10: Seite 479 - Ende (Kap. 11 + 12)

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  • Das Ende ist aber meiner Meinung nach auch so konzipiert, dass nichts wirklich sicher ist, dass viele Dinge unausgesprochen bleiben. Ob es zum Beispiel tatsächlich mit den Giats Frieden geben wird, weiß man doch noch gar nicht. Es ist so schön eine Atmosphäre wie "die Ruhe vor dem Sturm", wie bei einem Thriller, wo der Mörder schon unterwegs ist, das Opfer aber noch ahnungslos ihrem Leben frönt.


    So ist es. Offenes Ende, kein rundes, zufriedenstellendes...


  • Sehr schön, dass sie sich diesen neuen Gedankengängen öffnet und "Andersartige" nicht mehr als "minderwertig" oder "bedrohlich" empfindet, sondern auch die Vorteile einer "Veränderung" sehen kann.


    Da waren viele von Euch hier in der Leserunde ihr bereits voraus. Die MARLIN sollte Euch als Berater-Team engagieren. ;)



    Das Universum, das Leben...ein gigantisches, buntes Mosaik, in dem jeder von uns "nur" ein Teilchen ist und dennoch etwas beiträgt zum großen Ganzen!


    Das ist aus unserer Warte sicher richtig, und man kann es auch gern so aus dem Buch mitnehmen. Aber auch der zweite Gedanke sollte präsent bleiben: Das Universum, schon unsere Galaxis, ist so riesig, dass die Dimensionen unser Vorstellungsvermögen sprengen. Unsere Erde ist ein Staubkorn im Nichts. Egal, was wir damit anstellen - ob wir sie zum Blühen bringen oder sie zerstören ... es ändert absolut nichts am großen Bild. Nicht nur "die Erde wird sich weiterdrehen (selbst, wenn ihre Oberfläche durch thermonukleare Explosionen unbewohnbar würde)" - eine winzige Distanz von uns entfernt wird man noch nicht einmal Notiz davon nehmen, was hier geschieht. Schon Venus und Mars werden völlig ungerührt ihre Bahnen weiter ziehen, der Sonne ist völlig egal, ob es eine Erde gibt oder nicht - und das komplette Sonnensystem ist im Kontext der Milchstraße schlicht irrelevant. Die Einzigen, auf die wir überhaupt Einfluss haben, sind wir paar kleinen Menschlein. Auf das Universum haben wir weniger Einfluss, als eine Mikrobe auf den Pazifik.
    Manche Leute beunruhigt diese Erkenntnis der völligen Bedeutungslosigkeit, mich beruhigt sie: Egal, was wir an Blödsinn anstellen - wir können nichts Relevantes kaputtmachen. :)



    Die Giats sind auch friedlich, sie scheinen die Cochader ja mehr routinemäßig zu kontrollieren, als alles andere. Sowas wie ein vertragsgebundener Waffenstillstand also...


    Eher so etwas wie eine zielgerichtete Ausbeutung mit Tributzahlungen. Aber immerhin zerstören sie Cochada (noch) nicht.



    Es ist für Menschen wohl sehr schwer zu akzeptieren, dass jemand "anders" ist. Aber Kommunikation würde helfen, Barrieren zu überwinden...


    Ich glaube, die Schwierigkeit besteht vor allem dann, wenn man sich selbst infrage stellt.
    Bei den Cochadern zum Beispiel kann man leicht sagen: "Die sind eben anders." Bei den Bewohnern der SQUID ist es damit nicht getan. Sie sind Menschen, oder zumindest waren ihre Vorfahren das (je nachdem, wo man die Grenze zieht). Die anderen Menschen könnten nie wie die Cochader werden, selbst, wenn sie es wollten. Diese Frage stellt sich nicht. Aber die Bewohner der SQUID, und insbesondere Ugrôn, stellen allein durch ihre Existenz schon die Frage: "Kannst du/ willst du den Weg gehen, den wir gegangen sind? Wenn du uns anschaust - siehst du dann deine Zukunft?" Das erfordert zumindest eine implizite Entscheidung.



    Es ist natürlich ein Ende, das den Leser aussöhnt gewissermaßen, aber ich bin da etwas im Zwiespalt, ob das Ende genauer betrachtet, nicht zu harmonisch ausfällt für solch ein Abenteuer.


    Ich glaube, auch das ist eine Frage der Perspektive.
    Einige von Euch haben sich in den vorigen Leseabschnitten gewünscht, Rila könnte Ugrôn von seinem Pfad abbringen, und ihn zurück in sein früheres Menschsein führen. Das Gegenteil tritt ein.
    Die Admiralin verliert ihre beiden Kinder (wie Ihr ja auch anmerkt).
    Cochada ist zwar nicht zerstört, aber es wird von den Giats ausgebeutet.
    Der Schwarm hat heftige Verluste eingesteckt, einige Großraumschiffe sind zerstört, andere schwer beschädigt, die SQUID ist verletzt. Die Giats haben dem Abzug zugestimmt, aber wenn ihre Flotten nochmals auf den Schwarm treffen, sollte dieser besser erheblich aufgerüstet haben - oder er kann sich direkt ergeben, und seine Bewohner gehen in die Sklaverei auf einem Planeten wie G'olata ...



    ... und schwupp sind die Giats ruhig und es kommt zu einem Waffenstillstand.


    Aus Sicht der Giats gesehen - was haben sie durch diesen Waffenstillstand verloren?
    Sie wurden mit einer Waffe konfrontiert, die sie schlicht nicht einschätzen können - die Graviatations-Manipulation der SQUID. In dieser Situation ziehen sie es vor, zunächst die Gefechtsdaten auszuwerten und dann eine solide Kampfstrategie zu entwickeln. Die Zeit dazu bekommen sie.
    Das Cochada-System mit seinen Promethium-Vorräten bekommen sie obendrein geschenkt.
    Das einzige Zugeständnis, das sie dafür machen müssen, ist der freie Abzug des Schwarms. Das ist ein gewisses Risiko, denn er könnte in einem für die Giats wichtigen System (wie G'olata) auftauchen und dort Ärger machen. Aber zumindest fürs Erste sind die meisten menschlichen Großraumschiffe ramponiert und nicht voll kampffähig.
    Warum also nicht die Vorteile nutzen, Späher ausschicken, den Kurs des Schwarms nachvollziehen, und später zuschlagen, wenn man eine Antwort auf die Waffen der SQUID hat? Und vielleicht sogar eine Möglichkeit, die SQUID gefangen zu nehmen und an das Geheimnis dieser Waffen zu kommen ...



    So kann man eigentlich mit ziemlich jedem Charakter verfahren. Es ist immer irgendwo ein Kompromiss dabei, ein Lernprozess, eine Erfahrung und Charakterentwicklung. Das mochte ich eigentlich ganz gerne.


    Ich auch (beim Schreiben) :)



    Im Bezug auf die SQUID denke ich, dass sie ja doch sehr deutlich ihre Macht demonstriert hat.


    Zweifellos. Allerdings wurde sie auch selbst verwundet (dieser Begriff passt bei ihr ja eher als "beschädigt").



    Gestört habe ich mich eher daran, dass die Giats plötzlich nicht so gerne auf den Planeten runter möchten, weil ihnen das Tragen der Anzüge so unangenehm war. Da hatte ich mir die Giats anders vorgestellt. Bzw sie anders eingeschätzt.


    Die Frage ist eben, was sie davon hätten, auf Cochada zu landen.
    Stell dir vor, in der Antarktis würden intelligente, aber primitive Pinguine leben, die dort nach Gold schürfen. Für ein paar Peanuts tragen sie dir das Gold zum Rand des Packeises und geben es dir. Wieso solltest du selbst eine Arktisexpedition unternehmen?
    Für die Giats ist Cochada eben eine unwirtliche Umgebung, sie lassen lieber die Cochader arbeiten und greifen den Ertrag ab.



    Das Ende ist aber meiner Meinung nach auch so konzipiert, dass nichts wirklich sicher ist, dass viele Dinge unausgesprochen bleiben.


    Ja, das ist Absicht. Mir gefällt es immer gut, wenn am Ende der Geschichte noch ein bisschen übrig bleibt, das man selbst weiterdenken kann, wenn man mag. ;)



    Über die Veränderung Rilas im Rotraum kann ich nur spekulieren. Hat sie diesen gefährlichen "Ausflug" überhaupt überlebt?


    "der Rotraum brach über Rila herein und ihr Leben wurde ein anderes." - Klingt das für Dich danach, dass sie stirbt? Dann wäre es ein recht kurzes anderes Leben. :D



    Umso größere Anerkennung muss ihre Haltung verdienen. Sie fügt sich in das Unvermeidliche und ordnet sich den Prioritäten unter, die eben dem Überleben der Flotte und damit der verbliebenen Menschheit in all ihren Variationen dienen muss


    Ja, die gute Admiralin ... In den frühen Leseabschnitten oft geschmäht, doch am Ende huldigt man ihr. :D



    So macht sich der Schwarm in unbekannte Welten auf, um sich vor den Giats in Sicherheit zu bringen, die ja eigentlich durch einen Waffenstillstand gebunden sind... Aber man traut ihnen nicht - und ich halte das für realistisch.


    Da stimme ich Dir zu: Ein Waffenstillstand ist kein Friede. Der Schwarm hat freien Abzug aus dem Cochada-System. Mit mehr würde ich nicht rechnen:
    [quote author=Seite 482f]
    Der Waffenstillstand erlaubte dem Schwarm, den Planeten weiter abzuernten, aber sie wussten, dass die Giats die Zeit nutzten, um die angrenzenden Sternsysteme zu › impfen ‹. Bestimmt befanden sich schon Späher in den ersten von ihnen, die sofort Meldung machen würden, wenn der Schwarm dort auftauchte. Und je länger sie warteten, desto mehr Kampfflotten würden diese Späher ersetzen. Zudem lief bestimmt eine Analyse der militärischen Möglichkeiten, die die SQUID offenbart hatte.[/quote]



    Offenes Ende, kein rundes, zufriedenstellendes...


    Ich weiß nicht, ob "offen" es trifft. Es gibt etwas zum Weiterdenken, ja.
    Aber ein Roman ist zu Ende, "wenn alle legitimen Fragen zu Ende verhandelt sind". Dass überhaupt noch Fragen offen sind, ist dagegen kein Kriterium - denn das ist bei jedem Roman möglich, der nicht mit dem Weltuntergang endet. Wie wird es dem Mörder in der Haft ergehen? Wie wird das Liebespaar, das am Ende heiratet, sich fühlen, wenn die beiden Großeltern werden? Etc.
    Am Ende von Feuer der Leere haben die drei Perspektivfiguren - Rila, Ugrôn und Starn - eine neue Position gefunden und ihr Verhältnis zueinander definiert, ihre Konflikte (innere, interpersonale, äußere) sind entschieden. Bei Rila und Starn war das primär ihre Beziehung zur Menschheit, zum Schwarm, und ihre Rolle darin; bei Ugrôn seine Position im Kosmos mit den Antworten, die die Kirche des Void oder die Verehrer der Gütigen Mutter anbieten.
    Da nicht alle tot sind und das Universum weiterhin existiert, können natürlich neue Konflikte aufkommen - aber das wäre dann tatsächlich, wie schon die Märchenerzähler im Orient immer sagten, eine andere Geschichte. ;)

  • So, das hier bin ich noch schuldig:

    Sehr gern.


    In dem Stadium des Exposés, das Piper angekauft hat, gab es bereits den Schwarm, die Giats und Cochada sowie die Kirche des Void. Die SQUID gab es noch nicht, und auch nicht Ugrôn.
    Nach der Zerstörung von G'olata ging es auch in dieser Fassung ein bisschen durch die Galaxis, Starn erntet Himmelskörper ab, man erreicht Cochada.
    Nach dem Abschuss der Fähre (bei der Starn an Bord ist, nicht Rila) wird man von Menschen rausgehauen, die noch auf Cochada leben. Sie sind die Nachfahren der ehemaligen menschlichen Kolonie, aber sie sind barbarisiert, haben sich also in der Zivilisationsstufe zurück entwickelt. Ihre herrschende Kaste kontrolliert wichtige Technologie, insbesondere Medikamente, die Menschen nehmen müssen, um auf Dauer auf Cochada leben zu können. Starn und Co werden von Rebellen befreit, die gegen dieses System aufbegehren. Eine dieser Rebellinnen war im ersten Exposé noch eine Hauptfigur, die ist dann rausgeflogen. Die Rebellen haben ein rudimentäres historisches Wissen und haben daher immer auf eine "Rettung von den Sternen" gehofft. Das spielt Starn in die Karten, als er den Aufstand organisiert (eine im Schwarm umstrittene Aktion).
    Es kommt zum Angriff der Giats, währenddessen Starn hilft, die Diktatur in der menschlichen Kolonie zu stürzen.
    Auch diese Kolonie hat Tarnvorrichtungen, so wie die Basis in der Endfassung des Romans. Der Schluss ist dann wieder so wie im Buch: Waffenstillstand, der Schwarm zieht ab, Starn bleibt auf dem Planeten.

  • Habt Ihr Lust auf ein Abschluss-Statement der etwas anderen Art?
    Vielleicht kann jede/jeder von Euch nach Lektüre des Romans eine kurze Definition dazu abgeben, was für sie oder ihn der Begriff "Mensch" bedeutet - oder, anders ausgedrückt, was ist "Menschsein"? ;)
    Natürlich werden wir die ultimative Antwort, die für jeden gilt, nicht finden. Bei so grundsätzlichen Dingen gibt es kein Richtig oder Falsch (so, wie es in der Schwerelosigkeit kein Oben und Unten gibt). Aber interessant fände ich es trotzdem. :)


  • Habt Ihr Lust auf ein Abschluss-Statement der etwas anderen Art?
    Vielleicht kann jede/jeder von Euch nach Lektüre des Romans eine kurze Definition dazu abgeben, was für sie oder ihn der Begriff "Mensch" bedeutet - oder, anders ausgedrückt, was ist "Menschsein"? ;)
    Natürlich werden wir die ultimative Antwort, die für jeden gilt, nicht finden. Bei so grundsätzlichen Dingen gibt es kein Richtig oder Falsch (so, wie es in der Schwerelosigkeit kein Oben und Unten gibt). Aber interessant fände ich es trotzdem. :)


    Aber gerne doch.


    "Menschsein"... was macht den Menschen einzigartig, was unterscheidet ihn von den Tieren, wodurch zeichnet er sich aus?




    Empathie:
    Für mich steht da an oberster Stelle die Fähigkeit Empathie zu entwickeln und zu empfinden. Eine der grundlegendsten Dinge, die einen Menschen ausmachen (sollten). Sich in andere hineinversetzen zu können, Mitleid zu empfinden, das ist etwas, was uns Menschen von Tieren unterscheidet.


    Phantasie /kreatives Denken/ Anpassungsfähigkeit :


    Auch das etwas Elementares, das den Menschen auszeichnet. Die Fähigkeit abstrakt zu denken, sich Dinge vorzustellen, die in der Zukunft liegen und dementsprechend zu handeln. Dies wiederum macht den Menschen sehr anpassungsfähig und sichert ihm das Überleben. Er kann auf Veränderungen reagieren. Nur dadurch konnten wir uns soweit entwickeln.
    Wobei man bei kreativem Denken auch manches durchaus bestimmten Tierarten zusprechen kann. (Im Übrigen schließe ich bei allen Punkten "Menschenaffen" mit ein! Es gibt da ein sehr spannendes Buch zum Thema von der berühmten Jane Goodall. ("The great ape Project" / "Menschenrechte für die großen Menschenaffen") Gerade an diesen Menschenaffen sieht man wie schnell die Grenze "Menschsein" verschwimmen kann!


    Auch in der Pränataldiagnostik steht immer wieder die Frage nach dem Menschsein im Raum.


    Wie gesagt, diese zwei Punkte Empathie und kreatives Denken /Kreativität sind für mich die Hauptmerkmale des Menschseins. Andere Aspekte, wie unser stark ausgeprägtes Sozialverhalten usw. würde ich nicht nur für den Menschen in Anspruch nehmen wollen, da es da in der Tierwelt genügend ähnliche Beispiele gibt für hoch entwickelte Sozialsysteme. Aber es ist natürlich auch ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Daseins.

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.


  • Wie gesagt, diese zwei Punkte Empathie und kreatives Denken /Kreativität sind für mich die Hauptmerkmale des Menschseins.


    Demnach wären also auch die exotischeren Figuren, wie Ugrôn und Prijatu, Menschen.
    Frage: Sind die Bewohner der ESOX "mehr" Menschen als etwa die auf der MARLIN? Die Empathie zwischen Xitara und Xeramel etwa geht weit über das Maß hinaus, das wir heute empfinden können. Was der eine X-Zwilling fühlt, fühlt auch der andere ...
    Und ist Ugrôn dabei, noch menschlicher zu werden, als er es vorher war - weil seine Möglichkeiten des kreativen Denkens sich erheblich erweitern? Er nimmt Dinge wahr und kann Dinge gestalten, die ein Mensch ohne seine "Rotraum-Sinne" niemals wird erfassen können ...
    Auf die Spitze getrieben: Wären wir "Normalmenschen" in der Welt von Feuer der Leere defizitär und minderentwickelt im Vergleich zu den Bewohnern der ESOX und der SQUID - so etwas wie Neanderthaler, die auch auf dem Gebiet des "Menschseins" abgehängt wurden?


  • Demnach wären also auch die exotischeren Figuren, wie Ugrôn und Prijatu, Menschen.
    Frage: Sind die Bewohner der ESOX "mehr" Menschen als etwa die auf der MARLIN? Die Empathie zwischen Xitara und Xeramel etwa geht weit über das Maß hinaus, das wir heute empfinden können. Was der eine X-Zwilling fühlt, fühlt auch der andere ...
    Und ist Ugrôn dabei, noch menschlicher zu werden, als er es vorher war - weil seine Möglichkeiten des kreativen Denkens sich erheblich erweitern? Er nimmt Dinge wahr und kann Dinge gestalten, die ein Mensch ohne seine "Rotraum-Sinne" niemals wird erfassen können ...
    Auf die Spitze getrieben: Wären wir "Normalmenschen" in der Welt von Feuer der Leere defizitär und minderentwickelt im Vergleich zu den Bewohnern der ESOX und der SQUID - so etwas wie Neanderthaler, die auch auf dem Gebiet des "Menschseins" abgehängt wurden?


    Ja, das würde ich so unterschreiben. Wie immer die menschliche Weiterentwicklung aussehen mag, solange der Mensch seine Fähigkeit zur Empathie erhält, sie vielleicht sogar erweitern kann (siehe die Zwillinge), bleibt der Kern des Menschseins erhalten. Und so lange er fähig ist, frei und kreativ denken zu können. Besonders kreatives Denken, das aber von etwas anderem in bestimmte Bahnen gelenkt oder gezwungen wird, muss daher zusätzlich auch freies Denken sein. Vielleicht würde ich diese drei Dinge Empathie, kreatives Denken und freies Denken und Handeln auch aneinander binden. Diese Eigenschaften muss der Mensch erhalten.

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.



  • Offenes Ende, kein rundes, zufriedenstellendes...


    Ich weiß nicht, ob "offen" es trifft. Es gibt etwas zum Weiterdenken, ja.
    Aber ein Roman ist zu Ende, "wenn alle legitimen Fragen zu Ende verhandelt sind". Dass überhaupt noch Fragen offen sind, ist dagegen kein Kriterium - denn das ist bei jedem Roman möglich, der nicht mit dem Weltuntergang endet. Wie wird es dem Mörder in der Haft ergehen? Wie wird das Liebespaar, das am Ende heiratet, sich fühlen, wenn die beiden Großeltern werden? Etc.
    Am Ende von Feuer der Leere haben die drei Perspektivfiguren - Rila, Ugrôn und Starn - eine neue Position gefunden und ihr Verhältnis zueinander definiert, ihre Konflikte (innere, interpersonale, äußere) sind entschieden. Bei Rila und Starn war das primär ihre Beziehung zur Menschheit, zum Schwarm, und ihre Rolle darin; bei Ugrôn seine Position im Kosmos mit den Antworten, die die Kirche des Void oder die Verehrer der Gütigen Mutter anbieten.
    Da nicht alle tot sind und das Universum weiterhin existiert, können natürlich neue Konflikte aufkommen - aber das wäre dann tatsächlich, wie schon die Märchenerzähler im Orient immer sagten, eine andere Geschichte. ;)
    [/quote]


    Ich finde es übrigens nicht beruhigend, dass wir eigentlich so unbedeutend sind wenn man das große Ganze sieht. Es ist für mich eher deprimierend und traurig. Der Mensch als reines evolutionäres Zufallsprodukt. Der Mensch hat sich so vieles erschlossen. Warum nicht auch eines Tages die unendlichen Weiten des Weltalls mit samt seinem verborgenen Wissen. (Was immer das sein mag) ? Ob das für manchen Planeten gut ist, sei einmal dahin gestellt. Der Mensch beutet seinen Lebensraum eigentlich permament aus. Trotzdem. Ich mag mich nicht so recht anfreunden mit der Bedeutungslosigkeit unserer Art. Alles ergibt am Ende einen Sinn. Auch wenn uns dieser vielleicht nie erschließen wird und auch wenn wir ihn zunächst einmal nicht erkennen können. Ich bin überzeugt, dass die Tatsache, dass es den Menschen gibt einen Grund hat. Und dass wir doch mehr Einfluss haben (werden) als eine Mikrobe. ::) Und ich denke, dass es sehr wohl was am großen Ganzen, am Gesamtbild ändert, wenn es uns oder die ERde nicht mehr gibt. Vielleicht mag uns das so vorkommen, rational betrachtet ist es vielleicht so, aber wer weiß schon, was da draußen noch ist? Und wer weiß, welcher Schöpfung Kind wir sind und ob wir doch eine Bedeutung haben, die wir nicht mal erahnen können? DEmut empfinde ich sehr wohl dem Universum gegenüber...natürlich sind wir nur ein Wimpernschlag in der Entstehungsgeschichte und doch...es gibt soviel mehr, als wir mit dem Verstand erfassen können. Und damit vielleicht auch einen Grund warum wir doch nicht bedeutungslos sind. Vielleicht ist aber all das auch nur das Wunschdenken eines Einzelnen, einer Spezies, die sich gerne als bedeutend wüsste.

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.


  • Vielleicht kann jede/jeder von Euch nach Lektüre des Romans eine kurze Definition dazu abgeben, was für sie oder ihn der Begriff "Mensch" bedeutet - oder, anders ausgedrückt, was ist "Menschsein"? ;)
    Natürlich werden wir die ultimative Antwort, die für jeden gilt, nicht finden. Bei so grundsätzlichen Dingen gibt es kein Richtig oder Falsch (so, wie es in der Schwerelosigkeit kein Oben und Unten gibt). Aber interessant fände ich es trotzdem. :)


    Ich mag die Frage nicht. Sie führt immer zu so etwas wie Abgrenzungen gegenüber Tieren und dann wird festgestellt, dass der Mensch ja ach so viel besser ist und die Krone der Schöpfung und haste nicht gesehen. Sprich, diese Frage ist für mich die Hybrisfrage des Menschen schlechthin und ich beantworte sie nur ungern.
    Aber vielleicht macht genau das das Menschsein aus - sich ständig zu fragen, was das Menschsein ist und wie er sich als etwas besseres darstellen kann als die Tiere, um sein Ego zu streicheln ;)

  • Und da hat uns der Herr Corvus doch tatsächlich ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende beschert. Hach, ich hab ja nicht gewagt dran zu glauben.
    Im Ernst: ein wunderbarer, passender und logischer Schluss. Mehr dazu später, wenn ich meine Gedanken ein bisschen besser sortiert habe.


    Bleibt auch die Frage, ob es eine "glückliche" Scheidung überhaupt gibt! :P :D

    Gibt es. Ich weiß es :)

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Haha! Rick kommt gar nicht mehr vor! ;D


    Hatte fast erwartet, dass Rila auf einmal Mutter auch in ihrem Fleisch hört, spätestens nachdem sie auch den Rotraum erlebt. Auf jeden Fall will sie ihr Bewusstsein ebenso erweitern wie es Ugron ihr vormachte.
    Ob die Squid ihr Potential erkannt hat und sie deshalb auserwählte und rettete? Oder hörte sie Rilas Einsamkeit im All? Dieselbe Einsamkeit, die die Squid so lange empfand.


    Ob die Admiralin wirklich glücklich damit ist, welche Partnerwahl ihre Kinder getroffen haben, das sei mal dahingestellt. Die Vernunft sagt ihr aber, dass die Menschheit die besten Überlebenschancen hat, wenn sie möglichst viele verschiedene Wege beschreitet und das gilt eben auch für ihre Kinder.


    Starn und Prijatu wünsche ich alles Glück, auch als Familie. Langfristig gesehen sehe ich aber hier das Problem, dass man wie in Gefangenschaft lebt durch die ewig nötige Tarnung.


    Das Einflechten von Ohm und auch andere Stellen, in denen Bezug zu früheren Büchern genommen wird, finde ich eine wirklich tolle Idee. Dachte aber, dass es hier einmalig der Fall wäre. Dass es bei anderen Büchern auch so ist, hat ja schon fast den Charakter unterschwelliger Schleichwerbung. :totlach:


    Bisher habe ich noch keine Antwort dazu gelesen, ob es bei dem Einzelband bleibt. Ich fände es schade, bei dem schön erdachten Universum. Man könnte auch komplett losgelöst eine ganz andere Geschichte erzählen. Es sind ja noch genug Schiffe unbekannt geblieben. Oder man startet mit den Menschen, die ihre Spuren auf Cochada hinterließen. Alles möglich und ich bin gespannt. :-)


    Menschsein ist das, was wir jetzt sind. Würden wir uns wie die Esoxianer und die Zoeliker weiterentwickeln, dann müsste man ab einem gewissen Punkt wohl wirklich aufhören vom Homo sapiens sapiens zu sprechen, sondern müsste von einer neuen Evolutionsstufe sprechen.


    Wir wurden ja noch vor Start der Leserunde gefragt, auf welches Schiff wir uns denn gerne begeben würden. Wie schaut es denn jetzt bei euch aus? Wo würdet ihr euch wiederfinden? Vielleicht sogar auf Cochada?
    Ich bleibe bei meiner Wahl: die ESOX. :-)


    Ich gebe es zu, offene Enden mag ich nicht sonderlich. Ja man kann sich alles schön weiterdenken, aber man weiß es dann eben nicht sicher, ob es wirklich so gekommen ist, das stört mich doch sehr.^^ Mit dem Ende von "Feuer der Leere" kann ich nun aber doch gut leben. :) Jeder hat zumindest für sich seinen/ihren Platz gefunden.


    Mich würde noch interessieren, wie es zu dem Titel kam. Stand er schon mit der Idee fest, entstand er im Schreibprozess oder wurde erst nach Fertigstellung des Manuskripts nach dem passenden Titel gesucht?


  • Aber auch der zweite Gedanke sollte präsent bleiben: Das Universum, schon unsere Galaxis, ist so riesig, dass die Dimensionen unser Vorstellungsvermögen sprengen. Unsere Erde ist ein Staubkorn im Nichts. Egal, was wir damit anstellen - ob wir sie zum Blühen bringen oder sie zerstören ... es ändert absolut nichts am großen Bild. Nicht nur "die Erde wird sich weiterdrehen (selbst, wenn ihre Oberfläche durch thermonukleare Explosionen unbewohnbar würde)" - eine winzige Distanz von uns entfernt wird man noch nicht einmal Notiz davon nehmen, was hier geschieht. Schon Venus und Mars werden völlig ungerührt ihre Bahnen weiter ziehen, der Sonne ist völlig egal, ob es eine Erde gibt oder nicht - und das komplette Sonnensystem ist im Kontext der Milchstraße schlicht irrelevant. Die Einzigen, auf die wir überhaupt Einfluss haben, sind wir paar kleinen Menschlein. Auf das Universum haben wir weniger Einfluss, als eine Mikrobe auf den Pazifik.
    Manche Leute beunruhigt diese Erkenntnis der völligen Bedeutungslosigkeit, mich beruhigt sie: Egal, was wir an Blödsinn anstellen - wir können nichts Relevantes kaputtmachen. :)

    Wenn man das mal weiter denkt: warum zur Hölle nehmen wir uns dann eigentlich so wichtig? Krone der Schöpfung? Das ich nicht lache (wobei mir das schon lange bewusst ist, dass wir nicht gerade das Meisterstück der Schöpfung waren). Aber was bedeutet das für uns? Können wir mit uns, unserer Welt und allen anderen Welten, die sich vielleicht mal eröffnen tun und lassen, was wir wollen? Weil es ja eh egal ist? Oder müssen wir gerade deshalb besonders auf uns acht geben, weil wir so klein und verletzlich und vielleicht ja doch einzigartig in den Weiten des Universums sind? Ach ja - Stoff für abendelange Diskussionen bei Bier, Met oder Bananensaft ;) Ging mir nur gerade so durch den Kopf und deshalb wollte ich es kurz niederschreiben.



    Demnach wären also auch die exotischeren Figuren, wie Ugrôn und Prijatu, Menschen.
    Frage: Sind die Bewohner der ESOX "mehr" Menschen als etwa die auf der MARLIN? Die Empathie zwischen Xitara und Xeramel etwa geht weit über das Maß hinaus, das wir heute empfinden können. Was der eine X-Zwilling fühlt, fühlt auch der andere ...
    Und ist Ugrôn dabei, noch menschlicher zu werden, als er es vorher war - weil seine Möglichkeiten des kreativen Denkens sich erheblich erweitern? Er nimmt Dinge wahr und kann Dinge gestalten, die ein Mensch ohne seine "Rotraum-Sinne" niemals wird erfassen können ...
    Auf die Spitze getrieben: Wären wir "Normalmenschen" in der Welt von Feuer der Leere defizitär und minderentwickelt im Vergleich zu den Bewohnern der ESOX und der SQUID - so etwas wie Neanderthaler, die auch auf dem Gebiet des "Menschseins" abgehängt wurden?

    Warum nur müssen wir eigentlich immer eine Rangordnung einführen und uns selbst in Frage stellen? Es geht doch an dieser Stelle eigentlich um die Frage "Mensch oder nicht" und nicht um "mehr oder weniger Mensch" oder "Mensch und besserer Mensch". Ich hab's woanders schon mal geschrieben: das Zauberwort ist Evolution und für mich sind sowohl Ugrôn und die Esoxer Menschen, wie auch Starn und Rila, bei der irgendwie nicht die Frage aufkommt, ob sie jetzt Mensch bleibt oder nicht. Aber davon abgesehen: wie definiere ich "Mensch sein"? Ich kann es nicht. Empathie können auch andere Wesen empfinden, davon bin ich überzeugt. Intelligenz... naja, dazu sage ich lieber nichts. Um es kurz zu machen: Ich habe jetzt eine gute halbe Stunde an diesem Beitrag rumgebastelt, geschrieben, gelöscht, umformuliert mit der Erkenntnis, dass mir keine Definition einfallen will. Und dabei belasse ich es jetzt einfach auch.
    Oder... eine Idee kam mir gerade noch: genau das ist es, was uns zu Menschen macht: das wir versuchen, uns zu definieren. Dass wir darüber nachdenken, warum wir sind was wir sind und wir so in Ordnung sind, wie wir sind. So - und jetzt ist wirklich gut. :D


    Bisher habe ich noch keine Antwort dazu gelesen, ob es bei dem Einzelband bleibt. Ich fände es schade, bei dem schön erdachten Universum. Man könnte auch komplett losgelöst eine ganz andere Geschichte erzählen. Es sind ja noch genug Schiffe unbekannt geblieben. Oder man startet mit den Menschen, die ihre Spuren auf Cochada hinterließen. Alles möglich und ich bin gespannt. :-)


    Im Zeitalter der Mehrteiler freue ich mich immer, wenn es auch mal in einem Band abgeschlossene Geschichten gibt. Aber der Schluss lässt ja schon einigen Spielraum für neue Geschichten. Es wäre also schon gut möglich, dass Robert uns nochmal nach Cochada oder in den Schwarm entführt.

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Cool. Danke dafür. Es ist schwer sich diese Geschichte ohne die SQUID vorzustellen, die so doch so einzigartig macht. Und die Idee, auf barbarisierte "Vorfahren" zu treffen ist jetzt nicht so spektakulär, wie Menschen innerhalb eines Rotraum-Wesens leben zu lassen. Ich würde sagen: ein Hoch auf die Kreativität des Autors, der sich nicht an seine eigenen Ideen hält ;D :daumen:

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)


  • Warum nur müssen wir eigentlich immer eine Rangordnung einführen und uns selbst in Frage stellen? Es geht doch an dieser Stelle eigentlich um die Frage "Mensch oder nicht" und nicht um "mehr oder weniger Mensch" oder "Mensch und besserer Mensch". Ich hab's woanders schon mal geschrieben: das Zauberwort ist Evolution und für mich sind sowohl Ugrôn und die Esoxer Menschen, wie auch Starn und Rila, bei der irgendwie nicht die Frage aufkommt, ob sie jetzt Mensch bleibt oder nicht. Aber davon abgesehen: wie definiere ich "Mensch sein"? Ich kann es nicht. Empathie können auch andere Wesen empfinden, davon bin ich überzeugt. Intelligenz... naja, dazu sage ich lieber nichts. Um es kurz zu machen: Ich habe jetzt eine gute halbe Stunde an diesem Beitrag rumgebastelt, geschrieben, gelöscht, umformuliert mit der Erkenntnis, dass mir keine Definition einfallen will. Und dabei belasse ich es jetzt einfach auch.
    Oder... eine Idee kam mir gerade noch: genau das ist es, was uns zu Menschen macht: das wir versuchen, uns zu definieren. Dass wir darüber nachdenken, warum wir sind was wir sind und wir so in Ordnung sind, wie wir sind. So - und jetzt ist wirklich gut. :D


    Diese Definition - oder Nichtdefinition - des Begriffs "Menschsein" gefällt mir ausnehmend gut!
    Auch ich habe gegrübelt und meine Gedanken zu formulieren versucht. Aber alles was herauskam, hörte sich nicht echt an, so gar nicht nach mir selbst. Also habe ich beschlossen, auf eine Definition zu verzichten!
    Deine Gedanken oben teile ich in jeder Beziehung, und es gefällt mir, dass du dein Unvermögen zugibst ( aber der letzte Gedanke hat was....)


  • Diese Definition - oder Nichtdefinition - des Begriffs "Menschsein" gefällt mir ausnehmend gut!
    Auch ich habe gegrübelt und meine Gedanken zu formulieren versucht. Aber alles was herauskam, hörte sich nicht echt an, so gar nicht nach mir selbst. Also habe ich beschlossen, auf eine Definition zu verzichten!
    Deine Gedanken oben teile ich in jeder Beziehung, und es gefällt mir, dass du dein Unvermögen zugibst ( aber der letzte Gedanke hat was....)

    :-* Danke! :)
    Ich habe jetzt nochmal die anderen Beiträge dazu nachgelesen und festgestellt, dass Doscho auch in diese Richtung tendiert. Scheine ich doch nicht ganz allein zu sein in meiner Verwirrung :D

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Die Eigenart, das eigene Wesen und seine Stellung im Universum zu reflektieren, wird von Philosophen oft als Alleinstellungsmerkmal des Menschen vorgeschlagen.


    So völlig ohne Relevanz ist diese Frage auch nicht: Daran, wen und was man als Mensch sieht, hängt unmittelbar die Entscheidung, ob demjenigen Menschenrechte zugebilligt werden.
    In der Antike zum Beispiel galten Frauen nicht als Menschen, oder zumindest nicht als vollständige Menschen. Deswegen galt für sie in manchen Belangen eher ein Rechtebegriff, wie er sonst auf Sachen oder auf Haustiere angewendet wurde.
    Die Folgen davon, die "vollwertige Menschlichkeit" an der Hautfarbe festzumachen, hat man in den Zeiten des Sklavenhandels gesehen. Nach der Entdeckung Amerikas bedurfte es einen - zum Glück sehr schnell erlassenen - päpstlichen Beschlusses, um festzustellen, dass auch die Indios Menschen sind.
    Heute beschäftigen sich Tierschützer mit dieser Frage, und manche von ihnen sind der Meinung, dass viele Tierarten unserer Empfindungsfähigkeit so nahe kommen, dass ihre Angehörigen eigenständige Rechte haben sollten - dass etwa das Harpunieren eines Wals ein Tötungsdelikt sei.
    Und in der Science-Fiction sehr heiß diskutiert wird die Frage, wann eine intelligente Maschine nicht nur intelligent ist, sondern ein Bewusstsein entwickelt, sich also ihrer selbst bewusst wird. Computer haben inzwischen menschliche Champions unter Live-Bedinungungen im Schach geschlagen, im Go und in Jeopardy (einer Quizsendung mit frei formulierten Fragen). Aber können sie diese Siege wertschätzen, Freude darüber empfinden, und traurig sein, wenn man ihnen zum Beispiel Speichermodule abtrennt? Noch nicht - aber es wird irgendwann der Fall sein, und dann, so eine naheliegende Meinung, wird es ein Verbrechen sein, einen solchen Computer abzuschalten ...


  • Die Eigenart, das eigene Wesen und seine Stellung im Universum zu reflektieren, wird von Philosophen oft als Alleinstellungsmerkmal des Menschen vorgeschlagen.


    So völlig ohne Relevanz ist diese Frage auch nicht: Daran, wen und was man als Mensch sieht, hängt unmittelbar die Entscheidung, ob demjenigen Menschenrechte zugebilligt werden.


    Beim ersten Absatz wäre ich sogar dabei.
    Ich habe aber nicht gesagt, dass ich die Frage für nicht relevant halte ;) Ich mag nur nicht die Art und Weise, wie mit ihr umgegangen wird. Entweder wird das Ganze auf Allgemeinplätze reduziert wie "Ich spreche jedem Lebewesen, dass ich als Mensch sehe, ein Menschsein zu" oder es muss der Vergleich zu Tieren herhalten.
    Menschenrechte sind noch mal ein eigenes Thema. Wenn man sagt, dass Menschenrechte gelten, macht man die für mich wichtige, aber oft vernachlässigte Unterscheidung zwischen "Ein Recht haben" und "Sich ein Recht herausnehmen". Für mich sind ohnehin die Menschenrechte eher ein (utopisches?) Ideal, als ein Gesetz, das für alle gilt.


    Zum Thema: Können Maschinen Freude empfinden? Da kenne ich eine schöne Geschichte aus dem "Kult"Manga "Astro Boy". Astro Boy (der halt ein Roboter ist, also dementsprechend emotionslos) bedauert es, dass er die menschlichen Gefühle und Empfindungen der Menschen nicht hat und lässt sie sich einpflanzen. Das Ende der Geschichte ist die Erkenntnis, das positive Dinge wie Freude und Glück zwar schön sind, man aber sowas wie Schmerz oder Trauer nicht so gerne empfinden möchte...


  • Zum Thema: Können Maschinen Freude empfinden? Da kenne ich eine schöne Geschichte aus dem "Kult"Manga "Astro Boy". Astro Boy (der halt ein Roboter ist, also dementsprechend emotionslos) bedauert es, dass er die menschlichen Gefühle und Empfindungen der Menschen nicht hat und lässt sie sich einpflanzen. Das Ende der Geschichte ist die Erkenntnis, das positive Dinge wie Freude und Glück zwar schön sind, man aber sowas wie Schmerz oder Trauer nicht so gerne empfinden möchte...


    Das Thema ist ein Evergreen der Science-Fiction - die sehr beliebte Figur Data in "Star Trek: The Next Generation" lebt davon.

  • Das war doch der, der in einer Episode auf einmal einen Lachanfall bekommen hat, weil er mithilfe seiner Emotionen plötzlich einen Witz verstanden hat, oder? :D


  • Das war doch der, der in einer Episode auf einmal einen Lachanfall bekommen hat, weil er mithilfe seiner Emotionen plötzlich einen Witz verstanden hat, oder? :D

    Ja, der hat sich einen Emotions-Chip einbauen lassen und dann Jahre später den Witz verstanden. War aber keine so gute Idee mit dem Chip.. hat ihn zu anfällig gemacht, den guten Data.

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)