#2 Erstes Buch: Kapitel 9 bis einschl. Kapitel 16 (Seite 73 bis 138)

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  • :daumen: danke, das war genau die Stelle, die ich für die Erklärung brauchte! An das Zurückziehen in den Mantel konnte ich mich zwar noch erinnern, hatte da aber eher mit "Angst" assoziiert. Aber das Weghuschen war mir wohl entglitten, das liest sich tatsächlich eher unterwürfig.

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Ist schon richtig - in den Exekutoren schwingt nachtürlich viel von der Inquisition mit, mit dem Unterschied, dass sie Ketzerei als das Vorhandensein von Religion verstehen, nicht umgekehrt. Und in der Tat sind sie Ankläger, Richter und Vollstrecker in Personalunion, was die Bezeichnung erklärt. Archetyp des literarischen Inquisitors ist für mich übrigens Bernard Gui aus "Der Name der Rose".


  • mit dem Unterschied, dass sie Ketzerei als das Vorhandensein von Religion verstehen, nicht umgekehrt. Und in der Tat sind sie Ankläger, Richter und Vollstrecker in Personalunion, was die Bezeichnung erklärt. Archetyp des literarischen Inquisitors ist für mich übrigens Bernard Gui aus "Der Name der Rose".


    Dieser Twist, dass jegliche Religion als Ketzerei empfunden wird, hat mir übrigens sehr gut gefallen. Wenn es in Romanen zu Inquisitoren nachempfundenen Figuren kommt, wird immer irgendein wahrer Glaube verteidigt, hier geht es um reinen unverfälschten Atheismus. Wobei man natürlich darüber streiten kann, ob Atheismus nicht auch eine Form von Glaube ist, denn beweisen kann man weder das eine noch das andere.


    Übrigens dachte ich, dass Thorgon in seiner Radikalität Heinrich Institoris nachempfunden ist. Wahrscheinlich, weil ich erst kurz vorher ein Sachbuch zum Thema Hexenverfolgung gelesen habe, indem ihm natürlich auch viel Raum gewidmet war.


  • Wobei man natürlich darüber streiten kann, ob Atheismus nicht auch eine Form von Glaube ist, denn beweisen kann man weder das eine noch das andere.


    Das ist - exakt - der Gedanke, der hinter den Exekutoren steht. Atheisten führen oft Argumente ins Feld, die letztlich nur Indizien liefern, aber keine wissenschaftlich verifizierbaren Beweise, was ihren Standpunkt per se als Glaube definiert ... fand das einen spannenden Widerspruch.
    Wobei Thorgon innerhalb des Ordens nochmal eine Ausnahme bildet, denn eigentlich glaubt er ja an Magie ...

  • Mein Deutschlehrer sagte früher: "Ob man wirklich Atheist ist, zeigt sich erst kurz vor dem Tod." Den Spruch hat er sicher irgendwo geklaut, aber es liegt sicher viel Wahrheit in dem Satz.
    Ich bin selber nicht allzu glaubensfest, aber als ich einmal in die Situation kam, habe ich doch tatsächlich zu einer höheren Entität gebetet.


    In der Oberstufe hatte einer meiner Mitschüler die Bibel mit wissenschaftlich plausiblen Erklärungen auseinander genommen. Klar kann man sie als Indizien abtun, weil man es zu 100% nicht belegen kann und ich würde auf jeden Fall von einem Glauben sprechen, was es aber nicht zu einer eigenen Religion erhebt.


  • In der Oberstufe hatte einer meiner Mitschüler die Bibel mit wissenschaftlich plausiblen Erklärungen auseinander genommen. Klar kann man sie als Indizien abtun, weil man es zu 100% nicht belegen kann und ich würde auf jeden Fall von einem Glauben sprechen, was es aber nicht zu einer eigenen Religion erhebt.


    Absolut richtig. Niemand würde sagen: Atheismus ist eine Religion - dazu fehlen ja auch viele andere Merkmale. Aber genau das haben die Exekutoren getan. Auch deshalb, weil sie gar nicht argumentativ vorgehen (geschweige denn wissenschaftlich), sondern nach Dogmen: Es darf keine Magie geben, also gibt es sie auch nicht.


  • Hm... dann wären sie aber doch eher Deisten, oder?


    Würde ich nicht so sagen - die Exekutoren verneinen im Grunde jede übergeordnete und mit der Vernunft nicht fassbare Ordnung. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich ihr dann logischerweise ja auch selbst unterwerfen müssten. Ob es sich nun um Monotheismus, Polytheismus, Wunderglauben oder nur die Konzeption eines waltenden Schicksals handelt, macht für die Exekutoren dabei keinen Unterschied.

  • Das ist - exakt - der Gedanke, der hinter den Exekutoren steht. Atheisten führen oft Argumente ins Feld, die letztlich nur Indizien liefern, aber keine wissenschaftlich verifizierbaren Beweise, was ihren Standpunkt per se als Glaube definiert ... fand das einen spannenden Widerspruch.


    Da ich mich auch als Atheisten bezeichne, würde ich aber ablehnen, das als Glaube anzusehen. Ich kann nicht beweisen, dass es keinen Gott gibt, aber es ist auch nicht bewiesen, dass es ihn gibt, wir könnten auch in einem Terrarium sitzen und von Außerirdischen beobachtet werden oder Ähnliches. Wenn ich nicht an Gott glauben kann, heißt es doch aber nicht, dass ich seine Verneinung glaube.

  • Doch, genau das heißt das, wenn du Atheist bist (wenn du nicht an einen Gott glauben kannst). Sonst bist du vielleicht eher Agnostizist (es bleibt für dich ungeklärt, ob es einen Gott gibt) oder Nihilist (Glaube an Nichts)? :>

    Liebe Grüße

    Juliane

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  • Suse

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