Die Insel

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  • Mir scheint, dass der Vater sehr ruhelos ist und immer auf der Suche nach etwas, das er selbst nicht so recht benennen kann, wenn er auf ihre Frage, was ihn an ihrer Insel stört mit "einfach alles" antwortet. Bezeichnend finde ich, dass er sieben Jahre später die gleiche Antwort auf ihre Frage gibt, was er in der Welt außerhalb ihrer Insel gefunden hat. Warum kann er nicht konkreter werden? Will oder kann er nicht zugeben, dass er vllt. nicht das gefunden hat, was er sich erhofft hat? Weiß er überhaupt selbst, was er konkret sucht? Oder hält ihn sein schlechtes Gewissen ihr gegenüber zurück, weil er sie damals hintergangen hat?




    Dass er ihr aus dem Weg geht, als er wieder da ist, ist für mich sehr klar. Er kann ihr nicht davon vorschwärmen, wie schön sein Leben geworden ist, denn das ist es nicht und was ihn treibt kann sie nicht verstehen. Sicher will er auch nicht Rede und Antwort stehen für sein Verhalten, weil er es ihr nicht erklären kann. Und schließlich will er sicher auch vermeiden alte Wunden wieder aufzureißen. Vielleicht hat er sogar gehofft, dass sie ihn nicht mehr liebt.
    Dass sie ihn nicht darauf anspricht und dem Konflikt in der Situation ausweicht ist einfach ihr Wunsch nicht alles zu zerstören, damit es eine Hoffnung gibt. Sie wollte diese Hoffnung. Mich macht sie unendlich traurig.


    Auch das sind ganz wichtige Punkte, die da mit reinspielen. Es gibt kein besseres, kein schlechteres Leben. Trotzdem hat jeder Angst, sich eine Blöße zu geben. Er will weder schwärmen noch klagen, sie gar nicht wissen, was sie vielleicht versäumt oder was ihn vielleicht enttäuscht hat. Deshalb fragt sie auch nicht mehr nach seiner Hand. Und deshalb bleiben meine Dialoge auch ein klein wenig konstruiert. Wie gesagt, ich wollte, dass keiner von beiden als "Gewinner" der Geschichte dasteht oder den "falschen" Lebensweg einschlug. Sie haben sich eine Weile geliebt, das allein zählt für ihr Verhältnis heute -- gleichzeitig ist es heute nicht mehr das Wichtigste oder Einzige in ihrem Leben, und das zählt auch. Für mich entspringt die Traurigkeit der Geschichte vielleicht vor allem hieraus: dass sie der Erwartung, die wir als Leser an romantische Geschichten stellen (dass es den "Einen", die "Eine" gegeben hätte) eine Absage erteilt.


  • Es gibt also kein klassisches Happy-End, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass sie mit ihrem Leben zufrieden ist. Mit dieser Liebe hat es nicht geklappt, wie es eben manchmal so ist. Aber sie hat ihre Freunde, ihre Familie, die von ihr so geliebten Vögel und diese Insel, auf der es auch wunderbare Tage gibt. Später zeigt sich ja auch, dass er recht hatte - nach allem, was sie darüber in Erfahrung bringen konnte, wäre sie mit ihrer Entscheidung nicht glücklich geworden.


    Volle Zustimmung :)


  • Für mich entspringt die Traurigkeit der Geschichte vielleicht vor allem hieraus: dass sie der Erwartung, die wir als Leser an romantische Geschichten stellen (dass es den "Einen", die "Eine" gegeben hätte) eine Absage erteilt.


    Ich selbst hatte nicht diese Intension. Ich glaube bei mir ist es einfach der Verlust für das Kind, einen Vater zu haben und für den Vater, die Chance sein Kind kennenzulernen. Solche verpassten Chancen sind für mich schon immer traurig gewesen.


  • Es gibt kein besseres, kein schlechteres Leben. Trotzdem hat jeder Angst, sich eine Blöße zu geben. Er will weder schwärmen noch klagen, sie gar nicht wissen, was sie vielleicht versäumt oder was ihn vielleicht enttäuscht hat.


    Und wieder kann man hier schön seine Gedanken auf die Reise nach dem "Was wäre gewesen, wenn ..." schicken.


  • Sie haben sich eine Weile geliebt, das allein zählt für ihr Verhältnis heute -- gleichzeitig ist es heute nicht mehr das Wichtigste oder Einzige in ihrem Leben, und das zählt auch. Für mich entspringt die Traurigkeit der Geschichte vielleicht vor allem hieraus: dass sie der Erwartung, die wir als Leser an romantische Geschichten stellen (dass es den "Einen", die "Eine" gegeben hätte) eine Absage erteilt.


    So habe ich die Geschichte auch wahrgenommen und finde es einerseits zwar traurig, andererseits aber auch schön, dass beide trotzdem ihr Leben gelebt haben.

  • Schöne Geschichte!
    Ich muss ja auch mal allgemein deinen Stil und deine Wortwahl loben. Leider ist es gar nicht so selbstverständlich für heutige Autoren auf die Mittel so viel Wert zu legen. Kommt es doch so oft nur auf die Übermittlung des Inhaltes an - selbst bei den grossen Namen. Bei dir fühle ich mich immer auch äusserlich befriedigt.


    Ich hab jetzt die vorherigen Beiträge noch nach nicht gelesen.
    Mein Eindruck:
    Eine Liebesgeschichte die auf den ersten Blick vielleicht tragisch erscheint und am Ende kein Happyend bietet.
    Doch beim näheren Nachdenken meine ich dass im Endeffekt alles den Umständen entsprechend gut war. Könnte mir denken dass "sie" da draussen gar nicht glücklich geworden wäre und damit auch ihre grosse Liebe zerbrochen wäre. So konnte sie sich immer wieder ausmalen was hätte sein können. Irgendwie ist die Verletzung dadurch weniger gross.
    Schlimmer finde ich es da,dass das Kind seinem Vater nach steigen muss, der entweder willentlich oder aber auch unwissentlich seine Vaterpflichten nicht zu erfüllen scheint.
    "Er" scheint mir ein echter Tunichtgut zu sein, der für sich lügt, um seine Ziele zu erreichen und dadurch andere verletzt. Meiner Meinung nach kein Verlust für sie. Aber sie scheint ja danach keine weitere Liebe gefunden zu haben. Lebenslang Fischernetze flicken. *seufz* Aber trotzdem ist sie wohl nicht verbittert und genießt ihre Insel.


    Also - hat mir sehr gut gefallen. Auch der allgemeine Gedanke an eine nicht kartografierte Insel. Spannend!

    Greetz,<br />Weratundrina<br /><br />...alll I ever wanted, all I ever needed - is here in my arms... DM

  • Danke für das Lob! Wie gesagt, ich finde, gerade in kurze Texte muss man besonders viel Arbeit stecken, sonst sind sie nur das: kurze Texte.



    Eine Liebesgeschichte die auf den ersten Blick vielleicht tragisch erscheint und am Ende kein Happyend bietet.
    Doch beim näheren Nachdenken meine ich dass im Endeffekt alles den Umständen entsprechend gut war. Könnte mir denken dass "sie" da draussen gar nicht glücklich geworden wäre und damit auch ihre grosse Liebe zerbrochen wäre. So konnte sie sich immer wieder ausmalen was hätte sein können. Irgendwie ist die Verletzung dadurch weniger gross.


    Genau so war das auch gedacht. Freut mich, dass es bei Dir so ankam!

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen