Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)

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  • Zur Vollständigkeit auch hier meine spoilerfreien Gedanken


    In Video-Form:


    In schriftlicher Form:


    Spoilerfrei.


    Feuer der Leere ist ein Science-Fiction-Roman, der im Weltall in der Zukunft spielt. Die Erde ist schon länger nicht mehr bewohnbar, und die Anzahl der Menschheit hat sich auf etwa 1 Million reduziert und befindet sich aufgeteilt in einem Schwarm von Großraumschiffen.


    Jedes Großraumschiff pflegt eine andere Kultur, von denen wir einige besser kennenlernen. Dieses Näherbringen bietet Platz für anregende Gedanken. Welches System scheint mir an sinnvollstes zu sein, in welchem Raumschiff würde ich gerne leben, wäre das spezielle demokratische Abstimmungssystem der MERLIN wirklich klüger?


    Die Menschen befinden sich im Krieg mit den Giats und in dem Roman geht es um eine Art Flucht und Verfolgungsjagd durchs Weltall, bei der man auf die ein oder andere erstaunliche Entdeckung stößt.


    Der Roman beginnt ziemlich Hardcore mit einer Reihe von Fachbegriffen und komplexen technischen Erklärungen. Das bedeutet, dass man dieses Buch doch mit einer guten Portion Konzentration lesen sollte oder, wenn man in dem Bereich über kaum Vorbildung verfügt, vielleicht sogar durchzubeißen. Danach wird das alles nahbarer und man kommt in den Leserhythmus rein.
    Der Autor selbst bietet auf seinem YouTube-Kanal einige Erklärungen zu Feuer der Leere an, was die Technik, aber auch einen Überblick der vorkommenden Völker betrifft. Am Ende verlinke ich das interessante Video, denn mir hat es sehr geholfen, Feuer der Leere besser zu verstehen und somit mehr aus dem Roman mitnehmen zu können.



    Bei Science-Fiction geht es auch stark um die Frage „Wie könnte die Welt in Zukunft aussehen?“ und auch die ethischen Zusammenhänge damit und diesbezüglich kommt man bei Feuer der Leere einiges geboten. Man wird oft eingeladen darüber nachzudenken, wie man selbst auf gewisse Umstände reagieren würde und wie es mit der eigenen Moral steht.



    Die zwischenmenschlichen Beziehungen oder die Beschreibungen der Personen wiederum haben mich leider so manches Mal gestört. Beispielsweise wurde jedem Charakter ein besonderes Merkmal zugesprochen, beispielsweise ein grauer Bart. Wenn dieser Charakter in einem Kapitel dann wieder vorkam, wurde sofort dieses Merkmal angesprochen. Ich verstehe, dass dadurch erzielt werden möchte, dann man die Personen leicht wieder zuordnen kann, zumal wir es auch mit mehreren Charakteren zu tun haben. Dennoch empfand ich diese Wiederholen etwas störend, zumal ich keine Probleme mit dem Zuordnen der Figuren hatte.
    Da hätte ich mir lieber eher Wiederholungen zu den Geschehnissen gewünscht, um gegengleichen zu können, dass man bisher alles richtig mitbekommen hat. Dass bei so ziemlich jeder Frau der Körperbau und/oder vor allem die Brüste beschrieben wurden, machte es auch nicht besser, aber das ist wohl Geschmacksache, wie so vieles.



    Ansonsten konnte mir die Sprache gut gefallen, die Beschreibungen der Örtlichkeiten, Rituale oder Begegnungen konnte man sich gut vorstellen und außerdem gibt es ein Extra-Lob für die „Fun Facts“, manchmal auch „Unnützes Wissen“ genannt, die aber oft gar nicht so unnütz oder zumindest echt interessant sind z.B. die Erklärung, dass zweitausend Kelvin etwa eine Temperatur darstellt, die zwischen den Schmelzpunkten von Eisen und Platin oder die Erläuterung von Scheinkräften.



    Fazit: Weltall-Science-Fiction mit einer nicht zu verachtenden Portion Space-Opera mit vielen philosophischen Ansätzen und verschiedenen Perspektiven. Hier ist der Weg das Ziel, denn auch wenn das Ende zufriedenstellend abgehandelt wurde, geht es in diesem Roman eher um die verschiedenen Auseinandersetzungen, sei es kriegerischer oder zwischenmenschlicher Art.


    Empfehlenswert: weiterführende Infovideos vom Autor Robert Corvus:

    (Technische Erläuterungen und das Näherbringen anderer Spezies)
    (Überblick über den Roman, eine Vorstellung der verschiedenen Schiffe, eine Vertiefung des Klappentextes. Spoilert aber nicht, bei mir hat es den Lesespaß auf alle Fälle erhöht als geschmälert.)

  • So Ihr lieben, nach dieser wundervollen Leserunde hatte ich zuviel zu tun, einschließlich neuer Leserunden, so dass es länger gedauert hat. Hier mein Bericht von meiner Fahrt mit der Marlin, auf der ich ja zu Beginn unserer Reise angeheuert hatte. Ihr ward eine tolle Mannschaft uns ich habe mich sehr über die anregenden Gespräche gefreut. Vielen Dank auch an Robert für diese Möglichkeit, die Zukunft zu erleben.



    Stippvisite in der Erdenflotte in einer weit entfernten Zukunft, möglich gemacht durch Robert Corvus, genialer Erfinder und Flottencomandant


    Wie ihr wisst hatte ich die Chance auf einem Raumschiff anzuheuern. Der Konstrukteur hat mich eingeladen und konnte mich tatsächlich durch Zeit und Raum auf die Marlin holen. Zunächst landete ich aber in einem kleinen Ableger davon, einem Jäger, gesteuert von einer jungen Frau, die dabei war, sich durch die Stille des Raumes zu schleichen, um den Gegner an einer empfindlich Stelle zu treffen. Ich wollte nicht hinsehen, denn ich mag keine Raumschlachten, aber die Frau interessierte mich schon, eine Soldatin mit ganzer Seele. Die Feinde hießen Giats, der Name kam mir doch sehr bekannt vor, aber es konnte doch nicht sein, oder? Es war doch nur eine Ähnlichkeit im Namen. Allerdings sind es wohl diejenigen, die die Erde angegriffen haben und dazu führten, dass niemand mehr auf der Erde leben kann. Die Menschen haben sich in riesige Raumschiffe geflüchtet und durchsuchen den Raum nach Nahrung und Energieressourcen. Nicht auf der Suche nach einer neuen Erde, denn ein Planet lässt sich nicht gut genug verteidigen und man kann auch nicht so schnell flüchten. Schon gar nicht durch den Rotraum. Das war auch ziemlich schwer zu verstehen. Der Rotraum ist ein Parallelraum, indem sich die Strecken sehr verkürzen (oder man schneller ist) er hat ein eigenes Leben, welches aber wohl in der Flotte nicht so bekannt ist. Die Schiffe werden von Lebewesen in den Raum transformiert, die alles mitnehmen, was in ihrem Zentrum ist und wenn sie ein bestimmtes Energieniveau erreicht haben. Ich hoffe, das habe ich so richtig verstanden, nachdem ich mir es nochmal erläutern lies. Zu Beginn der Reise war ich ziemlich verwirrt mit all der Technik, aber ich war auch sehr neugierig, denn jedes Schiff der Flotte hat seine eigene Art von gesellschaftlichem Zusammenleben und fast alles wird toleriert. Da wollte ich mir doch einige Ideen holen, was so möglich ist, denn uns hier auf der Erde fällt im Moment ja nicht viel ein. Während meiner Reise konnte ich dann auch zwei Raumschiffe und ihre Besatzung näher kennenlernen. Über ein drittes Raumschiff erfuhr ich so manches durch Besatzungsmitglieder, die ich kennenlernte und durch einen sehr netten Mann, einen ehemaligen Militär , Starn, und seine Schwester, Rila. Letztere war die Jägerin, in deren Schiff ich meine Reise begann. Ich war sogar auf einem Planeten. Auch dieser war sehr interessant und es gab viel zu entdecken. Eine Gesellschaft, die radikal am Handel orientiert ist. Statt Kriegen gibt es immer ein Abwägen der Kosten, alles wird nur nach seinem finanziellen Wert beurteilt, auch und gerade Menschenleben. Eine Welt, regiert von einer über allem stehenden Autorität , zwar ohne Kriege, aber wer nicht arbeiten kann, kann kaum leben. Ansonsten aber ein blühender Planet die Hauptwelt dieses Systems, die Cochada heißt und dessen Bewohner sich davon abgeleitet Cochader nennen.
    Natürlich war der Krieg allgegenwärtig, auch während meines Aufenthaltes, ich erlebte sehr spannende Situationen, in die ich aber lieber nicht gekommen wäre. Glücklicherweise fand mein „Reiseführer“ immer eine Möglichkeit, mich da gesund wieder herauszuholen. Ich hatte zwar vorher gesagt, dass mich der Krieg wirklich nicht begeistern kann, aber er meinte, es gehöre dazu, ich bekäme sonst kein richtiges Bild von der Lebensweise der Flotte. Also, wenn einer von Euch gern Raumschlachten erleben möchte, kann ich nur empfehlen, sich an Robert zu wenden, er wird sie Euch schon liefern.
    Ich lernte die unterschiedlichsten Charaktere kennen, jeder mit seinen Problemen und mit seinen Entwicklungen. Manche gewollt, manche unverhofft, manche ungewollt. Jeder für sich aber interessant. Kaum einer so, wie er auf den ersten Blick erscheint.
    Neben dem Krieg gibt es aber für mich noch viel spannendere Dinge, die ich kennenlernen durfte und leider in der Kürze nicht alle ergründen konnte. So steht die Frage, warum ein Lebewesen wie die Squid sich zum Raumschiff umfunktionieren lässt. Ist es die Einsamkeit?
    Oder sind die Menschen in ihr so eine Art Lebendfutter, dass sie auf Reserve hält? Naja, daran glaube ich nun, wo ich sie kennengelernt habe nicht mehr. Diese Lebensform ist absolut ansehenswert und die Zeit, die ich in ihr verbringen durfte war einzigartig. Natürlich bin ich nicht dieser Religiosität verfallen, wie die meisten der Menschen dort, aber ich begann sie zu lieben. Ich lernte dort Ugrôn kennen. Einen Anwärter auf die Priesterschaft der Leere. Ich lauschte seinen philosophischen Gesprächen mit seinem Meister und beobachtete seine Prüfung. Ich war bei seiner Wandlung dabei. Leider musste ich ihn an der spannendsten Stelle verlassen, die Zeit an Bord der Flotte war abgelaufen.
    Philosophische Gespräche gab es auch an Bord der Marlin. Die Demokratie dort funktioniert ja so, wie ich es mir schon gedacht hatte. Jeder kann in seiner Freizeit durch Studium Nebenkompetenzen erlangen und diese bei der entsprechenden Abstimmung einsetzen. So richtig funktioniert das aber wohl auch nicht. Natürlich haben Menschen Bedürfnisse, die nicht immer mit den ethischen Grundsätzen im Zusammenhang stehen. Nicht immer kann man das übel nehmen. Die Sehnsucht nach festem Boden unter den Füßen ist wohl auch nach Jahrzehnten im Raum nicht verschwunden. Ich hätte das nicht gedacht. Eigentlich glaubte ich, dass man dann kaum noch laufen will, wenn man alles bisher schwebend erledigen konnte. Ach ja, das war für mich ziemlich ungewohnt. Es gibt auf der Marlin keine Schwerkraft. Jedenfalls nicht in den normalen Lebensbereichen. Die Squid dagegen liefert ihren Menschen genau das. Wie? Das ist eines der Rätsel, welches die anderen Raumschiffe gern gelöst hätten und wohl einer der Gründe, weshalb sie die Squid in der Flotte dulden. Es ist nämlich so, dass zwar jedes Raumschiff über seine innere Organisation entscheiden kann, auch wie die Abstimmungen im Raumschiff zustande kommen ist jedem überlassen. Es gibt dann eine Abstimmung in der Flotte. Da hat die Marlin scheinbar gute Chancen. Aber es soll trotzdem eine Menschliche Zivilisation bleiben und wann sie das nicht mehr ist, wird dann scheinbar auch durch Abstimmung beschlossen. Auf der Esox, zum Beispiel hatte man beschlossen, sich künstlich zu erweitern und eine Gemeinschaft durch ein zentralen Computer herzustellen. Da sah die Flotte eine Gefahr für die Menschen und es wurde brutal eingegriffen. Über diesen Akt gibt es keine einheitliche Meinung, aber es war wohl auch eine Mehrheitsentscheidung.
    Ich hörte einige Schilderungen, die machten mich wütend. Ich gehöre zu den Gegnern dieser Entscheidung, aber erstens hätte ich nicht die Kompetenz mit abzustimmen und dann war es ja schon geschehen. Starn war dabei und es ist wohl der Grund, warum er nicht mehr in der Armee ist, obwohl das seine höchste Kompetenz ist. Auf der Marlin herrscht eine Militärdemokratie, klingt komisch, ist aber so.. Die oberste Chefin ist eine Militär mit Leib und Seele und sie ist die Mutter von Starn und Rila. Sicher ist sie nicht einverstanden mit der Entscheidung ihres Sohnes. Aber sie ist trotzdem keine verbitterte böse Frau, sondern eine kluge und humorvolle Frau, die jedoch alle militärischen Belange über alles stellt, auch über ihr Privatleben. Eine andere Wahl hat sie meiner Meinung auch nicht in ihrer Position.
    Es gibt an Bord (nur auf der Marlin? Das kann ich nicht einschätzen) natürlich auch eine Friedensbewegung, der ich mich sicher angeschlossen hätte, obwohl der Eindruck entsteht, dass sie auf verlorenem ‚posten stehen und der Feind nicht mit sich reden lässt. Aber ich bin voller Hoffnung, dass die Flotte eines Tages in Ruhe durch den Raum ziehen kann und neue Welten entdecken und vielleicht herausfinden, welche Organisation der Gesellschaft am lebenswertesten ist. Vielleicht siedelt aber auch jedes Raumschiff auf seinem Planeten. Aber bis dahin ist es eine Welt des Krieges auf der einen Seite, eine Welt des Lebens auf der anderen und eine bunte spannende Welt, die sich zu entdecken lohnt. Viele der Probleme, die dort diskutiert wurden, sind uns auch nicht fremd und es lohnt sich weiter darüber nachzudenken.


    So bunt und vielfältig die Eindrücke sind, ist es sicher, dass ich alles tun werde, um wieder dorthin zu kommen und einige der Rätsel gelöst zu finden oder noch besser bei der Lösung dabei zu sein

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen