02 - Seite 100 - Seite 203 (Kapitel 17 - einschl. Kapitel 28)

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  • Die Geschichte, nein, das Buch nimmt mich gefangen. Ich mußte einfach weiterlesen!


    Welch ein Glück für Fortune (fortune = Vermögen, Glück, Geschick, Schicksal), daß er erneut auf Lian trifft.


    Lian will ihm das lehren, was er braucht, um sich in China zurechtzufinden. Sie will ihn beschützen, so lange er ihres Schutzes bedarf.


    Wang ist in Lians Augen ein Schmarotzer, der wenig für das Geld von Fortune tut.


    Canton ist wie ein Garten Eden für Fortune. Er ist fasziniert von der Vielfalt, nicht nur der Blumen, sondern auch der Tees.


    Die Entdeckungsreise in der Botanik wird erweitert in eine philosophische Reise. Für Fortune ist die chinesische Sprache wie Poesie. Fortune und Lian philosophieren über das Leben.


    Es ist schön zu sehen, wie sie sich behutsam einander nähern, einander kennenlernen, ihr Leben betrachten.


    Ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht!

  • Hm... Lian und Robert. Tja, es scheint eine enge Freundschaft zu werden.
    Sie ergänzen sich, beschützen sich und sind tief verbunden.
    Eigentlich sehr schön so was.


  • Hm... Lian und Robert. Tja, es scheint eine enge Freundschaft zu werden.
    Sie ergänzen sich, beschützen sich und sind tief verbunden.
    Eigentlich sehr schön so was.


    Und so, wie es sich jetzt "anfühlt" könnte ich mir gar nicht vorstellen, dass sich da eine Liebesgeschichte entwickeln soll.
    Nicht, weil es unmöglich wäre, sondern, weil ich es einfach noch nicht "sehe", die Liebe zur Botanik, könnte wohl eh nichts übertreffen
    und Lians Freiheit, ist für sie doch das kostbarste Gut.
    Ich kann mir vorstellen, das sie diesen Punkt der Beziehung mal kurz berühren oder kurz davor halt machen, aber ich sehe Robert
    trotzdem zu seiner Jane und den Kindern zurückkehren.
    Bei so einem tollen Thema brauche ich keine Lovestory, nehme sie aber auch dankbar an.. :-)

  • Robert hätte wohl nie gedacht, dass eine harmlose Pflanzensuche, zu solch einem Abenteuer würde.
    Die Bauernjungn, die Pagode, die Straßenjungen von Shanghai und dann die enge Gasse, wo er Lian retten wollte.
    as war zwar ritterlich, aber auch ein bissl dämlich, ich glaube, er weiß das jetzt und Lian erkennt es trotzdem an.
    Immerhin wurde Lian dadurch eines klar, sie muss ihm noch ein wenig zur Seite stehen, dieser Mann braucht Unterricht
    in Kampf und einschätzen einer Lage.
    Den Kampf mit "großer Bruder" hatte Lian bald wieder im Griff, ihn wiederzusehen, weswegen sie die Gruppe, ihr Zuhause
    verlassen hatte, wahr ein kleiner Schock, alles kam wieder hoch. Doch am Ende trollen sich Bruder und Aushilfsbruder davon.
    Ich denke, wir werden ihn/sie wieder treffen.


    Mir ist eines aufgefallen:
    Dadurch, das wir praktisch 3 Erzählstränge haben, Robert, Lian und Jane, habe ich bemerkt, dass ich in unterschiedlichen
    Geschwindigkeiten lese, Robert - normal, Jane - schnell und Lian - sehr langsam, fast schwelgerisch.
    :lesen:


  • Hallo SABO :)


    das ist ein interessanter Aspekt und zeigt uns, wie individuell wir lesen und einen eigenen Rhythmus finden. Überhaupt habe ich das Gefühl, von dieser Geschichte in eine Welt getragen zu werden, die ganz eigenen Regeln folgt, die rational nicht erklärbar sind. So faszinierend wie die weiten Landschaften Chinas sind die komplexen Verästelungen der Psyche und der Beziehungen dieser Menschen, die sich so langsam entwickeln und oft nur durch Blicke, Gesten und Bilder spürbar werden. Zum Beispiel in der Szene, als Fortune und Lian zusammen in der Garküche essen, liest sie ihn mit den Augen und versucht, sein Wesen zu ergründen. Das alles geschieht auf einer nonverbalen, intuitiven Ebene und das vertieft noch den Reiz dieser Begegnungen. Dennoch verlässt sie ihn wieder und wählt die Freiheit, die ihr so wertvoll ist, Zuflucht und Rettung zugleich.
    Als diese Männer sie angreifen, wird sie konfrontiert mit ihrer Vergangenheit und es kommt etwas in Bewegung bei ihr - auch ausgelöst durch Fortune. Ihre Sicht auf die Welt beginnt sich zu verändern.
    Alles hat eine tiefere Bedeutung, geht über das Sichtbare hinaus, wie in diesem innigen Moment zwischen Lian und Fortune bei den Narzissen. Sie reden von viel mehr als ihre Worte sagen, sie sprechen über sich und ihr Schicksal. Beide lernen voneinander mit Respekt für das Fremde, Unvertraute. Als sie gleichzeitig zu lachen anfangen und sich kaum beruhigen können, öffnet sich eine Tür und gibt den Blick frei auf tiefere Gefühle - Anziehung, Begehren und die Angst, sich zu verlieren.

  • Hallo SABO :)


    das ist ein interessanter Aspekt und zeigt uns, wie individuell wir lesen und einen eigenen Rhythmus finden. Überhaupt habe ich das Gefühl, von dieser Geschichte in eine Welt getragen zu werden, die ganz eigenen Regeln folgt, die rational nicht erklärbar sind. So faszinierend wie die weiten Landschaften Chinas sind die komplexen Verästelungen der Psyche und der Beziehungen dieser Menschen, die sich so langsam entwickeln und oft nur durch Blicke, Gesten und Bilder spürbar werden. Zum Beispiel in der Szene, als Fortune und Lian zusammen in der Garküche essen, liest sie ihn mit den Augen und versucht, sein Wesen zu ergründen. Das alles geschieht auf einer nonverbalen, intuitiven Ebene und das vertieft noch den Reiz dieser Begegnungen. Dennoch verlässt sie ihn wieder und wählt die Freiheit, die ihr so wertvoll ist, Zuflucht und Rettung zugleich.
    Als diese Männer sie angreifen, wird sie konfrontiert mit ihrer Vergangenheit und es kommt etwas in Bewegung bei ihr - auch ausgelöst durch Fortune. Ihre Sicht auf die Welt beginnt sich zu verändern.
    Alles hat eine tiefere Bedeutung, geht über das Sichtbare hinaus, wie in diesem innigen Moment zwischen Lian und Fortune bei den Narzissen. Sie reden von viel mehr als ihre Worte sagen, sie sprechen über sich und ihr Schicksal. Beide lernen voneinander mit Respekt für das Fremde, Unvertraute. Als sie gleichzeitig zu lachen anfangen und sich kaum beruhigen können, öffnet sich eine Tür und gibt den Blick frei auf tiefere Gefühle - Anziehung, Begehren und die Angst, sich zu verlieren.


    Hallo Emmy,


    Du hast es wunderbar formuliert! Ich ziehe meinen imaginären Hut!

  • Hallo SABO :)


    das ist ein interessanter Aspekt und zeigt uns, wie individuell wir lesen und einen eigenen Rhythmus finden. Überhaupt habe ich das Gefühl, von dieser Geschichte in eine Welt getragen zu werden, die ganz eigenen Regeln folgt, die rational nicht erklärbar sind. So faszinierend wie die weiten Landschaften Chinas sind die komplexen Verästelungen der Psyche und der Beziehungen dieser Menschen, die sich so langsam entwickeln und oft nur durch Blicke, Gesten und Bilder spürbar werden. Zum Beispiel in der Szene, als Fortune und Lian zusammen in der Garküche essen, liest sie ihn mit den Augen und versucht, sein Wesen zu ergründen. Das alles geschieht auf einer nonverbalen, intuitiven Ebene und das vertieft noch den Reiz dieser Begegnungen. Dennoch verlässt sie ihn wieder und wählt die Freiheit, die ihr so wertvoll ist, Zuflucht und Rettung zugleich.
    Als diese Männer sie angreifen, wird sie konfrontiert mit ihrer Vergangenheit und es kommt etwas in Bewegung bei ihr - auch ausgelöst durch Fortune. Ihre Sicht auf die Welt beginnt sich zu verändern.
    Alles hat eine tiefere Bedeutung, geht über das Sichtbare hinaus, wie in diesem innigen Moment zwischen Lian und Fortune bei den Narzissen. Sie reden von viel mehr als ihre Worte sagen, sie sprechen über sich und ihr Schicksal. Beide lernen voneinander mit Respekt für das Fremde, Unvertraute. Als sie gleichzeitig zu lachen anfangen und sich kaum beruhigen können, öffnet sich eine Tür und gibt den Blick frei auf tiefere Gefühle - Anziehung, Begehren und die Angst, sich zu verlieren.


    Das hast du wunderschön in Worte gefasst, so dass ich momentan nicht wüsste, was dem noch hinzuzufügen wäre. :winken:



    Wang ist in Lians Augen ein Schmarotzer, der wenig für das Geld von Fortune tut.


    Canton ist wie ein Garten Eden für Fortune. Er ist fasziniert von der Vielfalt, nicht nur der Blumen, sondern auch der Tees.


    So unrecht hat Lian mit ihrer Einschätzung vermutlich nicht. Wie man Wang bisher kennengelernt hat, schätze ich ihn als Großsprecher ein, der nur leider seinen Worten nicht die passenden Taten folgen lässt. Auch ist er sehr von sich eingenommen.


    Wie Fortune den Tee sieht, finde ich äußerst spannend. Das, was er in China angeboten bekommt, hat kaum Ähnlichkeit mit dem, was er aus seiner Heimat kennt. Ich vermute mal, dass China nur einen Bruchteil der Auswahl exportierte, die es eigentlich gab. Dass man auch in Europa aus einer Vielfalt verschiedener Tees aus allen möglichen Anbaugebieten und in allen Varianten wählen kann, ist ja erst in unserer Zeit so geworden, worüber ich sehr froh bin. Wenn ich noch einige Jahrzehnte zurück denke, war hier bei uns die Auswahl vermutlich nicht sehr viel größer als damals, wie Fortune sie kannte. Ich kann mich erinnern, es gab bei uns in der Stadt ein einziges Geschäft, in dem es neben Kaffee auch losen Tee gab. Da konnte man gerade mal zwischen drei oder vier Sorten Schwarztee wählen, und grünen Tee gab es damals lediglich Gunpowder. Wie gut haben wir es da heutzutage, denn wir können zwischen so vielen Sorten wählen, dass wir uns vermutlich fühlen müssten wie Fortune beim Besuch des Teegeschäfts.

  • Die Erklärungen zu Jianghu sind sehr spannend. Es ist eher ein Zustand als eine Bezeichnung für eine bestimmte Menschengruppe. Mir fällt jetzt auf Anhieb nichts vergleichbares bei uns Europäern ein.


    Auch ist es eine Mischung aus Respekt und Furcht, die man solchen Menschen entgegenbringt. Sie bringen Glück aber man muss sie gleichzeitig mit Essen und Unterkunft positiv stimmen... damit sie nicht doch Unglück bringen.


    Hier kommt die geballte Fremdheit des fernen Ostens durch. So richtig verstehen können wir das, glaub ich nicht. Man kann sich natürlich - so wie Fortune mit seinem Robin Hood - etwas Schönes raussuchen.


    Irgendwie finde ich es aber auch einen traurigen Zustand - den Lian sich schon etwas schön redet. Ohne Wurzeln heißt ja auch, ohne Heimat für sie, ohne Familie, ohne Freunde, ja auch oft ohne Essen, ohne Dach über dem Kopf. Fortune sieht hier doch mehr die positiven Seiten, denke ich. Ein Vorteil, den ich auch sehe, ist natürlich, dass sie nicht irgend einen herrschsüchtigen Mann heiraten musste, dass sie tun kann, was sie will, ihr eigener Herr ist. Das sollte ich wohl nicht unterschätzen, das war ja damals für Frauen selten so.


    Die Vergangenheit holt Lian ein. Aber Fortune revanchiert sich und rettet diesmal sie. Auch wenn er kein Held ist, ein Feigling ist er definitiv nicht. Ich hatte also recht mit meiner Vermutung, dass sie geflohen ist vor einem Mann in ihrer Familie. Ich fürchte ja, den sehen wir nochmal wieder. :(


    Wang hatte ein paar richtig gute Auftritte. Z.B. als er von seinen Kindern spricht und dann einräumt, dass es ja noch imaginäre Kinder sind. Da musste ich richtig lachen. Der Kerl ist göttlich. Doof und unverschämt, faul und egoistisch, aber göttlich. 8)


    Toll war die Beschreibung, wie die Chinesen - oder zumindest die, die Lians Glaubensrichtung haben - sich die Entstehung der Welt vorstellen. Wunderschön und harmonisch irgendwie.


    Und dann fand ich noch erwähnenswert, dass für Lian Chian rückständig ist. Zumindest, was den technischen Fortschritt angeht, hat sie da recht. China hat sich gegen den Rest der Welt so abgeschirmt, dass sie jetzt alle neuen Erfindungen erst mal importieren müssen. Eine Erkenntnis, die für mich überraschend war. China hat der Welt viele Pflanzen gebracht und die Welt China den technischen Fortschritt.


  • Das sehe ich ähnlich wie Du. Obwohl man spürt, dass sie da schon was verändert die letzten Seiten. Ich will nicht sagen, dass es schon knistert. Aber z.B. findet sie ihn nicht mehr hässlich - entdeckt schöne äußere und innere Dinge an ihm. Und er vermisst ihr Atmen beim Schlafen. Da kommt plötzlich auch bei ihm eine Aufmerksamkeit, die nichts mit Pflanzen und Arbeit zu tun hat.
    Sie sind halt so fremd, dass sie länger brauchen für eine Annäherung. Und ich sehe ihn auch zu Jane zurückkehren. Aber es könnte noch eine Überraschung für uns geben. Und Wang wäre sicher schockiert davon. ;D


  • Toll war die Beschreibung, wie die Chinesen - oder zumindest die, die Lians Glaubensrichtung haben - sich die Entstehung der Welt vorstellen. Wunderschön und harmonisch irgendwie.


    Pangu, dem das Ei zu groß wurde, das platzte, ist mit dem Urknall gleichzusetzen, mit ihm hat sich das Weltall ausgedehnt, er stützt den Himmel,
    verdichtet die Erde..als auch sein Ende kommt, werden aus ihm die Himmelsrichtungen und die Elemente. Der erste Tag der Erde.
    Erzählt, wie ein altes Märchen, hat mir auch gut gefallen.


  • .. dass ich in unterschiedlichen
    Geschwindigkeiten lese, Robert - normal, Jane - schnell und Lian - sehr langsam, fast schwelgerisch.
    :lesen:


    Mir geht es eher so, dass ich das Tempo als solches als anders empfinde.
    Zumindest bei Jane ist alles langsam, nachhaltig, bedächtig. Unter anderem entsteht das auch dadurch, dass bei ihr so viele Absätze im Text sind. Da hält man unmerklich nach jedem kurz inne. Wie sich das ja auch für einen Absatz gehört. Ich denke, da gibt Nicole für uns das Tempo vor. ;)


    Fortune erzählt sozusagen aus unserer Sicht - wie Du sagst - kann man ganz normal runter lesen.
    Und Lian eröffnet uns durch ihre Augen eine so exotisch-fremde Welt, dass man sich durch die Infos bereichert fühlt und auch mal innehalten muss, um darüber nachzudenken.


    Will sagen, dass Nicole bei jeder Stimme auch den Erzählstil ein bisschen verändert und wir dadurch unterschiedliche Lesegefühle bekommen.

  • Wie Fortune den Tee sieht, finde ich äußerst spannend. Das, was er in China angeboten bekommt, hat kaum Ähnlichkeit mit dem, was er aus seiner Heimat kennt.


    Also das ist ja auch heutzutage sicher noch so. Z.B. was das Essen betrifft. Wenn man hier Indisch oder Chinesisch essen geht hat das nichts mit dem Essen zutun, dass man in den jeweiligen Ländern bekommt. Das ist immer Europäisiert. Und das Tee-Trink-Verhalten ist ja bei uns immer noch mehr so, dass wir viel mehr Tee trinken, der noch jede Menge andere Dinge enthält. Aromastoffe die der Chinese in seinem Tee nicht mag, da er am liebsten den reinen Tee ohne Himbeerblätter und Hagebutte usw. mag. Bei denen ist der Tee auch etwas ganz anderes - kulturell gesehen.

  • Hallo SABO :)
    das ist ein interessanter Aspekt und zeigt uns, wie individuell wir lesen und einen eigenen Rhythmus finden. Überhaupt habe ich das Gefühl, von dieser Geschichte in eine Welt getragen zu werden, die ganz eigenen Regeln folgt, die rational nicht erklärbar sind.


    Hallo Emmy! :-)
    Normalerweise ist es auch so, aber irgendwie fand der Rhytmus mich, so als hätten die Abschnitte eine zeitliche Beschränkung bzw eine Geschwindigkeitsbegrenzung, das ging ganz automatisch. Aber wie du schreibst, man wird in eine Welt fortgetragen und dass das Buch
    über ein Leseverhalten bestimmt, ist nicht wirklich rational.


    Wegen Lians Fortgehen:
    Ich hatte den Eindruck, Fortune habe, indem er ein Angebot machte, die Frage falsch gestellt. Lian wollte nicht bezahlt werden, irgendwie
    hat er dadurch das scheue Mädchen vertrieben. Geld anzunehmen, wäre wie ein Vertrag und einen Vertrag nicht einhalten, wäre unehrenhaft.
    Lian kann dann nicht einfach aufstehen und gehen, wohin ihr der Sinn steht, schon allein der Gedanke, das sie sich um Robert sorgt, beschneidet ihre Freiheit. Dann kommt sie mir vor, wie ein in den Regen geratener Vogel, der erst die Feuchtigkeit wieder loswerden muss, um optimal zu fliegen.
    Die Gedanken um Robert, sind wie ein zusätzliches Gewicht, das ihre Konzentration mindert. Wie sonst, hätte sie in der Gasse von "Bruder" überrascht werden können? So kennt sie sich gar nicht, sie mochte dieses fremde Gefühl gar nicht leiden..

  • Also das ist ja auch heutzutage sicher noch so. Z.B. was das Essen betrifft. Wenn man hier Indisch oder Chinesisch essen geht hat das nichts mit dem Essen zutun, dass man in den jeweiligen Ländern bekommt. Das ist immer Europäisiert. Und das Tee-Trink-Verhalten ist ja bei uns immer noch mehr so, dass wir viel mehr Tee trinken, der noch jede Menge andere Dinge enthält. Aromastoffe die der Chinese in seinem Tee nicht mag, da er am liebsten den reinen Tee ohne Himbeerblätter und Hagebutte usw. mag. Bei denen ist der Tee auch etwas ganz anderes - kulturell gesehen.


    Da hast du sicher Recht, die westlichen Gewohnheiten unterscheiden sich zum großen Teil stark davon, wie Tee in seiner Heimat konsumiert wird, so auch beim chinesischen Essen, das wir aus den Restaurants hier kennen. Aber gerade durch das Internet ist die Welt quasi näher zusammengerückt, und man hat mittlerweile alle Möglichkeiten, den Tee bei uns so zu genießen wie im Ursprungsland selbst, notfalls kann man sich seinen Tee und die benötigten Gerätschaften auch direkt aus China liefern lassen und das in einer akzeptablen Zeit. Vermutlich war es mit Tee nicht anders wie mit seltenen Pflanzen, denn da hat Fortune ja auch feststellen müssen, dass nicht alles, was er sieht und kaufen möchte, für ihn auch erreichbar ist.



  • Mir geht es eher so, dass ich das Tempo als solches als anders empfinde.
    Zumindest bei Jane ist alles langsam, nachhaltig, bedächtig. Unter anderem entsteht das auch dadurch, dass bei ihr so viele Absätze im Text sind. Da hält man unmerklich nach jedem kurz inne. Wie sich das ja auch für einen Absatz gehört. Ich denke, da gibt Nicole für uns das Tempo vor. ;)


    Für Jane selber schon, auch wenn ihr Tagwerk getan ist, denkt sie an ihrem Mann, sie wartet.
    Aber ich lese in Geschwindigkeit über ihre Briefe, ohne, das ich ihren Sinn verliere, die Erzählform schafft für mich eine große Distanz.
    (Außerdem, was anderes als Kindergeschichten und das sie ihn vermisst kann da drin stehen, sie hat immer die gleichen Tage)
    Trotzdem kommt immer auch etwas kleines Privates hinzu, wie sie zu Robert gekommen ist, die Unterschiede der gleichen Kirche oder, das
    ihr Vater ein Knecht war und ihr jetziger Familienstatus, eigentlich bemerkenswert ist..
    Ich sehe sie positiv, schon allein wegen ihres friedlichen Wesens, sie hat keine Allüren. Das sie bei Robert Fortune "untergeht", habe ich
    keine Angst, so vernünftig er sich in eine Frau hineinversetzen kann. Und weil er Frauen respektiert und nicht der gleichen Meinung ist, wie seine Geschlechtsgenossen, haben eine liebevolle und freundschaftlich Verbindung.


    Es liegt daran, wenn sich eine Story verdichtet, liest man mit mehr Achtsamkeit.
    Innehalten kommt bei mir automatisch, wenn es mir danach ist, nicht nach Vorgabe.. ;-)

  • Was ich mich wirklich frage, wie überlebt so ein Glaskasten die Überfahrt, wer sorgt dafür, das die Pflanzen genug Licht bekommen?
    🌼


  • Was ich mich wirklich frage, wie überlebt so ein Glaskasten die Überfahrt, wer sorgt dafür, das die Pflanzen genug Licht bekommen?
    🌼


    Wenn er luftdicht verschlossen ist und nicht beschädigt wird, entsteht eine Art Binnenklima, vergleichbar mit einem Gewächshaus. Weil er aber viel kleiner ist, verdunstet das Wasser nicht, sondern läuft immer wieder innen an den Scheiben runter und macht die Erde feucht. Mit Glück können Setzlinge, die schon einigermaßen gut verwurzelt sind, ein paar Wochen überstehen, falls sie nicht zu kalt werden oder in der prallen Sonne stehen. Wahrscheinlich hat Fortune den Leuten auf den Schiffen entsprechende Anweisungen gegeben. :)

  • Will sagen, dass Nicole bei jeder Stimme auch den Erzählstil ein bisschen verändert und wir dadurch unterschiedliche Lesegefühle bekommen.


    Hallo gagamaus und SABO :)
    Klusi und Anne - danke für euren lieben Worte, ich freue mich sehr darüber :bussi:


    Das empfinde ich auch so wie ihr. Die drei Hauptpersonen sind uns so nah, weil jeder von ihnen eine eigene Stimme hat und andere Worte findet, einen ganz eigenen Erzählduktus. Für Lian ist die Welt angefüllt mit Geschichte, Vergangenheit und uralter Weisheit. Ihre Sprache ist geprägt von Symbolen, Metaphern und Bildern, die immer wieder aufblitzen - mal an schmerzhafte Erfahrungen erinnernd, mal an intensive Momente voller Glück und dem Gefühl von selbstbestimmter Freiheit. Das macht Lian als Person und als Ich - Erzählerin so faszinierend.
    Bei Fortune geht das Sprachliche auch sehr tief, man spürt aber, dass es vor allem in ihm stattfindet, was er erlebt - in seiner Psyche, seiner Seele, seinem Körper. Es gibt nur wenige Kommunikationsfäden nach außen. Das ändert sich erst, als er die ersten zaghaften Gespräche mit Lian führt, nach dieser langen Phase des Beobachtens.
    Bei Jane steht das Pragmatische im Vordergrund - daher die eher kurzen Sätze, die vor allem Dinge ihres Alltags betreffen. Aber das ändert sich auch, je länger Robert fortbleibt. Ihre Gedanken werden schweifender, suchender und das schlägt sich auch in der sprachlichen Gestaltung ihrer Passagen nieder. Sie beginnt so nach und nach, die Leere, die er hinterlassen hat, mit ihrer Lebenswirklichkeit und ihren Vorstellungen zu füllen. Auch das geschieht allmählich und bezieht ihr gesamtes Wesen mit ein, sowohl die körperliche Ebene, als auch die seelische und rationale.

  • Hallo ihr Lieben,


    ich freu mich an jeder Zeile, die ihr schreibt - und sehr an euren Überlegungen und Spekulationen zu Fortune und Lian ...



    Welch ein Glück für Fortune (fortune = Vermögen, Glück, Geschick, Schicksal), daß er erneut auf Lian trifft.


    Ganz am Anfang, als ich für mich verschiedene Möglichkeiten durchspielte, wie sich die (da noch recht grobe) Idee für diesen Roman am besten umsetzen ließe, schwirrte mir eine Zeit lang der Gedanke durch den Kopf, den historischen Robert Fortune nur als Vorlage für einen fiktiven Botaniker zu nehmen.
    Aber da war eben dieser so perfekte, bedeutungs- und symbolreiche Name - und mir sind Namen immer so unglaublich wichtig in Geschichten. Da war mir irgendwann klar, der muss bleiben (genauso wie "plain" Jane Penny, der ist auch so perfekt!) - und auch, dass der Roman eine Hybride aus Historie und Fiktion werden müsse.




    das ist ein interessanter Aspekt und zeigt uns, wie individuell wir lesen und einen eigenen Rhythmus finden. Überhaupt habe ich das Gefühl, von dieser Geschichte in eine Welt getragen zu werden, die ganz eigenen Regeln folgt, die rational nicht erklärbar sind.


    Das hatte ich mir auch gewünscht bei diesem Roman - eine Geschichte mit historischem Kern, die einerseits realistisch ist, andererseits aber auch immer ein paar Fäden Magie mit eingewoben hat. So wie das China im Roman eng an das China zu exakt jener Zeit angelehnt ist - und trotzdem ein magischer, fast mystischer Ort.



    Alles hat eine tiefere Bedeutung, geht über das Sichtbare hinaus, wie in diesem innigen Moment zwischen Lian und Fortune bei den Narzissen. Sie reden von viel mehr als ihre Worte sagen, sie sprechen über sich und ihr Schicksal. Beide lernen voneinander mit Respekt für das Fremde, Unvertraute. Als sie gleichzeitig zu lachen anfangen und sich kaum beruhigen können, öffnet sich eine Tür und gibt den Blick frei auf tiefere Gefühle - Anziehung, Begehren und die Angst, sich zu verlieren.


    Ich hatte mir gewünscht, dass diese Szene mit den Narzissen so ankommt wie sie es jetzt bei euch tut. :)
    Und das Lachen - wenn man so richtig herzhaft und aus dem Bauch heraus lacht ... da ist man ganz bei sich, ohne Maske, ohne Fassade, da ist man für den Moment ganz rein und unverfälscht.



    Die Erklärungen zu Jianghu sind sehr spannend. Es ist eher ein Zustand als eine Bezeichnung für eine bestimmte Menschengruppe. Mir fällt jetzt auf Anhieb nichts vergleichbares bei uns Europäern ein.


    Zustand trifft es wirklich sehr gut. Und ich glaube, da gab es auch nie etwas wirklich Vergleichbares in Europa ...



    Hier kommt die geballte Fremdheit des fernen Ostens durch. So richtig verstehen können wir das, glaub ich nicht. Man kann sich natürlich - so wie Fortune mit seinem Robin Hood - etwas Schönes raussuchen.


    Deshalb ist diese Passage auch recht ausführlich ausgefallen - um die Komplexität dieser "Schattenwelt" wenigstens in ihrer Gänze zu skizzieren.
    Robin Hood passt da wirklich gut hinein - aber das ist nur ein Aspekt von so vielen, vielen mehr, die jianghu beinhaltet. Es ist eine sehr grobe Annäherung, die er da aber immerhin wenigstens versucht.



    Irgendwie finde ich es aber auch einen traurigen Zustand - den Lian sich schon etwas schön redet. Ohne Wurzeln heißt ja auch, ohne Heimat für sie, ohne Familie, ohne Freunde, ja auch oft ohne Essen, ohne Dach über dem Kopf. Fortune sieht hier doch mehr die positiven Seiten, denke ich. Ein Vorteil, den ich auch sehe, ist natürlich, dass sie nicht irgend einen herrschsüchtigen Mann heiraten musste, dass sie tun kann, was sie will, ihr eigener Herr ist. Das sollte ich wohl nicht unterschätzen, das war ja damals für Frauen selten so.


    Das tut sie, gagamaus. Spätestens jetzt, in dieser Zeit.
    Ich fand es ganz faszinierend, dass diese Reise ausgerechnet in dieser Zeit stattfand. Erst einmal haben sich ja nur ein paar Türen mehr geöffnet, mit dem Ende des Opiumkriegs - doch damit beginnt ein tiefgreifender Wandel für China, dessen Folgen sich in den nächsten Jahren mehr und mehr zeigen werden.
    Dadurch, dass Lian eine so feingestimmte Wahrnehmung hat, so viel sieht und hört und schon viel erlebt hat, spürt sie diesen Wandel bereits jetzt - und dass auch gerade für jianghu wie sie härtere Zeiten anbrechen.


    (Herrje, ich bin so irre, irre gespannt, wie es euch weiter mit Lian geht!!)



    Wang hatte ein paar richtig gute Auftritte. Z.B. als er von seinen Kindern spricht und dann einräumt, dass es ja noch imaginäre Kinder sind. Da musste ich richtig lachen. Der Kerl ist göttlich. Doof und unverschämt, faul und egoistisch, aber göttlich. 8)


    Ich hatte so unfassbar viel Spaß mit ihm. ;D



    Und dann fand ich noch erwähnenswert, dass für Lian Chian rückständig ist. Zumindest, was den technischen Fortschritt angeht, hat sie da recht. China hat sich gegen den Rest der Welt so abgeschirmt, dass sie jetzt alle neuen Erfindungen erst mal importieren müssen. Eine Erkenntnis, die für mich überraschend war. China hat der Welt viele Pflanzen gebracht und die Welt China den technischen Fortschritt.


    Ich fand diese Sache mit dem Schießpulver so spannend und auch so bezeichnend. In China erfunden - aber der Westen hat die Technologie dazu gebaut und die Welt damit erobert.



    Wie Fortune den Tee sieht, finde ich äußerst spannend. Das, was er in China angeboten bekommt, hat kaum Ähnlichkeit mit dem, was er aus seiner Heimat kennt. Ich vermute mal, dass China nur einen Bruchteil der Auswahl exportierte, die es eigentlich gab. Dass man auch in Europa aus einer Vielfalt verschiedener Tees aus allen möglichen Anbaugebieten und in allen Varianten wählen kann, ist ja erst in unserer Zeit so geworden, worüber ich sehr froh bin. Wenn ich noch einige Jahrzehnte zurück denke, war hier bei uns die Auswahl vermutlich nicht sehr viel größer als damals, wie Fortune sie kannte. Ich kann mich erinnern, es gab bei uns in der Stadt ein einziges Geschäft, in dem es neben Kaffee auch losen Tee gab. Da konnte man gerade mal zwischen drei oder vier Sorten Schwarztee wählen, und grünen Tee gab es damals lediglich Gunpowder. Wie gut haben wir es da heutzutage, denn wir können zwischen so vielen Sorten wählen, dass wir uns vermutlich fühlen müssten wie Fortune beim Besuch des Teegeschäfts.


    Ja, der Teemarkt ist in den letzten Jahren unglaublich bunt und vielfältig geworden. Und Teesorten und -geschmäcker sind ja auch immer Moden unterworfen ... Weißer Tee z.B. ist eine relativ neue Sorte.


    Wer Zeit und Lust hat: auf meiner Website gibt es eine kleine Geschichte des Tees als PDF, die ich seinerzeit für mein Darjeeling-Buch geschrieben und für den Relaunch der Seite überarbeitet habe:
    Das grüne Gold


    Mir geht es eher so, dass ich das Tempo als solches als anders empfinde.
    Zumindest bei Jane ist alles langsam, nachhaltig, bedächtig. Unter anderem entsteht das auch dadurch, dass bei ihr so viele Absätze im Text sind. Da hält man unmerklich nach jedem kurz inne. Wie sich das ja auch für einen Absatz gehört. Ich denke, da gibt Nicole für uns das Tempo vor. ;)


    Fortune erzählt sozusagen aus unserer Sicht - wie Du sagst - kann man ganz normal runter lesen.
    Und Lian eröffnet uns durch ihre Augen eine so exotisch-fremde Welt, dass man sich durch die Infos bereichert fühlt und auch mal innehalten muss, um darüber nachzudenken.


    Will sagen, dass Nicole bei jeder Stimme auch den Erzählstil ein bisschen verändert und wir dadurch unterschiedliche Lesegefühle bekommen.


    Hallo Emmy! :-)
    Normalerweise ist es auch so, aber irgendwie fand der Rhytmus mich, so als hätten die Abschnitte eine zeitliche Beschränkung bzw eine Geschwindigkeitsbegrenzung, das ging ganz automatisch. Aber wie du schreibst, man wird in eine Welt fortgetragen und dass das Buch
    über ein Leseverhalten bestimmt, ist nicht wirklich rational.


    Spannend, wie ihr das empfindet. :)
    Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht zu weit vorpresche mit meiner eigenen Interpretation dessen, was ich da an Buch geschrieben habe ...
    Ich wollte die drei Perspektiven unterschiedlich gestalten, um nicht über jedem Kapitel stehen zu haben, welchen Blickwinkel wir gerade haben, das hätte ich künstlich gefunden und auch optisch nicht so schön.


    Fortune hat für mich eine gewisse Distanz gebraucht, passend zu seinem Charakter, seinem wissenschaftlich-rationalen Verstand. Lians Stimme hatte ich immer ganz klar in meinem Kopf, und durch die Ich-Perspektive können wir ihr sehr nahe kommen; außerdem habe ich mich bemüht, der bildhaften Sprache des Chinesischen und auch der traditionellen Erzählweise Rechnung zu tragen.
    Bei Jane ... da passiert ja erst einmal wirklich nicht viel. Ich habe zuerst gezögert, sie im Präsens zu schreiben, weil ich immer mal wieder gehört habe, dass Leser das nicht mögen. Für mich war es aber das einzig richtige, weil ich finde, dass das diese Zeit des Wenig- bis Nichts-Passierens besser rüberbringt. Eine gewisse Art von Stillstand, auch eine in-sich-Gekehrtheitheit; eine (im guten Sinne) Einfachheit.




    Also das ist ja auch heutzutage sicher noch so. Z.B. was das Essen betrifft. Wenn man hier Indisch oder Chinesisch essen geht hat das nichts mit dem Essen zutun, dass man in den jeweiligen Ländern bekommt. Das ist immer Europäisiert. Und das Tee-Trink-Verhalten ist ja bei uns immer noch mehr so, dass wir viel mehr Tee trinken, der noch jede Menge andere Dinge enthält. Aromastoffe die der Chinese in seinem Tee nicht mag, da er am liebsten den reinen Tee ohne Himbeerblätter und Hagebutte usw. mag. Bei denen ist der Tee auch etwas ganz anderes - kulturell gesehen.


    Ich hatte mich wie der sprichwörtliche Bolle gefreut, als hier in Konstanz ein Restaurant mit Singapur-Küche aufmachte, weil ich mich in Singapur durchgefr wie im Schlaraffenland gefühlt habe.
    Das Lokal ist so schön, der Service super - und das Essen leider gar nicht singapurisch.



    Genau so ist es.




    Da hast du sicher Recht, die westlichen Gewohnheiten unterscheiden sich zum großen Teil stark davon, wie Tee in seiner Heimat konsumiert wird, so auch beim chinesischen Essen, das wir aus den Restaurants hier kennen. Aber gerade durch das Internet ist die Welt quasi näher zusammengerückt, und man hat mittlerweile alle Möglichkeiten, den Tee bei uns so zu genießen wie im Ursprungsland selbst, notfalls kann man sich seinen Tee und die benötigten Gerätschaften auch direkt aus China liefern lassen und das in einer akzeptablen Zeit. Vermutlich war es mit Tee nicht anders wie mit seltenen Pflanzen, denn da hat Fortune ja auch feststellen müssen, dass nicht alles, was er sieht und kaufen möchte, für ihn auch erreichbar ist.


    Das fand ich auch so merkwürdig und interessant: dass er in Shanghai buchstäblich alles hätte kaufen können - nur keine Päonien, für kein Geld der Welt.