#06 - Seite 465 bis zum Ende (ab Kapitel 77)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

  • Jetzt müssen sie doch erst recht zusammenstehen, in der gefährlichen Zeit, die jetzt noch kommt.


    Eben, so sehe ich das auch.



    Marlows Beweggründe sind mir auch nicht ganz klar. Vielleicht schätzt er Gerons Wichtigkeit höher ein als wir im Augenblick.


    Und es steht zu "befürchten", dass Marlow sich sehr wohl was dabei überlegt hat - das hat er in diesem Buch mehrmals unter Beweis gestellt, dass er weit in die Zukunft plant.



    Marlows Männer wussten zumindest von der Verlegung - oder der geplanten Erschießung im Wald. Oder hat Marlow das sogar veranlasst und dann seine Schergen zum Tatort geschickt?


    Das hatte ich auch überlegt, ob die Erschießung womöglich ebenfalls Marlows Inszenierung war, um die Männer dort ausschalten zu können. Einsamer ging es ja nicht mehr, damit ideal für Liang & Co.

  • Absolut!!!


    Wobei es mit der Zeit immer unwahrscheinlicher werden würde, dass sich Gereon bei der Kriminalpolizei hält. Jetzt hat er mit Gennat auch noch einen loyalen Fürsprecher verloren... Wenn Gereon sich nicht auf die Seite der Nazis schlägt (was ich nicht hoffe!), dann wird es auch in der Burg zunehmend schwieriger für ihn.


    Volker schrieb schon früh, dass er 1936 anpeilt und das fände ich toll. Erstens weil dieses Jahr mit den Olympischen Spielen noch einmal besonders interessant finde, zweitens, weil ich es auch plausibel finde, da zu dieser Weltveranstaltung ja auch noch einmal auf die Außenwirkung der Nazi-Diktatur geachtet wurde - danach wurde es nur noch schlimmer.


    Aber klar, ich schließe mich natürlich an: am liebsten würde ich noch mehr von Gereon und Charly lesen! Bei Fritze bin ich mir nicht ganz sicher, denn er wäre zu Beginn des Angriffskrieges 18 Jahre alt - kein gutes Alter für einen überzeugten Nazi. ::)


  • Charly und Gereon sollten dringend miteinander Klartext reden, ansonsten sehe ich für ihre Ehe mittelfristig schwarz. Charly kann sich nicht sicher sein, ob ihr Ehemann freiwillig auf Marlows Gehaltsliste steht oder ob es ihm so ergangen ist wie ihr. Und wenn das Letztere, um welche Gefälligkeit es sich handelt, mit der Doktor M. Gereon in der Hand hat. Allerdings ist sie auch nicht in der Position, Gereon zu viele Vorwürfe zu machen, denn sie hat sich mit der Bitte wegen Karl Reinhold selbst in Marlows Hand ausgeliefert.


    Aus genau diesem Grund bin ich davon ausgegangen, dass Charly und Gereon nun endlich Tacheles reden: beide standen/ stehen sie in der Schuld Marlows und ahnen das vom jeweils anderen. Es wäre die Gelegenheit, endlich alles auf den Tisch zu packen!
    Dass sie das nicht tun, hat mich erst einmal baff gemacht und dann habe ich auch Angst bekommen; Angst um die kleine Familie.


    Und Fritze verfestigt sich weiter in seiner Einstellung, denn mit Gereons Lügenkonstrukt fühlt er sich seines Lobes beraubt. Es wird immer vertrackter - ohne es zu ahnen, trägt das Ehepaar Rath an Fritzes Reifeprozess innerhalb der Nazi-Sozialisation bei. Oh je.


    Zitat

    Ich hatte, ehrlich gesagt, auch nicht damit gerechnet, dass Marlow Charly in Bezug auf Reinhold tatsächlich hilft, sondern sie nur hinhält.


    Wobei ich M. eher so einschätze, dass er dann auch von Anfang an gesagt hätte, dass er für Charly nichts tun kann. Nein, ich denke, dass M. ein Taktierer ist - stets auf gewinnbringende Situationen und seinen eigenen Vorteil aus. Dabei hat er festgestellt, dass es nur hilfreich sein kann, wenn er auch Charly in der Hand hat, denn das erhöht natürlich auch den Druck auf Gereon.
    Dass er dabei die Zusage hält, passt so ziemlich in diese alten Klischees, die man von früheren Mafiabossen hat: Gangster durch und durch, aber eben mit einem Ehrenkodex, guter Kleidung, Stil und jede Menge Charme.


    Zitat

    Als Liang und seine Männer die beiden SA-Leute erschießt, habe ich mich wieder gefragt, warum Marlow Leo nicht selbst erledigt, die Leute hat er doch.


    Ich denke, dass es damit zusammenhängt, dass er Gereon weiterhin für sich "festigen" will, ihm wieder einmal demonstrieren, dass er den Kriminalkommissar in der Hand hat. Marlow traue ich durchaus zu, dass er langfristiger denkt.


    Zitat

    So wie es aussieht, nutzt Marlow sehr geschickt die neue politische Situation für sich.


    Auch hier scheint ihn Politik nicht weiter zu interessieren - er sichert sich Macht und gewinnbringende Verbindungen für die Zukunft.
    Hier ist es die Tatsache, dass Hermann Göring drogensüchtig ist und sein Morphium offensichtlich von Marlow bezieht.


    Zitat

    Mit meinem Verdacht, dass Gräf seinen Liebhaber bei der Säuberungsaktion verleugnen würde, lag ich nicht falsch, dass er ihn aber dermaßen ans Messer liefert und selbst ausschaltet, hat mich doch schockiert. Aber eigentlich blieb ihm nichts anderes übrig, ohne sich selber in Gefahr zu begeben.


    Das sehe ich ein wenig anders. Denn ich denke nicht, dass Gräf Conny Kötter und dessen Liebhaber aus Selbstschutz erschießt. Ich denke in erster Linie an eine Mischung aus Eifersucht und Selbsthass.
    Gräf konnte mit seiner sexuellen Neigung nie umgehen - vor allem nicht, weil sie so gar nicht in sein neues Weltbild passt. Ich hatte fast den Eindruck, dass er mit den gezielten Schüssen auch seine eigenen "Schandfleck" ausradieren will.


    Zitat

    Immerhin scheint sich sein Verhältnis zu Gereon etwas zu entspannen. Nachdem Gennat Rath auf das Abstellgleis stellt, bin ich mir sowieso nicht sicher, wohin Gereons berufliche Reise gehen wird, denn ich denke nicht, dass er damit zufrieden ist, in Zukunft nur Kleinkram zu erledigen. Was zu tun wird er bereit sein, um weiterhin bei Morduntersuchungen dabei zu sein?


    Allerdings, dass ist eine sehr schwierige Situation, die meine Sorgen um Gereon erstmals richtig groß werden lässt. :o Es ist an der Zeit, dass er erst einmal mit Charly spricht und ihr all das anvertraut, was ihm nun zu schaffen machen dürfte.
    Im Bezug auf Gennat hilft, so fürchte ich, nur Überzeugungsarbeit. Er muss dem Kriminalrat beweisen, dass er ein Guter ist - und dazu muss er sich auch dringend von Barlow lösen, denn der kann ihm definitiv zu einer riesigen Gefahr werden. Wie auch immer. ::)


  • Dass er dabei die Zusage hält, passt so ziemlich in diese alten Klischees, die man von früheren Mafiabossen hat: Gangster durch und durch, aber eben mit einem Ehrenkodex, guter Kleidung, Stil und jede Menge Charme.


    Damit hast du recht.



    Das sehe ich ein wenig anders. Denn ich denke nicht, dass Gräf Conny Kötter und dessen Liebhaber aus Selbstschutz erschießt. Ich denke in erster Linie an eine Mischung aus Eifersucht und Selbsthass.
    Gräf konnte mit seiner sexuellen Neigung nie umgehen - vor allem nicht, weil sie so gar nicht in sein neues Weltbild passt. Ich hatte fast den Eindruck, dass er mit den gezielten Schüssen auch seine eigenen "Schandfleck" ausradieren will.


    Eifersucht und Selbsthass spielen garantiert auch mit rein. Da er den Kollegen allerdings absichtlich außer Hörweite platziert, war ich mir nicht sicher, ob er nicht doch irgendwo im Hinterkopf den Tod von Conny bereits zuvor eingeplant hat, damit dieser nichts von ihrer Beziehung verraten kann.



    Er muss dem Kriminalrat beweisen, dass er ein Guter ist - und dazu muss er sich auch dringend von Barlow lösen, denn der kann ihm definitiv zu einer riesigen Gefahr werden. Wie auch immer. ::)


    Ja, dass sollte Gereon, aber ich habe auch keinen Plan, wie er das bewerkstelligen könnte, nachdem Marlow nun auch noch Charly in der Hand hat.

  • Das war wirklich spannend! Aber auch sehr beklemmend. Ich spüre beim Lesen der Bücher regelrecht von Band zu Band die immer drückender werdende Stimmung. Und bei diesem Teil zog sich die Beklemmung direkt bis in die kleine Familie hinein. Ich würde am liebsten in das Buch hinein steigen und Gereon und Charly und auch Fritze kräftig durchschütteln und sie gemeinsam in ein Zimmer einsperren und erst wieder rauslassen, wenn sie miteinander geredet haben und alles rausgelassen haben, was sie bisher getan und gedacht haben! Das kann doch einfach nicht wahr sein, dass man so wenig miteinander redet und so vieles im Verborgenen tut, weil man glaubt und weil man denkt und weil man vermutet und weil man fürchtet .... >:( >:(:'(


    Dass Fritze sich die Pistole geholt und geschossen hat, macht mir weniger Angst als seine wirren Gedankengänge.
    Da ist etwas in seinem Kopf, dass auch mit Gesprächen wahrscheinlich nicht mehr rauszuholen ist. Die HJ hat das schon ganze Arbeit geleistet.


    Aber echt. Ich finde das auch heftig, vor allem, wenn ich an den pfifigen und rebellischen Fritze von früher zurückdenke, der so selbständig war und auch selbständig gedacht hat. Ich hätte einfach nicht erwartet, dass er so leicht zu lenken sein wird. Aber vielleicht war sein vorheriges Selbstbewusstsein auch insofern der Straße zu schulden, weil er dies zum Überleben brauchte. Nun, aufgefangen in einer Familie, kann er dies loslassen und seine Seele kann die Geborgenheit und Ruhe, das „sich um ihn kümmern“, was er zuvor nicht hatte und unterdrücken musste, einfordern. Ich habe mich auch echt für ihn gefreut, als Charly und Gereon ihn bei sich aufnahmen und er eine Chance zu einer richtigen Kindheit und Jugend bekam. Nur kümmern sich nun eben leider andere verstärkt um ihn und sein „Wohlbefinden".


    Mir macht diese Entwicklung auch sehr viel Angst und gerade die Kombination von einer sich auf der Straße angeeigneten notwendigen "Kaltblütigkeit" und den Einflüsterungen in seinen Kopf, können einen Muster-Nazi aus ihm machen.


    Ich hatte ja auch gehofft, Gereon und er finden nun etwas zueinander, entsprechend hat mich Fritzes Eifersucht auf Gereons "Lorbeeren" erschreckt. Gereon hätte ihm vielleicht erklären sollen, warum er ihn aus der Sache raushält, nämlich weil er ihn schützen will, aber ich fürchte, das hätte Fritze schon gar nicht mehr verstanden. :(


    Aus genau diesem Grund bin ich davon ausgegangen, dass Charly und Gereon nun endlich Tacheles reden: beide standen/ stehen sie in der Schuld Marlows und ahnen das vom jeweils anderen. Es wäre die Gelegenheit, endlich alles auf den Tisch zu packen!
    Dass sie das nicht tun, hat mich erst einmal baff gemacht und dann habe ich auch Angst bekommen; Angst um die kleine Familie.


    Ich sag ja: Schütteln, rein ins Zimmer, Tür zu, abschließen........... Schlüssel weg. :(



    Ich hatte, ehrlich gesagt, auch nicht damit gerechnet, dass Marlow Charly in Bezug auf Reinhold tatsächlich hilft, sondern sie nur hinhält. Als Liang und seine Männer die beiden SA-Leute erschießt, habe ich mich wieder gefragt, warum Marlow Leo nicht selbst erledigt, die Leute hat er doch. Entweder geht es wirklich darum, Gereon noch mehr in seine Abhängigkeit zu bringen oder er will Gereon in den neuen Machtverhältnissen so platzieren, dass er ihm nützlich ist, denn bei den Nazis ist Gereon nach seiner Tat ja relativ angesehen. Oder aber Marlow wollte unbedingt vermeiden, dass auch nur die kleinste Spur zu ihm führen könnte.


    Ich hatte schon erwartet, dass er Karl wirklich befreit, denn bisher stand er immer zu dem, was er versprach. Hier würde er wohl nie gegen seinen Ehrenkodex handeln. Aber diese "Kleinigkeit" passte ihm bestimmt sowieso in seinen Kram, auch wenn ich mich ebenso frage, was genau er damit noch bezwecken könnte. Am wahrscheinlichsten vielleicht einfach, nicht nur Gereon alleine, sondern gleich als doppeltes Druckmittel auch noch seine Frau in der Hand zu haben. Andererseits - selbst wenn er gar nichts mit dieser Aktion bezweckte, als einfach nur sein Wort zu halten, würde das zu ihm passen. Eine Laune, die zeigt, dass er die Macht (immer noch) hat, seine Spiele zu spielen, auch wenn sich die Zeiten verändert haben und er sich versteckt halten muss. Etwas für sein Ego. ;D


    Wenn ich aber sehe, wie einfach das alles für ihn geht, habe ich mich hier auch gefragt, warum er die Sache mit Leo nicht einfach selbst erledigt. Aber ich denke, er will wirklich Gereon noch fester an sich binden. Vielleicht legt er es sogar darauf an, ihn mit so einer Aktion aus dem Polizeidienst zu entfernen und seine Spürnase ganz alleine für sich und seine Zwecke zu binden, wenn Gereon keinen Job mehr hat. Zumindest scheint ein Jobverlust in Aussicht zu sein und da Marlow ja so weit zu planen weiß, könnte er genau das bezweckt haben: ein arbeitsloser fähiger Ermittler in seinen Diensten, der nicht mehr nur widerwillig für ihn arbeitet, sondern widerwillig und aus finanzieller Notwendigkeit heraus. Marlows hauseigener Privatdetektiv ;D



    Gräf driftet nun endgültig zur negativen Seite hinüber. Im Gegensatz zu Gereon ist er durchaus in der Lage, einen Menschen kaltblütig zu erschießen (oder auch zwei), um sich selbst zu schützen. Hätte er das nicht getan, wäre es ihm wohl an den Kragen gegangen. Sicher spielte auch die Wut darauf, dass sein geliebter Conny ihn betrügt, eine Rolle. Ich frage mich nur, ob Pfeiffer mitbekommen hat, dass Gräf dem Conny die Waffe in die Hand gedrückt hat, und etwas von der vorangegangenen Unterhaltung zwischen Gräf und Conny?


    Ich glaube, Pfeiffer hat nichts mitbekommen, der stand zu weit weg und Gräf hat nur für den Moment bewusst die Stimme erhoben für das, was dieser hören sollte. Gräf hat mich hier jedenfalls auch erschreckt, wie kaltblütig und geplant er in der Situation vorgegangen ist. Er hat es wirklich geschickt gemacht, nun alle Gefahr einer Entdeckung zu vernichten und gleichzeitig zu beweisen, welch guter Nazi er ist. Gleichzeitig hat er seine eigene Wut auf sich, seinen Selbsthass und auch die Eifersucht damit rausgelassen und quasi "erschossen". Das muss für ihn eine Erleichterung gewesen sein, ein "sich gereinigt fühlen". Ganz schrecklich finde ich dabei, wie clever er es hinbiegt, dass Gereon nun glaubt, er habe sich in ihm getäuscht und sogar noch das Gefühl bekommt, schlecht über Gräf gedacht zu haben. Gräf wird Geroen nun moralisch gut in der Hand haben, er braucht ihn nur immer wieder daran zu erinnern, wie schändlich er ihn behandelt hat, wie schlecht er von ihm gedacht hat.



    Aber ob er sich für Adenauers Freilassung eingesetzt hat, oder ob der sowieso freigelassen wurde, bekommen wir nicht mitgeteilt, oder ich habe es überlesen.


    Darüber wurde nichts mehr geschrieben, aber ich habe es so aufgefasst, dass er wohl irgendwie Einfluss genommen hat. Vielleicht ist er ja schon in der Hierarchie aufgestiegen. Es kann natürlich Zufall gewesen sein, aber ich glaube irgendwie nicht.


    Leo wurde jedenfalls glücklicherweise überwältigt.


    Doch wie Fritze es geschafft haben soll, Leo zu überwältigen - das konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Und warum zum Teufel hatte niemand eine Taschenlampe dabei?


    Dass Fritze ihm die Waffe entwenden konnte, hat mich nicht gewundert, bei dessen geschickten Taschendiebfingern. Der war früher sicher schon öfter in brenzligen Situationen. Die Taschenlampe habe ich nicht vermisst, denn mit einem Lichtkegel wäre man für Leo, der sich im Dunklen versteckt hielt, doch sofort zu sehen gewesen. Die Augen gewöhnen sich ja mit der Zeit an Dunkelheit, das war wohl sicherer, als wie ein Leuchtturm herumzulaufen. ;D



    Nein, an Philipp Marlowe habe ich dabei nicht gedacht, aber ich denke schon seit einer ganzen Weile, dass Gereon und Charly Deutschland verlassen sollten. Gereons Bruder lebt doch in den USA, zu dem könnten sie beide gehen, vielleicht auch Fritz.


    Als der Bruder in USA erwähnt wurde, habe ich auch gleich daran gedacht, dass das eine Möglichkeit für die Familie wäre, das Land zu verlassen. Ich habe dabei aber nicht gleich an eine jetzige Flucht gedacht, sondern an eine Möglichkeit für später, wenn der Krieg losgeht. Ich will nicht, dass sie im Bombenhagel sterben... :'(


    Aber ich möchte auch sehr gerne noch einige weitere Bücher von ihnen lesen. 8)


  • Ich hatte ja auch gehofft, Gereon und er finden nun etwas zueinander, entsprechend hat mich Fritzes Eifersucht auf Gereons "Lorbeeren" erschreckt. Gereon hätte ihm vielleicht erklären sollen, warum er ihn aus der Sache raushält, nämlich weil er ihn schützen will, aber ich fürchte, das hätte Fritze schon gar nicht mehr verstanden. :(


    Genau die gleiche Hoffnung hatte ich ebenfalls - und wie du denke ich auch, dass Fritze das jetzt nicht mehr verstanden hätte.



    Ich sag ja: Schütteln, rein ins Zimmer, Tür zu, abschließen........... Schlüssel weg. :(


    Ich helfe dir dabei!



    Ich hatte schon erwartet, dass er Karl wirklich befreit, denn bisher stand er immer zu dem, was er versprach. Hier würde er wohl nie gegen seinen Ehrenkodex handeln. Aber diese "Kleinigkeit" passte ihm bestimmt sowieso in seinen Kram, auch wenn ich mich ebenso frage, was genau er damit noch bezwecken könnte.


    Ich denke auch, dass sich Marlow diesen Trumpf einfach mal in der Hinterhand behalten will, selbst, wenn er jetzt noch keine konkreten Pläne mit Charly hat.



    Vielleicht legt er es sogar darauf an, ihn mit so einer Aktion aus dem Polizeidienst zu entfernen und seine Spürnase ganz alleine für sich und seine Zwecke zu binden, wenn Gereon keinen Job mehr hat. Zumindest scheint ein Jobverlust in Aussicht zu sein und da Marlow ja so weit zu planen weiß, könnte er genau das bezweckt haben: ein arbeitsloser fähiger Ermittler in seinen Diensten, der nicht mehr nur widerwillig für ihn arbeitet, sondern widerwillig und aus finanzieller Notwendigkeit heraus. Marlows hauseigener Privatdetektiv ;D


    In die Richtung gingen meine Gedanken auch schon ;D



    Gräf wird Geroen nun moralisch gut in der Hand haben, er braucht ihn nur immer wieder daran zu erinnern, wie schändlich er ihn behandelt hat, wie schlecht er von ihm gedacht hat.


    Ja, ruckzuck hat sich hier das Blatt gewendet.



    Als der Bruder in USA erwähnt wurde, habe ich auch gleich daran gedacht, dass das eine Möglichkeit für die Familie wäre, das Land zu verlassen. Ich habe dabei aber nicht gleich an eine jetzige Flucht gedacht, sondern an eine Möglichkeit für später, wenn der Krieg losgeht. Ich will nicht, dass sie im Bombenhagel sterben... :'(


    Das dachte ich ebenfalls direkt, ob der Bruder in den USA mittelfristig eine Anlaufstelle für die Familie sein könnte.

  • Aber echt. Ich finde das auch heftig, vor allem, wenn ich an den pfifigen und rebellischen Fritze von früher zurückdenke, der so selbständig war und auch selbständig gedacht hat. Ich hätte einfach nicht erwartet, dass er so leicht zu lenken sein wird. Aber vielleicht war sein vorheriges Selbstbewusstsein auch insofern der Straße zu schulden, weil er dies zum Überleben brauchte. Nun, aufgefangen in einer Familie, kann er dies loslassen und seine Seele kann die Geborgenheit und Ruhe, das „sich um ihn kümmern“, was er zuvor nicht hatte und unterdrücken musste, einfordern. Ich habe mich auch echt für ihn gefreut, als Charly und Gereon ihn bei sich aufnahmen und er eine Chance zu einer richtigen Kindheit und Jugend bekam. Nur kümmern sich nun eben leider andere verstärkt um ihn und sein „Wohlbefinden".


    Fritzes Entwicklung hat mich auch überrascht. Ich hatte ja gedacht, dass er entweder mehr auf seine "Pflegeeltern" vertraut, wo sie ihn doch von der Straße geholt haben. Oder wahlweise, dass er selber eine gesunde Aversion gegen diese Doktrion von den HJ-Führern hat.


    Statt dessen benimmt er sich eher wie ein typischer Halbwüchsiger. Er rebelliert gegen seine "Eltern", glaubt, er und die Hitlerjugend wüssten es besser.


    Mir macht diese Entwicklung auch sehr viel Angst und gerade die Kombination von einer sich auf der Straße angeeigneten notwendigen "Kaltblütigkeit" und den Einflüsterungen in seinen Kopf, können einen Muster-Nazi aus ihm machen.


    Ich hatte ja auch gehofft, Gereon und er finden nun etwas zueinander, entsprechend hat mich Fritzes Eifersucht auf Gereons "Lorbeeren" erschreckt. Gereon hätte ihm vielleicht erklären sollen, warum er ihn aus der Sache raushält, nämlich weil er ihn schützen will, aber ich fürchte, das hätte Fritze schon gar nicht mehr verstanden. :(


    Ja, Fritze scheint Potential für einen Jungnazi zu haben. :(
    Gereon hätte es ja wenigstens versuchen können. Auch hier wieder, sie reden einfach gar nicht mit Fritze. Dazu ist der Junge aber schon viel zu groß und selbstständig.

  • Als der Bruder in USA erwähnt wurde, habe ich auch gleich daran gedacht, dass das eine Möglichkeit für die Familie wäre, das Land zu verlassen. Ich habe dabei aber nicht gleich an eine jetzige Flucht gedacht, sondern an eine Möglichkeit für später, wenn der Krieg losgeht. Ich will nicht, dass sie im Bombenhagel sterben... :'(


    Aber ich möchte auch sehr gerne noch einige weitere Bücher von ihnen lesen. 8)


    Ja, das wäre tatsächlich eine Option, wie man die Reihe zu einem Ende bringen könnte. In weiter Zukunft, nach noch einigen tollen Geschichten, versteht sich.

  • Ich habe die Rezi nicht vergessen, bin gerade dabei sie zu schreiben.


    Mir geht ja die Szene mit Kirie einfach nicht mehr aus dem Kopf, wohl weil es so ein plötzlicher Schreck war. Und es hat ja auch Gereon besonders geschockt, aufgerüttelt und ihm sehr krass deutlich gemacht, dass er mit der abwartenden Verdrängungshandlung bei Marlow nicht weiterkam und er endlich tun musste, wovor er sich drückte.


    Sieht die Parallele dazu vielleicht dann so aus, dass erst etwas ähnlich Schockierendes in Gereons Leben passieren muss, um ihn aus seiner abwartenden Verdrängungshaltung den Nazis gegenüber zu bringen? Muss da vielleicht auch erst jemand, den er liebt durch die Nazis zu Schaden kommen oder sterben, damit er erkennt, dass das keine vorübergehend unangenehme Erscheinung ist, die man nur auszusitzen braucht? Da will ich jetzt gar nicht drüber nachdenken ... :o

  • Sieht die Parallele dazu vielleicht dann so aus, dass erst etwas ähnlich Schockierendes in Gereons Leben passieren muss, um ihn aus seiner abwartenden Verdrängungshaltung den Nazis gegenüber zu bringen? Muss da vielleicht auch erst jemand, den er liebt durch die Nazis zu Schaden kommen oder sterben, damit er erkennt, dass das keine vorübergehend unangenehme Erscheinung ist, die man nur auszusitzen braucht? Da will ich jetzt gar nicht drüber nachdenken ... :o


    Ich hoffe mal, dass es nicht EIN krasser Vorfall ist, sondern dass er Stück für Stück seine Haltung und seine Meinung ändert. Das könnten er UND ich wohl besser verkraften. ;)

  • Ehrlicherweise hatte ich den Gedanken auch: dass Gereon ein einschneidendes Erlebnis braucht, um endlich zu begreifen, was für eine extreme Bedrohung die Nazis sind!


    Als Charly in Haft war, hatte ich die leise Hoffnung, dass diese Situation nun da ist. Tja, aber so leicht ist es nicht - Gereon weiß nicht, was wir wissen und ich kann es ihm nicht verdenken, dass er sich noch nicht vorstellen kann, wie perfide und menschenverachtend die Nazis sind.


    Nun hoffe ich, dass die vielen Erkenntnisse, die Gereon inzwischen machen konnte, nun langsam Früchte tragen...


    Habt Ihr eigentlich die kostenlose Erzählung "Durchmarsch" gelesen? Diese hat meine Hoffnung wieder einmal weiter genährt...

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen