Fazit, Rezensionen (ohne Spoiler)

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  • Liebe Bücherkrähe,

    vielen, vielen Dank für dein tolles Video. :bussi:
    Du hast darin noch einmal für mich (als nicht Betroffene) sehr schön erklärt, was diese Krankheit alles beinhalten kann an Symptomen und Auslösern. Sehr verständlich und professionell.


    Auch das du noch einmal erklärt hast, was Trigger sind fand ich sehr gut. Mit diesem Video hast du quasi so eine Art "Gebrauchsanweisung" zu Uwes Buch geschaffen, die besonders für nicht Betroffene eine sehr gute Einstimmung auf das Thema Depressionen ist.


    Kann es sein das du irgendwas mit Mediengestaltung oder so studiert hast? Das Video und der Text - sogar Untertitel - sieht sehr professionell aus für mich. :daumen:

  • Ich habe es auch gerade geguckt und kann mich nur anschließen! :winken:
    Super. Ich finde auch, dass du schön gesprochen hast, wenn ich das mal so sagen darf. Sehr angenehm zuzuhören!

  • Gott, seid ihr zucker :flirt:
    Nein, ich studiere nichts mit Medien, nicht mal ansatzweise :D Ich studiere Theologie, habe aber eine kleine Schwester mit Macbook, die mit selbigen und iMovie nicht nur umgehen, sondern zaubern kann.
    Schön, dass es euch so gut gefällt, das gibt Mut für neue ^_^
    Hier sind übrigens die Outtakes :D


    Die restlichen Links:
    https://www.goodreads.com/revi…n=true&from_review_page=1
    https://www.amazon.de/gp/custo…B01EVA772S#R21KOJQ6TYR2D8
    https://www.lovelybooks.de/aut…4-w/rezension/1433213592/
    http://www.thalia.de/shop/home…Y&timestamp=1487778925724 (unter dem Namen Bücherkrähe)


    smyrill: direkt hier in den Thread oder in einen anderen?

  • [Triggerwarnung: Dies ist eine Rezension eines Buches über Depression. Der Inhalt könnte auf Betroffene triggernd wirken.]


    Worum geht’s?
    Uwe Hauck versuchte Anfang 2015, sich das Leben zu nehmen.
    Der Versuch schlug fehl, und als er in der Notaufnahme aufwachte wurde ihm klar, dass er Hilfe braucht. Nach ein paar Tagen auf der geschlossenen Station kommt er auf eine offene und beginnt dort seinen Weg, mit der Krankheit zu leben. Allerdings wird er während der stationären Behandlung „nur“ medikamentös eingestellt, ansonsten in therapeutischen Angeboten erstmal beschäftigt. Nach einigen Wochen wechselt Hauck in die Tagesklinik und endlich gibt es auch Gespräche über seine Krankheit. Doch wie schon während der stationären Therapie wird seine Internet- und Technikaffinität missverstanden und falsch verstanden, sogar als Internetsucht ausgelegt. Zum Verständnis: Hauck tweetete regelmäßig über seinen Klinikalltag mit dem Hashtag #ausderklapse, was ihm persönlich sehr half, besser mit seiner Krankheit umzugehen. Doch Verteufelungen, zu starre Regeln und gar Verbote waren schon immer Gift für Haucks Psyche, sie haben ihn letztlich mit in den Suizidversuch getrieben, nicht davor bewahrt.
    Nach etlichen Wochen zu Hause, die schwer genug waren, kommt Hauck noch mal für einige Wochen in die Reha-Klinik. Hauck fügt sich nur widerwillig in das neue Therapiekonzept, und analysiert später auch, woran das lag. Doch auch wenn er sich nicht ganz wohlfühlt mit manchen Therapiekonzepten, merkt er irgendwann doch, dass sie helfen. Er ist gefestigter nach einem Jahr in verschiedenen Kliniken und zu Hause, doch dass er noch am


    Wie war’s?
    Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde auf Leserunden.de lesen, die von Uwe Hauck begleitet wurde. Im Buch wie auch im Forum oder auch auf Vorträgen ist er sehr offen, was die Krankheit der Depression angeht. Sein erklärtes Ziel ist Aufklärung und, wie er es nennt, Lobbyarbeit für die Betroffenen. Mit dem Buch legt er einen guten Grundstein, denn vor allem für Angehörige bietet es einen Einblick in die Krankheit und in die Gedankenwelt eines an Depression erkrankten Menschen – egal ob Depression die Hauptdiagnose sind oder, wie hier später heraus kam, Symptom einer anderen Diagnose ist.
    In einem Abschnitt war ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Hauck kam mir dort sehr arrogant und überheblich vor, so, wie er über die Therapien sprach. Es hat etwas Überwindung gekostet, aber ich habe ihn im Forum direkt darauf angesprochen:
    „Ich habe deinen Ton und deine Art, über die Therapien in der Tagesklinik zu sprechen, tlw. als überheblich und auch etwas herablassend empfunden. Ich hoffe, ich erwische dich da nicht auf dem falschen Fuß, Uwe. Du hast den Sinn und Zweck hinter den einzelnen Therapieangeboten nicht verstanden und sie daraufhin schlecht gemacht. Im Grunde das Gleiche, was die Ärzte mit deiner Technik- und Internetpassion machen.“
    „Bücherkrähe du erwischt mich da garnicht auf dem falschen Fuss, genau das wollte ich ja vermitteln, dass ich da am Anfang meine Probleme damit hatte, zum Teil auch überheblich reagiert habe. Auch das ist ein Teil dessen, was man erst durch die ganz Therapie lernt. Über den Schatten springen, neues versuchen, den eigenen Tellerrand überschreiten. Dazu war ich aber beim Wechsel dorthin noch nicht bereit.“
    So ganz reflektiert bzw. erklärt hat Hauck das am Ende doch nicht, auch wenn er die Wirkung der Therapien anerkennt. Er macht sich bspw. bis zum Schluss über die Kreisform der Sitzordnung in allen Therapien lustig, dabei frage ich mich, was die Alternative wäre.


    Streckenweise empfand ich das Buch als wirklich anstrengend, und es kommt meiner Meinung nach nicht an Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben von Matt Haig heran. Trotzdem ist Depression abzugeben eine gute und vor allem ratsame Lektüre besonders für Angehörige von depressiven Menschen, die statt medizinischen Fakten und Ratgebern einen Einblick in die Gedanken von Betroffenen gewinnen möchten. Die Kapitel lesen sich leicht herunter und werden immer wieder von Haucks Tweets, die er während seiner Klinikaufenthalte schrieb, strukturiert werden.


    Danke an Leserunden.de für die Organisation der Leserunde, an Uwe Hauck für die tolle Begleitung, und an Bastei Lübbe für das Leseexemplar.

  • Uwe, so sollte es sein, daß auch der Autor etwas aus der Leserunde mitnimmt. Wie schön, daß es für Dich hier eine gute Erfahrung war.


    Ja, es ist ruhig geworden und somit kann ich die Runde "offiziell schließen", was aber nicht bedeutet, daß ihr hier nicht mehr schreiben dürft. (Neben meiner fehlt glaube ich noch eine weitere Rezi... die kommen ja dann auf jeden Fall noch).


    Ich möchte mich bei allen TN für die offenen Diskussionen bedanken, es war toll, das Buch mit Euch zusammen zu lesen.


    Und ein besonderer Dank an den Autor. Lieber Uwe, vielen Dank für Deine Offenheit im Umgang mit Deiner Krankheit (und ja Deinem ganzen Leben) und Deine engagierte Begleitung dieser Leserunde.


    Ich würde mich freuen, wenn wir uns zu Deinem nächsten Buch hier wieder treffen !

  • Oh Gott, ich werde doch alt. Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass ich meine Rezension längst veröffentlich hätte und habe eben mit erschrecken das Gegenteil festgestellt. Es soll nun nicht als Ausrede sondern eher als Erklärung dienen, aber die letzten Wochen waren doch wieder sehr stressig bei mir. Privar gab es wieder ein paar Dinge die mich zurück geworfen haben udn auch beruflich lief nicht alles so wie ich es mir gewünscht habe. Ja, es gab sogar kurze Momente, wo ich am liebsten alles hingeworfen hätte.


    Aber nun zu meiner Rezi:
    In „Depression abzugeben“ von Uwe Hauck berichtet der Autor über seine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit, die beinahe mit dem Suizid endet. Er gewährt dem Leser einen sehr intimen Einblick in sein Leben, lässt ihn an allen Stationen auf seinem Weg zurück ins „Leben“ teilhaben. So begleitet man Uwe Hauck nach seinem Suizidversuch im Februar 2015 zunächst in die geschlossene Psychiatrie, erlebt den Wechsel in die Offene, die Tagesklinik, Reha und die Wiedereingliederung in den Beruf.


    Trotz des „schwierigen“ Themas, lässt sich das Buch gut lesen. Uwe Hauck verwendet keine medizinischen Fachausdrücke (die man unter Umständen erst nachschlagen müsste). Mit einfachen und jedermann verständlichen Worten. Er möchte der Welt da draußen zeigen, wie es wirklich hinter verschlossenen Türen einer Psychiatrie abläuft um somit mit den bekannten Klischees mal aufzuräumen. Ich finde es wichtig, dass das Thema "Depression" endlich kein Tabu-Thema mehr sein sollte. Niemand sollte sich aus Scham verstecken müssen. Denn seine wir mal ganz ehrlich, es kann jeden treffen.


    Ehrliche und offene Worte, gespickt mit einer Prise Humor und Sarkasmus führen den Leser durch einen Zeitraum von knapp einem Jahr. Die Zeilen zeigen, dass man auch in der „Klapse“ Spaß haben und lachen kann. Sicherlich gibt es sehr viele Zeiten in denen es anders ist und man mit sich zu kämpfen hat, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.


    Durch die Kapitel ziehen sich auch die verschiedensten Twitter-Posts die Uwe Hauck während dieser Zeit in der Öffentlichkeit hat zukommen lassen. Auch hierbei kommt es mehr als einmal zu kleinen Wortwitzen, aber auch zu kurzen Kommentaren, die mich persönlich nachdenklich gemacht haben. Besonders gefallen hat mir der Begriff „therapös“ und seine Erklärung.


    Mit seiner Lebensgeschichte bekommt der Leser keinen Ratgeber über die Erkrankung und auch keine Gebrauchsanleitung wie man mit Betroffenen umgehen sollte, vielmehr zeigt dieses Buch auf, wie es einem psychisch Erkrankten ergeht bzw. ergehen kann. (Eine Depression hat viele Facetten und nicht jeder der daran erkrankt, tut dies nach einer abzuhakenden Liste.) Man erfährt wie wichtig die Familie für für den Betroffenen ist, sie ist ein wichtiger Stützpfeiler die zur Genesung viel beiträgt. Uwe’s Frau Sybille hat in den letzten Jahren viel durchmachen müssen, aber sie hat durch ihre Liebe zu ihm bewiesen, dass man es gemeinsam schaffen kann.


    Ich muss zugeben, dass ich etwas länger für dieses Buch gebraucht habe. Dieses lag aber weder an der Schreibweise noch am Inhalt selbst. Vielmehr haben mich einige Passagen sehr zum Nachdenken angeregt und ich musste pausieren um wieder einen freien Kopf zu bekommen.


    Depression abzugeben ist ein Buch für Betroffene, Angehörige und natürlich auch für jedermann der sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Betroffene finden hier vieles, was ihnen selbst die Angst vor den nötigen therapeutischen Schritten nimmt. Für Angehörige ist dieses Buch eine große Hilfe um das Seelenleben eines Betroffenen vielleicht besser zu verstehen, oft kann ein betroffener nämlich selbst gar nicht so offen darüber reden. Aber das wichtigste an diesem Buch ist, es räumt mit Vorurteilen auf.

    „Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.“ Mark Twain

  • „Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.“ Mark Twain

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen