Die kreisende Schwärze

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  • Eine sehr unheimliche und gruselige SF-Geschichte, schon die Beschreibung von Caell-Arynoah (ich schreibe das mal so, weil ich das Sonderzeichen nicht finde) mit dem Transit des Weißen Zwerges und dem Schwarzen Loch fand ich ziemlich unheimlich, wie alle 4 Stunden nur für ganz kurze Zeit die Sterne zu sehen sind. In dem Zusammenhang finde ich folgenden Satz wunderschön: "Dann hob sich die Schwärze hinweg, und die matte weiße Sonne nahm dem Himmel seinen Zorn und seine Schönheit." Wenn man stundenlange Nächte hat, nimmt man den Sternenhimmel als gegeben hin, aber wie muss das sein, wenn er wirklich nur so kurz zu sehen ist.


    Das Labyrinth ist ebenfalls unheimlich und faszinierend: einerseits weckt es die Neugierde, wohin man über die Portale gelangen kann, andererseits ist es erschreckend, dass man sich vollkommen verirren kann (die Gefahr bei einem Labyrinth) und dann womöglich für immer verloren ist. Und das Wissen über das Labyrinth geht immer mehr verloren, dadurch wird es zu einer immer größeren Gefahr. Meiner Meinung nach überwiegt diese Gefahr allmählich den Vorteil des Labyrinths, schnell von einem interstellaren Ort zum anderen zu kommen. Zu welcher Gattung die Konstrukteure damals wohl gehörten? Gibt es keine Möglichkeit, das Labyrinth quasi zu dokumentieren und zu kartieren? Nur dann könnten die Gefahren minimaler gehalten werden.


    Dann habe ich mich gefragt, zu welcher Spezies der Senator gehört? Wer ist hier Mensch und wer nicht - ob überhaupt? Wollte das Paar Graaf das Labyrinth benutzen, ohne über das genaue Wissen zu verfügen und sie hat sich darin verloren? Grausam, dass sie immer dann, wenn das es wenige Sekunden Nacht wird, kurz auf der Welt erscheint, weil dann kurz das Portal geschlossen wird. Senator Graaf ist meiner Meinung nach über den Verlust seiner Frau wahnsinnig geworden, dass er bereit ist, Reisende zu töten, in der Hoffnung, damit die Seele seiner Frau wieder befreien zu können. Könnte das denn überhaupt jemals funktionieren? Ich tendiere eher dazu, dass das nicht klappen kann. Man hätte den Senator in Gewahrsam nehmen können, aber er hätte sicherlich nicht aufgegeben, alles daran zu setzen, seine Frau zurückzuholen. Ihn zu töten, war vielleicht eine Befreiung für ihn. Und auch für die Frau war es dann eine Erlösung.


    Wurde denn auch die Pyramide zerstört, wenn bei ihr die Energie vermutet wurde, die das Portal speiste? Nur der Tod der Frau konnte doch eigentlich nicht zum Kollaps des Portals führen, oder? Waren es damals wirklich die Konstrukteure, die die Pyramide erbaut haben? Es liegt nahe, denn sie sind ja auch für die Portale und das Labyrinth verantwortlich gewesen. Die Pyramide besteht aus Kristall, was mich an den Kristallpalast denken lässt, der ebenfalls ein Portal zu den Sternen darstellte. War der Kristallpalast vielleicht auch ein Knotenpunkt dieses Labyrinths? Wie gesagt, ich kenne das Buch noch nicht, daher spekuliere ich einfach mal ins Blaue rein.


    Eines fällt mir gerade noch ein: wenn die Frau des Senators vor dem Portal erscheint, sieht sie ihren Mann entsetzt an. Nicht hoffnungsvoll, dass er sie vielleicht zurückholen könnte, sondern entsetzt. Warum? Weil sie die vielen Gebeine und die Tötungsmaschine sieht und damit, was er angerichtet hat?

  • Bei mir hat diese Geschichte nicht so gut funktioniert, glaube ich. Zumindest fand ich sie jetzt nicht so gruselig und konnte das Entsetzen der Bergungsmannschaft nicht in diesem Ausmaße nachvollziehen. Gut, der Senator ist anscheinend durchgedreht und ermordet Reisende. Und ja, die Geschichte seiner Frau ist tragisch, aber sonst? Vielleicht bin ich da mittlerweile auch einfach zu abgehärtet...


    Bei den Portalen musste ich natürlich sofort an StarGate denken. Allein schon, weil das Prinzip dasselbe ist. Tore, verteilt in der ganzen Galaxien von irgendeinem alten Volk, das es nicht mehr gibt, und durch die man, wenn man weiß wie, zwischen den Planeten reisen kann. Als dann noch die Pyramide und der Sarkophag dazukamen, waren die Parallelen noch deutlicher.
    Und bei dem "die Tore wechseln manchmal die Richtung" hatte ich die Treppen von Hogwarts vor Augen ;D



    Dann habe ich mich gefragt, zu welcher Spezies der Senator gehört? Wer ist hier Mensch und wer nicht - ob überhaupt?


    Da hat mich die Geheimniskrämerei ehrlich gesagt etwas gestört. Wissen die denn nicht, zu welcher Spezies er gehört? Das halte ich jetzt eher für unwahrscheinlich. Warum also diese komplizierte Umschreibung? Später dachte ich mir, dass da vielleicht noch mal darauf Bezug genommen wird oder dass es noch eine Rolle spielt, aber dem war dann leider nicht so.


    Grundsätzlich finde ich diesen Bericht-Stil ganz passend für die Geschehnisse. Ein kleiner Nachteil: Einerseits erwartet man einen sachlichen Bericht mit ausschließlich den Fakten. Andererseits will man aber auch Emotionen in die Geschichte einbringen. Dieser Balance-Akt hat hier ganz gut geklappt. Der einzige Punkt, der mir bewusst aufgefallen ist: Die Frau des Senators. Es wird zweimal darauf hingewiesen, dass die Bergungsmannschaft vom Ausdruck in ihren Augen ganz fasziniert war. Und später dann von ihrem "Geist". Da hatte ich das Gefühl, dass mir das irgendetwas sagen will, aber irgendwie kam dann nichts mehr. Oder ich habe es einfach nur übersehen...




    Eine sehr unheimliche und gruselige SF-Geschichte, schon die Beschreibung von Caell-Arynoah (ich schreibe das mal so, weil ich das Sonderzeichen nicht finde) mit dem Transit des Weißen Zwerges und dem Schwarzen Loch fand ich ziemlich unheimlich, wie alle 4 Stunden nur für ganz kurze Zeit die Sterne zu sehen sind. [...] Wenn man stundenlange Nächte hat, nimmt man den Sternenhimmel als gegeben hin, aber wie muss das sein, wenn er wirklich nur so kurz zu sehen ist.


    Da kam ich dann mit dem Timing etwas durcheinander. Bei 4 Stunden für eine komplette Umrundungen, müssen die beiden "Sterne" ja eine enorme Geschwindigkeit draufhaben...
    Und es wird während die Bergungsmannschaft in der Pyramide ist, mindestens zweimal "Nacht". Damit wären sie da ganz schön lange drin gewesen. Den Eindruck hätte ich jetzt aber im Bericht nicht gehabt...

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.

  • Eine spannende Geschichte, über diese Welt hätte ich gerne mehr gelesen. Die Idee mit den Portalen, die durch die ganze Galaxie führen, fand ich toll.


    Eine sehr unheimliche und gruselige SF-Geschichte, schon die Beschreibung von Caell-Arynoah (ich schreibe das mal so, weil ich das Sonderzeichen nicht finde) mit dem Transit des Weißen Zwerges und dem Schwarzen Loch fand ich ziemlich unheimlich, wie alle 4 Stunden nur für ganz kurze Zeit die Sterne zu sehen sind.


    Die Beschreibung hat mir auch gut gefallen und diese Besonderheit von Caell-Arynoah, dass es nur alle 4 Stunden kurz dunkel wird, ist tatsächlich etwas unheimlich. Ich habe mir da auch direkt vorgestellt, wie man auf so einem Planeten leben würde und ob man das als ganz normal empfinden würde, wenn man dort aufgewachsen wäre.



    Bei den Portalen musste ich natürlich sofort an StarGate denken. Allein schon, weil das Prinzip dasselbe ist. Tore, verteilt in der ganzen Galaxien von irgendeinem alten Volk, das es nicht mehr gibt, und durch die man, wenn man weiß wie, zwischen den Planeten reisen kann. Als dann noch die Pyramide und der Sarkophag dazukamen, waren die Parallelen noch deutlicher.


    Ich bin im Bereich Science Fiction nicht so erfahren, deshalb habe ich auch keine Parallelen zu anderen Geschichten gesehen.


    Der Senator hat wohl wirklich den Verstand verloren. Ich fand es krass, dass er unschuldige Reisende tötet, um seine Frau zurückzuholen. Ein bisschen erschrocken war ich dann aber auch über die Besatzung, die am Ende beide tötet, den Senator und seine Frau. Da dachte ich eigentlich, dass das nicht nötig wäre, aber wenn man den Gedanken zu Ende denkt, war es für die Frau des Senators wohl eine Erlösung.



    Da hat mich die Geheimniskrämerei ehrlich gesagt etwas gestört. Wissen die denn nicht, zu welcher Spezies er gehört? Das halte ich jetzt eher für unwahrscheinlich. Warum also diese komplizierte Umschreibung? Später dachte ich mir, dass da vielleicht noch mal darauf Bezug genommen wird oder dass es noch eine Rolle spielt, aber dem war dann leider nicht so.


    Ich habe mich bei der Umschreibung gefragt, ob der Senator Mensch ist und die Geschichte damit eine ganz andere Tragweite bekommt - der Tod der letzten Menschen, die es noch gab. Würde man sowas deutlich aussprechen, wäre es plump. Durch die Andeutungen konnte ich mir darüber meine eigenen Gedanken machen. Ich war damit also zufrieden und habe nicht darauf gewartet, dass das noch eine Rolle spielt.


    Den Bericht-Stil fand ich hier auch sehr passend und es hat gut funktioniert, trotz sachlicher und neutraler Erzählweise alle notwendigen Infos zu bekommen. Auch die Emotionen sind ganz gut angekommen.


  • Gut, der Senator ist anscheinend durchgedreht und ermordet Reisende. Und ja, die Geschichte seiner Frau ist tragisch, aber sonst? Vielleicht bin ich da mittlerweile auch einfach zu abgehärtet...


    O.k., ich reise lieber nicht mit dir zu einem interstellaren Portal :D



    Grundsätzlich finde ich diesen Bericht-Stil ganz passend für die Geschehnisse.


    Ich fand den Berichtstil ebenfalls passend. Und stimmt, durch die Betonung der Schönheit der Frau kamen Emotionen rein und ich war auch gespannt, ob das noch eine Rolle spielen könnte.



    Und es wird während die Bergungsmannschaft in der Pyramide ist, mindestens zweimal "Nacht". Damit wären sie da ganz schön lange drin gewesen. Den Eindruck hätte ich jetzt aber im Bericht nicht gehabt...


    Stimmt, ich war auch etwas überrascht, dass doch so viel Zeit bereits vergangen ist.



    Ich habe mich bei der Umschreibung gefragt, ob der Senator Mensch ist und die Geschichte damit eine ganz andere Tragweite bekommt - der Tod der letzten Menschen, die es noch gab. Würde man sowas deutlich aussprechen, wäre es plump. Durch die Andeutungen konnte ich mir darüber meine eigenen Gedanken machen. Ich war damit also zufrieden und habe nicht darauf gewartet, dass das noch eine Rolle spielt.


    Genau die gleichen Gedanken gingen mir ebenfalls durch den Kopf, ob der Senator und seine Frau Menschen sind, von denen es nur noch wenige gibt. Umso tragischer, dass dann diese zwei Personen umgebracht wurden.


  • O.k., ich reise lieber nicht mit dir zu einem interstellaren Portal :D


    ;D


    Genau die gleichen Gedanken gingen mir ebenfalls durch den Kopf, ob der Senator und seine Frau Menschen sind, von denen es nur noch wenige gibt. Umso tragischer, dass dann diese zwei Personen umgebracht wurden.


    Ein guter Punkt. Dass das "fremde, alte Volk" die Menschen sein könnten, hatte ich mir auch schon überlegt. So weit, dass es sich damit um die letzten Menschen handelt könnte, hat es bei meinen Gedanken aber dann nicht gereicht ;)
    Trotzdem wirkte es für mich etwas gekünstelt, dass in einem Bericht nicht einfach sein Volk genannt wird, sondern stattdessen nur Umschreibungen gewählt werden.

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  • In dieser Geschichte wird offen gelassen, ob jemand der Figuren menschlich ist bzw. welche. Es kann sein, muss aber nicht. Den Senator und seine Frau hielt ich im ersten Moment für Menschen oder zumindest menschenähnliche Wesen, weil sie zu den alten Völkern gehören und emotional reagieren. Der Senator muss seine Frau ja so sehr geliebt haben, dass er durch ihren Verlust wahnsinnig geworden ist. Dann wurde mir aber klar, wie überheblich das ist ... Warum sollten Menschen bzw. menschenähnliche Wesen die einzigen Rassen sein, die so emotional reagieren? Die Frage, ob sie nun Menschen waren oder nicht, finde ich aber gar nicht so wichtig - viel spannender finde ich ihre (mögliche) Geschichte.


    Es wird vermutet, dass die Vorfahren des Senators zu den Dienern der Konstrukteure gehört haben. Ein Volk, das bei der großen Kollision vergangen sein soll, die Portale aber auch zur Flucht genutzt haben könnten (genau wie viele ihrer Diener). Man hat von ihnen wohl nie wieder etwas gehört und sie wurden zur Legende, was das ganze etwas Undurchsichtig macht, für mich aber passt. Sie haben das Geheimnis ihres Weltenlabyrinths ja eifersüchtig gehütet, also haben sie sich nach der Flucht vielleicht einen neuen Namen gegeben und so ihr eigentliches Volk und das Geheimnis der Portale zu einer Legende werden lassen.


    Der Senator ist dann Legenden nachgegangen (oder hatte seine eigenen Quellen), um eine Möglichkeit zu finden, seine geliebte Frau zu retten. Diese Kristallpyramide ist sehr rätselhaft und man kann da in die verschiedensten Richtungen spekulieren. War sie ihre Rettung oder ein Gefängnis? Woher wussten die beiden, wie sie funktioniert? Gab es Fundstücke mit Informationen dazu oder vielleicht "intelligentere" Lösungen? Erkannte die Kristallpyramide in ihnen vielleicht Nachfahren der Diener ihrer Erschaffer und kommunizierte mit ihnen? Oder viel simpler: Konnte er einfach die Gravuren lesen?


    Die Kristallpyramide muss auf jeden Fall Körper und Geist trennen können, denn während der Körper der Frau dort im Sarkophag lag, muss ihr Geist ja am Portal gewesen sein und sich in den Spiegeln verloren haben. Vielleicht konnte sie auch nur am Portal sein, weil es eine Verbindung zwischen Kristallen und Spiegeln gab bzw. gibt. Und ich musste an Fairwater und die Spiegel von Mr. Bartholomew denken, natürlich. Hätte es vielleicht eine andere Lösung geben können? Ein Spiegel, der an einem Ort ist, an dem die Nacht mindestens eine für uns normale Zeitspanne hat, und der mit der Kristallpyramide verbunden ist?


    So aufgeschrieben klingt das ein wenig wirr. ;) Ursprünglich hatte ich mir vorgestellt, dass die Kristallpyramide die Frau hätte heilen können oder der Senator über das Weltenlabyrinth einen Ort suchen wollte, an dem sie genesen kann (mit anderen Möglichkeiten, weil "normales" Ausprobieren ja oft tödlich endet).
    Also eine tragische Geschichte, allerdings diesmal nicht unheimlich. Bis auf diese kurzen und kaum den Namen verdienenden "Nächte". Das stelle ich mir schrecklich vor, ich liebe es in den Sternenhimmel zu schauen.


  • Senator und seine Frau hielt ich im ersten Moment für Menschen oder zumindest menschenähnliche Wesen, weil sie zu den alten Völkern gehören und emotional reagieren. Der Senator muss seine Frau ja so sehr geliebt haben, dass er durch ihren Verlust wahnsinnig geworden ist. Dann wurde mir aber klar, wie überheblich das ist ... Warum sollten Menschen bzw. menschenähnliche Wesen die einzigen Rassen sein, die so emotional reagieren?


    Seychella, ich muss gestehen, mir ging es hier genau wie dir: ich dachte auch im ersten Moment, der Senator und seine Frau sind bestimmt menschlich, da sie vertraute Gefühle haben - um dann ebenfalls im nächsten Moment beschämt festzustellen, dass ich damit unterschwellig anderen Lebensformen diese Gefühle nicht zuschrieben hätte.

  • Ich hatte sie auch als Menschen "in Verdacht", aber aus einem anderen Grund: In der Regel identifiziert man sich als Leser doch mit dem Erzähler der Geschichte. Oder zumindest würde man als Leser gerade bei einer Sci-Fi-Geschichte oft davon ausgehen, dass der Erzähler bzw. die Hauptperspektive menschlich ist.
    Genau deswegen wäre es dann ein netter Kniff gewesen, wenn es eben dann genau andersherum gewesen wäre. Dass die Menschen die Außerirdischen sind bzw. hier in dem Fall eben ein altes, schon fast vergessenes Volk.

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  • Ich mache mal hier weiter, weil hier schon seit ein paar Tagen Ruhe eingekehrt ist.



    In dem Zusammenhang finde ich folgenden Satz wunderschön: "Dann hob sich die Schwärze hinweg, und die matte weiße Sonne nahm dem Himmel seinen Zorn und seine Schönheit." Wenn man stundenlange Nächte hat, nimmt man den Sternenhimmel als gegeben hin, aber wie muss das sein, wenn er wirklich nur so kurz zu sehen ist.


    Das mit dem "einerseits schön, andererseits furchtbar" ist ein bisschen ein Leitthema in dem Text. Ich habe bewusst versucht, eine etwas untypische Mischung aus Science Fiction und Gothic zu schreiben, deshalb die etwas altertümelnde Sprache. Ich habe mir aber auch häufig vorzustellen versucht, wie es sein müsste, auf einer Welt in den Himmel zu blicken, die viel näher am Zentrum der Galaxis ist als wir, wo der Himmel also eine viel größere Sternendichte aufweist.


    Btw, das hier ist die "Große Kollision", von der hier die Rede ist: https://de.wikipedia.org/wiki/…lchstra%C3%9Fen-Kollision


    Zitat

    wenn die Frau des Senators vor dem Portal erscheint, sieht sie ihren Mann entsetzt an. Nicht hoffnungsvoll, dass er sie vielleicht zurückholen könnte, sondern entsetzt. Warum? Weil sie die vielen Gebeine und die Tötungsmaschine sieht und damit, was er angerichtet hat?


    Ja -- es ist natürlich das alte Gothic-Klischee, dass der Mann völlig besessen davon wird, seine Liebste zu retten, und darüber nicht erkennt, dass er in ihren Augen längst selbst ein Monster ist.



    Bei den Portalen musste ich natürlich sofort an StarGate denken. Allein schon, weil das Prinzip dasselbe ist. Tore, verteilt in der ganzen Galaxien von irgendeinem alten Volk, das es nicht mehr gibt, und durch die man, wenn man weiß wie, zwischen den Planeten reisen kann.


    Der Vergleich liegt auf der Hand :) Ähnliche Szenarien gibt es im Rollenspielsystem "Fading Suns", aber auch schon in Perry Rhodan und anderswo.


    Die Geschichte hat bei bisherigen Lesern durchaus geteilte Reaktionen hervorgerufen; Du bist nicht die Einzige, die mit dem nüchtern-distanzierten Ton nicht so recht warm wurde. Wie gesagt, ich hatte beim Schreiben eher so frühes 20. bis 19. Jahrhundert als Vorbild im Kopf :) Ein paar Leuten gefiel genau das, vielen aber auch nicht.



    Zitat

    Da kam ich dann mit dem Timing etwas durcheinander. Bei 4 Stunden für eine komplette Umrundungen, müssen die beiden "Sterne" ja eine enorme Geschwindigkeit draufhaben...


    Es gibt durchaus Doppelsternsystem, in denen sich die Zentralgestirne binnen weniger Stunden umkreisen (zwangsläufig, wenn sie sehr eng beieinanderstehen) -- richtig durchgerechnet habe ich das aber nicht, könnte ich fachlich auch nicht.




    Ich habe mich bei der Umschreibung gefragt, ob der Senator Mensch ist und die Geschichte damit eine ganz andere Tragweite bekommt - der Tod der letzten Menschen, die es noch gab. Würde man sowas deutlich aussprechen, wäre es plump. Durch die Andeutungen konnte ich mir darüber meine eigenen Gedanken machen. Ich war damit also zufrieden und habe nicht darauf gewartet, dass das noch eine Rolle spielt.


    In einer frühen Fassung der Geschichte hatte ich versucht, stärkere Indizien dafür zu legen, dass dieses System vor vielen Milliarden Jahren tatsächlich unser Sonnensystem war, aber das hat nicht richtig funktioniert (weil alle Planeten, die jetzt noch in einer halbwegs bewohnbaren Zone liegen würden, längst vernichtet worden wären; es müsste also ein Himmelskörper aus den Außenbereichen des Sonnensystems sein, der durch das ganze Chaos irgendwie auf eine sonnennähere Umlaufbahn gezwungen wurde).


    Dennoch stelle ich mir den Senator und seine Frau als eher menschenartig vor und wollte etwas in dieser Art andeuten. Das ist aber wirklich stark der Fantasie des Lesers überlassen.



    Stimmt, ich war auch etwas überrascht, dass doch so viel Zeit bereits vergangen ist.


    Jetzt verunsichert ihr mich: Innerhalb der Pyramide wird es doch eigentlich nur einmal "Nacht" (auf S. 160)? Vorher und hinterher fliegen sie mit dem Beiboot durch die Gegend ...




    Die Kristallpyramide muss auf jeden Fall Körper und Geist trennen können, denn während der Körper der Frau dort im Sarkophag lag, muss ihr Geist ja am Portal gewesen sein und sich in den Spiegeln verloren haben. Vielleicht konnte sie auch nur am Portal sein, weil es eine Verbindung zwischen Kristallen und Spiegeln gab bzw. gibt. Und ich musste an Fairwater und die Spiegel von Mr. Bartholomew denken, natürlich. Hätte es vielleicht eine andere Lösung geben können? Ein Spiegel, der an einem Ort ist, an dem die Nacht mindestens eine für uns normale Zeitspanne hat, und der mit der Kristallpyramide verbunden ist?


    Ok, das ist jetzt mal ein Fairwater-Link, der nicht beabsichtigt war ;) Aber es ist tatsächlich ein ähnlich mystisches Arrangement aus Gegen-Welten, Körper/Seele, Lebensenergie ... wie es eigentlich in einer Science-Fiction-Geschichte nichts verloren hat :)

  • [quote author=Oliver Plaschka link=topic=13025.msg271110#msg271110]
    Der Vergleich liegt auf der Hand :) Ähnliche Szenarien gibt es im Rollenspielsystem "Fading Suns", aber auch schon in Perry Rhodan und anderswo.
    [/quote]
    Und ich denke, die Idee, einfach durch eine Tür oder ein Portal zu treten und dabei eine Reise von Milliarden von Kilometer zu unternehmen, hat doch einen verdammt großen Reiz im Vergleich zu den langsameren Raumschiffen...


    [quote author=Oliver Plaschka link=topic=13025.msg271110#msg271110]
    Die Geschichte hat bei bisherigen Lesern durchaus geteilte Reaktionen hervorgerufen; Du bist nicht die Einzige, die mit dem nüchtern-distanzierten Ton nicht so recht warm wurde. Wie gesagt, ich hatte beim Schreiben eher so frühes 20. bis 19. Jahrhundert als Vorbild im Kopf :) Ein paar Leuten gefiel genau das, vielen aber auch nicht.
    [/quote]
    Ja, das ist wahrscheinlich einfach Geschmackssache. Grundsätzlich passt der Ton ja durchaus zur Geschichte.
    Und ha! Jetzt, wo du das sagst, fällt mir endlich ein, woran mich das erinnert: Ich habe vor kurzem einiges von H.G. Wells gelesen und der schreibt auch in einem relativ kühlen, berichtartigen Stil von den schlimmsten Dingen... ;D
    Gerade auch dieses "im Rückblick die Geschichte erzählen" ist da typisch.



    [quote author=Oliver Plaschka link=topic=13025.msg271110#msg271110]
    Jetzt verunsichert ihr mich: Innerhalb der Pyramide wird es doch eigentlich nur einmal "Nacht" (auf S. 160)? Vorher und hinterher fliegen sie mit dem Beiboot durch die Gegend ...
    [/quote]
    Ich hatte es zumindest so verstanden: Das schwarze Loch zog abermals am Himmel vorüber (S. 162 unten).
    Aber beim Nachlesen ist mir auch aufgefallen, dass sogar explizit von "einige Stunden später" die Rede ist. Tja, das habe ich anscheinend beim ersten Mal einfach überlesen... Insofern hat das dann völlig seine Richtigkeit :unschuldig:

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.


  • [quote author=Oliver Plaschka link=topic=13025.msg271110#msg271110]
    Der Vergleich liegt auf der Hand :) Ähnliche Szenarien gibt es im Rollenspielsystem "Fading Suns", aber auch schon in Perry Rhodan und anderswo.


    Und ich denke, die Idee, einfach durch eine Tür oder ein Portal zu treten und dabei eine Reise von Milliarden von Kilometer zu unternehmen, hat doch einen verdammt großen Reiz im Vergleich zu den langsameren Raumschiffen...
    [/quote]


    Absolut :) Ist in "realistischen" SF-Szenarien fast die einzige Möglichkeit, spannende Reisegeschichten zu erzählen (ohne sich mit Relativität, Zeitdilatation, Generationenschiffen o.ä. aufzuhalten) ...

  • Die Geschichte hat uns jetzt nicht so erreicht - verständlich weil SciFi so gar nix für mich ist . :-[
    Ich merke das, weil ich bei den typischen Schlagwörtern direkt dicht mache.
    Habe mich dann einfach auf die schöne fast blumige Sprache (trotz des Ernstes der Lage) konzentriert und dran erfreut.
    Gestern hab ich auf jeden Fall mal den Kristallpalast bestellt damit ihc auch nach dieser Runde noch was zum Vorlesen abends habe. ;D Ist nämlich nie so einfach ein Buch zu finden, das uns beide interessiert.

    Greetz,<br />Weratundrina<br /><br />...alll I ever wanted, all I ever needed - is here in my arms... DM

  • Interessehalber, weil ich das nicht zum ersten Mal höre (und gerade mal wieder einen Kurs an der Uni zum Thema habe):


    - Was sind denn für Dich diese "typischen Schlagwörter", bei denen Du "direkt dicht" machst?
    - Was verbindest Du mit diesen Schlagwörtern, dass sie diese Reaktion bei Dir auslösen? Es muss ja einen negativen Beiklang haben, damit man nicht mit Neugier, sondern mit "will ich nicht" reagiert.


    Keine Kritik also, echtes Interesse :) Und Danke fürs Kompliment zur Sprache -- das ist tatsächlich etwas, worauf in der Science Fiction bis in die späten 60er, frühe 70er Jahre meistens nur selten Wert gelegt wurde. Ausnahme Ray Bradbury vielleicht.

  • Das ist ja eine ganz interessante Fragestellung. :-\
    Es fängt an mit "Schiff" ;D über "Raum" , "Planetensystem"," Raumkrümmung " und dann halt alle technischen Dinge.


    Ich habe jetzt wirklich gegrübelt woher meine Abneigung kommt. So richtig kann ich es nicht erklären! Als wir noch einen Fernseher hatte mochte ich sogar Captain Future . ;D
    Allerdings hat sich später auf dem Gymnasium heraus gestellt dass ich mit Naturwissenschaften nichts anfangen kann und auch nicht will.
    Das wurde dann sehr krampfhaft und vieles habe ich aus Prinzip abgelehnten.
    Bestimmt sehr oft unbegründet.
    Aber jetzt wo ich es mit mehr Abstand sehen kann bin ich zu alt um da noch Interesse zu entwickeln.
    "Dicht machen" ist dann derWeg des geringeren Widerstands und ich lebe damit gfls. zu versäumen.

    Greetz,<br />Weratundrina<br /><br />...alll I ever wanted, all I ever needed - is here in my arms... DM

  • Danke für die Antwort! Ich finde das immer sehr schade -- jetzt nicht wegen des Genres, sondern weil es klingt, als ob die Lehrer an Deiner Schule einen schlechten Job ablieferten, wenn sie es nicht schafften, wenigstens Dein Interesse zu wecken. Oder es spielen Erziehungsaspekte mit hinein, denn ich höre diese Vorbehalte eigentlich immer nur von Frauen. Auch ich hatte in der Oberstufe keine Chemie mehr (wir hatten ein Wahlsystem), weil ich zu schlecht darin war; dafür musste ich Physik als Leistungskurs nehmen, und hatte einen 5er im Abi. Tja. Aber an meiner Liebe zum Sternenhimmel hat das nichts geändert.


    Davon abgesehen ist es natürlich trotzdem völlig ok, wenn die Geschichte einfach nicht Dein Ding ist. Und auch historisch war es durchaus so, dass die frühen weiblichen Autoren von SF auch vermehrt geisteswissenschaftliche Themen ins Gerne spülten, während die Männer weiter fürs Geschraube und Geballer zuständig waren. Woran immer diese Rollenaufteilung liegt, Du bist nicht alleine damit ...


    PS Captain Future war ich auch ein großer Fan :) Für diesen schönen Band durfte ich sogar einen Artikel über ihn beisteuern: http://gazette.rainlights.net/…-Helden-der-Kindheit.html