04 - Seite 239 bis 314 (einschließlich Kapitel 12)

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  • Hier könnt Ihr zum vierten Abschnitt - ab Kapitel 10 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Je weiter ich lese, desto klarer wird mir wieder einmal, was für ein unverschämtes Glück wir heute haben! Die Zeit damals verlangt Eva, Molly und Leni wirklich alles ab! Die ganze Zeit habe ich damit gerechnet, dass Fritz Menzel nicht nur verschollen, sondern tot ist - und dann lebt er! Kaum hatte ich mich mit Eva zusammen gefreut, schon erreicht sie die nächste Nachricht und dieses Mal ist es eine schlimme. Nachdem Julika so lange durchgehalten, sich um ihre Tochter gesorgt und für ihren Mann gehofft hat, erfährt sie nun nicht, dass ihr geliebter Fritz es geschafft hat. Wie traurig!


    Mir war nicht klar, dass Fritz Menzel zuletzt an der Westfront war - ich hatte ihn immer noch Richtung Krim verortet. Als mir das bewusst wurde, habe ich erstmal wieder Hoffnung geschöpft, da hier die Totenzahl nicht so immens war und die Kriegsgefangenschaft nicht so irrsinnig extrem wie in der Sowjetunion. Nun wird klar, dass Fritz wohl auch den Anlass gibt, dass Eva mit Leni nach Baden-Württemberg kommt. Ich hoffe sehr, dass die beiden noch etliche schöne gemeinsame Jahre verbringen, trotz allem und auch wenn bislang nichts Derartiges angedeutet wurde.


    Leni ist offensichtlich dermaßen traumatisiert, dass sie sich nicht an ihre Zeit vor Eva erinnern kann. Aber dann brechen Bruchstücke hervor: sie beschreibt den Großvater als weißhaarig und deutet an, dass er Akkordeon gespielt hat. Diese Sequenzen mit dem Feuer deutet immer mehr in die Richtung, dass Leni bei einem Massaker zugesehen hat. Also doch die Verbindung zu Lidice? Auch das Maminka deutet ja daraufhin, dass Tschechisch ihre Muttersprache ist, nicht Deutsch.


    Soldaten, Häuser eines Dorfes, Landbevölkerung, Flammen - all das sind Teile der Zinnsammlung, die Hermann Bentele extra hat anfertigen lassen und die er nicht einmal seiner Familie zeigen wollte. Was hat es damit auf sich? War er in Lidice, wie ich schon zuvor vermutet habe? War er der blonde Mann, von dem Pawel erzählt hat? Vielleicht sogar einer der Offiziere, die den Einsatz befohlen haben? Oder hat er sich als Befehlsempfänger beteiligt? Stellt er das Geschehen in Lidice nach, um es verarbeiten zu können?
    Die Reaktion von Simon zeigt eine gewisse Scheu, was den Großvater angeht. Zumindest will er mit seiner Sammlung nichts zu tun haben. Das macht ihn mir sympathischer - und zugleich musste ich auch ein wenig stutzen: zum einen als Souki vor ihm zurückweicht und zum anderen, als Rupp wieder geht und die Atmosphäre plötzlich so verändert ist. Was hat es damit auf sich?


    So, ich stoppe erstmal, damit ich Euch nicht enteile. Da es mir total schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen, bin ich gerade froh, dass ich in den kommenden Tagen viel unterwegs sein werde. Zur Not habe ich auch noch zwei, drei andere Bücher, mit denen ich mich ablenken kann. ;)


    Liebe Grüße
    Tabea

  • Zunächst habe ich geglaubt, daß der Fabrikant Gustav Vogel gar kein so schlechter Mensch sein kann, denn er gab ja an, daß "den Kindern die Zukunft gehört". Aber dann stellt er Eva immer mehr nach. Wie gut, daß Eva sich gegen ihn wehren kann, indem sie ihm für das Schnapsbrennen Bedingungen vorgeben kann.


    Die Zeit muß trotzdem noch sehr schwer gewesen sein, daß es gab nur wenig zu essen. Zum Glück schickt Carl Schubert ab und zu ein Paket an Molly. Wir, in unserer Zeit des Überflusses, können gar nicht nachvollziehen wie es ist, ständig Hunger zu haben!


    Schade, daß Julika es nicht mehr erfahren hat, daß ihr Fritz noch lebte. Es freut mich sehr für Eva, daß sie wieder Hoffnung schöpfen kann.


    Mit den Tagebuchaufzeichnungen von Simons Großvater bekommen wir vielleicht einen besseren Blick auf die Familie Bentele. Brauchte Großvater Bentele die ganzen Zinnfiguren, um seine Vergangenheit aufzuarbeiten?


    Was ich nicht verstehe, ist, daß Nane eine immer größere Abneigung gegen Malene entwickelt. Gibt sie ihrer Tante die Schuld daran, daß ihre Mutter im Auberlinhaus nichts zu sagen hat, daß sie gar nicht dazu gehört?

  • Die Kalorienmenge der SBZ war damals 800 Kilokalorien pro Tag. Das liegt unter der Brgitte-Diät. Meine Mama hat erzählt, dass sie abends oft so hungrig waren, dass sie gar nicht einschlafen konnten - doch jeder "Überschuss" ging ja an die russische Besatzungsmacht. Wenn man natürlich von dort war und sozusagen "Hinterland" hatte (wo sich immer was tauschen ließ), konnte es besser sein ... aber was sollte man noch tauschen mit 20 Kilo Gepäck, das man der Flucht pro Person mitnehmen durfte?
    Eines Abends hatte meine Oma von einer Kollegin Zwiebeln, ein paar eingelegte Heringe und Kartoffeln als Geschenk erhalten und daraus einen Kartoffelsalat gemacht (und den konnte sie!)- der sollte für den ganzen Sonntag halten. Mama und Tante Evi kamen vom Tanzen - zum Glück hat die Jugend auch in solchen Zeiten winzige Zerstreuungen gefunden! - waren so megahungrig und haben nachts noch alles aufgegessen ...


    wird bis heute in unserer Familie erzählt .. :)

  • Evas Mutter ist in den Harz in eine Lungenheilanstalt gekommen. Ich hatte mir schon gedacht, dass ihre Husterei was Schlimmeres ist, als ein simpler Husten.


    Und Molly hat sich in den Lagerarzt verliebt. Die beiden wollen zusammen arbeiten. Ich kann verstehen, dass Eva das nicht gefällt, hat sie doch mit Molly als Hilfe beim Kinderhüten gerechnet. Aber sie kann sie doch nicht ganz vereinnahmen. Molly hat schließlich auch ein eigenes Leben. Es ist halt schwierig als ledige Mutter. Damals war das sehr schlimm. Schief angesehen werden war wohl noch das geringste Problem. Was wird Eva in Werdau erwarten?


    Molly geht also doch mit, aber nur für ein halbes Jahr, sagt sie.


    Dass der Fabrikant Vogel von Eva etwas wollte, was zu geben sie nicht bereit war, das habe ich mir schon gedacht. Denn von selbst war der bestimmt nicht so freundlich. Eva hatte Glück, dass sie das Schnapsbrennen beherrschte, denn Schnaps, das war dem werten Herrn Vogel noch wichtiger.


    Ich freue mich, dass Evas Vater noch lebt. Er ist in Überlingen am Bodensee, bei den Benteles, den späteren Nachbarn Evas nehme ich an.


    Eva tut mir sehr leid. Ihre Mutter ist im Harz gestorben, ohne erfahren zu haben, dass der Vater noch lebt.


    Ich muss weiterlesen...

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Nur wer aufgibt hat schon verloren

  • Leni ist offensichtlich dermaßen traumatisiert, dass sie sich nicht an ihre Zeit vor Eva erinnern kann. Aber dann brechen Bruchstücke hervor: sie beschreibt den Großvater als weißhaarig und deutet an, dass er Akkordeon gespielt hat. Diese Sequenzen mit dem Feuer deutet immer mehr in die Richtung, dass Leni bei einem Massaker zugesehen hat. Also doch die Verbindung zu Lidice? Auch das Maminka deutet ja daraufhin, dass Tschechisch ihre Muttersprache ist, nicht Deutsch.


    Soldaten, Häuser eines Dorfes, Landbevölkerung, Flammen - all das sind Teile der Zinnsammlung, die Hermann Bentele extra hat anfertigen lassen und die er nicht einmal seiner Familie zeigen wollte. Was hat es damit auf sich? War er in Lidice, wie ich schon zuvor vermutet habe? War er der blonde Mann, von dem Pawel erzählt hat? Vielleicht sogar einer der Offiziere, die den Einsatz befohlen haben? Oder hat er sich als Befehlsempfänger beteiligt? Stellt er das Geschehen in Lidice nach, um es verarbeiten zu können?


    Liebe Grüße
    Tabea


    Ich hatte mir schon überlegt, was Bentele wohl mit diesen Sachen wollte. Doch du hast wohl - vermute ich mal - den richtigen Riecher, bist auf die richtige Idee gekommen, denn das könnte sein....

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Nur wer aufgibt hat schon verloren

  • Ich hatte mir schon überlegt, was Bentele wohl mit diesen Sachen wollte. Doch du hast wohl - vermute ich mal - den richtigen Riecher, bist auf die richtige Idee gekommen, denn das könnte sein....


    Es passiert so viel in diesem Abschnitt und alles ist so eindringlich und sprachlich sehr berührend erzählt. Schon lange ist mir eine Romanhandlung nicht mehr so ans Herz gegangen wie diese.
    Nun aber zu dem alten Bentele - ich denke auch, dass er in Lidice dabei war und diese merkwürdige Sammlung, die er sich extra hat anfertigen lassen, lässt darauf schließen, dass er die Bilder nicht aus dem Kopf bekommt. Es mag sein, dass es für ihn eine Möglichkeit der Verarbeitung war, die Szenen mit den Figuren nachzustellen wie auf einer Theaterbühne und den Geschehnissen damit ihre Endgültigkeit zu nehmen.
    Auch Marlene hat noch Bilder aus ihrer frühen Kindheit in ihrer Erinnerung und in ihren Träumen. Das Bild des Großvater, ihre Liebe zu den Tieren, ihre Sprache - das sind alles Hinweise auf ihre Erlebnisse, bevor sie Eva getroffen hat.

  • In den Kommentaren zu den vorhergehenden Abschnitten wurde immer einmal die von mir geteilte Vermutung geäußert, dass Hermann Bentele jener Blonde sein könnte, der sich bei dem Massaker in Lidice mit so großem Eifer an den Morden beteiligt hat. Inzwischen ist das mehr als nur eine Annahme, denn die Hinweise darauf verdichten sich hier im vierten Abschnitt!
    Diese Zinnsoldatensammlung inklusive der Figuren, die zusammen ein ganzes Dorf ausmachen und die sich der alte Bentele für teures Geld extra anfertigen ließ, ist gruselig - und scheint unsren Verdacht zu bestätigen.


    Auch Leni erinnert sich an diesen Mann mit den weißen Haaren, eine der Ursachen ihrer Albträume.
    Also liegen auch diejenigen richtig, die vermuteten, dass Leni eines der selektierten Kinder aus Lidice ist. Ich habe eigentlich nicht recht daran geglaubt, es schien mir zuviel der Zufälle.
    Nun denn - die Abneigung der inzwischen alten Marlene gegenüber den Benteles hat ganz reale, sehr gewichtige und völlig verständliche Gründe! Da gibt es keine Vergebung, da ihre Eltern von diesen Schlächtern, vielleicht sogar von Bentele höchstpersönlich umgebracht wurden! Ein lebenslanges Trauma, von dem sich eigentlich niemand erholen kann.


    In den ersten drei Abschnitten wurde auch besondere Sympathie für Simon Bentele geäußert, die ich nie teilen konnte und die sich für mich jetzt sogar langsam in Antipathie verwandelt. Ich finde, der junge Mann hat etwas Merkwürdiges an sich, etwas Unstetes, was unbewusst auch Nane zu spüren scheint und das sie sich in seiner Gesellschaft nicht wohlfühlen lässt.
    Aber noch viel sprechender ist die Reaktion von Souki auf ihn, die Nane überrascht! Hunde haben, wie die Hundebesitzer unter uns sehr wohl wissen, ein feines Gespür, dem ich folge: Souki mag Simon nicht! Und Nane sollte sich besser von ihm fernhalten.
    Überhaupt finde ich die gesamte Szene im Bentele-Haus seltsam und kann mir keinen rechten Reim darauf machen. Hier herrscht eine ungute Atmosphäre, eine Düsternis; es ist so, als würde der böse Geist des alten Bentele in allen Ritzen stecken...
    Ich frage mich auch, warum Simon Nane in eine sehr persönliche Familiengeschichte hineinziehen muss! Nur, um ihr nahe zu sein? Denn die Entzifferung der Sütterlin-Handschrift könnte er locker von Fachleuten, die überdies nichts mit der Familie zu tun haben, erledigt bekommen.


    In der Zwischenzeit geht es auf der zweiten Zeitebene mühsam aufwärts mit Eva, Leni und Molly. Jeder Neuanfang ist schwer, vor allem, wenn man gar nicht weiß, wohin der Weg einen führt, wo man bleiben darf. Aber es droht doch wenigstens keine akute Lebensgefahr mehr, die angstvolle Anspannung kann langsam nachlassen. Und das erleichtert mir das Lesen erheblich...
    Für Molly freue ich mich sehr, dass sie, die Spröde, Verlässliche, den so anständigen Carl gefunden hat, mit dem sie gut harmonieren wird.
    Vielleicht, habe ich während des Lesens gedacht, gelingt es ihr an seiner Seite und mit seiner Unterstützung sogar, ihren Traum vom Medizinstudium zu verwirklichen. Das würde ich ihr von Herzen wünschen.
    Doch befürchte ich, dass Eva und Molly sich allmählich aus den Augen verlieren werden, zumal Molly mit Carl in der Ostzone bleibt und auch sonst ihre Wege in ganz unterschiedliche Richtungen führen.
    Eva hat gegen Ende dieses Abschnittes den ersten Schritt in die ihre bereits gemacht: sie brennt Schnaps, was sich herumsprechen wird, - und Vater Fritz ist am Bodensee gelandet, hat also überlebt, was ich nie und nimmer erwartet habe!
    Eines wird sich nun ins andere fügen...


  • Nun aber zu dem alten Bentele - ich denke auch, dass er in Lidice dabei war und diese merkwürdige Sammlung, die er sich extra hat anfertigen lassen, lässt darauf schließen, dass er die Bilder nicht aus dem Kopf bekommt. Es mag sein, dass es für ihn eine Möglichkeit der Verarbeitung war, die Szenen mit den Figuren nachzustellen wie auf einer Theaterbühne und den Geschehnissen damit ihre Endgültigkeit zu nehmen.


    Das ist gewiss eine Erklärung. Im Moment aber ist Bentele senior für mich noch jemand, der das Abschlachten genossen hat, also ganz anders als ein bloßer Befehlsempfänger. Er hatte Freude am Töten. Was also muss er dann verarbeiten? Menschen mögen sich ändern, aber so gravierend, so vom Saulus zum Paulus, passiert das in der Realität eher selten.
    Ich vermute also, dass er mit Wonne das Morden in Lidice immer wieder nachstellte, um es stets aufs neue auszukosten. Solche Menschen gibt es! Dennoch hoffe ich, dass ich mich irre...

  • In den ersten drei Abschnitten wurde auch besondere Sympathie für Simon Bentele geäußert, die ich nie teilen konnte und die sich für mich jetzt sogar langsam in Antipathie verwandelt. Ich finde, der junge Mann hat etwas Merkwürdiges an sich, etwas Unstetes, was unbewusst auch Nane zu spüren scheint und das sie sich in seiner Gesellschaft nicht wohlfühlen lässt.
    Aber noch viel sprechender ist die Reaktion von Souki auf ihn, die Nane überrascht! Hunde haben, wie die Hundebesitzer unter uns sehr wohl wissen, ein feines Gespür, dem ich folge: Souki mag Simon nicht! Und Nane sollte sich besser von ihm fernhalten.
    Überhaupt finde ich die gesamte Szene im Bentele-Haus seltsam und kann mir keinen rechten Reim darauf machen. Hier herrscht eine ungute Atmosphäre, eine Düsternis; es ist so, als würde der böse Geist des alten Bentele in allen Ritzen stecken...
    Ich frage mich auch, warum Simon Nane in eine sehr persönliche Familiengeschichte hineinziehen muss! Nur, um ihr nahe zu sein? Denn die Entzifferung der Sütterlin-Handschrift könnte er locker von Fachleuten, die überdies nichts mit der Familie zu tun haben, erledigt bekommen.


    Ich kann mir noch keinen Reim auf Simon machen, zumal sich Simon, sein Bruder Lukas und Nane schon als Kinder kannten. Eigentlich kann man nicht vom Großvater auf den Enkel schließen. Das wäre eine Vorverurteilung. Die Geschichte wird uns weiter weisen.

  • Anne H.


    Das geht mir genauso.


    Man sagt zwar immer, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, aber auch das ist Vorverurteilung. Jeder Mensch kann sich anders entwickeln.

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Nur wer aufgibt hat schon verloren

  • Dieses Buch geht mir wirklich ziemlich an die Nieren, aber ich kann mich der Geschichte einfach nicht entziehen, so wunderbar ist sie geschrieben, mit viel Einfühlungsvermögen und Empathie.


    Eva, Molly und Leni machen sich auf den Weg in eine neue Zukunft. Der Streit zwischen Molly und Eva hat mich regelrecht erschreckt, ich konnte Molly gut verstehen, dass sie bei Carl bleiben möchte und mit ihm ihre Zukunft sieht. Evas Reaktion fand ich dagegen selbstsüchtig und ungerecht, nach allem was Molly für sie getan hat und ihr so eine gute Freundin war. Mich hat das richtig sauer gemacht, denn Eva sollte auch mal darüber nachdenken, dass Molly auch noch ein eigenes Leben hat. Trotzdem war es eine schöne Geste von Molly, einzulenken und für einige Zeit mitzufahren nach Werdau.


    Julika kommt erst in eine Lungenheilklinik – traurig, dass Eva sich nicht mehr verabschieden kann – doch das kam alles zu spät, denn dort stirbt sie, ohne viele schöne Dinge noch zu erfahren.


    Diesen Vogel hat Eva schon bei der ersten Begegnung richtig eingeschätzt. Nun muss sie am eigenen Leib erfahren, dass er ihr auf den Pelz rücken will. Doch Eva ist mittlerweile durch eine harte Schule gegangen und kann sich ihn vom Hals halten. Toll finde ich, dass sie ihre Erfahrungen im Schnapsbrennen nun anwenden kann.


    Die Nachricht, dass Fritz Menzel noch lebt und am Bodensee ist, hat mich total überrascht und ich habe mich sehr für Eva gefreut. Endlich mal eine schöne Nachricht, die ihr Hoffnung und Antrieb gibt, ihn baldmöglichst wiederzusehen. So wird sie sich wohl demnächst aufmachen in diese Richtung und mit Leni dort dann ihre Wurzeln schlagen.


    Benteles Nachlass, diese Sammlung, muss für den alten Herrn wirklich wichtig gewesen sein. Mich wundert es nicht, dass er diese vor der Familie versteckt hat, einigen wäre bestimmt seine Gesinnung in den Sinn gekommen und sie hätten angefangen, Fragen zu stellen. So eröffnet sich nun nach seinem Tod, was er wohl für einer war. Da liegen so einige Leichen im Keller, die noch ans Tageslicht gebracht werden müssen… :o


    Simon – bisher habe ich ihn eher neutral betrachtet, als alten Kinder- und Jugendfreund von Nane. Doch wie er Nane überredet hat, den Nachlass mit zu sichten und sich immer mehr an sie dranhängt – ich teile ihr unangenehmes Gefühl. Und die Reaktion von Souki sollte ihr zu denken geben. Hunde merken eher als der Mensch, ob jemand was taugt oder nicht. Was ist wohl Simons Geheimnis???


  • Je weiter ich lese, desto klarer wird mir wieder einmal, was für ein unverschämtes Glück wir heute haben! Die Zeit damals verlangt Eva, Molly und Leni wirklich alles ab!


    Mir geht es wie Dir, allerdings denke ich auch immer an meinen Großvater, der durch all solche Dinge durchmusste, um dann auf "den letzten Metern" doch noch zu sterben. Ich habe mir oftmals überlegt, ob ich persönlich diese Kraft aufgebracht hätte, die diese Menschen damals gehabt haben. Mein Mann und ich haben mit unseren Kindern in Kriegsgebieten gelebt, da war ich oftmals regelrecht am Ende. Doch diese Grausamkeiten von damals kann und will ich mir einfach gar nicht vorstellen. Da wäre ich wohl verrückt geworden.


  • Die Zeit muß trotzdem noch sehr schwer gewesen sein, daß es gab nur wenig zu essen. Zum Glück schickt Carl Schubert ab und zu ein Paket an Molly. Wir, in unserer Zeit des Überflusses, können gar nicht nachvollziehen wie es ist, ständig Hunger zu haben!


    Carl Schubert ist einer meiner stillen Helden in diesem Buch. Er hat sich seine Menschlichkeit bewahrt, obwohl er selbst so viel erleiden musste. Und der Versand von Paketen mit kleinen Leckereien war bestimmt auch für ihn nicht leicht zusammenzustellen.


    Auch die Ärztin, die sich nach Evas Fehlgeburt im neuen Lager gekümmert hat, wirkte zwar hart, hatte aber Mitgefühl.


  • Mit den Tagebuchaufzeichnungen von Simons Großvater bekommen wir vielleicht einen besseren Blick auf die Familie Bentele. Brauchte Großvater Bentele die ganzen Zinnfiguren, um seine Vergangenheit aufzuarbeiten?


    Ich vermute eher, dass er im Geheimen so manche Schlacht nachgespielt hat, die er nicht mehr erleben durfte. Wahrscheinlich war er in seinem Herzen immer ein Nazi und musste dies nun geheim halten, wo doch viele verfolgt wurden.


  • Und Molly hat sich in den Lagerarzt verliebt. Die beiden wollen zusammen arbeiten. Ich kann verstehen, dass Eva das nicht gefällt, hat sie doch mit Molly als Hilfe beim Kinderhüten gerechnet. Aber sie kann sie doch nicht ganz vereinnahmen. Molly hat schließlich auch ein eigenes Leben.


    Evas Reaktion auf Carls Eröffnung fand ich auch völlig überzogen und daneben. Kein Wunder, dass Molly Angst hatte, es ihr persönlich zu sagen. Den Streit mit Molly fand ich sogar noch schlimmer, da hat Eva bei mir so einige Punkte verloren, weil sie so selbstsüchtig war. Wieso sollte Molly kein Recht auf Glück haben? Und dann zu meinen, die Beziehung zwischen Jan und ihr wäre ja was anderes - wieso das denn?
    Ich kann allerdings Evas Ängste nachvollziehen, doch sie hätte mehr Verständnis für ihre Freundin aufbringen sollen, die sie bisher nie im Stich gelassen hat.


  • In den Kommentaren zu den vorhergehenden Abschnitten wurde immer einmal die von mir geteilte Vermutung geäußert, dass Hermann Bentele jener Blonde sein könnte, der sich bei dem Massaker in Lidice mit so großem Eifer an den Morden beteiligt hat. Inzwischen ist das mehr als nur eine Annahme, denn die Hinweise darauf verdichten sich hier im vierten Abschnitt!
    Diese Zinnsoldatensammlung inklusive der Figuren, die zusammen ein ganzes Dorf ausmachen und die sich der alte Bentele für teures Geld extra anfertigen ließ, ist gruselig - und scheint unsren Verdacht zu bestätigen.


    Auch ich teile diese Ansicht inzwischen, zu Beginn war mir das einfach noch nicht so deutlich zu erkennen. Ich finde es ebenfalls mehr als spooky, sich solch eine Sammlung zusammenzustellen.

  • Es passiert so viel in diesem Abschnitt und alles ist so eindringlich und sprachlich sehr berührend erzählt. Schon lange ist mir eine Romanhandlung nicht mehr so ans Herz gegangen wie diese.
    Nun aber zu dem alten Bentele - ich denke auch, dass er in Lidice dabei war und diese merkwürdige Sammlung, die er sich extra hat anfertigen lassen, lässt darauf schließen, dass er die Bilder nicht aus dem Kopf bekommt. Es mag sein, dass es für ihn eine Möglichkeit der Verarbeitung war, die Szenen mit den Figuren nachzustellen wie auf einer Theaterbühne und den Geschehnissen damit ihre Endgültigkeit zu nehmen.
    Auch Marlene hat noch Bilder aus ihrer frühen Kindheit in ihrer Erinnerung und in ihren Träumen. Das Bild des Großvater, ihre Liebe zu den Tieren, ihre Sprache - das sind alles Hinweise auf ihre Erlebnisse, bevor sie Eva getroffen hat.


    Ich bin auch sehr gespannt, ob Marlene inzwischen alle Puzzleteile zusammengesetzt hat und ihre Abneigung gegenüber Bentele daher rührt, dass ihr die Vergangenheit mittlerweile wieder präsent ist.