1. Abschnitt: bis Seite 76, Ende Kapitel 13

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  • Ja, ich denke, das trifft es recht gut. Und ich weiß nicht, was ich erschreckender finde: wenn viele AutorInnen das bewusst oder unbewusst in ihren Büchern so anlegen ;)


    Auf jeden Fall ist mir hier die Umkehrung (die ja nach deinen Erklärungen hier auch ganz bewusst ist) sofort und positiv aufgefallen.


    In der Regel überlese ich diese Anreden auch oft, sodass ich erst spät merke, achja, da war doch was, aber "Lopez" wirkte auch auf mich irgendwie professioneller, da sie ja wirklich eine großen Eifer an den Tag legt, auch während ihrer Ausbildung schon, deshalb passt es auch besser so, denke ich.

  • Ja, allerdings ;D Aber solange es nicht zu überzogen ist, kann dieses Klischee ruhig noch ein bisschen ausgeschlachtet werden ;D


    Ermittler und warum sie keine glücklichen Menschen sein dürfen ... Interessante Überlegung. Auf der einen Seite ist ein Thriller oder Kriminalroman Genre, d.h. er spielt sich meistens innerhalb bestimmter Grenzen ab. Aber natürlich wird es gerade dann interessant, wenn mit diesen Grenzen gespielt wird, wenn sie verschoben oder missachtet werden. Das Ermittler-Klischee ist ein Teil davon.


    Denise Mina hat zum Bespiel mit Alex Morrow eine Figur geschaffen, die ein relativ "normales Familienleben" hat. Sie ist Mutter von Zwillingen und Detective bei der Polizei. Ihr Mann kümmert sich hauptsächlich um die Kinder. Aber das persönliche "Drama", die Abgründe der Figuren haben auch immer etwas mit der Haltung des Autors zu der Welt, in der wir leben, zu tun. Wie verhalten sich die Figuren zur Welt? Ist ihnen Glück beschieden oder nicht? Leben wir in einer guten, beschaulichen Welt oder nicht? An dieser Stelle strahlen die Figuren über ihre Rollen hinaus in die übergeordnete Struktur des Romans.


    Zitat repariert/JanaBabsi

  • Klar gibt es solche und solche. Die Bücher von Denise Mina kenne ich zwar nicht, aber ganz sicher sind mir auch schon Ermittler mit "normalem" Familienleben begegnet. Aber der Großteil hat doch irgendwie zerrüttete Familienverhältnisse und/oder sonstige persönliche Probleme. Vor allem die Skandinavier ;D


    Ich frag mich immer, wie das in der Realität wohl ist? Ich glaube, ich hätte bei so einem Job auch einen Knacks. Und dass ein Berufsalltag wie der eines Kripobeamten nicht immer so leicht mit Familie unter einen Hut zu bringen ist, glaube ich auch. Da muss die Partnerschaft schon sehr stabil sein. Grundsätzlich denke ich, dass Lopez mit Bernhard einen wunderbaren Partner hat und das auch weiß. Aber durch die Umstände mit ihrem Sohn (die wir noch nicht näher kennen und verstehen), hat sie eben auch massive Probleme.


    Bei Viktor haben wir ja schon etwas mehr über seine schwierige Jugend erfahren, insgesamt scheint er sich dank Mila ja aber gefangen zu haben - und nun diese Krankheit. Das ist ein fieses Schicksal (oder eine fiese Autorin ;) )


  • Klar gibt es solche und solche. Die Bücher von Denise Mina kenne ich zwar nicht, aber ganz sicher sind mir auch schon Ermittler mit "normalem" Familienleben begegnet. Aber der Großteil hat doch irgendwie zerrüttete Familienverhältnisse und/oder sonstige persönliche Probleme. Vor allem die Skandinavier ;D


    Ich frag mich immer, wie das in der Realität wohl ist? Ich glaube, ich hätte bei so einem Job auch einen Knacks. Und dass ein Berufsalltag wie der eines Kripobeamten nicht immer so leicht mit Familie unter einen Hut zu bringen ist, glaube ich auch. Da muss die Partnerschaft schon sehr stabil sein. Grundsätzlich denke ich, dass Lopez mit Bernhard einen wunderbaren Partner hat und das auch weiß. Aber durch die Umstände mit ihrem Sohn (die wir noch nicht näher kennen und verstehen), hat sie eben auch massive Probleme.


    Bei Viktor haben wir ja schon etwas mehr über seine schwierige Jugend erfahren, insgesamt scheint er sich dank Mila ja aber gefangen zu haben - und nun diese Krankheit. Das ist ein fieses Schicksal (oder eine fiese Autorin ;) )


    Ein paar Polizisten kenne ich. Wie du schon feststelltest: Da gibt es solche und solche. Verheiratete, geschiedene, mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Burnout, mit Leidenschaft für's Schießen oder den Kirchenchor. Normale Schicksale und tragische. Bleibt die etwas ketzerische Frage: Wollen wir tatsächlich einen Kriminalroman über das beschauliche, friedliche und erfüllte Leben eines Polizisten lesen?


    Danke für die "fiese Autorin". Mit diesem Attribut fühle ich mich sehr verstanden. ;D


  • Bleibt die etwas ketzerische Frage: Wollen wir tatsächlich einen Kriminalroman über das beschauliche, friedliche und erfüllte Leben eines Polizisten lesen?


    Wohl nicht - da würden wir dann meckern, dass es langweilig wäre. ;)


    Zitat

    Danke für die "fiese Autorin". Mit diesem Attribut fühle ich mich sehr verstanden. ;D


    Sehr schön ;D

  • Ach, bei Alex Morrow funktioniert das ja auch mit dem beschaulichen Leben und die Bücher von Denise Mina mit ihr sind trotzdem spannend. Aber ich versteh schon, was ihr meint. So ein ganz normaler Ermittler wäre auf die Dauer wohl meistens langweilig. Und ich finde es auch gar nicht schlecht, wenn die Ermittler die eine oder andere Kante haben. Es gibt eben ganz unterschiedliche Menschen und gerade in dem Beruf gehören ein paar zusätzlche Kerben irgendwie sowieso dazu. Mir wird es nur zuviel, wenn dem Ermittler in jedem Band einer Reihe was schreckliches widerfährt - das finde ich dann eher unglaubwürdig.



    Zu diesen Zusammenhängen kann ich momentan noch nicht mal spekulieren, das ist alles sehr rätselhaft. Es wäre aber schon ein ziemlicher Zufall, wenn Lopez durch einen "normalen" Mordfall auf einmal auf die Spur der Entführer ihres eigenen Sohnes kommen würde, oder? Ich lass mich mal überraschen!


    Ja, sehr rätselhaft. Vielleicht hat mein Gehirn hier auch was verbunden, was gar nicht da ist. Ich war in dem Abschnitt nur so verwirrt, dass ich verzweifelt versucht habe, Zusammenhänge herzustellen. Aber es wäre schon ein irrsinniger Zufall, wenn das wirklich so wäre. Mal sehen, wie es weitergeht. Ich kann schon mal verraten: im zweiten Abschnitt bin ich nicht mehr verwirrt. :-)


  • Mir wird es nur zuviel, wenn dem Ermittler in jedem Band einer Reihe was schreckliches widerfährt - das finde ich dann eher unglaubwürdig.


    Verstehe ich. Manchmal gibt es jedoch furchtbare Dinge, die dem Ermittler widerfahren und sie wirken (immer wieder) absolut glaubwürdig, weil die Geschichte einfach in sich funktioniert, weil sie einen unwiderstehlichen Zauber ausübt. Beispiel: Martin Cruz Smith mit der Arkadi Renko Reihe. Manche Romane, Thriller wollen auch gar nicht naturalistisch sein.



    Ich kann schon mal verraten: im zweiten Abschnitt bin ich nicht mehr verwirrt. :-)


    Fein. :) Ich habe mich anfangs absichtlich nicht die Diskussion eingemischt, als viele Rätsel offen waren. Aber die Fäden werden sich entwirren, nach und nach.


  • Klar gibt es solche und solche. Die Bücher von Denise Mina kenne ich zwar nicht, aber ganz sicher sind mir auch schon Ermittler mit "normalem" Familienleben begegnet. Aber der Großteil hat doch irgendwie zerrüttete Familienverhältnisse und/oder sonstige persönliche Probleme. Vor allem die Skandinavier ;D


    Mit dem zerrütteten Leben des Ermittlers hat doch Mankell angefangen oder? Und dann haben es alle "nachgemacht", weil es so erfolgreich war! Am Anfang der Mankell-Reihe war der Kontakt zu seiner Tochter doch grottig schlecht. Ich bin froh, dass sich das im Laufe der Reihe geändert hat, schön, so eine Entwicklung "zu beobachten". Vielleicht hat Katja das ja auch vor, wer weiß!? ;)

    Ein Raum ohne Buch ist wie ein Körper ohne Seele!

  • Verstehe ich. Manchmal gibt es jedoch furchtbare Dinge, die dem Ermittler widerfahren und sie wirken (immer wieder) absolut glaubwürdig, weil die Geschichte einfach in sich funktioniert, weil sie einen unwiderstehlichen Zauber ausübt. Beispiel: Martin Cruz Smith mit der Arkadi Renko Reihe. Manche Romane, Thriller wollen auch gar nicht naturalistisch sein.


    Hier muss ich jetzt passen - Martin Cruz Smith habe ich bisher noch nicht gelesen. Aber Du hast natürlich recht - es kann auch funktionieren. Es muss halt letztendlich stimmig sein. Und vor allem sollte es nicht jeder machen und einfach eine Vielfalt herrschen. Wenn alle "kaputte" Ermittler in ihre Bücher einbauen, dann wird auch das letztendlich langweilig werden.


  • Hier muss ich jetzt passen - Martin Cruz Smith habe ich bisher noch nicht gelesen. Aber Du hast natürlich recht - es kann auch funktionieren. Es muss halt letztendlich stimmig sein. Und vor allem sollte es nicht jeder machen und einfach eine Vielfalt herrschen. Wenn alle "kaputte" Ermittler in ihre Bücher einbauen, dann wird auch das letztendlich langweilig werden.


    Einverstanden. Gern möchte ich Martin Cruz Smith jedoch empfehlen. Nicht nur wegen seines "kaputten" Ermittlers, der eher ein Poet unter den Polizisten ist, sondern weil der Autor ein hervorragender Stilist ist, seinen "Figurenpark" hegt und spannende Themen atmosphärisch dich verpackt.

  • Viktor und Lopez sind mir sehr sympathisch, obwohl ich sehr überrascht über ihre Sperrigkeit. Viktor, dieser Schrank von einem Mensch, der mit seiner Krankheit nun so verletzlich ist... Ehrlicherweise stelle ich es mir sehr schwierig vor, mit Epilepsie in diesem Beruf weiter zu arbeiten. Dabei meine ich nun nicht, dass Viktor kein Auto mehr fahren sollte, sondern gefährliche Situationen, in denen er möglicherweise von seiner Schusswaffe Gebrauch machen muss. Gilt Viktor nun als berufsunfähig? Wobei ich mir vorstellen könnte, dass er im Innendienst sicherlich einen Job angeboten bekommt - aber ist das etwas für einen solchen Kerl?


    Lopez ist mir noch ein Rätsel. Einerseits führt sie ein gewöhnliches Leben - mit Mann und Tochter in einer schicken Wohnung, andererseits hat sie fast schon etwas autistisches. Sie kapselt sich von ihrer Umwelt ab, taucht immer wieder kurz ab. Hier würde mich interessieren, was mit ihr geschehen ist. Sie bleibt ja schon in der Polizeischule für sich - aber was ist mit ihrem Sohn gewesen und warum hat sie in ihrer eigenen Wohnung auf Viktor geschossen? War dieser Vorfall auch der Grund für Viktors heutige Epilepsie? Und weshalb reagiert Lopez so ungewöhnlich, als sie Viktor von ihrer Schwangerschaft erzählt?


    Die verschiedenen Handlungsebenen sind mir momentan noch ein Rätsel. Ein bisschen wirkt es wie ein Puzzle, dessen Teile auf dem Tisch verstreut sind und darauf warten, zusammengefügt zu werden. Immerhin die "Teile" Tonja Kusmin und der schwer verletzte Foma Lazzarev fügen sich: sie rettet dem seltsamen Kerl vor dem Klub ganz offensichtlich das Leben. Während sie das Leben bzw. der Tod ihrer Mutter nicht interessiert...


    Dann frage ich mich, ob Lew Petrow und Oleg möglicherweise ein und dieselbe Person sind. Immerhin wissen wir, dass Lew Petrow nicht in Wahrheit Lew Petrow heißt. Okay, das ist ziemlich dünn, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieser Oleg weder Neureicher ist noch aus einer angesehenen und betuchten russischen Familie stammt... Eher der Chef einer mafiösen Struktur, der sich die schönste Frau geangelt hat und mit ihr an Nachwuchs kommen wollte. 200.000 Euro, hm, das klingt weniger nach künstlicher Befruchtung. Ob sie ein Kind "kaufen" wollen? Doch wozu dann diese Karte, die er seiner Frau Tatjana im Phantom zeigt?
    Momentan spekuliere ich wild, aber vielleicht ist ja etwas mächtig schief gelaufen und Oleg ist dann nach Deutschland gegangen, verdient sein Geld mit illegalen Schiebereien ins verhasste Russland? Doch was bringt er in sein Heimatland, in dem er sich so gut auskennt, dass er eventuelle Verfolger locker abhängen könnte? Drogen? Frauen?
    Noch habe ich nicht die geringste Ahnung - aber ich mag diese prägnante Sprache und diese häufigen Perspektivwechsel, auch wenn ich sie teilweise nicht einmal einordnen kann.


    Liebe Grüße
    dubh


  • Mit dieser Legitimation ihrer Beziehung ist doch sicher ein Kind gemeint, und wenn ich es richtig verstanden habe, wollen sie eins adoptieren.
    Erledigt das vielleicht dieser Petrow? Deshalb auch die Szene auf dem Spielplatz?


    Eine sehr gute Idee! Darauf bin ich gar nicht gekommen, weil ich irgendwie nach den anderen Ichs des Lew Petrow gesucht habe und in Oleg eine mögliche andere Rolle bzw. das frühere Ich Petrows vermutet habe.
    Kapitel 11 startet mit dem Satz Ungefähr acht Jahre zuvorwar sich Tatjana Sukova durchaus bewusst, dass sie spät dran war. Aber auch wenn das Geschehen zurückliegt, könnte es natürlich sehr gut sein, dass Lew Petrow derjenige ist, an den sich Oleg und Tatjana gewendet haben, um sich ihren Wunsch nach Kindern zu "erfüllen"... Die Spielplatzszene könnte sich somit natürlich auch ins Bild fügen... :o


  • Lopez ist mir noch ein Rätsel. Einerseits führt sie ein gewöhnliches Leben - mit Mann und Tochter in einer schicken Wohnung, andererseits hat sie fast schon etwas autistisches.


    Das hab ich die ganze Zeit gesucht und nicht gefunden - sie hat etwas autistisches. Stimmt.


  • Sensible erste Eindrücke. Gefallen mir gut. Schön, dass du jetzt in der Runde mitmischst.


  • Lopez ist mir noch ein Rätsel. Einerseits führt sie ein gewöhnliches Leben - mit Mann und Tochter in einer schicken Wohnung, andererseits hat sie fast schon etwas autistisches. Sie kapselt sich von ihrer Umwelt ab, taucht immer wieder kurz ab. Hier würde mich interessieren, was mit ihr geschehen ist. Sie bleibt ja schon in der Polizeischule für sich - aber was ist mit ihrem Sohn gewesen und warum hat sie in ihrer eigenen Wohnung auf Viktor geschossen? War dieser Vorfall auch der Grund für Viktors heutige Epilepsie? Und weshalb reagiert Lopez so ungewöhnlich, als sie Viktor von ihrer Schwangerschaft erzählt?


    Es gibt wirklich Menschen, die so sind. Ich erinnere mich da zu gut an meinen Ex-Freund, der war auch sehr introvertiert, ist aber trotzdem mit uns als Clique unterwegs gewesen und in der Zeit auch etwas aufgetaut. Autistisch würde ich das aber nicht nennen.

    Ein Raum ohne Buch ist wie ein Körper ohne Seele!

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen