Leserundenfazit und Rezensionen

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    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch lesen wollen!

  • Meine Rezension steht auch schon. Da ich derzeit nicht so oft ins Internet komme, stelle ich sie auch schon mal ein. Vielen Dank nochmal für das interessante Buch und für ebensolche Diskussionen!


    Kriegserlebnisse in Ostwestfalen und darüber hinaus
    sind es, die hier den Leser vor allem durch die Schilderungen des Lebenswegs der jungen Mathilda nahegebracht werden, die als jüngstes von zehn Kindern auf einem westfälischen Hof aufwächst. 1924 geboren, ist sie nach dem frühen Verlust der Mutter schon früh an Arbeit gewöhnt und erfährt wenig Liebe? Oder?


    Nein, ihr Bruder Joseph begegnet ihr von Anfang an mit großer Fürsorge und Zuwendung – ihm hat sie immer mal wieder kleine Fluchten aus dem Alltag – kleine Auszeiten, wie wir das heute nennen würden, zu verdanken. Durch ihn lernt sie Karl kennen, der als Stallknecht auf dem Gutshof nebenan tätig ist und sich nicht nur mit Pferden, sondern auch bspw. Mit dem Klavierspiel bestens auskennt. Zu ihm hat Mathilda von Beginn an eine ganz besondere Bindung, aus der später Liebe wird. Aber da ist Karl schon im Krieg – er kämpft von Beginn an in einer Kavallerie-Brigade und macht leidvolle Erfahrungen sowohl an der West- als auch vor allem an der Ostfront. Zudem umgibt ihn ein dunkles Geheimnis...


    Eine romantische Liebesgeschichte ist es nur teilweise, denn der Krieg zwingt die Menschen zum Rationalismus und nicht nur das – er weckt die übelsten Sinne, Gefühle, Empfindungen, Reaktionen und Wahrnehmungen. Mathilda und Karl müssen beide diese Erfahrung in ihrem engsten Umfeld machen – und das nicht nur einmal.


    Die Autorin Daniela Ohms hat hervorragend recherchiert und zudem den Ereignissen die Lebensgeschichte ihrer eigenen Großmutter zugrunde gelegt, der sie durch diverse Wendungen und durch den Einsatz zusätzlicher Figuren Romancharakter verliehen hat. Doch leider verliert sie sich in ihren Schilderungen oftmals in Details – sowohl Tätigkeiten im bäuerlichen Alltag als auch Kriegshandlungen werden immer wieder in allen Einzelheiten beschrieben, was zumindest aus meiner Sicht der Lesefreude wiederholt abträglich war. Zudem wurden sprachliche Redewendungen und Ausdrücke aus der Gegenwart (wie bspw. „Hey“ auf S. 398) eingeflochten, was nicht sehr authentisch rüberkam.


    Dagegen wurden einige Erzählstränge, die aus meiner Sicht durchaus spannungsreich und auch relevant waren, einfach an irgendeiner Stelle abgebrochen. Das fand ich sehr schade: für mich hat es aus einem potentiell guten Roman einen eher mittelmäßigen mit ordentlich Luft nach oben gemacht, den ich dennoch gern gelesen habe.

  • Hallo zusammen - ich habe zwar hier nicht aktiv mitgelesen, aber diesen außergewöhnlich tollen historischen Roman von Daniela Ohms dennoch rezensiert; daher wollte ich Euch meine Meinung zum Buch gerne kundtun: Meine Rezi von heute:


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    Bei dem Roman "Winterhonig" von Daniela Ohms handelt es sich um den ersten Roman im Genre "Historischer Roman" der Autorin und vorab ist zu sagen, dass dieses Histo-Début ein sehr gelungenes ist!Verlegt wurde der Roman (HC, gebunden) im Knaur Verlag (2016) und umfasst auf überwältigende und sehr berührende Weise ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte (1930 bis zur Nachkriegszeit 1947); veranschaulicht am Schicksal eines Liebespaares aus gesellschaftlich unterschiedlichem Stand und deren Familien. Verortet ist der Roman sowohl im Westfälischen, nach Kriegsbeginn dann auch in Nordfrankreich und in Russland.....


    "Eine lebensgefährliche Liebe in einer harten, bäuerlichen Welt"(Quelle: Buchrückentext, Ausschnitt)
    Das Glas Winterhonig symbolisiert im Roman die schmerzhaften Trennungen durch den Verlauf der Geschichte zwischen Mathilda und Karl, den beiden Hauptprotagonisten, aber auch die Hoffnung, von der beide durch die Kraft ihrer unerschütterlichen Liebe nicht ablassen....


    Meine Meinung:



    Daniela Ohms schafft es, den Leser in diese Geschichte mittels ihres wunderbaren Schreibstils, gekennzeichnet durch Klarheit und Emotionen, tief eintauchen zu lassen; die Lebenswelt Karls, der auf einem Gutshof und Gestüt im Paderborner Land arbeitet und 19 Jahre alt ist, als er die 14jährige Mathilda kennenlernt, sich zum einzigen Fürsprecher und Beschützer des Bauernmädchens, das als 10. Kind das Licht der Welt in der Familie Alvering erblickt, entwickelt. Das Leben Mathildas ist von Beginn an durch harte Arbeit, Verzicht, Disziplin und Gottesfurcht geprägt, die die Werte in der bäuerlichen Familie darstellen. Die Lebenswelten beider Protagonisten werden dem Leser anschaulich und fast plastisch vor Augen geführt und lassen Bilder entstehen, die den 30er Jahren entstammen..... Die drohende NS-Herrschaft und der Ausbruch und Verlauf des 2. Weltkrieges sind ebenfalls sehr authentisch am Leben der Familie Alvering und der der Gutsherren dargestellt:


    Das plötzliche Verschwinden Karls und die sozialen Unterschiede ihrer Herkunftsfamilien und der Gutsherren stellt für Mathilda's Gefühlswelt immer wieder eine große Herausforderung dar; jedoch lernt sie durch Karl (und durch ihre eigene Intelligenz und Klugheit), Dinge zu hinterfragen und Vorurteile abzubauen...
    Besonders gelungen fand ich die Tatsache, dass die Atmosphäre des Krieges - sowohl im Westfälischen auf dem Hof und dem Gestüt - als auch durch Karl selbst, der von Kindesbeinen an ein guter Reiter - in der Kavallerie der Wehrmacht zuerst in Nordfrankreich und später auf dem Ostfeldzug gen Russland berichtet, spürbar und nacherlebbar ist: Diese Hintergründe eines irrsinnigen Krieges, der NS-Diktatur und besonders der damit einhergehenden 'Rassengesetze' lassen den Leser schlucken; für mich war es keine leichte Kost, zumal es zu meiner eigenen Familiengeschichte (Mutter) Parallelen im Leben der Mathilda gab und ich daher emotional sehr eingebunden war...


    Der 'rote Faden' der sehr engen und liebevollen Beziehung zwischen Karl und Mathilda bleibt über den ganzen Roman hin bestehen; die Gefahr dieser im Geheimen blühenden Liebe ebenso.


    Der Stil von Daniela Ohms ist klar und flüssig zu lesen, emotional und stark berührend in den Dialogen wird der Leser zurecht nicht geschont, was die Gesetze der 'Braunhemden' an Auswirkungen für Juden und Zigeuner mit sich brachten...
    Die Autorin hat durch umfassende Recherchen den 'Russlandfeldzug' der 6. Aufklärungsdivision der deutschen Wehrmacht nachgezeichnet und das Grauen für Mensch und Tier - hier das Pferd - in Worte gefasst: Emotional war für mich (wiederum, das habe ich selbst einmal recherchiert) die Tatsache schwer zu verkraften, dass Selma, ein wunderbares (ausgebildetes) Pferd Karls, zum Ende wie 1,4 Mio. (!!! lt. Schätzung, siehe Wikipedia) weiterer Pferde im WW II sein Leben ließ (und Pferde vertrauen ihrem Reiter)....
    Nichts wurde geschönt dargestellt, zum Ende des Romans, der auch die Vernichtung und Ausgrenzung bis hin zur Ermordung ethnischer Minderheiten einbezieht, haben auch die daraus resultierenden Traumata der einstigen 'Täter' ihren Raum.


    Durch "Winterhonig" wurde m.E. auch historischen Personen und Offizieren des Widerstands im Nationalsozialismus - hier in der Person von Georg von Boeselager (sowie seinem Bruder Philipp) posthum ein literarisches Denkmal gesetzt, das diese mehr als auch verdient haben (von Boeselager starb im Jahre 2008).


    Fazit:


    Ein sehr spannender, berührender, informativer und auf einer wahren Lebenserinnerung der Großmutter der Autorin beruhender historischer Roman, der inhaltlich und stilistisch seinesgleichen sucht; gut recherchiert ist, authentisch - und viele Gefühle der Trauer, aber auch der Hoffnung beim Leser hervorzurufen vermag: Dafür gibt es von mir 5 Sterne am Bücherfirmament und 100° auf der "Histo-Couch" mit einer klaren Leseempfehlung sowie einem großen Dank an die Autorin und den Verlag!
    Ein sehr persönliches Nachwort gibt Aufschluss über real vorkommende historische Personen und Abgrenzung zu fiktiven Romananteilen: Auch sei auf die HP der Autorin hingewiesen, da sich dort weitere interessante Hintergrundinformationen zum Buch finden!


    :buchtipp: und 5***** oder Leseratten!


    Die Rezension wurde ebenfalls bei
    - lovelybooks
    -was liest du
    - Histo-Couch
    - amazon und
    - Knaur-Verlag veröffentlicht.

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

    Einmal editiert, zuletzt von Sagota ()


  • Die Autorin hat durch umfassende Recherchen den 'Russlandfeldzug' der 6. Division der deutschen Wehrmacht nachgezeichnet und das Grauen für Mensch und Tier - hier das Pferd - in Worte gefasst[...]


    Die 6. Division kommt irgendwie nicht hin, oder? Es gab eine 6. Gebirgs-Division und eine 6. Infanterie-Division der Wehrmacht... Meinst Du vielleicht die 6. Armee, in der Stefan gedient hat? Aber die spielt im Roman keine große Rolle.


    Zitat

    Durch "Winterhonig" wurde m.E. auch historischen Personen und Offizieren des Widerstands im Nationalsozialismus - hier in der Person von Gerhard von Boeselager (sowie seinem Bruder Philipp) posthum ein literarisches Denkmal gesetzt, das diese mehr als auch verdient haben (von Boeselager starb im Jahre 2008).


    Der ältere und bekanntere der beiden Brüder hieß allerdings Georg. ;)


    Sorry, für's Klugs*****en, aber für mich persönlich sind das so interessante und wichtige Themen, dass ich mich schwer tue, darüber hinwegzulesen. ;)


    Liebe Grüße
    dubh


  • Die Reiter unter "Georg" ;) von Boeselager waren in Frankreich und zu Beginn des Russlandfeldzuges in der 6. Aufklärungsabteilung, die der 6. Infanteriedivision angegliedert war. Auch in der Königsbergstellung rund um Rshew (dort, wo Oscar stirbt) sind sie noch Teil der 6. Aufklärungsabteilung. Da diese Truppen aber nah daran waren, komplett verschlissen zu werden, wollte Georg von Boeselager "seine Reiter" unbedingt so schnell wie möglich da raus holen und hat seine alte Schwadron dann als erstes zur Neuaufstellung beordert, nachdem er unter Günther von Kluge Anfang 1943 im Heeresgebiet Mitte die "Kavalleridivision Mitte" aufstellen durfte. Von da an trennte sich der Weg von der 6. Infanteriedivision.


    Das Ganze ist allerdings auch ein extrem komplexes Thema. Also kein Beinbruch, wenn mal was verwechselt wurde. Ändern kann man es ja bestimmt auch noch nachträglich, oder? ;)

  • Herzlichen Dank für diese schöne Leserunde und das wunderbare Buch! Auch ganz lieben Dank für Deine Begleitung, Daniela :bussi:
    Das war/ist ein ganz besonderes Buch für mich :herz:


    Zum Buch:


    1930: Mathilda ist 6 Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Sie ist das jüngste von insgesamt zehn Kindern, und von nun an ändert sich Mathildas Leben. Ihr Vater ist sehr streng, und auf dem Bauernhof muss jedes Kind mit anpacken. Mathilda fühlt sich ungeliebt, nur ihr Bruder Joseph gibt ihr Halt. Als Mathilda 9 Jahre alt ist, trifft sie zum ersten Mal auf Karl. Er ist Josephs Freund und der neue Stallknecht auf dem nachbarlichen Gestüt. Mathilda und Karl verbindet von Anfang an etwas ganz Besonderes miteinander, doch der Krieg wirft seine Schatten voraus und Karl hat ein Geheimnis, das niemand erfahren darf...


    Mein Leseeindruck:


    Ich habe mich total in diese wunderschöne Geschichte verliebt. Mathilda und Karl habe ich direkt ins Herz geschlossen und habe sehr mit ihnen mitgefühlt. Es gibt so viele wunderschöne Momente in diesem Buch und gleichzeitig so viele Schrecken. Ich habe während der Lektüre einige Tränen vergossen. Selten habe ich mich so sehr in eine Geschichte hineinfühlen können wie hier. Ganz sicher werde ich dieses Buch noch öfter lesen!


    Wer Historische Romane mag, schöne Liebesgeschichten, die ans Herz gehen oder auch einfach nur authentische Geschichten, der sollte dieses Buch unbedingt lesen!

  • dubh / Daniela :


    Ich habe es nun (auch hier ;) korrigiert und finde es ganz ok, mal korrigiert zu werden, vor allem wenn es um Namen historischer Personen geht - da habe ich 'gepatzt' (aber nicht absichtlich ;)


    Ein wirklich gelungener und toller historischer Roman jedenfalls, der in der Lage ist, sehr viel Nähe zum Leser/zur LeserIn herzustellen: Besonders DAS hat mir unglaublich gut gefallen! Hoffe, wir können uns noch an weiteren Histos von Daniela literarisch erfreuen ;)
    Liebe Grüße!

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

  • Vielen Dank euch allen für die interessante Leserunde.


    Meine Meinung zu dem Roman:




    Dieser Roman ist in vielerlei Hinsicht besonders und unvergeßlich. Die Geschichte von Mathilda und Karl ist ungewöhnlich und berührend, der historische Kontext so realistisch und intensiv erzählt. dass der Roman einen tiefen Eindruck hinterlässt.
    Von Anfang an liegt eine gewisse Melancholie über Mathilda`s Erinnerungen, weil sie sich an den Sommer erinnert, als sie Karl kennengelernt hat.
    Das kleine Dorf, in dem ihr Vater einen Bauernhof betreibt, spiegelt die Gesellschaft wider, es geht um Glaubensfragen, Ansehen, Neid und Kontrolle. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen, jeder bekommt mit, was die Nachbarn so treiben.
    Karl ist in dieser überschaubaren Welt von Anfang an ein Außenseiter, aber für Mathilda ist er so viel mehr - Beschützer, Freund, Lehrer - aber vor allem nimmt er sie wahr, hört ihr zu und spürt ihr sensibles Wesen.
    Es wird sehr zartfühlend beschrieben, wie beide sich immer wieder quälen mit Zweifeln, Ängsten und dem Wissen, dass sie seelenverwandt sind und daran nichts ändern können und wollen.
    Mathilda erlebt eine harte, entbehrungsreiche Kindheit und Jugend, die geprägt ist von viel Arbeit, einer strengen Erziehung, Schlägen und den Regeln der Kirche. Dennoch sehnt sie sich nach einem freien, selbstbestimmten Leben und ihre Liebe zu Karl wird zu einem Leitmotiv, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.
    Karl war damals der Einzige, der ihr geholfen , ihr zugehört und sie ernst genommen hat. Als er fort gehen muss und sie nicht weiß, was aus ihm geworden ist, beginnt die Zeit des Zweifelns und der Trauer um einen Verlust, für den sie keine Worte hat.
    Karl wird eingezogen in ein Kavallerieregiment, als der 2. Weltkrieg beginnt und er empfindet den Krieg und die vielen Grausamkeiten als inneren Konflikt und Widerspruch zu seinem Wesen. Er ist gezwungen, Entscheidungen mitzutragen und Dinge zu tun, die er verabscheut und die ihn wütend und traurig machen. Es ist ein Minenfeld, auf dem er sich bewegt, ein falscher Schritt und er ist erledigt. Zum Glück hat er einen klugen und besonnenen Vorgesetzten, der seine inneren Kämpfe zwischen Gewissen und Gehorsam zu verstehen scheint - Georg von Boeselager.
    Mathilda`s Bruder findet einen Weg, den Kontakt zwischen Karl und Mathilda wieder herzustellen und von nun an schreiben sie sich lange,intensive und berührende Briefe.
    Die beiden finden sich wieder über die Vergangenheit, sie scheint oft realer zu sein als die Gegenwart von 1940. Mathilda reflektiert in ihren Briefen ihr bisheriges Leben und das ist auch eine Art der Befreiung. Briefe sind nicht nur für den Adressaten gedacht, sondern sie können helfen, die Gedanken zu ordnen. Im Schreiben kann man sich das Erlebte anschauen, es wird ein Drittes, neben dem Ich und dem Du und damit etwas Gemeinsames.
    Durch die persönlichen Sichtweisen wird die Geschichte sehr ehrlich und authentisch. Selten habe ich so ausführliche und schön geschriebene Briefe in einem Roman gelesen. Die Themen des Buchs werden viel deutlicher durch das subjektive Erleben der Personen, besonders natürlich durch die Lebensgeschichten von Karl und Mathilda.
    Sie erzählen uns ihre Biographie und so wird eine schwierige und grausame Zeit fühlbar und lebendig.
    Beide werden bis Kriegsende viele Verluste und persönliche Katastrophen durchleiden,Tod und Verzweifung begegnen und Narben auf der Seele behalten.
    Der "Winterhonig" ist ein schönes Motiv, ein Seelentrost in kalten, dunklen Zeiten, ein bißchen Glück und Lebenssüße inmitten von Krieg und Sterben.


    Sehr gerne vergebe ich 5 Punkte.


    :buchtipp:

  • Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Wenn nur noch die Liebe dir Halt geben kann…


    Wer mich kennt, der weiß, dass ich historische Romane unheimlich gerne lese, bevorzugt diejenigen, die während der Weltkriege spielen und so fand ich zu diesem Buch mit dem recht ungewöhnlichen Titel und dem nüchternen äußeren Erscheinungsbild. Gespannt begann ich mit der Lektüre, die mich emotional mehr als nur ergriffen hat.


    In der Geschichte geht es um die kleine Mathilda, die bereits in jungen Jahren ihre Mutter verliert. Von der vielköpfigen Familie kann sie keinen Halt erwarten, hat der Vater genug damit zu tun alle satt zu bekommen. Und dann lernt Mathilda Karl kennen, der ihr den Halt gibt, den sie immer gesucht hat. Doch Karl trägt ein Geheimnis mit sich, dass nicht nur ihn in große Gefahr bringt. Wie soll Mathilda damit nur umgehen?


    Das Besondere an diesem Roman ist wohl, dass er auf wahre Begebenheiten beruht, die die Großmutter der Autorin erlebt hat, was das Geschilderte noch intensiver macht.


    Daniela Ohms gelingt es hier vor allem ein klares Bild der damaligen Zeit zu liefern. Werden sonst eher berühmte Persönlichkeiten beleuchtet, so steht hier die hart arbeitende Arbeiter- und Bauernklasse im Vordergrund, die mit den Entbehrlichkeiten des Krieges zurechtkommen müssen. Mit klaren, einfachen Worten gelingt es der Autorin den harten Alltag der Protagonisten darzustellen und das so realistisch, dass man das Gefühl hat direkt dabei zu sein.


    Beide Hauptakteure schließt man direkt ins Herz. Gleich zu Beginn des Romans hätte ich Mathilda gern in die Arme genommen und getröstet, weil es sonst niemand tut. Trotz ihres harten Schicksals geht sie ihren Weg und steht für die Liebe ihres Lebens ein. So viel Mut zur Zeit der Nationalsozialisten muss man erst einmal haben. Ich habe sie jedenfalls sehr bewundert. Bei Karl steht sein Geheimnis sehr stark im Fokus. Ich fand gut, dass man nicht direkt erraten konnte, was es ist, sondern dass Frau Ohms den Leser selbst hinter das Rätsel kommen lässt. Er ist einfach ein so unglaublich liebenswerter Kerl. Aber auch die Nebencharaktere wissen zu überzeugen, hat jede Figur doch etwas Einzigartiges.


    Besonders gut gefallen hat mir zudem, dass die Autorin die Schrecken des Krieges keinesfalls beschönigt. Sie werden zwar nicht blutig dargestellt, aber so dass man sich alles problemlos vorstellen kann und regelrecht mitleidet. Auch scheut sie sich nicht davor lieb gewonnene Charaktere sterben zu lassen, doch ich will hier nicht zu viel verraten.


    Ansonsten hat der Roman alles, was ein gutes Buch braucht: Liebe, Intrigen, Freundschaft, Zusammenhalt und viel mehr.


    Fazit: Ein mehr als überzeugender historischer Roman, der mich tief ins Herz getroffen hat und von dem ich noch lange zehren werde. Mit einfachen Worten: Ganz großes Kino! Lasst euch dieses Lesehighlight bloß nicht entgehen. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Klasse!


    Bewertung: 5/ 5 Sternen


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    Rezensionslinks:


    Amazon: https://www.amazon.de/review/R…Z4IHKR/ref=cm_cr_rdp_perm


    Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/…zension-daniela-ohms.html


    Goodreads: https://www.goodreads.com/revi…62?book_show_action=false


    Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/auto…4-w/rezension/1242423284/


    Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension…liebe-dir-halt-geben-kann


    Literaturschock- Hauptseite: http://www.literaturschock.de/…/daniela-ohms-winterhonig


    Literaturschock- Forum: https://literaturschock.de/lit….msg911317.html#msg911317

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

    Einmal editiert, zuletzt von nicigirl85 ()

  • nicigirl85 , Emmy, Rosenprinzessin, TochterAlice und Sagota:
    Ich danke euch schonmal ganz herzlich für eure tollen Rezensionen und eure rege Leserundenteilnahme :-) Es hat großen Spaß gemacht, euch beim Lesen zu "lauschen" und eure Eindrücke so direkt mitzubekommen. Dafür macht unsereins das ja irgendwie (also das Schreiben) und es ist zuuu schade, dass man in den meisten Fällen gar nicht erfährt, wie die Leser das Buch denn nun eigentlich erleben.
    Aber so eine Leserunde gibt dazu wenigstens einen Eindruck, den man dann vielleicht auf den Rest der Leserschaft "hochrechnen" kann. Ich danke euch jedenfalls sehr dafür.


    So, das sollten jetzt allerdings noch keine Schlussworte sein, denn so ganz ganz fertig sind wir ja noch nicht mit der Leserunde, oder?


    Übrigens, für den Fall, dass ihr es noch nicht gesehen habt: Auf meiner Webseite gibt es noch einen erweiterten Anhang zur Recherche und außerdem paar Szenen, die wir im Lektorat aus dem Buch entfernt haben (samt Erläuterung, warum sie entfernt wurden). Wenn ihr mögt, könnt ihr dort gern noch ein bisschen stöbern. Wer möchte kann dort (oder hier) übrigens auch seinen Kommentar dazu hinterlassen ;-)


    http://daniela-ohms.de/anhang-zu-winterhonig/


    http://daniela-ohms.de/outtake…e-szenen-aus-winterhonig/

  • Hallo,
    hier meine Rezension zum Buch. Es hat mir sehr gut gefallen, vielen Dank das ich mitlesen durfte :winken:


    Winterhonig


    Hier wird die Geschichte von Mathilda und Karl erzählt. Mathilda begegnet Karl schon als junges Mädchen von 9 Jahren Anfang der 30iger Jahre. Karl kommt auf das Nachbargut als Pferdeknecht, ins Paderborner Land. Mathilda spürt von Anfang eine Verbindung, zu dem jungen Burschen der aus der Fremde kam. So wird er schnell, zu einer Stütze für ein kleines Mädchen, dass nur eins von 10 Geschwistern ist. Zudem ist sie eine Halbweise. Die Mutter starb, als sie 6 Jahre alt war, und fehlt überall. Von ihrer Freundschaft und Liebe wird hier erzählt. Eine Liebe, die in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs kaum eine Chance hatte. Karl verbirgt etwas und flieht nicht nur vor seiner Vergangenheit. Die Angst, auch Mathilda mit ins Unglück zu stürzen, ist immer gegenwärtig. Wie tief ihre Gefühle füreinander wirklich sind, merken sie erst, als der Krieg schon ausgebrochen ist und es keine Zukunft mehr für sie geben kann.


    Mathilda und Karl halten per Post Kontakt zueinander. Auf diesem Wege erst erfährt der Leser aus berührenden Briefen von der jeweiligen Vergangenheit der Zwei. Zeitangaben vor jedem Kapitel erleichtern das hin und her springen zwischen den Zeiten. Mal spielt die Geschichte im Jahre 1933 und dann wieder im Kriegsgeschehen 1940/41. Davon wie sie sich kennenlernten, wie Karl sein Leben verlaufen ist und wie sich ihr Alltag gestaltete, erzählen die Briefe. Man lernt sie immer besser kennen und verstehen. Auch begreift man schnell, wie hart das Leben für die Menschen damals war. Mit Karl ist man direkt im Krieg dabei und erlebt die Schrecken hautnah. Mathilda erzählt davon, wie schwer das Leben als jüngste von 10 Kindern gewesen ist. Wie schwer es gerade für die Frauen war, den Betrieb auf dem heimischen Bauernhof am Leben zu halten. Die Brüder waren ja alle im Krieg und der Vater für die Feldarbeit eigentlich schon zu alt. So bleibt alles an den Frauen hängen. Daniela Ohms beschreibt das Leben eindrucksvoll und authentisch. Es fällt schwer, das Buch überhaupt mal aus der Hand zu legen. Allerdings ist es auch nicht immer einfach zu lesen und Taschentücher sollten schon bereitstehen. Der Krieg wird mit seiner ganzen Grausamkeit genauso geschildert wie die heiteren Tage. Den auch diese gab es für Mathilda und Karl und auch für die Geschwister von Mathilda. Mir hat Winterhonig sehr gut gefallen, ich konnte gut mit den Protagonisten mitfiebern, trauern und bangen. Aber auch lachen und hoffen. In schweren Zeiten wachsen die Menschen zusammen und die Werte verändern sich. Auch hier ist dies deutlich zu spüren. Die Autorin hat genau die richtigen Worte gefunden, um diese wundervolle Geschichte einer großen Liebe richtig zu erzählen.


    In einem Nachwort klärt Daniela Ohms Fiktion und Wahrheit und erzählt davon, dass die Geschichte einen realen Hintergrund hat. Vor allem, wie sie zu der Idee zu diesem Buch kam. Geschichten mit realem Hintergrund sind mir die Liebsten. Winterhonig ist mir direkt ins Leseherz gegangen.


    :buchtipp:


    https://literaturschock.de/lit….msg911563.html#msg911563



    http://www.literaturschock.de/…/daniela-ohms-winterhonig



    http://www.lovelybooks.de/auto…4-w/rezension/1242678823/


    http://buchcouch-forum.de/foru….msg119378.html#msg119378


    http://www.buchcouch.de/rezens…sche-romane/daniela-ohms/


    http://www.buechertreff.de/thr…ostID=1851212#post1851212


    http://wasliestdu.de/rezension/winterhonig-0


    https://www.amazon.de/gp/custo…l?ie=UTF8&ASIN=3426653974


    https://www.lesejury.de/daniel…winterhonig/9783426653975


    http://www.droemer-knaur.de/buch/8848064/winterhonig


    Leider kann man bei der Lesejury von Lübbe und bei droemer-knaur die Rezensionen nicht direkt verlinken.

  • Daniela Ohms - Winterhonig


    Die Autorin Daniela Ohms entführt uns in ihrem Roman „Winterhonig“ auf einen Bauernhof im Paderborner Land. Dazu inspiriert hat sie ihre Großmutter, Cäcilia Oele, die selbst mit 10 Geschwistern auf einem Bauernhof groß wurde.


    Erzählt wird die Geschichte der Bauerntochter Mathilda und des Pferdeknechtes Karl.


    Mathilda wächst als jüngstes Kind mit 9 Geschwistern auf. Die Familie führt ein hartes Leben, das geprägt ist von der katholischen Erziehung. Alle müssen auf dem Hof mit anpacken, damit das Überleben gesichert wird. Als Mathilda gerade erst 6 Jahre alt ist, verstirbt die Mutter. Mathilda fühlt sich ziemlich alleine gelassen, Nur der ältere Bruder Joseph setzt sich für sie ein. Durch ihn lernt sie auch den Pferdeknecht Karl kennen, der auf dem benachbarten Gestüt arbeitet. Karl schließt Mathilda in sein Herz und unterstützt sie nach Kräften. Es ist Karl, der Mathilda Selbstvertrauen gibt.


    Aber Karl hütet durch seine Herkunft ein Geheimnis, das er nicht preisgeben darf in Zeiten des Nationalsozialismus!


    Die Autorin erzählt die Geschichte sowohl aus Sicht von Mathilda als auch aus Sicht von Karl, so daß man sich sehr gut in beide Seiten hineinversetzen kann.


    Auf der einen Seite wird vom anstrengenden bäuerlichen Leben berichtet, auf der anderen Seite bekommt man einen sehr guten Einblick in das soldatische Leben, geprägt vom Nationalsozialismus und vom Zweiten Weltkrieg.


    Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die schrecklichen Kriegsumstände, den grausamen Kampf um Leben und Tod, die Ängste und die Verluste darzustellen und in ihrem Roman zu verflechten. Eine fesselnde und gleichsam schwierige Geschichte!


    In den schweren Kriegsjahren leben Mathilda und Karl von Erinnerungen aus besseren Zeiten und in der Hoffnung, sich nach dem Krieg wiederzusehen. Der Briefwechsel ist der Autorin wunderbar gelungen!


    Für mich war dieses Buch das Beste, was ich im Jahr 2016 bisher gelesen habe. Es hat mich sehr berührt und die Geschichte wird noch lange nachwirken. Ich habe mit Mathilda und Karl gelitten und gebangt, und bin nicht enttäuscht worden.


    Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.


    Meinen Dank gilt der Autorin, Daniela Ohms, die diese Leserunde begleitet hat.

  • Mathilda wächst als jüngstes von 10 Geschwistern auf einem Bauernhof im Westfälischen auf. Als sie erst 6 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und ihr Leben verändert sich dadurch sehr. Sie ist die Kleine, noch zu nichts nutze, nie macht sie etwas wirklich gut und führt so eine Art Schattendasein in ihrer Familie. Der Vater wirkt hart und eine der älteren Schwestern ist offenkundig seine Lieblingstochter. Die älteren Mädchen ziehen Mathilda auf oder beachten sie kaum. Einzig ihr Bruder Joseph kümmert sich um sie, dennoch ist sie recht allein in der großen Familie.


    Als auf dem Nachbarsgut der Pferdeknecht Karl einzieht, findet Mathilda zum ersten Mal einen echten Freund. Der einige Jahre ältere Junge kümmert sich freundschaftlich und liebevoll um das einsame und empfindsame junge Mädchen.


    Als sie älter werden, verlieben sie sich ineinander, doch dann kommt der Krieg. Außerdem hütet Karl ein Geheimnis, das eine Beziehung zwischen ihnen unmöglich macht und von dem unter keinen Umständen irgendjemand erfahren darf!


    Daniela Ohms erzählt eine Geschichte, zu der sie durch die Lebenserinnerungen ihrer eigenen Großmutter inspiriert wurde. Im Nachwort geht sie darauf ein, was davon wahr ist und wieviel ihrer eigenen Phantasie und Interpretation entstammt.


    Für den Leser setzt sich die Geschichte nach und nach zusammen. Sie beginnt mitten im Zweiten Weltkrieg, Karl ist an der Front in Frankreich und Mathilda kehrt nach ihrem Pflichtjahr auf den elterlichen Hof zurück. Nachdem zwischen ihnen lange Funkstille herrschte, beginnen sie nun, einander zu schreiben. In Briefen und Rückblenden erfahren wir, wie sie sich kennengelernt haben und einander näherkamen und was schließlich zum Bruch zwischen ihnen geführt hat.


    Der Autorin gelingt es sehr gut, den Gegensatz zwischen dem zwar harten, aber dennoch immer noch relativ friedlichen Leben auf dem Land und dem Grauen des Krieges zu schildern. Viele Detailbeschreibungen zeigen den enormen Rechercheaufwand, der hier betrieben wurde, auf mich wirkte die Geschichte dadurch sehr fundiert und authentisch.
    In den Rückblenden wird deutlich, wie sich die Stimmung überall langsam, aber sicher ändert und verschärft.
    Und über alldem liegt das Geheimnis um Karl, das dieser um jeden Preis wahren will und muss und dessen Auffliegen nicht nur sein Leben in Gefahr bringen würde!


    Ein unglaublich fesselnder und emotionaler historischer Roman! Die knapp 600 Seiten verflogen nur so, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Verknüpfung einer fiktiven, aber ganz besonderen Liebesgeschichte mit detaillierten und gut recherchierten historischen Fakten hat mich wirklich begeistert und diese Geschichte wird noch eine ganze Weile nachhallen!

  • Oh je, gerade stelle ich peinlich berührt fest, dass ich noch gar keine Rezension eingestellt habe! :-[ Jetzt aber schnell...


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    Was für ein Buch!


    Mathilda, von den meisten Tildeken genannt, hat keine einfache Kindheit. Als ihre Mutter früh stirbt, wird es für das jüngste Kind einer Kleinbauernfamilie aus dem Paderborner Land nicht einfacher. Nicht nur, dass alle Geschwister tüchtig mit anpacken müssen, nein, für das kleine Mädchen geht auch die liebevolle Nähe verloren. Zum Glück hat sie Joseph, ihren vier Jahre älteren Bruder, der sie beschützt und der ihr ein sehr guter Vertrauter ist. Durch ihn lernt Mathilda Karl kennen - ein älterer Junge, der auf dem herrschaftlichen Gut der von Steineckens als Stallbursche arbeitet. Doch die Zeiten könnten nicht schlechter für eine derartige Freundschaft stehen: nicht nur, dass der Vater als überzeugter Katholik nichts von den ostpreussischen und protestantischen Gutsbesitzer hält, nein, es ziehen noch deutlich dunklere Wolken am Himmel auf, denn die Nazis gelangen an die Macht. Doch trotz allem lassen sich Gefühle nicht einfach unterbinden und so wird aus einer beinahe geschwisterlichen Nähe, die viel Trost zu spenden vermag, eine innige Liebe...


    Knapp 600 Seiten umfasst dieser Roman der Autorin Daniela Ohms und ich kann nur sagen, dass keine einzige davon zu viel ist. Schon die ersten Seiten haben einen unglaublichen Sog auf mich ausgeübt, so dass ich das Buch kaum weglegen konnte. Daniela Ohms hat ein solch bemerkenswertes Feingefühl für ihre Figuren - allen voran natürlich Mathilda und Karl, aber auch Joseph - dass ich nach wenigen Kapiteln meinte, sie zu kennen. Hinzu kommt die Kulisse, der ich anfangs mit einem Fragezeichen entgegen geblickt habe: gerade die Zeit des Zweiten Weltkrieges kenne ich doch verstärkt aus der Perspektive von Stadtbevölkerung oder aber aus dem Blickwinkel derer, die verfolgt wurden. Hier widmet sich die Autorin einer einfachen, sehr gläubigen und hart arbeitenden Landbevölkerung - für mich ein ungewohnt neuer Blick. Denn auch wenn der Krieg lange weit entfernt scheint, erscheinen schon bald seine Schatten auf dem heimischen Hof: da nach und nach viele Männer an die Front müssen, bleibt die harte Arbeit, die zum Überleben aller wichtig ist, an den Frauen hängen. Und dann ist da noch die Liebe zwischen Karl und Mathilda - eine Liebe, die einfach nicht sein darf und doch so wichtig ist, weil sie vor allem auch Hoffnung schenkt.


    Ein wunderschöner Roman, der sowohl den unmenschlichen Facetten des Dritten Reiches, den düstersten Szenen des Krieges und den Entbehrungen als auch den sehnsuchtsvollen Momenten einer tiefen Liebe und der Hoffnung, die Liebsten wiederzusehen, gerecht wird. Dabei hat mich besonders beeindruckt, dass die Autorin immer wieder reale Figuren und Geschehnisse mit in die Handlung eingewoben hat - ein Zeichen für die ausgiebige und gelungene Recherche, auf der das Buch unter anderem fußt. Zudem ist dieser Roman der Großmutter Daniela Ohms gewidmet; der Frau, die sie zu ihrem Buch inspiriert hat.


    Für mich ist "Winterhonig" eine Bereicherung, die schon jetzt zu meinen Lesehighlights des Jahres 2016 zählt. Ein emotional ergreifender, authentisch wirkender Roman, der mich durchgehend gepackt hielt und von dem ich mich nur schwer trennen konnte.


    Volle Punktzahl.


    ****


    Zur Leserunde:


    Ganz herzlichen Dank an alle! Es war wirklich eine Bereicherung, mit Euch gemeinsam zu lesen und zu diskutieren.
    Ein ganz besonders dickes Dankeschön an Dich, Daniela - dafür, dass Du uns phänomenal begleitet hast! Es war einfach großartig, dass Du Dir die Zeit genommen hast, und uns so offen und ehrlich geantwortet hast. Ich wünsche Dir und Deinem Buch ganz viel Erfolg und hoffe, dass wir uns irgendwann hier wieder lesen. :winken:


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    Die Links:


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    Literaturschock-Hauptseite, 20.06.2016 (dubh)
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  • Suse

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