02 - Seite 96 - Seite 183 (Abschnitt II bis einschl. Kapitel 9) schreiben.

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  • Wie hier schon erwähnt, wird die Dame in grün häufig für Buchcover verwendet. Davon war mir das Gemälde auch schon bekannt. Faszinierend fand ich, wie man jede Einzelheit deuten und ihr eine Aussage und Bedeutung zuordnen kann. Angefangen bei den Farben bis zur Symbolik einer Brücke, einer Bordüre. Handschuhe für eine verheiratete Frau :o Hochinteressant. 8)


    Umso mehr man über das Gemälde und die in Frage kommenden Maler erfährt, umso mehr erfährt man auch von Gemma. Immer drängender wird die Frage, was ihr Vater entdeckt haben könnte und wie es zu dem Brand kam. Angeblich ja nur eine Kerze. Aber vielleicht bringt ja die Akte noch etwas anderes zum Vorschein. Mit Sisleys Hilfe wagt sie jetzt den Schritt, Einblick zu nehmen.


    Das Highlight ist natürlich die langsame Annäherung unserer beiden Helden. Stück für Stück, Schritt für Schritt, öffnen sich die beiden. Immer wieder vergesse ich, dass es sich ja um eine Geschichte aus der Gegenwart handelt, denn ihre wachsende Zuneigung ist so zart und zögernd, wie es selten in aktuellen Liebesgeschichten erzählt wird. Das gefällt mir sehr.


    Erfrischend die "Bettszenen". Ich fühle mich an alte Hollywoodfilme erinnert. (Ich glaube einer hieß "Die Schweser der Braut" mit Grant und Hepburn ???) Und Sisley mit seinen Strickjacken. Gruselig altmodisch aber auch sehr passend. ;D


    Es ist erstaunlich, dass die beiden doch so problemlos aus ihrem Alltag ausgebrochen sind. Das geht sicher nur, weil sie zu zweit sind und sich im anderen spiegeln können. Ich spüre zwischen den Zeilen richtig, wie sie sich verändern. Auch wenn Gemma natürlich jetzt Kontrollzwänge hat. Alles wird gut. Ich bin mir sicher. :)


    Schön war, dass sie auf der Straße wiedererkannt wurde und dann Bilder und Erzählungen ihrer Eltern "geschenkt" bekommen hat. Mit vier Jahren seine Eltern zu verlieren ist einfach furchtbar. Über sie zu reden mit Menschen, die sie kannten, hilft ein bisschen.

  • Ich klink mich hier mal kurz ein, werde aber aus zeitlichen Gründen nicht so ganz an der Runde teilnehmen können.


    Aber bei der Recherche und Bildanalyse in diesem Abschnitt hier hatte ich eine Robert-Langdon-Assoziation ;D Dan Brown lässt ihn ja auch immer die unglaublichsten, kleinen Details entdecken und vor allem daraus seine Schlüsse ziehen - daran musste ich hier spontan denken.


    Nicole, bist du ein heimlicher Dan Brown- Fan? ;)


  • Wie hier schon erwähnt, wird die Dame in grün häufig für Buchcover verwendet. Davon war mir das Gemälde auch schon bekannt.


    Wie schön, dass sie Dir da schon begegnet ist! Ich habe tatsächlich auch zwei historische Romane in meinen Regalen, deren Cover die Dame in Grün ziert ...



    Faszinierend fand ich, wie man jede Einzelheit deuten und ihr eine Aussage und Bedeutung zuordnen kann. Angefangen bei den Farben bis zur Symbolik einer Brücke, einer Bordüre. Handschuhe für eine verheiratete Frau :o Hochinteressant. 8)


    Das hat mir bei der Recherche so unglaublich viel Spaß gemacht.
    Und wie es sich manchmal so fügt, stolperte ich gerade zu der Zeit auf arte über eine Doku über Mona Lisa - und fand den Bericht über die darunterliegende Ur-Mona Lisa so faszinierend, dass ich diese Infos Sisley mitgeben habe.


    Ah - das wollte ich eigentlich vorhin schon in einem Post zum ersten Abschnitt schreiben, aber hier passt es auch: es waren überhaupt viele kleine zufällige Fundstücke, die mit in den Roman eingeflossen sind. So z.B. ein Bericht über die Herstellung hochwertiger Globen und eine entsprechende Werkstatt, was ich so hinreißend fand, dass ich es zum Beruf von Fiona gemacht habe.



    Das Highlight ist natürlich die langsame Annäherung unserer beiden Helden. Stück für Stück, Schritt für Schritt, öffnen sich die beiden. Immer wieder vergesse ich, dass es sich ja um eine Geschichte aus der Gegenwart handelt, denn ihre wachsende Zuneigung ist so zart und zögernd, wie es selten in aktuellen Liebesgeschichten erzählt wird. Das gefällt mir sehr.


    Ich halte mich absichtlich zurück, was eure Gedanken und Empfindungen zu den beiden angeht (obwohl es mir bei jedem eurer Posts wunderbar warm ums Herz wird) - aber eines will ich auf jeden Fall dazu sagen: ich habe die beiden so unheimlich gern geschrieben. :herz:



    Hallo Dani,



    Aber bei der Recherche und Bildanalyse in diesem Abschnitt hier hatte ich eine Robert-Langdon-Assoziation ;D Dan Brown lässt ihn ja auch immer die unglaublichsten, kleinen Details entdecken und vor allem daraus seine Schlüsse ziehen - daran musste ich hier spontan denken.


    Nicole, bist du ein heimlicher Dan Brown- Fan? ;)


    Ganz und gar nicht heimlich, sondern ganz offen! "Da Vinci Code" und "Sakrileg" gehören zu meinen Lieblingsbüchern. Wie ich überhaupt solche Spurensuche-Bücher mag, besonders solche mit Symbol-Knobeleien. :)

  • Das Highlight ist natürlich die langsame Annäherung unserer beiden Helden. Stück für Stück, Schritt für Schritt, öffnen sich die beiden. Immer wieder vergesse ich, dass es sich ja um eine Geschichte aus der Gegenwart handelt, denn ihre wachsende Zuneigung ist so zart und zögernd, wie es selten in aktuellen Liebesgeschichten erzählt wird. Das gefällt mir sehr.


    Das empfinde ich auch so - es ist so zart und doch so innig, wie die beiden miteinander umgehen. Dennoch habe ich das Gefühl, sie sind auf einer unbewußten Ebene schon einen Schritt weiter. Das verraten - wie so oft - die Hände, die Blicke und die verlegenen Ausweichmanöver, wie der Griff zum Tablet oder zum Weinglas - solche kleinen Gesten eben, das sind Hinweise auf eine vertrauensvolle Nähe.
    Als sie das ehemalige Haus der Brownings besuchen, spüren sie deutlich deren Präsenz, als hätten sich deren Gedanken, Gespräche und Empfindungen in den alten Wänden materialisiert, als wäre ihre Liebe noch dort. Die Grenzen zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem verlieren ihre scharfen Konturen, zugleich spüren sie Gemeinsamkeiten mit Robert und Elisabeth. Sie verbindet eine Art Unrast,ein tiefgehendes Bedürfnis nach Spurensuche im Alltäglichen, nach Bedeutungen, Erinnerungen und dem gleichzeitig kollektiven
    wie individuellen Vermächtnis des Menschseins, das über reines Faktensammeln weit hinausgeht. Ein gemeinsames Gedächtnis der Imagination, Sehnsucht nach etwas Unsterblichem...

  • Die gemeinsame Spurensuche erweckt ungeahnte Kräfte in Gemma und Sisley. Wenn sie schon zuhause ihre gewohnten Routinen brauchen, werden sie unterwegs vor neue Herausforderungen gestellt.


    In Florenz sind sie Robert Browning und Elizabeth Barrett näher, spüren ihre Präsenz.


    Mit Gina Costa kommen Kindheitserinnerungen zurück. War Gemmas Vater dabei, einen Durchbruch in seiner Forschungen zu erzielen?


    Cesare D'Onofrio, der sich sehr gut in der Kunst auskennt, ist nicht zufällig eine bekannte Persönlichkeit Italiens?


    Es ist erstaunlich, wie versucht wird, einzelne Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzufügen. Obwohl ich mich mit der Kunst nicht auskenne, finde ich die Ausführungen sehr interessant.


    Dadurch daß sich Gemma und Sisley immer mehr vertraut werden, kommt in Sisley die Frage auf, wie es zu dem Brand kommen konnte. Der Brand beherrscht ja noch immer Gemmas Leben. Was werden sie Neues erfahren, wenn sie die Akte der Eltern einsehen?

  • Fiel mir der erste Abschnitt noch schwer, so habe ich diesen regelrecht eingesogen. Ich bin völlig fasziniert von der sich nun immer mehr herauskristallisierenden Geschichte.


    Das benannte Gemälde habe ich schon mehrfach gesehen. Als Kunsthistorikerin und Restauratorin bin ich immer wieder begeistert, wenn ich über meine eigene Arbeit in einem Buch lese. Auch hier wurde dies im Frankfurter Teil genau beschrieben. Oftmals verstehen die Menschen nicht, was mich an meinem Beruf so fasziniert. Ich bin immer wieder völlig aus dem Häuschen, wenn man in einem Bild Neues entdeckt oder etwas freilegt, was durch Verschmutzung oder Zerstörung verborgen war. Auch die Deutung von verschiedenen Symbolen etc. finde ich immer wieder spannend und aufschlussreich für die jeweilige Entstehungsphase.


    Gemmas und Sisleys Reise finde ich wunderbar. Die beiden sind sich so ähnlich in vielerlei Beziehung und sie ergänzen sich zudem hervorragend. Beide fangen die Stimmungen des jeweils anderen wunderbar auf. Sie verstehen sich ohne große Worte, dabei reden sie über die Dinge, die ihnen am Herzen liegen und legen so ihr Innerstes offen. Ich bin versucht zu sagen, dass beide vorher niemandem gegenüber so offen waren, wie zueinander. Und Sisley wächst mir immer mehr ans Herz, er ist so feinfühlig und wenn er errötet, dann kann ich mir ein liebevolles Grinsen nicht verkneifen.

    Der Besuch in Florenz – Gemmas Unfall und die Ahnung, Andrew in einer Soutane gesehen zu haben – das war schon fast krimireif. Vielleicht hat sich Gemma doch nicht getäuscht?! Aber das ist wirklich weit hergeholt. Ich vermute eine ganz andere Richtung (dass der Vater doch überlebt hat und ihr die Botschaften schickt – nur meiner Phantasie entsprungen). Der Besuch bei den alten Nachbarn ihrer Eltern – Gina und die Großmutter, die alten Fotos, die Gemma zum ersten Mal sieht, denn sie selbst besitzt ja kaum welche – was muss das für sie bedeuten. Ich fand es zauberhaft, dass sie doch noch andere Menschen gefunden hat, die ihre Eltern kannten und mit denen sie sich wohl fühlt, die ihre Erinnerungen mit ihr teilen, so dass sie ein etwas größeres Bild von der Vergangenheit bekommt. Auch Sisley hat es dort gefallen.


    Cesare ist ein Teufelskerl, ein italienischer Macho, aber auf eine liebevolle Art. Er stößt sie auf Dinge, die ihnen vielleicht im Vorfeld entgangen sind. Das Sezieren des Gemäldes unter immer neuen Gesichtspunkten.


    Gemmas und Sisleys Zweisamkeit im Hotel – der Berg an Schokolade und dann Sisleys Geständnis, dass er sich die Akte von Gemmas Eltern ansehen möchte. Endlich fasst auch Gemma den Entschluss, sich diese anzusehen. Sie wird mutiger und auch ihre Zwänge kommen nicht mehr so häufig an die Oberfläche. Mir hat der Vergleich auf S. 132 übrigens sehr gefallen, wie Sisley mit ihr darüber spricht, warum man so ist, wie man ist.

    Einmal editiert, zuletzt von Dreamworx ()


  • Wie hier schon erwähnt, wird die Dame in grün häufig für Buchcover verwendet. Davon war mir das Gemälde auch schon bekannt. Faszinierend fand ich, wie man jede Einzelheit deuten und ihr eine Aussage und Bedeutung zuordnen kann. Angefangen bei den Farben bis zur Symbolik einer Brücke, einer Bordüre. Handschuhe für eine verheiratete Frau :o Hochinteressant.


    Schön, dass Dir das gefällt. Das macht einen Teil der Faszination für meinen Beruf aus... :)


  • Aber vielleicht bringt ja die Akte noch etwas anderes zum Vorschein. Mit Sisleys Hilfe wagt sie jetzt den Schritt, Einblick zu nehmen.


    Dass Gemma es über all die Zeit vermieden hat, die Akte zu lesen, kann ich gut nachvollziehen, denn dort sind auch Fotos etc. enthalten, die sie sicher nicht mehr aus dem Kopf bekommen würde. Doch mit Sisleys Unterstützung wird sie die Informationen verkraften können. Sie wird immer stärker und weiß, dass Sisley bei ihr ist.


  • Erfrischend die "Bettszenen". Ich fühle mich an alte Hollywoodfilme erinnert. (Ich glaube einer hieß "Die Schweser der Braut" mit Grant und Hepburn ???) Und Sisley mit seinen Strickjacken. Gruselig altmodisch aber auch sehr passend. ;D


    Beide sind auf ihre eigene Art so wunderbar schrullig. Wie befreit sich Gemma in dem Sommerkleid fühlt nach ihrer Uniformierung über all die Jahre. Und Sisley fühlt sich halt in seinen Strickjacken wohl. Und dann diese Schokoberge, die die beiden miteinander teilen... - Sisley wäre auch einer für mich... ;)


  • Schön war, dass sie auf der Straße wiedererkannt wurde und dann Bilder und Erzählungen ihrer Eltern "geschenkt" bekommen hat. Mit vier Jahren seine Eltern zu verlieren ist einfach furchtbar. Über sie zu reden mit Menschen, die sie kannten, hilft ein bisschen.


    Dieser Besuch bei den alten Nachbarn ihrer Eltern - da hatte ich einen richtigen Kloß im Hals, so nah ist es mir gegangen, als Gemma die alten Fotos betrachtet, ihre Eltern und sogar sich selbst als kleines Mädchen sieht. Sie hat ja kaum Erinnerungsfotos von ihnen. Das muss ein Riesengeschenk für sie gewesen sein und hat es etwas realer für sie gemacht, ihre Erinnerungen aufgefrischt und mehr erfahren.

  • Das empfinde ich auch so - es ist so zart und doch so innig, wie die beiden miteinander umgehen. Dennoch habe ich das Gefühl, sie sind auf einer unbewußten Ebene schon einen Schritt weiter. Das verraten - wie so oft - die Hände, die Blicke und die verlegenen Ausweichmanöver, wie der Griff zum Tablet oder zum Weinglas - solche kleinen Gesten eben, das sind Hinweise auf eine vertrauensvolle Nähe.
    Als sie das ehemalige Haus der Brownings besuchen, spüren sie deutlich deren Präsenz, als hätten sich deren Gedanken, Gespräche und Empfindungen in den alten Wänden materialisiert, als wäre ihre Liebe noch dort. Die Grenzen zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem verlieren ihre scharfen Konturen, zugleich spüren sie Gemeinsamkeiten mit Robert und Elisabeth. Sie verbindet eine Art Unrast,ein tiefgehendes Bedürfnis nach Spurensuche im Alltäglichen, nach Bedeutungen, Erinnerungen und dem gleichzeitig kollektiven
    wie individuellen Vermächtnis des Menschseins, das über reines Faktensammeln weit hinausgeht. Ein gemeinsames Gedächtnis der Imagination, Sehnsucht nach etwas Unsterblichem...


    So wie Du habe ich das auch empfunden. Die beiden gleichen den Brownings mehr und mehr in ihrem Verhalten.
    Ich finde es übrigens auch interessant, dass Sisley, der ja vor Berührungen eher Abstand hält, auf einmal sein Knie an Gemmas lehnt oder auch ihre Hand drückt. Das zeigt viel mehr Intensität ihrer Beziehung als wenn sie wie wild rumknutschen würden, zumal das auch gar nicht zu ihnen passen würde. Sie achten und respektieren den jeweils anderen und fühlen sich in dessen Seele und dessen Geist zuhause. Diese innere Verbindung zwischen den beiden, auch was ihre Eigenheiten betrifft, ist wunderbar beschrieben.

  • Mit Bedacht habe ich nun diesen Abschnitt zum zweiten Mal gelesen - mich an eine Leserunde zu einem Roman erinnernd, mit dem ich bis zum letzten Abschnitt überhaupt nichts anfangen konnte, und den ich deshalb aus einem anderen Blickwinkel erneut zu lesen begann. Mit dem Resultat, dass er meine Sinne auf eine Weise ansprach, die mich erstaunte und entzückte. Er bescherte mir dann gegen alle Erwartungen doch noch ein tiefes Leseerlebnis!


    Für mein Verständnis unerlässlich erschien mir, als Lucrezia und der Maler Sandro wieder auftauchten, Mr. Google zu bemühen, um herauszufinden, wann genau diese erste Zeitebene angesiedelt ist. Etwas, das ich nicht gerne mache, weil ich, wie schon gesagt, finde, dass der Roman selbst über alles Relevante Auskunft geben sollte.
    Ich musste hier zur Ausschaltung falscher Fährten, auf die ich drauf und dran war, mich zu begeben, für mich abklären, wann denn Botticelli gelebt hatte. Ich begann zu mutmaßen, dass Lucrezias Sandro eventuell mit Botticelli identisch sein könnte, womit dann meine Theorie gewesen wäre, dass Gemmas Vater über die Brownings vielleicht Beweise dafür gefunden hatte, dank derer ein bislang unbekanntes Werk des großen Meisters hätte identifiziert werden können. Und damit hätte Bernstein natürlich eine sensationelle Entdeckung gemacht!
    Gegen Ende lese ich dann, dass wohl Allori jener Sandro ist, der zu Lucrezias Vertrautem und dann mutmaßlich zu ihrem Maler wurde, wie es die Autorin vorgesehen hat...


    Nun aber frage ich mich erneut, warum dieses Gemälde so wichtig ist, wenn es nicht um die Urheberschaft geht! Um Gemma wichtige Hinweise auf ihrer Suche nach was auch immer zu geben?
    Und die Hinweise zu deuten sind eine verzwickte Arbeit für Gemma und das Genie aus Oxford! In Frankfurt und genauso dann später in Florenz.
    Ich habe Schwierigkeiten, mich in dem Irrgarten aus Symbolen und deren Deutungen zurechtzufinden, denn ich schaue mir zwar gerne Werke der Malerei an, habe aber ansonsten kein besonderes Hintergrundwissen. Das haben Gemma und Sisley zwar auch nicht - aber die beiden sind schließlich mit einer Intelligenz gesegnet ( zwar wird nicht explizit Gemmas überdurchschnittliche Intelligenz hervorgehoben, dennoch vermute ich sie in ihr! ), die sie von den meisten der Normalsterblichen abhebt. Auch ihnen kann ich schwer folgen.


    Um für mich einmal eine Essenz herauszuholen - es ist GRÜN, dieses Gemälde, vor allem grün. Das wird immer wieder betont und muss daher auch eine Bedeutung haben!
    Und es führt, dank Gemmas Idee, es wie eine Karte zu lesen, in Kombination mit dem Gebilde aus Draht und Plastikperlen, das Gemma zugeschickt wurde, und das zwei Königslilien darstellen könnte, nach Florenz, in deren Wappen die Lilie zu finden ist.
    Aber am Ende des Abschnitts wird diese Theorie wieder zunichte gemacht, durch Cesare, oder? Ich habe dann aufgegeben, durchzublicken...


    Florenz ist auch der Ort, an dem zuerst Browning allein verweilte und an den er dann mit seiner Frau zurückkam. Hier auch findet der Roman-Robert in einem Beinhaus den Malachit, über dessen Bedeutung gegen Ende gerätselt wird, und der ihm, wie er meint, Glück bringen würde, weil er ihn an ein Bildnis erinnert, das er einmal gesehen hat - unsere Dame in Grün? -, und das ihn jetzt dazu veranlasst sein Gedicht über die "Duchess" Lucrezia zu schreiben. Eine weitere Verbindung!?


    Auch Gemma und Sisley tappen weiter im Dunkeln, zumal sie ganz überwältigt sind von den vielen Eindrücken, die in Florenz und der Toskana auf sie, deren räumlich enge Welt plötzlich weit wird und keine bekannten Stützpfeiler mehr hat, einstürzen. Taumelnd kommen sie mir vor, unsicher, sich aneinander festhaltend. Für Gemma ist es überdies eine Rückkehr zu dem Ort, an dem ihr Trauma begann.
    Wie kann, so frage ich mich, Italien mit seiner Fröhlichkeit und Unbeschwertheit und mit dem unwiderstehlichen Drang der Bevölkerung zum Improvisieren ihnen Sicherheit bieten?
    Letztere finden sie aber im Haus der Brownings, deren Spuren sie noch heute fühlen können, beide! Unglaublich ähnlich sind sie einander - und das ist für mich ein wichtiger roter Faden durch den Roman, der mich wie ein Irrgarten anmutet! - in ihren Empfindungen und Bedürfnissen!


    Verstörend ist Italien schon sehr bald, nachdem Gemma meint, Andrew Sullivan aus New York in einer Priestersoutane zu sehen und gleich darauf fast von einem Motorrad überfahren wird. Absicht? Dann nähme die Geschichte einen beängstigenden Verlauf, dann wäre Gemmas Suche nach dem noch Ungewissen tatsächlich nicht nur rätselhaft, sondern sogar gefährlich!?
    In diesem zweiten Abschnitt jedenfalls gibt es keine weiteren Hinweise darauf, zumal Gemma dann eine andere, sicherlich nicht erwartete Begegnung mit der Vergangenheit hat! Seltsam, dass diese Gina sich noch an die damals Vierjährige und ihre Eltern erinnert! Und - sehr großer Zufall und vielleicht wichtiges Puzzlestück! - sie weiß auch zu erzählen, dass Gemmas Vater am Abend vor seinem Tod von einem Durchbruch geredet hatte, bei was immer er gesucht hatte!


    Zuletzt taucht da eine weitere Verbindung auf, zumindest zu den Brownings, die so glücklich miteinander gewesen sein sollen, wie auch Gemmas Eltern, die doch, oberflächlich gesehen, wenigstens herkunftsmäßig so wenig miteinander gemein hatten!
    Und interessant ist auch das, was Sisley annimmt, nachdem Gemma sich gefragt hat, ob sie auch, wenn ihre Eltern nicht umgekommen wären, eine solche Einzelgängerin geworden wäre. Er bejaht die Frage, Parallelen ziehend zu seinem eigenen Heranwachsen in seinem exzentrischen aber auch über die Maßen geselligen und extrovertierten Elternhaus - und bestätigt damit auch meine Vermutung, dass Gemma einfach charaktermäßig so beschaffen ist. Dennoch - ihr Leben wäre sicherlich "zwangfreier" verlaufen!


  • Immer drängender wird die Frage, was ihr Vater entdeckt haben könnte und wie es zu dem Brand kam. Angeblich ja nur eine Kerze. Aber vielleicht bringt ja die Akte noch etwas anderes zum Vorschein.


    Das ist fast zu vermuten, denn der Durchbruch, von dem im Gespräch mit Gina die Rede ist, verheißt etwas, das vielleicht nicht nur für Bernstein sensationell war! Wer weiß, wer sonst noch dahinter her war und wie weit derjenige oder diejenigen gegangen ist/sind....



    Stück für Stück, Schritt für Schritt, öffnen sich die beiden. Immer wieder vergesse ich, dass es sich ja um eine Geschichte aus der Gegenwart handelt, denn ihre wachsende Zuneigung ist so zart und zögernd, wie es selten in aktuellen Liebesgeschichten erzählt wird. Das gefällt mir sehr.


    Die beiden sind ja auch irgendwie nicht aus der Gegenwart, dank ihrer speziellen Veranlagungen. Da konnte auch eine Annäherung nicht nach normalen Standarts verlaufen!
    Aber ja - mir gefällt das auch! Rührend und liebenswert finde ich es...



    Es ist erstaunlich, dass die beiden doch so problemlos aus ihrem Alltag ausgebrochen sind. Das geht sicher nur, weil sie zu zweit sind und sich im anderen spiegeln können.


    Das hätte auch ich bei den beiden nie vermutet. Dennoch suchen sie sich automatisch Stützpfeiler, die allerdings nicht halten. Sie müssen immer wieder neu gesetzt werden, was ihre Phantasie anregt, die sich in den engen Grenzen des Lebens, das sie sich zusammengezimmert haben, keinen Raum zur Entfaltung hatte.


  • Mit Gina Costa kommen Kindheitserinnerungen zurück. War Gemmas Vater dabei, einen Durchbruch in seiner Forschungen zu erzielen?


    Gewiss war er das! Gina sagt ja, dass er am Abend vor dem Brand von genau jenem Durchbruch sprach, ohne freilich näher darauf einzugehen.



    Es ist erstaunlich, wie versucht wird, einzelne Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzufügen. Obwohl ich mich mit der Kunst nicht auskenne, finde ich die Ausführungen sehr interessant.


    Auch ich zähle mich zwar nicht zu den Kunstbanausen, aber doch zu denjenigen, die einfach gerne Gemälde anschauen, sich gefühlsmäßig ansprechen oder von einem Bild inspirieren lassen, ohne groß über dessen Hintergründe oder versteckte Symbolik nachzudenken.
    Die Ausführungen sind gewiss interessant, aber auch sehr detailliert und für mich nicht leicht nachzuvollziehen. Mühsam halt...

  • Während ich mich mit dem Zubereiten des Silvestermahls beschäftigt habe, fiel mir noch ein anderer, vielleicht hilfreicher Hinweis ein!
    Die Verbindung der nachgebildeten Ohrringe zu Gemmas Namen: Edelstein, Schmuckstück!
    War Bernstein etwa auf einen Schatz gestoßen? Wenn, dann geht der sicherlich nicht auf die Brownings zurück, und ich habe keinen Schimmer, wie die beiden Dichter dann ins Bild passen, außer als eine Art Bindeglied zu Lucrezia.
    Der Schatz oder das wertvolle Schmuckstück oder eine Truhe von Goldmünzen hinge vielleicht mit Lucrezia zusammen? Schließlich stammt sie aus fürstlichem Hause - und wurden die jungen Frauen bei ihrer Vermählung nicht mit einer Mitgift ausgestattet? Aber die hätte der Herzog von Ferrara doch mit Sicherheit bereits verbraten!?
    Und - was hätte ein Historiker mit einem Schatz zu tun? Wäre er Archäologe, dann könnte ich mir das eher vorstellen.
    Hm, vielleicht ist das doch keine so gute Idee....


  • Wie schön, dass sie Dir da schon begegnet ist! Ich habe tatsächlich auch zwei historische Romane in meinen Regalen, deren Cover die Dame in Grün ziert ...


    Als Gemälde an sich, weil es unsicher ist, welchem Maler es zugeschrieben werden soll, wenig interessant für ein großes Publikum - dafür aber beliebtes Buch-Cover? Das ist schon seltsam. Mir persönlich ist die Dame in Grün als solches noch nicht begegnet - aber ich bin auch keine Leserin von historischen Romanen. Nur hier in den Leserunden, in der Hoffnung, mir ein neues Genre zu erschließen... ;)



    Und wie es sich manchmal so fügt, stolperte ich gerade zu der Zeit auf arte über eine Doku über Mona Lisa - und fand den Bericht über die darunterliegende Ur-Mona Lisa so faszinierend, dass ich diese Infos Sisley mitgeben habe.


    ( ... ) es waren überhaupt viele kleine zufällige Fundstücke, die mit in den Roman eingeflossen sind. So z.B. ein Bericht über die Herstellung hochwertiger Globen und eine entsprechende Werkstatt, was ich so hinreißend fand, dass ich es zum Beruf von Fiona gemacht habe.


    Eine wunderbare Begleiterscheinung von den Leserunden hier sind die Informationen darüber, wo Schriftsteller ihre Inspirationen so herbekommen.... ( Arte ist sowieso eine Fundgrube! )


  • Als sie das ehemalige Haus der Brownings besuchen, spüren sie deutlich deren Präsenz, als hätten sich deren Gedanken, Gespräche und Empfindungen in den alten Wänden materialisiert, als wäre ihre Liebe noch dort. Die Grenzen zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem verlieren ihre scharfen Konturen, zugleich spüren sie Gemeinsamkeiten mit Robert und Elisabeth. Sie verbindet eine Art Unrast,ein tiefgehendes Bedürfnis nach Spurensuche im Alltäglichen, nach Bedeutungen, Erinnerungen und dem gleichzeitig kollektiven
    wie individuellen Vermächtnis des Menschseins, das über reines Faktensammeln weit hinausgeht. Ein gemeinsames Gedächtnis der Imagination, Sehnsucht nach etwas Unsterblichem...



    In Florenz sind sie Robert Browning und Elizabeth Barrett näher, spüren ihre Präsenz.


    Das ist etwas, von dem ich absolut überzeugt bin und es auch schon sehr oft so empfunden habe: dass Plätze und Gebäude die Energien der Menschen aufnehmen, die dort gelebt haben, der Ereignisse, die sich dort zugetragen haben.
    Ich hatte bei diesem Roman die Vorstellung, dass die Grenzen von Zeit und Raum immer wieder durchlässig werden, sich die unterschiedlichen Vergangenheiten und die Gegenwart durchdringen. So wie Clifford und Sylvia zwar keine eigene Zeitebene innerhalb des Romans haben, ihre Geschichte aber trotzdem immer wieder durchschimmert.
    Und diese Vorstellung des Durchlässigen, des Immerwährenden, dessen, was in Zeit und Raum zwar vergeht, aber nicht verlorengeht - die habe ich Gemma und Sisley mitgegeben.



    Cesare D'Onofrio, der sich sehr gut in der Kunst auskennt, ist nicht zufällig eine bekannte Persönlichkeit Italiens?


    Er ist zwar fiktiv ... Aber würdest Du ihn das direkt fragen, würde er erst einmal in lässiger Bescheidenheit abwinken, sich dann doch kaum verhohlen aufplustern und Dich dann auf einen Kaffee einladen und dabei hemmungslos mit Dir flirten. :heybaby:



    Cesare ist ein Teufelskerl, ein italienischer Macho, aber auf eine liebevolle Art. Er stößt sie auf Dinge, die ihnen vielleicht im Vorfeld entgangen sind. Das Sezieren des Gemäldes unter immer neuen Gesichtspunkten.


    Gina und ihre Nonna gehört genau wie Cesare zu den Nebenfiguren, über die ich mir vorab nie viel Gedanken mache (während ich mich intensiv und über längere Zeit hinweg mit den Protagonisten und ihrer Biografie beschäftige) - und die dann einfach "da" sind. Ganz fertig und rund und lebendig - und mir ein permanent vergnügtes Lächeln aufs Gesicht zaubern, während ich sie schreibe.
    Magisch. :)



    Ich bin immer wieder völlig aus dem Häuschen, wenn man in einem Bild Neues entdeckt oder etwas freilegt, was durch Verschmutzung oder Zerstörung verborgen war.


    Solche Entdeckungen finde ich auch unglaublich spannend! :)



    Gemmas und Sisleys Reise finde ich wunderbar. Die beiden sind sich so ähnlich in vielerlei Beziehung und sie ergänzen sich zudem hervorragend. Beide fangen die Stimmungen des jeweils anderen wunderbar auf. Sie verstehen sich ohne große Worte, dabei reden sie über die Dinge, die ihnen am Herzen liegen und legen so ihr Innerstes offen. Ich bin versucht zu sagen, dass beide vorher niemandem gegenüber so offen waren, wie zueinander.


    Damit liegst Du genau richtig - das ist für sie beide etwas ganz Neues, was sie vorher so nicht erlebt haben. :)



    Gemmas und Sisleys Zweisamkeit im Hotel – der Berg an Schokolade und dann Sisleys Geständnis, dass er sich die Akte von Gemmas Eltern ansehen möchte. Endlich fasst auch Gemma den Entschluss, sich diese anzusehen. Sie wird mutiger und auch ihre Zwänge kommen nicht mehr so häufig an die Oberfläche. Mir hat der Vergleich auf S. 132 übrigens sehr gefallen, wie Sisley mit ihr darüber spricht, warum man so ist, wie man ist.


    Ich bin übrigens ehrlich erschrocken, als ich über Brände recherchiert habe. Ich wusste zwar, dass es schnell geht - aber WIE schnell tatsächlich, das hat mich dann doch geschockt.


    Um für mich einmal eine Essenz herauszuholen - es ist GRÜN, dieses Gemälde, vor allem grün. Das wird immer wieder betont und muss daher auch eine Bedeutung haben!


    Das war mit das erste, was mir an diesem Gemälde aufgefallen ist: dass es fast ausschließlich in Grüntönen gemalt ist. Da Grün eine meiner Lieblingsfarben ist, fand ich das natürlich ganz wunderbar - aber auch ungewöhnlich. In der modernen Malerei nicht mehr - aber ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich aus früheren Epochen so etwas schon einmal gesehen hatte. Mein (natürlich keineswegs vollständiges oder auch nur repräsentatives) Stöbern bestätigte mir den Eindruck: ich habe nichts Vergleichbares gefunden.
    Und auf dieser Basis begann ich zu überlegen, warum der betreffende Maler wohl ein Porträt ganz in Grün gemalt haben könnte.



    Wie kann, so frage ich mich, Italien mit seiner Fröhlichkeit und Unbeschwertheit und mit dem unwiderstehlichen Drang der Bevölkerung zum Improvisieren ihnen Sicherheit bieten?
    Letztere finden sie aber im Haus der Brownings, deren Spuren sie noch heute fühlen können, beide! Unglaublich ähnlich sind sie einander - und das ist für mich ein wichtiger roter Faden durch den Roman, der mich wie ein Irrgarten anmutet! - in ihren Empfindungen und Bedürfnissen!


    Mir persönlich gefällt das sehr - Gemma und Sisley als roter Faden in diesem Irrgarten, ich finde das ein schönes Bild.



    Als Gemälde an sich, weil es unsicher ist, welchem Maler es zugeschrieben werden soll, wenig interessant für ein großes Publikum - dafür aber beliebtes Buch-Cover? Das ist schon seltsam.


    Ist es - eine der Merkwürdigkeiten, die mich bei der Dame in Grün beschäftigten und letztlich auch nicht mehr losließen.


  • Wie schön, dass sie Dir da schon begegnet ist! Ich habe tatsächlich auch zwei historische Romane in meinen Regalen, deren Cover die Dame in Grün ziert ...


    Mir ist die Dame bisher auch noch auf keinem einzigen Cover begegnet, obwohl historische Romane mir am liebsten sind. Ich kenne sie nur aus dem Museum und aus Kunstbüchern.