Jenseits der Mauer des Morgens

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier könnt Ihr zum Inhalt der Kurzgeschichte Jenseits der Mauer des Morgens schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Eine traurige Geschichte mit vielen Andeutungen, die mich wieder zum Nachdenken angeregt hat. Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt der Erzähler gefangen in einer Gletscherspalte und hatte einen Traum, vielleicht auch eine Erinnerung. Es ist vielleicht die letzte Erinnerung in seinem Leben? War er auf einer Tour durch die Gletscher oder auf dem Weg zu ihr, als er verunglückte?


    Ist sie real oder vielmehr auch ein Traum, nach dem er sich immer gesehnt hat? Ich bin mir nicht sicher, ob die beiden wirklich jemals länger zusammen waren oder nur diese eine Nacht, da sie mehrmals betont, dass sie da, wo sie nun wären, in Sicherheit sind. In dieser Nacht damals, wollten sie mit den Souvenir, das sie gekauft haben, die Zeit anhalten – das liest sich wirklich, als wäre ihnen keine gemeinsame Zeit vergönnt gewesen. Warum nicht?


    Haben sie sich aus den Augen verloren (machte er vielleicht eine Karriere als Sportler, während sie in dem Dorf zurückblieb?) oder wollten die Eltern diese Verbindung nicht? Um was für ein Geheimnis geht es da genau, auf das der Erzähler anspielt?


    Ich hätte ihm gegönnt, wenn er in seinem Traum hängen geblieben und nicht wieder erwacht wäre. Als erwähnt wird, dass sie sich wie eine Ärztin anhörte, dachte ich kurz, ob er vielleicht tatsächlich in einem Krankenhaus liegt und die Personen durcheinanderbringt, aber dann wäre er wenigstens nicht alleine und man würde sich um ihn kümmern; die Realität ist brutaler.


  • Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt der Erzähler gefangen in einer Gletscherspalte und hatte einen Traum, vielleicht auch eine Erinnerung. Es ist vielleicht die letzte Erinnerung in seinem Leben? War er auf einer Tour durch die Gletscher oder auf dem Weg zu ihr, als er verunglückte?


    So hätte ich es zumindest gelesen. Es ist im Grunde seine letzte Nacht und er flüchtet sich quasi durch diesen Traum zeitweise in Sicherheit. An sich hätte ich es als Traum gedeutet. Das erklärt auch die Anwesenheit seiner Frau/Liebe.
    Ich war nur etwas verwirrt davon, dass sie ihn auf vergangene Ereignisse anspricht, an die er sich nicht so recht zu erinnern scheint. Ist das evtl. schon die Kälte, die hier zuschlägt?
    Am Ende ist es ja sie es, die ihn wieder aufweckt und in die grausame Realität zurückholt. Gerade rechtzeitig, um noch den Sonnenaufgang zu sehen.



    Ist sie real oder vielmehr auch ein Traum, nach dem er sich immer gesehnt hat? Ich bin mir nicht sicher, ob die beiden wirklich jemals länger zusammen waren oder nur diese eine Nacht, da sie mehrmals betont, dass sie da, wo sie nun wären, in Sicherheit sind. In dieser Nacht damals, wollten sie mit den Souvenir, das sie gekauft haben, die Zeit anhalten – das liest sich wirklich, als wäre ihnen keine gemeinsame Zeit vergönnt gewesen. Warum nicht?


    Hm. Das habe ich irgendwie überlesen. Für mich war sie sogar zusammen mit ihm in den Bergen unterwegs. Immerhin redet er ja davon, dass sie die Tag-/Nachtgrenze erreichen wollten. Und es wird betont, dass er jetzt alleine in seinem eisigen Gefängnis liegt...
    Aber Du könntest gut Recht haben. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass in seinem Traum Phantasie und Wirklichkeit verschwimmen.



    Als erwähnt wird, dass sie sich wie eine Ärztin anhörte, dachte ich kurz, ob er vielleicht tatsächlich in einem Krankenhaus liegt und die Personen durcheinanderbringt, aber dann wäre er wenigstens nicht alleine und man würde sich um ihn kümmern; die Realität ist brutaler.


    Als in seinem Traum immer wieder auf die Kälte hingewiesen wird und er zu schwächeln scheint, hatte ich kurz den Gedanken, dass sie ihn vielleicht vergiftet haben könnte. Das hätte sich vielleicht mit dem Geheimnis und den seltsamen Andeutungen, die sie macht, erklären lassen.
    Dahingehend fand ich die Realität dann wieder besser...

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.


  • An sich hätte ich es als Traum gedeutet. Das erklärt auch die Anwesenheit seiner Frau/Liebe.
    Ich war nur etwas verwirrt davon, dass sie ihn auf vergangene Ereignisse anspricht, an die er sich nicht so recht zu erinnern scheint. Ist das evtl. schon die Kälte, die hier zuschlägt?


    Ah, das mit der Kälte ist ein guter Gedanke.



    Am Ende ist es ja sie es, die ihn wieder aufweckt und in die grausame Realität zurückholt. Gerade rechtzeitig, um noch den Sonnenaufgang zu sehen.



    Als in seinem Traum immer wieder auf die Kälte hingewiesen wird und er zu schwächeln scheint, hatte ich kurz den Gedanken, dass sie ihn vielleicht vergiftet haben könnte. Das hätte sich vielleicht mit dem Geheimnis und den seltsamen Andeutungen, die sie macht, erklären lassen.
    Dahingehend fand ich die Realität dann wieder besser...


    So hatte ich das noch gar nicht gesehen, ich war hier vielleicht zu gutgläubig: so habe ich das noch gar nicht gesehen :o Dabei könntest du recht haben, am Ende fand ich sie tatsächlich etwas bedrohlich.

  • Die Geschichte hat mir gut gefallen und gerade weil sie so kurz ist, hat sie einen starken Eindruck bei mir hinterlassen.


    Ich fand es am Ende sehr überraschend, dass der Erzähler in einer Gletscherspalte steckt. Auch wenn es in der Geschichte schon Andeutungen darauf gab, dass das Erzählte gerade nicht wirklich stattfindet, habe ich am Ende, als der Erzähler Schmerzen hat und langsam in die Realität zurückkehrt, eher daran gedacht, dass ihm die Frau etwas angetan hat, ihn eventuell vergiftet. Mein zweiter Gedanke war, dass er vielleicht im Krankenhaus im Koma liegt und von seinen Angehörigen/seiner Frau zurück in die Realität geholt werden soll.


    Die Wahrheit ist natürlich umso härter. Der Erzähler steckt in einer Gletscherspalte und erlebt seine letzte Nacht. Es gibt für ihn also keine Hoffnung mehr und das Ende ist abzusehen. Ich finde es nicht weiter erstaunlich, dass er sich da in eine schöne Erinnerung oder einen Traum flüchtet. Obwohl es ja keine reale Erinnerung zu sein scheint, dieses Treffen hat wohl nie stattgefunden. Andererseits habe ich es auch nicht als passiven Traum gesehen, sondern schon eher als aktives Tagträumen. Der Erzähler stellt sich diese Situation also vielleicht nur vor und driftet dann geistig darin ab, wie in einen echten Traum.


    Es wäre für ihn wohl besser gewesen, er wäre nicht mehr in die Realität zurückgekehrt, sondern hätte in seiner Traumwelt bleiben können.

  • So hatte ich das noch gar nicht gesehen, ich war hier vielleicht zu gutgläubig: so habe ich das noch gar nicht gesehen :o Dabei könntest du recht haben, am Ende fand ich sie tatsächlich etwas bedrohlich.


    Ah, dieser Gedanke kam hier also auch schon auf. Ich fand die Frau am Ende wirklich auch sehr bedrohlich, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie in Realität etwas mit der Situation des Erzählers zu tun hat oder hier wirklich einen aktiven Part gespielt hat.

  • Der Erzähler ist in einer Gletscherspalte, allein. Ein tödliches Gefängnis. In der Nacht flüchtet er sich in einen Traum oder einen ähnlichen Zustand. Dort ist auch "sie" - und ich hatte den Eindruck, dass sie nur wegen ihm dort ist. Ein letzter Traum, in dem er seine Liebe herbeisehnt, an einem Ort wo sie nie zusammen waren, er sich aber einfach am wohlsten fühlt. Ich muss aber zugeben, dass ich auch kurz darüber nachgedacht hatte, ob sie vielleicht eingefroren ist (da hat jemand wohl in letzter Zeit zu viel SF abbekommen) und die beiden durch die Kälte irgendwie verbunden sind und einen gemeinsamen Traum träumen.


    Es gab auch kurze Momente, in denen der Verdacht aufkam, ob sie ihn nicht vergiftet hat. Allerdings passt das nicht zum Rest der Geschichte - und spätestens als sie ihm sagte, dass er auf keinen Fall aufwachen soll, konnte ich das ausschließen. Dafür kam die Frage auf, woher sie weiß, dass sie beide träumen. Weil er das unterbewusst weiß und sie dieses Wissen teilt, weil er sie ja quasi herbeigerufen hat? Das klingt vielleicht logisch, aber da ist noch diese Sache mit dem Stück Glimmerschiefer. Ein Andenken, eine Erinnerung an einen Ort, aber auch die Zeit. Das ist eine rätselhafte Stelle, aber sie wirkt auf mich viel wahrscheinlicher - vielleicht auch, weil mich das so beschäftigt hat.


    Die beiden waren an einem Ort, an dem sie die Tag-Nacht-Grenze, die jenseits des Horizonts auf sie zuraste, nicht erreicht hat. Also ein Ort, der irgendwie der Zeit entrückt ist. Eine lange Nacht, die andauerte. In der Traum-Ebene ist es ja ebenfalls Nacht - und sie sagt, dass das alles seine Idee war. Außerdem wirkt er etwas verwirrt auf mich, lückenhaft in seinen Erinnerungen - sie kommen stückchenweise.


    Als die Hoffnung darauf, die Erinnerung an die Zeit durch den Stein zu bewahren, sich nicht erfüllte und die lange Nacht andauerte ... Genau da wurde mir diese lange Nacht unheimlich. War ein Nebeneffekt dieses Ortes, dieser langen Nacht vielleicht unter anderem, dass man (oder zumindest er) sich nicht daran erinnern konnte - sie gar nicht richtig wahrnahm? Was wäre, wenn er das nicht mehr ausgehalten hätte, diesen Ort verlassen wollte und dabei vielleicht in die Gletscherspalte gestürzt ist? Nah genug, dass er nachts wieder in die lange Nacht eintaucht. Dorthin, wo sie auf ihn wartet und er glücklich ist, solange er bei ihr ist. Nur dass es eben nicht "echt" ist. Er fühlt das ... Und die Kälte in der Gletscherspalte nagt an ihm, bringt ihn schließlich zurück in die Realität, wo ein neuer Morgen beginnt und der Tod auf ihn wartet.


    Ich glaube, das klingt alles ein bisschen wirr - es könnte auch gut sein, dass ich mich da total verspekuliert habe. Aber genau so hat die Geschichte auf mich gewirkt. Und der erste Satz, der dann ja auch nochmal am Ende bei seinem Erwachen vorkommt, ist einfach wunderschön und poetisch. Außerdem habe ich eine Schwäche für Nordlichter ...


  • Andererseits habe ich es auch nicht als passiven Traum gesehen, sondern schon eher als aktives Tagträumen. Der Erzähler stellt sich diese Situation also vielleicht nur vor und driftet dann geistig darin ab, wie in einen echten Traum.


    Oder er leidet unter Schock - immerhin scheint er ja schon eine Weile in der Spalte festzustecken... Vielleicht auch etwas in Richtung Delirium? Das kann man bestimmt auch bekommen, wenn man dabei ist zu erfrieren...


    Okay, so wie Ihr das schreibt, klingt es plausibel, dass die beiden nie wirklich zusammen waren. Allerdings würde mich dann interessieren, warum genau er sich zu dieser Tag-Nacht-Grenze aufgemacht hat. Noch dazu anscheinend allein?
    In Erinnerung an das, was die beiden vielleicht zusammen hätten haben können?
    Umso tragischer, dass er dann dabei umkommt...



    Und der erste Satz, der dann ja auch nochmal am Ende bei seinem Erwachen vorkommt, ist einfach wunderschön und poetisch.


    Oh, das ist mir gar nicht aufgefallen - danke für den Hinweis! Sowas finde ich immer klasse, wenn sich die Geschichte wie ein Kreis schließt!

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.


  • Ich muss aber zugeben, dass ich auch kurz darüber nachgedacht hatte, ob sie vielleicht eingefroren ist (da hat jemand wohl in letzter Zeit zu viel SF abbekommen) und die beiden durch die Kälte irgendwie verbunden sind und einen gemeinsamen Traum träumen.


    Ich hatte auch überlegt, ob sie vielleicht tot ist und sie daher während seines Traumes oder Ohnmacht miteinander reden können. Weil nur dieser Traumzustand eine sichere Zuflucht für die beiden ist. Aber dann habe ich mir überlegt, ob sie dann nicht erst recht zusammen wären, wenn er ebenfalls tot ist. Daher denke ich, sie lebt noch.



    Dafür kam die Frage auf, woher sie weiß, dass sie beide träumen. Weil er das unterbewusst weiß und sie dieses Wissen teilt, weil er sie ja quasi herbeigerufen hat?


    Das habe ich mich auch gefragt, wer hier wen gerufen hat.



    Das klingt vielleicht logisch, aber da ist noch diese Sache mit dem Stück Glimmerschiefer. Ein Andenken, eine Erinnerung an einen Ort, aber auch die Zeit. Das ist eine rätselhafte Stelle, aber sie wirkt auf mich viel wahrscheinlicher - vielleicht auch, weil mich das so beschäftigt hat.


    Den Glimmerschiefer kann ich ebenfalls nicht so recht einordnen, zumal sie den Stein so abtut und er ihn weglegen soll, obwohl er doch eigentlich eine große Bedeutung für die beiden hat. Oder aber er steht für die Enttäuschung, dass sie es damals nicht geschafft haben.



    Die beiden waren an einem Ort, an dem sie die Tag-Nacht-Grenze, die jenseits des Horizonts auf sie zuraste, nicht erreicht hat. Also ein Ort, der irgendwie der Zeit entrückt ist. Eine lange Nacht, die andauerte. In der Traum-Ebene ist es ja ebenfalls Nacht - und sie sagt, dass das alles seine Idee war.


    Hier bin ich ganz rational davon ausgegangen, dass sich das damals nördlich des Polarkreises zugetragen hat, in der Zeit, in der es dort oben nicht Tag wird ;D Indem man so umgeht, dass es Tag wird, kann man den Moment der Nacht länger festhalten - aber irgendwann wandert die Sonne wieder Richtung Norden und dann kommt auch unweigerlich der Tag, der für die beiden Trennung zu bedeuten scheint.



    Außerdem wirkt er etwas verwirrt auf mich, lückenhaft in seinen Erinnerungen - sie kommen stückchenweise.


    Wegen der Erinnerungslücken war ich mir nicht sicher, ob sie nicht vielleicht ihn gerufen hat? Anfangs scheint sie zwar nicht zu wissen, was mit ihm genau los ist, aber am Ende weiß sie, dass er nicht aufwachen darf, ansonsten sind sie wieder getrennt.



    Und der erste Satz, der dann ja auch nochmal am Ende bei seinem Erwachen vorkommt, ist einfach wunderschön und poetisch. Außerdem habe ich eine Schwäche für Nordlichter ...


    Das ist mir auch nicht aufgefallen - ja, mir gefällt das auch, wenn so der Kreis geschlossen wird.


  • Das ist mir auch nicht aufgefallen - ja, mir gefällt das auch, wenn so der Kreis geschlossen wird.


    Ich habe beim erneuten Durchlesen noch so ein paar schöne Parallelen gefunden:
    "Nicht echt" -> Das denkt er sich sowohl anfangs, wo man es eventuell noch auf sein Spiegelbild beziehen könnte, als auch später, als er kurz davor steht aufzuwachen
    "vertrauter Geschmack von Blut" -> Anfangs scheinbar völlig unmotiviert als er an seine Frau/Geliebte denkt - er wundert sich sogar selbst darüber, und dann gegen Ende noch mal.



    – das liest sich wirklich, als wäre ihnen keine gemeinsame Zeit vergönnt gewesen. Warum nicht?


    Mittlerweile glaube ich das eigentlich nicht mehr. Er nimmt ja auf einige Geschehnisse Bezug - Norwegen, der Urlaub in Lillehammer und erinnert sich an einige vergangene, schöne Zeiten. Das heißt für mich, dass ihnen zumindest ein zeitweises Glück vergönnt war. Vielleicht meint dieses unerfüllte Versprechen an eine ewig dauernde Nacht (= glückliches Zusammensein) lediglich, dass sie leider schon viel zu früh verstorben ist?
    Womit sich natürlich erst recht die Frage stellt, warum er allein in den Gletschern unterwegs ist...
    Allerdings überlegt er ja, ob sie jemals zusammen in der Hütte waren, zu der er vielleicht unterwegs war? Weil seine Frau tot ist und er den letzten Traum der beiden noch erfüllen wollte?



    Ich hatte auch überlegt, ob sie vielleicht tot ist und sie daher während seines Traumes oder Ohnmacht miteinander reden können. Weil nur dieser Traumzustand eine sichere Zuflucht für die beiden ist. Aber dann habe ich mir überlegt, ob sie dann nicht erst recht zusammen wären, wenn er ebenfalls tot ist. Daher denke ich, sie lebt noch.


    Na, ich weiß nicht. Das gilt natürlich nur, wenn wir davon ausgehen, dass sie tatsächlich nach dem Tod zusammen wären. Aber das ist wohl eher Thema einer theologischen Diskussion. ;)
    Wir wissen schließlich nicht, woran er bzw. sie geglaubt haben. Und als sichere Zuflucht würde mir schon seine Flucht vor den Schmerzen und der Einsamkeit reichen.



    Den Glimmerschiefer kann ich ebenfalls nicht so recht einordnen, zumal sie den Stein so abtut und er ihn weglegen soll, obwohl er doch eigentlich eine große Bedeutung für die beiden hat. Oder aber er steht für die Enttäuschung, dass sie es damals nicht geschafft haben.


    Ich dachte eigentlich schon, dass sie es geschafft hatten. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass sie vermeiden will, dass er sich zu schnell erinnert und dann aufwacht?
    Denn die Erinnerung scheint ja stark mit seiner aktuellen Realität verknüpft zu sein.




    Hier bin ich ganz rational davon ausgegangen, dass sich das damals nördlich des Polarkreises zugetragen hat, in der Zeit, in der es dort oben nicht Tag wird ;D Indem man so umgeht, dass es Tag wird, kann man den Moment der Nacht länger festhalten - aber irgendwann wandert die Sonne wieder Richtung Norden und dann kommt auch unweigerlich der Tag, der für die beiden Trennung zu bedeuten scheint.


    Ja, daran hatte ich auch gedacht. Ohne jetzt noch mal genau nachgelesen zu haben, was genau es jetzt mit der Tag-Nacht-Grenze auf sich hat. Bzw. noch konkreter an die Polarnacht, wo es ja monatelang nicht hell wird...




    Wegen der Erinnerungslücken war ich mir nicht sicher, ob sie nicht vielleicht ihn gerufen hat? Anfangs scheint sie zwar nicht zu wissen, was mit ihm genau los ist, aber am Ende weiß sie, dass er nicht aufwachen darf, ansonsten sind sie wieder getrennt.


    Ich denke, dass weiß sie schon vorher. Sie versucht nur, seine Illusion möglichst lange aufrecht zu erhalten und erst, als sie keine andere Möglichkeit mehr sieht, warnt sie ihn eindringlich, nicht aufzuwachen. Natürlich ist es aber da dann schon zu spät. Das ist sehr häufig der Fall, dass die Erkenntnis, sich in einem Traum zu befinden, dazu führt, dass man aufwacht. Wobei hier noch dazu kommt, dass wohl auch seine Verletzungen und die Kälte ihr Übriges dazu beitragen...

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.


  • Ich habe beim erneuten Durchlesen noch so ein paar schöne Parallelen gefunden:
    "Nicht echt" -> Das denkt er sich sowohl anfangs, wo man es eventuell noch auf sein Spiegelbild beziehen könnte, als auch später, als er kurz davor steht aufzuwachen
    "vertrauter Geschmack von Blut" -> Anfangs scheinbar völlig unmotiviert als er an seine Frau/Geliebte denkt - er wundert sich sogar selbst darüber, und dann gegen Ende noch mal.


    Die Geschichten kann man wirklich locker mehrmals lesen, nicht wahr? Stimmt, die von dir angesprochenen Parallelen sind mir auch aufgefallen. Das mit dem "nicht echt" und dem "vertrauten Geschmack von Blut" hat sowas Schwammiges, im Sinne von nicht richtig greifbar.



    Mittlerweile glaube ich das eigentlich nicht mehr. Er nimmt ja auf einige Geschehnisse Bezug - Norwegen, der Urlaub in Lillehammer und erinnert sich an einige vergangene, schöne Zeiten. Das heißt für mich, dass ihnen zumindest ein zeitweises Glück vergönnt war. Vielleicht meint dieses unerfüllte Versprechen an eine ewig dauernde Nacht (= glückliches Zusammensein) lediglich, dass sie leider schon viel zu früh verstorben ist?
    Womit sich natürlich erst recht die Frage stellt, warum er allein in den Gletschern unterwegs ist...
    Allerdings überlegt er ja, ob sie jemals zusammen in der Hütte waren, zu der er vielleicht unterwegs war? Weil seine Frau tot ist und er den letzten Traum der beiden noch erfüllen wollte?


    Das mit den gemeinsamen Urlauben hat mich auch irritiert, denn das bedeutet doch eigentlich, dass sie gemeinsame Zeit miteinander verbrachten. Oder war das immer nur begrenzt, ein wenig gestohlene Zeit? Dass sie sich nur im Rahmen von Urlaub zusammen waren, aber nicht dauerhaft?



    Na, ich weiß nicht. Das gilt natürlich nur, wenn wir davon ausgehen, dass sie tatsächlich nach dem Tod zusammen wären. Aber das ist wohl eher Thema einer theologischen Diskussion. ;)
    Wir wissen schließlich nicht, woran er bzw. sie geglaubt haben. Und als sichere Zuflucht würde mir schon seine Flucht vor den Schmerzen und der Einsamkeit reichen.


    Stimmt auch wieder.



    Ich denke, dass weiß sie schon vorher. Sie versucht nur, seine Illusion möglichst lange aufrecht zu erhalten und erst, als sie keine andere Möglichkeit mehr sieht, warnt sie ihn eindringlich, nicht aufzuwachen. Natürlich ist es aber da dann schon zu spät. Das ist sehr häufig der Fall, dass die Erkenntnis, sich in einem Traum zu befinden, dazu führt, dass man aufwacht. Wobei hier noch dazu kommt, dass wohl auch seine Verletzungen und die Kälte ihr Übriges dazu beitragen...


    Dann wäre das so ähnlich wie ein Klartraum: Träume, bei denen man genau weiß, dass man träumt. Und ja, es könnte wirklich sein, dass sie schon vorher um die Gefahr des Aufwachens weiß und ihn deswegen mit ihrer Zweisamkeit in Sicherheit wiegen möchte, damit er sozusagen keinen Gedanken daran verschwendet, aufzuwachen. Das würde auch zu ihrer Aussage passen, dass sie in der Hütte sicher wären.


  • Das mit den gemeinsamen Urlauben hat mich auch irritiert, denn das bedeutet doch eigentlich, dass sie gemeinsame Zeit miteinander verbrachten. Oder war das immer nur begrenzt, ein wenig gestohlene Zeit? Dass sie sich nur im Rahmen von Urlaub zusammen waren, aber nicht dauerhaft?


    Hm. Andererseits schreibt er ja auch von ihren Eltern. Und das nicht so, als ob die beiden ein Hindernis oder ähnliches gewesen wären. Ich denke schon, dass es mehr war als nur ein paar Wochen...

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.


  • Hm. Andererseits schreibt er ja auch von ihren Eltern. Und das nicht so, als ob die beiden ein Hindernis oder ähnliches gewesen wären. Ich denke schon, dass es mehr war als nur ein paar Wochen...


    Ja, stimmt, das wird nicht klar, wie die Eltern dazu standen. Ich bin darauf nur gekommen, weil er an einer Stelle die Straße in die Berge erwähnt, die sie und ihre Eltern zurückführte. Und dann das Bild von sich und seinen Eltern, das er sieht. Und dann eben das Geheimnis jenseits der Bilder, wie eine Mauer, hinter die man nicht blicken darf. Bezieht sich dieses Geheimnis auf die Tatsache, dass er sich in einer hoffnlungslosen innerhalb einer Gletscherspalte befindet oder auf weitere Erinnerungsbilder aus seiner Jugendzeit?


    Warum werden überhaupt die Eltern erwähnt? Soll das nur ein Hinweis sein, dass die beiden sich schon sehr lange kennen? Wobei wir nicht wissen, wie alt sie zwischenzeitlich sind, oder?


  • Bezieht sich dieses Geheimnis auf die Tatsache, dass er sich in einer hoffnlungslosen innerhalb einer Gletscherspalte befindet oder auf weitere Erinnerungsbilder aus seiner Jugendzeit?


    Ich hätte es auf die Gletscherspalte bezogen. Diese Mauer/Grenze, hinter die er nicht blicken kann, ist die Realität, in der er sich befindet. Später meint er ja sogar, er wolle gar nicht mehr wissen, was dahinter liegt, weil er Angst davor hat. Sobald er dahinterblickt, würde er erkennen, dass er sich nur in einem Traum befindet und aufwachen.



    Warum werden überhaupt die Eltern erwähnt? Soll das nur ein Hinweis sein, dass die beiden sich schon sehr lange kennen? Wobei wir nicht wissen, wie alt sie zwischenzeitlich sind, oder?


    Ich hätte das als Gegenstück zur Erinnerung vorher gelesen: Er mit 16 und Skiern - da passen Eltern gut dazu. Und dann eben auch sie mit ihren Eltern. Wobei das ein guter Punkt ist. Ist das dann eventuell bereits das erste Treffen?
    Spontan hätte ich ihn auf mittleres Alter oder jünger geschätzt, wobei es kaum Hinweise gibt. Lediglich die Tatsache, dass sie ihn offenbar noch sexuell erregt. Steinalt kann er wohl eher nicht sein, wenn er in einer Gletscherspalte unterwegs ist. Andererseits muss er natürlich in seiner Traumwelt nicht sein richtiges Alter haben. Könnte gut sein, dass er sich in genau das Alter träumt, in dem sie beide am glücklichsten waren...

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.

  • Ich finde es bemerkenswert, dass ihr die Frau eine Weile im Verdacht hattet, ob sie ihn vergiftet hat. War so nicht von mir beabsichtigt (die wachsende Bedrohlichkeit des Szenarios hätte an sich mehr von der heraufdämmernden Wahrheit ausgehen sollen), passt gefühlt aber nicht schlecht.


  • Ich hätte es auf die Gletscherspalte bezogen. Diese Mauer/Grenze, hinter die er nicht blicken kann, ist die Realität, in der er sich befindet. Später meint er ja sogar, er wolle gar nicht mehr wissen, was dahinter liegt, weil er Angst davor hat. Sobald er dahinterblickt, würde er erkennen, dass er sich nur in einem Traum befindet und aufwachen.


    Das ist gut möglich.



    Könnte gut sein, dass er sich in genau das Alter träumt, in dem sie beide am glücklichsten waren...


    Das ist auch ein guter Punkt - toll, wie viel man hier wieder spekulieren kann.

  • Wirklich innig sind die beiden für mich nicht rüber gekommen. Aber vielleicht ist man einfach so beim Lesen von diesem eisigen Szenario eingefangen dass selbst die Liebe frostig wird.
    Jedenfalls eine sehr traurige Geschichte, so hoffnungslos und voll Bedauern.
    Aber trotzdem sehr gut und sehr poetisch wieder. :winken:

    Greetz,<br />Weratundrina<br /><br />...alll I ever wanted, all I ever needed - is here in my arms... DM


  • Wirklich innig sind die beiden für mich nicht rüber gekommen.


    Na ja: Wir hatten sie ja auch mal kurzzeitig in Verdacht, ihn vergiftet zu haben. ;D
    Es wirkte eher, als wären sie früher mal innig gewesen.

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.