Allgemeine Fragen an Lucie Flebbe

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Findet ihr die Inklusion gut? So wie ich sie in den Berichten gesehen habe, finde ich sie nicht gut.
    Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich sehr verändert. Mobbing ist ja allgemein auf der Tagesordnung und wird teilweise von den Chefs auch "übersehen". Wolfsgesetz.

  • Rhea, die Grundidee der Inklusion finde ich gut, aber die Umsetzung ist "ohne Worte".


    Dazu kommt das die Förderschulen ja überall geschlossen werden, es also keine wirkliche Alternative mehr gibt.


    Meine Tochter (kein I- .Kind) ist an einer IGS in einer I-Klasse und für SIE ist das total toll, weniger Schüler in der Klasse ( ein I-Kind zählt "für zwei") und sie lernt sehr viel in Sachen Toleranz, Mitgefühl etc. (ist aber eh ein sehr sozialer Mensch). Insgesamt ist in allen I- Klassen der Schule tendenziell eine bessere "Grundstimmung" weil da viel mehr drauf geachtet, dran gearbeitet wird. Die I- Kinder fallen aber meiner Meinung nach leider oft hinten raus bei der Sache, da es viel zu wenig Förderung gibt (die Förderschullehrerin hat pro I- Kind 3 Wochenstunden zur Verfügung, die sie auf Einzelförderung und Unterstützung beim gemeinsamen Unerrichten aller Kinder aufteilt - ein echter Witz !!!!) .


    Aber das ist hier ja ziemlich OT :-[ :-[


  • Findet ihr die Inklusion gut? So wie ich sie in den Berichten gesehen habe, finde ich sie nicht gut.


    Für mich ist Inklusion selbstverständlich.
    Ich hatte bereits zu meiner eigenen Schulzeit mehrere I-Kinder in der Klasse (in meiner Heimatstadt integrierte die AWO bereits erfolgreich an den örtlichen Schulen, bevor die Inklusion an Schulen überhaupt Thema wurde). Zu Beginn meines Arbeitslebens habe ich auch Integration ins Arbeitsleben als selbstverständlich und bereichernd erlebt.
    Ich denke, der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren durch Arbeitsverdichtung und unsichere Beschäftigungsverhältnisse zu ungunsten der Integration von Menschen mit Handicap entwickelt. Die leichten Tätigkeiten, die Menschen mit Handicap früher übernommen haben, müssen heute oft die nicht-behinderten KollegInnen miterledigen.


    Ich finde, es sollte nicht die Integration von Menschen mit Handicap in die Gesellschaft in Frage gestellt werden, sondern der Arbeitsmarkt, der diese so schwierig gestaltet.


    Lucie

  • Was den Arbeitsmarkt betrifftt, bin ich ganz Deiner Meinung, aber in der Schule finde ich es doch schon schwer, wenn geistig behinderte Kinder in normale Schulklassen gehen. Sie müßten eigentlich ständig einen Betreuer an der Seite haben, aber so viele Betreuer gibt es nicht und für die Lehrer stelle ich es mir sehr schwer vor, denn der Unterschied zwischen Spitze und Schluss ist dann ja sehr groß und dann alle Kinder gleich zu fördern? Du sagst, das geht?

  • Lucie, bei Dir waren die I-Kinder ja noch "Integrationskinder" heute sind es "Inklusionskinder", das ist durchaus ein Unterschied.


    Ich finde es auch selbstverständlich, aber ich glaube nicht, daß es richtig ist das alle das gleiche machen sondern ich denke das auch Differenzierung hier sehr wichtig ist um allen gerecht zu werden.


    Für die "normalen" Kinder ist die Inklusion total gut und wichtig. Damit es wieder selbstverständlicher wird, Menschen mit Handicap zu akzeptieren.


    Lucie wie alt sind eigentlich Deine Kinder ?


  • Lucie, bei Dir waren die I-Kinder ja noch "Integrationskinder" heute sind es "Inklusionskinder", das ist durchaus ein Unterschied.


    Ich finde es auch selbstverständlich, aber ich glaube nicht, daß es richtig ist das alle das gleiche machen sondern ich denke das auch Differenzierung hier sehr wichtig ist um allen gerecht zu werden.


    Für die "normalen" Kinder ist die Inklusion total gut und wichtig. Damit es wieder selbstverständlicher wird, Menschen mit Handicap zu akzeptieren.


    Ja, das ist ein Unterschied.
    Und für die Schulen ist das sicher sehr schwierig. Eine Patentlösung, wie das hopplahopp umgesetzt werden kann, habe ich natürlich auch nicht parat. Es wird wohl ein sehr langwieriger Umstrukturierungsprozess nötig sein, bis man den Kindern auf ihre Art gerecht wird (und natürlich gibt es auch sehr ausgeprägte Einschränkungen, das ist mir bewusst, als Physiotherapeutin komme ich ja auch mit stark eingeschränkten Menschen in Berührung).


    Trotzdem gefällt mir, dass sich etwas bewegt.
    Dass ist mein persönliches Empfinden, weil ich es einfach traurig finde, wenn Menschen mit geistigem Handicap an Förderschulen beschult werden und ihr Weg danach beinahe automatisch in eine Behindertenwerkstatten führt.
    So sind geistig gehandicapte Menschen im Alltag mehr und mehr unsichtbar geworden. (Wem fällt zum Beispiel auf, dass in Werkstätten für Menschen mit Handicap eine Menge Menschen Vollzeit tätig sind, für die der Mindestlohn nicht gilt?).



    Lucie wie alt sind eigentlich Deine Kinder ?


    4, 6 und 9 Jahre alt sind die "Kleinen" und die beiden "Großen", die mein Mann in unser buntes Patchwork mitgebracht hat, sind 24 und 26.
    Lucie

  • Sie verdienen auch im normalen Leben nicht mehr. Es ist wirklich schwierig, denn es gibt eben nicht so viele nette Chefs. Ich habe selbst einen Fall, sie wurde als Arbeitskraft voll ausgenutzt, weil sie sich auch dagegen nicht wehren konnte. Da musste die Mutter einen Stopp einlegen und jetzt ist sie, soweit ich weiß auch wieder in einer Behinderten Werkstatt. Obwohl die Mutter keine überbesorgte ist, aber es gibt eben nicht genug Arbeit und man nimmt behinderte Menschen eigentlich nur, wenn es dafür Geld gibt oder wenn man sie halt ausnutzen kann. Auch hier ist der Chef nicht ein völlig unbelasteter. Wäre er auch so verständig, wenn er nicht selbst ein behindertes Kind hätte? Bei uns haben sich schon Leute aufgeregt, nur weil wir mit einer Rollstuhlfahrerin auf der Tanzfläche waren.


    Ich hoffe ja auch, dass sich was bewegt, aber dann auch richtig, nicht auf Krampf. Ich denke, dafür brauchen wir auch ausreichend entsprechend ausgebildete Betreuer. Soweit ich von den Lehrern höre, haben sie noch nicht einmal genug Betreuer in den Schulen für die "normalen" Schüler.


  • Das Ziel der Eingliederung und des "normalen miteinanders" aller Menschen ist auf jeden Fall richtig... Ob die Inklusion der richtige Weg ist ist dann eine andere Frage.


    Da kann ich mich anschließen.
    Ob die Inklusion der richtige Weg ist, muss sich natürlich erst zeigen :-\ .
    Aber weil in meinem persönlichen Alltag Menschen mit Handicap ganz selbstverständlich vorkommen und ich auch in der Arbeitssituation bereits ein problemloses Miteinander kennengelernt habe, halte ich es für möglich, der derzeitigen Entwicklung, dass Menschen mit Beeinträchtigung immer "unsichtbarer" werden, entgegenzusteuern.
    (Genau wie im echten Leben tauchen deshalb auch in meinen Geschichten immer wieder Menschen mit Handicap auf, z.B. in Hämatom, Fliege machen, Das fünfte Foto).


    Den Gedanken, der hinter der Inklusion steht, nämlich Menschen mit Handicap nicht "unter sich" zu beschulen, finde ich deshalb gut. Denn das führt letztlich dazu, dass sie später auch "unter sich" arbeiten werden.


    Lucie

  • Liebe Lucie, Du hast ganz sicher recht, aber ich bin davon überzeugt, dass sich dann unser Schulsystem ändern müßte, damit man auch den anderen Kindern gerecht wird. Kleine Klassen sind die Mindestvoraussetzung und sehr gute Pädagogen. Die jetzige Lehrerausbildung hilft da nicht.

  • Ja, das unterschreibe ich komplett und dick unterstrichen Rhea ! :(
    Wobei die Lehrerausbildung das eine ist, aber das was Lehrer rein zeitlich (von allem anderen mal abgesehen !!) leisten können das andere ist !
    Wie soll es gehen "einfach mal zusätzlich" auch Kindern mit Handicap gerecht zu werden !?

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen