Allgemeine Fragen an Janet Clark

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  • Hallo Janet,


    mich würde interessieren, warum du ( darf gedutzt werden?) das Buch dem Genre Thriller zugeordnet hast?
    Für mich liest sich der erste Abschnitt mehr nach Psychothriller. Oder täuscht das?


    Einen guten Rutsch wünsche ich.... :winken:

  • Hallo Idefix,
    erst Mal: Gutes Neue Jahr und - klar "Du"! Die Einteilung nehme ich nicht vor, das macht der Verlag. Ich wurde inzwischen auch darauf aufmerksam gemacht, dass auf dem Cover "Thriller" und innen "Roman" steht. Das ist verwirrend und ein Fehler, der offenbar beim Satz des Buches entstanden ist.
    Meine Thriller sind alle eher der Schiene Psychothriller zuzuordnen, da ich generell unblutig schreibe. Mich interessiert das Psychogramm von Personen in Ausnahmezuständen - wie kommt es zu bestimmten Taten, wie reagiert man in bestimmten Situationen, etc. Das war bei diesem Buch besonders spannend, da hier eine Person die Protagonistin ist, die ihre Identität verloren hat. Um das glaubwürdig darzustellen, musste ich viel recherchieren und das Buch komplett in die Ich-Perspektive umschreiben, da es in einem ersten Anlauf in der personalen Perspektive nicht funktioniert hat.
    Da Thriller der Oberbegriff ist und Psychothriller ein Subgenre, nehme ich an, dass der Verlag auf den Oberbegriff zugreift, um eine größere Lesergruppe anzusprechen. Bei diesem Buch wäre auch der Begriff Wissenschaftsthriller nicht abwegig - allerdings könnte das Leser auch abschrecken, wenn sie dahinter sehr viel Wissenschaft und wenig Thrill vermuten.
    Insofern ist das Label, das man einem Buch aufdrückt manchmal eine schwierige Entscheidung (bei der ich allerdings nicht hinzugezogen werde).

  • Hallo Janet!


    Könntest Du so nett sein und ein wenig über die Vorgeschichte zu diesem Buch erzählen? Was hat die auf den Gedanken gebracht, das Thema Amnesie in einen Thriller zu verpacken? Es ist ja superinteressant und spannend - aber auch nicht ganz alltäglich, oder?


    Glg!
    ysa :winken:

  • Hallo Ysa,
    da sind so einige Dinge zusammengekommen. Zu Indonesien kam ich, nachdem ich mit einem Bekannten (Dokumentarfilmer) über sein Projekt zum Thema Seenomaden geredet habe und mich über diese faszinierenden Menschen informierte (auch wenn das im Buch letztlich nur sehr am Rande vorkam, das ist aber normal, dass 80% der Recherche nur dazu dient, dass man selbst gut genug informiert ist, um 20% glaubwürdig und locker auf das Papier zu bringen).
    Zu dem Thema selbst (Bonnies Gabe und Clares Beruf) kam ich durch eine sehr persönliche Erfahrung: Ich war 42 und mit meinem dritten Kind schwanger. Aufgrund meines Alters und einer Stoffwechselerkrankung war das eine Hochrisikoschwangerschaft und ich war hochnervös. Nein, ich war regelrecht panisch, dass ich das Kind verlieren oder es schwer geschädigt sein könnte. :'( Irgendwann bat ich eine Freundin um Rat, da die Angst um das Baby mich so sehr im Griff hatte. Und sie legte mir Nahe, meine Angst abzugeben. An Gott oder einen verstorbene Angehörigen oder ... Ich wählte meinen verstorbenen Vater. Eine gute Woche später fragte mein Mann mich, warum ich von dem Baby in weiblicher Form spreche, da wir (10 Woche) nicht wissen konnten, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Erst da wurde mir bewusst, dass ich immer, wenn ich meine Angst "abgab", ein bestimmtes Bild vor Augen hatte: Mein Vater wandert mit einem kleinen blonden, blauäugigen Mädchen durch einen Park. Mein Mann hat sich gewundert, denn meine Söhne sind braun-, bzw. schwarzhaarig und haben brauen Augen. Wie ich auch. Wir haben uns weiter nichts dabei gedacht, ein Bild der Angstbewältigung eben. Dann kam unser Baby zu Welt. Eine gesunde, wunderbare, blonde und blauäugige Tochter.
    Das Mädchen aus meinem "Angstbewältigungsbild". :o
    Wie kann das sein? Wie kann ich in meiner 10 Schwangerschaftswoche wissen, dass ich eine blonde Tochter haben werde? Zufall? Oder gibt es eine wissenschaftliche Erklärung? Diese Frage hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Also habe ich angefangen zu recherchieren. Ein gutes Jahr. Hochspannend. Ich habe mich intensiv mit Gehirnforschung befasst :kaffee: und bin dabei auch auf Menschen mit Inselbegabungen gestoßen, und auf vieles mehr, was Einzug in das Buch gefunden hat. Und daraus entstand der Backbone von Black Memory. Dass Clare an einer Amnesie leidet, war die logische Konsequenz der Ausgangsfrage, wie Informationen in unserem Körper abgespeichert sind.
    Der Beruf von Clare hat ebenfalls seine Berechtigung. Meine beste Freundin ist (Kinder-) Osteopathin und Expertin für Craniosacrale Therapie und hat meine Schwangerschaft neben der schulärztlichen Vorsorge begleitet. Sie hat über meinen Kopf immer wieder Verbindung zu dem heranwachsenden Baby aufgenommen, um zu sehen, ob es ihm gut geht und sie war es auch, die mich presto in die Klinik geschickt hat, damit die Geburt eingeleitet wird, nachdem sie mich im Krankenhaus wieder nach Hause geschickt hatten, obwohl der Geburtstermin überschritten war und keine Wehen einsetzen wollten (was bei der Stoffwechselkrankheit normal ist.) Und sie hatte mit ihrer Einschätzung absolut Recht, wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte.
    Schließlich habe ich im Radio eine Meldung gehört: Auf einem Rastplatz hat man ein Auto mit einer toten Familie gefunden. Alle erschossen. Auch das hat mich nicht mehr losgelassen. Wer erschießt eine ganze Familie?
    Und dann habe ich all das in einen Mixer geworfen, ordentlich verquirlt und heraus kam Black Memory. :kochen:

  • Janet, jetzt habe ich Gänsehaut. Und ich bin froh, dass bei der Schwangerschaft mit eurem dritten Kind alles gut gegangen ist :-*


    Mit dem Wissen, welche Bedeutung dein Vater während der Schwangerschaft für dich hatte, finde ich die Widmung dieses Buches jetzt besonders berührend.

  • Ich fand diese Widmung auch sehr anrührend. Mit dem, was Du hier geschrieben hast, liebe Janet, bekommt das Ganze nochmal einen ganz besonderen Sinn.


    Auch die Beschreibung Deiner letzten Schwangerschaft hat mich sehr berührt. So schön, dass alles gut gegangen und Du so eine tolle Begleiterin gehabt hast.

  • Hallo Janet!


    Welche Fachliteratur hast Du eigentlich bei den Recherchen zu den Themen Gehirn, Erinnerungen etc gelesen?
    Kannst Du diesbezüglich ein Buch speziell empfehlen?
    Danke!
    ysa

  • Liebe Ysa,
    ein spezielles Buch kann ich nicht empfehlen - ich habe mich kreuz und quer durch den Gemüsegarten gelesen. Fachzeitschriften (sehr zu empfehlen: Spektrum Wissenschaft, Sonderausgabe Gehirn), sowohl was Psychologie betrifft (ich lese regelmäßig Psychologie heute) als auch was Neurologie, Biochemie und Allgemeinmedizin betrifft, Bücher und Internetartikel. Die Fachbücher habe ich alle von den Spezialisten geliehen bekommen (zm Glück, die sind abartig teuer), bzw. sie haben mir die entsprechenden Artikel kopiert, die ich für meine Recherche benötigt habe. Denn meist waren in diesen Fachbüchern nur ein paar Seiten oder Kapitel für mein Buch von Bedeutung. Z.B. was Clares dissoziative Störung betraf: die Psychologin, die mich ausgiebig beraten und mit mir herausgearbeitet hatte, welche Störung im Rahmen der Story die sinnvollste und glaubhafteste wäre, hat mir zur Vertiefung/Erinnerung 20 Seiten aus einem 500 Seitenschmöker kopiert, da der Rest nicht relevant war. Hinsichtlich der Genforschung und der Osteopathie hatte ich auch Berater, die mich mit Literatur und Wissen versorgt haben und mir vor allem sehr viel erklärt haben - denn, wenn man fachfremd an die Materie dran geht, wird man schnell von den vielen Fachausdrücken in einem Fachbuch erschlagen. Wenn aber ein Arzt/Psychologe/Ostheopath das mit einem durchgeht und erklärt, teils mit Hilfe der Anatomietafeln oder sogar, indem er etwas mir demonstriert, beginnt man langsam durchzusteigen und kann dann die Fachbegriffe und auch die Zusammenhänge zuordnen.
    Das ist jetzt wahrscheinlich nicht sehr hilfreich, aber ich habe über viele Monate viele verschiedene Quellen angezapft, um zu dem Wissen zu gelangen - es sind ja einige medizinische Bereiche, die im Buch angesprochen werden, das gibt es leider nicht in einem oder zwei Büchern.

  • Hallo Janet,
    danke für diese Infos!
    Wie läuft da eigentlich die Recherche? Vor allem, wenn in Deinem Bekanntenkreis kein Fachmann ist? Kontaktierst Du Fachleute? Sind sie hilfsbereit?


    Abgesehen von einer Fortsetzung von Black Memory... welche Pläne für zukünftige Bücher hast Du? Falls Du das verraten magst...


    Glg!
    ysa

  • Liebe Ysa,
    bei der Recherche fängt man wie bei so vielem bei Null an und arbeitet sich langsam immer weiter hoch. Meist versuche ich zunächst ein paar Grundlagen im Internet zu recherchieren, um überhaupt ein Gebiet abstecken zu können. Dabei bleibt die Information zumeist ziemlich oberflächlich und vor allem muss das alles verifiziert werden - denn, im Internet steht viel Interessantes und Korrektes, aber auch einen Menge Quatsch, wie wir hier in Bayern sagen, und das darf nicht in einem Buch landen. Dabei suche ich oft schon nach Querverweisen zu Hintergrundwissen, dabei landet man dann häufig bei Fachzeitschriften/literatur, die im Handel zu erwerben sind. Parallel suche ich immer den Rat von Experten. Das war in diesem Fall einfach, da ich Freunde und Bekannte im Medizinbereich habe und diese mir sehr geholfen haben, bzw. wenn es ihre Fachkompetenz überschritten hatte, mir einen Ansprechpartner vermittelt haben. Das ist natürlich nicht immer der Fall. Bei meinem neuen Jugendbuch musste ich in Erfahrung bringen, wie man eine Bombe zusammenbaut. Das kann ich zwar im Internet recherchieren, aber das wollte ich nicht, einfach wegen des Fingerabdrucks, den man im Netz hinterlässt und ich habe keine Lust, auf einer entsprechenden Liste zu landen und bei Reisen extra gecheckt zu werden. Das ist mir nämlich früher oft passiert, da es eine Namensvetterin gab, die auf eine Gefährderliste stand ... Also habe ich mich mit Hilfe einer Kollegin an einen Hauptkommissar gewandt und der hat mir weitergeholfen. Ich bin Präsidentin einer Krimiautorinnenvereinigung und wir haben dort eine Mailingliste, über die wir uns gegenseitig Fragen beantworten und helfen und Kontakte vermitteln. Bisher waren wirklich alle Experten, die ich zu den diversen Themen über die letzten Jahre interviewt habe sehr entgegenkommend und hilfreich.
    Dann gibt es natürlich noch die Vorortrecherche - :hexe:ich bin nach London geflogen und bin zwei Tage London abgelaufen, um die geeignete Wohngegend für Clare zu finden und bin die Küste abgefahren, um den Ort für ihr Rückzugshaus festzulegen. In Florenz war ich ebenfalls, das Haus, in dem die Geschichte spielt gibt es (sieht ein bisschen anders aus und hat natürlich normale Türschlösser und keine Kameras), ist aber in Wahrheit ein Hotel.


    Zu der zweiten Frage: Meine Pläne für die Zukunft: Zunächst schreibe ich Teil zwei des Jugendbuchs, das im März das Licht der Welt, bzw. des Buchhandels erblicken wird. Ewig Dein - Deathline
    Es ist ein All-Age-Genre-Mix. Romance meets Mystik meets Thrill.
    Die Testleser und der Verlag waren begeistert, es ist ein anderer "Clark", weniger Vewirrspiel, mehr Romance (ist ja auch kein reinrassiger Thriller) aber trotzdem eine rasante und spannende Geschichte mit sehr, sehr liebenswerten Helden (ich bin so froh, dass es da einen zweiten Band gibt, ich liebe diese Figuren und freue mich schon, mit ihnen ein paar weitere Monate zu verbringen)
    Und dann geht es entweder weiter mit einer Fortsetzung von Black Memory oder ich orientiere mich neu. Das hängt davon ab, ob Black Memory es ohne Werbung schafft. Macht ja kein Sinn, einen Weg weiterzuverfolgen, wenn er eine Sackgasse ist. Das muss man pragmatisch sehen.

  • Danke euch fürs Daumendrücken! Mal sehen, was wird, jetzt schreibe ich erst einmal die Fortsetzung von "Ewig Dein - Deathline" fertig und alles andere wird sich dann ergeben! Jedenfalls freut es mich sehr, dass ihr an einer Fortsetzung interessiert seid!

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen