04 - Kapitel 45 bis 70 (Seite 203 bis 274)

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  • Diese Zuspitzung bei Kapitel 50 liegt ziemlich genau in der Mitte des Buches.
    Tautun erschlägt um ein Haar die Byrgherin, sprich: das alte Hagetmau.
    Das fasst symbolisch vieles zusammen.


    Hm, aber Tautun steckt ja auch noch in seiner Vergangenheit fest....siehe Deinen Aussage mit seiner Vergangenheit und der Verbindung zum Dorfleben. Ich denke deshalb so ganz und das Ergebnis die Byrgherin lebt noch zeigt..das alte Hagetmau bekommt man nicht so leicht tot/mundtot.



  • Ich glaube, immer noch das es auch für Tautuns Tuen immer noch einen Grund gibt. Keiner mag grundlos für andere die Drecksarbeit sprich hier auf Töten/Morden oder wie man es sonst formulieren möchte gerne freiwillig übernehmen.


    Etwas muss ihn doch dazu antreiben oder? Ich finde auch nicht, dass das eine Heldengeschichte ist. Wenn sind es tragische bzw. traurige denn das Töten und Morden wird nicht enden.....


    Dem muss ich zustimmen, der Begriff "Held" ist auch nix was ich mit Tautun verbinden würde.

  • starone und sara: Ich habe ja nicht davon gesprochen, dass Tautun ein Held ist, einem ANTIhelden entspricht er seiner Vorgehensweise wohl eher.
    Und ich finde NICHTS rechtertigt diese Kaltblütigkeit Tautuns; der ist emotional so veranlagt; kein Deut von Einfühlungsvermögen oder sozialen Kompetenzen; einfach nur EGO und nicht sehr Mensch! :orogontorogon:


  • starone und sara: Ich habe ja nicht davon gesprochen, dass Tautun ein Held ist, einem ANTIhelden entspricht er seiner Vorgehensweise wohl eher.
    Und ich finde NICHTS rechtertigt diese Kaltblütigkeit Tautuns; der ist emotional so veranlagt; kein Deut von Einfühlungsvermögen oder sozialen Kompetenzen; einfach nur EGO und nicht sehr Mensch! :orogontorogon:


    @Magnhor....mir gefällt bei deinen Ausführen einfach nicht die Bezeichnung... typischen Protagonisten wie wir ihn aus zig 0815 Heldengeschichten kennen...


    Und deshalb wäre es ja auch interessant zu erfahren, wieso "Tautuns Emotional " so handelt? Was ist in seiner Jugend möglicherweise falsch gelaufen. Von nichts, kommt doch nichts oder?

  • uff


    Ich habe mich ehrlich gesagt schon gefragt wie sie das wirklich schaffen. Das Feuer kam ihnen grade recht.


    Die Stimmung kippt tatsächlich. Die Dorfbewohner verspielen ihre Sympathien bei den Lesern.
    Ohne ihr Handeln entschuldigen zu wollen möchte ich aber nochmal betonen, dass sie einfach besetzt wurden. Dass man sich da wehrt finde ich gar nicht abwegig.


    Besonders gut hat mir die Beschreibung von Demtris Tod gefallen (S.224).


    Ich glaube kaum dass irgendjemand sonst einen Tod als "besonders vielfältig" beschreiben würde.
    Für mich ist das eher ein positiv besetzter Ausdruck - hier wird er aber für etwas sehr negatives benutzt.


    Ich gehe stark davon aus, dass die Unruhen die von Hagetmau ausgehen sich ausbreiten werden... Das geheimzuhalten erscheint mir nicht möglich.




    Daran musste ich auch schon öfters denken :D


    Oh ja ich musste da auch sehr oft dran denken. ;D


    Diese Zuspitzung bei Kapitel 50 liegt ziemlich genau in der Mitte des Buches.
    Tautun erschlägt um ein Haar die Byrgherin, sprich: das alte Hagetmau.
    Das fasst symbolisch vieles zusammen.


    :kochen:
    Tobias


    So eine Zuspitzung ist doch ein typisches Merkmal eines Dramas :) da wären wir dann wieder bei der Tragödie und so.

  • Hallo ihr Lieben,


    endlich habe ich mal Zeit zu diesem Abschnitt zu posten. :-[ Da gibt es ja einiges zum Nachlesen. ;D
    Ich beschränke mich auf das Wesentliche, denn ihr habt ja sicher schon alles ausführlich diskutiert und von mir wird da wahrscheinlich nichts Neues kommen. ;)


    Der Kampf geht weiter und das Glück ist auf Seiten der Hagelmauer. Das Zünglein an der Waage ist jedoch Marien. Es wird deutlich wie mächtig er ist.


    Für Rauthne ist es schwer zu begreifen, was aus ihrem Dorf wurde. Sie ist fassungslos. Nicht wird jemals wieder so sein wie zuvor.


    Was mich in diesem Abschnitt jedoch beschäftigt hat, ist das Gefühl, dass mich das Geschehen zwar erschreckt, aber nicht gepackt hat. Ich fühlte mich als Außenstehende, die sich keiner Partei zugehörig fühlt. Mit den Hagelmauern habe ich auch nicht mitgefiebert.
    Vielleicht lag es daran, weil Tobias mir so bewusst gemacht hat, dass die Soldaren ganz normale Männer sind, auf die Zuhause meist eine Familie wartet. Sie haben die Dorfbewohner nicht schlecht behandelt und einfach nur ihren Dienst verrichtet.
    Es gab für mich keine eindeutigen Guten oder Bösen. Das machte für mich das Morden umso schlimmer.


    Jetzt schaue ich mir mal an, was ihr so geschrieben habt.


    LG, Aurian

  • Ich finde es gut, dass Tobias hier keine Einteilung in Die Guten und Die Bösen für uns Leser vorgibt. Und so definiert sich auch die Rolle, der Soldaten ganz neu und anderster als man es sonst aus Romanen so kennt.


    Jeder Leser kann für sich selber entscheiden und mitfiebert.

  • Mal ein paar markante Stellen:
    S. 235:
    Das Feuer erinnerte Tautun an ein anderes aus seiner Kindheit, das er ebenfalls nicht gelegt hatte, aber das in seinem Inneren niemals aufgehört hatte zu brennen.


    Da bin ich gespannt, was das für ein Feuer war. Ist auch da jemand darin umgekommen? Warum wird betont, dass Tautun es nicht gelegt hatte? Wird ihm das vorgeworfen?


    S. 247:
    Hier hat Rauthne genau die Gedanken, die ich zu einem früheren Abschnitt schon angesprochen hatte: Ob sich für die einfachen Leute überhaupt viel durch die nafarroanische Besatzung geändert hätte und ob nun nicht alles erst durch den Widerstand der Dorfbewohner sich zum Schlechten wendet.


    S. 250:
    Die ganzen Gerüchte die die Dorfbewohner sich erzählen entwickeln schnell ein Eigenleben. Selbst nach Baresins "Brandrede" halte ich es für ausgeschlossen, dass alle Dorfbewohner dichthalten werden und können. Irgendein Gerücht wird immer durchkommen.


    S. 264:
    Auch das von Baresin aufgestellte Märchen, dass Ranien beim löschen des Brandes umgekommen sei, wird - denke ich - nie und nimmer Bestand haben. Diese Version wird Clarde niemals als offizielle Lesart akzeptieren, in ihrer Verzweiflung und Trauer.


    S. 266:
    Damit haben wir schon gerechnet, Nendlèce wird sich wohl nicht damit abfinden, dass der Gryph auch getötet werden soll. Das wird sicher noch für Zündstoff sorgen. Nendlèce wird jetzt sicher auch wieder eine größere Rolle spielen, im letzten Abschnitt war sie ja nur Randfigur.


    Allgemein ist mir Baresin als aalglatter Opportunist unsympathisch. Ja, er führt die Dorfbewohner und somit den Widerstand an. Aber ich denke, wenn nur ein paar Dinge anders gelaufen wären, würde er sich vermutlich den Nafarroanern andienen und dort seine Vorteile suchen und sein Fähnchen in den Wind hängen.


    Tobias : Den Soldaren soll ja im Wald Unaussprechliches widerfahren sein - eine Hommage an Lovecraft?


    Ach ja, als kleiner Kritikpunkt: Dass Tautun es auch weiterhin geschafft hat, fast alle seine Gegner ohne große Mühen und Verletzungen zu überwältigen wollte mir nicht so recht schmecken. Ein bisschen mehr Schwierigkeiten hätte ich schon erwartet. Tautun ist zwar kräftig und entschlossen, aber schließlich kein Übermensch.

  • Bauernkomödie? Nein, da stimme ich nimue zu: Eher Bauerntragödie!


    Ich glaube, dass im Bauerntheater Komödien gespielt werden ist auch eine relativ neue Sache. Mein Opa hat in den 50ern auch Bauerntheater gespielt, aber damals waren das ernste Stücke, keine Komödien.


    Was mich nur wundert: Hatte der Semane zu seiner Zeit, als er diese Hyäne explodieren ließ, nicht Brandwunden an seinen Händen gehabt? Nun kommt er nur mit Rauchvergiftung da raus, obwohl auch er sich in gewaltiger Hitze befunden hatte?


    Auf S. 257 fragt Rauthne "Du kannst durch Feuer nicht verletzt werden?" Mardein antwortet: "Nur, wenn ich Abelion erzürnt habe".


    Vielleicht hatte er, als er die Hyäne getötet hat Abelion erzürnt. Aber ob das so war und ob Abelion sich tatsächlich nur als Gott der Akitanier(äpfel) sieht und auch er die Nafarroaner als feindlich ansieht weiß ich nicht.


  • Für Rauthne ist es schwer zu begreifen, was aus ihrem Dorf wurde. Sie ist fassungslos. Nicht wird jemals wieder so sein wie zuvor.


    Ich denke, das ist es, was sie meint als sie sagt, man habe ihr ihr Dorf genommen. Natürlich ist das Dorf noch da und genaugenommen liegt das Dorf nun sogar wieder in den Händen der Hagetmauer selbst, aber das friedliche, verschlafene Dorf, so wie sie es kannte, wurde durch eine Flutwelle aus Blut und Gewalt hinweggeschwemmt.


  • Tobias : Den Soldaren soll ja im Wald Unaussprechliches widerfahren sein - eine Hommage an Lovecraft?


    Keine bewusste Anspielung, aber da ich Lovecraft sehr schätze, unterlaufen mir wahrscheinlich ab und zu "Lovecraftismen"... :angst:



    Ach ja, als kleiner Kritikpunkt: Dass Tautun es auch weiterhin geschafft hat, fast alle seine Gegner ohne große Mühen und Verletzungen zu überwältigen wollte mir nicht so recht schmecken. Ein bisschen mehr Schwierigkeiten hätte ich schon erwartet. Tautun ist zwar kräftig und entschlossen, aber schließlich kein Übermensch.


    Hierbei gibt es zwei entscheidende Faktoren:
    Erstens: Die Nafarroaner unterschätzen ihn alle. Da kommt eben ein Akitanier auf sie zu, was soll's? Wir sind doch die Siegermacht, die Akitanier sind wie genügsame Schafe für uns.
    Zweitens: Selbst in der Ratshalle hat er es immer nur mit sehr wenigen Gegnern gleichzeitig zu tun, so dass er jedesmal die Überraschung ausnützen kann, besser kämpfen zu können, als sie ihm das zutrauen. Ansonsten ist er tatsächlich kein Übermensch, lediglich der beste Kämpfer seines Dorfes. Die Soldaren wiederum sind sicherlich nicht alle die besten Kämpfer ihres Dorfes gewesen, sondern eher darin ausgebildet worden, im Team zu funktionieren. Das bringt hier dann aber plötzlich gar nichts mehr. (Das ist der Grund, weshalb entschlossene Guerillas oder Partisanen einem Truppenverband oftmals sehr zusetzen und diesen auch schlagen können.)


    :boxen:
    Tobias

  • In diesem Zusammenhang fällt mir noch etwas ein:
    Die Nafarroaner gehen ja offensichtlich nach dem Prinzip "Divide et impera -Teile und herrsche" vor, das heißt, sie teilen Akitania in Sektoren und Bezirke auf und machen aus einem großen Land lauter auf sich selbst zurückgeworfene Hagetmaus, die verhältnismäßig einfach zu kontrollieren sind. Anfangs scheint das auch gut zu funktionieren.
    Aber es ist ironischerweise genau dieselbe Strategie, die Tautun gegen sie anwendet. Er teilt die dreißig Mann in lauter kleine Minigrüppchen auf und besiegt sie eine nach der anderen.
    Diese Taktik ist ihm aber nicht selbst eingefallen - dazu wäre er gar nicht in der Lage -, sondern sie wurde ihm aufgrund der akkuraten Wachtpostenverteilungsstruktur des Capitars sozusagen in die Hände gespielt.
    So verkehrt sich die Präzision der Besatzer plötzlich zu einem Instrument ihrer eigenen Bedrängnis.


    :boahnee:
    Tobias


  • Das ist ja raffiniert 8) Das wäre mir jetzt gar nicht so aufgefallen, muss ich gestehen :-[


  • Ich finde es gut, dass Tobias hier keine Einteilung in Die Guten und Die Bösen für uns Leser vorgibt. Und so definiert sich auch die Rolle, der Soldaten ganz neu und anderster als man es sonst aus Romanen so kennt.


    Mir gefällt das auch gut, weil sonst wirklich gerne Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. Allerdings fiel es mir persönlich schwer mit den Hagelmauern mitzufiebern, weil mir auch die Soldaren nicht unsympathisch waren.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen