Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)

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    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!


    Wir freuen uns auch darüber, wenn ihr eure Rezension auf Literaturschock.de veröffentlicht. Eine Anmeldung ist hierfür nicht erforderlich.

  • Hallo Ihr Lieben!


    Dann fange ich mal an: Zunächst auch in dieser Leserunde wieder ein herzliches Dankeschön an meine Mitleser. Es war mir eine Ehre und Freude mit euch zu diskutieren. Ein besonderes Dankeschön natürlich auch an den Mann mit den vielen Namen, der dieses düstere Werk geschaffen hat.



    Die Geschichte zog mich von Beginn an in ihren Bann. Der Autor erzielt auch hier wieder eine enorme Sogwirkung, was für mich als Leser natürlich ein sehr wichtiger Anreiz ist, um weiterlesen zu wollen. Der Autor lässt uns eintauchen, in ein düsteres Szenario vollgepackt mit den unterschiedlichsten Figuren, die durch ihre vielschichtigen Charaktereigenschaften faszinieren und begeistern. So wird der Leser ständig hin und hergeworfen im Laufe der Geschichte und manches Kapitel lässt einen schweißgebadet, ungläubig, fassungslos oder staunend zurück. Ein Wechselbad der Gefühle ist dem Leser gewiss. Und so hadert man mit der ein oder anderen Figur, nur um kurz darauf doch Sympathien für sie zu empfinden. Für mich war das ein sehr aufregendes, aber auch forderndes Buch! Mit mancher Figur litt ich derart mit, dass ich förmlich geschafft war und sich meine Gedanken auch den restlichen Tag nur um die Ereignisse dieser finsteren Geschichte drehten. Phasenweise brachte mich die Geschichte an meine Grenzen, was wohl an meinem zartbesaiteten Gemüt liegen mag, doch ein Spaziergang ist die Geschichte eben nicht. Robert Corvus zeichnet eine düstere Welt, beherrscht von einem ungnädigen Dämonenkult, dem Streben nach Macht und Gold. Wir erleben packende Schlachten, Intrigen, Verrat, Mord und Liebe und leiden mit. Manches nimmt eine unerwartete Wendung und lässt uns staunen. Der Autor gibt uns einige Denkanstöße, was komplexe Themen, wie Schuld, Sühne, Macht und Rache betrifft, so dass man sich mit vielen elementaren Fragen konfrontiert sieht.


    Freunde leichter Unterhaltung sind hier völlig fehl am Platz. Dieses Buch fordert heraus, doch gerade das macht es so spannend. Wer nicht vor düsteren Welten voller böser Geister zurückschreckt, vor finsteren Gestalten oder blutigen Schlachten, wird hier bestens bedient. Nervenschwache seien gewarnt! Nun muss sich jeder selber die Frage stellen, ob er sich dieser Herausforderung gewachsen sieht und sich herantraut, an diese dunkle Geschichte. Doch wer sich dem stellt, wird belohnt: Mit großen Emotionen und vielen neuen Erkenntnissen! Dieses Buch lässt den Leser staunend zurück und verspricht weitere Herausforderungen, denn "Rotes Gold" war nur der Auftakt zu einem mehrbändigen Epos. Man darf gespannt sein!

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

    Einmal editiert, zuletzt von TippendeTastatur ()

  • Wieder eine schöne Leserunde und ich danke allen für die Spekulationen, die das Lesen noch spannender machen. Bernd, an Dich der Dank für Deine wieder sehr ausführliche, interessante und humorvolle 'Begleitung.


    Rotes Gold- böse spannend


    Dies ist kein Fantasy-Buch mit strahlenden Helden, mit klarer Trennung von Gut und Böse. Es ist keine einfach zu konsumierende Kost, aber das würde ich auch nicht erwarten von einem Buch von Robert Corvus (oder Bernard Craw). Seine Bücher haben oft die Frage nach der Faszination des Bösen zur Grundlage, eine Frage, die man sich auch in der Realität oft stellt, wenn man sieht, wie leicht Menschen für das Böse in verschiedensten Formen zu gewinnen sind.
    Im Mittelpunkt steht eine Söldnerarmee. Söldner, das heißt bezahlte Loyalität, das heißt die Anzahl getöteter Feinde sind das Maß der Ehre, das heißt eine eigene Moral, eine Moral, die außerhalb der Gesellschaft steht, vor allem unserer Gesellschaft. Aber wie sieht es von ganz innen aus?
    „In seiner Welt waren Macht und Zerstörung so etwas wie Schönheit und Lust, nichts, was abschreckte, sondern etwas, das jedermann anstrebte.“


    Der Autor nimmt uns mit in die Söldnertruppe und verwehrt dem Leser damit die Distanz. Sofort wandelt sich das Bild, wenn man sich auf dieses Experiment einlässt. Das ist Voraussetzung. Mit dem Maßstab unserer Moral gibt es keine Graustufen, wer also auf Distanz bleibt, kann keinerlei Sympathien entwickeln. Wer dem Autor folgt, wird sich mit dem Leben der Söldnern vertraut machen. Auch dieses Leben folgt Regeln und diese werden unterschiedlich ausgelegt und befolgt. Aus der von außen dunkelbösen Masse, werden im Inneren interessante Charaktere, die nicht nur mit verschiedenen Waffen kämpfen, sondern ihre ganz eigene Moral entwickelt haben. Auch wenn sich letztlich alles dem Kampf unterordnet und dem Willen zum Sieg, so gib es doch unterschiedliche Arten dies zu erreichen. Von der unbedachten, ohne Hinterlist agierenden Kampfherrin über mürrische Eigenbrötler und im Geheimen eigene Ziele verfolgende bis zu streng nach Regel und Gesetz führende Kampfherren sind verschiedenste Facetten vorhanden.
    Zu dieser speziellen Gesellschaft passt ein spezieller Kult, ein Glaube, der die Ethik ihres Lebens widerspiegelt. Sie verehren Dämonen. Dämonen, mit denen sie handeln, sie bezahlen sie für deren Hilfe, so wie es üblich ist, man zahlt für Dienste, den Dämonen eben Gold. Nebenbei liefern die Söldner den Dämonen immer wieder Genuss durch die Qual des Sterbens, die Angst, die Verzweiflung, die der Krieg bringt, egal auf welcher Seite, Schändungen, Plünderungen, die die Bezahlung der Söldner sind oder auch Folterungen. Dieser Kult ist, wie sollte es anders sein, ein Feuerkult. (Wieso lieben eigentlich Teufel und Dämonen das Feuer, weil es einst den Göttern gestohlen wurde?) Viel erfahren wir in dieser Geschichte noch nicht über dieses von Dämonen besetzte Jenseits, aber schon die wenigen Szenen, die uns der Autor gönnt, eine Beerdigungszeremonie, ein paar Beschwörungen während des Kampfes und schließlich die Schlussszene machen neugierig auf mehr. Eine sehr zwiegespaltene Neugier, zugegeben, denn man wird sich wohl auf einige unschöne Dinge gefasst machen müssen.
    Natürlich haben die Dämonen auch ihre Priester, aber damit diese mit ihnen nicht direkt kommunizieren, haben sie eine spezielle Methode entwickelt. Es werden Homunkuli gezüchtet, die als Gefäß für Dämonen existieren. Diese werden dann einem Menschen eingepflanzt, der fortan als Avatar im Namen der Dämonen tätig ist und vor allem für die Feuerbeschwörungen zuständig ist. Der Dämon im Homunkulus beeinflusst dabei die Gefühle des Menschen nachhaltig. Dem Leser erscheint der Avatar als Inkarnation des Bösen.
    Also doch wieder Gut und Böse? Nein, so leicht ist es nicht. Der Autor wäre nicht Robert Corvus, wenn er die Charaktere nicht mit Situationen konfrontieren würde, die sie in eine Entwicklung treiben.


    So wird der Leser verschiedene Situationen erleben, die das Söldnerleben in unterschiedlichen Situationen zeigen, bei Plünderungen und Zweikämpfen, bei der Erfüllung der Anforderungen ihre Auftraggeber und Regelungen von Machtfragen innerhalb der Truppe. Also werden auch die Leser auf ihre Kosten kommen, die Schlachtgetümmel lieben und Kampfstrategie.
    Wenn man in der Truppe angekommen ist wird man schnell Sympathien und Antipathien verteilen, aber werden diese dann durch die Geschichte aufrecht erhalten? Mir persönlich macht es immer wieder Freude, über die philosophischen Fragen nachzudenken, die sich im Buch hintergründig und unauffällig anbieten. Wie dies zum Beispiel:
    „Halte Dich nur an den Eigennutz. Auf diese Regung kannst du dich immer verlassen. Sie ist der Kern um den sich das Gespinst jeder menschlichen Seele webt. Wer ihn verleugnet versucht etwas zu sein, das er nicht ist. Wie ein Wolfshund, der seinem Herrn artig Stöckchen bringt, bis er sich auf seine Natur besinnt und einen Säugling zerfleischt.“
    „Doch von unheimlicher Faszination gezogen folgte sie einem Pfad zwischen all den grausamen, unbarmherzigen Eindrücken hindurch und sah hinter… Rede doch noch etwas unvermutet Edles aufscheinen. Wahrheit“
    Die Idee des Eigennutzes der Menschen ist ja nicht neu, aber ist es deshalb richtig, immer davon auszugehen? Was ist diese Wahrheit? Bedeutet zu diesem Eigennutz zu stehen, ihn als menschlich anzunehmen, dass man mit größerer Wahrheit agiert?
    Wenn man an dieser Stelle des Buches ankommt wird zumindest kurz stutzen und überlegen, worin die Wahrheit dieser Aussage liegt und wo ihre Begrenzungen.


    An anderer Stelle taucht die Frage auf, ob es ein Unterschied ist, als Held oder als Söldner tot zu sein. Wie wichtig ist, was die Nachwelt von uns denkt? Wenn der Tod das Leben beendet, was soll uns darüber hinaus interessieren? Auch diese Ebene der Geschichte erfordert ein aktives Einlassen. Sie erhöht für mich den Lesegenuss nachhaltig.


    Schließlich wird der Leser, der dem Autor auf allen Wegen gefolgt ist feststellen, dass er der Faszination des Bösen mehr oder weniger erlegen ist.


    Fazit:


    Ein Buch, das schockiert und fasziniert und spannend unterhält. Ein gefährliches Buch: Anfangen zu lesen und nicht wieder weglegen können.

  • Vielen Dank für die spannende Leserunde und Bernds interessante Antworten. Es war sehr faszinierend zu erfahren, was hinter der Welt und den Figuren steckt. Besonders toll fand ich, dass im Buch so viel Diskussionsstoff steckt und worüber wir alles diskutieren konnten. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich möchte mich noch einmal für das Freiexemplar bedanken. :bussi:


    Meine Rezension ist inzwischen online:


    Blog: http://nicoles-fantasy.de/reze…-die-schwertfeuer-saga-1/ (etwas ausführlicher und anders aufgebaut als meine unten stehende Rezension)


    Amazon: https://www.amazon.de/review/R…66412761_cm_rv_eml_rv0_rv


    Goodreads: https://www.goodreads.com/review/show/1665378126


    Literaturschock: http://www.literaturschock.de/…/robert-corvus-rotes-gold


    Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/auto…4-w/rezension/1248741937/


    Thalia: http://www.thalia.de/shop/home…nsent=6949442#bewertungen



    Inhalt:


    Der Klingensturm ist eine legendäre Söldnerlegion aus der Söldnermetropole Rorgator, dort wo die Söldner nicht nur ihre Kontrakte schmieden, sondern auch Bündnisse mit Dämonen. Doch die besten Zeiten der Legion scheinen vorbei zu sein, als der Anführer Kester, der Flammenbringer, bei einer Eroberung und Plünderung überraschend getötet wird.


    Nicht nur Eivora, Kesters Tochter, steht nun vor einer unsicheren Zukunft. Söldner drohen abzuspringen, Machtkämpfe brechen im Hintergrund aus und als auch noch ein Anschlag geschieht, fasst Eivora einen verzweifelten Plan. Wenn sie die Legion ihres Vaters erhalten will, muss sie dessen einstigen Untergebenen dazu bringen zusammenzuarbeiten. Und was eint eine Legion besser als ein Auftrag? Als Prinz Gonter im Auftrag seines Vaters den Klingensturm für die Eroberung der als uneinnehmar geltenden Stadt Ygôda anwerben, kommt er Eivora gerade recht.


    Meine Meinung:



    Das Setting:



    Definitiv nichts für schwache Nerven kann ich da nur sagen! Gleich die ersten Seiten des Dark Fantasy-Romans und Reihenauftakts zur "Schwertfeuer-Saga" entführen uns Leser in die raue Welt der Söldner. Wir erleben einen "harmlosen" Überfall und im nächsten Moment Plünderung, Vergewaltigung, Folter und Mord. Wer Gewaltbeschreibungen nicht ertragen kann, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Es wird zum Glück aber nicht alles detailliert beschrieben. Dennoch gab es auch für mich als erfahrene Dark Fantasy-Leserin 1-2 Momente, die mich haben schlucken lassen.


    Dennoch hat diese brutale und düstere Welt auch etwas ungemein Faszinierendes an sich. In der Welt der Söldner sind Männer und Frauen gleich, alle werden nach Verdiensten beurteilt, es gibt auch Freundschaften, Loyalität und ein Zusammenhaltsgefühl in der Legion.


    Dass der Roman etwas Einzigartiges hat, verdankt er aber seinem Dämonenaspekt. Sie sind die Verbündeten der Söldner von Rorgator und bieten ihnen wertvolle magische Unterstützung wie das Schwertfeuer, den Marsch durch das Feuer oder die Avatare, die direkt mit der Welt der Feuerdämonen und Geister in Verbindung stehen. Besonders der Avatar, ein Homunkulus, der sich in die Schulter seines Trägers bohrt, mit diesem teilweise verschmilzt, ist erschreckend und interessant zugleich. Immer wieder erhaschen wir im Roman Einblicke in diese Welt und für mich ist es der Aspekt des Buchs, über den ich im nächsten Band "Weißes Gold", der im Januar 2017 erscheint, unbedingt mehr erfahren will.


    Auch die Stadt Ygôda ist gut durchdacht und interessant beschrieben. Es gibt Situationen, da habe ich gestaunt oder musste schmunzeln. Das Obere und Untere der Stadt fand ich gut eingefangen. Die Karte zu Anfang des Buchs hilft, sich die Stadt und ihre Lage sowie die Positionen der belagernden Truppen besser vorstellen zu können. Die Karte, gezeichnet von Timo Kümmel, ist wirklich sehr gelungen und für mich ein wichtiger Bestandteil des Romans beim Lesen gewesen.


    Die Figuren:



    Auch hier gibt es Licht - oder eher Graustufen, denn ohne Fehl und Tadel oder Schwächen ist in diesem Roman niemand - und Dunkel. Mit einigen Figuren wie Eivora und Prinz Gonter konnte ich mich sehr gut identifizieren.


    Beim Avatar Chastro-Ignuto schwankte ich zwischen Abscheu, Entsetzen, Mitgefühl und düsterer Faszination. Und in einem Leser diese Emotionen wecken zu können, zeigt, mit welcher Meisterschaft Robert Corvus hier seine Figuren entwickelt hat. Das Auf und Ab der Emotionen betrifft fast alle der Figuren einmal. Einen strahlenden Helden, mit dem sich die Leser durchgängig identifizieren, bietet uns der Autor nicht. Stattdessen zwingt er seine Leser, über die Figuren nachzudenken und seine ursprüngliche Einschätzung immer wieder zu hinterfragen.


    Eine weitere Figur, die im Roman eine wichtige Rolle spielt, ist Fiafila, eine Priesterin des Windgottes Basäon, deren Weg den des Klingensturms kreuzt. Sie hebt sich von den restlichen Figuren des Romans ab, auch wenn ich persönlich mich nicht mit ihr identifizieren konnte. Erst als sie eine Entwicklung durchläuft, wird sie für mich nach und nach interessanter.


    Fazit:



    Der Roman hat mir insgesamt gut gefallen. Da ich ihn im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, habe ich ihn langsamer gelesen, als ich sonst Bücher lese. Doch in den einzelnen Leseabschnitten steckten so viel Gesprächsstoff und so viele Themen und Fragestellungen, die man sich als Leser stellen konnte, dass das langsame Lesetempo sehr sinnvoll war. Es gab vieles, mit dem ich mich bei der Lektüre intensiv auseinander gesetzt habe: die Welt der Dämonen, der Avatar, die Legion, die Figuren, Gut oder Böse, etc.


    Und manchmal, ich muss es zugeben, brauchte ich nach einem besonders heftigen Abschnitt auch eine Verschnaufspause. "Rotes Gold" ist kein leichter oder heiterer Fantasyroman - und das soll er gar nicht sein. Er soll zum Nachdenken anregen, dennoch ist er gleichzeitig sowohl spannend, mitreißend durch seine Figuren und faszinierend durch seinen außergewöhnlichen Weltenentwurf. Die Beschreibung der Figuren und ihre Entwicklung ist gut von Robert Corvus umgesetzt, sodass man sich als Leser auch hier immer wieder traut, die komplexn Charaktere kritisch zu hinterfragen und sich nicht auf anfängliche Sympathien und Antipathien zu verlassen.


    Ich vergebe 4,5 Sterne (aufgerundet auf 5) für diesen Roman und bin schon gespannt, wie es mit den Figuren im 2. Band weitergeht.

    "Namensmagie ist die stärkste Macht der Welt." - bekannte Volksweisheit aus "Die Magie der Namen"

    Einmal editiert, zuletzt von Nicole Gozdek ()

  • Hier kommt dann jetzt auch meine Rezension. Vielen Dank, dass ich dieses Buch lesen durfte.


    Eivora, die Tochter Kesters, steht nach seinem Tod vor einer ungewissen Zukunft. Genauso wie der Klingenrausch. Machtkämpfe unter den Söldner beginnen die Truppe zu zerschlagen. Jeder will der neue Führer sein oder aber auch seine eigenen Wege gehen. Als dann Prinz Gonter in die Stadt kommt und ihr ein unschlagbares Angebot macht, fasst sie einen verzweifelten Plan um die Truppe zusammen zu halten. Wird es ihr gelingen?


    Das Cover des Buches ist sehr gut gelungen. Es hätte mich in der Buchhandlung neugierig auf das Buch gemacht und ich hätte es mir näher angeschaut. Wahrscheinlich hätte ich es dann sogar gekauft um es zu lesen. Es verrät schon einiges über den Inhalt des Buches. Die Totenmaske auf dem Einband lässt dämonisches erahnen, verrät aber auch noch nicht zu viel. Schrift und Farbgestaltung sind passend zum Inhalt des Buches. Qualitativ ist es recht einfach gearbeitet - aber für den Preis in Ordnung.



    Bereits im Prolog wird man in die Welt der Söldner entführt, welche wirklich nichts für schwache Nerven ist. Das Besondere an diesem Buch ist, dass die Söldner Unterstützung von Dämonen bekommen, welche im Hintergrund agieren. Schon im Prolog werden wir mit der rauhen Welt der Söldner konfrontiert - ein Überfall, Vergewaltigung, Mord und Folter - es ist wirklich von allem etwas dabei. Und selbiges zieht sich dann durch das ganze Buch bis wir im Laufe der Geschichte wieder auf den Prolog treffen. Das Gute an diesem Buch ist, dass die einzelnen Gewaltszenen zwar erwähnt, aber nicht bis ins kleinste Detail beschrieben werden.


    Trotz der vielen Gewaltszenen und auch Intrigen untereinander hat die Welt der Söldner auch eine andere Seite. Es gibt Freundschaften, einen gewissen Zusammenhalt untereinander. Und wenn es hart auf hart kommt, steht doch einer für den anderen ein. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern - sie werden nur nach ihrem Können beurteilt. Schon eine faszinierende Welt.


    Die Figuren in diesem Buch fand ich sehr gut dargestellt. So konnte man bei einigen gewisse Entwicklungen feststellen - so zum Beispiel bei Eivora. Zu Anfang wusste sie nicht so wirklich mit den Söldnern umzugehen - am Schluss merkte man, dass sie in dieser Hinsicht schon taffer geworden ist. Es gibt in diesem Buch keine Figur ohne Fehl und Tadel - der Autor stellt keinen Helden in den Mittelpunkt des Buches mit dem der Leser sofort von Anfang an mitfiebert. Jede seiner Figuren macht gewisse Entwicklungen durch, ist in einem Moment sympathisch im anderen überlegt man, warum hat er (sie) das jetzt so gemacht und nicht anders.


    Das Buch hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Es ist nichts für schwache Nerven, aber wer auf dämonischen Nervenkitzel steht sollte es nicht versäumen, dieses Buch zu lesen. Wir dürfen gespannt auf die Fortsetzung sein, denn bei diesem Buch handelt es sich um den Auftakt einer Reihe von Abenteuern.

  • Gelungener Auftakt der Schwertfeuer-Saga


    Als Kester, Flammenbringer und Befehlshaber der Söldnerlegion Klingenrausch, einem Anschlag zum Opfer fällt, droht die Einheit der Legion auseinanderzubrechen. Kesters Tochter Eivora setzt alles daran, um dies zu verhindern: sie nimmt den Auftrag an, eine Stadt zu erobern, deren Mauern als unüberwindbar gelten. Von Erfolg oder Misserfolg dieser Mission hängt das weitere Schicksal der bisher erfolgreichen Söldnerlegion ab.


    Die Metropole der Söldnerlegionen ist Rorgator, die neben der Schlagkraft der Söldner durch die sie umgebenden Vulkane geschützt ist. Zudem haben die Söldner dämonische Unterstützung: die Feuerdämonen sorgen dafür, dass die Vulkane nicht ausbrechen und Rorgator auslöschen. Allerdings bieten die Dämonen ihre Dienste nicht umsonst an.


    In Rorgator befinden sich mehrere Söldnerlegionen, eine der ruhmreichsten ist der Klingenrausch. Die Söldnerlegionen stehen untereinander im Wettkampf: die Regierung von Rorgator, der Rat von Eisen und Gold, führt die Legionen in einer Art Ranking-Liste. Eine Legion setzt sich aus mehreren Bannern zusammen, die sich jeweils auf eine Waffenart spezialisiert haben, wie Armbrust, Pike, Hellebarden oder Bogenschützen.


    Sogenannte Avatare bilden die Schnittstelle zwischen den Söldnern und den Dämonen, man kann sie am ehesten mit einem geistlichen Beistand vergleichen. Das Besondere an den Avataren ist, dass sie Doppelwesen sind, bestehend aus einem Homunkulus und dem menschlichen Träger. Ein Homunkulus wird aus dämonischem Samen gezüchtet und wächst seinem Träger aus der linken Schulter. Dieser Homunkulus übernimmt mit seinen dämonischen Gelüsten oftmals mehr oder weniger komplett seinen Träger.


    Die Söldnerlegionen fungieren als eine Art Dienstleistungsunternehmen: gegen ausreichende Bezahlung und der Zusicherung des Plünderrechts stellen sie ihre Kräfte einem Auftraggeber zur Verfügung, wie z.B. zur Eroberung der Stadt Ygôda.


    Nach dem Tod von Kester, dem charismatischen Befehlshaber des erfolgreichen Klingenrausches, beginnt unter den Kampfherren der Legion ein Wettstreit um seine Nachfolge, nicht immer mit fairen Mitteln. Kesters Tochter Eivora will ein Zerbrechen der Legion verhindern und hofft, die Banner mit dem Auftrag, Ygôdas Mauern zu brechen, einen zu können. Dabei geht sie taktisch sehr geschickt vor, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen, denn sie weiß, dass sie über zu wenig Kampferfahrung in vorderster Reihe verfügt, um von den anderen Kampfherren als Führungsautorität akzeptiert zu werden. Ich musste bei Eivora öfters an einen Schachspieler denken, der strategisch geschickt seine Figuren setzt, um die Banner wieder näher zusammenzubringen. Natürlich passieren ihr auch Fehler, die mehr oder weniger weitreichende Folgen für die Legion haben, alles andere wäre unrealistisch.


    Neben Eivora gibt es aber noch eine Reihe weiterer interessanter Figuren: Prinz Gonter, der Sohn des Auftraggebers König Harlef, der nach der Eroberung von Ygôda über die Stadt regieren soll, der sich aber vielmehr zu den Söldnern und besonders zu Eivora hingezogen fühlt.


    Der Avatar Chastro-Ignuto, der durch seine Grausamkeit auffällt und der nicht unbedingt zu Eivoras Freunden zählt. Durch seine Grausamkeit ist der Avatar unberechenbar und gefährlich – und doch schafft es der Autor, mich mit einer bestimmten Szene zu verblüffen.


    Die Priesterin Fiafila, die der Klingenrausch als Geisel mit nach Rorgator nimmt, weil sie alleine die letzten Worte von Kester kennt; der letzte Wille des Flammenbringers ist heilig und muss befolgt werden. Fiafila stellt mit ihrer aristokratischen und reinen Haltung den totalen Gegensatz zu Chastro-Ignuto dar, was diesen zwar ärgert, aber auch gleichzeitig fasziniert. Außerdem entwickelt sich zwischen Fiafila und Eivora eine Art Freundschaft.


    Wie von dem Autor gewohnt, werden die Charaktere wieder vielschichtig dargestellt und damit nicht leicht vorhersehbar. Außerdem gibt es einige überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe, aber die eine gewisse Faszination auf mich ausüben.


    Erwähnen möchte ich auch, dass Kampfszenen in dem Buch oftmals recht ausführlich dargestellt werden, das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, mich hat es allerdings nicht gestört. Außerdem geht es in dem Buch auch mal blutig und grausam zu, wenn die Söldner im Kampfrausch plündern und vergewaltigen, das Buch ist also nichts für schwache Nerven. Wobei ich positiv anmerken muss, dass der Autor bei diesen Szenen auf Details meist verzichtet.


    Das Buch ist in sich abgeschlossen, wobei dennoch am Ende die eine oder andere Frage offen bleibt, aber dabei handelt es sich nicht um Cliffhanger. Ich bin jetzt jedenfalls gespannt auf den zweiten Band, in dem sicherlich auf diese Fragen noch eingegangen wird.


    Meine Rezension erscheint bei:
    Amazon
    Großes Literaturschock-Bücherforum
    Literaturschock.de
    LovelyBooks
    Thalia
    Weltbild
    Piper Verlag (noch nicht freigeschaltet)

  • Hier ist es inzwischen sehr ruhig geworden - sehr schade, dass wir während der Leserunde ein paar Leser verloren haben. Es wäre schön gewesen, wenn ihr Bescheid gegeben hättet.


    Da wir Bernd nun lange genug in Beschlag genommen haben, bedanke ich mich bei dir, lieber Bernd, wieder herzlich für deine aktive Begleitung dieser Runde. Die Leserunden mit dir sind immer wieder ein Highlight. Und es dauert ja nicht mehr lange, dann lesen wir uns hier wieder zum zweiten Teil der Phileasson-Saga.


    Herzlichen Dank auch an die Teilnehmer für eure Beiträge und Rezensionen :winken:

  • In Rotes Gold von Robert Corvus, geht es um die Elitesöldner-Truppe namens „Klingenrausch“. Für teures Gold können deren Dienste in Anspruch genommen werden. Sie erstürmen wehrhafte Mauern und ziehen für Ihre Dienstherren in den Kampf, dabei ist der geschlossene Kontrakt für sie niemals etwas Persönliches, sondern ein Auftrag der erfüllt werden muss.


    Als Kester, der Anführer des Klingenrausches getötet wird, versucht dessen Tochter Eivora die Einheit vor dem Zerfall zu bewahren und zu verhindern, dass sich die besten Truppenteile anderen Einheiten anschließen. Mangels Autorität und dadurch bedingt, dass verschiedene Offiziere ihre Chance wittern aufzusteigen, gelingt ihr das anfangs nur schwerlich. Mit einigem Geschick und den Weisheiten ihres verstorbenen Vaters, schlägt sie sich dann doch ganz tapfer.


    Die hier angelegte Welt ist nicht, wie so so oft von Göttern geprägt, sondern von Dämonen. Diese lassen sich durch das im Titel erwähnte Gold gnädig stimmen, um den Menschen in der ein oder anderen Situation beizustehen.


    Der Roman besticht durch die Zeichnung vieler verschiedener Charaktere und deren Entwicklung. Dazu muss ich sagen, dass hier auch viele für mich neuartig waren und mich doch einige zum Schmunzeln und auch zum Nachdenken angeregt haben. Hierzu zählt im Besonderen Fiafila, die eine erstaunliche Wandlung durchmacht.


    Sehr angetan war ich davon, dass das Setting aus dem "Standard-Fantasy-Einerlei" heraussticht. Schon allein die Heimatstadt des Klingelrausches, die von Vulkanen umgeben ist, in denen die Dämonen hausen fand ich einzigartig und auch die belagerte Stadt Ygôda mit ihren hohen Türmen und den dunklen Gassen, konnte ich so bisher nirgends finden.


    Im Voraus muss man sagen: Wer es düster mag ist hier genau richtig.
    Die Welt des Klingenrausches ist rau und brutal und natürlich geht es, wie nicht anders zu erwarten, in einer Söldnereinheit nicht besonders zimperlich zu. Dies hat mich anfänglich auch nicht gestört. Gegen Ende des letzten Drittels, musste ich persönlich dann doch etwas schlucken, da es viel zu verarbeiten gibt. Denn wo es Kampf und Krieg gibt wird auch gefoltert, die Protagonisten tun dies aber meistens nicht um Informationen zu erhalten, sondern aus purem Vergnügen an der Qual ihrer Opfer. Nicht verwunderlich, wenn man in einer Welt voller Dämonen lebt. Da es teilweise auch um Kinder geht, fällt es nicht immer leicht die Szenen zu lesen.


    Die Geschichte wird aus der Sicht vieler Protagonisten erzählt. Der Hauptcharakter Eivora konnte mich dann leider doch nicht so ganz überzeugen. Vielleicht ändert sich das aber noch in den Folgebänden. Da ist noch einiges an Potential vorhanden. Insbesondere in der Entwicklung des Charakters, als auch, was ihre Hintergrundgeschichte betrifft.


    Der Grund warum mich Eivora nicht richtig überzeugen konnte ist, dass sie einfach zu blass bleibt. Sie hat anfangs Startschwierigkeiten und es geht einiges schief, was ja für einen Hauptcharakter nicht unüblich ist. Das Problem für mich persönlich war, dass sich das leider nicht so richtig ändert. Ihre Entscheidungen finde ich zweifelhaft und sie wird in meinen Augen nie sicherer, was ihr einen schweren Stand bei ihrer Einheit einbringt. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Eine Eivora, der mehr Erfolg vergönnt ist und der etwas mehr gelingt. So stolpert sie für mich ein paar mal zu oft.


    Robert Corvus hat viele tolle Ideen, die den Klingelrausch einzigartig machen und die ihn von anderen Fantasy-Heeren abheben. Es wäre nur schön gewesen, wenn mehr durchgekommen wäre, dass diese Einheit eine wirkliche Elite ist. Da wäre aus meiner Sicht mehr gegangen.


    Alles in allem, macht Rotes Gold viel Spaß zu lesen und ich bin schon gespannt auf den zweiten Band. Das Buch ist in sich abgeschlossen und hat keinen Cliffhanger. Dafür gibt es viele Fäden, die weitergesponnen werden können und auf die man schon gespannt sein darf. Wer es düster mag und auch gerne mal Dämonen kennenlernen möchte, ist hier sehr gut aufgehoben. Ganz zart besaitet darf man allerdings nicht sein.


    Ich bedanke mich bei allen Mitlesern und natürlich im Besonderem dem Autor Robert Corvus. Ich finde es wirklich einzigartig, wieviel Zeit er sich nimmt eine Leserunde zu begleiten und auf einzelne Beiträge einzugehen. Auch die Versorgung mit Hintergrundinfos und seinen Anekdoten, wie der einzelne Roman entsteht ist wirklich top. Es macht wirklich großen Spaß! ;D


    Bis bald bei Phileasson 2!

    Schweigen ist das Element, in dem sich große Dinge gestalten. (Thomas Carlyle)

  • Das aktuelle Werk von Robert Corvus würde ich wie folgt beschreiben: düster, blutig und schmutzig. Allzu zart besaitet darf man nicht sein, wenn man "Rotes Gold" zur Hand nimmt. Der erste Band der Schwertfeuer-Saga strotzt vor blitzenden Klingen und Kriegsgeschrei.


    Als Kester, der Anführer des Klingenrausches, getötet wird, liegt es bei seiner Tochter Eivora, die Gruppe von gedungenen Kriegern zusammenzuhalten. Einfach ist das nicht, denn Eivora ist eher von zierlicher Statur und sie muss erst ihre Führungsqualitäten beweisen, bevor die Söldner ihr folgen.


    Im ersten Einsatz, der Gold in die Kassen spülen soll, begibt sich Eivora an vorderste Front. Für König Harlef sollen die Mauern von Ygoda bezwungen werden. An die Seite von Eivora begibt sich, ohne Wissen des Vaters, Prinz Gonter, ein, laut erstem Eindruck, strahlender Prinz, der etwas erleben möchte.
    Natürlich läuft nicht alles so wie geplant, die Wachen der Stadt sind aufmerksam und nicht alle aus dem Gefolge von Eivora überleben den Einsatz.


    Besonders gut gefällt mir immer wieder der Stil von Robert Corvus und die Ideen, die er hat.


    Fasziniert war ich vom Avatar Chastro-Ignuto und hier ganz besonders vom Homunkulus, einem Dämon, der aus der Schulter seines Trägers herauswächst. Obwohl Ignuto in den Gedanken seines menschlichen Wirtes herumpfuscht, würde ich nicht sagen, dass er ausschließlich böse ist. Der Autor versteht es, da ganz eindringlich zu beschreiben und ich habe während des Lesens wiederholt gegrübelt, ob dieses haarlose hässliche und gelegentlich Feuer spuckende Wesen mir wirklich umsympathisch ist.
    Ähnlich erging es mir bei Fiafila, einer Priesterin, die sich im Gefolge des Klingenrausches befindet. An der Seite des sterbenden Kester mitfühlsam und gut entwickelt sie sich im Laufe des Buches weiter, allerdings in eine Richtung, bei der ich nicht weiss, ob sie mir wirklich gefällt.


    Besonders erwähnenswert finde ich, dass auch im ebook wunderschöne Zeichnungen enthalten sind, dies ist nicht unbedingt selbstverständlich.


    Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Wer allerdings unter dem Begriff Fantasy nur funkelnde Einhörner auf taufrischen Wiesen erwartet, wird hier nicht das passende Buch zur Hand haben.

    Liebe Grüße Claudia

    Einmal editiert, zuletzt von Delena ()

  • Meine Rezension kam deutlich verspätet, dafür nochmals Entschuldigung :-[
    Ich poste zu den einzelnen Abschnitten noch, wollte die Rezension aber möglichst fix einstellen und streuen, man findet diese nach Freischaltung hier:


    Literaturschock-Grosses Bücherforum
    Literaturschock-Hauptseite
    amazon
    Thalia
    Verlagsseite (wenn möglich).


    Ich freue mich auf ein baldiges Wiederlesen. Dankeschön an Karin für die nette Moderation und an den Autor für die phänomenale Begleitung :winken:

    Liebe Grüße Claudia

    Einmal editiert, zuletzt von Delena ()


  • Hier ist es inzwischen sehr ruhig geworden - sehr schade, dass wir während der Leserunde ein paar Leser verloren haben. Es wäre schön gewesen, wenn ihr Bescheid gegeben hättet.


    Verloren ist das falsche Wort... Ich zum Beispiel habe mich wahrlich schwergetan mit dem Ende des Buches und wollte das Ganze erst mal sacken lassen, bevor ich unüberlegt etwas Negatives heraus posaune... Dies liegt jedoch keinesfalls am Autor, oder am Schreibstil oder an der Idee an sich. Im Gegenteil:
    Ich würde dieses Buch wirklich jedem empfehlen, der diesen Fantasy-Einheitsbrei der zuhauf in den Regalen steht, einfach nicht mehr sehen kann.
    Die Grundidee ist wirklich einmal etwas ganz anderes und man fiebert schnell mit Eivora und dem Klingelrausch mit. Der Schreibstil des Autors ist bildlich und düster. Friede-Freude-Eierkuchen-Fantasy darf hier keiner erwarten, obwohl meiner Meinung nach bereits das Cover und der Klappentext darauf hin deuten, dass „Rotes Gold“ eher in der Dark-Fantasy-Ecke anzusiedeln ist.
    Zartbesaitete Personen werden an der ein oder anderen Szene stark zu knabbern haben. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Autor es hervorragend schafft gerade diese Szenen nicht ins Endlose zu beschreiben sondern sie in einem kurzen Absatz so anzureißen, dass der Rest der Szene im Kopf des Leser weitergeht. Zumindest war das bei mir der Fall.
    Wie gesagt, ich mag die Idee der dämonengestützten Söldnereinheit und ich mag den Schreibstil des Autors, der nie langweilig wird oder sich in Kleinigkeiten verliert, sondern immer die Geschichte voranzutreiben weiß. Aber das Buch ist polarisierend und von daher gibt es Dinge die ich überhaupt nicht mag. Es gibt diesen einen Handlungsstrang mit dem ich mich bis zuletzt so gar nicht anfreunden konnte, da er für mich absolut unpassend war. Unpassend für das Buch und unpassend von den beteiligten Charakteren her. Welcher Handlungsstrang das ist, verrate ich hier natürlich nicht ;)
    Ansonsten ist zu sagen, dass es jede Menge an verschiedensten Charakteren gibt. Dort findet sicher jeder seinen Liebling und seine Hassfigur. Aber wundert euch nicht, wenn sich diese Einschätzung im Laufe der Geschichte ändert...
    Die Hauptfigur „Eivora“ legt hier einen ziemlich starken Start hin, andere Figuren laufen ihr aber mit fortschreitender Handlung den Rang als Sympathieträger locker ab. Und da ist für mich auch der Haken am Buch. … Bei Eivora ist leider viel Potenzial verschenkt. Hier hat man den Eindruck der Hauptcharakter entwickelt sich zurück, statt vorwärts. Ein weiterer Aspekt der dieses Buch so kontrovers macht, denn andere Leser werden dieser Aussage sicher nicht zustimmen können.


    Man darf jedoch nicht vergessen, dass „Rotes Gold“ der Auftaktband einer Reihe, der „Schwertfeuer-Saga“, ist und hier für alle Charaktere noch etliche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Bei diesem Autor ist es nicht wirklich absehbar wohin das Ganze führen wird, also bleibt es trotz allem spannend, denn die Frage wie und ob es überhaupt mit dem Klingenrausch weitergeht weiß trotz allem zu begeistern.


    Die Frage allerdings ob ich selbst den nächsten Band lesen werde beantworte ich hier und jetzt mit einem klaren: Jein.


    Wie gesagt, das Buch hat für mich eindeutig seine Schwächen, aber die wirklich innovative Idee der Hintergrundwelt lässt sich nicht von der Hand weisen. Mal sehen, was der nächste Klappentext so in Aussicht stellt …


    Sollte ich den nächsten Band lesen und es gibt eine Leserunde dazu, werde ich jedoch nicht wieder daran teilnehmen. Dafür ist es mir das schnelle Lesetempo zu anstrengend bei einer Geschichte, bei der zumindest ich den Roman gern mal ein paar Tage beiseite legen möchte.. Verzeiht :-[


    Zum Schluss ist noch anzumerken, dass es in der E-Book-Version (die ich gelesen habe) wirklich schöne Zeichnungen gibt, die wichtige Schauplätze plastisch darzustellen wissen. So etwas wünschte ich mir schon lange für diverse Publikationen, deshalb hier ein "Daumen hoch" dafür, dass dies realisiert wurde. Bitte beibehalten, auch für die Printausgabe! :klatschen:



    Gesamtfazit, trotz allem: :buchtipp:



    Zuletzt noch einen RIESENDANK an den Autor, der hier in kurzer Zeit zwei Leserunden so fantastisch begleitet hat. Ich wünsche noch viele spannende Ideen, Zeit und Muße sie auch zu Geschichten zu verarbeiten und noch eine Unmenge verkaufter Bücher! :winken:




    Raidrier

  • Rotes Gold von Robert Corvus


    Zu Beginn muss ich ein wenig den immer wieder auftauchenden Warnungen entgegentreten, die sagen, dass Buch sei nichts für zart-besaitete. Ja, es ist eine kriegerische Welt, die mit Gewalt einhergeht, aber jedes Mal sind diese Szenen noch sehr gesittet beschrieben. Wer Texte aus dem Bereich Festa Extrem kennt, kennt deutlich schlimmeres.


    Der Klingenrausch ist eine Elitesöldnerlegion, die ihren Kampfherrn beim letzten Auftrag verlor und nun beauftragt wird, die als unüberwindlich geltenden Mauern der Stadt Ygôda zu bezwingen und die Stadt zu erobern. Die Einheit ist ohne starke Führung und bietet damit viel Spielraum für Intrigen, Machtspiele und Gewalt. Gerade die erste Hälfte des Buches bringt einem die Welt so wunderbar näher. Vom Totenkult, über Götter und Dämonen, dem Rat, die Bedeutung von Silber und Gold und erst Recht vom Leben der Söldner. Besonder die Elemente um den Dämonenkult waren unglaublich faszinierend. Der zweite Teil des Buches, indem es um den Auftrag an sich geht, sackt meines Erachtens ein wenig ab. Das hat für mich persönlich vor allem den Grund, dass an gewissen Stellen einiges zu einfach geht, es flutscht einfach. Damit meine ich vor allem das Schicksal der Priesterin, die den letzten Befehl des alten Kesters kennt, aber nicht verrät. Ihre neue Rolle kommt mir zu plötzlich und ihre Gegenwehr ist kaum spürbar, so sehr, dass ihre Neugier, die man durchaus kennen lernt, nicht ausreicht. Ebenso als Teile des Sturmbanners in der Stadt agieren. Der Helfer scheint mit ein wenig kurzsichtig zu sein, aber so sehr mir sein Charakter auch gefallen hat, war seine Handlung nicht wirklich logisch.


    Die logische Abschiedsschlacht hätte ich zudem gern intensiver erlebt. Die Idee des Schwertfeuers gefällt mir zwar, aber sie wahr auch eine gewisse Distanz. Das Gemetzel kommt so eher nicht bei mir an und lässt mich unbeeindruckt zurück.


    Besonders gut gefiel mir der Moment Erotik, der ganz nebenbei viel über den weiblichen Part dieses Spieles erzählt. (Frauen sind hier übrigens keine Heimchen, sehr gut sind hier auch die Erklärungen, wie die weiblichen Söldner im Kampf bestehen, wo die Unterschiede sind - großes Lob dafür!)


    Dann ist da aber noch diese eine Szene. Ein Moment, der meiner absoluten Lieblingsfigur gehört. Chastro-Ignuto. Der Avatar der Einheit, ein dämonischer Homunkulus auf der Schulter seines Wirtes, dessen Rolle so wichtig ist und seine Stellung in der Welt als Teil des Dämonenkultes äußerst angesehen ist. Dieser Moment gehört nur dem Wirt allein und hier hatte ich Gänsehaut. Für mich der emotionalste Teil der Geschichte!


    Zu Abschluß sei gesagt, dass das Ende genug Raum für weitere Geschichten aus dieser Welt bietet, die auch mit Interesse verfolgen werde. Die drei Hauptpersonen entwickeln sich und ich hoffe, dass Gonter markanter wird.


    Die Welt bietet aber noch so viel zu entdecken, dass ich mich richtig auf "Weißes Gold" freue, vor allem, wenn ich an den letzten Satz im Buch und seine Bedeutung denke.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen