03: Seite 96 - Seite 143 (Kap. 4)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Dieses Mal war ich etwas schlauer und habe mir mein Notizbuch zum Lesen mitgenommen, um gegebenenfalls meine Gedanken aufzuschreiben, bevor ich sie wieder vergesse und sie mich dann nachts vom Schlafen abhalten. ;)


    Okay das ganz klar ein weiteres Bahnhofskapitel mit Wissensüberschuss für mich ;D
    Der Anfang hat mich sehr stark an meine Schulzeit erinnert, an die Geografiestunden in denen wir die Erosionssachen, Gesteinsschichten usw lernen mussten. Nicht mein bevorzugtes Gebiet ^^
    Verstehst du denn alles selbst, wie und warum, das so funktioniert oder ist das einfach geschriebenes Recherchewissen, das du von deinen Infos abschreibst?


    Hingegen Kara und Starn lassen mich etwas verwirrt zurück, denn einerseits sagt er selbst, dass es nur Sex war und sie ihn sonst nicht begeistern kann, dann jedoch unternimmt er so etwas alltägliches wie Baden gehen mit ihr, um danach über ihren Pazifismus zu streiten? Kann ich nicht nachvollziehen.
    Und Kara sprach bereits von Beziehung? Von welch einem Zeitrahmen sprechen wir denn? Gegen Ende war ich dann der Meinung, dass es etwa zehn Tage sein werden, wenn überhaupt.


    Religion und Politik waren noch nie meins (schlechte Kindheitserfahrungen mit einem davon) - und gerade nehme ich an, dass das die Kernthemen im Roman sein werden. :-\


    Aber eines konnte ich dem ganzen Kapitel doch abgewinnen. Es gibt Haustiere und dann dazu noch so niedliche wie Luftquallen - echt geniale Idee ;)


  • Verstehst du denn alles selbst, wie und warum, das so funktioniert oder ist das einfach geschriebenes Recherchewissen, das du von deinen Infos abschreibst?


    Zumindest grob kenne ich mich im jeweiligen Wissensgebiet aus, weil ich natürlich gern über Sachen schreibe, die mich selbst interessieren. Wenn es zum Beispiel darum geht, dass ein Tag nicht 24 Stunden haben muss, und ein Jahr auf einem anderen Planeten vielleicht nur ein paar Tage dauert, dann fasziniert mich die Vorstellung, dass Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, eigentlich - im Universum - höchst ungewöhnlich sind. Konkrete Zahlen, wie etwa die Materiedichte in einem Kubikzentimeter Luft, kenne ich dagegen nicht auswendig. Die übernehme ich aus der Recherche (und wo ich auf mehrere Quellen stoße, deren Validität ich nicht gegeneinander abwägen kann, nehme ich das Ergebnis, das mir am besten gefällt).



    Hingegen Kara und Starn lassen mich etwas verwirrt zurück, denn einerseits sagt er selbst, dass es nur Sex war und sie ihn sonst nicht begeistern kann, ...


    Ob er das auch so meint? ;)



    ..., um danach über ihren Pazifismus zu streiten?


    Na ja, das Thema hat ja nicht er aufgebracht ... Und es führt ja auch dazu, dass er ihre Wohnung verlässt.



    Gegen Ende war ich dann der Meinung, dass es etwa zehn Tage sein werden, wenn überhaupt.


    So in etwa kommt das hin.



    Es gibt Haustiere und dann dazu noch so niedliche wie Luftquallen - echt geniale Idee ;)


    Kriterien:
    - kann sich in der Schwerelosigkeit bewegen
    - macht keinen Dreck, der in der Luft rumschwebt
    ;D

  • Bevor ich mich wieder in eure Diskussionen stürze hier erstmal meine gesammelten Eindrücke zu Kapitel 4 (die ich diesmal mehr oder weniger parallel zum Lesen gleich aufgeschrieben habe):


    „Wassergarten“ – was für ein idyllischer Name für einen so extremen Planeten. Aber selbst unter diesen Bedingungen kann Leben existieren. Ich frage mich nur, wie sich der Planet verändert, wenn hier von den Menschen Genmaterial ausgebracht wird. Das scheint im Überlebenskampf aber scheinbar egal zu sein. Da die Menschheit ja nicht mehr sesshaft ist, kann sie weiterziehen und andere Planeten suchen. Ist es wirklich so einfach?


    Bei dem Außeneinsatz wird Starns Charakter ziemlich klar: er ist durch und durch verantwortungsbewusst. Er verliert das große Ganze nicht aus den Augen. Im ersten Moment wirkt seine Ansage an seinen etwas laxeren Kollegen Erok vielleicht ein bisschen überzogen. Aber letztendlich hängt ja wirklich das Überleben von Millionen Menschen davon ab, dass die Xenobiologen einen guten Job machen. Dass Starn dabei ein bisschen aufbrausend ist, macht in sympathisch – er kann halt Schlamperei nicht ab und für Weicheier hat er auch nichts übrig.
    Genauso gut gefällt mir das enge Verhältnis der beiden Geschwister Starn und Rila. Man merkt einfach, dass sie sehr eng mit einander verbunden sind. Bin gespannt, ob wir nach und nach noch ein bisschen mehr über ihre Kindheit erfahren. Ich glaube auf jeden Fall, dass sich die beiden hervorragend ergänzen. Während Rila regelrecht ins Schwärmen kommt über die SQUID und ihre Möglichkeiten, sieht Starn das ganze aus der Distanz eher gelassen. Am Ende will Rila ja gar nicht mehr weg von der SQUID und so bin ich sehr gespannt, auf die erste Begegnung der beiden nach Rilas Rückkehr.


    Endlich erfahren wir auch ein bisschen mehr über die Vorfälle auf der Esox und wissen nun auch, warum Starn den Dienst quittiert hat. Eine durchaus verständliche Reaktion. Und trotzdem kann er Karas Einstellung nicht teilen, die den Krieg mit den Giats beenden möchte – ja eigentlich alle Kriege. Da sind wir dann bei den grundlegenden Diskussionen unserer Zeit. Wieviel Krieg ist zulässig? Wieviele Tote kann man in kauf nehmen, um seine Gesellschaft zu schützen? Auf jeden Fall tut sich hier vermutlich ein unüberbrückbarer Graben zwischen Kara und Starn auf und auch ich habe mir die Frage gestellt, ob Kara sich nicht wirklich mit der Absicht an Starn herangemacht hat, um ihre Bewegung mit dem Ex-Soldaten zu schmücken.


    Was ich mir immer wieder klar machen muss beim Lesen: der Schwarm umfasst nicht nur ein paar Raumschiffe, sondern ist wirklich Heimat für Millionen Menschen. Unter dem Gesichtspunkt erklärt sich dann auch, dass jedes Schiff (wie viele Menschen leben eigentlich auf einem?) eine eigene Gesellschaft entwickelt hat mit eigenen Gesetzen und eigentlich auch eigener Kultur. Da kann man nur hoffen, dass sie im Ernstfall immer zusammenarbeiten und sich nicht typisch menschlich untereinander streiten. Dass aber nicht alles so glatt geht, zeigen ja schon die Esox-Vorfälle. Dort haben sich die Menschen mit der Technik verbunden – die Frage ist hier, wie freiwillig sie das taten und wie frei ihr Wille am Ende noch war. Auch dies ist ja eine der vieldiskutierten Fragen: müssen wir uns vor künstlicher Intelligenz fürchten oder ist sie die Verbindung von Mensch und Maschine die nächste Stufe der Evolution? Ich finde das Vorgehen der Menschen gehen die Esoxer ziemlich heftig. Das Argument, dass man auf keines der Schiffe verzichten kann, ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, aber die komplette Auslöschung der Besatzung kann nicht der Weg sein. Da hat mal wieder die Angst vor dem Fremden Oberhand gewonnen.


    Das Faszinierendste an diesem Kapitel ist für mich allerdings Ugrôns Initiation. Was für eine Erfahrung – nackt im Vakuum zu stehen! So wirklich kann ich gar nicht glauben, dass ein Mensch das wirklich überleben kann, aber das sei mal völlig nebensächlich. Ich nehme die 90 Sekunden jetzt Tatsache hin und versuche, diese Grenzerfahrung zu begreifen. Was mir natürlich nicht gelingen kann. Aber ich finde sie großartig beschrieben und wir erahnen langsam, wie anders und vor allem besonders Ugrôn doch ist. Hier dürfen wir auch sehr gespannt sein, wie sich das Verhältnis zu Rila (und auch Rilas Verhältnis zur SQUID) weiterentwickelt. Ich habe mit Ugrôn jetzt auf jeden Fall meinen Lieblingscharakter gefunden.

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)


  • Das Faszinierendste an diesem Kapitel ist für mich allerdings Ugrôns Initiation.


    Diese Szene ist in gewisser Weise der Same des Buches: Ich wollte unbedingt erzählen, wie ein Mensch ungeschützt im Vakuum des Weltraums steht.
    Dementsprechend genau ist das auch recherchiert. So etwas ist zwar noch nie passiert, aber die NASA macht sich natürlich Gedanken, und auf einer NASA-Seite habe ich dann auch eine FAQ gefunden, auf der die Schilderung dieser Szene hauptsächlich fußt. Hier steht also der Science-Aspekt im Vordergrund. ;)



    Ich frage mich nur, wie sich der Planet verändert, wenn hier von den Menschen Genmaterial ausgebracht wird. Das scheint im Überlebenskampf aber scheinbar egal zu sein.


    Eine sehr abgedrehte Theorie zur Entstehung des Lebens auf der Erde geht davon aus, dass wir durch im Weltall treibende Sporen "besamt" wurden. Das würde erklären, wieso sich das Leben auf der Erde so rasch (in kosmischen Maßstäben) entwickelt hat, oder könnte Alternativ einige Seltsamkeiten in der Evolution erklären (plötzliche Schübe in der Artenvielfalt zum Beispiel).
    Auf Wassergarten wird dasselbe passieren: ein Schub in der Ausbreitung des Lebens mit allen Vor- und Nachteilen.



    Endlich erfahren wir auch ein bisschen mehr über die Vorfälle auf der Esox und wissen nun auch, warum Starn den Dienst quittiert hat.
    ...
    Auch dies ist ja eine der vieldiskutierten Fragen: müssen wir uns vor künstlicher Intelligenz fürchten oder ist sie die Verbindung von Mensch und Maschine die nächste Stufe der Evolution?


    Die Grundmaxime des Schwarms lautet: "Die Menschheit muss überleben!" Deswegen kämpft man auch gegen die Giats.
    Aber die Menschheit ist nicht nur von außen bedroht: Auf der ESOX war sie - nach Meinung der anderen Schiffe - dabei, sich selbst abzuschaffen. Die Menschen dort wollten keine Menschen mehr sein, sondern etwas Verbessertes, Leistungsfähigeres. Das Problem dabei ist nicht, dass das nicht ginge, sondern im Gegenteil, dass es funktioniert - und damit werden die unveränderten Menschen nicht mehr die dominante Lebensform sein, die den Ton angibt. Wir gelangen in ein Zeitalter, in dem die neue Spezies die leistungsfähigste ist, das Zeitalter des Menschen ist vorbei und geht über in den "Posthumanismus" (wie wir Science-Fiction-Fans sagen ;D ).
    In gewisser Weise geschieht das auch auf der SQUID, aber nicht durch Verbindung zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Mensch und einer fremden Biologie.
    In beiden Fällen stellt sich die Frage, wo die Grenzlinie verläuft, jenseits derer ein Mensch aufhört, ein Mensch zu sein.
    Was meint Ihr?


  • Diese Szene ist in gewisser Weise der Same des Buches: Ich wollte unbedingt erzählen, wie ein Mensch ungeschützt im Vakuum des Weltraums steht.
    Dementsprechend genau ist das auch recherchiert. So etwas ist zwar noch nie passiert, aber die NASA macht sich natürlich Gedanken, und auf einer NASA-Seite habe ich dann auch eine FAQ gefunden, auf der die Schilderung dieser Szene hauptsächlich fußt. Hier steht also der Science-Aspekt im Vordergrund. ;)

    Ich hab die Genauigkeit deiner Recherche nicht bezweifelt und geahnt, dass du uns die Quelle verraten wirst ;) Danke dafür, das spart mir eine Menge Zeit. Und cool, dass ausgerechnet diese Szene Grund für das Buch ist. Das erklärt vielleicht auch, warum du hier für mein Empfinden ausführlicher erzählst als an anderen Stellen.




    Auf Wassergarten wird dasselbe passieren: ein Schub in der Ausbreitung des Lebens mit allen Vor- und Nachteilen.

    Ich hab bei so was immer die oberste Direktive aus Star Trek im Kopf ;D Aber klar: wenn es nur noch ums Überleben geht, kann man da nicht so viel Rücksicht nehmen.



    In gewisser Weise geschieht das auch auf der ESOX, aber nicht durch Verbindung zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Mensch und einer fremden Biologie.
    In beiden Fällen stellt sich die Frage, wo die Grenzlinie verläuft, jenseits derer ein Mensch aufhört, ein Mensch zu sein.
    Was meint Ihr?


    Du meinst hier die SQUID, richtig?
    Um so philosophische Fragen zu diskutieren, brauch ich ein bisschen mehr Zeit - ich meld mich später wieder, wenn die hungrige Familie wieder weg ist. :winken:

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Dieses Kapitel hat mir sehr deutlich gemacht, wie faszinierend ich deinen Schreibstil finde, Robert. Das ist mir davor schon aufgefallen, aber gerade hier mit der Beschreibung von Wassergarten und Ugrôns Initiation wurde mir einmal mehr die Detailverliebtheit und die sehr schöne Sprache bewusst, mit der du alles darstellst. Und das ist kein Geschleime, das meine ich wirklich so ;)


    Bei Wassergarten dachte ich, wie vermutlich viele von euch, an den Geografieunterricht. Das ist doch dann quasi das selbe Problem wie in Bangladesch, oder? Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, ist es etwa so: Bangladesch ist, grob runtergebrochen, eine Flußdeltaregion. Also kommt's zu starker Wolkenbildung und wenn's - auch bedingt durch die Lage Bangladeschs in einer Monsunregion - mal ein starkes Wetter gibt, haben die regelmäßig Hochwasser. Das muss ein sehr unwirtliches Land sein und mit eines der ärmsten der Erde...


    Zur Initiation hast du, Robert, ja schon gesagt, dass du dich an realistischen Zeiten orientiert hast. Für mich hat es sich eher als Mutprobe, denn wirklich als Glaubensbeweis gelesen, aber gut. Die spannende Frage, die sich da natürlich stellt: Was hat Ugrôn gesehen, bzw. erfahren? Er versteht es ja selbst nicht. Vielleicht ist es ja genau das, was Kara so salopp mal kritisiert hat: Die Leere ist nicht alles. Wer an die Leere denkt, nimmt sie ja eigentlich war, oder, anders ausgedrückt: Das Nichts ist eigentlich ein Etwas. Und wenn man an die Leere denkt, muss man das Existente (also im konkreten Fall die Planeten) mitdenken. Das lässt dann den Schluss zu: Man kann nicht nur an die Leere denken, ohne gleichzeitig ans ganze Universum zu denken.
    Puuh, viel Philosophie zum Tagesbeginn und ich habe beim Überfliegen der Beiträge gesehen, das Manche wieder nur Bahnhof verstanden haben. Da sieht man mal: Es kommt ganz auf die Thematik an. Ich habe das Kapitel mit seinen philosophischen Anspielungen richtig genossen...


    Ich versuche mich, aber mal zurückzuhalten, sonst komme ich von den ganzen existentiellen Fragen, wie beispielsweise "Was ist die Wahrheit?" oder "Gibt es eine Wirklichkeit?" noch in eine Endlosschleife :-[


    Kara ist ja eine richtige Revoluzzerin! :o Und auch hier wieder eine zentrale Frage: "Ist der, von dem du denkst, er ist dein Feind, wirklich dein Feind?" Klar kann man jetzt kritisieren, dass sie Starn letztendlich nur benutzt hat. Ob das auf einer Beziehungs- und auf der körperlichen Ebene sein muss, ist auch zu hinterfragen. Nur, weil ich Kara am Liebsten mag, heißt das nicht, dass ich sie nicht kritisiere. Meiner Meinung nach fand sie den falschen Weg für das eigentlich richtige Ziel... Jedenfalls scheint sie sehr pazifistisch eingestellt und strebt ein kommunikatives Völkerverständnis an.


    Apropos, Kommunikation hätte noch was ganz anderes zu einem besseren Ausgang verhelfen können. Jop, das ESOX-Ereignis. Mein erster wirklicher Schockmoment. Da ist ja alles falsch gelaufen, was nur falsch laufen konnte und da hatte Starn mein vollstes Mitgefühl - wer sich nach dem Desaster nicht hinterfragt, hat kein Herz. Den Verstand von mehreren Menschen auszulöschen, nur weil man denkt, es wäre besser für sie... da hat man das Prinzip der ESOX einfach nicht verstanden. Die brauchen eine Zentralverwaltung und leben offenbar gut damit. Ein Plädoyer für mehr Kommunikation unter den Völkern - so habe ich das gelesen.


    Ugrôn und Rila sorgen dann für meinen zweiten "Da geht was!"-Moment. Das kommt etwas überraschend, da Rila ja verheiratet ist, das scheint sie aber auch nicht wirklich zu stören... Schade, dass sie offenbar nicht um Reck kämpfen will und ihn nur mit negativen Erfahrungen (Streit, die Selbstverständlichkeit ihrer Arbeit und Leistung) verbindet. Vielleicht lernen wir Reck ja noch näher kennen?
    Was ich an Rila aber wirklich schätze und irgendwo auch süß fand, ist ihre Begeisterungsfähigkeit. Bei der Nachricht an Starn über das Leben auf der SQUID musste ich wirklich schmunzeln, ich mag es gerne, wenn Menschen sich für was begeistern können und dann einfach lossprudeln - vielleicht, weil ich selbst auch so bin? :-[
    Schade ist es auch, dass die beiden sich wohl trennen müssen, wo sie sich gerade erst kennen, schätzen, lieben (?) gelernt haben... Aber ich glaube auch, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Meine Vermutung ist, dass Rila noch zur SQUID wechselt. Wegen Ugrôn und auch, weil die SQUID sie wohl akzeptiert und zu mögen scheint...

    Hier wird gesubt und gesammelt! :)

    Einmal editiert, zuletzt von Doscho ()


  • Hingegen Kara und Starn lassen mich etwas verwirrt zurück, denn einerseits sagt er selbst, dass es nur Sex war und sie ihn sonst nicht begeistern kann, dann jedoch unternimmt er so etwas alltägliches wie Baden gehen mit ihr, um danach über ihren Pazifismus zu streiten? Kann ich nicht nachvollziehen.


    Sehr aufmerksam - der Satz hat mich auch stutzig gemacht. Ich dachte schon, Robert klammert die Beziehung zwischen Kara uns Starn völlig aus, da sie ja eh nur eine reine Sexbeziehung ist, aber dann, wupp, Kara ist eine Revoluzzerin. Aber Starn hat ja auch den Gedanken, er möchte mit Kara nette Gespräche führen, nur waren die Gespräche über die Menschen-Giats-Beziehung eben nicht das, was er sich unter einem netten Gespräch vorstellt. Das kam ja auch raus.
    Ich habe es so verstanden: Bislang war die Beziehung zwischen Starn und Kara eine reine Sexbeziehung, Starn wollte mehr (eben auch ganz normal Gespräche führen), Starn bekam mehr, aber so hatte er sich das nicht vorgestellt.

  • Einen schönen restlichen Ostermontag wünsche ich allen - bevor ich ein paar Eindrücke aufschreibe, die ich während des Lesens und, etwas verdaut, danach hatte!


    Sie kennen die Schwerkraft also doch, die Bewohner der MARLIN! Es gibt Räume, Module, zu Beginn des dritten Leseabschnitts auch den Planeten Wassergarten, wo es diese gibt bzw. wo sie simuliert wird ( Warum ist das denn in den Modulen möglich? Warum nicht im Raumschiff selbst? ).
    Wassergarten! In dieser Szene gibt's ja wieder reichlich viel Physik, also für mich Unverständliches. In der Nähe eines Roten Zwerges liegt dieser unfreundliche Planet, aha! Und dennoch ist es möglich, darauf herumzuspazieren, in dieser Gegend, in der es von giftigen, tödlichen Substanzen nur so wimmelt!? Was für Superschutzanzüge tragen die Weltraumwandler denn? Da muss sich die Technik ja in Dimensionen entwickelt haben, die sich mein kleines Hirn gar nicht auszudenken vermag...
    Ich muss unwillkürlich an das denken, was eine astronomiebegeisterte und -bewanderte Freundin immer über das Weltall sagt: gleichgültig, unbarmherzig, absolut tödlich!


    Und diese Assoziation habe ich auch, als Ugron bei seiner "Weihe" für 95 Sekunden dem Vakuum ausgesetzt ist.
    Ugron selbst scheint ähnlich zu empfinden, wenn er zum Empfinden überhaupt noch fähig war. Dem Leser wird das suggeriert, indem er an den Bildern, die er während dieser kurzen, doch für ihn wohl unendlich langen Zeitspanne hat, teilhat. Leere. Vollkommene. Erkenntnis wohl auch. Extremerfahrungen, so habe ich immer wieder gelesen, führen dazu.
    Und dennoch ist diese Musik in ihm, ist sie ohnehin in ihm, seitdem Rila die SQUID betreten hat....
    Die sie nie hätte betreten sollen, weil sie nach menschlichem, nein, hier muss man ja sagen technischen Ermessen nie hätte gefunden werden können....
    Und die SQUID klingt anders, seitdem Rila an Bord ist! ( Wessen Empfinden war das jetzt? )
    Ich wage - noch zögernd freilich, denn ich taste mich so voran... - zu sagen, dass dieser Erzählstrang spannend werden wird. Schwierig zu verstehen, des mir fremden Themas wegen, aber spannend.
    Was wird Ugron aus seiner neuen Erkenntnis machen ( die Worte seines Priesters sind nur Schall und Rauch ), wie geht die Geschichte mit ihm und Rila weiter? Was ist SQUIDS Rolle? Welche Art von Organismus ist sie? Ein fühlender, denkender so wie es aussieht...!?
    Ich kann mich eines Gefühls drohenden Unheils nicht erwehren....


    In der Zwischenzeit lerne ich so manches, werden Fragen beantwortet, die sich während der ersten beiden Leseabschnitte aufgetan haben. ( Ich habe mich ja in Geduld geübt, darauf vertraut, dass der Autor nach und nach die notwendigen Informationen einstreuen wird! ) Und so verstehe ich vieles auch viel besser, was mich zuversichtlich sein lässt bezüglich des Gelingens meines Experiments "Science Fiction"!
    Ich kann jetzt sowohl Schwarm als auch die dazugehörigen Raumschiffe irgendwie einordnen. Als ich las, dass jedes Raumschiff seine eigenen Strukturen hat, habe ich mir das wie die Staaten unsrer Erde, oder zumindest Europas vorgestellt ( Vertrautes ist mir halt wichtig, um zu verstehen...).
    Ich weiß, wer die Giats sind ( kegelförmige, nicht im geringsten menschenähnliche Figuren ), weiß, warum sie Giftatmer genannt werden ( sie atmen Chlor ), weiß auch, dass sie erbarmungslos alles vernichten, was sich ihrem Machtanspruch in den Weg stellt. Sie töten - also müssen die wenigen verbliebenen freien Menschen sie zuerst töten, um nicht getötet zu werden!
    Und wieder ist da die Ethik des Tötens - eindrucksvoll in Worte gefasst von Kara, der Pazifistin! Wenn ich mich recht erinnere, war die junge Frau ob ihres forschen Auftretens vielen in der Leserunde suspekt, gar unsympathisch....
    Jetzt aber stellen wir fest, dass sie in Wirklichkeit eine Idealistin ist, die für den Frieden im All eintritt!
    Da aber nicht einmal ein Drittel des umfangreichen Romans gelesen ist, mag sich das ja womöglich noch relativieren ( wieviele "Pazifisten" greifen zu aggressiven Mitteln, um ihr Ziel zu erreichen! ).


    Wie ich mir nach dem ersten Abschnitt vorgenommen hatte, überlese ich mir Unverständliches. Nicht wirklich mit gutem Gefühl, da ich mir bewusst bin, dass mir Vieles, darunter wahrscheinlich auch Wichtiges entgeht.
    Ich konzentriere mich also auf Interaktionen, auf Handlungen. Mal schauen, wie weit mich das am Ende bringt.
    Fürs erste jedenfalls bin ich mit meiner Strategie in den Roman hineingekommen, anstatt wie blind umherzutasten....

  • Ich hätte nicht gedacht, dass ein SciFi-Roman soviel Potential zum Nachdenken und Diskutieren bereit hält. Ich glaube, ich habe das Genre kräftig unterschätzt.


    Wie schon Doscho angemerkt, kann man sich tatsächlich in einer philosophischen Endlosschleife bewegen und sich einmal ums Universum diskutieren. Ich bin immer wieder sehr begeistert, wie Bernd das jedesmal so gut hinbekommt.


    Ich fand die Szene, wo Starn Erok ein wenig "motivierte" und sehr diplomatisch in den Allerwertesten trat, sehr gelungen. Hat mir gut gefallen. Und ich musste schmunzeln, als Erok dann ganz stolz von seinen "Heldentaten" berichtete.


    Die Priesterweihe von Ugrôn fand ich schon sehr seltsam. Was genau hat er da erlebt? Oder war das eher vergleichbar mit einer Nahtoderfahrung? Und hatte er schon vorher Zweifel an seinem Glauben? Ich denke schon. Ich bin gespannt, wohin ihn sein Zweifel und sein Hinterfragen führen wird.


    Rila scheint auf der SQUID etwas zu spüren, dass sie bisher nicht gefühlt hat. Sie würde gerne dort bleiben. Ob es tatsächlich diese Geborgenheit ist, die man auf der SQUID spürt, vielleicht, weil sie ein Lebewesen ist?


    Die ESOX finde ich da wirklich sehr grauenvoll. Der Gedanke, von einem Roboter bzw. von einer Maschine geführt zu werden, gefällt mir gar nicht. Was hat das aus den Menschen gemacht? Ist das tatsächlich noch Menschsein? Eine wirklich gute Frage. Ich kann mir gut vorstellen, dass man nicht genau wusste, wie man damals reagieren sollte und im Nachhinein feststelle, dass man wohl Fehler gemacht hat. Das wird wohl auch der Grund sein, warum Starn als Soldat seinen Dienst quittiert hat.


    Kara kann ich nach wie vor nicht einschätzen. Was genau hat sie vor? Irgendwie traue ich ihr nicht, kann es aber an nichts Bestimmten ausmachen. Dass sie Frieden im Universum möchte, ist sicherlich eine gute Sache, aber irgendwie kommt sie mir ein wenig Radikal vor. Und wer oder was genau sind die Koexistensialisten?


    Nach diesem Abschnitt muss ich das Buch erst mal sacken lassen. Tatsächlich scheint das keine Geschichte zu sein, die man einfach so herunterlesen kann. Und ich bin sehr froh darüber, hier in der Leserunde zu sein.


    Ich gehe jetzt ein wenig nachdenken. ???

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Die ESOX finde ich da wirklich sehr grauenvoll. Der Gedanke, von einem Roboter bzw. von einer Maschine geführt zu werden, gefällt mir gar nicht. Was hat das aus den Menschen gemacht? Ist das tatsächlich noch Menschsein? Eine wirklich gute Frage. Ich kann mir gut vorstellen, dass man nicht genau wusste, wie man damals reagieren sollte und im Nachhinein feststelle, dass man wohl Fehler gemacht hat. Das wird wohl auch der Grund sein, warum Starn als Soldat seinen Dienst quittiert hat.


    Der Einsatz auf der ESOX mit so fatalen Folgen hat sich bei mir noch nicht gesetzt, d.h. so ganz verstehe ich ihn noch nicht. Ist die ESOX nicht auch Teil des Schwarms?
    Und haben sich die Bewohner nicht ursprünglich freiwillig dazu entschieden, sich "optimieren" zu lassen?
    Ich habe das so verstanden, dass der Einsatz der Zerstörung des Hauptrechners galt! Warum? Und warum wusste die kämpfende Truppe nichts von der Verbindung zwischen dem Rechner und den Bewohnern? Ich vermute aber, dass sich das noch aufklären wird, - denn genauso war es ja bisher! Meine Fragen aus den ersten beiden Abschnitten sind jedenfalls inzwischen beantwortet.
    Die Frage, ob die Esoxer noch Menschen waren, wage ich mir nicht zu stellen... Wann hört Menschsein auf, wann beginnt es? Selbst die Ethiker sind da unterschiedlicher Auffassung!

  • Murkxsi : Ich habe die Koexistenzialisten als Leute verstanden, die geben genau das wollen und fordern: Eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Giats ohne Krieg und Angst voreinander.


    @Ulrike: Ich glaube, unbewusst hast du den Grund, warum es zu diesem Desaster kam, schon gefunden. Ich habe es so verstanden, dass man denn Sinn der ESOX nicht verstanden hat. Eben wie du fragst: Sind das noch Menschen, wenn sie an eine Zentralverwaltung angekapselt sind? Leben die nicht viel freier, wenn sie selbstständig denken können? Man wollte eigentlich ja helfen. Was dabei herausgekommen ist, konnte man ja lesen...


  • Murkxsi : Ich habe die Koexistenzialisten als Leute verstanden, die geben genau das wollen und fordern: Eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Giats ohne Krieg und Angst voreinander.


    Aber ja doch, was sonst? Und das klingt doch positiv, wenn es vielleicht auch ein wenig naiv ist, nach allem, was man über die Giats so liest. Mit menschlichen Maßstäben sind die jedenfalls nicht zu messen.
    Aber ich bin sicher, dass die Giats, die Giftatmer ( wieder nach menschlichen Maßstäben! ), nicht dauerhaft im Hintergrund agieren werden, wie bisher. Die werden schon noch ihren großen Auftritt haben...
    Wiewohl - meine Einschätzung als Nicht-Science-Fiction-Leser ist natürlich geprägt von der Literatur, an die ich gewöhnt bin...


  • Auf der ESOX war sie - nach Meinung der anderen Schiffe - dabei, sich selbst abzuschaffen. Die Menschen dort wollten keine Menschen mehr sein, sondern etwas Verbessertes, Leistungsfähigeres. Das Problem dabei ist nicht, dass das nicht ginge, sondern im Gegenteil, dass es funktioniert - und damit werden die unveränderten Menschen nicht mehr die dominante Lebensform sein, die den Ton angibt. Wir gelangen in ein Zeitalter, in dem die neue Spezies die leistungsfähigste ist, das Zeitalter des Menschen ist vorbei und geht über in den "Posthumanismus" (wie wir Science-Fiction-Fans sagen ;D ).
    In gewisser Weise geschieht das auch auf der SQUID, aber nicht durch Verbindung zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Mensch und einer fremden Biologie.
    In beiden Fällen stellt sich die Frage, wo die Grenzlinie verläuft, jenseits derer ein Mensch aufhört, ein Mensch zu sein.
    Was meint Ihr?


    Um nun mal auf deine Frage zurück zu kommen, die sich hier inzwischen ja auch andere gestellt haben: ich denke, so lange der Mensch sich seiner selbst bewusst ist, ist er Mensch. Ich glaube nicht, dass die Menschen auf der ESOX sich selbst auslöschen wollten und ich empfinde auch die SQUID bisher nicht als bedrohlich für die Menschen. Die Lebensumstände haben sich geändert und daher bedarf es Anpassung. Das nennt man Evolution. Und wenn der Mensch das aus sich selbst heraus allein nicht mehr kann, sucht er sich "Verbündete" (ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein). Das ist das, was auf der ESOX geschehen ist. Dass sie dort dann der Meinung waren, ohne den Schwarm besser dran zu sein, könnte auch aus der Angst vor genau dem geschehen sein, das dann passiert ist. Die Angst der anderen vor dem Neuen und Unbekannten (und vielleicht Überlegenen).
    Auf der SQUID verhält es sich vielleicht anders. Ich bin mir noch nicht sicher, ob hier nicht die SQUID auf die Menschen angewiesen ist, um sich weiter zu entwickeln und / oder zu überleben. Aber das werden wir bestimmt bald erfahren.



    Und die SQUID klingt anders, seitdem Rila an Bord ist! ( Wessen Empfinden war das jetzt? )
    Ich wage - noch zögernd freilich, denn ich taste mich so voran... - zu sagen, dass dieser Erzählstrang spannend werden wird. Schwierig zu verstehen, des mir fremden Themas wegen, aber spannend.
    Was wird Ugron aus seiner neuen Erkenntnis machen ( die Worte seines Priesters sind nur Schall und Rauch ), wie geht die Geschichte mit ihm und Rila weiter? Was ist SQUIDS Rolle? Welche Art von Organismus ist sie? Ein fühlender, denkender so wie es aussieht...!?
    Ich kann mich eines Gefühls drohenden Unheils nicht erwehren....

    Ich glaube, dass das Ugrôns Empfindung war, der auf eine ganz besondere Art mit dem Schiff verbunden scheint. Vielleicht, weil er eben nicht alles als gegeben hinnimmt, sondern die Dinge hinterfragt. Vielleicht ist er genau das, was die SQUID für ihre Entwicklung braucht. Angst oder kommendes Unheil empfinde ich hier gar nicht. Eigentlich nur Neugier.


    Und wieder ist da die Ethik des Tötens - eindrucksvoll in Worte gefasst von Kara, der Pazifistin! Wenn ich mich recht erinnere, war die junge Frau ob ihres forschen Auftretens vielen in der Leserunde suspekt, gar unsympathisch....
    Jetzt aber stellen wir fest, dass sie in Wirklichkeit eine Idealistin ist, die für den Frieden im All eintritt!


    Das allein macht sie mir allerdings noch nicht sympathisch ;)



    Aber ich bin sicher, dass die Giats, die Giftatmer ( wieder nach menschlichen Maßstäben! ), nicht dauerhaft im Hintergrund agieren werden, wie bisher. Die werden schon noch ihren großen Auftritt haben...
    Wiewohl - meine Einschätzung als Nicht-Science-Fiction-Leser ist natürlich geprägt von der Literatur, an die ich gewöhnt bin...

    Davon gehe ich allerdings auch aus.

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)


  • Dieses Kapitel hat mir sehr deutlich gemacht, wie faszinierend ich deinen Schreibstil finde, Robert. Das ist mir davor schon aufgefallen, aber gerade hier mit der Beschreibung von Wassergarten und Ugrôns Initiation wurde mir einmal mehr die Detailverliebtheit und die sehr schöne Sprache bewusst, mit der du alles darstellst. Und das ist kein Geschleime, das meine ich wirklich so


    Vielen Dank, das freut mich. :)



    Was hat Ugrôn gesehen, bzw. erfahren? Er versteht es ja selbst nicht.


    Noch nicht ... er wird es herausfinden, und die Leser werden dabei sein. ;)



    Jedenfalls scheint sie sehr pazifistisch eingestellt und strebt ein kommunikatives Völkerverständnis an.


    Das Blöde am Pazifismus ist eben, dass er nur klappt, wenn alle mitmachen - das wäre zumindest Starns Erwiderung.



    Sie kennen die Schwerkraft also doch, die Bewohner der MARLIN! Es gibt Räume, Module, zu Beginn des dritten Leseabschnitts auch den Planeten Wassergarten, wo es diese gibt bzw. wo sie simuliert wird ( Warum ist das denn in den Modulen möglich? Warum nicht im Raumschiff selbst? ).


    In diesen Modulen simulieren sie Schwerkraft über Rotogravitation, also Zentrifugalkraft. Man wird also wie die Blätter in einer Salatschleuder (oder Leute in einem Kettenkarussel) an die Außenwand gedrückt. Das Gefühl, wie stark dieser Andruck ist, hängt vom Drehradius und der Drehgeschwindigkeit ab. Man kann also entweder schnell und mit kleinem Radius drehen oder langsamer mit weiterem Radius, um auf eine erdähnliche Schwerkraftillusion zu kommen. Aber: zum Drehmittelpunkt hin nimmt die Zentrifugalkraft ab. Im Zentrum herrscht immer Schwerelosigkeit - ähnlich wie im Auge eines Wirbelsturms. Je weiter außen man sich befindet, desto höher der Andruck. Wenn der Radius zu klein ist, sind gut eineinhalb Meter näher am Zentrum schon ein spürbarer Unterschied. Sprich: Ein Mensch würde merken, dass seine Füße deutlich schwerer sind als sein Kopf, das Blut würde sich in den Füßen stauen, etc. Also besser ein großer Radius und langsam drehen. Minimal notwendig, damit es nicht zu spürbaren Nebeneffekten kommt, sind drei Kilometer.
    Nun könnte man auch ein sechs Kilometer großes Raumschiff bauen, das entsprechend rotiert. Am Rand des Raumschiffs würde dann eine Schwerkraft wie auf der Erde gefühlt werden. Zum Zentrum des Raumschiffs hin hätte man das Gefühl, nach oben zu gehen - man würde also Leitern oder Treppen hinaufsteigen und sich dabei bei jeder Sprosse oder Stufe ein bisschen leichter fühlen, bis man im Zentrum des Schiffs, dem Drehpunkt, wieder schwerelos wäre.
    Man sieht: Das hätte einige Nebeneffekte, das Schiff müsste rotieren, und man könnte den Raum nicht mehr so gut ausnutzen wie in der Schwerelosigkeit. Deswegen fährt die Marlin (die nur 2 Kilometer durchmisst, nicht 6) Rotationsmodule aus, die um sie herum rotieren.



    Ich wage - noch zögernd freilich, denn ich taste mich so voran... - zu sagen, dass dieser Erzählstrang spannend werden wird. Schwierig zu verstehen, des mir fremden Themas wegen, aber spannend.


    Er ist in deutlich "Fantasy-kompatibler" als der andere Handlungsstrang. ;)



    Als ich las, dass jedes Raumschiff seine eigenen Strukturen hat, habe ich mir das wie die Staaten unsrer Erde, oder zumindest Europas vorgestellt ( Vertrautes ist mir halt wichtig, um zu verstehen...).


    In diesem Fall ist der Vergleich auch sehr gut. ;) Der Schwarm ist so eine Art UNO im Weltall.



    Ich hätte nicht gedacht, dass ein SciFi-Roman soviel Potential zum Nachdenken und Diskutieren bereit hält. Ich glaube, ich habe das Genre kräftig unterschätzt.


    ;D
    Das habe ich auf so ziemlich jeder BattleTech-Lesung gehört - allerdings dann bezogen auf BattleTech, nicht auf Science-Fiction allgemein.



    Die Priesterweihe von Ugrôn fand ich schon sehr seltsam. Was genau hat er da erlebt? Oder war das eher vergleichbar mit einer Nahtoderfahrung?


    Ja, bestimmt ...



    Und hatte er schon vorher Zweifel an seinem Glauben? Ich denke schon.


    Zumindest hat er sich schon in seiner ersten Szene (mit Batuo an Rilas Lager) sehr eigenständige Gedanken gemacht ...



    Und wer oder was genau sind die Koexistensialisten?


    Letztlich vertreten sie die Ansicht, dass das Universum groß genug ist, damit alle Lebewesen dort ihren Platz finden - also koexistieren - können, und es daher eigentlich keinen Grund für Kriege gibt.



    Der Einsatz auf der ESOX mit so fatalen Folgen hat sich bei mir noch nicht gesetzt, d.h. so ganz verstehe ich ihn noch nicht. Ist die ESOX nicht auch Teil des Schwarms?


    Ja, genau. Es war ein Bürgerkrieg.



    Ich habe das so verstanden, dass der Einsatz der Zerstörung des Hauptrechners galt! Warum? Und warum wusste die kämpfende Truppe nichts von der Verbindung zwischen dem Rechner und den Bewohnern?


    Weil man der Meinung war, dass die Bewohner der ESOX ihr Menschsein geopfert haben und sich zu Sklaven einer Maschine gemacht haben.
    Aber so ganz genau wusste man über die dortigen Verhältnisse eben nicht Bescheid ... Oder hat die Admiralität den Soldaten etwas verschwiegen, als sie sie in den Einsatz geschickt hat?



    Wiewohl - meine Einschätzung als Nicht-Science-Fiction-Leser ist natürlich geprägt von der Literatur, an die ich gewöhnt bin...


    Wenn ich es recht verstanden habe, hast Du sowohl "Brave New World" als auch "1984" gelesen? Das sind Klassiker der Science-Fiction-Literatur - so ganz neu bist Du im Genre also doch nicht. ;)



    Um nun mal auf deine Frage zurück zu kommen, die sich hier inzwischen ja auch andere gestellt haben: ich denke, so lange der Mensch sich seiner selbst bewusst ist, ist er Mensch.


    Eine valide Einstellung mit radikalen Konsequenzen. ;)
    Stell Dir vor, Dein Kind geht in die Schule, und die Hälfte der Klassenkameraden hat eine Gehirnerweiterung wie Koichy. Die lösen die kompliziertesten Rechenaufgaben so schnell und präzise wie ein Computer. Sie brauchen nicht zu pauken, wenn sie sich an etwas erinnern wollen, speichern sie es einfach in ihrer Hirnerweiterung ab - ein fotografisches Gedächtnis. Sie brauchen auch kein Smartphone, sie sind ständig online, wenn sie das wollen.
    Welche Zensuren wird Dein Kind erreichen, welche die Optimierten?
    Wenn das erlaubt wird, ist die Frage, ob man es sich überhaupt noch leisten kann, sich nicht ebenfalls eine Erweiterung ans Gehirn zu verkabeln.
    Was nicht heißt, dass ich das prinzipiell schlecht finde. Ich möchte nur den Gedanken anstoßen, dass das das Ende der Menschheit wäre, wie wir sie kennen. Ob das, was danach kommt, besser oder schlechter ist als wir, muss jeder für sich selbst überlegen - da gibt es kein Richtig oder Falsch ...


  • Die Frage, was man sich leisten kann bzw. muss zur Optimierung der Leistungen stellt sich auch heute schon - da müssen wir gar nicht Jahrhunderte in die Zukunft schauen. Auch wenn wir uns noch nicht persönlich optimieren. Und die unterschiedliche Auffassungsgabe oder Leistungsfähigkeit und der daraus resultierende Neid sind so alt wie die Menschheit (ich lese gerade parallel über Galilei und Kepler und da tritt das gleiche Phänomen auf).
    Und ja natürlich wird das das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen. Wir brauchen doch nur mal darüber nachdenken, wie sehr sich die Menschheit mit den Möglichkeiten der Technik schon in der kurzen Zeitspanne seit unserer Geburt verändert hat. Unser tägliches Leben ist schon sehr anders, als das unserer Großeltern. Diese Entwicklung wird sich nicht verlangsamen. Und um auf die Story zurückzukommen: wir sind um die 1000 Jahre in der Zukunft, haben unseren Heimatplaneten und alle Kolonien verloren und müssen uns verdammt nochmal (Sorry für den Ausdruck) um unser Überleben kümmern. Und wenn wir unter diesen Umständen die Chance haben uns als Menschen(!) weiterzuentwickeln - warum sollten wir diese nicht nutzen?

    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)


  • Und ja natürlich wird das das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen. Wir brauchen doch nur mal darüber nachdenken, wie sehr sich die Menschheit mit den Möglichkeiten der Technik schon in der kurzen Zeitspanne seit unserer Geburt verändert hat. Unser tägliches Leben ist schon sehr anders, als das unserer Großeltern.


    Da ist etwas dran: Wäre ich 50 Jahre früher geboren worden, hätte ich ein komplett anderes Leben geführt - auch ohne Kriege und sonstige Katastrophen. Es hätte einfach ganz andere Optionen der beruflichen und privaten Lebensgestaltung gegeben. Und keine Leserunden - schon allein deswegen will ich nicht dahin zurück. ;D


  • Wenn ich es recht verstanden habe, hast Du sowohl "Brave New World" als auch "1984" gelesen? Das sind Klassiker der Science-Fiction-Literatur - so ganz neu bist Du im Genre also doch nicht. ;)


    Ja gewiss! Das erste Mal zu Schulzeiten, da war beides Pflichtlektüre, und dann, später, noch ein weiteres Mal. Bei uns liefen die beiden Romane unter "Utopien", aber klar, man kann dazu wohl auch Science Fiction sagen.
    Übrigens, "1984" habe ich erstmals im Jahr 1968 gelesen, in einem Jahr also, in dem die meisten hier im Forum gerade erst oder noch garnicht geboren waren... George Orwells Vision machte uns damals gehörig Angst! Dass sie dann, als wir tatsächlich das Jahr 1984 schrieben, in vielen Punkten bereits Wirklichkeit geworden wäre, hätte niemand von uns, die wir den Roman gute 16 Jahre vorher gelesen hatten, für möglich gehalten....

  • Ich habe den 3. Abschnitt beendet und möchte meine frischen Eindrücke aufschreiben, bevor ich dann gleich nachlese, wie dieser Abschnitt auf euch gewirkt hat!


    Der komplette 3. Abschnitt hat mich restlos begeistert! Ich bin endlich richtig angekommen und sehe alles bildhaft vor mir. Am Ende des Abschnitts war ich ergriffen, berührt und sehr nachdenklich. Die zärtlichen Töne zwischen den Zeilen wirkten wie ein ganz besonderer Zauber auf mich! Vielleicht empfand ich auch etwas wie Demut. Und ganz sicher fühlte ich mich auch etwas "klein", doch das fühlte sich nicht negativ an sondern einfach nur beruhigend.


    Der Wassergarten zu Beginn war schon absolut faszinierend. Die Stimmung ist eine ganz Besondere und auf S. 112 kommen wieder einige so unfassbar schöne Stellen, dass ich einen leichten Gänsehauteffekt hatte. "Stumm hatten sie nach oben geschaut, ins Herz des Sterns, und sich bei den Händen gehalten." :herz: Was für ein zauberhafter, unbeschreiblich schöner Moment. "Vor den wirklich großen Dingen muss man schweigen" lautete ein Lehrsatz der Kirche des Void....Ich empfinde Demut und fühle mich gerührt.
    Die Priesterweihe. Das Gefühl dieser feierlichen, würdevollen Weihe "zuzusehen" hat mir mehr als einen weiteren Gänsehautmoment beschert und auch einen trockenen Hals, sowie feuchte Augen. Ein sehr sehr schöner Moment.


    Kommen wir nun zu Starn & Kara. Sie sind schon seeeeehr verschieden. Eben noch unbeschwert und naiv tollen beide im Schwimmbad herum (sehr amüsant, ich musste doch mehrmals schmunzeln) und dann kommt dieser Bruch in ihrer Kabine. Noch deutlicher konnte der Autor die UNterschiede zwischen den Beiden nicht machen, wenngleich sie vorher wirklich Spaß miteinander hatten. Aber ihre Ansichten gehen weit auseinander. Kara kann ihr junges Mundwerk auch noch nicht zügeln und trägt ihr Herz auf der Zunge. Starn fühlt sich seinerseits viel zu schnell angegriffen, hat das Gefühl sie würde ihn anklagen usw. Was wir innerhalb dieser Szene alles erfahren über die Giats und was sich auf der Esox abgespielt hat macht förmlich sprachlos. Allein der Gedanke, dass man den Menschen so optimiert und schon bei Säuglingen damit beginnt, jagt einem einen Schauer über den Rücken ABER: Das ist absolut realistisch! Der Mensch an sich strebt ja nahezu immer dahin, alles zu optimieren, die Technik voran zutreiben und was möglich ist, wird er auch einsetzen, ohne Skrupel. Menschen machen Fehler. Warum diese Fehler nicht ausmerzen, den Mensch optimieren, perfektionieren und....am Ende auf diesem Weg dorthin gar das Mensch-sein verlieren, freiwillig aufgeben? Die Weichen für solche eine Entwicklung haben wir längst gestellt. Da muss man nicht weit gucken. Und selbst heutzutage steht oft nicht mehr nur ein Arzt im OP sondern man wird von einem Roboter operiert! Wenn man nun solche Entwicklungen jahrhundertelang vorausdenkt, ist das wirklich glaubwürdig, aber nicht minder beängstigend.


    Ugron stellt am Ende Batuo in Frage und öffnet sich Rila gegenüber. Sie hat etwas in ihm verändert. Er kommt nicht dagegen an und auch Rilas Faszination für die Squid ist ungebrochen. Manchmal kann man gemeinsam mehr erreichen, wenn einer den anderen ergänzt. Wenn Stärken und Schwächen sich gegenseitig ausbügeln. Rila wird noch eine entscheidende Rolle spielen und Ugron wird sicher einiges umkrempeln. Ich bin mehr als gespannt.


    Ein SciFi Roman, gespickt mit den grundlegenden Fragen der Menschheit. Was eine faszinierende Mischung. Ich freue mich auf den nächsten Abschnitt.


    Ich hoffe ihr seid ebenfalls endlich angekommen. Ich hatte ja im ersten Abschnitt erhebliche Probleme aber davon kann ich jetzt nichts mehr spüren. Robert hatte recht. (Hat er eigentlich (fast) immer! :D )

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.