06: Seite 249 - Seite 314 (Kap. 7)

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  • So, Halbzeit! Eine gute Gelegenheit für ein Zwischenfazit.
    Wenn Ihr in diesem Leseabschnitt ankommt, habt Ihr vielleicht Lust, ein kurzes Halbzeit-Resümee zu ziehen. Ist das Buch so, wie Ihr es Euch vorgestellt habt? Oder ganz anders? Inwiefern? Wie gefallen Euch die Handlungsstränge um den Schwarm, um die SQUID und um Cochada? Und was denkt Ihr, wie es weitergehen wird?

  • Huch, Demetra ist mir zum ersten Mal in diesem Buch wenigstens etwas sympathisch, wie sie da mit Starn spielt. Man kann schon ihre militärische Sichtweise als Admiralin verstehen. Ich habe mehr und mehr den Eindruck, dass Starn zum Spielball verschiedener Sichtweisen wird, von extrem militärisch zu extrem pazifistisch und dann soll er bitteschön alle erfüllen, um niemanden zu enttäuschen. Ich bin gespannt, wie er sich entscheiden wird.


    Für wen hält sich Ugrôn eigentlich? Gott? Naja, er fragt sich ja selber, wer er ist. Er kann also transitieren... jetzt wird's ja richtig abgedreht. Ein Gott, ein Superheld und ein großer Teil, wenn nicht sogar die gesamte SQUID in einem ;D Klar, dass das Neid und Missgunst schürt und die anderen ihn nicht verstehen - das beruht ja schließlich auf Gegenseitigkeit ;D


    Rilas Kind ist also von Ugrôn, keine Überraschung. Da könnte man jetzt lang und breit über die Ethik des Syntho-Uterus' sprechen. Wenigstens weiß man hier, wer der Vater ist (wenn man nicht gerade fremdgeht ;) ) und das Kind wächst ja auf, das Ganze ist in meinen Augen also sowohl im Vergleich zur Abtreibung, als auch zur Samenbank die bessere Alternative. Aber das ist nur die Sichtweise eines Mannes :D
    Der Dialog ist so schön, dass ich ihn mit euch teilen möchte:


    Zitat von Buch (S. 266)

    (Ulsike:) "Ich stelle es mir auch romantisch vor, allein mit den Sternen zu sein."
    (Rila:) "Romantisch wäre es wohl eher, wenn man zu zweit wäre."
    (Ulsike:) "Ist man doch. Man selbst und seine Träume."


    Recht hat sie, die Ulsike...


    Ich überlege mir gerade, ob Demetra vom Rat der Normen schon vorher wusste und deshalb Prijatu von der ESOX Starns Assistentin ist. Denn der Rat der Normen hat tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Zentralorgan der ESOX. Prijatu ist schon ein interessanter Charakter - irgendwie muss ich bei ihr an die Romanze von den Wise Guys denken - nur ohne Romanze :D :


    Wise Guys - Romanze


    Aber sie bekommt von mir Pluspunkte dafür, dass sie Starn beim Spiel gegen Koichy hilft :)


    Das Kapitelende lässt mich wieder einigermaßen verwirrt zurück: Was macht den der Cochader Starn für ein mehr oder minder moralisches Angebot?

    Hier wird gesubt und gesammelt! :)

    Einmal editiert, zuletzt von Doscho ()

  • OK, Zwischenfazit: Wenn man mich fragt, wie ich mir das Buch vorgestellt habe, wäre meine erste Antwort vermutlich "seichter". Ich war zwar nur zu Beginn des Buches wirklich überfordert und habe gebraucht, um überhaupt reinzukommen, aber dennoch habe ich den Eindruck, ich könnte das Buch mehrmals lesen und würde immer wieder neues entdecken. Da hilft mir die Runde hier wirklich sehr, weil jeder aus einem anderen Blickwinkel liest.
    Mir wurde im Deutschunterricht gesagt, eine der größten Phrasen der Buchbewertung ist: "Der Autor will mit seinem Werk zum Nachdenken anregen." Ich überlege mir gerade einerseits, ob das wirklich immer so ist, andererseits, was so schlimm an dieser Aussage ist. Denn manche Autoren wollen nur unterhalten, was ja auch nicht schlimm ist, andere gehen halt noch einen Schritt weiter. Feuer der Leere ist definitiv letzteres. Dadurch ist es vielleicht nicht für jedermann gemacht, da auch manche Leser kein Buch haben wollen, bei dem sie groß nachdenken müssen. Aber so unterscheiden sich Geschmäcker. Ich mag beides recht gerne und behaupte, mich auch auf beides einlassen zu können.


    Bisheriges Fazit also: Mir gefällt Feuer der Leere bislang wirklich gut. Es hat einen guten Mix aus einer Handlung, die einfach abläuft, gespickt mit Abschnitten, die philosophisches Nachdenken geradezu herausfordern. Das, zusammen mit der Detailverliebtheit des Buches kann zwar anfangs abschrecken, aber auch sehr schnell faszinieren. Ich bin gespannt auf die zweite Hälfte! :)

  • So da ich gestern alles aufgeholt habe, nehme ich mir nun diesen Abschnitt zum Antworten her, denn aufgrund privater Dinge kam ich nicht zum täglich lesen und da mein Hirn so voll ist, möchte ich nicht aus versehen spoilern. ^^


    Zwischenfazit:
    Ich muss sagen, ich hatte überhaupt nicht mit so vielen philosophischen Gedankengängen gerechnet, auch nicht was den Menschen und Religion betrifft, denn grundsätzlich (aus persönlicher Erfahrung aus meiner Kindheit) meide ich solche Dinge, um mich nicht selbst erneut mit diesen Fragen auseinandersetzen zu müssen und alles im Leben in Frage zu stellen. - Gut das lässt sich nun ja nicht mehr vermeiden :)


    Im Grunde gefällt es mir jedoch ausgesprochen gut, die Figuren, die Beschreibungen und das Leben allgemein im Universum da draußen.


    Ich muss nur kurz heulen, denn gestern, nach etwas mehr als über der Hälfte des Buches ist es passiert - Die erste Leserille hat sich in meinen Buchrücken gebrannt, obwohl ich so aufpasse :( Nun wölbt sich mein Buchrücken ziemlich nach innen, ganz und gar nicht erfreut ^^ ja erste Welt Probleme - ich weiß :)

  • Mich fesselt die Geschichte immer mehr. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber die vielschichtigen Themen, die so geschickt in die Story eingewoben sind, dass man sich ihnen eigentlich nicht entziehen kann, faszinieren mich! Ich sehe mich permanent Fragen gegenüber, die mein Gedankenkarussell kreisen lassen. Doch empfinde ich das nicht als anstrengend, sondern sehr anregend. Vor allem, weil andererseits auch die Unterhaltung keineswegs zu kurz kommt. Für mich ist diese Mischung aus anspruchsvollen Denkanstößen und Unterhaltung eigentlich genau das Richtige. Man kann nur erahnen, wie sehr sich auch der Autor selbst wohl immer wieder mit den entscheidenden Fragen der Menschheit auseinandergesetzt hat. Wer bin? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Wer will ich sein? Wer kann ich sein? Wer darf ich sein? Wie soll/kann eine Gesellschaft aussehen? Was macht den Menschen aus? Welche Schwächen gilt es zu überwinden? Welche Stärken zu bewahren? Das sind nur einige der Fragen, die immer wieder thematisiert werden. Zumindest lese ich das so heraus.


    Zunächst möchte ich nochmal kurz rückblenden was den Absturz des Cochaders betrifft und mir erst jetzt gekommen ist: Wir haben ja inzwischen einen Einblick in die profitorientierte Gesellschaft der Cochader und ihr System erhalten. Auf den ersten Blick erschien mir ihre Lebensweise eigentlich nur negativ. Dieses reine Leistungsdenken und Profitdenken ist nicht so meins. Aaaaber inwzischen sind mir dann doch auch einige positive Gedanken dazu gekommen. Jede andere Spezies /Zivilisation hätte nämlich nach dem Abschuss des Cochaders ganz anders reagiert. Frei nach dem Motto: "Die haben einen von uns getötet? Ausschwärmen und die Eindringlinge eliminieren und zwar umgehend!" So hätte ein Mensch mit Sicherheit am ehesten reagiert. Nicht aber die Cochader. Und warum? Für sie ist alles ersetzbar und vor allem bezahlbar bzw. zu entschädigen. Das verhindert eine emotionale Überreaktion!!! Die schon so manchen Krieg nach sich gezogen hat, wie man in der Menschheitsgeschichte ja allzu oft erleben musste. In sofern drängt sich auch die Frage auf, ob unsere "Menschlichkeit, unsere Fähigkeit emotional zu handeln auch eine Schwäche, vielleicht so gar eine Bedrohung ist?" ETwas, das es zu überwinden gilt? Man wird nachdenklich und muss das Wort "Menschlichkeit" neu ausloten! Ein interessanter Ansatz, findet ihr nicht?

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • So und nun noch zum eigentlichen Leseabschnitt:


    Die Zoeliker versuchen vergeblich mit Ugron zu reden und ihn wieder auf den Teppich zu holen. :D Batuo tut mir etwas leid, er bemüht sich ja wirklich und glaubt, sein Schäfchen habe sich einfach auf den falschen Weg begeben. Natürlich belehrt Ugron ihn eines Besseren. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als Batuo mit einigen Anhängern Ugron überwältigt und ihm schließlich diesen gruseligen Helm a la Isolationshaft überstülpt. Ugrons Zorn wächst und mit seinem auch der der SQUID! Oder umgekehrt? Wer weiß das mittlerweile noch? :-\ Batuos Satz bleibt mir im Gedächtnis: "Unsere vergangenen Taten formen die Wirklichkeit." Wahre Worte. So ist es wohl! Ich bin schockiert, als Batuo, Berglen und einige Mitstreiter einen erbärmlichen Tod finden! Zum ersten Mal jagt Ugron mir tatsächlich Angst ein! Seine Kraft wächst. Er und die SQUID zusammen....eine unberechenbare Symbiose! Auch Angst um Rila schwingt etwas mit. Er ist so besessen davon, denkt immer wieder an sie...und dann die SQUID im Hintergrund....ich habe ein mulmiges Gefühl!


    Diese Schwangerschaftsstation mutet doch etwas gruselig an. Im übrigen glaube ich ernsthaft daran, dass es irgendwann diese künstlichen Gebärmütter geben wird. Es wird sogar schon an Flüssigkeiten geforscht, die viel zu früh geborenen Kindern, die noch keine Lungenreife haben, ein Überleben sichern könnten. Leider setzt die Lungenreife in der Schwangerschaft nämlich erst ganz zum Schluss ein. Ab der 32. Schwangerschaftswoche erst! Daher wird bei drohenden Frühgeburten immer eine Lungenreifungsspritze gegeben! Die Grenze ab wann ein Baby überleben kann sinken immer weiter. Auch sind schon Kinder mit 20-22 Wochen gerettet wurden. Das ist gerade mal die Hälfte einer normalen Schwangerschaftsdauer! Für solche Kinder wäre ein künstlicher Uterus sicher sehr hilfreich. Allerdings ist es auch nicht ganz so einfach, denn man kann sich kaum vorstellen, wie sehr Babys schon IM Mutterleib geprägt werden! ES reicht eben nicht, dass sie einfach irgendwo warm drin herumschwimmen und ernährt werden. Selbst auf die Muttersprache werden sie schon geprägt, das ergaben Studien, in denen nachgeburtlich die Kinder am stärksten auf die bekannte Muttersprache reagierten. Und auch die Mutter Kind-Bindung entsteht natürlich während des Austragens. Das kann man nicht beschreiben, das muss man erleben. Nie wird dir ein Mensch je so nahe sein! All das wäre natürlich in einem künstlichen Uteros nie gegeben. Natürlich, es gibt ja auch adoptierte Kinder und Bindung entsteht sicherlich nicht nur während der Schwangerschaft und doch ist etwas sehr sehr Besonderes. Nun ist Rilas KInd also wirklich ein Teil Ugrons und auch der SQUID, wobei das inzwischen wohl dasselbe ist. :totlach: Da bin ich mal gespannt, wie sich dieses kleine Wesen weiterentwickelt!
    Diese Emissärin ist mir auch etwas unheimlich. Allein die Optik. Oha! Und die Anwtorten zum Thema "Verwandtschaft", an ihr sieht man wohl, wo das Ablegen des Mensch-seins hinführen könnte. Dagegen sind die Cochader ja richtig emotional :totlach:


    Es wird immer spannender....und jetzt steht noch dieser dubiose Deal an, der vorgeschlagen wurde. Ich vermute es wird auf das Plündern Cochadas hinauslaufen und in zwei Lager spalten: Starn wird da sicher noch eine Rolle spielen und vielleicht könnte ihm seine Verflossene dann doch nochmal nützlich sein? Nur welche Rolle wird Rila spielen? Da bin ich mir einfach unsicher! Ich bekomme nämlich Angst vor Ugrons Macht und Zorn. Und vor der SQUID habe ich auch mächtig Ehrfurcht! *bibber* Was kommt da nur auf uns zu???

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.


  • Doch empfinde ich das nicht als anstrengend, sondern sehr anregend. Vor allem, weil andererseits auch die Unterhaltung keineswegs zu kurz kommt. Für mich ist diese Mischung aus anspruchsvollen Denkanstößen und Unterhaltung eigentlich genau das Richtige.


    Absolut, anfangs war man vielleicht noch überfordert, aber ich finde es schön, dass wir alle versuchen, uns wenigstens auf die Thematik einlassen und Roberts philosophischen Gedanken folgen :)


    Jede andere Spezies /Zivilisation hätte nämlich nach dem Abschuss des Cochaders ganz anders reagiert. Frei nach dem Motto: "Die haben einen von uns getötet? Ausschwärmen und die Eindringlinge eliminieren und zwar umgehend!" So hätte ein Mensch mit Sicherheit am ehesten reagiert. Nicht aber die Cochader. Und warum? Für sie ist alles ersetzbar und vor allem bezahlbar bzw. zu entschädigen. Das verhindert eine emotionale Überreaktion!!!


    Ich habe zwar auch eigentlich befürchtet, dass dieses Missgeschick mit der Drohne einen Krieg auslösen könnte. Allerdings sehe ich die Reaktion der Cochader eher als anderes Extrem, getreu dem Motto "Wenn einer tot ist, na, dann ist er halt tot." Es zählt nur das Materielle, der Cochader dahinter ist vernachlässigbar. Gut, es gibt außer dem Handel und der Konkurrenz offenbar auch überhaupt kein Sozialgefüge, wie Familie oder Beziehung, geschweige denn Freundschaft, aber mal ehrlich: Möchtet ihr nur auf eure Leistung und euren materiellen Wert reduziert werden? Ich nämlich nicht.



    Ich bin schockiert, als Batuo, Berglen und einige Mitstreiter einen erbärmlichen Tod finden! Zum ersten Mal jagt Ugron mir tatsächlich Angst ein! Seine Kraft wächst. Er und die SQUID zusammen....eine unberechenbare Symbiose! Auch Angst um Rila schwingt etwas mit. Er ist so besessen davon, denkt immer wieder an sie...und dann die SQUID im Hintergrund....ich habe ein mulmiges Gefühl!


    Ja, er wird einem immer unheimlicher. Ich habe auch den Eindruck, er kann seine Kraft nicht mehr kontrollieren. Zudem wird Ugrôn mehr und mehr zur SQUID, das kam bei mir raus, als er die Navigatoren davon überzeugt, zum Roten Zwerg zu fahren, weil die SQUID ja in der Korona baden will. Es ist die Frage, wer Ugrôn noch stoppen kann: Rila? Sein Sohn? Die SQUID selbst?


  • Ja, anfangs hatte ich wirklich etwas Sorge, dass ich nicht reinkomme. Die ersten 50 Seiten war ich etwas orientierungslos. :D Aber dann kam ich nach und nach richtig rein. Da ich um die starken Figuren des Autors weiß, hatte ich da auch vollstes Vertrauen in seine dramaturgischen Fähigkeiten. ;)


    NEIN! Ich will natürlich nicht in so einem System, wie in dem der Cochader leben. Fr mich ist Individualismus etwas sehr sehr Entscheidendes, wenn es um menschliche Persönlichkeit geht. Ich habe schon mal anklingen lassen, dass ich mich da wohl nicht wohl fühlen würde. Schreckliche Vorstellung, dass jeder immer nur nach seinem evtl. Ertrag gemessen wird. ::) Aber, sooo weit weg von unserem System ist das gar nicht. Das ist eigentlich erschütternd, wenn das einem mal so deutlich wird anhand der Cochader, welche Auswüchse so etwas annehmen kann. :o

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • Und da hätte ich auch noch Worte für's Zwischenfazit: Die hintergründige Dystopie, die zum Vorschein kommt, gefällt mir sehr gut. Zunächst mal die Grundstimmung, dass nur noch wenige Menschen leben und die Erde zerstört worden ist, das habe ich ja bereits im Anmeldebeitrag geschrieben. Aber auch sonst: Die Cochader als Ergebnis einer vollkommen leistungsorientierten Gesellschaft, die ESOX-Mitglieder als emotionslose, rein rational denkende Lebewesen... Das finde ich auch spannend, mal darüber nachzudenken, wie und in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen.

  • Zwischenfazit?
    Flüssig lesbar finde ich den Roman noch immer nicht. Ich muss oft zurückblättern und manches nochmals lesen, um einigermaßen in der Handlung zu bleiben. Zwar habe ich durchaus Bilder im Kopf, aber die sind nicht recht klar. Wenn ich meine, dass ich deutlicher sehe, wird es schnell wieder nebulöser...
    Nun, ich habe mich eben mit einem für mich bis dato unbekannten Genre eingelassen! Und dass ich damit auf Anhieb zurechtkommen würde, habe ich nicht erwartet. Um zum Science-Fiction-Leser zu werden, braucht es schon noch ein paar Romane mehr.


    Und so hatte ich von Anfang an keine Erwartungen. Ich habe mich ganz offen an den Roman gewagt - und fühlte mich rasch überfordert. Das wenigstens hat sich nach mehr als der Hälfte geändert.
    Ich bin froh, dass sich meine anfängliche Befürchtung, mit Technik und einer Wissenschaft von der ich keine Ahnung habe, erschlagen zu werden, nicht bestätigt hat. Und froh bin ich auch, dass ich die überlebenden Menschen, wenigstens die auf der SQUID, noch als solche erkenne und ihrem Denken, Fühlen und Handeln folgen kann.


    Die Handlungsstränge, die sich auf einzelne Raumschiffe des Schwarms beziehen, finde ich durchaus spannend, - und da das Buch in Etappen gelesen wird, bleibt die Spannung erhalten und steigert sich sogar kontinuierlich. Es bleibt viel Raum für Spekulationen, was mir gefällt!
    Die unterschiedlichen Handlungsstränge werden, so vermute ich, langsam zusammengeführt werden. Alles wird einem Höhepunkt entgegenlaufen, bei dem, das erscheint mir logisch, auch die Giats eine Rolle spielen werden.
    Also wieder nur Spekulationen, keine Erwartungen....

  • Diesen sechsten Leseabschnitt fand ich einigermaßen seltsam, ja, auch befremdlich!
    Der künstliche Uterus! Ein Schritt weiter zur Entfernung von dem, was den Menschen ausmacht, - aber völlig realistisch!
    Nach dem, was bereits heute auf dem Sektor Schwangerschaft und Geburt möglich ist, wird es, so fürchte ich, gar nicht mehr lange dauern, bis eine Gebärmuttersimulation ohne weiteres den Frauen das Austragen eines Kindes abnehmen wird! Die eigentliche "Mutter" ist dann eine Maschine! Prima! Erspart viel Mühe - und lässt die Frauen effizient bleiben, bewahrt ihre Figur, behindert sie zu keiner Zeit, verschont sie von schmerzlichen Entbindungen... Na wenn das kein wünschenswerter Fortschritt ist! :o


    Dann das Erschrecken der Ärztin mit meinem verballhornten Namen, als der Fötus grün zu leuchten beginnt! Und Rilas Entsetzen, als sie das selber sieht! Überrascht kann sie kaum sein, dass da wohl nur Ugron als Erzeuger in Frage kommt. Und freuen sollte sie sich doch auch, dass ihr entfremdeter Ehemann nicht der Vater ist. Und wie reagiert sie stattdessen? Sie vermeidet es, den Fötus ein zweites Mal anzuschauen... Das kann ja noch heiter werden!


    Ugron! Was passiert denn da? Wird er größenwahnsinnig? Verliert er seinen Verstand?
    Oder ist es tatsächlich so, dass er und SQUID miteinander verschmelzen, dass er sich langsam quasi in ihr auflösen wird? Ihre Regungen werden zu den seinen, - oder reagiert sie umgekehrt auf die Wünsche, die eigentlich er, Ugron, verspürt? Gehorcht sie ihm etwa?
    Wessen Idee war es, in der Wärme und dem Leuchten des Roten Zwergs zu baden? Warum legt die SQUID die Verantwortung für die Menschen in ihrem Innern, die sie so lange behütet hat, ab?
    Der Flug zum Roten Zwerg und die überschnelle Rückreise haben sie sichtbar angestrengt, wie man in der Szene sehen kann, als die Nässe von ihren Wänden tropft... Das lässt für mich den Schluss zu, dass sie diesmal nicht den ( vernünftigen! ) Wünschen der Zoeliker nachgegeben hat, sondern den wahnsinnigen, tollkühnen ihres "Lieblings". ( Aber dass Ugron diese Rolle einnimmt, kann eine rein subjektive Wahrnehmung von ihm selbst oder von den Bewohnern des Raumschiffes sein...)
    Sehr verständlich, dass Zoeliker und die Jünger der Leere versuchen, Ugron zur Vernunft zu bringen - wofür sie schließlich bitter bezahlen müssen...
    Und in der diesbezüglichen Szene hatte ich wieder das Gefühl, dass es in Wirklichkeit jetzt Ugron ist, der die Handlungen der SQUID lenkt! Er wünscht Bestrafung - diese folgt auf dem Fuße.... Unheimlich!
    Und - bereits davor stellt sich ja Ugron selbst die Frage, ob "Mutter" jetzt seine eigenen Spielchen spielt. Zu jenem Zeitpunkt dachte er noch rationaler, was sich immer mehr verliert!
    Er fragt sich da unter anderem, wo die Grenzen von ihm als Individuum verlaufen, wieweit er bereits Teil von SQUID ist. Eben genau die Frage, die sich mir als Leser immer stärker aufdrängt.
    Inzwischen halte ich Ugron ( der mir anfangs durchaus sympathisch war ) für gefährlich! Für sich selbst und für das Raumschiff und seine Bewohner.
    Batou meinte, er hätte nach Cochada fliehen sollen. War es also der Fluchtgedanke, der ihn bewegte, unbedingt auf den Planeten zu wollen?


    Cochada! Hier bewährt sich Starn. Auch seine Mutter sieht das sehr deutlich - und es sieht ganz so aus, als würde sich ihr doch merklich angespanntes Verhältnis verbessern.
    Doch dieser Planet, vielmehr seine Bewohner! Dem Menschen biologisch so ähnlich - wie denn das? Sie legen EIER zur Fortpflanzung!!! Sie sehen aus wie fette Blutegel ( meine eigene Vorstellung! ). Klar - ihre Besessenheit bezüglich Handel und Gewinn, viel Gewinn, macht sie den Menschen ähnlich. Aber sonst?
    Und - es scheint auf dem Planeten zu einigen kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen zu sein, wenn ich das richtig verstanden habe. Jetzt sind hier wie dort Diplomaten vonnöten - und Starn ist der geeignete Mann! ( er ist immer stärker der Charakter, der mir am meisten liegt ) Und die Assistentin, ausgerechnet von der ETOX, die ihm seine Mutter verpasst hat, steht ihm zur Seite.... Soso.... Mir schwant da was! ( aber nein, kann ja nicht sein! Sie ist ja eher eine Maschine als ein Mensch - oder?! )

  • Prototypen des Syntho-Uterus existieren heute bereits. Im Tierversuch konnte man Feten/Embryonen darin schon bis zur Geburtsreife bringen.
    Als Anwendungsfeld wird derzeit primär die künstliche Befruchtung gesehen: Der Embryo soll sich einige Tage lang unter intensivmedizinischer Betreuung entwickeln und erst dann eingesetzt werden.
    Diese intensivmedizinische Überwachung ist natürlich ein großer Vorteil der Methode - unabhängig davon, wie lange man das ungeborene Leben im Syntho-Uterus belässt. Einer meiner Karatelehrer hat im Mutterleib die linke Hand verloren, die Nabelschnur hatte sich unglücklich darum gewickelt. Er wurde daher mit nur einer Hand geboren (und hat dennoch einen schwarzen Gürtel in Karate gemacht). Solche Unfälle würden in einem Syntho-Uterus nicht passieren.


    PS: Wer sich weiter informieren möchte - der Fachbegriff für dieses Verfahren ist "Ectogenesis", mit diesem Schlagwort findet man einiges im Internet.

  • Das Gespräch zwischen Starn und seiner Mutter fand ich sehr gut. Letztendlich kristallisierte sich doch heraus, dass die Mutter sehr wohl viel von ihrem Sohn hält und einfach nur nicht mit seiner Entscheidung, kein Soldat mehr sein zu wollen, nicht einverstanden war. Mir persönlich gefällt der Charakter Starn von allen noch am besten. Er ist klug und besonnen und hat seine eigenen Grundsätze. Er wird sicherlich sehr positiv die Verhandlungen beeinflussen.


    Seine von der Mutter zugewiesene Assistentin (ob da ein Hintergedanke besteht ;)) erscheint mir durchaus interessant, auch wenn emotional noch nicht so viel rüber kommt. Aber sie ist vermutlich auch erst mal vorsichtig. Und so genau ist mir noch nicht klar, wieweit der Computer ihre Denk- und Gefühlswelt beeinflusst.


    Die Szene mit dem Syntho-Uterus fand ich mehr als gruselig, vor allem, weil sie durchaus irgendwann realistisch sein kann. Und dann stellt sich heraus, dass das Kind wohl tatächlich von Ugrôn ist. Das hatte ich bereits erwartet. Ich bin nur gespannt, was genau das jetzt wird. Ein Mensch? Oder doch etwas anderes? Ist da auch etwas von der SQUID mit dabei?


    Ugrôn gibt mir Rätsel auf. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob er nun die treibende Kraft ist oder die SQUID. Oder sind sie bereits so vereint, dass die Ziele identisch sind? Das Problem an den geänderten Bedingungen sind die, dass die bestehende Belegschaft weder informiert noch von ihrem Wissensstand abgeholt werden. Unwissenheit schafft Unsicherheit und dann geschehen solche Dinge wie die "Entführung" und Gefangennahme von Urgôn. Dass das kein gutes Ende nimmt, war mir klar.


    Wie ist das eigentlich, wenn die SQUID mal eben so im Ozean badet? Ertrinken dann die Menschen in ihr? Oder sind sie wie in einem Vakuum geschützt?

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Tja, Zwischenfazit. Momentan ein wenig schwierig für mich. Die vielen technischen Erklärungen haben mich ein wenig abgeschreckt und ich bin froh, dass ich dieses Buch in der Leserunde lese. Ich befürchte, hätte ich das alleine gelesen, ich hätte es vermutlich beiseite gelegt. Für ein Genre-Anfänger ist das wohl definitiv nichts.


    Die Figuren finde ich durchaus gelungen, Starn ist derzeit mein Liebling. Ich denke, die drei Handlungsstränge um Rila, Starn und Ugrôn werden sich irgendwann zusammenfügen.


    Die Beschreibungen sind sehr gut beschrieben, auch wenn ich das eine oder andere mehrmals lesen musste, bis sich da etwas in meinen Hirn formt, wie was aussehen soll. Da fehlt mir wohl die Sci-Fi-Übung.


    Vom Buch selber habe ich mir nichts konkretes vorgestellt und bin einfach ins kalte Wasser gesprungen. Von daher kann ich nicht enttäuscht werden. Entweder es gefällt mir am Ende oder nicht. Das wird sich zeigen. Im Moment bin ich noch unschlüssig.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen


  • So, Halbzeit! Eine gute Gelegenheit für ein Zwischenfazit.
    Wenn Ihr in diesem Leseabschnitt ankommt, habt Ihr vielleicht Lust, ein kurzes Halbzeit-Resümee zu ziehen. Ist das Buch so, wie Ihr es Euch vorgestellt habt? Oder ganz anders? Inwiefern? Wie gefallen Euch die Handlungsstränge um den Schwarm, um die SQUID und um Cochada? Und was denkt Ihr, wie es weitergehen wird?

    Ich hab's ja gerade schon geschrieben, wie sehr mich das Buch beschäftigt und nicht loslässt. Das sagt wohl genug darüber aus, wie es mir gefällt. Gerade die verschiedenen Handlungsstränge machen es so unglaublich spannend, aber auch abwechslungsreich und unterhaltsam. Eine wirkliche Vorstellung hatte ich vorher nicht, aber das habe ich bei Science Fiction oder Fantasy eigentlich nie - die kommt dann mit den ersten Kapiteln (im Gegensatz zu historischen Romanen, wo man ja schon eine gewisse Erwartungshaltung an die handelnden Personen haben darf). Wie es weitergehen wird? Ich lass mich überraschen. Natürlich hätte ich ein paar Wünsche, aber die behalte ich lieber für mich, auch wenn es für dich sicher sehr amüsant wäre, zu sehen, wie ich mich auf dem Holzpfad voran taste :D Na gut - eins verrate ich: ich fände es ein wunderbares Ende, wenn die Menschen in Bezug auf den Konflikt mit den Giats von ihrer "Auge-um-Auge-Mentalität" wegkommen würden und sie nicht mehr ewig auf der Flucht sein müssten. Also quasi fast so was wie einen Friede-Freude-Eierkuchen-Schluss, was ich eigentlich nicht mag, aber in diesem Fall hier doch gut finden würde.

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)


  • Das Gespräch zwischen Starn und seiner Mutter fand ich sehr gut. Letztendlich kristallisierte sich doch heraus, dass die Mutter sehr wohl viel von ihrem Sohn hält und einfach nur nicht mit seiner Entscheidung, kein Soldat mehr sein zu wollen, nicht einverstanden war. Mir persönlich gefällt der Charakter Starn von allen noch am besten. Er ist klug und besonnen und hat seine eigenen Grundsätze. Er wird sicherlich sehr positiv die Verhandlungen beeinflussen.




    Wie ist das eigentlich, wenn die SQUID mal eben so im Ozean badet? Ertrinken dann die Menschen in ihr? Oder sind sie wie in einem Vakuum geschützt?




    Im ersten Punkt stimme ich völlig mit dir überein. Ich war zuerst ein wenig überrascht, als Mutter und Sohn so einträchtig am Anfang des Abschnitts miteinander bzw. gegeneinander gespielt haben! Ich hatte zuvor den Eindruck, dass sie einander, resultierend aus Starns Entscheidung, kein Soldat mehr sein zu wollen, fern standen! Und das war genau so bei dem gemeinsamen Essen zu beobachten.
    Umso erfreulicher für mich festzustellen, dass dem keineswegs so ist! Und es spricht für die unbestreitbaren Qualitäten der Admiralin ( logisch, sonst würde sie einen solchen Rang schließlich auch nicht bekleiden ), dass sie letztend, wenn auch innerlich grollend, die Wahl ihres Sohnes akzeptiert und ihm die für ihn passenden neuen ( und wie mir scheint, äußerst verantwortungsvollen ) Aufgaben anvertraut.
    Und ja, Starn ist auch für mich die klarste Figur, der Charakter, mit dem man sich als Leser vielleicht am ehesten identifizieren kann, - weil man an ihm und seinen Handlungen sehr viel uns heute Vertrautes beobachten kann.


    Und zum zweiten Punkt: ich hatte schon vergessen, dass SQUID in den Ozeanen Cochadas baden wollte! Das war ja ganz am Ende des Leseabschnitts...
    Was ich mich hier frage, ist erstmal: wie groß ist eigentlich die SQUID? Wenn sie so viele Menschen beherbergt, muss sie ziemlich riesige Abmessungen haben...
    Und wie groß ist Cochada? Es könnte ja vielleicht gefährlich für einen nicht so großen Planeten sein, wenn sich ein Riesenraumschiff in dessen Gewässer stürzt, oder?
    Bringt nicht bald mal jemand Ugron zur Vernunft???


  • Wie ist das eigentlich, wenn die SQUID mal eben so im Ozean badet? Ertrinken dann die Menschen in ihr? Oder sind sie wie in einem Vakuum geschützt?


    Ein Raumschiff ist - ähnlich wie ein U-Boot - hermetisch abgeschlossen. Ansonsten würde die Bordatmosphäre ins Vakuum diffundieren. Von daher wird nicht zu befürchten stehen, dass die Besatzungsmitglieder ertrinken.



    Was ich mich hier frage, ist erstmal: wie groß ist eigentlich die SQUID?


    Das ist beim ersten Auftauchen der SQUID beschrieben:
    [quote author=Seite 64]
    Der Hauptkörper hatte ein Volumen von acht Kubikkilometern. Hinzu kamen die Ausläufer, die Fangarmen ähnelten und in ihrer Länge zwischen einem und zehn Kilometern variierten.[/quote]


  • Das ist beim ersten Auftauchen der SQUID beschrieben:
    [quote author=Seite 64]
    Der Hauptkörper hatte ein Volumen von acht Kubikkilometern. Hinzu kamen die Ausläufer, die Fangarmen ähnelten und in ihrer Länge zwischen einem und zehn Kilometern variierten.


    [/quote]



    Ich wusste ja, dass mir durch das Ausblenden technischer Details einiges entgehen würde! :'(
    Aber nun habe ich eine sehr erschreckende Vorstellung von der Größe der SQUID! Und eine ebensolche Idee von den Folgen, die das Bad dieses Riesen-Raumschiffes in den Ozeanen von Cochada womöglich haben wird!
    Ist das ein wenig so, als würde ein Meteorit von ähnlicher Größe in eines unserer Meere einschlagen?


  • Ist das ein wenig so, als würde ein Meteorit von ähnlicher Größe in eines unserer Meere einschlagen?


    Grundsätzlich ja, wobei aber neben dem reinen Volumen noch einige andere Dinge eine Rolle spielen. Insbesondere die Auftreffgeschwindigkeit (G'olata wurde vor allem wegen der immensen Geschwindigkeit der NECKBREAKER zerrissen) und die Tiefe der Ozeane. Wenn der Meteorit nämlich mit einigermaßen Geschwindigkeit auf den Grund schlägt, löst er zusätzlich noch ein Seebeben aus - und je nachdem, wie der Boden beschaffen ist, sogar noch einen (unterseeischen) Vulkanausbruch. Auf Cochada vermuten die Menschen durch die Messung der ersten Sonden eine Tiefe von bis zu siebzehn Kilometern (S. 188), das ist erheblich tiefer als die irdischen Ozeane.