01 - Seite 5 bis 45 (Beginn Prolog bis "... der angenehme Teil ...")

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Ich bin jetzt also auch dabei.
    Der Auftakt ist fulminant, tragisch und ziemlich berndlastig :D.


    Natürlich habe ich zuerst gedacht, welche furchtbaren Schlächter das sind, die die so geschwächte Schiffsbesatzung abschlachten. Aber dann begann ich mich an Bernds Denkweise zu erinnern und da war es einfach logisch. Nein, nicht alle Thorwaller sind Schlächter, noch nicht einmal sind alle Strandräuber, denn sonst brauchte dieses Dorf nicht abzuschlachten. Die einzig sichere Methode, nicht erwischt zu werden ist es, alle Spuren zu beseitigen und jeder, der überlebt ist eine Gefahr. allerdings glaube ich nicht, dass dieses Dorf nur wegen einer schlechten Ernte oder ähnlichen Problemen zu solchen Maßnahmen greift. Es ist doch ein Dorf, welches von Strandräuberei lebt, oder habe ich das falsch verstanden? Ich denke Tylstyr ist in Gefahr. Es wird ja schon angedeutet, dass man Angst hat, er könnte zum Verräter werden. Ich denke nichts anderes ist mit dem "zum Mann werden" durch abschlachten gewollt, als eine Mitschuld, die Verrat verhindern soll. Die Dörfler sind mir alle unsympatisch und ich finde es schade, dass auch der einzige Freund sich voll integriert, aber auch das ist logisch. Er wollte ja der Held sein, der Käptn und Tylsyr sollte der Zauberer sein, der ihn unterstützt. Nun ist er in einem Dorf aufgewachsen, wo "Heldsein" mit Brutalität gleich gesetzt wird. Wiedermal alles logisch. Aber ich würde gern jetzt mal ein paar grüne Wiesen sehen.


    Übrigens: vergewaltigt ihr in Spielrunden oder laßt ihr das die NPCs machen? In unseren Runden geht es wesentlich harmloser zu. Allerdings haben wir auch einen Meister, der sich als Spieler weigert gegen Orks zu kämpfen und uns sehr böse war, als wir seinen Esel als Köder benutzt haben. :)


  • Der Auftakt ist fulminant, tragisch und ziemlich berndlastig :D.


    :freu: :freu:
    Wir können ja am Ende im letzten Leseabschnitt einmal raten, wer welchen Abschnitt geschrieben hat. Bernhard und ich sind uns da sehr ähnlich. :)



    Nein, nicht alle Thorwaller sind Schlächter, noch nicht einmal sind alle Strandräuber, denn sonst brauchte dieses Dorf nicht abzuschlachten.


    :daumen:


    Die einzig sichere Methode, nicht erwischt zu werden ist es, alle Spuren zu beseitigen und jeder, der überlebt ist eine Gefahr.


    :daumen:



    allerdings glaube ich nicht, dass dieses Dorf nur wegen einer schlechten Ernte oder ähnlichen Problemen zu solchen Maßnahmen greift. Es ist doch ein Dorf, welches von Strandräuberei lebt, oder habe ich das falsch verstanden?


    Zumindest darf man davon ausgehen, dass sie das schon mehrmals gemacht haben, ja.



    Ich denke nichts anderes ist mit dem "zum Mann werden" durch abschlachten gewollt, als eine Mitschuld, die Verrat verhindern soll.


    Ah, ein neuer Aspekt! Nicht nur, dass die Opfer als Zeugen beseitigt werden sollen - auch die Dörfler werden zu Mittätern und können daher nicht "auspacken".



    Aber ich würde gern jetzt mal ein paar grüne Wiesen sehen.


    Die kommen, versprochen - wenn auch nicht unbedingt bereits im nächsten Leseabschnitt. ;)

  • Zitat

    Übrigens: vergewaltigt ihr in Spielrunden oder laßt ihr das die NPCs machen?


    Auf Spielerseite kommt das in meinen Runden nicht vor. Da ich eher zur guten Seite der Macht tendiere, ist das für mich ein NoGo.
    Ganz selten habe ich eine Vergewaltigung schon mal als 'Dramatisches' Mittel eingesetzt, um die Spieler zu 'motivieren' das Richtige zu tun. Dann allerdings ohne Details.


    Zitat

    Es ist doch ein Dorf, welches von Strandräuberei lebt, oder habe ich das falsch verstanden?


    Das hatte ich zwar nicht so verstanden. Aber die Dörfler sind viel zu routiniert, um es das erste Mal zu machen.
    Aber das Überfallen und Töten sind sie wohl durchaus gewöhnt, wenn ich den Hetmann richtig verstanden habe. Sie verdingen sich ja wohl auf Schiffen, um auf Plünderfahrt zu gehen. Gibt es dafür eigentlich einen Begriff im Aventurischen?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

    Einmal editiert, zuletzt von Torshavn ()


  • Ich denke nichts anderes ist mit dem "zum Mann werden" durch abschlachten gewollt, als eine Mitschuld, die Verrat verhindern soll.



    Ah, ein neuer Aspekt! Nicht nur, dass die Opfer als Zeugen beseitigt werden sollen - auch die Dörfler werden zu Mittätern und können daher nicht "auspacken".


    Das ist wirklich ein neuer, interessanter Gedanke.
    Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass die Männer Angst davor hätten von ihren Söhnen verraten zu werden, auch wenn sie nicht gemordet hätten. Tylstyr hat es ja auch nicht getan und verlässt sogar das Dorf.

    Schweigen ist das Element, in dem sich große Dinge gestalten. (Thomas Carlyle)

    Einmal editiert, zuletzt von Tonlos ()

  • Das ist wirklich ein neuer, interessanter Gedanke.
    Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass die Männer Angst davor hätten von ihren Söhnen verraten zu werden, auch wenn sie nicht gemordet hätten. Tylstyr hat es ja auch nicht getan und verlässt sogar das Dorf.


    Ich denke doch, denn wenigstens muss er sich an der Vertuschungsaktion beteiligen und der Hetmann verwarnt ihn ja auch, weist ihn auf die Strafe für Strandräuber hin uns meint "Wäre besser gewesen, wenn du heute dein erstes Blut vergossen hättest. Dann hätten alle gesehen, dass du wirklich einer von uns bist, Junge"

  • Ich denke doch, denn wenigstens muss er sich an der Vertuschungsaktion beteiligen und der Hetmann verwarnt ihn ja auch, weist ihn auf die Strafe für Strandräuber hin uns meint "Wäre besser gewesen, wenn du heute dein erstes Blut vergossen hättest. Dann hätten alle gesehen, dass du wirklich einer von uns bist, Junge"


    Aber diesen Satz verstehe ich nicht als Angst vor Verrat, sondern dass er zeigen soll, dass er kein Feigling ist und das Dorf unterstützt.

    Schweigen ist das Element, in dem sich große Dinge gestalten. (Thomas Carlyle)

  • Naja, ich finde es logisch, dass man versucht, bei einem Verbrechen alle Mitwisser auch zu Mittätern zu machen, dass ist die beste Methode, sich des Schweigens sicher zu sein. Schließlich ist Tylstyr ein sehr unsicherer Kandidat.

  • So. Der Einstieg ist geschafft. Was ist dazu zu sagen?


    Zuerst einmal kenne ich mich in Aventurien so gar nicht aus. Ich denke, dass das durchaus etwas zu meiner Verwirrung beigetragen hat, denn für mich waren es in den ersten paar Seiten einfach zu viele neue Begrifflichkeiten. Namen, Beschreibungen, Orte, Götter, Ämter... und dann springen etliche davon gleich darauf wieder vom Bug. Das war mir persönlich etwas zu viel für ein flüssiges Lesevergnügen, aber wirklich gestört hat es nicht. Ich denke mal das Kenner der Rollenspielkampagne da im Vorteil sind. Auch bin ich überzeugt, dass sich die Verwirrtheit bei mir mit fortschreitendem Buch legen wird.


    Zu den Charakteren die mir in Erinnerung geblieben sind:


    Fianna. Das arme kleine Mädchen. Sie ist mir durchaus sympathisch. Aus ihr hätte der große Held werden können der Tjorne so gern sein würde. Leider wird sie nun wohl einen Großteil ihres Lebens als verhärmte Person, kaltherzig, egoistisch, rachsüchtig und in der Vergangenheit lebend verbringen. Zumindest wenn sie dieser Folter entkommen kann. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist sie den ganzen Winter dort als Sklavin angekettet, oder habe ich da was mit den Zeiten verhauen? Die Monatsbezeichnung sind mir halt nicht geläufig und ich persönlich mag es gar nicht meinen Lesefluss zu unterbrechen um in einem Glossar etwas nachzuschlagen. Da überlese ich lieber das Problem und hoffe, dass es sich mir von selbst irgendwann erschließt. Aber wie lange auch immer, es scheint ja eine geraume Zeit zu sein und wenn sie da psychisch unbeschadet daraus hervorgeht, läuft was falsch. Ich hoffe sehr, dass sie sich irgendwie selbst aus diesem Dreck befreien kann und nicht auch noch einen Mann braucht, der zu ihrer Rettung eilt.


    Tylstyr. Der Junge mit dem unaussprechlichen Namen. Seine Abschiedsaktion von seiner Mutter am Grab fand ich sehr gut. Der Charakter selbst ist mir allerdings wenig sympathisch. Mir erschließt sich auch nicht was er da macht. Offensichtlich ist er jung genug um nicht gegen irgendetwas aufzubegehren, das ihm sein Vater, dessen Gunst er so gern haben würde, und Warulf sagen und antun. Ist er denn ganz allein in dieses Dorf gekommen und muss wieder abgeholt werden, weil man ihn allein nicht in die Welt lassen kann? Andererseits scheint er alt genug zu sein Sex haben zu können und auch komplexe soziale Zusammenhänge zu verstehen. Menschenkenntnis scheint er auch ein bisschen zu besitzen, oder vielmehr Selbsterhaltungstrieb. Dort sein will er nicht. Zugehörig fühlt er sich nicht. Alt genug ist er und ein eigenes Zuhause hat er auch. Warum also ist er nicht gleich nach der Beerdigung wieder abgehauen? Und vor allem: Warum sagt er nichts? Er guckt und denkt und wenn Töne rauskommen, dann nur das was andere hören wollen. Er nimmt sich raus besser zu sein als die anderen aus seinem Dorf weil er kein Mörder ist und keine Unschuldigen brutal umgebracht hat, aber nur mit neben dem Unrecht stehen und schweigen hat auch noch niemand einen Krieg verhindert.
    Mein kleines Rebellenherz kann solche duckmäuserischen Charaktere nicht besonders gut leiden. Man möchte ihn ständig schütteln und schreien: „Sag doch endlich was, wenn es dich so sehr stört!“ Ob aus ihm mal ein großer Held und Magier wird? Zur Zeit finde ich das eher unwahrscheinlich. Drittklassiger Haushaltszaubervertreter könnte vielleicht drin sein...


    Tjorne. Zu ihm habe ich eigentlich keine wirkliche Meinung. Die Szene am Ende als er Tylstyr zu Fianna bringt, macht ihn mir leider unsympathisch. Vorher hätte er mir sogar noch sympathisch werden können. Dafür dass er ein großer Held werden möchte, hängt er immer noch mit den alten Kumpels von früher zuhause rum. Allerdings schätze ich, dass man in dieser Art von Gesellschaft nicht sehr lange Kind sein darf. Daher hätte auch er doch schon längst allein aufbrechen können wenn er das sooo ganz dringend will. Aber wahrscheinlich hockt der in dreißig Jahren immer noch am Feuer, mit gebeugtem Rücken, Narben im Gesicht und ausgefallenen Haaren und träumt davon ein König zu sein. Arme Suppe.


    Hagrid. Der Name geht ehrlich gesagt gar nicht. Hagrid wird für mich immer der sensible, tierliebe, bärtige Halbriese aus Harry Potter sein. Es gibt halt leider so Namen die sind so unglaublich vorbelastet. Zum Charakter an sich ist nicht viel zu sagen. Typische Vaterfigur in einer archaischer Gesellschaft. Besonders intelligent scheint er nicht zu sein, sonst wäre ihm ja sicher aufgefallen, dass Tylstyr sicher nicht selbst Schuld daran hat, nicht rechtzeitig vor der Mutters Tod in Stainakre zu sein. Bemerkenswert ist, dass er aber wohl trotzdem zu irgendeiner tiefen emotionalen Regung fähig war und offensichtlich alles ihm mögliche versucht hat um seiner sterbenden Frau noch ein letztes Treffen mit Ihrem Sohn zu ermöglichen. Ich bin gespannt ob der Vater in der weiteren Geschichte noch mit von der Partie ist und vielleicht am Ende erkennt, dass sein Sohn doch zu etwas nütze ist, auch wenn es nicht seinen eigenen Vorstellungen entspricht. Und um ehrlich zu sein, teile ich diese Hoffnung ;)


    Warulf. Scheint mir ein typischer Dorfvorsteher in einer barbarischen Gesellschaft zu sein. Er versucht wohl seine Leute bei Laune zu halten und möglichst nicht verhungern zu lassen in diesem harten Winter, von dem ich nur weiß das es ihn gibt weil es irgendwo im Buch steht... Scheinbar ist es wohl nicht so kalt, dass man als kleines Mädchen mit nur einer schäbigen Decke bekleidet, mit garantiert angeschlagener Gesundheit und am Hungertuche nagend, nach etlichen Wochen körperlicher Folter in einer feuerlosen Höhle Erfrierungserscheinungen zeigt...
    Entschuldigung, nicht abschweifen... Warulf. Ich mag den Namen ziemlich gern. Er erinnert mich an ein Lied (Varulfen von Saltatio Mortis) und jedes Mal wenn ich den Namen lese fängt es in meinem Kopf zu singen an. Demnach mag ich auch den Charakter. Das ist sicher von den Autoren so nicht gedacht, aber ich kann nichts dagegen machen. Demnach bin ich gespannt, ob er weiterhin noch im Buch vorkommt und wenn ja ob es ein guter oder böser Charakter wird.


    Die früheren Freunde Tylstyrs.
    Da war der, der die Klippe runter gestürzt ist und offensichtlich nicht nur ein paar Knochen gebrochen hat, sondern wohl auch ganz dolle auf dem Kopf aufgekommen ist. Zumindest interpretiere ich das in den kleinen Satz den Tjorne zu Tylstyr sagt, als er Fiannas Wunde im Gesicht erklärt. Scheinbar denken selbst seine Freunde, dass er nicht ganz gerade läuft. Ob sich da draus noch ein Konflikt entwickelt?
    Dann war da noch.. Schlitzmaul. Schon durch dieses unverkennbare Merkmal bleibt der im Gedächtnis, allerdings auch mit genau diesem Namen. Der hatte es sicher auch nicht so leicht im Leben, aber Mitleid habe ich deswegen sicher nicht mit ihm. Das er Fianna diese Tortur zu seinem Spaß und Vergnügen zumutet und sie nicht auch einfach tötet finde ich derbe daneben. Abgesehen davon, dass die anderen ja auch fröhlich mitmachen. Der ganzen Bande wünsche ich, dass sie selbst ähnliches erleiden müssen. Mord und Totschlag ist die eine Sache, aber Sklavenhaltung, physische und psychische Folter an wehrlosen Lebewesen ist so unterste Gosse das ich gar nicht weiß wie ich meinen Hass auf diese Leute in Worten ausdrücken soll... Ich hoffe er stirbt einen sehr langsamen und schmerzhaften Tod durch Fiannas Hand. Jawohl! Ich gebe zu ich bin bei solchen Themen auch ziemlich sensibel. Ich lese Bücher zum Spaß, nicht um existentiell berührt zu werden, für sowas gibt es Nachrichten. >:(


    Eddrik. Nur ein kleiner Satz und schon will ich ihn kennen lernen. Sehr gut gemacht! Ich hoffe so sehr, dass er nicht den Weg vieler Mentoren in ein frühes Grab geht. Seltsam, dabei kennen wir ihn noch gar nicht. Er scheint aber bisher der einzige männliche Sympathieträger zu sein. Auf den bin ich sehr gespannt.


    Schade ist auch, dass Fiannas Vater so schnell sterben musste. Der war mir auch nicht unsympathisch.


    Beim nochmaligen Durchlesen meines Posts klingt das selbst für mich irgendwie negativ. Ich hoffe ich trete den Autoren damit nicht zu nahe, aber ich werde das einfach mal als ersten Eindruck so stehen lassen. Trotz allem will ich wissen wie es weiter geht. Wirklich was passiert ist ja noch nicht und zu den Hauptcharakteren vom Klappentext sind wir ja auch noch gar nicht gekommen. Mich interessieren zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht weniger die Figuren als vielmehr das Fortschreiten der Handlung (außer Fiannas Weg zum Racheengel, den würde ich gern lesen).
    Ich musste mich auch stark zusammen nehmen um nicht einfach gleich weiterzulesen. Eine fiese Stelle habt ihr euch da erwählt als Ende des ersten Leseabschnittes.


    Oh Gott, ich hoffe ich habe nicht zuviel geschrieben :o


  • Fianna ... Leider wird sie nun wohl einen Großteil ihres Lebens als verhärmte Person, kaltherzig, egoistisch, rachsüchtig und in der Vergangenheit lebend verbringen.


    Weder Bernhard noch ich sind allzu große Fans eindimensionaler Figuren. Ich persönlich bin auch überzeugt, dass überall dort, wo Leben ist, auch Anlass zur Hoffnung besteht. Deswegen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass jemandem, dem schweres Unrecht widerfährt, damit auch die Möglichkeit abhanden kommt, Entscheidungen für sein späteres Leben zu treffen. Was ich damit sagen möchte: Sollte Fianna überleben, wird sie keine entmündigte Marionette (dann) vergangener Umstände sein, sondern - wie jeder Mensch - Entscheidungen treffen, die ihr Leben prägen werden. Daher gibt es keine Gesetzmäßigkeit dafür, wie sie sich entwickeln würde - wohl aber natürlich Wahrscheinlickeiten. ;)



    Wenn ich das richtig verstanden habe, ist sie den ganzen Winter dort als Sklavin angekettet, oder habe ich da was mit den Zeiten verhauen?


    Ja, richtig verstanden.



    Ist er denn ganz allein in dieses Dorf gekommen und muss wieder abgeholt werden, weil man ihn allein nicht in die Welt lassen kann? Andererseits scheint er alt genug zu sein Sex haben zu können und auch komplexe soziale Zusammenhänge zu verstehen.


    Er ist ein Teenager. Als ich 15 war, hatte ich auch bereits sehr genaue Vorstellungen von weiblicher Anatomie ... Nicht unbedingt zutreffend, aber durchaus detailliert. :)



    Alt genug ist er und ein eigenes Zuhause hat er auch.


    Er wohnt im Haus seines Vaters, der auch sein Vormund ist. Ansonsten hat er eine Kammer in der Stadt Thorwal (Hauptstadt des gleichnamigen Landes), wo er die Magierakademie besucht. Dorthin ist es aber ein Stück.



    Und vor allem: Warum sagt er nichts? Er guckt und denkt und wenn Töne rauskommen, dann nur das was andere hören wollen.


    Dazu gibt es eine angeregte Diskussion im zweiten und dritten Leseabschnitt. ;)



    Er nimmt sich raus besser zu sein als die anderen aus seinem Dorf weil er kein Mörder ist und keine Unschuldigen brutal umgebracht hat, aber nur mit neben dem Unrecht stehen und schweigen hat auch noch niemand einen Krieg verhindert.


    Na ja, zwischen "Mörder und Vergewaltiger" und "ein Heiliger und Superheld sein" liegen ja auch noch ein paar Zwischentöne. Ich jedenfalls vermute nicht, dass in meinem Freundeskreis viele Heilige und Superheldern inkognito leben - und ich hoffe, dass meine Freunde deswegen trotzdem keine Mörder und Vergewaltiger sind. :o Wie Tylstyr bewegen sie sich im Spektrum menschlicher Normalität.



    Allerdings schätze ich, dass man in dieser Art von Gesellschaft nicht sehr lange Kind sein darf. Daher hätte auch er doch schon längst allein aufbrechen können wenn er das sooo ganz dringend will.


    Wie die anderen Jungmannen hat Tjorne beim Strandraub seine Mannbarkeitsprüfung bestanden und durfte erstmals mit den Erwachsenen feiern. Hilft das bei der Einschätzung, wie weit er sich in seinem Entwicklungsprozess befindet? ;)



    Besonders intelligent scheint er nicht zu sein, sonst wäre ihm ja sicher aufgefallen, dass Tylstyr sicher nicht selbst Schuld daran hat, nicht rechtzeitig vor der Mutters Tod in Stainakre zu sein. Bemerkenswert ist, dass er aber wohl trotzdem zu irgendeiner tiefen emotionalen Regung fähig war und offensichtlich alles ihm mögliche versucht hat um seiner sterbenden Frau noch ein letztes Treffen mit Ihrem Sohn zu ermöglichen.


    Diese beiden Punkte gehören zusammen ... Der zweite erklärt den ersten ...



    Scheinbar ist es wohl nicht so kalt, dass man als kleines Mädchen mit nur einer schäbigen Decke bekleidet, mit garantiert angeschlagener Gesundheit und am Hungertuche nagend, nach etlichen Wochen körperlicher Folter in einer feuerlosen Höhle Erfrierungserscheinungen zeigt...


    Feuer hat sie ...



    Demnach mag ich auch den Charakter. Das ist sicher von den Autoren so nicht gedacht, aber ich kann nichts dagegen machen.


    Für mich als Autor ist es im ersten Schritt egal, welche Figuren der Leser sympathisch findet und welche er nicht mag. In der Leserunde haben wir sehr unterschiedliche Einstellungen insbesondere zu Tylstyr, aber auch zu Tjorne. Da alle dasselbe Buch lesen, liegt das meines Erachtens mehr an der Projektionsfläche, die der Leser mitbringt, als an dem, was auf den Seiten steht. Und das ist ja auch völlig okay: Wir sind Fans unterschiedlicher Fußballvereine, hören unterschiedliche Musik, haben unterschiedliche Ehepartner ... Es wäre verwunderlich, wenn wir alle dieselben Romanfiguren sympathisch fänden. Wenn Warulf einen Platz in Deinem Herzen hat - ich gönne es ihm :)



    Demnach bin ich gespannt, ob er weiterhin noch im Buch vorkommt und wenn ja ob es ein guter oder böser Charakter wird.


    Auch das hängt davon ab, was Du als Wertung für "gut" und "böse" mitbringst.
    Er sorgt für die Menschen in seiner Nähe und rettet einigen von ihnen das Leben, indem er sie durch den Winter bringt - macht ihn das gut?
    Er lockt ein Schiff auf die Klippen und tötet die Besatzung - macht ihn das böse?



    Der hatte es sicher auch nicht so leicht im Leben, aber Mitleid habe ich deswegen sicher nicht mit ihm.


    Da bei Dir die Lektüre des ersten Abschnitts noch frisch ist: Kannst Du Dich erinnern, wie das war, bevor er Fianna gefangen genommen hat?



    Mord und Totschlag ist die eine Sache, aber Sklavenhaltung, physische und psychische Folter an wehrlosen Lebewesen ist so unterste Gosse das ich gar nicht weiß wie ich meinen Hass auf diese Leute in Worten ausdrücken soll... Ich hoffe er stirbt einen sehr langsamen und schmerzhaften Tod durch Fiannas Hand.


    Damit stehst Du nicht allein, und das finde ich interessant.
    Wird ein Unrecht durch ein anderes kompensiert? Kann man jemandem Schlimmeres antun, als ihm das Leben zu nehmen?



    Eddrik. Nur ein kleiner Satz und schon will ich ihn kennen lernen.


    Ja, er hat seine Fankurve ... ;)



    Er scheint aber bisher der einzige männliche Sympathieträger zu sein.


    ... das wundert mich, weil Du ja auch Warulf als eine Dir sympathische Figur erwähntest. Außerdem hätte ich gedacht, dass Tylstyr für seine Hilfe zumindest Anerkennung erfährt.



    Ich musste mich auch stark zusammen nehmen um nicht einfach gleich weiterzulesen.


    :freu:

  • Zitat

    Er wohnt im Haus seines Vaters, der auch sein Vormund ist.


    Erkläre das bitte mal ein bißchen genauer Bernard. Der Vater hat doch automatisch die Vormundschaft bis zur Volljährigkeit des Kindes.
    Ab wann ist ein Kind Volljährig in Aventurien, Thorwal?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL


  • Erkläre das bitte mal ein bißchen genauer Bernard. Der Vater hat doch automatisch die Vormundschaft bis zur Volljährigkeit des Kindes.


    Ja, das meinte ich. Ich habe das schlecht ausgedrückt. Hagrid ist der Vater und hat deswegen eine gewisse Bestimmungsgewalt über seinen Sohn. Ich kam darauf, weil vermutet wurde, Tylstyr habe ein eigenes Haus in Stainakr. Das ist nicht richtig, er lebt in Haushaltsgemeinschaft mit seinem Vater.



    Ab wann ist ein Kind Volljährig in Aventurien, Thorwal?


    In traditionellen thorwalschen Gemeinschaften wird man erwachsen, indem man eine Ottajara besteht. Das ist das Aufnahmeritual in die Ottjasko, die Sippe. Es hat meist damit zu tun, was für Fertigkeiten in der jeweiligen Sippe besonders wichtig sind. Bei Seefahrern zum Beispiel muss man über die ausgebrachten Riemen eines Drachenschiffs laufen, ohne ins Wasser zu fallen. In anderen Sippen muss man ein Tier erjagen oder in der Wildnis ausharren. In Stainakr absolvieren die Jungmannen - außer Tylstyr - ihre Ottajara beim Strandraub, indem sie erstes Blut vergießen. Üblicherweise unterzieht sich ein Thorwaler im Alter zwischen 14 und 16 einer solchen Prüfung.
    Tylstyr ist ein Spezialfall, weil er ein Schüler an der Magierakademie ist. Magier werden irgendwann "freigesprochen", bekommen das Siegel ihrer Akademie und sind dann vollwertige Mitglieder ihrer Gilde (es gibt drei Magiergilden), was ebenfalls einem Erwachsenenstatus entspricht.

  • Ich persönlich bin auch überzeugt, dass überall dort, wo Leben ist, auch Anlass zur Hoffnung besteht.


    Ich finde, das ist ein sehr schöner Satz.


    Zitat


    Er wohnt im Haus seines Vaters, der auch sein Vormund ist. Ansonsten hat er eine Kammer in der Stadt Thorwal (Hauptstadt des gleichnamigen Landes), wo er die Magierakademie besucht. Dorthin ist es aber ein Stück.


    Ja so dachte ich mir das. Mit „Zuhause“ meinte ich weniger ein Haus als vielmehr einen Platz zum Bleiben fern von seinem Heimatdorf. Eben einen Ort, Wohnung oder sonst was, das man als Zuhause ansehen kann.


    Zitat


    Na ja, zwischen "Mörder und Vergewaltiger" und "ein Heiliger und Superheld sein" liegen ja auch noch ein paar Zwischentöne. Ich jedenfalls vermute nicht, dass in meinem Freundeskreis viele Heilige und Superheldern inkognito leben - und ich hoffe, dass meine Freunde deswegen trotzdem keine Mörder und Vergewaltiger sind. :o Wie Tylstyr bewegen sie sich im Spektrum menschlicher Normalität.


    Nur weil jemand seine konträre Meinung zu einem Thema kundtut ist er ja auch noch kein Superheld. Mir ist er in dieser Situation einfach zu passiv. In den Diskussionen hier wird oft angemerkt wie unglaublich barbarisch mit den unfreiwillig Schiffbrüchigen umgegangen wird. Sieht Tylstyr das nicht ebenso? Und würde er es frei kommunizieren wenn er in einem sicheren Forum schreiben würde? Mir stellt sich in dem Bezug einfach die Frage ob Selbsterhaltung mehr zählt als Hilfsbereitschaft.


    Zitat


    Feuer hat sie ...


    Warum hat sie dann nicht ihre Fesseln durchgebrannt?


    Zitat


    Auch das hängt davon ab, was Du als Wertung für "gut" und "böse" mitbringst.
    Er sorgt für die Menschen in seiner Nähe und rettet einigen von ihnen das Leben, indem er sie durch den Winter bringt - macht ihn das gut?
    Er lockt ein Schiff auf die Klippen und tötet die Besatzung - macht ihn das böse?


    Gut, hier sind Gut und Böse zu weit voneinander abdriftende Begriffe. Allgemeingültige Definitionen gibt es ja da sowieso nicht und jeder kann nur seinen eigenen Maßstab anlegen. Ich denke es ist klar geworden, dass ich persönlich den Akt der Vergewaltigung als böse Tat definieren würde und die Plünderung des Schiffes für mich in einer gewissen Grauzone bleibt („Gut“ ist hier wohl übertrieben). Für das letztere kann ich für mich Gründe finden warum die Dorfbewohner und Warulf das getan haben, die ich irgendwie nachvollziehen kann. Und für die Vergewaltigung und Gefangenschaft die meiner Ansicht nach ausschließlich egoistischen Motiven entsprungen ist eben nicht.


    Zitat


    Da bei Dir die Lektüre des ersten Abschnitts noch frisch ist: Kannst Du Dich erinnern, wie das war, bevor er Fianna gefangen genommen hat?


    Meinst du ob ich da Mitleid mit ihm hatte? Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass er vorher nicht weit genug hervorgestochen hat damit ich mir eine wirkliche Meinung über ihn bilden konnte. Leute auf denen andere Leute herumhacken haben allerdings meist mein Mitgefühl. … Komisch eigentlich, dass das in Tylstyrs Fall völlig anders ist.


    Zitat


    Damit stehst Du nicht allein, und das finde ich interessant.
    Wird ein Unrecht durch ein anderes kompensiert? Kann man jemandem Schlimmeres antun, als ihm das Leben zu nehmen?


    Die letzte Frage kann ich ganz klar mit „Ja“ beantworten. Das was Fianna erleidet ist meiner Meinung nach schlimmer als der Tod. Natürlich ist „Gleiches mit Gleichem vergelten“ nicht gerade ein fortschrittliches Konzept der Rechtssprechung und ganz sicher würde ich persönlich in meinem realen Leben niemals so drastisch (und vor allem mit körperlichen Gewalt) reagieren. Zum Glück gibt es Bücher in denen man Leuten die es verdient haben unbedarft den Tot wünschen darf.
    Wird ein Unrecht durch ein anderes kompensiert? Nein. Ganz klar nicht. Sollte sich Fianna auf diesen Pfad begeben macht das sie ebenso zum Mörder, wie ihn zum Folterknecht. Andererseits muss man sich doch die Frage stellen was sie noch zu verlieren hätte? Name, Geld, Familie, Bezugspunkte, Heimat, Unschuld, Würde … alles weg. Was führt er dagegen ins Feld? Egoprobleme aufgrund von Mobbing?


    Zitat


    ... das wundert mich, weil Du ja auch Warulf als eine Dir sympathische Figur erwähntest.


    Sympathisch ist in dem Bezug etwas übertrieben. Er ist mir nicht unsympathisch. soviel ist sicher, aber wirklich warm kann ich mit so einem Barbaren auch nicht wirklich werden. Kurzum:In einem Kampf Hetmann gegen Magier würde ich auf den Magier hoffen. (Ich mag Magier^^)


  • In den Diskussionen hier wird oft angemerkt wie unglaublich barbarisch mit den unfreiwillig Schiffbrüchigen umgegangen wird. Sieht Tylstyr das nicht ebenso? Und würde er es frei kommunizieren wenn er in einem sicheren Forum schreiben würde?


    Er empfindet es bestimmt ebenso, aber es bleibt fraglich, ob er das auch reflektieren kann. Er ist in einem Dorf aufgewachsen, in dem der Strandraub üblich ist und etwas, auf das man stolz ist, auch wenn es außerhalb nicht bekanntwerden darf. Diese Praxis wird für die Mannbarkeitsprüfung genutzt, wer daran teilnimmt, tut einen wichtigen Schritt Richtung Erwachsensein. Sie rettet auch das Leben von Leuten, die er kennt, seit er denken kann. Alle in Stainakr meinen: Das muss so sein. Als Einziger anderer Meinung zu sein, umgeben von Menschen, die sich einig sind, kann (und sollte einen vielleicht auch) an der eigenen Einschätzung zweifeln lassen. Sind alle anderen Barbaren? Oder ist er vielleicht doch etwas mimosenhaft?



    Mir stellt sich in dem Bezug einfach die Frage ob Selbsterhaltung mehr zählt als Hilfsbereitschaft.


    Wenn diese beiden Möglichkeiten radikal gegeneinanderstehen (was in dieser Situation nicht so sein muss - eventuell könnte Tylstyr einen Mittelweg finden), dann sterben die Hilfsbereiten sehr schnell aus ...



    Warum hat sie dann nicht ihre Fesseln durchgebrannt?


    Ich bezweifle, dass das bei ihrer Fesselungsweise mit Lederriemen möglich ist.



    Und für die Vergewaltigung und Gefangenschaft die meiner Ansicht nach ausschließlich egoistischen Motiven entsprungen ist eben nicht.


    Das sehen wir alle so, vermute ich - weswegen wir als Autoren auch genau dieses Verbrechen ausgewählt haben. Es positioniert die Figuren wie gewünscht. :)
    Manchen Lesern verdirbt es allerdings auch die Freude am Buch, was natürlich schade ist. :(


    Zitat


    Die letzte Frage kann ich ganz klar mit „Ja“ beantworten. Das was Fianna erleidet ist meiner Meinung nach schlimmer als der Tod.


    Also hätte Eigil eine geringere Strafe verdient, wenn er sie direkt am Strand erschlagen hätte?
    Da habe ich eine andere Auffassung, eben weil ich meine, dass das Leben an sich einen extrem hohen Wert hat. Ich finde Eigils Verbrechen (und das der anderen Jungmannen) verabscheuungs- und bestrafungswürdig, aber wenn ich Argumente zu seinen Gunsten finden sollte, würde ich sofort aus dem Bauch heraus anbringen: "Er hat sie weder verkrüppelt noch umgebracht." Das ist weit entfernt davon, zu entschuldigen, was er getan hat - aber für mein Gerechtigkeitsempfinden hat er ihr noch immer das Schlimmste erspart. Vermutlich nicht aus Mitleid oder anderen edlen Motiven, sondern weil er sie weiter missbrauchen wollte - aber immerhin, ein Funke in der Finsternis.



    Andererseits muss man sich doch die Frage stellen was sie noch zu verlieren hätte? Name, Geld, Familie, Bezugspunkte, Heimat, Unschuld, Würde … alles weg.


    Das ist in der Leserunde eine neue Frage, glaube ich:
    In der Höhle ist Fianna natürlich total hilflos und lebt ein Leben voller Qual, das ist klar.
    Aber was ist, nachdem sie entkommen ist? Welche Optionen hat sie?
    Das Leben auf dem Pfad der Rache wurde genannt. Aber könnte sie sich auch anders entscheiden? Was würde denn passieren, wenn sie es nach Hause schaffen könnte? Zuürck zu ihrer Familie, vom Tod des Vaters berichten, sein Erbe antreten ... Wäre das eine Option?


  • ....aber wenn ich Argumente zu seinen Gunsten finden sollte, würde ich sofort aus dem Bauch heraus anbringen: "Er hat sie weder verkrüppelt noch umgebracht."


    Das sehe ich etwas anders. Meiner Meinung nach hat er sie auf jeden Fall emotional/seelisch verkrüppelt. Was auf eine Weise vielleicht sogar noch schlimmer ist. Mir fällt dazu nur der Satz ein "Worte können mehr verletzen als Schläge" , weil es da ja auch auf die emotionale, psychische Ebene geht.
    Ich hoffe ich habe mich halbwegs verständlich ausgedrückt. :-[

    Liebe Grüße Andrea

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat. "(Helen Hayes)


  • Was würde denn passieren, wenn sie es nach Hause schaffen könnte? Zuürck zu ihrer Familie, vom Tod des Vaters berichten, sein Erbe antreten ... Wäre das eine Option?


    Das hatte ich mir auch überlegt, was wäre, wenn sie es nach Hause schaffen würde. Ich denke mal, wirtschaftlich ist die Familie am Ende, nachdem nun auch noch die Goldene Anker samt aller Waren, auf die Fiannas Vater so große Hoffnung gesetzt hat, nicht mehr sind. Ich kann mich gerade nicht mehr erinnern, aber gibt es nicht auch noch eine Mutter? Der Bruder lebt ja nicht mehr, Fianna ist das einzige Kind, wenn ich richtig dran bin.


  • Er empfindet es bestimmt ebenso, aber es bleibt fraglich, ob er das auch reflektieren kann. Er ist in einem Dorf aufgewachsen, in dem der Strandraub üblich ist und etwas, auf das man stolz ist, auch wenn es außerhalb nicht bekanntwerden darf. Diese Praxis wird für die Mannbarkeitsprüfung genutzt, wer daran teilnimmt, tut einen wichtigen Schritt Richtung Erwachsensein. Sie rettet auch das Leben von Leuten, die er kennt, seit er denken kann. Alle in Stainakr meinen: Das muss so sein. Als Einziger anderer Meinung zu sein, umgeben von Menschen, die sich einig sind, kann (und sollte einen vielleicht auch) an der eigenen Einschätzung zweifeln lassen. Sind alle anderen Barbaren? Oder ist er vielleicht doch etwas mimosenhaft?


    Wie sagte schon der Herr Einstein: „Wenige sind imstande, eine von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinung gelassen auszusprechen. Die Meisten sind sogar unfähig zu solchen Meinungen zu gelangen.


    Kurzum: Ich weiß was du meinst und mir ist auch völlig klar warum er sich so verhält wie er es tut. Alles kein Problem. Nur leider mag ich diesen Charaktertypen halt trotzdem nicht. Kann man nix machen. *schulterzuck*


    Zitat


    Wenn diese beiden Möglichkeiten radikal gegeneinanderstehen (was in dieser Situation nicht so sein muss - eventuell könnte Tylstyr einen Mittelweg finden), dann sterben die Hilfsbereiten sehr schnell aus ...


    Also gehst du von einer relativen Minderheit prinzipiell hilfsbereiter Menschen aus? Ich hatte immer gehofft, die seien am Ende in der Mehrheit und halten sich nur versteckt aus Angst vor... was auch immer (eben wie Tylstyr). Daher auch mein Kampf für: „Sagt was ihr denkt, auch wenn es andere nicht hören wollen.“ Und wenn nur ein anderer dadurch auch aus seinem Schatten tritt ist doch schon viel gewonnen. Man stelle sich mal vor wo das alles noch hinführen könnte....
    In dem Zuge könnte ich mich auf lange Sicht vielleicht mit Tylstyr versöhnen wenn er genau das im Laufe seiner Geschichte noch lernt. Nur weil er mir jetzt unsympathisch ist, heißt das ja nicht, dass ich als Leser keine Entwicklung beim Lesen durchmache.


    Zitat


    Das sehen wir alle so, vermute ich - weswegen wir als Autoren auch genau dieses Verbrechen ausgewählt haben. Es positioniert die Figuren wie gewünscht. :)
    Manchen Lesern verdirbt es allerdings auch die Freude am Buch, was natürlich schade ist. :(


    Ich kann diese Leser vollkommen verstehen. Es ist eine ziemlich krasse Szene die man wahrscheinlich nie wieder aus dem Kopf bekommt sobald man wieder auf einen der Beteiligten trifft. Um ganz ehrlich zu sein war ich auch kurz davor das Buch Buch sein zu lassen. Aber wie bereits erwähnt will ich andererseits unbedingt wissen wie es weitergeht. Also Augen zu und durch und notfalls mal einen Absatz übersprungen...
    Als Aufhänger daher auf jeden Fall großes Kino.


    Zitat


    Also hätte Eigil eine geringere Strafe verdient, wenn er sie direkt am Strand erschlagen hätte?


    Hm. Dieben wurde früher die Hand abgehackt. Was würde ich wohl als Strafe für Vergewaltigung ansetzen? ;)
    Nein. Ohne Mist. Beide Taten zerstören ein Leben. Die eine schnell und endgültig, die andere trotzdem nicht weniger einschneidend.

    Zitat

    Ich finde Eigils Verbrechen (und das der anderen Jungmannen) verabscheuungs- und bestrafungswürdig, aber wenn ich Argumente zu seinen Gunsten finden sollte, würde ich sofort aus dem Bauch heraus anbringen: "Er hat sie weder verkrüppelt noch umgebracht."


    Genau da denken wir völlig unterschiedlich. Ein emotionaler Krüppel ist doch trotz allem ein Krüppel. Ich kann mir gut vorstellen, dass etliche der Menschen die zu Zeiten der Inquisition in den netten Kerkern dort saßen und durch diverse Arten von Folter beweisen durften eben nicht mit dem Teufel im Bunde zu sein sicher lieber sterben wollte, als das Martyrium noch weiter zu ertragen.
    Sicher. Das muss nicht für alle gleich gelten. Aber um bei sowas nicht komplett aufzugeben muss man schon ein extrem gefestigten Charakter sein. Nicht zu vergessen, dass Gehirnwäsche auch ganz gut bei erwachsen, im Leben stehenden Menschen funktioniert. Aber ich glaube ich schweife hier gerade etwas ab...


    Zitat


    Das ist in der Leserunde eine neue Frage, glaube ich:
    In der Höhle ist Fianna natürlich total hilflos und lebt ein Leben voller Qual, das ist klar.
    Aber was ist, nachdem sie entkommen ist? Welche Optionen hat sie?
    Das Leben auf dem Pfad der Rache wurde genannt. Aber könnte sie sich auch anders entscheiden? Was würde denn passieren, wenn sie es nach Hause schaffen könnte? Zuürck zu ihrer Familie, vom Tod des Vaters berichten, sein Erbe antreten ... Wäre das eine Option?


    Erwartet sie zu Hause nicht ein riesiger Berg an Schulden? Ich kann mich leider nicht erinnern ob noch andere Familienmitglieder existieren. Allerdings glaub ich wird keine Mutter oder so erwähnt. Bruder und Vater nicht zumindest tot, die Firma pleite und soweit ich das abschätzen kann war die „Goldener Anker“ das letzte verbliebene Schiff der Handelsflotte.
    Mit einem guten Namen ists dann auch nicht mehr weit her wenn alle nur noch Geld von dir wollen. Und wenn doch noch ein Mensch existiert der sich um sie sorgt dann würde das in Anbetracht der Umstände sicher auch kein glückliches Wiedersehen werden. Wohin sie ihr Weg nach dem Rachefeldzug, an dem ich nicht zweifele, hinführt, kann ich überhaupt nicht abschätzen. Vielleicht doch wieder auf die See und eine eigene Piratenflotte aufbauen? Ja, ich glaube, das ist nicht unmöglich. ;)


  • Also gehst du von einer relativen Minderheit prinzipiell hilfsbereiter Menschen aus?


    Ich nehme vielleicht das von Dir skizzierte Gegensatzpaar extremer wahr, als von Dir beabsichtigt. Ich lese da: "Wenn man sich zwischen Selbsterhaltung und Hilfsbereitschaft entscheiden muss (und nur eines von beiden wählen darf) - was zählt dann mehr?"
    In einer solchen Situation ist die Entscheidung für die Hilfsbereitschaft sehr edel - aber wenn sie gleichzeitig eine Entscheidung gegen die Selbsterhaltung ist, dann ist sie zugleich die letzte Entscheidung, die derjenige trifft - er geht dann zwangsläufig ins Martyrium.



    Ich kann mir gut vorstellen, dass etliche der Menschen die zu Zeiten der Inquisition in den netten Kerkern dort saßen und durch diverse Arten von Folter beweisen durften eben nicht mit dem Teufel im Bunde zu sein sicher lieber sterben wollte, als das Martyrium noch weiter zu ertragen.


    Es ist zwar eine Abschweifung, aber ... Wenn jemand zu jener Zeit halbwegs zurechnungsfähig war und sein Verbrechen auf der Kippe zwischen weltlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit stand, hat er das kirchliche Inquisitionsverfahren gewählt, weil die kirchliche Inquistion wesentlich sanfter gefoltert hat als die weltlichen Gerichte ... Man hat heute oftmals ein sehr falsches Bild von dieser Institution (oder diesen Institutionen, es waren ja drei).
    Unabhängig davon: klar, wenn einem gerade die Knochen in einem Schraubstock gebrochen werden, gewinnt man dem Leben vermutlich nur noch wenige positive Seiten ab. Aber wenn man ein paar Jahre später mit verkrüppeltem, aber nicht mehr schmerzendem Fuß darauf zurückblickt, denkt man vermutlich: "Gut, dass ich damals nicht gestorben bin." Ich glaube nicht, dass man jemandem, der so Schreckliches wie Fianna erlebt hat, so etwas wie einen "Gnadenschuss" geben sollte. Vielmehr meine ich, dass auch für sie noch die Möglichkeit auf glückliche Momente, Stunden, Tage, Jahre besteht. Auch wenn der Schatten des Erlebten sie immer verfolgen wird, muss er sie nicht zu jeder Zeit umfangen.
    In Aventurien gibt es, glaube ich, sogar die Möglichkeit, das Gedächtnis löschen zu lassen (Boron ist ein Gott, der diesen Aspekt verkörpert, und er hat zwar nicht in Thorwal, aber doch in anderen Gegenden eine sehr starke Gemeinde). Die Frage ist nur, ob Fianna das wollen würde - oder ob sie trotz Schmerz an der Erinnerung festhalten würde, die sie formt, vielleicht auch, um durch ihre Rache so etwas wie Gerechtigkeit zu erzwingen.