05 - Seite 337 bis Seite 416 (IV Teil bis einschl. Kapitel 31)

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  • Und es sind die Gespräche mit Annette, die mir Jakob zunehmend sympathischer werden lassen! Er hat ihre Intelligenz erkannt und ihre Argumente überlegt. Reife Leistung für einen Mann in dieser Zeit.


    Auch mir gefallen die Dialoge zwischen Jakob und Anette, sie behandeln sich inzwischen auf Augenhöhe, was bei Jakob ja ein Fortschritt ist, wenn ich an den Beginn der Geschichte denke. Ich mag ihn immer lieber und bin froh, dass Anette in ihm einen ebenso kompetenten Gesprächspartner hat, der sie fordert.


  • Nun kennen wir ( fast? ) die ganze Wahrheit über Bökendorf! Auch die Rolle, die Wilhelm dabei spielte und den Grund, warum er sich in Wirklichkeit für diese gemeine Intrige hergegeben hat! Und natürlich kann er den wahren Grund niemandem offenbaren.
    Übrigens hätte ich nie damit gerechnet, dass Wilhelm diese wilden Träume von Annette haben könnte, immer noch hat, wenn ich das richtig verstehe.
    Er mag sie ja nicht einmal, sie ist ihm ob ihres so unweiblichen Betragens sogar zuwider. Aber irgendetwas tief in ihm ist geradezu berauscht von ihr.


    Diesen Widerspruch in Wilhelm fand ich auch sehr interessant, zumal er Anette nicht sympathisch findet. Mich wundern ehrlich gesagt auch diese Träume, die er von ihr hat. Eigentlich benimmt er sich eher wie ein verschmähter Liebhaber, der sich seine Rache mit der Teilnahme an dieser Intrige verspricht. Vielleicht ist es gerade ihre geistige Überlegenheit, die ihm ein Dorn im Auge ist.

  • Es sind tatsächlich die kleinen Kuriositäten am Rande, die dem Roman Charme verleihen!
    Worüber ich in Bezug auf Kutschen und Pferde erstaunt war, ist die Tatsache, dass die Pferde farblich zu den Kutschen passen mussten, - oder umgekehrt.... ;)


    Das habe ich in der Tat auch noch nie vorher irgendwo gelesen und bin immer wieder überrascht, welche kleinen Details Tanja immer wieder ausgräbt und in ihren Geschichten verarbeitet.

  • Die Drostes sind beide nicht glücklich, nicht einmal fröhlich, das stimmt. Aber was ist mit Jacob? Ich empfinde seinen Gemütszustand als regelmäßig, als gleichbleibend, nicht aber als unglücklich. Gewiss, durch sein oft schroffes Verhalten macht er sich keine Freunde, aber ich glaube auch nicht, dass er diese braucht. Er hat Wilhelm. Und der reicht ihm, mit ihm teilt er seine Interessen und auch sein Leben. Ich sehe ihn als fatalistisch, er nimmt das Leben, wie es kommt. Und er führt, bis auf die Geldprobleme, meines Erachtens genau die Art von Leben, die ihm zusagt!


    Jakob lebt wirklich in seiner eigenen Welt. Aber er beginnt, sich gerade mit Anette doch während der Zusammenarbeit recht wohl zu fühlen. Manchmal wirkt er auf mich wie ein Authist, der in seiner eigenen Welt gefangen ist und nur ab und an mal einen Blick nach draußen wagt.


  • Mir kommt auch Lotte am glücklichsten vor. Dann vielleicht Jakob, wobei man bei ihm eher zufrieden sagen muss.


    Ich mag Annette sehr und sie tut mir unendlich leid, dass sie so leiden musste. Und alles nur wegen einer bösen Intrige. Weil August ihre Intelligenz nicht passte. Vermutlich war sie intelligenter als er und das gefiel ihm nicht. Es konnte doch nciht sein, dass eine Frau schlauer war als er? Er war schließlich ein Mann und Frauen hatten dummer zu sein!


    Diese Ansicht haben viele Männer damals vertreten und deshalb durften Frauen ja auch nicht wählen oder öffentlich ihre eigene Meinung haben. Frauen galten als Unruhestifter, wenn sie es doch taten und wurden oftmals geächtet. Was für eine Arroganz, Frauen Intelligenz abzusprechen!


  • Die damaligen Polizeimethoden finde ich etwas wunderlich. Wieso schlägt man einen Mann nieder, der gerade am Grab seiner Mutter steht? Was hat Jakob so Verwerfliches getan, dass man ihn so angeht? Den vorgegebenen Grund finde ich einfach zu nichtig, als das er wahr sein könnte.


    Angst um den eigenen Arbeitsplatz, Angst vor Jacobs Klugheit und Überlegenheit. Das sind schon gewichtige Gründe, ihn kaltstellen zu wollen....



    Wilhelm Grimms Beteiligung an dieser Intrige wird immer ominöser. Er hat sich zum Spielball von Anettes Onkel August machen lassen. Wollte er sich an Anette rächen, weil er selbst ihr zugetan war und sie ihn nicht beachtet hat?


    Ich glaube nicht an Rache aus dem von dir in Betracht gezogenen Grund, - vielmehr glaube ich, dass Wilhelm Annette bestrafen wollte für seine eigene Besessenheit von ihr! Vielleicht dachte er, von ihr loszukommen, wenn er sie in einer kompromittierenden Situation sah, was ihm ihren "verwerflichen" Charakter bewies.
    Aber wer weiß schon, was im benebelten Hirn eines gegen seinen Willen Verliebten vor sich geht....




    Alles deutet als Grund dafür auf die Gemälde hin, aber ist es wirklich so einfach?


    Da auch vor Beginn des letzten Abschnitts noch kein plausibler Grund für den Mord bzw. die Morde vorliegt, muss es etwas mit den Gemälden zu tun haben, die die Freiin wiederholt als die ihren reklamierte und die nicht auffindbar sind! Was - wenn sie sich bei Baron Kern befänden!?

  • Mir geht es ebenso. Ich fand den Grund fadenscheinig, mir kommt es eher so vor, als wollten sie Jakob eine Warnung geben. Er soll endlich Ruhe geben und sich aus der Mördersuche raushalten. Aber die Methoden der Polizei waren schon sehr drastisch.


    Klar! Genau das ist der Grund! Zumindest der gewichtigste ( siehe meinen vorhergehenden Kommentar...)

  • Diesen Widerspruch in Wilhelm fand ich auch sehr interessant, zumal er Anette nicht sympathisch findet. Mich wundern ehrlich gesagt auch diese Träume, die er von ihr hat. Eigentlich benimmt er sich eher wie ein verschmähter Liebhaber, der sich seine Rache mit der Teilnahme an dieser Intrige verspricht. Vielleicht ist es gerade ihre geistige Überlegenheit, die ihm ein Dorn im Auge ist.


    Letzteres glaube ich nicht, denn ich denke, dass er ganz gut mit "vorlauten Weibern" umgehen kann, da hat er schließlich seine Schwester Lotte als Beispiel.
    Leider aber kann er nichts gegen den hormonell bedingten Aufruhr in seinem Inneren tun, der ihm Annette, die einen Typ Frau vertritt, mit dem er eigentlich nichts anfangen kann, als Objekt seiner Begierde in seine Träume schickt und ihn ganz wuschelig macht. Davon will er sich unbedingt befreien! Wenn's sein muss, mit Gewalt - siehe Bökendorf!
    Ja, tatsächlich sehe ich seine schändliche Mitwirkung als einen Akt der Befreiung an.


  • Jakob lebt wirklich in seiner eigenen Welt. Aber er beginnt, sich gerade mit Anette doch während der Zusammenarbeit recht wohl zu fühlen. Manchmal wirkt er auf mich wie ein Authist, der in seiner eigenen Welt gefangen ist und nur ab und an mal einen Blick nach draußen wagt.


    Ich bin der Meinung, dass du mit dieser Einschätzung komplett richtig liegst! :)
    Und da ich jetzt so neugierig auf den echten Jacob Grimm bin, muss ich unbedingt herausfinden, wie er von seinen Biographen dargestellt wird!

  • Letzteres glaube ich nicht, denn ich denke, dass er ganz gut mit "vorlauten Weibern" umgehen kann, da hat er schließlich seine Schwester Lotte als Beispiel.
    Leider aber kann er nichts gegen den hormonell bedingten Aufruhr in seinem Inneren tun, der ihm Annette, die einen Typ Frau vertritt, mit dem er eigentlich nichts anfangen kann, als Objekt seiner Begierde in seine Träume schickt und ihn ganz wuschelig macht. Davon will er sich unbedingt befreien! Wenn's sein muss, mit Gewalt - siehe Bökendorf!
    Ja, tatsächlich sehe ich seine schändliche Mitwirkung als einen Akt der Befreiung an.


    Wenn ich mir das so überlege, dann bin ich überzeugt, dass Du recht hast. Aber hat es auch geklappt? Ich glaube nicht.

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Nur wer aufgibt hat schon verloren

  • @ Lerchie
    Ich denke, es hat nicht geklappt! Denn eigentlich hat Wilhelm seine Situation vielfach verschlimmert. Er kann doch gar keinen Selbstrespekt mehr haben, so wie er gestrickt ist, also eigentlich ein aufrichtiger Charakter ist. Und das Schlimmste - Jenny ist für ihn ein für allemal verloren! Vor allem durch diese Aktion in Bökendorf! :'(


  • Letzteres glaube ich nicht, denn ich denke, dass er ganz gut mit "vorlauten Weibern" umgehen kann, da hat er schließlich seine Schwester Lotte als Beispiel.
    Leider aber kann er nichts gegen den hormonell bedingten Aufruhr in seinem Inneren tun, der ihm Annette, die einen Typ Frau vertritt, mit dem er eigentlich nichts anfangen kann, als Objekt seiner Begierde in seine Träume schickt und ihn ganz wuschelig macht. Davon will er sich unbedingt befreien! Wenn's sein muss, mit Gewalt - siehe Bökendorf!
    Ja, tatsächlich sehe ich seine schändliche Mitwirkung als einen Akt der Befreiung an.


    Ich sehe das genauso. Wilhelm hat sich ein ideales Frauenbild zusammen gezimmert. Jenny kommt dem sehr nahe, also stellt er sie auf ein Podest und verehrt ein Trugbild. Angezogen fühlt er sich aber von Annette, die sagt, was sie denkt und verlangt, dass man ihr zuhört. Da er sich seine Verliebtheit nicht eingestehen kann und will, ist ihm jedes Mittel recht, um sich aus ihrem Bann zu befreien.


  • @ Lerchie
    Ich denke, es hat nicht geklappt! Denn eigentlich hat Wilhelm seine Situation vielfach verschlimmert. Er kann doch gar keinen Selbstrespekt mehr haben, so wie er gestrickt ist, also eigentlich ein aufrichtiger Charakter ist. Und das Schlimmste - Jenny ist für ihn ein für allemal verloren! Vor allem durch diese Aktion in Bökendorf! :'(


    Ja so lange Jenny nicht wusste, dass er da auch mit drinnen steckt, ging es noch einigermaßen gut. Aber ich denke auch, dass es jetzt aus ist. Ob die beiden Grimms und die Drostes Freunde bleiben können? Ich kenne ja die Biographien nicht.

    Liebe Grüße

    Lerchie

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    Nur wer aufgibt hat schon verloren


  • Ob die beiden Grimms und die Drostes Freunde bleiben können? Ich kenne ja die Biographien nicht.


    Jenny und Wilhelm korrespondierten lebenslang miteinander, allerdings mit einer zweijährigen Lücke just um diese Zeit. In Biographien wird angenommen, daß die Lücke mit Wilhelms Heirat zu tun hat, aber in meiner Romanwelt gibt es natürlich auch andere Gründe.


    Was Annette betrifft, so blieb sie mit den Grimms in losen Kontakt, auch, nachdem Jenny heiratete und an den Bodensee zog. Ihr Brief an eine gemeinsame Freundin, Johanna Hassenpflug (ja, aus dem gleichen Hassenpflug-Clan, dem auch Amalia "Malchen" Hassenpflug und Lotte Grimms Ehemann Ludwig Hassenpflug entsprangen), nachdem sie mal längere Zeit nichts von den Grimms gehört hatte, aus dem Jahr 1845, klingt sehr freundschaftlich und resssentimentfrei:


    "Was macht doch Louis Grimm? Und was Jacob und Wilhelm ? Zu mir kommen nur so einzelne verlorene Stücke Nachricht. Einmal waren beide krank, dann beide hergestellt, und dann war man doch nicht zufrieden mit ihrer Gesundheit. … Vor allem liegt mir aber doch Lotte am Herzen, und ich kann es nicht erwarten, genauere Nachricht über sie zu bekommen. Sie ist gewiss sehr angegriffen! Das arme Ding! Es ist dumm, wenn man sich so aus der Korrespondenz kommen läßt, man ist nachher so ungeschickt und ratlos, wenn man wieder anknüpfen möchte und nun so vieles dazwischen liegt, was man nicht weiß. Antworte mir doch bald, liebe Hanne! Die Zeit läuft so schnell und immer konfuser, daran sind die Eisenbahnen schuld, man kömmt auseinander, leiblich und geistig."

  • Die Hintergrundinformationen von Tanja finde ich auch sehr interessant und aufschlussreich. Vielen Dank dafür.


    Da ich ein wenig hinterherhinke und in diesem Abschnitt eigentlich schon alles gesagt wurde, werde ich mich nun auf den letzten Teil konzentrieren, um dann mein Schlussfazit ziehen zu können.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen