05 - Kapitel 71 bis 85 (Seite 275 bis 349)

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  • So, nachdem ich, wie die Hagetmauer, die Brandnacht erstmal habe setzen lassen, geht es weiter.


    Holla die Waldfee, die Nafarroaner trauen der ganzen Sache eindeutig nicht, wenn sie nun 140 Soldaren nach Hagetmau schicken wollen. So viele Sodaren haben mich dann doch überrascht. Ich muss gestehen, ich habe Escradins Aussage gar nicht in Zweifel gezogen, wenn Mardein nicht diesen Einwand vorgebracht hätte :-[ Dabei ist es in der momentanen Situation unabdingbar, über bewiesene Fakten zu verfügen. Ausgerechnet Clarde spricht aber für Escradin - bei ihr war ich mir nicht sicher, ob sie überhaupt noch mal auf die Beine kommt und wen sie dann schlussendlich für Raniens Tod verantwortlich macht. Aber der befürchtete Bruch ist ausgeblieben; ich habe es eigentlich schon gesehen, dass Baresin & Co. früher oder später Clarde auf die Seite schaffen, um diesen Risikofaktor auszuschalten.


    Dann war ich erleichtert, als Sinion zu Beginn dieses Abschnitts dafür ist, den Gryph zu behalten, sein Wort hat inzwischen ein ziemliches Gewicht. Es ist aber auch wirklich erstaunlich, wie flink sein Denken ist, wie schnell er die neue komplexe Situation durchdacht hat. Nur: je umfangreicher ein Unternehmen wird, umso wahrscheinlicher können sich Fehler einschleichen. Aber nachdem seine Strategien bisher von Erfolg gekrönt waren, genießt Sinion einen großen Vertrauensvorschuß. Aber ab und an frage ich mich schon, ob er sich darüber im Klaren ist, dass er nicht Figuren auf einem Schachbrett verschiebt, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die Wünsche und Sorgen haben sowie Familien und Freunde? Varlie ist das zwar bewusst, aber für Hagetmau heißt es jetzt: wir oder die, denn die 140 Soldaren kommen garantiert nicht in nur friedlicher Absicht. Und ich sehe auch wenig Chancen, dass die Hagetmauer, wenn sie den Kopf einziehen, ungeschoren davonkommen werden, denn irgendwer verplappert sich dann doch bzw. ist es unmöglich, sämtliche Spuren zu verwischen. Man sieht ja, an Fährtenleser hat bei den Hagetmauern keiner gedacht. Außerdem war es von dem Fremden sehr clever, ein Kind zu befragen.


    Die Möglichkeit, dass Hagetmau die Initialzündung für einen Flächenbrand zur Befreiung Akitanias sein könnte, kommt nun auch Sinion in den Sinn. Und erhält durch Escradins Beschreibungen der Situation in den anderen Dörfern weitere Nahrung. Und wieder ist es spannend, dem Kriegsrat bei seiner Diskussion zuzuhören, welche Pro- und Kontraargumente aufgeführt werden. Spannend auch deswegen, weil jeder Argumente vorbringt, bei denen ich zustimmend nicke, während dieser auch Argumente vorbringen kann, bei denen ich denke, das ist jetzt nicht dein Ernst.


    Wenn es Hagetmau gelingt, die 140 Soldaren zu schlagen, dann hat Sinions Plan Aussicht auf Erfolg, das sehe ich dann nicht mehr so pessimistisch wie bisher. Vor allem, wenn sich die Semanen auf ihre magischen Fähigkeiten besinnen. Und solange keiner der Hagetmauer etwas auf eigene Faust unternimmt, sondern wirklich wie bisher alle Meinungen angehört und respektiert werden.


    Die seltsame Stimmung, die am Morgen des Markttages herrscht, ist sehr gut eingefangen und als ich anfing, mich ebenfalls etwas zu entspannen, taucht der Fremde auf - an der Stelle bin ich regelrecht zusammengezuckt. Der Druck, unter dem Baresin dabei steht und der ihm Magenschmerzen verursacht, ist ebenfalls sehr eindrücklich beschrieben. Aber typisch, zuerst will er Tautun am liebsten von der Bildfläche verschwinden lassen, sobald es aber brenzlig wird und Baresin jemanden fürs Grobe brauchen könnte, wünscht er ihn sich wieder zurück. Tautun ist Hagetmaus Fluch und Segen zugleich.


    Apropos Tautun: nun erfahren wir also, warum er das Dorf und seine Bewohner so verachtet. Umso mehr überrascht es mich, dass er Rauthne tatsächlich aus der Ratshalle befreit hat und nicht den Moment der Rache ergriffen hat, ihr den Schädel einzuschlagen. Stattdessen hat er bei Mardein eher gezögert, ihn zu retten, der doch in seiner Erinnerung viel besser wegkommt. Woher kommt dieser Widerspruch? Und bleibt er wirklich nur deswegen im Dorf, weil er seine Bewohner immer wieder an ihre Schuld erinnern will oder ist es vielmehr, dass Tautun auch nicht ohne Hagetmau kann, auch wenn ihm dieser Gedanke äußerst zuwider ist? Ist das der Grund für seine regelmäßigen Besäufnisse und Prügeleien, bei denen sich der Frust über die eigene Feigheit, was das Dorf angeht, entlädt? Verständlich finde ich in jedem Fall, dass er keine Bindungen eingehen kann, dass er sich zurückzieht, wenn jemand wie Varlie ihm zu nahe kommt.


    Tautun will der Stachel im Fleisch von Hagetmau sein, daher ist es nachvollziehbar, dass er im Schwarzen Lamm mit dem Erschlagen der ersten beiden Soldaren dem Dorf richtig Ärger machen will. Aber warum hilft er ihnen jetzt noch? Wenn Hagetmau ihm dermaßen am A.... vorbei geht, wie er immer sagt (sorry für den drastischen Ausdruck, aber der passt meines Erachtens am besten), dann könnte er doch einfach verschwinden oder die Hände hinter dem Kopf Verschränken und die Anderen mal machen lassen. Macht ihm das Töten zu viel Spaß oder ist eben doch eine gewisse Loyalität bei ihm vorhanden, die ihm selber stinkt, wie schon oben beschrieben? Was ist, wenn er das selber bemerkt, kann man sich dann überhaupt noch auf ihn verlassen?


    Nachdem ich wusste, wie sich Rauthne damals Tautuns Familie gegenüber verhalten hat, hat mir mein Teufelchen bei ihren Bedenken, was ein Misserfolg für die das Dorf bedeuten könnte, eingeflüstert: jetzt bist du wieder so feige wie damals. Das Engelchen hielt dagegen: Rauthne trägt die Verantwortung für das ganze Dorf, daher muss sie unter Umständen Entscheidungen gegen einzelne Individuen treffen, um die Gemeinschaft zu schützen. Ehrlich gesagt, beneide ich sie darum nicht.

  • Hallo,


    ein interessantes Kapitel.


    Jetzt geht es erst einmal ans Aufräumen und ans fröhliche Leichensuchen. Der Gryph darf bleiben in einer nahen Hölle zusammen mit den Waffen. Und Leichen oder auch Rest finden ihre letzte Ruhe im nahen Moor.


    Also mich ergreift da das Grausen wenn ich an mögliche Überreste denke, besonders da wir ja genau Beschreibung haben wie Einzelne gestorben/getötet worden sind. Kein schönes Anblick!! Aber erst einmal eine Art Vogelstraußpolitik, wie mir scheint. Alles muss weg und gut ist es.


    So jetzt ist endlich Tautuns Geheimnis ans Tageslicht bekommen. Also das war doch eine miese Nummer von Rauthne oder?
    Wie kann man so im Alleingang handelt. Einem Kind so was an zu tun. Nein..nein...Gott sei Dank oder auch gerne dem Apfelgott und seinem Vertreter Mardein für das Einwirken auf Rauthne.


    Was muss Tautun in dieser 1 Woche Abschottung nur alles durchgemacht haben. Kein Wunder, dass er so einen Prass auf alle Dörfler hat.
    Die Byrgherin hat sich zwar sein Schweigen erkauft, aber durch seine Taten/Tun erinnert Tautuns nur zu gerne die Dörfler an ihre kollektive Schuld. Auf der anderen Seite zeigt Rauthne auch nach Jahren noch keine Einsicht/Vernunft oder Menschlichkeit. Denn sonst hätte sie dem Umtreiben des Tautun schon längst ein Ende gesetzt. Und wäre mit der Wahrheit herausgerückt.....


    Zumindest stellt sie jetzt eine wichtige Frage, ob sie das alles wirklich wollen? Eigentlich schon interessant für eine Frau, die gerne sonst Entscheidungen für alle trifft.


    Irgendwie steigern sich alle da in etwas hinein und es ist schon fast unheimlich wie sich plötzlich alle einig sind, dass das der einzige, mögliche Weg ist.


    Ein Krieg gegen 140 nafarroanische Soldaten....der totaler Krieg.


    Die Stimmung, die da aufkommt erinnert mich doch sehr an das 3.Reich , sorry


  • Die seltsame Stimmung, die am Morgen des Markttages herrscht, ist sehr gut eingefangen und als ich anfing, mich ebenfalls etwas zu entspannen, taucht der Fremde auf - an der Stelle bin ich regelrecht zusammengezuckt. Der Druck, unter dem Baresin dabei steht und der ihm Magenschmerzen verursacht, ist ebenfalls sehr eindrücklich beschrieben. Aber typisch, zuerst will er Tautun am liebsten von der Bildfläche verschwinden lassen, sobald es aber brenzlig wird und Baresin jemanden fürs Grobe brauchen könnte, wünscht er ihn sich wieder zurück. Tautun ist Hagetmaus Fluch und Segen zugleich.


    Die Ruhe vor dem Sturm würde ich mal sagen. Und so kommt der Fremde auch genau zur richtigen Zeit. Denn diese Mal will man ja alle Dorfbewohner miteinbeziehen. Und so bleibt auch jeder wachsam und bereit...denn der Sturm kommt...


    Baresin hat Lust an der Macht gefunden, aber er braucht einen Handlager für das Grobe und da ist Tautun genau der Richtige.
    Kleine Anmerkung noch zu Tautun von mir. Im Dorf Hagetmaus hat er sein Haus und sein Einkommen. Wieso sollte Tautun Hagetmaus jemals verlassen?


  • Alles muss weg und gut ist es.


    Aus dem Auge, aus dem Sinn - vielleicht spekuliert man darauf, aber das, was geschehen ist, kann man nicht mehr rückgängig machen.



    Die Byrgherin hat sich zwar sein Schweigen erkauft, aber durch seine Taten/Tun erinnert Tautuns nur zu gerne die Dörfler an ihre kollektive Schuld. Auf der anderen Seite zeigt Rauthne auch nach Jahren noch keine Einsicht/Vernunft oder Menschlichkeit. Denn sonst hätte sie dem Umtreiben des Tautun schon längst ein Ende gesetzt. Und wäre mit der Wahrheit herausgerückt.....


    Ich habe es so verstanden, dass das ganze Dorf, zumindest die Älteren, weiß, was damals mit Tautun und seiner Familie geschehen ist. Nur dem Nachwuchs hat man es nicht erzählt, wahrscheinlich ist es einem unangenehm und peinlich ::)



    Kleine Anmerkung noch zu Tautun von mir. Im Dorf Hagetmaus hat er sein Haus und sein Einkommen. Wieso sollte Tautun Hagetmaus jemals verlassen?


    Tautun lässt sich von Rauthne über die Jahre entschädigen, und das Geld nimmt er gerne an. Gleichzeitig hat er aber einen Hass auf das ganze Dorf (den ich verstehen kann) und lässt es die Dorfbewohner immer wieder spüren, damit sie ja nicht das Unrecht an seiner Familie vergessen. Das ist eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, wenn er dem Dorf irgendwann den Rücken zugedreht und sich woanders eine neue Zukunft aufgebaut hätte, ein Neuanfang, auf den er seine Energie hätte lenken können. Sein Leben in Hagetmau ist hat doch was Selbstzerstörerisches und er ist ja damit auch nicht zufrieden.


    Hier kann man übrigens wieder so schöne "Was wäre gewesen, wenn ..." Überlegungen anstellen: wenn Rauthne Mardein damals nicht verboten hätte, Tautuns Familie zu helfen, würden sich Hagetmau jetzt wahrscheinlich nicht für einen Krieg gegen 140 Soldaren rüsten.



    Die Stimmung, die da aufkommt erinnert mich doch sehr an das 3.Reich , sorry


    An das Dritte Reich erinnert mich die Stimmung bisher nicht, denn die Entscheidungen werden relativ demokratisch getroffen, es gibt einen regen Austausch, jeder darf seine Meinung kundtun. Außerdem gibt es kein Denunziantentum oder Ausrottung bestimmter Volksgruppen innerhalb des eigenen Volkes.


    Vielmehr ist das die wahrscheinlichste Reaktion auf eine Besatzung? Oder doch nicht? Wie werden Menschen am wahrscheinlichsten reagieren, wenn sie besetzt werden? Wird der Widerstand größer sein, je mehr sie von den Besatzern unterdrückt werden oder wenn ihnen mehr Freiheiten gelassen werden, wie das in Hagetmau durch Angaszin der Fall war?


    Das bringt mich zu einer Frage, die ich mir gerade in letzter Zeit wieder häufiger stelle: ist der Mensch als staatenbildendes Lebenwesen biologisch darauf programmiert, früher oder später Reviergrenzen zu setzen und diese zu verteidigen? Wie Ameisen und ähnliche Tiere? Können wir gar nicht anders als uns früher oder später die Köpfe einzuschlagen, nicht nur wegen Reviergrenzen oder Ressourcen, sondern, weil wir ja so hoch entwickelt sind, auch wegen Religionen und Ideologien?
    Kann man noch so oft argumentieren wie man will, dass wir unsere "Höherentwicklung" doch bitteschön dazu nützen sollen, um uns gerade über diese "tierischen" Merkmale hinwegzusetzen, wir aber schlußendlich doch nicht aus diesem biologischen Hamsterrad rauskönnen? Es wird genügend Menschen geben, die gar nicht aus dem Hamsterrad wollen, aus den vielfältigsten Gründen, aber diejenigen, die es hinter sich lassen wollen, wie erfolgversprechend ist das auf lange Sicht? Wie sieht es aus, wenn der Druck immer größer wird, wie z.B. jetzt auf Hagetmau?


    Wenn ich das Weltgeschehen so sehe, denke ich, wir kommen aus diesem Hamsterrad niemals raus :'(

  • Am Anfang des Abschnittes ging es bei mir im Vergleich zu allem davor etwas langsamer voran, was aber vielleicht auch ganz gut ist, um wieder etwas runterzukommen.. schließlich werden Vorkehrungen für die Zukunft getroffen und Ranien wird beerdigt.


    Nach einer kurzen Verschnaufspause, geht's aber dann auch schon wieder etwas flotter weiter. Nachdem nun Hagetmau die letzten Tage sein eigenes Süppchen gekocht hat, kommen nun Dörfler von Außerhalb auf den Monatsmarkt und auch ein naffaroanischer Kundschafter. Ich frage mich, ob der einfach aus Routine vorbeigeschaut hat, oder wegen der Tatsache, dass man bisher von den Hagetmauer Naffaroanern nichts gehört hatte?!
    Als dann dieses arme kleine Kind bei dem Gryph-Bild genickt hat, habe ich mir gedacht jetzt ist alles aus, gerade Kinder sind mit ihrer Handlung schwer einzuschätzen oder zu kontrollieren, was auch hier wieder offensichtlich wurde. "Nicht von Soldaren zu sprechen. Den Gryph hatte man dabei jedoch vergessen zu erwähnen." ..und so schnell kann's gehen. Aber wenn 30 ausgebildete Soldaten verschwinden, ist es ganz klar, dass das auffällt!
    Was ich tatsächlich erstaunlich gefunden habe, ist dass der Naffaroaner den Brandvorgang erkannt hat, sind die Naffaroaner in der Hinsicht ausgebildet?


    Nachdem dann der erste Coup so gut geklappt hat, stecken die aber natürlich auch 140 Soldaren weg :boxen: Allerdings muss ich auch sagen, dass ihnen inzwischen auch echt nichts anderes übrig bleibt.
    Ich bin gespannt wie das Ganze dann umgesetzt wird.


    ..und Tautuns mysteriöse Vergangenheit wird auch noch aufgedeckt. Nun muss ich sagen, dass ich mit sowas nicht gerechnet hätte. Da sieht man mal, dass Menschen Fehlentscheidungen machen, was mir für Tautun und seine Eltern leid tut und damit erklärt warum Tautun ist, wie er ist. Trotzdem rechtfertigt das meiner Meinung nach sein Verhalten nicht.. und wie bitte: er hasst Varlie nicht ganz so sehr? Und die fällt ihm dann auch noch um den Hals??


  • [...] ich habe es eigentlich schon gesehen, dass Baresin & Co. früher oder später Clarde auf die Seite schaffen, um diesen Risikofaktor auszuschalten.


    Da hast du Recht, damit habe ich auch schon gerechnet, nachdem sie sie ja eh schon einmal eingeschläfert hatten..



    Apropos Tautun: nun erfahren wir also, warum er das Dorf und seine Bewohner so verachtet. Umso mehr überrascht es mich, dass er Rauthne tatsächlich aus der Ratshalle befreit hat und nicht den Moment der Rache ergriffen hat, ihr den Schädel einzuschlagen. Stattdessen hat er bei Mardein eher gezögert, ihn zu retten, der doch in seiner Erinnerung viel besser wegkommt. Woher kommt dieser Widerspruch? Und bleibt er wirklich nur deswegen im Dorf, weil er seine Bewohner immer wieder an ihre Schuld erinnern will oder ist es vielmehr, dass Tautun auch nicht ohne Hagetmau kann, auch wenn ihm dieser Gedanke äußerst zuwider ist?
    Tautun will der Stachel im Fleisch von Hagetmau sein, daher ist es nachvollziehbar, dass er im Schwarzen Lamm mit dem Erschlagen der ersten beiden Soldaren dem Dorf richtig Ärger machen will. Aber warum hilft er ihnen jetzt noch? Wenn Hagetmau ihm dermaßen am A.... vorbei geht, wie er immer sagt (sorry für den drastischen Ausdruck, aber der passt meines Erachtens am besten), dann könnte er doch einfach verschwinden oder die Hände hinter dem Kopf Verschränken und die Anderen mal machen lassen. Macht ihm das Töten zu viel Spaß oder ist eben doch eine gewisse Loyalität bei ihm vorhanden, die ihm selber stinkt, wie schon oben beschrieben? Was ist, wenn er das selber bemerkt, kann man sich dann überhaupt noch auf ihn verlassen?


    Bei Tautun blicke ich schon lange nicht mehr durch..


    So jetzt ist endlich Tautuns Geheimnis ans Tageslicht bekommen. Also das war doch eine miese Nummer von Rauthne oder?
    Wie kann man so im Alleingang handelt. Einem Kind so was an zu tun. Nein..nein...Gott sei Dank oder auch gerne dem Apfelgott und seinem Vertreter Mardein für das Einwirken auf Rauthne.


    Also ich glaube nicht, dass Rauthne im Alleingang gehandelt hat, schließlich wussten ja auch Varlies Eltern davon, das hat jeder gewusst, in einem Dorf spricht sich sowas auch sicher rum. Jeder hat's gewusst, jeder hatte Angst und Tautuns Eltern deswegen zur Quarantäne verdonnert und nachdem der Fehler in der Logik aufging, haben's auch alle totgeschwiegen. Dieses Dorf hat einen Teil seiner Unschuld schon viel früher verloren und nicht erst in der Brandnacht!



    Irgendwie steigern sich alle da in etwas hinein und es ist schon fast unheimlich wie sich plötzlich alle einig sind, dass das der einzige, mögliche Weg ist.


    Was würde ihnen sonst für eine Alternative bleiben?

  • Die Ruhe vor dem Sturm würde ich mal sagen. Und so kommt der Fremde auch genau zur richtigen Zeit. Denn diese Mal will man ja alle Dorfbewohner miteinbeziehen. Und so bleibt auch jeder wachsam und bereit...denn der Sturm kommt...


    Baresin hat Lust an der Macht gefunden, aber er braucht einen Handlager für das Grobe und da ist Tautun genau der Richtige.
    Kleine Anmerkung noch zu Tautun von mir. Im Dorf Hagetmaus hat er sein Haus und sein Einkommen. Wieso sollte Tautun Hagetmaus jemals verlassen?


    Ja was hat der eigentlich für ein Einkommen, ich hab nicht das Gefühl, dass der außer trinken und pöbeln, viel macht??


    Noch kurz zu Baresin: einfach lächerlich wie er sich bei der Schlacht drückt und eine Position auf den Dächern will, um dort "besser koordinieren" zu können. Dieser Jammerlappen :aaa:


    Das bringt mich zu einer Frage, die ich mir gerade in letzter Zeit wieder häufiger stelle: ist der Mensch als staatenbildendes Lebenwesen biologisch darauf programmiert, früher oder später Reviergrenzen zu setzen und diese zu verteidigen? Wie Ameisen und ähnliche Tiere? Können wir gar nicht anders als uns früher oder später die Köpfe einzuschlagen, nicht nur wegen Reviergrenzen oder Ressourcen, sondern, weil wir ja so hoch entwickelt sind, auch wegen Religionen und Ideologien?
    Kann man noch so oft argumentieren wie man will, dass wir unsere "Höherentwicklung" doch bitteschön dazu nützen sollen, um uns gerade über diese "tierischen" Merkmale hinwegzusetzen, wir aber schlußendlich doch nicht aus diesem biologischen Hamsterrad rauskönnen? Es wird genügend Menschen geben, die gar nicht aus dem Hamsterrad wollen, aus den vielfältigsten Gründen, aber diejenigen, die es hinter sich lassen wollen, wie erfolgversprechend ist das auf lange Sicht? Wie sieht es aus, wenn der Druck immer größer wird, wie z.B. jetzt auf Hagetmau?


    Wenn ich das Weltgeschehen so sehe, denke ich, wir kommen aus diesem Hamsterrad niemals raus :'(


    Das ist ein sehr interessanter Gedanke den du da ausführst und ich kann dir damit nur voll zustimmen!


  • An das Dritte Reich erinnert mich die Stimmung bisher nicht, denn die Entscheidungen werden relativ demokratisch getroffen, es gibt einen regen Austausch, jeder darf seine Meinung kundtun.


    Hm, der Clan um Baresin fällt hier eigentlich letztendlich die Entscheidung und man verkündet "dem restlichen Volk" in blühenden Farben...was passieren wird wenn die 140 Soldaten kommen. Und so macht man die Massen heiß auf einen Krieg. Außerdem hatte wir ja auch schon dieses Einschwörungsaktion auf dem Marktplatz siehe Seite 268 erleben dürfen.


    Wo man den Massen genau sagt, was sie denken und wie sie antworten sollen......
    Und so empfinde ich die Stimmungsmache schon ähnlich wie im 3. Reich. ....zumal sie ja wohl auch keine Gefangenen machen möchte also die Zeichen auf Ausrottung der Soldaten stehen.


  • Also ich glaube nicht, dass Rauthne im Alleingang gehandelt hat, schließlich wussten ja auch Varlies Eltern davon, das hat jeder gewusst, in einem Dorf spricht sich sowas auch sicher rum. Jeder hat's gewusst, jeder hatte Angst und Tautuns Eltern deswegen zur Quarantäne verdonnert und nachdem der Fehler in der Logik aufging, haben's auch alle totgeschwiegen. Dieses Dorf hat einen Teil seiner Unschuld schon viel früher verloren und nicht erst in der Brandnacht!


    So weit ich mich erinnern kann, hat Rauthne da als Führerin wirklich im Alleingang gehandelt...nur auf zuraten und durch das Einwirken des Mardein...ist Tautuns dann endlich nach einer Woche befreit worden.


    Das mit der Unschuld des Dorfes gefällt mir...das trifft es wirklich :)


  • Zu meinen Hamsterradüberlegungen:
    Tobias, wie bist u eigentlich genau auf dieses Thema gekommen? Gab es einen speziellen Auslöser dafür?


    Ich bin in West-Berlin aufgewachsen, das nach dem Zweiten Weltkrieg in drei alliierte Sektoren unterteilt war. Im französischen Sektor habe ich meine Grundschulzeit verbracht, danach lebte ich (bis heute, aber die Sektoren existieren jetzt nicht mehr) im amerikanischen Sektor. Obwohl diese "Besatzungen" nicht nur friedlich/freundschaftlich, sondern vor allem auch historisch gerechtfertigt waren, hat man sie dennoch kontinuierlich als Seltsamkeit wahrnehmen können. Und dann gab es ja noch den unheimlich wirkenden sowjetischen Sektor hinter der Mauer. Ich würde sagen: Berlin schärfte das Bewusstsein für Besatzungsproblematiken.
    Später habe ich dann immer wieder weiterführend darüber nachgedacht. Wie funktioniert das eigentlich? Die Deutschen okkupieren Frankreich und marschieren dann ein paar Jahre dort als Herren herum, bis sie mit blutiger Nase vertrieben werden und man ihnen den Prozess macht. Oder auch Kolonien und ihre Konflikte. Die Briten in Indien. Der chinesische Boxeraufstand. Die Hereros im früheren Deutschsüdwestafrika. Vieles davon wurde erst einmal niedergeschlagen. Aber fallen nicht letzten Endes sämtliche Gebiete wieder an ihre ursprünglichen Besitzer zurück? Was für unbezwingbare Kräfte sind da am Werke? Und sind diese Kräfte immer "hehr" und "gerecht", oder können sie nicht auch in Vergeltungsfeldzüge und Siegerjustiz umschlagen?
    Das sogenannte "Dritte Reich" niederzuringen war sicherlich richtig und gerecht. Aber heute sehe ich ehrlich gesagt nirgends auf unserem Globus so etwas wie einen "gerechten Krieg". Ich sehe nur lauter hässliche Scharmützel um Öl, Religionen und Einflussbereiche. Die Menschen sind schnell bei der Hand, Bomben abzuwerfen oder sich selbst in die Luft zu sprengen oder Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, anstatt nach konstruktiven Lösungen zu suchen, die möglicherweise Verzicht und Einschränkungen mit sich bringen würden.
    Aber ich will der Handlung von "Sieben Heere" nicht zu weit vorgreifen...


    :plapper:
    Tobias


  • Ich bin in West-Berlin aufgewachsen, das nach dem Zweiten Weltkrieg in drei alliierte Sektoren unterteilt war. Im französischen Sektor habe ich meine Grundschulzeit verbracht, danach lebte ich (bis heute, aber die Sektoren existieren jetzt nicht mehr) im amerikanischen Sektor. Obwohl diese "Besatzungen" nicht nur friedlich/freundschaftlich, sondern vor allem auch historisch gerechtfertigt waren, hat man sie dennoch kontinuierlich als Seltsamkeit wahrnehmen können. Und dann gab es ja noch den unheimlich wirkenden sowjetischen Sektor hinter der Mauer. Ich würde sagen: Berlin schärfte das Bewusstsein für Besatzungsproblematiken.


    Hm, darauf hätten wir, als Leser eigentlich auch mit etwas Nachdenken kommen können ;).


    Aber ich denke, hier spielt es wirklich eine Rolle wo man aufwächst und welch ein Betroffenheitsgrad solch eine Situation annimmt. Ich für meinen Teil wohne weit weg von Berlin. Aber ich denke, so umgeben von Mauern und einer andere Lebensweise/Staatsform stelle ich mir schon schwierig.


    Kriege machen nie Sinn, höchstens um die Wirtschaft an zu kurbeln. Denn alles zerstörte muss da auch irgendwann wieder aufgebaut werden.


  • Was ich tatsächlich erstaunlich gefunden habe, ist dass der Naffaroaner den Brandvorgang erkannt hat, sind die Naffaroaner in der Hinsicht ausgebildet?


    Ich bin kurz erschrocken, dass er sich so gut auskennt,, das ist doch noch mal was anderes als die Dorfbewohner.



    Ja was hat der eigentlich für ein Einkommen, ich hab nicht das Gefühl, dass der außer trinken und pöbeln, viel macht??


    Gute Frage, der ganze Alkohol kostet doch auch eine ganze Stange Geld. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nur von dem lebt, was ihm Rauthne zusteckt, oder?



    Noch kurz zu Baresin: einfach lächerlich wie er sich bei der Schlacht drückt und eine Position auf den Dächern will, um dort "besser koordinieren" zu können. Dieser Jammerlappen :aaa:


    Das war wirklich typisch Baresin - während Sinion ohne mit der Wimper zu zucken eine Eingreiftruppe übernimmt. Ich habe das leichte Gefühl, die beiden tauschen allmählich ihre Rollen, was die Unsicherheit angeht.


    Tobias:
    Danke für deine ausführliche Antwort, dann ist das Buch bzw. die Trilogie das Ergebnis langjähriger Überlegungen und Erfahrungen.


  • Gute Frage, der ganze Alkohol kostet doch auch eine ganze Stange Geld. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nur von dem lebt, was ihm Rauthne zusteckt, oder?


    Ich glaube, er kommt ganz gut zurecht. Zumal Tautuns sonst keine größeren Laster außerdem Alkohol hat. Keine Hobbys, keine schneller Auto, auch ist er kein Freund von Karten oder Würfelnspielen, wo man möglicherweise Schulden machen kann.


    Eine einfach, gestrickte Seele...die nur gerne mal einen über den Durst trinkt und dann gewalttätig wird.


    Saufen und Prügel und den Frauen nachstellen so stellte ich mir sein Leben vor.

  • So langsam sammelt sich das Dorf und versucht, die Ereignisse zu verarbeiten. Die Ratshalle soll neu aufgebaut werden und auch der angekündigte Markt wird organisiert. Alles fängt etwas schleppend an, doch so langsam nimmt alles Fahrt auf und die anderen Bewohner aus den benachbarten Dörfern sind verwundert, warum in Hagetmau keine Soldaren sind. Mitten bei dem Markt kommt ein Kundschafter - beschaut die Brandstelle der Halle, sucht im Stall und stellt Fragen nach dem Gryphen - ein Kind verplappert sich und auch die Frage nach der verbrannten Leiche, welche angeblich dem Feuer zum Opfer fiel, fällt..Baresin bemerkt, dass sein Plan nicht ganz so perfekt ist, wie zuerst angenommen - es gibt viele kleine Schwachstellen..
    und nach dem Markt erfährt Hagetmau durch den Weinverkäufer Escradin, dass Hagetmau von vielen Soldaren (140) belagert werden soll - Nafarroa ist schon ganz schon misstrauisch, wenn sie solch eine Macht gegen ein Dorf einsetzen wollen. Ich fand die Diskussion im Wirtshaus echt interessant - wie das für und wider besprochen wurde, wie man sich nun verhalten soll. Und irgendwer hat es richtig angeführt - ich glaube es war Varlie - diese Soldaren hatten Angehörige, sei es Frau, Kinder oder Freunde, die nach dessen Verbleib fragen - und solche offenene Fragen wollen beantwortet werden. Da kann man nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. In dieser Nacht wurde der Stein ins Rollen gebracht und kann nun nicht mehr aufgehalten werden. Überrascht war ich über das Eingreifen von Clarde. Ich hätte nicht vermutet, dass sie sich wieder aufrafft und war doch etwas skeptisch. Wie sie Escradin verteidigt und sich eigentlich für einen Krieg ausspricht. Will sie nur, dass der Tod ihres Sohnes nicht sinnlos war oder steckt da mehr dahinter? Ich habe so ein bisschen meine Zweifel, kann aber nicht genau festmachen, woran das liegt.
    Auch erfahren wir nun etwas über die Vergangenheit bzw. die Kindheit von Tautun. Was ihm das Dorf angetan hat - echt grausam. :tststs: Das der arme Kleine mit seinen verwesenden Eltern in dem Haus ausharren musste und wie ein Tier behandelt wurde..und Rauthne scheint auch ein schlechtes Gewissen zu haben..Wer weiß, was passiert wäre, wenn Mardein nicht eingegriffen hätte..Aber auch ich frage mich, warum er nicht alle Zelte abbricht und nicht sein Glück in der Ferne ergreift - vielleicht als Sodar ;) Aber so ist es natürlich viel bequemer..auch wenn der Hass ihn innerlich zerfrisst..
    Sinion wird auch immer Selbstsicherer - er stottert kaum noch..Er scheint in seiner Aufgabe aufzugehen - aber ob er auch mögliche Konsequenzen überblicken kann? Ob er die Folgen auch richtig versteht - dass es sich hier um Menschenleben - vielleicht einen Krieg zwischen den Reichen handelt ???
    Ob die Idee des Dorfes Hagetmau aufgeht? Ein bisschen Größenwahnsinn steckt aber auch dahinter - ein Dorf gegen den Rest der Welt..naja, nicht ganz ;)


  • und auch ein naffaroanischer Kundschafter. Ich frage mich, ob der einfach aus Routine vorbeigeschaut hat, oder wegen der Tatsache, dass man bisher von den Hagetmauer Naffaroanern nichts gehört hatte?!


    Ich bin mir nicht mehr sicher, welchen Tag wir inzwischen haben, aber hätte Angaszin am Tag nach seinem Tod nicht eigentlich bei dem Generar eintreffen müssen, um Bericht zu erstatten? Da war doch irgendwas. Und wenn er dort nicht aufgetaucht ist, wird das Fragen aufwerfen, denn er wollte mit dem Gryphen dorthin fliegen, meine ich. Daher denke ich nicht, dass das ein Routinebesuch war, sondern er gezielt nach dem Capitar und seinen Soldaren Ausschau halten sollte.

  • Ich bin mir nicht mehr sicher, welchen Tag wir inzwischen haben, aber hätte Angaszin am Tag nach seinem Tod nicht eigentlich bei dem Generar eintreffen müssen, um Bericht zu erstatten? Da war doch irgendwas. Und wenn er dort nicht aufgetaucht ist, wird das Fragen aufwerfen, denn er wollte mit dem Gryphen dorthin fliegen, meine ich. Daher denke ich nicht, dass das ein Routinebesuch war, sondern er gezielt nach dem Capitar und seinen Soldaren Ausschau halten sollte.


    Ich denke, der Capitar und seine Soldaren waren überfällig, deshalb kam der Mann vorbei.

  • Ich habe den Abschnitt schon eine Weile gelesen, nur bisher nicht so viel Ruhe zum Schreiben gehabt. Dabei will ich doch endlich das Ende wissen!


    Puh, was für ein gruseliger Anblick die im Sumpf verschwindenden Leichen waren. Ein grausiges Bild irgendwie. :o Die werden wohl kaum wieder auftauchen, denke ich. Aber ein bisschen mache ich mir Gedanken um die versteckten Waffen und zwar wegen der Erwähnung, dass eine Steinplatte doch sicherer wäre, als die verwendete Holzplatte. So eine Erwähnung muss doch einen Grund haben... ;)


    140 Soldaren sollen nun also kommen. Na, das ist dann doch eine größere Sache als die 30 bisher besiegten. Ich kann mir ja gar nicht vorstellen, wie sie die alle unschädlich machen wollen. Auch mit Überraschungseffekt muss das schnell gehen, damit die Menge an Soldaren sich nicht gescheit sammeln und zurückschlagen kann. Sie sind immer noch viel kampferprobter und besser ausgerüstet als die Dörfler, so dass ein einzelner Soldar im Normalfall (wenn er nicht gerade schläft oder einzeln überrascht wird) mehr "zählt" als ein Dörfler, würde ich sagen, und somit die Überzahl im richtigen Kampf nicht mehr "nur" 140 sind vom Verhältnis der Kampfkraft her.



    Es ist aber auch wirklich erstaunlich, wie flink sein Denken ist, wie schnell er die neue komplexe Situation durchdacht hat. Nur: je umfangreicher ein Unternehmen wird, umso wahrscheinlicher können sich Fehler einschleichen. Aber nachdem seine Strategien bisher von Erfolg gekrönt waren, genießt Sinion einen großen Vertrauensvorschuß. Aber ab und an frage ich mich schon, ob er sich darüber im Klaren ist, dass er nicht Figuren auf einem Schachbrett verschiebt, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die Wünsche und Sorgen haben sowie Familien und Freunde? Varlie ist das zwar bewusst, aber für Hagetmau heißt es jetzt: wir oder die, denn die 140 Soldaren kommen garantiert nicht in nur friedlicher Absicht. Und ich sehe auch wenig Chancen, dass die Hagetmauer, wenn sie den Kopf einziehen, ungeschoren davonkommen werden, denn irgendwer verplappert sich dann doch bzw. ist es unmöglich, sämtliche Spuren zu verwischen. Man sieht ja, an Fährtenleser hat bei den Hagetmauern keiner gedacht. Außerdem war es von dem Fremden sehr clever, ein Kind zu befragen.


    Ja, Sinions Überlegungen sind wirklich ganz gut durchdacht und schnell. Es stimmt, dass die anderen Dörfer geschwächt sind und man diesen Zustand nutzen könnte, aber das ist erst "nachher" . Vorher müssen erst mal die 140 Soldaren besiegt werden. Ich hatte hier auch teilweise das Gefühl, dass Sinion dermaßen in seinem Element ist und Theorien entwirft, als würde er ein Spielbrett vor sich haben und Figuren hin und her schieben. Dieses Bild hatte ich auch. Und es ist eben auch Theorie, neben der so vieles schief gehen kann oder sich anders entwickeln könnte, als geplant und was dann? Und Fehler oder unvorhersehbare Dinge passieren ja tatsächlich trotzdem, so dass das Ganze auf sehr wackeligen Füßen steht.


    Doch obwohl ich dieses Gefühl beim Lesen hatte, hat mich der Plan andererseits auch wieder überzeugt, denn die Alternative ist eben auch nicht besser. Sie scheinen wirklich keine andere Wahl mehr zu haben und dabei ist dann dieser Plan wenigstens ein Plan. Ich werde immer wieder, auch jetzt noch, hin und her geworfen, was ich nun für gut und richtig halten soll und was nicht. Teilweise hatte ich beim Lesen schon selbst das Gefühl bekommen, als Bewohner des Dorfes am liebsten die Decke über mich ziehen zu wollen in der Hoffnung, dass dann alles Übel verschwindet. ;D



    Und wieder ist es spannend, dem Kriegsrat bei seiner Diskussion zuzuhören, welche Pro- und Kontraargumente aufgeführt werden. Spannend auch deswegen, weil jeder Argumente vorbringt, bei denen ich zustimmend nicke, während dieser auch Argumente vorbringen kann, bei denen ich denke, das ist jetzt nicht dein Ernst.


    Ja, diese Diskussionen sind echt spannend zu lesen. Manchmal mag ich solche Kriegsratsgespräche nicht so gern, weil sie manchmal "ausbremsen" und je nachdem wie ausufernd sie sind auch mal Längen entstehen lasse. Aber hier finde ich das total interessant zu lesen, was so geplant und diskutiert wird.



    Die seltsame Stimmung, die am Morgen des Markttages herrscht, ist sehr gut eingefangen und als ich anfing, mich ebenfalls etwas zu entspannen, taucht der Fremde auf - an der Stelle bin ich regelrecht zusammengezuckt. Der Druck, unter dem Baresin dabei steht und der ihm Magenschmerzen verursacht, ist ebenfalls sehr eindrücklich beschrieben. Aber typisch, zuerst will er Tautun am liebsten von der Bildfläche verschwinden lassen, sobald es aber brenzlig wird und Baresin jemanden fürs Grobe brauchen könnte, wünscht er ihn sich wieder zurück. Tautun ist Hagetmaus Fluch und Segen zugleich.


    Vor dem Markttag hatte ich etwas Angst. Ich kann mir einfach schwer vorstellen, dass es wirklich alle schaffen sollten, sich nicht zu verplappern, wenn neugierige Fragen kommen. Gerade auch, wenn Alkohol getrunken wird oder die Zeit vergeht und damit der Druck wächst. Auch wurde ihnen vorher allen von Baresin so oft eingeschärft, sich nicht zu verplappern, dass ich dachte, jetzt wird es erst recht passieren. Zum Glück war der gefährliche kurze Moment mit Tautun dann sogar der eher ungefährlichere, weil der Kundschafter einfach ein Kind befragte. Sehr clever. Da wusste wohl jemand, dass kleinere Kinder oft geradeheraus die Wahrheit sagen.


    Als Baresin sich Tautun herbeiwünschte, weil es mal wieder brenzlig wurde, hat er sich genau so verhalten, wie ich mir das gedacht habe. Auf der einen Seite verurteilen, aber nach ihm schreien, wenn man selbst sich die Hände nicht schmutzig machen will. ::)



    Apropos Tautun: nun erfahren wir also, warum er das Dorf und seine Bewohner so verachtet. Umso mehr überrascht es mich, dass er Rauthne tatsächlich aus der Ratshalle befreit hat und nicht den Moment der Rache ergriffen hat, ihr den Schädel einzuschlagen. Stattdessen hat er bei Mardein eher gezögert, ihn zu retten, der doch in seiner Erinnerung viel besser wegkommt. Woher kommt dieser Widerspruch? Und bleibt er wirklich nur deswegen im Dorf, weil er seine Bewohner immer wieder an ihre Schuld erinnern will oder ist es vielmehr, dass Tautun auch nicht ohne Hagetmau kann, auch wenn ihm dieser Gedanke äußerst zuwider ist? Ist das der Grund für seine regelmäßigen Besäufnisse und Prügeleien, bei denen sich der Frust über die eigene Feigheit, was das Dorf angeht, entlädt? Verständlich finde ich in jedem Fall, dass er keine Bindungen eingehen kann, dass er sich zurückzieht, wenn jemand wie Varlie ihm zu nahe kommt.


    Ja, nun verstehe ich Tautuns Verhalten einerseits auch besser - aber andererseits auch wieder gerade nicht. Denn mit dem Wissen über die Sache mit den Eltern wundert es mich jetzt auch, dass er Rauthne gerettet hat. Hat er doch zu viel anerzogenen Respekt oder Angst vor ihrer Autorität, als er selbst zugeben kann und deshalb Skrupel, selbst Hand an sie zu legen trotz der Vorfälle? Ist das vielleicht auch einer der Gründe für sein aggressives Verhalten, dass er es Rauthne all die Jahre gerne heimgezahlt hätte, aber diesen Schritt einfach nicht schafft? Und sich darüber über sich selbst ärgert und daher nicht vom Dorf "wegkommt", weil er darauf wartet, es doch irgendwann zu schaffen, sich an ihr zu rächen? So brutal wie er mit den Soldaren umgehen konnte, wundert es schon ein bisschen, dass er diese Brutalität nicht gegen seine eigenen und persönlichen "Feinde" vorbringen kann. Die Soldaren sind als fremde Feinde offensichtlich einfacher zu töten als von Kindheit an "bekannte Feinde"


    Jetzt bin ich aber mal sehr gespannt, wie es weitergeht ...