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  • Bleiben oder gehen - diese Entscheidung vollzieht sich in diesem Buch spät beziehungsweise hintergründig. Und mehr noch, ebenso spät werden dem Leser erst die Fragestellungen, die sozusagen zur Option standen, deutlich.


    Bleiben - das ist in diesem Roman ebenso technisch wie metaphysisch, auch metaphorisch zu sehen, je nachdem, aus welcher Perspektive man die Situation betrachtet.


    Ganze vier werden dem Leser angeboten, denn dieser Roman ist eine Art Sachstandsbericht oder Tagebuch, bei dem insgesamt vier Figuren: Juliane, ihr Ehemann Paul, Felix und Max zu Wort kommen. Sie alle lernten sich vor zig Jahren bei einer Zugfahrt kennen und blieben einander in verschiedenen Konstellationen verbunden. Jahre später kommen sie wieder zusammen, auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise, die sich dem Leser erst schrittweise erschließt. Wie nachhaltig die Bekanntschaft der vier sich aufeinander auswirkt, auch dies eröffnet sich dem Leser erst peu á peu.


    Ein Roman, der mich sehr an Thommie Bayer, einen von mir sehr verehrten Autor erinnert und zwar sowohl aufgrund der verschiedenen Perspektiven ebenso wie durch die unterschiedlichen Sichtweisen - beides "verbrät" Bayer ebenfalls gerne. Am meisten jedoch durch eine Fähigkeit, die besonders auffällt, weil sie so wenig verbreitet ist: diejenige mit wenigen Worten viel zu sagen, einen kraftvollen Roman zu schreiben.


    Denn Kraft steckt in "bleiben", in diesem insgesamt recht stillen, nein, ruhigen Roman. Die Kraft des Bleibens. Was das heißt? Nun, so einiges! Es lohnt sich - lesen Sie selbst!

  • Wow, vielen Dank für dieses Feedback!! You make my day! Hatte heute ein bisschen die Krise, weil ich beim 6. Buch nicht richtig weiterkomme. (Wenn Du - oder jemand aus Deinem Bekanntenkreis - es auf amazon bestellt hast, würde ich mich über eine Kundenrezension sehr freuen! :freu: )


    Schönen Abend noch, Ihr Lieben!

  • Ein zufälliges Treffen im Nachtzug nach Rom wird für Juliane, Paul, Felix und Max zu einem Wendepunkt: Juliane und Paul heiraten, Felix und Max schließen Freundschaft, machen gemeinsam eine lange Reise.
    20 Jahre später treffen sie sich zufällig wieder - und auch diese Begegnung ist schicksalhaft.
    Mehr soll hier vom Inhalt nicht verraten werden.


    Judith W. Taschler erzählt die Geschichte aus der Perspektive jedes einzelnen der vier Protagonisten. Der Aufbau ist perfekt konstruiert. Im Gespräch mit einem fast unsichtbaren Gegenüber können sie offen, ehrlich und manchmal schonungslos über die Geschehnisse, die eigenen Gedanken und Gefühle sprechen. Dadurch fühlt sich auch der Leser sofort angesprochen, lernt die vier gut kennen (und lieben) und ist wirklich sofort mitten in dieser spannenden Geschichte.


    Und die hat es wirklich in sich: sie ist vielschichtig, persönlich berührend und überaus menschlich. Da geht es um Liebe, Freundschaft, Vertrauen, Schuld, Sühne, Toleranz, um Verstehen und Verzeihen, Herkunft und deren Auswirkungen auf das gesamte Leben, umTraumata und Befreiung, um Abschied und um Bleiben...


    Auf alle Fälle ist das ein Roman, der noch lange nachhallt, nicht nur weil ich irgendwie persönlich betroffen bin. So schnell vergisst man diese Geschichte nicht!
    Herzlichen Dank dafür!

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • Vier Menschen erzählen ihre Geschichten. Vor vielen Jahren sind sich diese vier Menschen in einem Zug nach Italien begegnet. Max, Paul, Felix und Juliane. Teilweise ist daraus mehr entstanden, Paul und Juliane haben geheiratet, Max und Felix sind seitdem befreundet. Dann begegnen sich eines Tages, viele Jahre später, Felix und Juliane wieder und beginnen eine Affäre miteinander. Dadurch setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die keiner von ihnen vorhersehen konnte.


    Das Buch erfordert Aufmerksamkeit beim Lesen. Vier Menschen erzählen ihre Lebensgeschichte. Jeder von ihnen tut dies zu einem anderen Zeitpunkt und gegenüber einer anderen Person, in einer Art Gespräch, ohne dass das Gegenüber ebenfalls eine Stimme erhält. Zu Beginn fand ich diese Perspektive etwas ungewohnt ist und es dauerte ein bisschen, bis ich mich hineingefunden hatte, wer hier wann wem erzählt oder beinahe beichtet. Sobald man sich da aber hineingefunden hat, entwickeln die Story einen starken Sog. Zum einen gibt es immer wieder Verbindungspunkte zwischen den einzelnen Geschichten der Vier, zum anderen schweifen sie auch immer wieder in ihre jeweils eigene Vergangenheit ab und auch diese Erzählungen sind für sich schon sehr interessant, lehrreich und unterhaltsam.


    Und über allem ruht ein Geheimnis, dem man erst langsam nach und nach auf die Spur kommt, wenn die einzelnen Geschichten immer mehr zusammenlaufen und sich am Ende verbinden. Vier verschiedene Menschen, vier Leben, vier Schicksale, vier Sichtweisen auf das Geschehen – und am Ende eine ganze besondere Geschichte.


    Ich habe schon die vorherigen Bücher der Autorin gelesen und bin jedes Mal wieder fasziniert von ihrer Art, zu erzählen, sowohl vom Stil als auch vom Aufbau ihrer Geschichten her. Jedem Leser von anspruchsvoller Unterhaltung empfehle ich die Bücher gerne von ganzem Herzen!

  • Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte! :winken:


    Es freut mich, dass Euch der Roman gefallen hat und vor allem, dass die Handlungsweise der Protagonisten für Euch nachvollziehbar/schlüssig waren.
    Eure Reflexionen haben mir viel gegeben, mir selbst einiges wieder bewusst gemacht. Es ist ja was anderes, wenn "von außen" reflektiert wird, ich steckte teilweise zu sehr "drin".


    Es war für mich auch ein schöner "Abschluss", diese Geschichte endgültig in mir zur Ruhe kommen zu lassen und sie "beiseite" legen zu können. Um mich ganz in das sechste Buch zu vertiefen.


    Ich wünsche Euch allen ein Frohes Fest mit Euren Lieben, einen feuchtfröhlichen Rutsch ins Neue Jahr, einen guten Start!! Vor allem aber alles alles Liebe! :-*

  • Bleiben?
    Bleiben!
    Es lohnt sich, bei sich zu bleiben. Ich glaube, dass der Autorin wichtig war zu erreichen, dass der Leser nachdenkt über die Wendungen, die das Leben nehmen kann, wenn wir nicht nach links, sondern nach rechts abbiegen. Oder so denken, und nicht so. Wie ich darauf komme? Lest selbst und erkennt Euch wieder oder / und lernt Euch neu kennen. Dieses Buch ist ein perfekter Lehrer auf dem Gebiet der Selbstreflektion.


    Leise, unaufgeregt, fragwürdig kommt der Roman daher. Bietet uns vier junge Menschen auf der Reise nach Italien an: Max, Paul, Felix und Juliane. Jeder hat seine Träume, seine Ideen, seine Fragen, seine Schuld, sein Ziel.


    Juliane und Paul werden heiraten, Max und Felix werden sich auf eine Weltreise begeben. Zwanzig Jahre später nimmt die Geschichte Fahrt auf, des Lesers Fragen werden Stück für Stück beantwortet in einer Art Tagebuch. Dennoch schreiben die vier zwar ihr Leben, aber nicht wirklich in ein Tagebuch, sondern erzählen es jemandem, der für uns Leser nicht näher ins Licht gerückt wird.


    Was gemeinsam begann wird auch gemeinsam enden. Nur auf ganz andere Weise ... und dies zu erfahren lohnt sich. Auf jeden Fall.

    Einmal editiert, zuletzt von Fluse ()

  • Hallo Ihr Lieben,


    eigentlich wollte ich meine Rezension noch im alten Jahr schaffen - nun habe ich das (wenn auch knapp) verfehlt... :-[
    Auf jeden Fall möchte ich aber Danke sagen, denn es hat viel Spaß gemacht, Eure Eindrücke zu lesen.
    Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht an Dich, Judith! Dafür, dass Du uns so aufmerksam und offen begleitet hast. Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude beim Schreiben und hoffe, dass wir uns wieder einmal hier lesen.


    Euch allen ein gesundes und glückliches Neues Jahr! :winken:


    Herzliche Grüße
    Tabea


    *****
    Die Rezension:


    Damals: Felix, Max, Juliane und Paul - vier junge Leute im Zug von Österreich nach Italien.
    Heute, zwanzig Jahre später: Juliane und Paul sind schon etliche Zeit verheiratet, da erkennt ihre Tochter in einer Ausstellung ihre Mutter auf einem Bild. Juliane besucht die Ausstellung daraufhin ebenfalls und trifft nach all den Jahren wieder auf Felix. Damals waren es Küsse im Nachtzug, jetzt wird es eine leidenschaftliche Affäre, die allerdings ziemlich abrupt wieder endet. Doch warum hat Felix die Affäre ohne eine Erklärung beendet? Das es ausgerechnet Paul ist, der seiner Frau den Grund nennt, ändert nichts an der Tatsache, dass der Hintergrund sowieso alle Beteiligten bis ins Mark erschüttert...
    Der Titel ist gleichzeitig das Sujet des Buches - die Frage, die alle in unterschiedlichen Formen bewegt und beschäftigt.


    Judith Taschlers "bleiben" ist ein literarischer Wurf, der sich mit wichtigen Themen im Leben und in menschlichen Beziehungen beschäftigt. Auch wenn ich gestehen muss, dass der ungewöhnliche Erzählstil - vor allem die Perspektiv- und Zeitenwechsel - anfangs nicht ganz einfach lesbar für mich war, habe ich die elegante Sprache, diese präzisen Sätze, die Situationen und Gefühle so perfekt einfangen können, einfach nur genossen. Aber es handelt sich eben nicht nur um einen literarisch ungewöhnlichen Text, sondern auch die Handlung hat mich über die Lektüre hinaus beschäftigt.


    Nachdem mich "bleiben" auf ganz Linie überzeugt hat, muss ich gestehen, dass ich beinahe peinlich berührt bin, dass diese Autorin bisher komplett an mir vorbei gegangen ist. Aber das lässt sich ja zum Glück ändern!


    Fazit: Eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die literarische Texte, die unter die Haut gehen, schätzen.


    Volle Punktzahl.
    *****


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  • Suse

    Hat das Thema geschlossen