05: Seite 198 - Seite 248 (Kap. 6)

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  • Mir ist da ja noch ein anderer Gedanke gekommen: Wir wissen, dass das Genprofil der Cochader dem menschlichen sehr ähnlich ist ( ähnlich einem Menschenaffen und soweit och weiß, sind das je nach Art bis zu 95%). Nun stellt sich die Frage wie kommen die Cochader an menschliche Gene? Dann habe ich mal überlegt und mir kam die Idee, dass die Cochader ja vielleicht so etwas wie mutierte Menschen sind bzw. ihre Urahnen, dass sie also aus dem Menschen hervorgegangen sind vor ewigen Zeiten natürlich! Sie denken sehr profitorientiert, vieles erscheint mir da eine Ähnlichkeit zu menschlichem Verhalten zu haben. Und dann habe ich weiter gegrübelt und dachte mir, was, wenn die SQUID sich immer mal wieder Menschen auswählt um sie nach ihrer Ansicht nach "weiterzuentwickeln". Vielleicht verändert sich Ugrons Ansicht über die Menschheit deshalb so dramatisch? Die SQUID macht ja etwas mit Ugron. Vielleicht schafft sie den Urvater einer neuen Spezies? Einer neuen Generation, die dann auf einem Planeten angesiedelt wird? Vielleicht steht über ALLEM die SQUID und sie lenkt die Schicksale der Lebewesen im All, ganz wie es ihr beliebt und gefällt. Was meint ihr? Ist das zu weit hergeholt? ::) WAs denkt ihr darüber? Bin gespannt (und lese jetzt mal weiter.)

    DAS ist ja mal ein wirklich spanndender Gedanke. Aber nicht von der Hand zu weisen. :daumen: Boah - was das wieder Spielraum für Spekulationen gibt... Und ich hab am Wochenende wieder Freizeitstress und werde nicht viel zum Lesen kommen.

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)


  • Am Ende ist er für einen winzigen Moment im Rotraum, ja. Er hat eine Mikro-Transition durchgeführt, dasselbe Prinzip genutzt, dass die Raumschiffe verwenden, wenn sie überlichtschnell fliegen. Die Raumschiffe brauchen dazu aber Astriden und hochtechnische Antriebe. Was Ugrôn da tut, hat es so noch nie gegeben.
    Die Deutung dieses Ereignisses überlasse ich Euch. ;)



    Jetzt frage ich mich, WIESO er dieses Unerhörte konnte! Wieso kann er transitieren ( ist das der richtige Ausdruck? )? Gerade zu dem jetzigen Zeitpunkt...
    Speziell war Ugron immer schon - aber nachdem er so lange ( länger als irgendjemand vor ihm, wenn ich das richtig verstanden habe ) in der Leere war, ist definitiv etwas mit ihm geschehen. Und nicht nur wegen des Vakuums, wie ich zuerst dachte! SQUID hat damit zu tun. Welche Bindung besteht nur zwischen den beiden?
    Und WAS ist SQUID? Wie ist ihre Stellung im Schwarm wirklich?
    Ich mag ja auf einer völlig falschen Fährte sein, aber ich habe das Gefühl, dass wir noch Überraschendes erfahren werden über dieses seltsame organische Raumschiff....


  • Jetzt frage ich mich, WIESO er dieses Unerhörte konnte! Wieso kann er transitieren ( ist das der richtige Ausdruck? )? Gerade zu dem jetzigen Zeitpunkt...
    Speziell war Ugron immer schon - aber nachdem er so lange ( länger als irgendjemand vor ihm, wenn ich das richtig verstanden habe ) in der Leere war, ist definitiv etwas mit ihm geschehen. Und nicht nur wegen des Vakuums, wie ich zuerst dachte! SQUID hat damit zu tun.


    Er war nicht nur dem Vakuum ausgesetzt - das war seine Initiation als Priester.
    Danach hat er auch ungeschützt im Rotraum gestanden - Seite 222f. Und es ist kein Fall bekannt, in dem das jemand überlebt hätte:
    [quote author=Seite 222f]
    Niemand wusste, was der Rotraum wirklich war. Die Sensoren, mit denen man ihn vermaß, erfassten nur indirekte Effekte. Schiffe waren darin verschollen, man vermutete, dass die Turbulenzen des fremden Kontinuums sie zerrissen hatten. Beschädigungen kamen noch immer häufig vor.
    Alle, die sich dem Rotraum ausgesetzt hatten, waren gestorben. Ugrôn kannte nur wenige Aufzeichnungen über solche Zwischenfälle. In diesem Moment interessierten sie ihn auch nicht, er war anders als andere Menschen. Er war ein Liebling der Mutter, und selbst das beschrieb sein Verhältnis zur Squid nur unvollständig. Er war sich jetzt sicher, dass das Schiff ihn hierhergebeten hatte. Ihn, niemanden sonst.
    ...
    Mit ausgebreiteten Armen, die Augen nach oben gerichtet, drehte sich Ugrôn um die eigene Achse. Über ihm kreiste der Rotraum, Wellen schlugen durch die Membran. » Ich bin bereit.«
    Die Blase platzte, und die Realität zerbrach gleich einem Orkan alle Schutzmauern seines Körpers, seines Verstandes und dessen, was ihn wirklich ausmachte.[/quote]
    Erst dieses Schlüsselereignis bringt ihm von Seiten der Zoëliker die besondere Verehrung ein. Nur deswegen ist Berglen später so sehr an ihm interessiert, als sie sich gemeinsam in das verlassene Raumschiff begeben.

  • Ist Ugron dann überhaupt noch ein Mensch? Oder hat er sich vielleicht in etwas anderes verwandelt?

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Leider komme ich jetzt erst zum Schreiben, obwohl ich den Abschnitt schon längst gelesen hatte. Da fällt es schon etwas schwer, nichts wichtiges zu vergessen.


    Erstmal muss ich mit Kara anfangen. Sie ist aus meiner Sicht eine der interessantesten Chars in dem Buch, mit hohem Potential für einen Twist o.ä. - auch wenn ich sie nicht ausstehen kann. Sie ist in meinen Augen das Gewissen der Menschheit. Sie zeigt, wie der Mensch sich eigentlich verhalten sollte (mal abgesehen von den billigen Anmach-Methoden^^), das soziale, pazifistische Wesen, von dem man hofft, dass der Mensch sich dahingehend auch entwickelt. Wäre eine starke Aussage, wenn sie, das Gewissen, zum Beispiel einen Unfall hätte (aber Unfälle passieren, Kraftverstärker können kaputt gehen, unterirdische Gänge der Cochader einstürzen... :unschuldig:). Möglich auch, dass noch etwas passieren wird, das sie ihre Ideale vergessen lässt. Da bin ich wirklich gespannt.


    Starn hat das Denken der Cochader verstanden. Die Frage ist, ob man sich wirklich so verbiegen sollte und alles auf Cochader-Art abwickeln sollte oder eben schon etwas mehr seinen Mensch stehen. Bin mir nicht sicher, ob er wirklich qualifiziert genug ist, zumal er auf Ratschläge/Meinungen anderer Menschen nicht allzu viel zu geben scheint bzw. sich nicht wirklich dadurch beeinflussen lässt (ja, das könnte auch positiv ausgelegt werden, aber man sollte Alternativen immerhin abwägen und nicht von Vornherein ausschließen). Außerdem scheint er auch ständig auf (Sex-)Partnersuche zu sein, was von der eigentlichen Mission ablenkt. Ich habe eh das Gefühl, dass da ein Haufen Teenager auf Cochada abgesetzt wurde. ::)


    Dass die Cochader die Menschen für die Beerdigung bezahlen lassen wollten und den Leichnam aber einfach nur ins Meer haben plumpsen lassen, sagt so ziemlich alles aus.^^ Dass sie genetisch uns so ähnlich sein sollen, führt natürlich zu Rückschlüssen. :>


    Zum ersten Mal bekommen wir eine Ahnung davon, wie die Squid über die Menschen denkt. Sie belächelt sie und erfüllt aber ihre Wünsche. Wirklich wie eine Mutter, die über ihr Kind lächelt, das die Welt um sich noch nicht richtig versteht? Da bin ich mir nicht so sicher. Genauso, was Ugron angeht: Inwieweit ist er noch Mensch? Es wäre sehr romantisch, wenn Rila ihn wieder mehr zum Mensch-sein zurückführen würde. Kann ich mir aber nicht so ganz vorstellen. Ich mache mir da eher Sorgen, was ihr Kind angeht.


    Die Beschreibung der Erkundung des energetisch toten Cochader-Schiffs machte mich richtig nervös, weil ich endlich wissen wollte, was sie denn nun vorfinden. Stattdessen mussten sie sich den Weg hinein aber erst freimachen und der aufgewirbelte Staub war im Licht zu sehen... war sehr aufmerksam beschrieben, aber diesmal hat mich das zum ersten Mal gestört.

    Liebe Grüße

    Juliane

    Einmal editiert, zuletzt von Janesway ()


  • Möglich auch, dass noch etwas passieren wird, das sie ihre Ideale vergessen lässt. Da bin ich wirklich gespannt.


    Oder andersrum: Sie beeinflusst andere Menschen (vor allem natürlich Starn), um ihre Ideale voran zu bringen.


    Bin mir nicht sicher, ob er wirklich qualifiziert genug ist, zumal er auf Ratschläge/Meinungen anderer Menschen nicht allzu viel zu geben scheint bzw. sich nicht wirklich dadurch beeinflussen lässt (ja, das könnte auch positiv ausgelegt werden, aber man sollte Alternativen immerhin abwägen und nicht von Vornherein ausschließen).


    Interessant, ich sehe Starn eher als Spielball der Interessen anderer Menschen... Es gibt sehr militärische und sehr pazifistische Haltungen und irgendwo dazwischen steht Starn und versucht es allen recht zu machen.

  • Mir ist noch nicht aufgefallen, dass er versucht, es allen recht zu machen. Woran machst du das fest?


    Heute ist übrigens Tag der Erde. Ob der Schwarm das auch feiert? :>

  • Wie ich in meinem ersten Post geschrieben habe: Er steht in der Mitte zwischen zwei Extremen. Die militärische Seite (Ignid äußert ja ihr Missfallen, dass die Mission weitergeht, obwohl der Befehl eigentlich soweit ausgeführt wurde) und die pazifistische Seite (Kara und Erok helfen ja bereits den Cochadern). Starn steht da eben exakt in der Mitte und ich habe den Eindruck, er versucht, einen Mittelweg zu finden.


  • Das ist eine der Kernfragen des Buchs. Die Antwort hängt davon ab, wo die Grenzlinie zwischen Mensch und "etwas anderem" verläuft - und das kann für jeden Leser woanders sein. ;)
    Wie siehst Du es?


    Gute Frage. Die DNA zwischen den Cochandern und den Menschenaffen scheint ja sehr ähnlich zu sein, trotzdem würde ich beide nicht als Menschen oder menschenähnlich betrachten. Ich glaube mal gelesen zu haben, dass die menschliche DNA sogar einer Pflanze oder Gemüsesorte sehr ähnlich ist. Also das wird es wohl nicht sein. Tatsächlich mache ich den Menschen zunächst an seinem Äußeren bzw. an seiner Körperlichkeit aus. Und da denke ich, ist Ugôrn dabei, diese zu verlassen. Ich vermute, er wird zu etwas anderem, aber was genau kann ich nicht sagen. Warum will er unbedingt zur Cochander? Hat er vielleicht etwas von ihnen in sich vereint? Ist sogar die Mutter den Cochandern genetisch sehr nah? Irgendwo gibt es eine Verbindung, die ich aber noch nicht ganz fassen kann.


    Was Starn betrifft, so finde ich durchaus, dass er sehr eigenständig ist und auch denkt. Ich glaube nicht, dass er es allen Recht machen will, sonst wäre er Soldat geblieben. Ich denke eher, das er versucht, das Richtige in seinen Augen zu machen. Und das ist ja nicht immer so einfach, weil man oft nicht weiß, was genau das Richtige ist. Und wenn das Richtige tatsächlich der Mittelweg ist, Doscho? Extreme, auch in unserer Welt, waren bisher ja nie sehr sinnvoll.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Ich tippe ja, wie weiter oben schon mal erwähnt darauf, dass die Vorväter der Cochader einmal Menschen waren bzw. sie sich aus einem Menschen heraus entwickelt haben! DAS wiederrum könnte ja die Verbindung zu Ugron und der SQUID sein! Die SQUID "verändert" auserwählte Menschen, "verbessert" sie in ihren Augen und diese Metamorphose können wir bei Ugron beobachten. Und daher wird er auch so angezogen vom Planeten der Cochader. Das würde ich jetzt einfach mal so vermuten. Aber ich bin auch gespannt, was uns weiterhin erwartet.

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.


  • Erst dieses Schlüsselereignis bringt ihm von Seiten der Zoëliker die besondere Verehrung ein. Nur deswegen ist Berglen später so sehr an ihm interessiert, als sie sich gemeinsam in das verlassene Raumschiff begeben.
    [/quote]


    Eine Wahnsinnsszene! Und jetzt verstehe ich sie, - nach dem zweiten Lesen!
    Danke für die Erklärungen. Sie weisen mir hier nicht zum ersten Mal den Weg....

  • Zum ersten Mal bekommen wir eine Ahnung davon, wie die Squid über die Menschen denkt. Sie belächelt sie und erfüllt aber ihre Wünsche. Wirklich wie eine Mutter, die über ihr Kind lächelt, das die Welt um sich noch nicht richtig versteht? Da bin ich mir nicht so sicher.


    Denkt die SQUID so über die Menschen? Oder ist es nicht vielmehr Ugron, der es so interpretiert? Ich weiß nicht....
    Ugron ist es doch selbst, der alle anderen Bewohner des Raumschiffes belächelt! Reichlich überheblich! Und überheblich auch seine fast komplette Identifikation mit der SQUID. Wenn er sich da mal nichts vormacht!
    Und wenn SQUID, die "Mutter" das menschliche Tun belächelt und dennoch alle Wünsche erfüllt, dann finde ich das wenig klug... Passt nicht zur SQUID!
    Ich teile also deine Zweifel....


  • Erstmal muss ich mit Kara anfangen. Sie ist aus meiner Sicht eine der interessantesten Chars in dem Buch, mit hohem Potential für einen Twist o.ä. - auch wenn ich sie nicht ausstehen kann.


    :D
    Eine Differenzierung, die man beinahe nur bei erfahrenen Leserinnen bzw. Lesern findet. Wer nur selten zu einem Buch greift, für den ist "interessant" und "sympathisch" oft dasselbe.



    Genauso, was Ugron angeht: Inwieweit ist er noch Mensch? Es wäre sehr romantisch, wenn Rila ihn wieder mehr zum Mensch-sein zurückführen würde.


    Das führt immer wieder auf die Kern-Frage, was Mensch-Sein überhaupt ist.
    In der Science-Fiction gibt es da einen interessanten Unterschied in der deutschen und in der amerikanischen Tradition.
    In Deutschland spricht man meist von "intelligentem Leben", dem dann spezielle Rechte, in Richtung Menschenrechte, zugesprochen werden. Nicht nur in der Science-Fiction: Es geht auch um moralische Fragen beispielsweise beim Walfang. Da untersucht man, wie intelligent ein Wal ist, ob er eine Vorstellung von sich selbst hat, ein "Ich-Bild". Wenn er es hat, so argumentieren Wal-Schützer, ist es besonders unmoralisch, ein solches Tier zu töten und zu verzehren.
    In den USA spricht man weniger von "intelligentem" als von "empfindungsfähigem" Leben: Kann der Wal komplexe Gefühle entwickeln? Kann er Leid empfinden, ist er leidensfähig?
    Bei Ugrôn sind sicher sowohl Intelligenz als auch Empfindungsfähigkeit gegeben. Ist er damit ein Mensch? Oder zumindest "gleichwertig" zu einem Menschen? Wenn er "gleichwertig" ist - wieso wäre es dann erstrebenswert, wenn er zum Mensch-Sein zurückgeführt werden würde?



    Ich glaube mal gelesen zu haben, dass die menschliche DNA sogar einer Pflanze oder Gemüsesorte sehr ähnlich ist.


    Das stimmt, unser Erbmaterial stimmt zu über 50% mit dem einer Banane überein. Das ist ein Beweis dafür, dass unsere Vorfahren keine Außerirdischen waren: Wir haben uns gemeinsam mit dem restlichen Leben auf unserem Planeten entwickelt. Das ist auch gut so, weil wir sonst die "Bausteine" einer Banane nicht aufspalten und in unseren eigenen Körper integrieren (= verdauen) könnten.
    Selbst wenn wir einen belebten Planeten finden würden, wäre es sehr wahrscheinlich, dass die dortigen Pflanzen für uns genauso wenig nahrhaft wären wie Esspapier.
    Ein Menschenaffe hat zu 98,5% identisches Erbgut wie ein Mensch (Menschen untereinander 99,5%).


    Was die Sehnsüchte von Ugrôn und der SQUID angeht ... da wollte ich gerade eine passende Stelle raussuchen, merke aber gerade, dass die erst im nächsten Leseabschnitt kommt ... ;)

  • Endlich habe ich mal Zeit zum Lesen, habe mich mit Mittagsschlaf ausgeredet (den findet man eher oportun als den Rückzug zum Lesen).
    Da ist doch ein Satz, der mich wirklich begeistert und das du ihn schreibst, Bernd, freut mich umso mehr. :)
    "Das Bedürfnis nach zielgerichtetem Handeln war eine Begleiterscheinung der Intelligenz". Das ist doch schon mal was. Ich bin zwar der Meinung, dass es wesentlich zur Entwicklung von Intelligenz gehört, bin aber auch mit dem zufrieden. ;D


    Ich bin etwas überrascht, dass noch eine Geschichte in die Geschichte gepackt wird. Es gibt mittlerweile so viel zu staunen, dass ich mich frage, wieso das nur ein Buch ist und nicht mindestens eine Trilogie. :)
    Neben viel technischen Daten, die mich nicht interessieren wird aber auch viel menschliches diskutiert.


    Da ist es wieder das Spannungsfeld, in dem Starn steht. Ich glaube zwar nicht, dass er darin ein Spielball anderer ist, sondern, seine Position ist einfach innerhalb zweier Extreme. Er kann nicht mehr Soldat sein, weil er nicht jeden Einsatz für gut heißt. Aber als Soldat kann er sich nicht aussuchen an welcher militärischen Aktion er teilnimmt und wie er teilnimmt. Er sieht aber durchaus die Notwendigkeit das Leben der Menschen zu verteidigen. Ich würde mich auch ungern einfach umbringen lassen. Nun ist die Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, mit dem Feind zu kommunizieren und eine Übereinkunft zu finden. Vielleicht gibt es Feinde wo das nicht geht. Karas Herangehen finde ich immernoch naiv. Es wird bisher von den Koexistenzlern ja kein wirklicher Plan gezeigt, außer: lasst uns doch einfach mal die Waffen niederlegen und sehen was passiert. Ich glaube nicht, dass ich dafür wäre. Auch ich hänge am Leben.
    Nun ist es natürlich so, dass neue Gedanken sich immer erst mal in extremer Form zeigen, um aufzufallen. Aber Starn ist für mich zu klug, um sich nicht selbst einzuordnen und seinen eigenen Standpunkt zu finden. Dort wo es seiner Meinung nach möglich ist, versucht er es ja, auf dem Planeten der Cochaner.


    Da ist aber die zweite Sache. Irgendwie habe ich Bauchschmerzen wenn Starn dort davon ausgeht, er hätte die Situation im Griff. Ich kann Ingrid verstehen, aber eigentlich hat Starn keine andere Möglichkeit, wenn er eine Auseinandersetzung vermeiden will, als so vorzugehen, wie er das macht. Er hat ja auch seine Ängste und ist sich des Risikos schon bewußt, aber des ganzen? Welches Geheimnis hat der Planet noch?
    Was Kara und Erok da machen ist wiedermal menschlich zu verstehen, aber eigentlich unverantwortlich. Ohne die Gesellschaft zu kennen können die Folgen nicht abgeschätzt werden. (Wir hatten mal Mary Doria Russel zu Gast in unserem Klub, die sich zur Aufgabe gemacht hatte in einem SF Roman zu zeigen, dass eine Gesellschaft auch beeinflusst wird, wenn es gar nicht Ziel derjenigen ist, die dort ankommen, weil sie zeigen wollte, dass die Missionare damals in Amerika nicht böswillig die Kultur der Eingeborenen zerstört haben. "Sperling" und "Gottes Kinder" zu empfehlen. Protagonisten sind ein Jesuitenpater und eine Jüdin -also keine Liebesgeschichte und auch keine Raumschlachten ;) )



    Und dann Ugron (es ist schon komisch, ich will immer Urgorrn schreiben, weil ich gerade das Jus Buch gelesen habe :) )


    diesmal hatte ich keine Probleme zu verstehen, was mit ihm geschieht undwie er durch die Wand geht. Ich frage mich, was die Squid mit ihm vorhat. Warum zeigt sie ihm das alles? Ist es seine Neugier, seine Bereitschaft zu zweifeln, die ihr aus den anderen stillen Duldern heraushebt? Oder gibt es auch andere, die sie sich von Zeit zu Zeit aussucht, vielleicht um nicht ganz allein mit sich auf der Verständigungsebene zu sein. Die Menschen sind für sie ja nur Haustiere, die sind niedlich und man kann sich mit ihnen beschäftigen, aber kein wirkliches Gespräch führen. Ich glaube das kennen wir, wenn man niemanden hat, mit dem man mal ein Gespräch auf Augenhöhe führen kann. Nun, Ugro wird nicht gleich auf Augenhöhe mit der Mutter sein, aber immerhin weiß er jetzt einiges mehr.
    Allerdings formuliert er das so, dass ich denke, die Priester der Zoeliker das auch wissen, vielleicht nicht in dem Umfang.
    Was mich dann aber wieder wundert ist die Abhängigkeit von der Mutter. Einerseits begreift er sie als Wesen eigener Art und erhält so viel Wissen, andererseits fühlt er sich nicht nur verpflichtet ihr gegenüber, sondern auch das schwächer werden des Gesangs ist wie Entzug. Und dann sind wir wieder beim menschlichen Denken. Er meint, die Mutter fühle sich vielleicht verraten, wenn er von ihr weg will. Aber wenn sie so ein Wesen ist, das die Menschen nicht braucht und über ihnen steht, wieso sollte dann dieser eine Mensch so wichtig sein, dass sein Fehlen Verrat wäre?
    Das ist so spannend! Was will die Squid und was will Ugron. Will er wirklich noch zu Rila? Will vielleicht die Mutter, dass er Rila holt? Eigentlich hat die Verbindung zur Mutter doch erst so intensiv angefangen, als er Rila getroffen hat und sich mit ihr vereinigt und durch sie die Mutter erst aktiv kennengelernt. Insofern bin ich gespannt, wenn wir wieder zu Rila zurückkehren, wie die Schwangerschaft weiter geht. Ich gebe ehrlich zu, dass die Romantik mich dabei am wenigsten interessiert.


  • Erstmal muss ich mit Kara anfangen. Sie ist aus meiner Sicht eine der interessantesten Chars in dem Buch, mit hohem Potential für einen Twist o.ä. - auch wenn ich sie nicht ausstehen kann. Sie ist in meinen Augen das Gewissen der Menschheit. Sie zeigt, wie der Mensch sich eigentlich verhalten sollte.


    Zeigt sie das wirklich? Sie mischt sich ohne entsprechende Kenntnisse in eine Gesellschaft ein, ohne an die Folgen zu denken, ohne es mit den anderen abzusprechen. Sie erzeugt etwas, dessen Ausmaß sie nicht ahnen kann. Ich mag solche Alleingänge nicht. Sie sind eben auch arrogant.


    Starn hat das Denken der Cochader verstanden.


    Hat er das? Wissen wir schon genug, um eine solche Aussage treffen zu können?



    Die Frage ist, ob man sich wirklich so verbiegen sollte und alles auf Cochader-Art abwickeln sollte oder eben schon etwas mehr seinen Mensch stehen. Bin mir nicht sicher, ob er wirklich qualifiziert genug ist, zumal er auf Ratschläge/Meinungen anderer Menschen nicht allzu viel zu geben scheint bzw. sich nicht wirklich dadurch beeinflussen lässt (ja, das könnte auch positiv ausgelegt werden, aber man sollte Alternativen immerhin abwägen und nicht von Vornherein ausschließen). Außerdem scheint er auch ständig auf (Sex-)Partnersuche zu sein, was von der eigentlichen Mission ablenkt. Ich habe eh das Gefühl, dass da ein Haufen Teenager auf Cochada abgesetzt wurde. ::)


    Es sit doch immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Empfänger funktionieren. Ich bin schon der Meinung, dass Starn auch auf andere hört. Er hört sich Argumente an, aber er entscheidet auch. Ingrid zum Beispiel hat Angst. Er kann das verstehen, ist aber überzeugt, dass die einzige Möglichkeit, friedlich weiter verhandeln zu können, darin besteht erst einmal den Anweisungen zu folgen. Er übernimmt aber auch die Verantwortung und er versteht ihre Zweifel und ermuntert sie diese auch festzuhalten, damit sie jegliche Verantwortung los ist. Das ist für mich ein sehr faires Verhalten.
    Ich empfinde ihn auch nicht als auf der Suche nach Sexpartnerinnen. Er ist in einer Stresssituation und er sieht ein sehr erotisches Tattoo. Schließlich versteht er selbst nicht, warum seine Gedanken abwandern. Ich kenne das, Gedanken zu haben, die nicht zur Situation passen, aber die kommen eben nicht bewußt, die schenkt uns das Unbewußte und wichtig ist doch wie man sich dazu verhält.



    Dass die Cochader die Menschen für die Beerdigung bezahlen lassen wollten und den Leichnam aber einfach nur ins Meer haben plumpsen lassen, sagt so ziemlich alles aus.^^ Dass sie genetisch uns so ähnlich sein sollen, führt natürlich zu Rückschlüssen. :>


    Sie sind auf Profit aus, einzig. Es ist die Perfektionierung des Profitstrebens. In dem Fall sind die Menschen in einer schlechten Position, sie haben einen Fehler begangen und kennen die Regeln des Planeten nicht, so wird man natürlich versuchen sie übers Ohr zu hauen und so viel wie möglich herauszuschlagen. Als Xenobiologe ist Starn nun ganz sicher kompetent an der Stelle, vielleicht sollte es aber auch jemanden geben, der handeln kann. Wir wissen aber nicht, ob überhaupt noch gehandelt wird in den Schiffen.


    Zum ersten Mal bekommen wir eine Ahnung davon, wie die Squid über die Menschen denkt. Sie belächelt sie und erfüllt aber ihre Wünsche. Wirklich wie eine Mutter, die über ihr Kind lächelt, das die Welt um sich noch nicht richtig versteht? Da bin ich mir nicht so sicher. Genauso, was Ugron angeht: Inwieweit ist er noch Mensch? Es wäre sehr romantisch, wenn Rila ihn wieder mehr zum Mensch-sein zurückführen würde. Kann ich mir aber nicht so ganz vorstellen. Ich mache mir da eher Sorgen, was ihr Kind angeht.


    Ich fände es gar nicht romantisch, wenn Rila ihn zurück holen würde, warum denn? Es wäre viel eher zu wünschen, dass sie zu Ugorn aufschließt und ihr Kind mit höherem Wissen geboren wird und mit angepasster Lebensfähigkeit. Vielleicht ist das auch die Möglichkeit für Frieden? So wie Bei Perry Rhodan, wenn die kämpfenden einem gemeinsamen überlegenen Feind gegenüber stehen , dann könnten sie eventuell einlenken.


    Die Beschreibung der Erkundung des energetisch toten Cochader-Schiffs machte mich richtig nervös, weil ich endlich wissen wollte, was sie denn nun vorfinden. Stattdessen mussten sie sich den Weg hinein aber erst freimachen und der aufgewirbelte Staub war im Licht zu sehen... war sehr aufmerksam beschrieben, aber diesmal hat mich das zum ersten Mal gestört.


    Ich frage mich eher, warum Ugorn Lykas darauf hinweist, dass er in der Leere die Wahrheit hören kann, die Leere aber nicht die Wahrheit ist. Für einen philosophischen Disoput ist es gerade nicht so der richtige Zeitpunkt, für Ironie (die ich bei dem Satz "Fühlst du dich schon erleuchtet?" angenommen habe) wirkt es zu ernst. Aber die Leere war für mich hier fühlbarer als in der Anfangssequenz während der Raumschlacht.

  • Zeigt sie das wirklich? Sie mischt sich ohne entsprechende Kenntnisse in eine Gesellschaft ein, ohne an die Folgen zu denken, ohne es mit den anderen abzusprechen. Sie erzeugt etwas, dessen Ausmaß sie nicht ahnen kann. Ich mag solche Alleingänge nicht. Sie sind eben auch arrogant.



    Diesbezüglich hege auch ich Zweifel. Zwar halte ich Kara für eine wenig wichtige Figur im Roman, bis jetzt wenigstens, aber das, was sie vorhat, aus welchen Gründen auch immer, ( ich tippe auf Naivität, gepaart mit Wichtigtuerei ), birgt erhebliche Risiken. Und zwar mit weitreichenden Folgen. Die Grundidee mag ja gut sein, aber so einfach nicht realisierbar! Und schon gar nicht im Alleingang. ( ja, den kritisiere ich auch! )


  • Das führt immer wieder auf die Kern-Frage, was Mensch-Sein überhaupt ist.
    In der Science-Fiction gibt es da einen interessanten Unterschied in der deutschen und in der amerikanischen Tradition.
    In Deutschland spricht man meist von "intelligentem Leben", dem dann spezielle Rechte, in Richtung Menschenrechte, zugesprochen werden. Nicht nur in der Science-Fiction: Es geht auch um moralische Fragen beispielsweise beim Walfang. Da untersucht man, wie intelligent ein Wal ist, ob er eine Vorstellung von sich selbst hat, ein "Ich-Bild". Wenn er es hat, so argumentieren Wal-Schützer, ist es besonders unmoralisch, ein solches Tier zu töten und zu verzehren.
    In den USA spricht man weniger von "intelligentem" als von "empfindungsfähigem" Leben: Kann der Wal komplexe Gefühle entwickeln? Kann er Leid empfinden, ist er leidensfähig?
    Bei Ugrôn sind sicher sowohl Intelligenz als auch Empfindungsfähigkeit gegeben. Ist er damit ein Mensch? Oder zumindest "gleichwertig" zu einem Menschen? Wenn er "gleichwertig" ist - wieso wäre es dann erstrebenswert, wenn er zum Mensch-Sein zurückgeführt werden würde?


    Ugron sind anscheinend noch andere Fähigkeiten gegeben, eben welche, die das Menschsein übersteigern. Kann denn noch von Gleichwertigkeit gesprochen werden? Es hätte etwas Romantisches, wenn Ugron für Rila auf seine große Chance, mehr über die Wahrheit zu erfahren, verzichten würde. Ein Opfer für die Liebe. Ohne diesen Aspekt ist es vielleicht eher nicht erstrebenswert und schade, wenn ihm die Möglichkeit zur Selbstentwicklung genommen wird, aber wie er die Bewohner der SQUID belächelt, vergisst er evt. seine Wurzeln. Es geht wohl weniger darum, ob er noch als Mensch anzusehen ist, sondern wie er die Menschen sieht, welche Einstellung er entwickelt. Besser keine zu negative.


  • Es gibt mittlerweile so viel zu staunen, dass ich mich frage, wieso das nur ein Buch ist und nicht mindestens eine Trilogie. :)


    Ein Exkurs für die Science-Fiction-Neulinge: Wenn sich Science-Fiction-Fans darüber unterhalten, wie ihnen eine Geschichte gefallen hat, fällt oft der Begriff "Sense of Wonder" - "Gefühl des Staunens". Es gilt als Qualitätsmerkmal, wenn es der Autor schafft, seine Leserschaft "zum Staunen zu bringen" über die vielfältigen und überraschenden, fantastischen Dinge, die er ihr zeigt.
    Von daher: Danke für das Lob. :)



    Es wird bisher von den Koexistenzlern ja kein wirklicher Plan gezeigt, außer: lasst uns doch einfach mal die Waffen niederlegen und sehen was passiert.


    Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat einmal in einem Interview ausgeführt, dass ein wesentlicher Faktor dafür, wie ausgewogen eine Forderung sein muss, darin besteht, ob man Verantwortung trägt oder eben nicht. Es ging dabei um ein Umweltthema, die Grünen waren in der Regierung (oder wollten rein) und diverse Organisationen haben demonstriert und Dinge gefordert. Er meinte, wenn er nicht in der Partei gewesen wäre, hätte er vermutlich mitdemonstriert und die Maximalforderung gestellt, aber als Politiker muss er eben sehen, dass es auch neben dem Umweltschutz noch weitere berechtigte Interessen gibt, denen er ebenfalls gerecht werden muss. Sein Fazit: Es ist die Rolle eines Demonstranten, sein Anliegen mit maximaler Leidenschaft vorzutragen, und die Aufgabe eines Politikers, sämtliche Anliegen gegeneinander abzuwägen.
    Auf die Koexistenzialisten bezogen müsste er eben auch einschätzen, wie hoch das Risiko wäre, dass die Giats eine Friedensoffensive ausnutzen würden, um den finalen Schlag gegen die Menschheit zu führen.



    Oder gibt es auch andere, die sie sich von Zeit zu Zeit aussucht,


    Wenn das der Fall ist, weiß Ugrôn zumindest nichts von den anderen - sie kommen in seinen Gedanken nicht vor.



    Die Menschen sind für sie ja nur Haustiere, die sind niedlich und man kann sich mit ihnen beschäftigen, aber kein wirkliches Gespräch führen.


    Als Schriftsteller hat man sozusagen die "Berufskrankheit", dass die Gedanken zu wandern beginnen.
    Als meine Freundin für eine gute Woche auf Studienfahrt ging, zog ihr Kaninchen bei mir ein. Eigentlich ein ganz niedliches Kerlchen. Ich habe den Käfig in mein Arbeitszimmer gestellt, meistens ist er aber sowieso draußen rumgehoppelt. Da ja sonst keiner da war, habe ich mit dem Kaninchen gesprochen. Anfangs fand ich das ganz witzig, aber nach ein, zwei Tagen habe ich mir vorgestellt, wie das Kaninchen plötzlich antworten könnte. In diese Vorstellung habe ich mich so sehr hineingesteigert, dass ich sie richtig unheimlich fand. :o
    Bis meine Freundin zurück war, habe ich dann nicht mehr mit dem Kaninchen gesprochen, sondern mich auf stummes Kraulen zwischen den Löffeln beschränkt, was ihm ohnehin lieber war.



    Das ist so spannend! Was will die Squid und was will Ugron. Will er wirklich noch zu Rila? Will vielleicht die Mutter, dass er Rila holt?


    Das sind sehr valide Fragen ... ;)

  • Dass die Cochader so reagieren, hätte ich nicht vermutet. Nur auf den entgangenen Nutzen des Verstorbenen abgestellt, kann alles dort mit dem entsprechenden Gegenwert ersetzt werden. Ich war ziemlich erschrocken über diese Reaktion.


    Starn reagiert sehr souverän in meinen Augen. Er behält zwar das Ziel des Schwarms im Auge, möchte es sich mit den Cochader aber nicht verscherzen, da die Rohstoffe des Planeten wichtig sind.
    Was mich etwas verwirrt hat, er hat sich schon die nächste potentielle Gespielin auserkoren, bzw. zumindest hat er ein Auge auf sie geworfen.


    Die Verbindung zwischen der SQUID und Ugrôn finde ich unheimlich. Ugrôn verändert sich zusehends zu seinem Nachteil. Er hat in meinen Augen einen brutalen Zug an sich, anders kann ich es nicht beschreiben.
    Bisher habe ich das Verhalten der SQUID eher als neutral empfunden. Mutter hat sich um die Mannschaft gekümmert, jetzt ist ihr Augenmerk mehr und mehr auf Ugrôn gerichtet.
    Und warum will Ugrôn unbedingt den Planeten betreten? Was zieht ihn dort hin?


    Jetzt muss ich aber unbedingt wissen, wie es mit Rila und dem Kind weitergeht.