#04 - Kapitel 14 bis einschließlich Kapitel 17

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  • Hier könnt Ihr zum vierten Abschnitt - ab Seite 275 bis 353 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Wow, der Abschnitt hat es in sich!


    Nun ist das Klappentextgehemeinis gelüftet: HPs Vater ist ein gesuchter SS-Mann, der zu viele Morde auf dem Gewissen hat. Martin Hartmann. Gruselig fand ich die Verteidigung der Mutter! Man merkt bei ihr ebenfalls noch sehr, wie die Nazidoktrin nachwirkt. Damit wird sie sicher keine Ausnahme sein (Ich persönlich werde eine Begegnung ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn nie vergessen, bei der ein Mann (Jahrgang wie HP würde ich schätzen) zu mir meinte: Hitler war ja kein schlechter Mensch, er hatte nur schlechte Mitarbeiter. :o ), es wird noch einige in der Zeit geben, die genauso denken. Nur sprach man es nicht mehr aus. Genau das machte ja auch die Aufklärung der Naziverbrechen so schwer. HP reagiert so, wie ich es von ihm erwartet hätte. Er tat mir auch sehr Leid, seine Mutter hat er verehrt - genauso wie er seinen Vater verklärt hat und dann so auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden...


    Und zu allem Überfluss kann er noch nicht mal Trost bei Ginny suchen. Als ich die Seite über Hartmanns Entdeckung gelesen habe, dachte ich mir immer mehr: Bitte, bitte, lass Ginnys Vater nicht Martin Hartmann sein. Doch dann kam es genauso, wie es kommen musste. Auch als HP noch mit Ginny vorher geschlafen hat, dachte ich mir, lasst es bleiben. Aber es ist passiert und ich kann HPs Reaktion gut nachvollziehen. Leider bekommt Ginny von seinem durchaus gutem Handeln nichts mit und das halte ich für grundverkehrt, auch wenn er sie damit schützen möchte. Aber hat sie nicht ebenso ein Anrecht auf die Wahrheit? Und ein wenig Hoffnung auf ein Happy-End habe ich noch. Immerhin gibt es noch den Joker Cooper! 8)


    Wie grausam Gregory ist, merkt man auch an der französischen Hausangestellten, deren Offenbarung mich dann doch sehr überrascht hat. Sein Nazigebaren hat er anscheinend immer noch nicht abgelegt. Schade, ich hätte ihm irgendwie wohl verziehen können, wenn er durch die Zeit in England geläutert gewesen wäre. :(


  • Wow, der Abschnitt hat es in sich!


    Und zu allem Überfluss kann er noch nicht mal Trost bei Ginny suchen. Als ich die Seite über Hartmanns Entdeckung gelesen habe, dachte ich mir immer mehr: Bitte, bitte, lass Ginnys Vater nicht Martin Hartmann sein. Doch dann kam es genauso, wie es kommen musste. Auch als HP noch mit Ginny vorher geschlafen hat, dachte ich mir, lasst es bleiben. Aber es ist passiert und ich kann HPs Reaktion gut nachvollziehen. Leider bekommt Ginny von seinem durchaus gutem Handeln nichts mit und das halte ich für grundverkehrt, auch wenn er sie damit schützen möchte. Aber hat sie nicht ebenso ein Anrecht auf die Wahrheit? Und ein wenig Hoffnung auf ein Happy-End habe ich noch. Immerhin gibt es noch den Joker Cooper! 8)


    Aus Liebe möchte Hans-Peter Ginny unter allen Umständen schützen. Das Mädchen vergöttert seinen Vater regelrecht, außerdem die Tatsache, dass sie mit ihrem eigenen Bruder geschlafen hat ...
    Da geht Hans-Peter lieber den Weg, dass Ginny ihn für ein A...loch hält, der sie nur ausgenutzt hat. Er denkt, durch sein mieses Verhalten kommt Ginny am schnellsten über ihre Liebe hinweg.
    Ob es unter diesen Umständen ein Happy-End geben kann? Hm ... schauen wir mal ;-)

    Always look on the bright side of life


  • Wie grausam Gregory ist, merkt man auch an der französischen Hausangestellten, deren Offenbarung mich dann doch sehr überrascht hat. Sein Nazigebaren hat er anscheinend immer noch nicht abgelegt. Schade, ich hätte ihm irgendwie wohl verziehen können, wenn er durch die Zeit in England geläutert gewesen wäre. :(


    Zwanzig Jahre gelang es Gregory ... Martin ... sein Geheimnis zu wahren. Jetzt wird es nicht nur durch Hans-Peter aufgedeckt, sondern noch durch eine andere Person, die dafür sogar gemordet hat. Da sind ihm die Sicherungen durchgegangen. Der Risikofaktor "Hans-Peter" besteht ja immer noch, da hofft Hartmann jedoch, dass dieser aus Liebe gegenüber Ginny schweigen wird - was ja auch zutrifft.
    Zu dieser Zeit wurden Kriegsverbrecher von den Briten immer noch mit dem Tod bestraft. Die letzte Hinrichtung war zwar 1964, offiziell abgeschafft wurde die Todesstrafe in Großbritannien aber erst 1998.

    Always look on the bright side of life


  • Gruselig fand ich die Verteidigung der Mutter! Man merkt bei ihr ebenfalls noch sehr, wie die Nazidoktrin nachwirkt. Damit wird sie sicher keine Ausnahme sein (Ich persönlich werde eine Begegnung ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn nie vergessen, bei der ein Mann (Jahrgang wie HP würde ich schätzen) zu mir meinte: Hitler war ja kein schlechter Mensch, er hatte nur schlechte Mitarbeiter. :o ), es wird noch einige in der Zeit geben, die genauso denken. Nur sprach man es nicht mehr aus.


    Da ich mich schon so lange mit diesem Thema beschäftige, bringe ich ein gewisses Verständnis für diese Menschen auf, auch aus eigener Erfahrung (jetzt wird es wieder etwas biografisch ;-) ). Meine Mutter, geb. 1930, wuchs im Naziregime auf, sie kannte nichts anderes als die Parolen. Obwohl meine Oma auf "der anderen Seite stand" - das ist aber ein anderes Thema - musste sie sich zugunsten ihrer Kinder, meine Mutter und deren Bruder, den Mund halten, um ihre Kinder nicht zu verlieren. In der Schule, in der Freizeit, überall wurden den Kindern die Naziparolen eingetrichtert, eine Mitgliedschaft im BDM oder der HJ war "Pflicht". Wessen Eltern sich dagegen verwehrten, erging es nicht gut und oft wurden diesen die Kinder wirklich entzogen!
    Obwohl meine Mutter eine sehr gebildete und vernünftige Frau war, steckte dieser Stachel, diese Prägung immer in ihr. Sie wusste, es war falsch, Ausländer, Menschen anderer Religionen und Andersdenkende zu verurteilen, trotzdem blitzte immer mal wieder die eine oder andere Bemerkung unter der Oberfläche auf. Sie schämte sich dann auch dafür, manche Gedanken waren in ihr aber so tief verwurzelt, dass ich ihr deswegen nicht böse bin.
    Ich denke, es ist für uns heute sehr schwer nachzuvollziehen, welche Gehirnwäsche die Kinder und Jugendlichen zwischen im 3. Reich unterzogen worden sind.

    Always look on the bright side of life

  • Rational betrachtet kann ich das auch verstehen. Aber emotional ist es teilweise unbegreiflich. Das ist das schlimme am Nationalsozialismus. Er ist so unbegreiflich, wenn man ihn selbst nicht erlebt hat. Die Indoktrinierung und Propaganda war so allumfassend, natürlich war das Gedankengut auch später noch in den Köpfen. Ein Umdenken ist schwierig und selbst wenn man es schafft, fallen einem immer mal wieder Vorurteile, Redewendungen etc. auf, die gar nicht oder selten hinterfragt werden.


    Genauso kann ich zwar auch HPs Verhalten verstehen, aber schweigen oder Notlügen ist meistens keine gute Idee - auch wenn man es aus den edelsten Motiven heraus macht. Allerdings ist reden und ehrlich sein, manchmal viel schwerer und kann auch sehr viel zerstören. (Aber wenn dann später doch mal die Wahrheit ans Licht kommen sollte, wird es nur noch schlimmer.)

  • Irgendwie ist der Liebesroman nun doch noch zu einem Krimi geworden!
    Auf jeden Fall war dieser vierte Abschnitt sehr aufwühlend und voller Dramatik, womit ich in diesem Maße nicht gerechnet hatte! Wer konnte denn ahnen, dass sich der ruhige, sympathische Gregory Bentham als der gewissenlose Nazi Martin Hartmann herausstellen würde!?
    Für mich war diese Enthüllung eine große Überraschung - und, wäre es kein Roman, sehr unglaubwürdig. Aber in erfundenen Geschichten darf auch das Unwahrscheinliche sein...


    Gregory/Martin! Ein Mann mit zwei Gesichtern! Nun gut, man las ja des öfteren, dass die Nazi-Schlächter nicht selten liebevolle Ehemänner und Familienväter waren. Für mich aber stellt sich die Frage, wie das sein kann, wie man auf der einen Seite ohne mit der Wimper zu zucken Menschen umbringen ( und Micheles Mann war in Hartmanns Fall nur einer von Hunderten, wie ich befürchte ) und auf der anderen Seite ein normales, unauffälliges Leben führen kann. Das ist schizophren!
    Überhaupt, wie kann man ruhig weiterleben, wenn man so viele Menschen auf dem Gewissen hat?
    Das zeigt mir, dass es Individuen gibt, die frei von jedem Gewissen, die abgrundtief böse sind. Eine andere Erklärung kann ich dafür nicht finden.


    Doch Hans-Peter hat ein sehr ausgeprägtes Gewissen! Ich stelle mir vor, wie er, nichtsahnend, was er mit seinem Drang, mehr über seinen Vater herauszufinden, auslösen würde, aus den doch soliden, wenn auch nicht sehr glücklichen Schienen seines bisherigen Lebens gekippt ist, als er erfuhr, dass er der Sohn eines flüchtigen Kriegsverbrechers anstelle eines "fürs Vaterland gefallenen" Helden ist!
    Das muss einem einfach den Boden unter den Füßen wegziehen.


    Auch von seiner Mutter ist keine Hilfe zu erwarten, wiewohl ich sie schon verstehen kann. Nicht billigen, nicht für gut heißen, aber verstehen durchaus. Wem wäre denn zum einen geholfen, wenn der cholerische, aufgeblasene Kleinschmidt die Wahrheit erfahren würde und alle Welt über Hildegards Vergangenheit Bescheid wüsste!? Sie könnte nicht mehr in dem Ort bleiben, Kleinschmidt würde sie rausschmeißen, so wie ich ihn einschätze ( obwohl es mich gar nicht wundern würde, wenn auch er Dreck am Stecken hätte und während des Krieges ein rechter Nazi war. )!
    Zum anderen war es genau so, wie sie es Martin begreiflich zu machen versucht hat: für ein besseres Leben, für ein Herauskommen aus dem Elend tut man viel. Ich bin auch überzeugt, dass sie Martin ehrlich zugetan war, so wie auch umgekehrt.
    Und das, was er da im Krieg an Schandtaten begangen hat, wusste sie vermutlich nicht so genau - und wollte es auch nicht wissen.
    Schließlich darf man die perfide Indoktrinierung des Nazi-Regimes mit seinem verbrecherischen Gedankengut nicht vergessen! Die tat ihr Übriges, um den Menschen eventuell vorhandene Skrupel zu nehmen. Nur wenige, viel zu wenige, haben sich aufgelehnt, denn Auflehnung bedeutete immer höchste Lebensgefahr...


    Ob Martins spontane Reaktion auf die Erkenntnis, dass Bentham sein Vater Martin ist ( er hat nur zwei Photos von ihm gesehen - und dennoch hat er ihn sofort erkannt? Zwanzig Jahre später? ), so klug war, wage ich zu bezweifeln. Aber auch ihn kann ich verstehen, er konnte nicht mehr klar denken, aber doch klar genug, um zu verstehen, dass Ginny seine Halbschwester ist ( wenn sie nicht, wie ich im Abschnitt vorher vermutet habe, in Wirklichkeit die Tochter des unsteten Tasmaniers ist, woran ich jetzt fest glaube! ). Und deshalb darf eine Verbindung einfach nicht sein!
    Nun, zu diesem Zeitpunkt konnte er nicht mit Ginny reden. Womöglich hätte Bentham/Hartmann ihn auch noch umgebracht, - so, wie er Michele ( ganz falsch hatte ich sie eingeschätzt! ) eiskalt das Genick gebrochen hat!
    Der Mann kann ohne Skrupel töten - und dass Martin sein Sohn ist, weiß er schließlich noch nicht. Doch wenn er sich und das ruhige, angenehme Leben, das er sich aufgebaut hat, schützen möchte, würde er auch den Sohn umbringen, der ihm unbekannt ist, zu dem er nie eine Beziehung aufbauen konnte. Eine schauerliche Vorstellung!


    Im Moment allerdings geht es erstmal um die beiden jungen Leute, die weiter denn je voneinander entfernt sind. Ich bin sehr neugierig, wie die Autorin diesen Schlamassel am Ende auflösen wird!


  • Wie grausam Gregory ist, merkt man auch an der französischen Hausangestellten, deren Offenbarung mich dann doch sehr überrascht hat. Sein Nazigebaren hat er anscheinend immer noch nicht abgelegt. Schade, ich hätte ihm irgendwie wohl verziehen können, wenn er durch die Zeit in England geläutert gewesen wäre. :(


    Geläuterte Massenmörder? Daran glaube ich keine Sekunde! Wer einmal mordet, mordet immer wieder - dafür gibt es in der langen, blutigen Menschheitsgeschichte unzählige Beispiele! Michele war im Handumdrehen tot, völlig skrupellos ermordet. Und das ist ihm so leicht gefallen, als hätte er sein tägliches Frühstück zu sich genommen. Nein, kein Mitleid, kein Verzeihen, keine Gnade. Zwanzig Jahre lang war Bentham/Hartmann ein Wolf im Schafspelz - doch ein Wolf ist er immer geblieben!


  • Da ich mich schon so lange mit diesem Thema beschäftige, bringe ich ein gewisses Verständnis für diese Menschen auf, auch aus eigener Erfahrung (jetzt wird es wieder etwas biografisch ;-) ). Meine Mutter, geb. 1930, wuchs im Naziregime auf, sie kannte nichts anderes als die Parolen. Obwohl meine Oma auf "der anderen Seite stand" - das ist aber ein anderes Thema - musste sie sich zugunsten ihrer Kinder, meine Mutter und deren Bruder, den Mund halten, um ihre Kinder nicht zu verlieren. In der Schule, in der Freizeit, überall wurden den Kindern die Naziparolen eingetrichtert, eine Mitgliedschaft im BDM oder der HJ war "Pflicht". Wessen Eltern sich dagegen verwehrten, erging es nicht gut und oft wurden diesen die Kinder wirklich entzogen!
    Obwohl meine Mutter eine sehr gebildete und vernünftige Frau war, steckte dieser Stachel, diese Prägung immer in ihr. Sie wusste, es war falsch, Ausländer, Menschen anderer Religionen und Andersdenkende zu verurteilen, trotzdem blitzte immer mal wieder die eine oder andere Bemerkung unter der Oberfläche auf. Sie schämte sich dann auch dafür, manche Gedanken waren in ihr aber so tief verwurzelt, dass ich ihr deswegen nicht böse bin.
    Ich denke, es ist für uns heute sehr schwer nachzuvollziehen, welche Gehirnwäsche die Kinder und Jugendlichen zwischen im 3. Reich unterzogen worden sind.


    Dem kann ich nur zustimmen! Auch meine Eltern, beide in den Zwanzigern geboren, haben das Dritte Reich voll mitgekriegt, und es war selbstverständlich, dass sie der Hitlerjugend und dem BDM angehörten. Es wäre auch gar nicht anders möglich gewesen, ohne unter Repressalien zu leiden.
    Und das. was du über deine Mutter schreibst, kann ich bezüglich meiner Eltern bestätigen. Die gleichen Geschichten habe ich auch gehört. Aber meine Mutter war immer ehrlich, wenn ich sie gefragt habe, was sie denn von all den Morden und den Konzentrationslagern gewusst habe! Sie hat nämlich nie gesagt, dass davon nichts zum Volk gelangt war - im Gegenteil! Man wusste es - auch in der tiefsten Provinz, in der meine Eltern lebten. Allerdings waren sie sich über das tatsächliche Ausmaß von Hitlers Schreckensherrschaft nicht im Klaren! Und es übersteigt ja auch jegliche Vorstellungskraft.... :'(

  • Ja, mich hat dieser Leseabschnitt auch sehr aufgewühlt. Nichts ist so, wie es scheint.


    Hans-Peters Mutter war mit einem SS-Hauptsturmführer verheiratet. Durch ihre frühe Armut war sie geblendet von "gutem Leben" in der Kriegszeit. Ihren Mann hat sie nur selten gesehen.


    Ginnys Vater (zu diesem Thema komme ich noch zurück) ist nicht der liebevolle, treusorgende Vater, den wir eigentlich kannten, sondern er ist Hans-Peters leiblicher Vater und ehemaliger SS-Hauptsturmführer und Mörder, der gewaltsam die neue französische Hausangestellte ermordet, nachdem diese ihn wiederentdeckt hat.


    Daß Hans-Peter nun so tut, als ob er nur auf das Geld aus war, ist die erstbeste Lösung, um von Ginny wegzukommen.


    Daß Ginny jetzt über alle Maßen enttäuscht ist, ist nur zu klar. Aber für den ersten Augenblick ist es wohl das Beste.


    Nun zurück zu Ginnys Vater. Auch wenn ich mich da weit vorwage, glaube ich, daß er nicht Ginnys Vater ist. Ich vermute ganz stark, daß sie aus einer Verbindung von ihrer Mutter und ihrem Liebhaber entstanden ist, der ja schon von dem Großvater eingestellt wurde. Und "der Deutsche", der eingestellt wurde, war dann ein einfaches Mittel, um eine eventuelle Schwangerschaft zu verdecken. Denn die Liebe zwischen Ginnys Vater und seiner Mutter scheint ja nicht bedeutend zu sein. Und bei ihrer Liebschaft geht es der Mutter ja nur darum, nicht ihre Tochter zu verlieren.


    Welch ein Durcheinander! Wie wird es mit Hans-Peter und Ginny weitergehen können?


  • Die gleichen Geschichten habe ich auch gehört. Aber meine Mutter war immer ehrlich, wenn ich sie gefragt habe, was sie denn von all den Morden und den Konzentrationslagern gewusst habe! Sie hat nämlich nie gesagt, dass davon nichts zum Volk gelangt war - im Gegenteil! Man wusste es - auch in der tiefsten Provinz, in der meine Eltern lebten. Allerdings waren sie sich über das tatsächliche Ausmaß von Hitlers Schreckensherrschaft nicht im Klaren! Und es übersteigt ja auch jegliche Vorstellungskraft.... :'(


    Auch ich glaube es nicht, dass die Menschen damals völlig unwissend waren. Hatte ich in meiner Familie gezielt danach gefragt, erhielt ich nur Antworten in der Art: "Ach, Kind, es waren damals andere ... schwere Zeiten ...", dann fiel ein Schatten übers Gesicht und das Thema wurde schnell gewechselt.

    Always look on the bright side of life

  • Anders als heute (daran merkt man, wie "nachhaltig" die NS-Zeit auch in diesem Hinblick war :( ) gab es ja auch einige jüdische Geschäfte und deren Zerstörung und die Verhaftung und Verschleppung der Leute muss man ja mitbekommen haben. Es sei denn man war bettlägerig oder ist mit geschlossenen Augen durch die Stadt gelaufen.



    Ob Martins spontane Reaktion auf die Erkenntnis, dass Bentham sein Vater Martin ist ( er hat nur zwei Photos von ihm gesehen - und dennoch hat er ihn sofort erkannt? Zwanzig Jahre später? ), so klug war, wage ich zu bezweifeln.


    Ich habe mir die sofortige Erkenntnis so erklärt, dass er die Fotos zum einen erst vor kurzem gesehen hat, auf der anderen Seite verändert man sich teilweise ja auch nicht mehr soo stark ab 20 Jahren und er hat das Foto noch so vor Augen, weil er so geschockt ist und haben die beiden auch nicht die gleichen Augen? Das könnte ja ebenfalls nochmal mehr zum Erkennen führen.
    Ich hab beim Lesen einfach nur gedacht: Dreh dich um, dreh dich um! Bist du Martin Hartmann? Dreh dich um!! :-[ ;D

  • Hier geht es jetzt ans Eingemachte.


    Ginnys Vater Gregory ist tatsächlich ein verkappter Nazi und in Wirklichkeit Martin Hartmann. Mit meinen Vermutungen bezüglich der Fotografien hatte ich also doch recht, er hat versucht zu verhindern, dass sein Alias ans Tageslicht kommt. Was für eine schlimme Eröffnung, aber ich kann mir gut vorstellen, dass so einige Nazischergen so untergetaucht sind und fröhlich vor sich hingelebt haben, ohne jemals ihre Schuld begleichen zu müssen. Alles in allem bestätigt das nur wieder meine Meinung: alle Nazis waren feige Schweine, die nicht zu ihren Taten stehen. HP muss die Tatsache, dass Ginny womöglich seine Halbschwester ist, völlig niederschmettern. Was wird er jetzt tun, Abstand zu ihr halten? Wie will er ihr das erklären?


    Und Hartmann wird alles dafür tun, seine jetzige Existenz nicht gefährden zu lassen, er ist skrupellos und wie zu Nazizeiten ein Mörder. Solche Menschen ändern sich fast nie. Er ist gefährlich für jeden, der seinen Weg kreuzt.


    Für HP muss es gruselig gewesen sein zu hören, wer sein Vater wirklich war. Noch schlimmer die Verblendung seiner Mutter, die anscheinend immer noch nicht begriffen hat, was diese Verbrecher wirklich getan haben. Ihr war nur ein gutes Leben wichtig. Fast bin ich schon geneigt zu sagen, hoffentlich findet Kleinschmidt ihre Vergangenheit heraus, aber wem wäre damit jetzt noch geholfen? Schämen sollte sie sich allemal. Ich frage mich wirklich, was diese Erkenntnis mit einem jungen Mann wie HP macht. Wendet er sich von seiner Mutter ab oder kann er ein gewisses Verständnis für sie aufbringen? Ich wäre wohl aus allen Wolken gefallen. Mein Großvater war im Widerstand und musste dafür sterben. Viele ehemalige Nachbarn meiner verstorbenen Großmutter waren Nazis und haben ihn verpfiffen. Das war für meine Oma eine schlimme Zeit, mit zwei kleinen Kindern als alleinerziehende Mutter, die auch noch arbeiten musste.


  • Gruselig fand ich die Verteidigung der Mutter! Man merkt bei ihr ebenfalls noch sehr, wie die Nazidoktrin nachwirkt. Damit wird sie sicher keine Ausnahme sein.


    Da ging es mir ebenso. Ich kann die Einstellung der Frau absolut nicht nachvollziehen. Es gibt ja so manche, die sagen heute noch "früher war nicht alles schlecht", aber zu welchem Preis bitte?? Ihre Haltung finde ich verachtenswert und auch wenn man die Zeit bedenkt, ihr Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen.


  • Wie grausam Gregory ist, merkt man auch an der französischen Hausangestellten, deren Offenbarung mich dann doch sehr überrascht hat. Sein Nazigebaren hat er anscheinend immer noch nicht abgelegt. Schade, ich hätte ihm irgendwie wohl verziehen können, wenn er durch die Zeit in England geläutert gewesen wäre. :(


    Einmal Mörder, immer Mörder. Dieser Mann versucht mit allen nur erdenklichen Mitteln, seine falsche Identität zu wahren und wer ihm in die Quere kommt, muss halt sterben. Er denkt nur an sein eigenes Wohl und zur damaligen Zeit würde eine Enttarnung für ihn auch mit Gefängnis und Prozess, eventuell sogar mit der Todesstrafe enden, denn die Briten haben kontinuierlich Jagd auf Nazis gemacht und diese auch verurteilt. Ebenso die Amerikaner.


  • Das ist schizophren!


    Nee, das sind echte Psychopathen, die nur an sich denken und keinerlei Empathie besitzen anderen gegenüber. Solange es ihnen gutgeht, geht es anderen auch gut. Doch kommt man ihnen oder ihren Taten zu nahe, offenbaren sie ihr wahres Gesicht und Menschen, die ihnen nahe stehen, sind dann auch nicht mehr sicher.


  • Doch Hans-Peter hat ein sehr ausgeprägtes Gewissen! Ich stelle mir vor, wie er, nichtsahnend, was er mit seinem Drang, mehr über seinen Vater herauszufinden, auslösen würde, aus den doch soliden, wenn auch nicht sehr glücklichen Schienen seines bisherigen Lebens gekippt ist, als er erfuhr, dass er der Sohn eines flüchtigen Kriegsverbrechers anstelle eines "fürs Vaterland gefallenen" Helden ist!
    Das muss einem einfach den Boden unter den Füßen wegziehen.


    HPs Empfindungen mag ich mir gar nicht ausmalen. Ein junger Mann, der seine Mutter liebt und bisher nur Heldendinge über seinen Vater gehört hat, bekommt nun die grausame Wahrheit aufgetischt. Das kann den stärksten Mann aus den Schuhen hauen. Aber so wie ich HP einschätze, wird er den Dingen nun erst recht auf den Grund gehen. Er wird nicht eher locker lassen, als bis er alles restlos erfahren hat, und das kann richtig gefährlich für ihn werden, wenn man an Martins Taten denkt...


  • Auch von seiner Mutter ist keine Hilfe zu erwarten, wiewohl ich sie schon verstehen kann. Nicht billigen, nicht für gut heißen, aber verstehen durchaus. Wem wäre denn zum einen geholfen, wenn der cholerische, aufgeblasene Kleinschmidt die Wahrheit erfahren würde und alle Welt über Hildegards Vergangenheit Bescheid wüsste!? Sie könnte nicht mehr in dem Ort bleiben, Kleinschmidt würde sie rausschmeißen, so wie ich ihn einschätze ( obwohl es mich gar nicht wundern würde, wenn auch er Dreck am Stecken hätte und während des Krieges ein rechter Nazi war. )!
    Zum anderen war es genau so, wie sie es Martin begreiflich zu machen versucht hat: für ein besseres Leben, für ein Herauskommen aus dem Elend tut man viel. Ich bin auch überzeugt, dass sie Martin ehrlich zugetan war, so wie auch umgekehrt.
    Und das, was er da im Krieg an Schandtaten begangen hat, wusste sie vermutlich nicht so genau - und wollte es auch nicht wissen.


    Nein, tut mir leid, ich kann Hildegards Verhalten in keiner Weise billigen oder verstehen. Ihr ging es um Ansehen, Sicherheit, Auskommen. Dass sie nichts von den Taten wusste, glaube ich nie, denn es wussten alle, was da los war. Ich hoffe für sie, dass Kleinschmidt das nicht herausfindet und sie vor die Tür setzt. Verdient hätte sie es allemal. Deine Ansicht über Kleinschmidt teile ich im Übrigen, ich bin auch davon überzeugt, dass er selbst auch einiges auf dem Kerbholz hat, aber solche Menschen, wollen andere Makel nicht mit ihrem Namen in Verbindung sehen, zumal er ja auch Bürgermeister ist.