#3 - Kapitel 8 bis einschließlich 9

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier könnt Ihr zum dritten Abschnitt - ab Kapitel 8 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Was ich hier doch sehr spannend findet, sind die Beschreibungen der Menschen. Die Kulturen könnten unterschiedlicher ja gar nicht sein. Nicht nur das Clio Chinesin ist und Ana ja eigentlich Russin, jetzt kommt auch noch die japanische Kultur dazu. Es wird immer schwieriger da durchzublicken.
    Ana steht hier wohl mehr für die westliche Welt. Sie bewegt sich frei und trifft ihre Entscheidungen selbst. Der Gedanke, mit dem Missionar zu gehen, kam ja nicht von ungefähr. Sie fand ihn gleich bei der ersten Begegnung spannend. Es spricht für ihre Neugier auf das Leben, dass sie sich dafür entschieden hat. Ich bin gespannt, was sie alles erleben wird. Ob Clio sie allerdings wirklich in die Wildnis begleiten wird, wage ich leicht zu bezweifeln.


    Clio hat ihren geliebten Nobu getroffen und wie eigentlich zu erwarten war, war es ein Fiasko. Nach vier Jahren, die vergangen sind, wundert es mich nicht, dass er in einer neuen Beziehung steckt. Es klingt seltsam, dass er seine neue Verlobte noch nicht mal kennt, aber in der westlichen Welt war es Jahrhunderte lang auch üblich, dass die Eltern die Ehepartner ausgesucht haben. Auch für Ana hätte es eine arrangierte Ehe gegeben, wenn sie sich nicht geweigert hätte. Für Clio ist eine Welt zusammen gebrochen, sie versucht sich sogar das Leben zu nehmen. Welch ein Schock, gerade für Ana. Die junge Frau fühlt sich wieder allein gelassen. Für Clio war es wohl einfach eine logische Tat. Sie hat niemanden mehr, der sie will. An Felix Hoffmann denkt hier wohl niemand mehr. Er hätte ihr mit Sicherheit ein Heim gegeben und vielleicht bekommt er ja doch noch seine Chance, denn daran das Nobu sich gegen seinen Vater noch auflehnt, glaube ich nicht im mindesten.


    Jetzt bin ich gespannt, was sie in der Wildnis erwarten wird.

  • Wieder ein kurzer Abschnitt - meine Schuld ist das nicht ;D


    Das wäre ja zu schön gewesen, um wahr zu sein, wenn Clios Ex-Verlobter nach all der Zeit noch auf sie warten würde. Ich hatte eigentlich schon damit gerechnet, dass er bereits verheiratet ist. Und ich finde, man kann ihm nicht wirklich einen Vorwurf machen. Er wusste nicht, was aus Clio geworden ist, ob sie je zurückkehren würde... und dass in der japanischen Kultur das Wahren des Gesichtes ganz besonders wichtig ist, das ist ja bekannt.
    Da macht Ana es sich zu leicht, finde ich, wenn sie denkt, er könnte seine neue Verlobung lösen, wenn ihm Clio nur wichtig genug wäre. Das ist ja zu dieser Zeit schon bei Europäern noch schwierig, umso mehr bei Asiaten. Clio sieht das deutlich realistischer und ihr ist klar, dass sie keine Chance mehr hat.


    Ana ist echt eine Abenteurerin! Erst bleibt sie allein in Shanghai, dann lässt sie sich zu dieser Formosa-Reise überreden und nun will sie einer Mission im Hinterland beitreten! Sie ist wirklich ungewöhnlich!
    Aber ihr Gedanke am Ende des Abschnitts scheint es genau zu treffen, sie ist auf der Suche nach etwas und sie hat es noch nicht gefunden. Vielleicht in der Mission?


    Wobei ich es für eine zweifelhafte Idee halte, Clio dorthin mitzunehmen. Warum hat sie sich nicht überredet, zurück nach Shanghai zu gehen und dort für Felix Hoffmann zu arbeiten? Die beiden wären sich möglicherweise doch noch näher gekommen und auch wenn ich Felix nun nicht gerade zum Verlieben finde, scheint er doch ein anständiger junger Mann zu sein und Clio könnte es wirklich schlechter treffen! Wie sie mit ihren Füßen im wilden Hinterland zurechtkommen will, kann ich mir noch nicht so recht vorstellen! Und auch psychisch ist sie ja nicht in bester Verfassung, wie ihr Selbstmordversuch zeigt. Gut, dass Ana ihr da die Leviten gelesen hat. Ich verstehe zwar nicht, was sie an Clio findet, aber Selbstmord finde ich immer ganz schrecklich und so aussichtslos ist Clios Lage ja nicht. Ich hoffe also, das war nur eine einmalige Kurzschlusshandlung!

  • Das war ja eine Enttäuschung mit jenem "Verlobten" Nobu!
    Aber Anastassia hat ganz recht: würde er sie wirklich lieben, wäre ihm der Befehl seines Vaters egal, denn schließlich hat er eine ältere Verpflichtung Clio gegenüber! Wiewohl Clio das nicht so sieht, zu tief steckt sie natürlich im asiatischen Denken. Ein Mann muss sich also nicht an irgendwelche Versprechen Frauen gegenüber halten, wenn es opportun erscheint, oder wenn der Vater es anders will! Und die auf diese Weise betrogene Frau findet das dann auch noch richtig....


    Da kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass ein wichtiger Eckpfeiler der asiatischen Traditionen das Kleinhalten und Unterdrücken der Frauen ist. Dafür zu sorgen, dass sie falschverstandenerweise ihren vermeintlich von der Natur zugewiesenen Platz auch ja nicht verlassen...
    Die Angst der Asiaten - und nicht nur von ihnen! - vor den Frauen und dem, was sie möglicherweise anstellen könnten, würde man ihr Leben nicht so stark reglementieren und sie unter Kontrolle halten wollen, muss ja enorm gewesen sein! Und ist es immer noch!


    Clio kann also nicht aus ihrer Haut heraus, das muss man ihr zugute halten. Aber der Selbstmordversuch war lächerlich und, wie gewohnt bei ihr, egoistisch. Was für ein Weltuntergang!!!
    Anastassias Vorwürfe waren völlig gerechtfertigt. Und wieder - ich kann einfach nicht verstehen, was sie mit der Nörgeltante will, die ihr darüberhinaus dauernd unter die Nase reibt, dass sie ja keine Ahnung hat und die Asiaten nicht versteht.
    Und warum um alles in der Welt, muss sie das chinesische Püppchen denn unbedingt mit zu den "Wilden" schleppen!? Sie, Anastassia, wird auf der Missionsstation mit ziemlicher Sicherheit gut zurechtkommen. Bei Clio habe ich da erhebliche Zweifel. Wozu mag sie auf der Station wohl Nutze sein mit ihren Füßchen und der fragilen Psyche!? Aber - womöglich überrascht sie mich ja noch...


    Die Geschichte mit MacKay und seiner Missionsstation bei den Kopfjägern verspricht interessant zu werden. Als sehr aufschlussreich empfand ich das Gespräch zwischen ihm und Anastasia im Speisesaal des Hotels, - so typisch für christliche Missionare auf der ganzen Welt, von denen es leider immer noch welche gibt! Selbst will er die vermeintlich unzivilisierten Willen bekehren - wenn die Japaner das jedoch machen, geht das gar nicht...
    Wie kann der charismatische Bärtige sich anmaßen, das Christentum so haushoch über den Schintoismus der Japaner und überhaupt über jede andere Religion zu stellen!
    Mit größter Selbstverständlichkeit will er den Asiaten christliche Werte vermitteln, wodurch deren eigene Religion ausgemerzt wird. Dabei sind die sogenannten christlichen Werte universell und in jeder Religion und überhaupt in jeder humanen Gesellschaft zu finden!
    Und Buddhismus und Schintoismus sind faktisch viel friedlichere Religionen als das Christentum. Man braucht gar nicht weit in die Geschichte zurückzugehen, um das immer wieder bestätigt zu bekommen.
    Mir gefällt gut, dass Anastassia dem Missionar angemessen Paroli bietet und ihn auf die barbarischen Verbrechen im Namen der christlichen Kirche hinweist.
    Das kann ja noch spannend werden! Anastassia wird, denke ich, nicht alles schlucken, was sie da an MacKays Bekehrungsarbeit zu sehen bekommt.


    Und inzwischen hat sie sich auch Hoffmanns Attribut für sie - Abenteurerin! - zueigen gemacht. Es passt ganz gut, finde ich, und ich bin neugierig, wie sich Anastassia weiter entwickelt, denn inzwischen gefällt sie mir erheblich besser als am Anfang. Sie hat Potential, was ich der langweiligen Clio und dem noch langweiligeren Hoffmann abspreche. Gut, dass der jetzt wenigstens aus Formosa verschwindet...


  • Wieder ein kurzer Abschnitt - meine Schuld ist das nicht ;D


    Mich persönlich erfreuen diese kurzen Abschnitte, die man sonst hier selten findet! Die kann ich immer mal zwischendurch beenden und meine Eindrücke sind noch ganz frisch, wenn ich sie hier aufschreibe...



    Wobei ich es für eine zweifelhafte Idee halte, Clio dorthin mitzunehmen. ( ... )
    Wie sie mit ihren Füßen im wilden Hinterland zurechtkommen will, kann ich mir noch nicht so recht vorstellen! Und auch psychisch ist sie ja nicht in bester Verfassung, wie ihr Selbstmordversuch zeigt. Gut, dass Ana ihr da die Leviten gelesen hat. Ich verstehe zwar nicht, was sie an Clio findet, aber Selbstmord finde ich immer ganz schrecklich und so aussichtslos ist Clios Lage ja nicht. Ich hoffe also, das war nur eine einmalige Kurzschlusshandlung!


    Ganz meine Meinung! Clio wird sich noch als gewaltiger Klotz am Bein herausstellen, fürchte ich. Sie ist eine Stadtpflanze - soviel sollte Anastassia inzwischen verstanden haben von dieser eigenartigen Freundin. Clio als Krankenschwester? Kaum vorstellbar... Sie scheint mir so selbstzentriert, dass für nichts sonst Platz ist in ihrem Kopf.

  • Mit Clio habe ich auch noch meine Probleme. Ich verstehe ihre Rolle noch nicht ganz. Mir kommt es auch eher so vor, als ob sie Ana eher behindert als ihr hilft. Nun gut, bei Freundschaften bleibt sowas nicht aus, aber Ana scheint ja gerade alles für Clio zu tun, bekommt aber wenig zurück, bzw. scheint Clio sich auch noch gegen alles zu sperren. Allerdings könnte ich mir schon vorstellen, dass sie in der Mission nützlich sein könnte, weil sie die Insel und die Menschen ja wirklich kennt.
    Ich bin auch noch sehr skeptisch gegenüber der Missionsarbeit. Im Gegensatz zu Ana hätte ich Georges Äußerungen viel mehr hinterfragt. Ich finde die Arroganz seiner Aussagen widerlich und die Überheblichkeit den Menschen, die dort leben, gegenüber schlimm. Also ich stecke voller Zweifel was die Missionsarbeit angeht und ich bin gespannt, was Ana und Clio dort erleben werden.


    Felix Hoffmann ist ein Träumer. Er bietet den beiden Mädchen viel Schutz, den sie immer wieder ablehnen. Ich verstehe ihn da nicht wirklich, aber immerhin bietet er ihnen ein Fangnetz in drei Monaten an. Ich denke, das gibt Ana schon einiges an Rückhalt und Zuversicht. Drei Monate sind ja keine allzu lange Zeit.

  • Felix Hoffmann ist ein Träumer. Er bietet den beiden Mädchen viel Schutz, den sie immer wieder ablehnen. Ich verstehe ihn da nicht wirklich, aber immerhin bietet er ihnen ein Fangnetz in drei Monaten an. Ich denke, das gibt Ana schon einiges an Rückhalt und Zuversicht. Drei Monate sind ja keine allzu lange Zeit.


    Ja, so sehe ich ihn auch. Daher sein Heiratsantrag an Clio, obwohl es damals ein Unding gewesen wäre, eine Chinesin zu heiraten. Auch sein Hilfsangebot den zwei Mädchen gegenüber geschieht, weil er den Retter und Helfer spielen will (und so hofft, Clio vielleicht doch noch zu gewinnen).

  • Ja, er scheint da ziemlich viel Bestätigung für sich selbst herauszuziehen. Vielleicht bekommt er von seinem Vater nicht allzu viel davon und sucht sich deswegen andere Wege. So eine (anscheinend) hilfsbedürftige, zerbrechliche Clio kommt da wohl auch gerade recht.

  • Ja, so sehe ich ihn auch. Daher sein Heiratsantrag an Clio, obwohl es damals ein Unding gewesen wäre, eine Chinesin zu heiraten. Auch sein Hilfsangebot den zwei Mädchen gegenüber geschieht, weil er den Retter und Helfer spielen will (und so hofft, Clio vielleicht doch noch zu gewinnen).


    Ein Unding - aber es geschah dennoch, nicht wahr!? Im ersten Band heiratete Charlottes Mutter einen Halbchinesen. Und wurde letztend dennoch nicht von der Gesellschaft verstoßen, wenn ich mich recht erinnere...


    Und die drei Monate, von denen du sprichst, Avila, sind sicher keine lange Zeit - aber inzwischen sind Clio und Anastassia auf der Missionsstation bei den Ami. Und soweit ich das sehe, möchte keine der beiden nach Shanghai zurück.
    Wird sich Felix bei seiner Wiederkehr auf die Suche nach den jungen Frauen machen? In die Berge, zu den Kopfjägern?


  • Ein Unding - aber es geschah dennoch, nicht wahr!? Im ersten Band heiratete Charlottes Mutter einen Halbchinesen. Und wurde letztend dennoch nicht von der Gesellschaft verstoßen, wenn ich mich recht erinnere...


    Und die drei Monate, von denen du sprichst, Avila, sind sicher keine lange Zeit - aber inzwischen sind Clio und Anastassia auf der Missionsstation bei den Ami. Und soweit ich das sehe, möchte keine der beiden nach Shanghai zurück.
    Wird sich Felix bei seiner Wiederkehr auf die Suche nach den jungen Frauen machen? In die Berge, zu den Kopfjägern?



    Doch, Viktoria Huntingdon begibt sich durch ihre Heirat ins gesellschaftliche Abseits. Sie hat lediglich Glück, dass wegen einer Erbschaft noch etwas Geld da ist.
    Es gab natürlich immer wieder mal solche Verbindungen. Manche europäische Männer hatten chinesische Ehefrauen. Umgekehrt war es seltener (ist es, glaube ich, sogar heute noch), aber es kam dennoch vor. Diese Leute mussten aber damir rechnen, von vielen schief angesehen zu werden. Der Eintritt in die "besseren Kreise" der internationalen Siedlung war ihnen verwehrt.


    Die Mission ist übrigens nicht ganz oben in den Bergen bei den Kopfjägern. Aber das kommt alles noch später.

  • Mich persönlich erfreuen diese kurzen Abschnitte, die man sonst hier selten findet! Die kann ich immer mal zwischendurch beenden und meine Eindrücke sind noch ganz frisch, wenn ich sie hier aufschreibe...


    Mir sind die Abschnitte, ehrlich gesagt, zu kurz. Da lese ich knapp ne halbe Stunde und muß dann wieder pausieren. Für die Diskusion hier ist es natürlich eine feine Sache.

  • Zitat von Ulrike Gunkel-Kohl

    Die Geschichte mit MacKay und seiner Missionsstation bei den Kopfjägern verspricht interessant zu werden. Als sehr aufschlussreich empfand ich das Gespräch zwischen ihm und Anastasia im Speisesaal des Hotels, - so typisch für christliche Missionare auf der ganzen Welt, von denen es leider immer noch welche gibt! Selbst will er die vermeintlich unzivilisierten Willen bekehren - wenn die Japaner das jedoch machen, geht das gar nicht...


    Eigentlich ist es doch so, jeder ist von sich überzeugt, dass richtige zu tun und verteufelt das Werk der anderen. Die Japaner denken sicher auch, sie bringen den Bewohner nur gutes und diese sollten dankbar sein, dass es geschieht. Aber eigentlich will doch jeder nur so leben, wie es bereits seine Vorfahren gemacht haben.


    Zitat

    Mit Clio habe ich auch noch meine Probleme. Ich verstehe ihre Rolle noch nicht ganz. Mir kommt es auch eher so vor, als ob sie Ana eher behindert als ihr hilft.


    Ich habe dieses Gefühl manchmal auch. Auf der anderen Seite treibt doch gerade die Hilflose Clio Ana an, es besser zu machen.

  • Dieser Abschnitt ist ebenso verflogen wie die anderen. Das Buch liest sich sehr schön und immer wieder gibt es Überraschungen. Hatte ich es mir doch schon fast gedacht, dass Clios Verlobter sich das alles noch einmal überlegt hat. Die Liebe kann also nicht so groß gewesen sein, wenn er sich so schnell getröstet und verlobt hat. Er hätte ja mal nachforschen können, was aus ihr geworden ist. Auf jeden Fall ist Clio jetzt doch „solo“. Ob Felix nochmals einen Anlauf wagen wird? Clio selbst kommt mit der zerbrochenen Verlobung gar nicht gut zurecht, denn sie will sich umbringen. Wie verzweifelt muss sie sein, aber sie jagt Ana auch einen großen Schreck ein.


    Interessant finde ich die Vermischung der verschiedenen kulturellen Ansichten, da stehen ja Welten dazwischen und Missverständnisse sowie Unverständnis sind da wohl vorprogrammiert. Aber mir gefallen die verschiedenen Aspekte sehr gut und die Schilderungen der Personen und Kulturen. Durch 30 Jahre Auslandserfahrung weiß ich, wie schwer man in bestimmten Kulturkreisen aufgenommen oder akzeptiert wird. Deshalb finde ich es spannend, hier etwas darüber zu lesen.


    Ana ist trotz ihrer Naivität und Gutmütigkeit auch eine starke Persönlichkeit, denn sie stellt sich unbekannten Erfahrungen, ja, sie wirft sich ihnen geradezu entgegen. Der Wunsch, den Missionar zu begleiten, ist allerdings recht ungewöhnlich für so eine junge Frau. Vielleicht ist sie aber auch auf den Geschmack nach Abenteuern und neuen Erfahrungen gekommen. Sie ist unabhängig und auf sich allein gestellt und vor allem neugierig aufs Leben. Wahrscheinlich wird sie sich von Freundin Clio trennen müssen, die wird andere Vorstellungen von ihrem Leben haben. Ich bezweifle allerdings, dass sie große Lust auf die Wildnis hat, vielleicht bleibt ihr nichts anderes übrig, da sie nicht allein zurück bleiben will.


  • Was ich hier doch sehr spannend findet, sind die Beschreibungen der Menschen. Die Kulturen könnten unterschiedlicher ja gar nicht sein. Nicht nur das Clio Chinesin ist und Ana ja eigentlich Russin, jetzt kommt auch noch die japanische Kultur dazu. Es wird immer schwieriger da durchzublicken.


    Mir gefällt die Vielfalt sehr, allerdings hatte ich auch das Glück, jedes dieser traditionsbewussten Länder kennenzulernen. Für andere ist es nicht leicht, alle unter einen Hut zu bringen oder ihre Verhaltensweisen zu verstehen. Ich selbst habe mich immer wieder über einiges gewundert, deshalb kann ich Deine Verwirrung gut verstehen.


  • An Felix Hoffmann denkt hier wohl niemand mehr. Er hätte ihr mit Sicherheit ein Heim gegeben und vielleicht bekommt er ja doch noch seine Chance, denn daran das Nobu sich gegen seinen Vater noch auflehnt, glaube ich nicht im mindesten.


    Mir ist auch sofort Felix eingefallen, wir hatten ja alle schon spekuliert, ob er nicht doch eventuell noch eine Chance bekommt. Doch dazu muss sich Clio erst einmal beruhigen und sich auf ihn einlassen. Nobu lag ihr ja wohl sehr am Herzen, wenn sie so viel auf sich genommen hat. Da ist die Enttäuschung natürlich groß. Aber vielleicht kommt Felix ja noch zum Zuge...


  • Ana ist echt eine Abenteurerin! Erst bleibt sie allein in Shanghai, dann lässt sie sich zu dieser Formosa-Reise überreden und nun will sie einer Mission im Hinterland beitreten! Sie ist wirklich ungewöhnlich!
    Aber ihr Gedanke am Ende des Abschnitts scheint es genau zu treffen, sie ist auf der Suche nach etwas und sie hat es noch nicht gefunden. Vielleicht in der Mission?


    Mir kommt Ana vor wie eine Suchende. Seit sie allein zurückgeblieben ist, wirft sie sich geradezu jeder Möglichkeit entgegen, die sich ihr bietet. Sie probiert alles aus und ist neugierig auf alles. Aber insgeheim glaube ich, dass sie ihren wahren Platz noch sucht.


  • Aber Anastassia hat ganz recht: würde er sie wirklich lieben, wäre ihm der Befehl seines Vaters egal, denn schließlich hat er eine ältere Verpflichtung Clio gegenüber! Wiewohl Clio das nicht so sieht, zu tief steckt sie natürlich im asiatischen Denken. Ein Mann muss sich also nicht an irgendwelche Versprechen Frauen gegenüber halten, wenn es opportun erscheint, oder wenn der Vater es anders will! Und die auf diese Weise betrogene Frau findet das dann auch noch richtig....


    Da kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass ein wichtiger Eckpfeiler der asiatischen Traditionen das Kleinhalten und Unterdrücken der Frauen ist. Dafür zu sorgen, dass sie falschverstandenerweise ihren vermeintlich von der Natur zugewiesenen Platz auch ja nicht verlassen...
    Die Angst der Asiaten - und nicht nur von ihnen! - vor den Frauen und dem, was sie möglicherweise anstellen könnten, würde man ihr Leben nicht so stark reglementieren und sie unter Kontrolle halten wollen, muss ja enorm gewesen sein! Und ist es immer noch!


    Dem kann ich leider so gar nicht zustimmen. Man darf hier zum einen die Zeit nicht vergessen, in der der Roman zuhause ist. Und Nobu ist Japaner, Clio Chinesin. Eine solche Verbindung war schon damals heikel, weil beide Nationen nicht gerade gut miteinander auskamen. Zum anderen sind beides sehr traditionsreiche Länder. In Japan ist der Vater das Familienoberhaupt gewesen, egal, wie alt der Sohn war. Nobu hätte sein Versprechen bestimmt gehalten, wenn er nicht so lange gewartet hätte. Doch wahrscheinlich hat er sich dem Druck seines Elternhauses gebeugt, sich eine Frau zu suchen, denn das hieß für seine Familie auch Erleichterung in der eigenen Haushaltsführung. Unter diesen Gesichtspunkten kann ich es sehr wohl verstehen, dass Nobu sich eine Verlobte genommen hat, diese vielleicht sogar liebt. Das Auftauchen von Clio nach so langer Zeit ohne Nachrichten etc. kommt auch für ihn überraschend und nun ist er in der Pflicht.


    Was das Unterdrücken der Frauen betrifft, vertrete ich ebenfalls eine völlig andere Meinung aufgrund der Tatsache, dass ich diese dort nie erlebt habe. Ganz im Gegenteil sind asiatische Männer sehr viel zuvorkommender und höflicher als so mancher Europäer. Die Ansicht, dass der Mann der Ernährer der Familie ist, war nicht nur in Asien verbreitet, wenn ich da an die vergangenen Jahrhunderte in Deutschland denke.


  • Dem kann ich leider so gar nicht zustimmen. Man darf hier zum einen die Zeit nicht vergessen, in der der Roman zuhause ist. Und Nobu ist Japaner, Clio Chinesin. Eine solche Verbindung war schon damals heikel, weil beide Nationen nicht gerade gut miteinander auskamen. Zum anderen sind beides sehr traditionsreiche Länder. In Japan ist der Vater das Familienoberhaupt gewesen, egal, wie alt der Sohn war. Nobu hätte sein Versprechen bestimmt gehalten, wenn er nicht so lange gewartet hätte. Doch wahrscheinlich hat er sich dem Druck seines Elternhauses gebeugt, sich eine Frau zu suchen, denn das hieß für seine Familie auch Erleichterung in der eigenen Haushaltsführung. Unter diesen Gesichtspunkten kann ich es sehr wohl verstehen, dass Nobu sich eine Verlobte genommen hat, diese vielleicht sogar liebt. Das Auftauchen von Clio nach so langer Zeit ohne Nachrichten etc. kommt auch für ihn überraschend und nun ist er in der Pflicht.


    Das sehe ich wie du. Wir dürfen sein Verhalten nicht nach heutigem Maßstab unserer Kultur bewerten, sondern müssen nachvollziehen, wie das in seiner Zeit und seinem Kulturkreis nun mal war.

  • ich schließe mich Dani und Dreamworx an, Nobu mag Clio einmal geliebt haben, aber vier Jahre sind eine lange Zeit und er hatte nichts von ihr gehört. Es war seine Pflicht, auf den Vater zu hören. Der war ja von Anfang an gegen eine Ehe mit Clio (ich meine das stand weiter vorn), also ist es nur nachvollziehbar, dass Nobu jetzt sein Leben weiter lebt und dies auch nach den Traditionen der Japaner macht.

  • [quote author=Dreamworx link=topic=14983.msg308821#msg308821
    Was das Unterdrücken der Frauen betrifft, vertrete ich ebenfalls eine völlig andere Meinung aufgrund der Tatsache, dass ich diese dort nie erlebt habe. Ganz im Gegenteil sind asiatische Männer sehr viel zuvorkommender und höflicher als so mancher Europäer. Die Ansicht, dass der Mann der Ernährer der Familie ist, war nicht nur in Asien verbreitet, wenn ich da an die vergangenen Jahrhunderte in Deutschland denke.
    [/quote]


    Das ist ein interessantes Thema. Ich finde asiatische Männer auch sehr angenehm. Sie wollen nicht den "tollen Macker" spielen, sind eher still, sehr höflich und rücksichtsvoll. Eine Frau kann in asiatischen Ländern problemlos allein herumreisen, ohne permanent angebaggert zu werden. Das genieße ich sehr.


    Nur habe ich gerade von asiatischen Frauen auch sehr kritische Äusserungen über ihre männlichen Landesgenossen gehört. Hinter dem eher schüchternen Benehmen können sich durchaus sehr konservative Vorstellungen über die Rolle der Frau verbergen. Ganz tot ist das konfuzianische Denken, nach dem eine Frau zuerst dem Vater, dann dem Ehemann und schließlich sogar dem Sohn gehorchen soll, noch nicht.


    Letztendlich kommt es wohl - völlig unabhängig von der Nationalität - immer auf den einzelnen Mann an. ;)


    Zur damaligen Zeit waren Europäerinnen meines Erachtens deutlich besser dran als Asiatinnen, obwohl sie natürlich nicht gleichberechtigt waren. Für Nobus Verhalten habe ich aber auch Verständnis. Er steht unter dem Druck uralter Traditionen, dagegen kommt man nicht so leicht an.