in dieser Welt erleben.


    "Tod dem Zaren" begleitet den älteren Soldaten Boris, der es irgendwie geschafft hat rund 40 Jahre im Krieg zu überleben, und das kleine Mädchen Olga, das ständig „Tod dem Zaren“ schreit, frech und humorvoll durch die Gegend flitzt und sehr ehrenhaft alles stiehlt, was sie in die Finger bekommt. Obwohl sie beide heimatlos sind und in derselben Welt wohnen, könnten diese beiden Personen nicht unterschiedlicher sein. Und doch treffen sie sich immer wieder. Zusammen versuchen sie in der eiskalten Einsamkeit zu überleben, müssen vor Aasgeiern flüchten, die den Krieg ausnutzen, um verlorene Menschen auszubeuten, und treffen plötzlich auf den Zaren selbst. Oder doch nicht?


    Die Geschichte wird abwechselnd aus den Sichtweisen von Boris und Olga erzählt, was manchmal unglaublich putzige und witzige Missverständnisse aufdeckt. Kleine Szenen werden nämlich hintereinander aus beiden Perspektiven erzählt. Das klingt erst mal so, als wären es unnötige Wiederholungen, dies hat für mich allerdings den Charme dieser Geschichte ausgemacht. Boris und Olga verstehen sich den Großteil der Geschichte über ganz und gar nicht. Wie denn auch? Boris ist, seit er denken kann, ein Soldat des Zaren und dient ihm treu, Olga hingegen scheint eine Gegnerin des Zaren zu sein. Zudem haben beide viele Momente ihres Lebens einsam verbracht, mussten sich allein durchkämpfen und sind es gar nicht gewohnt Beziehungen zu anderen aufzubauen. Boris‘ Überlebensglück macht ihn bei seinen Kollegen überhaupt nicht beliebt, er wird hingegen sogar gefürchtet, und Olga hatte nicht das Glück mit Liebe aufzuwachsen. Das wirkt sich auch auf die Handlungen der beiden aus. Boris ist ständig ruppig und weiß gar nicht so recht, was er machen soll, wenn es sich nicht um Marschbefehle oder ähnliches handelt; und Olga ist ständig auf der Suche nach ein bisschen Zuneigung und Geborgenheit. Ist so ein eingefleischter Soldat da wirklich das richtige Ziel?


    "Tod dem Zaren" ist mal wieder ein Buch, an dem man richtige Charakterstudien durchführen könnte, aber das ist natürlich noch lange nicht alles. Die Handlung und die Steampunk-Elemente sind mindestens genauso spannend. Boris beispielsweise kann man gar nicht mehr wirklich als Menschen bezeichnen, denn er musste sich als „Freiwilliger“ zur Verfügung stellen, um neue Entwicklungen der Quantenmechanik an ihm testen zu lassen. Ein Arm ist nun mechanisch, zudem leuchtet er blau und glücklich ist er damit garantiert nicht. Zudem gibt es Gerüchte über eine Zeitmaschine oder nur die Pläne dafür, die natürlich äußerst begehrt sind. Boris und Olga treffen auf ihrer Reise auf die unglaublichsten Leute und erleben Dinge, die langsam ein großes und spannendes Ganzes ergeben.


    Selma J. Spieweg hat mit diesem Reihenauftakt eine Geschichte geschaffen, die eine ganz andere, aber genauso tolle Atmosphäre wie die anderen Clockwork Cologne-Bücher hat. Das Lesen und das Zusammenpuzzeln aller Handlungen und Zusammenhänge haben Spaß gemacht und ich freue mich nun auf den zweiten Band "Die Zeitmaschine des Arabers".


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  • Ich wollte mich noch mal für euer Feedback und die Posts und Diskussionen in den einzelnen Abschnitten bedanken, das ist wirklich sehr lerh- und hilfreich.


    Falls jemand ein paar Boris-und-Olga und andere Lesezeichen und Postkarten haben möchte, verschicke ich gerne welche per Post.

  • Jacqueline, das ist ja ein tolles Angebot... Ich liebe Lesezeichen, "sammle" die gewissermaßen. Aber ich benutze sie dann auch alle so nach und nach bzw kreuz und quer, immer wieder... Also keine "Sammlung zum Sammeln" sondern zum Benutzen... Verschenke davon auch immer wieder gerne welche und auch meine Kinder bedienen sich da.


    Ich würde mich über Boris & Olga (und andere... ) Lesezeichen sehr freuen !!! :) :)


  • Jacqueline, das ist ja ein tolles Angebot... Ich liebe Lesezeichen, "sammle" die gewissermaßen. Aber ich benutze sie dann auch alle so nach und nach bzw kreuz und quer, immer wieder... Also keine "Sammlung zum Sammeln" sondern zum Benutzen... Verschenke davon auch immer wieder gerne welche und auch meine Kinder bedienen sich da.


    Ich würde mich über Boris & Olga (und andere... ) Lesezeichen sehr freuen !!! :) :)


    Wie schön, schick mir deine Adresse per PN und ich mache den brief fertig.

  • Da ich schon die anderen Bände der Clockwork Cologne- Reihe gelesen habe, stand natürlich auch Boris und Olga auf meiner Wunschliste.
    Das dieses Buch mich nach Russland führen würde, hatte ich gar nicht so richtig mitbekommen in meiner Euphorie... was ein Glück ist, denn dann hätte ich es möglicherweise nicht gelesen. Das ja eher schwermütige und die "Menschenverachtung" die in "russischen Büchern" oft vorkommt, schreckt mich eher ab.
    Und so war es dann auch in diesem Buch so, daß ich einige Passagen nur schwer verdauen konnte.


    Und dann auch noch die beiden doch etwas sperrigen Progagonisten. Von denen Olga natürlich "leichter ins Herz zu schließen" ist, diese "kleine, freche Göre" mit dem unbezwingbaren Lebenswillen.
    Boris brauchte da schon länger um es in mein Herz zu schaffen, aber nun ist er da sehr nachhaltig drin !


    Das "Miteinander" von Boris und Olga, das zuerst ja nicht ein wirkliches Miteinander ist, trägt für mich dieses Buch. So kann ich dann auch die grausamen Szenen (oft Erinnerungsbilder) verkraften, mit denen man als Leser konfrontiert wird.
    Wobei das jetzt eigentlich zu schlimm klingt, denn es ist ja nicht so, daß das Buch von solchen Szenen wimmelt. Die Autorin setzt sie ein, um dem Leser das richtige Bild zu vermitteln, nicht, um ein Klientel zu bedienen, das gerne von solchen Gräueln liest.


    Wunderbar ist der Humor, der immer wieder durchklingt, sehr oft habe ich schmunzeln müssen - vor allem über Olgas kesse Sprüche.
    Und natürlich auch darüber, wie Olga und Boris sich einander annähern, eine Geschichte mit mehr Mißverständnissen als allem anderen. Aber ... ja: "süß", einfach richtig süß ;)


    Toll ist die Entwicklung die die beiden, vor allem Boris machen.


    Neben den beiden rückt für mich die Story tatsächlich ein bißchen in den Hintergrund, ich glaube, Boris und Olga hätten auch während der Geshcichte in Heimarbeit Kugelschreiber zusammenbauen können und ich hätte sie gerne dabei begleitet.


    Dabei ist die Geschichte wirklich spannend.
    Sie wird abwechselnd aus Olgas und Boris Sicht erzählt, was zwar die eine oder andere Wiederholung zu viel mit sich bringt (einige Szenen hätten da wohl aus einer Sicht gereicht, gerade wenn es sich doch sehr ähnelte), aber in erster Linie macht es die Geschichte lebendiger und vor allem ist es wichtig, dieselben Szenen einmal aus seiner und einmal aus ihrer Sicht zu sehen.


    Mir hat das Buch sehr viel Freude gemacht und es war schön, es hier in netter Runde zu diskutieren. Ein besonderer Dank an Jaqueline für ihre engagierte Begleitung ! :bussi:

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen