Allgemeine Fragen an Petra Johann

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  • Dann stelle ich doch mal ein paar Fragen:


    Könntest du dir vorstellen, auch etwas anderes als Krimis zu schreiben (Liebesromane wohl nicht :D )?
    Was steht denn als nächstes Projekt bei dir an?

  • Hallo Doscho!


    Momentan kann ich mir nicht vorstellen, etwas anderes als einen Kriminalroman zu schreiben. Zum einen, weil sie mein Lieblingsgenre sind, zum anderen weil Krimis dem Autor ja ohnehin so viele Möglichkeiten lassen. Ich finde, man kann zu jedem Thema einen spannenden Krimi schreiben. Mein aktuelles Projekt, an dem ich arbeite, ist daher auch wieder ein Krimi. Es geht darin um zwei Mädchen, die entführt werden. Mehr möchte ich an dieser Stelle allerdings noch nicht verraten.


    Ich finde übrigens, man muss die Genregrenzen auch nicht zu ernst nehmen. Ich mag es auch, wenn Genres sich vermischen. Ich finde z.B. Tana French ganz toll, und die schreibt ja nun auch nicht gerade die typischen Krimis. Und in "Die Einsamkeit des Todes" habe ich mir ja auch erlaubt, einen etwas untypischen Anfang zu wählen.

  • Hallo Petra,


    mich interessiert, was Dich zu Deinen Figuren inspiriert oder wie diese Geschöpfe entstehen. Gibt es für Dich irgendwelche Muster oder besondere Inspirationsquellen?


    Wie kommt man beispielsweise auf Zacharias Thedy?

  • Hallo artepsponk!


    Oh, das ist eine interessante Frage, über die ich tatsächlich noch nie nachgedacht habe. Noch schöner wäre es nur gewesen, wenn du sie zwei Stunden früher gestellt hättest. Ich komme nämlich gerade von einem wundervollen 2-Stunden-Waldspaziergang, da hätte ich gut darüber nachdenken können :)


    Stattdessen gibt es also jetzt eine spontane Antwort, und die lautet: Nebenfiguren springen mir meist voll ausgebildet in den Kopf, an Hauptfiguren muss ich arbeiten. Dabei sind Nebenfiguren für mich Figuren, die nur ein oder zweimal auftauchen und dabei einen bestimmten Zweck erfüllen. Zum Beispiel Zacharias Thedy. (Ich hoffe, ich spoiler hier nicht zu viel.) Seine Aufgabe in der Geschichte besteht im Wesentlichen darin, Hansi den Koffer abzunehmen, ihn Jenny zu bringen und ihr ein paar Infos zu geben. Das hätten natürlich viele tun können, insofern war ich in seiner Entwicklung recht frei. Ich hatte sofort die Idee, dass es schön wäre, wenn der Kofferüberbringer Jenny (und damit den Leser) ein bisschen auf die Folter spannt, indem er viel und ausschweifend erzählt. Dazu brauchte ich jemanden, der auch die Zeit dafür hat. Da bot sich natürlich ein Pensionär an. Ich hatte schnell einen würdigen, älteren Gentleman im Kopf, der mit seinem Dackel spazierengeht, in seiner Freizeit kluge Bücher liest oder sogar vielleicht schreibt und sich so seine ganz eigenen Gedanken über diese Welt macht. Dazu passte dann natürlich auch ein gepflegter Haarschopf und ein teurer Mantel - und ein altmodischer Name wie Zacharias. Den Nachnamen Thedy habe ich mir übrigens bei meinem Algebraprofessor aus dem ersten Semester geborgt, an den ich sehr positive Erinnerungen habe, der ansonsten jedoch keine Ähnlichkeit mit meinem Zacharias Thedy hat ;) Generell entwerfe ich nie Figuren nach lebenden Vorbildern. Allerdings verwende ich gerne Eigenschaften, die ich bei anderen beobachte (oder bei mir selbst).


    An den Hauptfiguren muss ich, wie gesagt, viel arbeiten, weil sie ja viele Bedingungen erfüllen müssen. Typischerweise entwickle ich meine Figuren parallel zu meinem Plot. Das heißt der Plot beeinflusst die Figuren, und die Figuren beeinflussen den Plot. Damit ich die Figuren gut kennenlerne, arbeite ich für die meisten Lebensläufe aus und lege sie auch auf die Psychotherapeutencouch, wo sie Fragen beantworten müssen. Zwei wichtige Fragen, die ich ihnen und damit mir stelle, sind übrigens: Welches Ereignis hat diese Figur geprägt? Und: welches Ereignis beschreibt die Person besonders gut? Wenn es sich anbietet, baue ich solche Ereignisse auch gern in den Roman ein.


    So viel zu meiner Arbeitsweise. Jetzt fragtest du, was mich noch zu den Personen inspiriert. Da lautet die Antwort vermutlich: alles :) Wie schon gesagt, Eigenschaften, die ich bei anderen beobachte, übernehme ich gern. Manche Dinge entstehen aber auch aus einer gewissen Trotzreaktion heraus. Allerdings fällt mir da gerade nur ein spoilerndes Beispiel ein, das schreibe ich, wenn Ihr fertig mit Lesen seid ;) Wieder andere Charakterzüge ergeben sich aus einer gewissen Gegenreaktion heraus: ich finde, es gibt wahnsinnig viele Krimis, in denen die Polizisten schwer mit Problem beladen sind. Entweder sie sind alkoholabhängig oder einsam oder beides oder sie haben eine schwierige Familie oder ... Da ich fand, dass Max und Tobi schon genügend persönliche Probleme mit ins Buch bringen, wollte ich aus Jenny eine unkomplizierte Polizistin machen, die auftauchende Probleme gleich im Keim erstickt. Dass sie ursprünglich aus dem Ruhrpott kommt und BVB-Fan ist, habe ich ihr von mir mitgegeben - sehr zum Leidwesen meines Lektors, der es eher mit der Konkurrenz hält ;D


    So, das waren mal ein paar Dinge, die mir spontan zu Deiner Frage eingefallen sind. Falls mir noch mehr einfällt, schreibe ich es noch dazu, aber die einfache Antwort ist vermutlich: mich inspiriert schlicht alles. Tatsächlich habe ich eher zu viel Fantasie, als zu wenig. Daher springen mir ständig Plotideen, Figuren, Szenen in den Kopf. Die Kunst ist es, da den Überblick zu behalten :) Und manchmal hätte ich wahnsinnig gern Dumbledores Pensieve, um einen Teil meiner Gedanken auszulagern. :schwitzen:

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen