Allgemeine Fragen an Bernhard Hennen und Robert Corvus

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  • Hier ist Platz für allgemeine Fragen an Bernhard Hennen und Robert Corvus, die nichts mit dem Buch "Die Phileasson-Saga 1: Nordwärts" zu tun haben.

  • Hallo zusammen,


    ich hätte da vorneweg schon eine Frage, die mich seit ich das schöne Cover gesehen habe beschäftigt. :)


    Steht das Schriftgrößenverhältnis der Autorennamen im Verhältnis zum Anteil der Arbeit, die ihr zu diesem Projekt beigesteuert habt?
    Oder hat es damit zu tun, dass Bernhard Hennen die Rollenspiel-Geschichte entwickelt hat? Oder ist es eher ein Marketing-Aspekt?


    Wie habt ihr zusammen an diesem Buch gearbeitet?
    Ich stelle mir das immer schwierig vor, mit sich überschlagenden Ideen und Texten und alles immer wieder in Einklang zu bringen, vor allem wenn man nicht im gleichen Ort wohnt!?


    Sorry, dass ich gleich so vorgeprescht bin. ;)

    Schweigen ist das Element, in dem sich große Dinge gestalten. (Thomas Carlyle)


  • ich hätte da vorneweg schon eine Frage, die mich seit ich das schöne Cover gesehen habe beschäftigt.


    Eine nette Anekdote ist, dass wir das Covermotiv beim ersten Band etwas nachlässig (eventuell sogar gar nicht - da erinnere ich mich nicht so genau) gebrieft haben. Der erste Entwurf war dem finalen Motiv bereits recht ähnlich - Seefahrt im Eismeer. Nur: Es waren zwei Schiffe zu sehen, und das waren keine Drachenboote, sondern chinesische Dschunken ... :D
    Der Verlag hat sich dann aber verständnisvoll gezeigt, sodass es jetzt auch die Nordleute auf das Titelbild geschafft haben.



    ... das Schriftgrößenverhältnis der Autorennamen ... ist es eher ein Marketing-Aspekt?


    Ja, genau, es geht um die Positionierung im Buchhandel. Der Buchhändler soll auf den ersten Blick erkennen, bei welchem Buchstaben er Nordwärts ins Regal stellen soll, nämlich bei H wie Hennen. (Ein Fan meinte neulich, es stünde aus Höflichkeit bei H wie "Herr Corvus", aber diese Theorie hat nur wenige Anhänger. ;D ) Heyne ist Bernhards Hausverlag, und vor allem hat Bernhard die größere Reichweite im Buchhandel. Himmel in Flammen, das er kurz vor Nordwärts veröffentlicht hat, stand auf Platz 8 der Spiegel-Bestsellerliste für Paperbacks. Wenn unsere gemeinsame Reihe durch diese Populatität ein bisschen Wind in die Segel bekäme, würde uns das freuen.



    Wie habt ihr zusammen an diesem Buch gearbeitet?


    Das ist eine etwas weit gefasste Frage, auf die eine kurze Antwort schwer fällt. Ich probiere es mal so:
    Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig. Da ich die bessere Infrastruktur für die Arbeit zu zweit habe, treffen wir uns in der Regel bei mir. Wenn der Schwerpunkt unserer Arbeit bei der Phileasson-Saga liegt (wir verfolgen ja auch noch andere Projekte), treffen wir uns etwa alle zwei Wochen.
    Wenn wir einen neuen Band angehen, sprechen wir zunächst den Szenenplan durch. Den bereite in der Regel ich vor, wobei er auf den Abenteuerspielbüchern basiert, die Bernhard vor 25 Jahren geschrieben hat. Wir überlegen dann, welche Ereignisse von Beorn und welche von Phileasson "beackert" werden sollen und was zusätzlich geschehen soll. Auch die Auswahl des Prologs ist immer ein wichtiges Thema.
    Daraus ergibt sich dann auch eine Aufteilung, wer welche Szenen schreibt.
    Mit bis jetzt einer Ausnahme schreiben wir die Szenen dann jeder für sich und tauschen sie per Mail aus. Wir nutzen die Überarbeitungsfunktion unserer Textverarbeitungen, um Änderungsvorschläge zu machen. Bei Nordwärts waren wir noch etwas vorsichtig im Umgang mit den Texten des jeweils anderen, bei Himmelsturm kam es schon mal vor, dass uns bei der Lektüre der Schreib-Flash packte und wir mehrere Seiten in einer Szene ergänzt haben.
    Auf den Arbeitstreffen sprechen wir dann über die Änderungsvorschläge und knobeln gemeinsam an harten Brocken, die uns noch nicht so recht zu passen scheinen.
    Im Lektorat und bei der Durchsicht der Umbruchfahne läuft es ähnlich. Wir schauen die Vorschläge aus der DSA-Rollenspielredaktion bzw. von der Heyne-Lektorin durch, jeder macht zunächt die Anpassungen in den Teilen, die er ursprünglich geschrieben hat, dann setzen wir uns wieder zusammen und besprechen die harten Brocken.


    Auf der phileasson.de-Webseite geben wir auch einen kurzen Einblick in die Entstehung von Nordwärts.

  • Das Covermotiv finde ich auch super. Allerdings sind mir so ähnliche Gedanken gekommen wie Tonlos. Mir persönlich gefällt das Größenverhältnis zu Namen und Bild nicht so gut. Die Namen, besonders von Bernhard Hennen kommen sehr plakativ rüber und verursachen in mir eher ein negatives Gefühl. Wenn ich ihn nicht persönlich kennen würde, würde ich vermutlich anderes hineininterpretieren. Aber ich hatte mir schon gedacht, dass der Verlag da seine eigenen Strategien verfolgt. Das Mitspracherecht der Autoren ist da ja oft begrenzt, obwohl auch da Bernhard Hennen mittlerweile sicher mehr Gehör erhält, vermute ich mal.


    Das mit dem reinschreiben finde ich interessant. Muss man da als Autor nicht sehr selbstbewusst und tolerant sein? Jeder hat doch so seine eigenen Ideen und auch seinen eigenen persönlichen Schreibstil.


    Aber die Protagonisten habt Ihr Euch nicht aufgeteilt, oder?


    LG Murkxsi

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Ist das eigentlich mehr Arbeit, wenn man gemeinsam ein Buch schreibt? Oder erleichtert einem als Autor das Schreiben?

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen


  • Aber ich hatte mir schon gedacht, dass der Verlag da seine eigenen Strategien verfolgt. Das Mitspracherecht der Autoren ist da ja oft begrenzt, obwohl auch da Bernhard Hennen mittlerweile sicher mehr Gehör erhält, vermute ich mal.


    Man muss das im Gesamtzusammenhang sehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch eine rosafarbene Nelke mit grünen Pünktchen auf dem Titelbild hätten durchdrücken könnten - aber damit hätten wir dann auch unser Pulver verschossen und müssten in anderen Bereichen von unseren Positionen abrücken. Naturgemäß liegt uns besonders viel am Text, da können wir sehr pingelig sein. Dafür sind wir bei der grafischen Gestaltung wesentlich nachgiebiger - schließlich sind wir keine Coverkünstler, davon verstehen andere mehr.
    Speziell ist zu bedenken, dass man das wesentliche Verkaufsargument eines Buchs auf ein paar Meter Entfernung erkennen muss - ein Kunde, der in der Buchhandlung am Ausstellungstisch vorbeiläuft, soll es noch aus dem Augenwinkel erfassen können. Dieses Verkaufsargument kann bildhaft dargestellt sein, aber bei uns ist es ganz klar der Name Bernhard Hennen.



    Das mit dem reinschreiben finde ich interessant. Muss man da als Autor nicht sehr selbstbewusst und tolerant sein? Jeder hat doch so seine eigenen Ideen und auch seinen eigenen persönlichen Schreibstil.


    Der Text steht im Vordergrund. Man braucht einen Blick dafür, ob etwas durch eine Änderung oder Ergänzung besser wird oder nicht, unabhängig davon, wer den jeweiligen Vorschlag einbringt. Ich denke, wir sind beide so lange "im Geschäft", dass uns das gut gelingt. Aber wie erwähnt: Beim ersten Band waren wir noch etwas behutsamer mit unseren Vorschlägen. Inzwischen sind wir total enthemmt. Bitte diese Aussage nicht aus dem Zusammenhang gerissen zitieren. ;D



    Aber die Protagonisten habt Ihr Euch nicht aufgeteilt, oder?


    Doch, im Wesentlichen entscheidet die Perspektivfigur darüber, wer welche Szene schreibt. Vielleicht könnt Ihr ja bei der Lektüre erraten, wer wessen Geistes Kind ist ... ;)



    Ist das eigentlich mehr Arbeit, wenn man gemeinsam ein Buch schreibt? Oder erleichtert einem als Autor das Schreiben?


    Das frage ich mich auch immer wieder. Die Antwort ist deswegen schwierig, weil der Bezugspunkt unklar ist. Wenn ich es mit einem Roman vergleiche, den ich allein schreibe, habe ich das Gefühl, dass ich mich insgesamt etwa gleich lange mit einem Phileasson-Titel beschäftige, obwohl ich erheblich weniger Seiten beisteuere. Da man ja noch den Arbeitsanteil des zweiten Autors hinzurechnen muss, wäre es also insgesamt mehr, und wenn man die Rollenspiel-Vorlage als wesentliche Vorarbeit für das Projekt hinzurechnet, ist man jenseits von Gut und Böse. Andererseits fällt das Ergebnis aber auch so aus, wie ich es allein überhaupt nicht hinkriegen würde. Bei meinen Soloprojekten habe ich keinen Partner, dessen Texte meine eigenen Ideen beflügeln oder der mir Vorschläge für radikal andere Handlungsverläufe macht. Das ständige gegenseitige Korrigieren fehlt - die Heyne-Lektorin kann sich nicht erinnern, jemals so saubere Texte bekommen zu haben.
    Je länger ich darüber nachdenke, desto stärker reift die Erkenntnis, dass die Romanadaption der Phileasson-Saga in meiner Schriftstellerei eine ganz eigene Kategorie ist.

  • ;D Eine rosafarbende Nelke mit grünen Pünktchen wäre sicher hübsch, würde dann aber doch nicht so gut passen. :D


    Mir persönlich ist der Inhalt auch am Wichtigsten und da bin ich dann schon froh, dass Ihr da so pingelig seid.



    Doch, im Wesentlichen entscheidet die Perspektivfigur darüber, wer welche Szene schreibt. Vielleicht könnt Ihr ja bei der Lektüre erraten, wer wessen Geistes Kind ist ... ;)


    Das finde ich spannend und werde versuchen herauszufinden, wer was geschrieben hat. Wenn sich das vermischt, wird es sicherlich eher schwierig. Bis jetzt weiß ich noch nicht, ob und wie unterschiedlich Euer Schreibstil ist. Er wird sicherlich sehr ähnlich sein, sonst lässt sich ein gemeinsames Projekt wohl nicht so gut bewerkstelligen.


    Ich möchte mich an dieser Stelle übrigens für die tollen Antworten und Kommentare bedanken. Bei so einem schreibfreudigen Autor macht die Leserunde doppelt so viel Spaß. Und man erfährt so viele schöne Geschichten.
    Vielen Dank lieber Bernard (ich muss immer schauen, dass ich mich nicht verschreibe... Bernhard...Bernard.. wie entscheidend ein h doch sein kann).

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen


  • Ich möchte mich an dieser Stelle übrigens für die tollen Antworten und Kommentare bedanken. Bei so einem schreibfreudigen Autor macht die Leserunde doppelt so viel Spaß. Und man erfährt so viele schöne Geschichten.
    Vielen Dank lieber Bernard (ich muss immer schauen, dass ich mich nicht verschreibe... Bernhard...Bernard.. wie entscheidend ein h doch sein kann).


    Dem schließe ich mich zu hundert Prozent an! Schon jetzt am Beginn der Leserunde stehen hier äußerst interessante Dinge im Forum und es ist mir hier bei Leserunden.de eine große Freude, wenn der Autor/die Autoren sich rege am Austausch beteiligt/beteiligen!

  • Ich finde schon, dass man merken kann wer wessen Geistes Kind ist 😉 zumindest hat man schnell eine Ahnung, wenn man beispielsweise starke Persönlichkeiten aus Bernhard Hennens Werken begegnet ist. Allerdings finde auch ich, dass die Abschnitte derart stimmig ineinander greifen, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht vor allem was das sprachliche Niveau betrifft und das hat mich zugegebenermaßen etwas überrascht! Völlig frustriert musste ich schon ein viel gepriesenes Buch eines Autoren Duos bei Seite legen, da sich der Sprachstil und das Niveau derart unterschieden, dass ich es immer auf Anhieb merkte, wenn dieser oder jener Autor am Werk war. Daher hatte ich bezüglich der Phileassonsaga auch erst mal Bauchschmerzen, ob das funktionieren kann, vor allem da ich ein großer Fan von Hennens hochkarätigem Schreibstil bin. Aber....Ich bin derart positiv überrascht worden von Corvus' Zusammenarbeit, dass dieses Buch für mich eine große Entdeckung ist! Hennen& Corvus harmonieren großartig! Mehr, mehr, viel mehr davon bitte 😊

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • Mal eine andere Frage: Die Karte von Aventurien, gibt es die auch im ganzen Stück? Im Buch ist die obere Hälfte vorne, die untere Hälfte unten. Bei einer solchen Fahrt habe ich gerne eine ganze Karte, um den Weg verfolgen zu können.


    Ich könnte sie mir jetzt kopieren und zusammenkleben, aber vielleicht gibt es diese Karte schon irgendwo.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen


  • Mal eine andere Frage: Die Karte von Aventurien, gibt es die auch im ganzen Stück?


    Oh ja.
    Auf unserer Webseite findest Du eine Aventurienkarte in alternativer Darstellung. Dort kannst Du auch mit dem Mauszeiger auf die Suche gehen, wohin die Reise geht - alle Gebiete, die auf der Wettfahrt eine Rolle spielen, sind mit einem "Tooltip" versehen, der erscheint, wenn der Mauszeiger eine oder zwei Sekunden darauf still steht.
    Die Karte, die bei uns im Buch in zwei Teilen abgedruckt ist, findet sich sehr ähnlich (einige Städte sind anders benannt und sonstige kleine Abweichungen) in den aktuellsten, aber wirklich nur den aktuellsten, DSA-Romanen von Ulisses. Die haben kürzlich ein neues Format bekommen, seitdem ist diese Karte in der Klappe abgedruckt.
    Im reichhaltigen Rollenspiel-Zubehör-Angebot zu "Das schwarze Auge" gibt es auch Kartenmaterial in diversen Geschmacksrichtungen, zum Beispiel auch die Karte, die auf unserer Homepage zu sehen ist. Zusätzlich gibt es politische Karten, auf alt getrimmte Karten, Karten in alternativer Zeichenweise, Detailkarten für bestimmte Regionen oder Städte, sogar ein "Aventurischer Atlas" ist zu haben. Manche dieser Produkte sind aktuell vergriffen, aber auf dem schwunghaften Gebrauchtmarkt zum Beispiel bei eBay findet man alles.
    Also: Da sollte für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas zu finden sein. ;)

  • Ich war gerade mal auf Eurer Webseite stöbern. Das Willkommens-Video zur Phileasson-Saga fand ich ganz witzig. Und natürlich stellt sich mir dir Frage: Welche Klischees haben den Autoren, besonders Fantasy-Autoren, von denen Bernhard spricht?
    Mir war bisher nicht bekannt, dass Autoren anscheinend viel Bananensaft trinken :D

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Liebe Autoren,


    eins ist definitiv gewiss: Den Roman mit einer Vergewaltigungsorgie zu beginnen ist schon ein gelungener Coup! Wenn ich sehe, welchen Verlauf die Diskussionen nehmen und wie sehr es einen doch beschäftigt, wer, wann, wie hätte reagieren sollen /können/müssen. Dieses Thema treibt wohl alle Leser bzw. Menschen um. Unmittelbar am Anfang wird so eine existenzielle Frage aufgeworfen, dass man das Buch unmöglich aus der Hand legen kann ;-) Ein kleiner Geniestreich würde ich sagen. Denn wer soll sich bitte NICHT mit Fianna solidarisieren können?


    Einfach nur sehr gelungen, solch einen roten Faden, durch den Roman zu weben. Das hat mich ziemlich beeindruckt.


    :winken:

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • Habt ihr euch vor dem Schreiben als Recherche für die Vergewaltigungsthematik auch mit Betroffenen unterhalten? Opfer von Vergewaltigungen? Resozialisierte Vergewaltiger? Experten in dem Gebiet oder Psychologen? Und jetzt bitte keine Antwort wie "Ich interviewe auch keine Drachen, bevor ich über sie schreibe."


    Habt ihr in den folgenden Bänden auch vor, weitere sexuell grenzwertige Themen wie Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch zu thematisieren?


    Vor acht Jahren, als mein erster Patensohn mit 12 die Fantasyliteratur für sich entdeckt hat, habe ich ihm nicht erlaubt, einige DSA-Romane zu lesen, da sie zu sexualisiert waren. Wie seht ihr beide das mit Nordwärts? Würdet ihr es eurem zwölf Jahre alten Patensohn (oder dem Neffen, dem eigenen Kind, dem Nachbarsjungen) im frühen "Jungmannen"-Alter erlauben, Nordwärts zu lesen? Oder: Was wäre die von euch angesetzte Altersbeschränkung?



    Echt jetzt? Ich finde es ist ein Unding, so eine drastische Geschichte in die Phileasson-Saga einzubauen. Die beiden Autoren hätten ja eine andere Reihe anfangen können, falls sie sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen und deren Konsequenzen thematisieren wollten. Für mich gibt es nur einen Grund, warum ich das Buch überhaupt noch lese und der ist diese Leserunde. Es ist meine erste und ich fände es Robert Corvus und euch gegenüber respektlos, wenn ich es einfach abbrechen würde. Sonst hätte ich das Buch spätestens nach dem Prolog weggelegt, im Internet eine Zusammenfassung gelesen und gut ist.


  • Habt ihr euch vor dem Schreiben als Recherche für die Vergewaltigungsthematik auch mit Betroffenen unterhalten? Opfer von Vergewaltigungen? Resozialisierte Vergewaltiger? Experten in dem Gebiet oder Psychologen?


    Nein.
    Drachen würde ich gern mal interviewen, ich fürchte aber, ich werde so schnell keinen treffen. :)
    Ich war mal in Norwegen, aber das ist ein paar Jahrzehnte her. Ich bin nicht für die Recherche zu Nordwärts erneut nach Norwegen gefahren.
    Ich habe auch kein Gefängnis besucht, um Mörder zu interviewen, die ähnliche Taten wie diejenigen begangen haben, die im Zusammenhang mit dem falschen Leuchtfeuer verübt wurden.
    Ich habe mich auch nicht mit Okkultisten zusammengesetzt, um etwas über deren Sicht auf magische Praktiken zu erfahren.
    Ich habe allerdings Bücher über die Kultur der Wikinger gelesen, und Bernhard hat lange Schwertkampf praktiziert, was sicher auch der Sache zu Gute kommt.
    So lange die Schilderung einer Vergewaltigung diese als etwas erscheinen lässt, was abstoßend, verwerflich und ein Verbrechen ist, habe ich damit überhaupt kein Problem. Problematisch wäre es hingegen, wenn man nach der Lektüre der entsprechenden Szenen als Leser den Eindruck hätte: "Mensch, das war ja klasse! Das Mädel hatte es echt verdient und die Jungs hatten eine Menge Spaß - das will ich jetzt auch mal machen!" Das ist für mich der Unterschied zwischen "Gewaltdarstellung" und "Gewaltverherrlichung".



    Habt ihr in den folgenden Bänden auch vor, weitere sexuell grenzwertige Themen wie Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch zu thematisieren?


    Ja, wenn es der Geschichte dient.
    Es werden auch Morde, Entführungen, Lügen, Eidbrüche, Untreue, Verrat vorkommen.
    Und Gemeinschaft, Hilfbereitschaft, Liebe, Wunder, Freundschaft, Heilungen.
    Ich habe da keine Schere im Kopf.



    Würdet ihr es eurem zwölf Jahre alten Patensohn (oder dem Neffen, dem eigenen Kind, dem Nachbarsjungen) im frühen "Jungmannen"-Alter erlauben, Nordwärts zu lesen? Oder: Was wäre die von euch angesetzte Altersbeschränkung?


    Ich kann mich erinnern, dass in meiner Schulklasse alle Zombiefilme geschaut haben, die sich von der Altersfreigabe her oberhalb unseres Alters bewegten. Andererseits bin ich bei der David-Lynch-Verfilmung von Der Wüstenplanet aus dem Kino gegangen, weil es mir zu brutal wurde. Heute nehme ich den Film anders wahr, er gehört zu meinen Lieblingsfilmen.
    Generell würde ich es stark vom jeweiligen Kind abhängig machen. Woran hat dieser junge Mensch Freude, was könnte ihn verstören? Ich hätte kein prinzipielles Problem damit, einem Zwölfjährigen Nordwärts zu lesen zu geben. Das liegt auch daran, dass bei einem Buch die Bilder im eigenen Kopf entstehen. Märchen, die man Kindern vorliest, sind ja auch alles andere als zartfühlend - "Hexe in den Ofen", "Wolf frisst Kinder" - das sind da gängige Motive. Anders wäre das bei einer Verfilmung, weil hier die Bilder von außen kommen und man sich, gerade als Kind, schlecht davor abschirmen kann. Würde Nordwärts werkgetreu verfilmt, könnte je nach Kameraführung eine Freigabe erst ab 16 gerechtfertigt sein.



    Für mich gibt es nur einen Grund, warum ich das Buch überhaupt noch lese und der ist diese Leserunde. Es ist meine erste und ich fände es Robert Corvus und euch gegenüber respektlos, wenn ich es einfach abbrechen würde. Sonst hätte ich das Buch spätestens nach dem Prolog weggelegt, im Internet eine Zusammenfassung gelesen und gut ist.


    ... was ja auch okay ist.
    Ich habe vor Jahren im Internet eine noch extremere Position gelesen, nämlich, dass jemand argumentiert hat, er lese keine Bücher, in denen Menschen zu Tode kommen. Der Tod eines Menschen sei für ihn nicht unterhaltsam. In der echten Welt geschehen bereits sehr viele schlimme Dinge, das braucht er in seiner Freizeitgestaltung nicht auch noch.
    Das ist eine valide Position, finde ich, aber als Autor kann ich mich nicht danach richten. Ich kann meine Bücher nur so gut schreiben, wie ich es vermag, und dann hoffen, dass sie ihr Publikum finden. Dieses "so gut ich es vermag" beinhaltet auch extreme Darstellungen, wenn sie dabei helfen ...
    ... ein Land als raue Umgebung zu präsentieren, die seine Bewohner entsprechend prägt, sodass sie töten, um zu überleben - manche auf Plünderfahrten, andere anders
    ... Sympathie für eine Figur zu erzeugen, die einen oder mehrere schreckliche Morde begeht
    ... die seelische Stärke einer Figur zu zeigen, die auch in einer monatelangen Qual nicht zerbricht
    ... ambivalente Figuren zu schaffen, die sich im Spannungsfeld zwischen großer Schuld, ehrlicher Reue, Freundschaft zu den falschen Leuten und Ähnlichem bewegen.

  • Lieber Bernhard, lieber Bernd,


    ich möchte mich hier einfach auch bedanken für die ausführlichen Antworten. Fragen kann ich gerade keine stellen, da diese schon alle hier gestellt wurden ;D Den Prolog habe ich gestern gelesen und bin nun gespannt, ob ich in den folgenden Kapitel erkennen werde, wer von euch aus welcher Perspektive geschrieben hat. Ich kenne bisher nur Bernards Bücher, von Bernhard habe ich bisher noch nichts gelesen :-[


    So, nun schreibe ich dann mal in den ersten Abschnitten meine Eindrücke.


  • Ist dein gutes Recht! Good luck with that! ;)


    Ich messe deine Autorentätigkeit ja nicht nur an diesem (meiner Meinung nach bis jetzt missglücktem) Band der Phileasson-Saga, sonst hätte ich wohl bis jetzt schwerlich sechs deiner Romane gelesen und Sanguis B. würde nicht weiterhin auf meiner Wunschliste stehen. ;)