03 - Seite 184 - 262 (Abschnitt IV bis einschl. Kapitel 14)

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  • [quote author=Ulrike Günkel-Kohl link=topic=15291.msg316577#msg316577 ]


    Und - obwohl sich das ja schon andeutete - inzwischen sehe ich laufend nur noch GRÜN! Tapeten, Teppiche, giftige Farben - Malachit! Die Lösung zu dem Rätsel muss über diese Farbe gesucht werden, wie mir fast sicher scheint!


    Merkwürdig, mein Interesse gilt nach wie vor dem Schmuckstück: Ich glaube immer noch, dass dieses eine Schlüsselrolle haben könnte... (neben dem Bildnis, da gebe ich Dir schon recht)
    [/quote]


    Na klar, das meine ich ja auch! Grün ist er, der Malachit - ich bin neugierig, wie er morgen auf mich wirkt, wenn ich der grünen Dame Aug in Aug gegenüberstehe! ;)

  • Ich habe mich schon gewundert, warum ein Vater seinen Kindern verbietet zu heiraten, sich fortzupflanzen, ich habe gedacht, der will seine Kinder immer um sich haben, nicht alleine sein..nun..aber so ein großes Herz hatte der alte Sklaventreiber nicht, er wollte einzig seinen "guten" Namen nicht beschmutzt wissen. Es hätte ja sein können, dass das dunkle Blut seiner Kinder, ihre wahre Herkunft eines Tages preisgeben würde. Wow, ein karibischer Sklavenhalter..Das nenne ich mal eine "Hausnummer"..


    Ich muss mich doch immer wieder über die Reiselust der beiden Phobiker wundern, New York, London, Frankfurt, Florenz..Texas..Zeit und Geld scheint keine Rolle zu spielen..


    Lucrezia ist verbittert und wütend und resümiert abgeklärt.
    Ihr Ehemann muss sich wirklich nichts auf seine Ahnenlinie einbilden und auf seine Männlichkeit wohl auch nicht - wenn ich den "nassen Fisch" richtig gedeutet habe - es ist nicht Lucrezias Schuld, Maria hätte ihn wohl auch nicht zum Leben erweckt, wie traurig, eine ungeküsste Braut..


    Nach viel Kleinstarbeit dann doch eine Belohnung, ein Lesezeichen von Gemmas Vater..also ich bin da ganz bei Gemmas Eingebung, ich hätte es sicher auch ganz ausversehen mitgenommen und dann vor Überraschung im Hotelzimmer die Hände vor den Mund geschlagen..
    Die beiden haben schon genug Spuren hinterlassen, dann auch noch das hin und hertelefonieren, wegen eines Lesezeichens, das eventuell vielleicht doch einen kulturellen Wert dargestellt hätte, es wundert mich, dass sie es herausgegeben haben..
    Na, das ist ja ein Ding, da war schon mal jemand in der Bibliothek, der die gleichen Listen abarbeitete..Wenn Gemmas Vater immer jemand auf den Fersen war, ist es kein Wunder, dass er sich nie gemeldet hat.


    Geschockt hat mich, das Gemma zu Fiona sagte, sie wünsche sich ihr altes Leben zurück, ich dachte sie würde sich langsam an ihre neue "Freiheit" gewöhnen, das hat sie ja durch das Fahren von einem weiten Horizont zum nächsten so schön treffend bemerkt..


    Langsam scheint sich etwas anzubahnen, wäre da nur nicht dieser Aufzug gerade aufgegangen..


    Wieder einmal ein spannender Abschnitt, anstatt heute mit ins Kino zu gehen, wollte ich lieber daheim mit "Nicole" auf dem Sofa kuscheln..
    Liebe Grüße für heute, bis morgen..

  • Ich muss mich doch immer wieder über die Reiselust der beiden Phobiker wundern, New York, London, Frankfurt, Florenz..Texas..Zeit und Geld scheint keine Rolle zu spielen..


    Ich habe mir nur ein bisschen Sorgen gemacht wegen der Zeit - aber die beiden sind ja scheinbar unersetzbar und deshalb können sie ihre Urlaube problemlos verlängern.
    Geld haben die beiden sicher genügend. Von all den Urlauben, die sie bis jetzt nie gemacht haben, weil sie immer zuhause saßen. ;D


  • Dann das Gedicht von Browning, dann der Name darunter.
    Mir ist nur nicht klar, hat Browning das Gedicht nach seinem Besuch im "Knochenhaus" gemacht, oder nach dem Tod seiner Frau, was ja dann passt, wenn nur Gemmas Vater überlebt hat.


    Nach seinem Besuch im Beinhaus, aber noch zu Lebzeiten von Elizabeth Barrett.




    Was ich allerdings nicht weiß, ob hinter den Hinweisen eine gute oder böse Absicht steckt. Oder beides..


    Eine sehr gute Frage ... ;)



    Interessant fand ich die Szene mit E. Barrett und ihrem tragischen Schicksal, die einerseits ans Bett gefesselt ist oftmals nach dem Sturz, aber einen umso sprühenderen Geist hat!


    Mich hat ihre Lebens- und Leidensgeschichte auch sehr beschäftigt. Nicht zuletzt die Frage, ob es tatsächlich psychosomatisch war und falls ja, wo die Ursache lag - und die Frage, ob man ihr heute hätte helfen können.



    Irgendwie gibt es Parallelen zwischen den 3 männlichen Hauptprotas Robert, Sandro und Sisley - sie sind alle sehr empathisch und geben der jeweils Angebeteten irgendwie Kraft und Stärke..


    Absolut, ja.



    Ich habe mich schon gewundert, warum ein Vater seinen Kindern verbietet zu heiraten, sich fortzupflanzen, ich habe gedacht, der will seine Kinder immer um sich haben, nicht alleine sein..nun..aber so ein großes Herz hatte der alte Sklaventreiber nicht, er wollte einzig seinen "guten" Namen nicht beschmutzt wissen. Es hätte ja sein können, dass das dunkle Blut seiner Kinder, ihre wahre Herkunft eines Tages preisgeben würde. Wow, ein karibischer Sklavenhalter..Das nenne ich mal eine "Hausnummer"..


    Dieser Grund von Barrett seniors wirklich bizarrem Verhalten gilt als gesichert.



    Lucrezia ist verbittert und wütend und resümiert abgeklärt.
    Ihr Ehemann muss sich wirklich nichts auf seine Ahnenlinie einbilden und auf seine Männlichkeit wohl auch nicht - wenn ich den "nassen Fisch" richtig gedeutet habe - es ist nicht Lucrezias Schuld, Maria hätte ihn wohl auch nicht zum Leben erweckt, wie traurig, eine ungeküsste Braut..


    Den hast Du ganz richtig gedeutet!
    Auffällig ist nicht nur, dass Alfonsos drei Ehen kinderlos blieben, es wird nicht einmal von einer Schwangerschaft irgendwo berichtet. Es gibt auch keinerlei Berichte über außereheliche Affären oder gar illegitime Kinder. Entweder er hatte kein Interesse an Frauen, war zeugungsunfähig oder eben impotent.



    Geschockt hat mich, das Gemma zu Fiona sagte, sie wünsche sich ihr altes Leben zurück, ich dachte sie würde sich langsam an ihre neue "Freiheit" gewöhnen, das hat sie ja durch das Fahren von einem weiten Horizont zum nächsten so schön treffend bemerkt..


    Die vertraute Sicherheit eingefahrener Gleise ist doch immer mal sehr schwer aufzugeben ...


  • Ich habe mir nur ein bisschen Sorgen gemacht wegen der Zeit - aber die beiden sind ja scheinbar unersetzbar und deshalb können sie ihre Urlaube problemlos verlängern.
    Geld haben die beiden sicher genügend. Von all den Urlauben, die sie bis jetzt nie gemacht haben, weil sie immer zuhause saßen. ;D


    Und von dem, was sie ererbt haben von ihren Ahnen! Schließlich sollte man nicht vergessen, dass beide der Oberschicht entstammen, für die Geld weder eine Rolle spielt noch etwas ist, über das sich das Nachdenken lohnt!

  • Ich habe mir nur ein bisschen Sorgen gemacht wegen der Zeit - aber die beiden sind ja scheinbar unersetzbar und deshalb können sie ihre Urlaube problemlos verlängern.
    Geld haben die beiden sicher genügend. Von all den Urlauben, die sie bis jetzt nie gemacht haben, weil sie immer zuhause saßen. ;D


    Da hast du sicher nicht unrecht, da muss sich einiges angesammelt haben..ohje

  • Und von dem, was sie ererbt haben von ihren Ahnen! Schließlich sollte man nicht vergessen, dass beide der Oberschicht entstammen, für die Geld weder eine Rolle spielt noch etwas ist, über das sich das Nachdenken lohnt!


    Das sehe ich auch so, Ulrike:


    by the way: Ich wollte Nicole schon die Frage stellen, ob Sie bezgl. der Recherchen an allen Orten war (sie sind so detailliert und atmosphärisch beschrieben, dass man sie sich jeweils gut vorstellen kann) und mir dann heute zum 2. Mal das Nachwort angeschaut: Ich glaube, sie war an den jeweiligen Orten ;)

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)


  • by the way: Ich wollte Nicole schon die Frage stellen, ob Sie bezgl. der Recherchen an allen Orten war (sie sind so detailliert und atmosphärisch beschrieben, dass man sie sich jeweils gut vorstellen kann) und mir dann heute zum 2. Mal das Nachwort angeschaut: Ich glaube, sie war an den jeweiligen Orten ;)


    Nicht an allen. ;) Es war ein glücklicher Zufall, dass die Handlung mehr als einmal perfekt zu Orten passte, an denen ich schon war und auf die ich dann zurückgreifen konnte.

  • Nicole:


    Dann ein doppeltes chapeau für Dich: Es wirkte auf mich so - und kommt sehr authentisch rüber ;)


    (ich war ausser in Florenz nirgends, daher mag ich diese Passagen total gerne, man hat dann als Leser ein direkteres Bild dazu; Oxford will ich ganz ganz unbedingt mal mit eigenen Augen sehen, in N.Y. und den USA war ich noch nicht - da würde es mich vermutlich auch eher nach Kanada ziehen, wohin einer meiner Großväter mal auswanderte - und meiner Großmutter (und den Kindern) die Tickets schickte, meine Großmutter es jedoch vorzog, die heimischen Schollen nicht zu verlassen (es waren auch schon einige Kinder da, vermutlich hatte sie ihre Gründe). :winken:


    Aber reisen ist eines der schönsten Dinge, die man auf dieser Welt tun kann - richtig verreisen am besten oder auch durch Bücher ;) In den "Farben der Erinnerung" bekommen wir jedenfalls jede Menge von der Welt zu sehen (schöne und weniger schöne Seiten) - was ich persönlich sehr mag.

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

  • Inzwischen hat es mich richtig gepackt. Dieser Abschnitt war für mich der bisher spannendste. Die Geschichte beinhaltet für mich eine Kettenreaktion. Für jede Frage, die sich klärt, werden zwei neue aufgeworfen.


    Dass Gemmas Vater nicht tot sein könnte, ist eines dieser AHA-Erlebnisse, von denen Du am Anfang gesprochen hast, liebe Nicole. Damit hatte ich echt nicht gerechnet, obwohl es im nachhinein natürlich logisch klingt, denn wie sonst sollte man erklären, dass jemand Interesse daran hat, dass Gemma nachforscht. Hat ihr Vater unter dem Namen William Andicott gelebt? Ist Morgan seine Tochter? Warum hat er sich NIE bei Gemma gemeldet?
    So viele Rätsel, die noch auf eine Aufklärung warten.


    Das war auch für mich ein AHA-Erlebnis. Ich bin hier von Gemmas Wissen über den Tod ihrer Eltern ausgegangen, eben vom ersten Eindruck. Dass alles ganz anders gewesen sein könnte, habe ich eher unbewusst registriert. Ich habe mir beispielsweise von Anfang an Gedanken gemacht, was Gemmas Vater wohl zugestoßen sein mag, nachdem er sie in Sicherheit gebracht und abgesetzt hat. Er ist ja zurück gelaufen. Mein Gedanke war, er wollte noch einmal in das Haus, um seine Frau ebenfalls zu retten. Aber die neuen Erkenntnisse werfen auch neue Fragen auf. Wieso ist er, wenn er denn gar nicht bei dem Brand umgekommen ist, so spurlos aus dem Leben seiner Tochter verschwunden? Hier fällt mir im Moment nur eines ein: er wollte sie schützen. Dann frage ich mich: wovor?



    Daß der Besuch im Kommissariat Gemma umgehauen hat, ist gut zu verstehen. Zum Glück kann Gemma sich auf Sisley verlassen, auf seine Unterstützung. Aber trotzdem ist die alte Vertrautheit ein wenig verschoben, denn Gemma ist verletzlicher geworden. Sie hat mit neuen Unsicherheiten zu kämpfen.


    ich habe versucht, mich in Gemmas Lage zu versetzen. Was sie hier alles erfahren hat, bringt ihr ganzes bisheriges Bild, von der eigenen Vergangenheit, von ihren geliebten Eltern, ins Wanken. Die Erkenntnis, dass ihr Vater womöglich noch lebt, muss sehr schmerzhaft für sie sein. Die Bilder aus der Akte müssen sie doch bis in ihre Träume verfolgen.
    Dass Sisley ihr zur Seite steht, mit großem Feingefühl, wie ich finde, ist beruhigend und schön. Wenn ich die Andeutungen richtig verstanden habe, sind sie sich zwischendurch schon einmal sehr nahe gekommen, auch körperlich. Gemmas Gefühle Sisley gegenüber werden jedoch im Moment von den Eindrücken und damit verbundenen Emotionen verdrängt, die auf sie einstürmen, da bleibt momentan für Liebe und Romantik kein Platz. Aber Sisley ist zur Stelle, wenn Gemma ihn braucht. Er hat sich mit ihr zusammen quasi in dieses Abenteuer geworfen, was mir zeigt, wie wichtig sie ihm ist, denn so etwas unternimmt man nicht aus reiner Selbstlosigkeit.


  • Nicole:


    Dann ein doppeltes chapeau für Dich: Es wirkte auf mich so - und kommt sehr authentisch rüber ;)


    Ich bin natürlich sehr froh, das zu hören - danke! :)



    (ich war ausser in Florenz nirgends, daher mag ich diese Passagen total gerne, man hat dann als Leser ein direkteres Bild dazu; Oxford will ich ganz ganz unbedingt mal mit eigenen Augen sehen, in N.Y. und den USA war ich noch nicht - da würde es mich vermutlich auch eher nach Kanada ziehen, wohin einer meiner Großväter mal auswanderte - und meiner Großmutter (und den Kindern) die Tickets schickte, meine Großmutter es jedoch vorzog, die heimischen Schollen nicht zu verlassen (es waren auch schon einige Kinder da, vermutlich hatte sie ihre Gründe). :winken:


    Es ist auch sicher nicht jeder für weite Reisen gemacht (selbst in der heutigen Zeit, in der es - zumindest in der Regel - doch recht problemlos geht) - geschweige denn fürs Auswandern ...



    Aber reisen ist eines der schönsten Dinge, die man auf dieser Welt tun kann - richtig verreisen am besten oder auch durch Bücher ;) In den "Farben der Erinnerung" bekommen wir jedenfalls jede Menge von der Welt zu sehen (schöne und weniger schöne Seiten) - was ich persönlich sehr mag.


    Definitiv, ich reise auch unheimlich gerne (obwohl ich - wie Gemma und Sisley - einen geregelten Alltag brauche und recht schnell überreizt bin, wenn es chaotisch wird). Und ich mag auch immer gern die Schattenseiten eines Ortes kennenlernen, das Hässliche, Abgründige. Ich bin auf Reisen wie ein Schwamm, ich will immer möglichst viel in mich aufnehmen, mit allen Sinnen.




    Inzwischen hat es mich richtig gepackt. Dieser Abschnitt war für mich der bisher spannendste. Die Geschichte beinhaltet für mich eine Kettenreaktion. Für jede Frage, die sich klärt, werden zwei neue aufgeworfen.


    Ja, das ist es auch - und war nicht nur mein eigenes Erleben während der Recherche, sondern auch ein ganz großer Reiz an dieser Geschichte.



    ich habe versucht, mich in Gemmas Lage zu versetzen. Was sie hier alles erfahren hat, bringt ihr ganzes bisheriges Bild, von der eigenen Vergangenheit, von ihren geliebten Eltern, ins Wanken. Die Erkenntnis, dass ihr Vater womöglich noch lebt, muss sehr schmerzhaft für sie sein. Die Bilder aus der Akte müssen sie doch bis in ihre Träume verfolgen.


    Das muss es, ja. Da geht quasi das Fundament ihres Lebens in Stücke.



    Dass Sisley ihr zur Seite steht, mit großem Feingefühl, wie ich finde, ist beruhigend und schön. Wenn ich die Andeutungen richtig verstanden habe, sind sie sich zwischendurch schon einmal sehr nahe gekommen, auch körperlich.


    Eigentlich "nur" eine Umarmung, aber für beide ist das ein immens großer Schritt aufeinander zu, ja. :)


  • Ich finde das Loslassen eines Buches, es in die Welt hinauszuschicken, wirklich schwierig, ich bin bei der Fahnenkorrektur jedes Mal ein Nervenbündel. Bei den "Farben" ging es einigermaßen, weil ich mit meinen beiden Lektorinnen schon extrem gründliche Vorarbeit geleistet hatte - und trotzdem hatte ich wieder einige Panikmomente über den Fahnen. Diese Gedanken, mit den allerletzten Korrekturen noch kleine Patzer auszubügeln oder aber das Werk zu verderben, diese Angst dabei - die sind zu gleichen Teilen von Elizabeth Barrett und von mir, da sprechen wir beide. :)


    Toll, dass Du das so offen und ehrlich erzählst, Nicole! Ich stelle mir das unheimlich schwierig vor. Wenn ich daran denke, dass ich manchmal nach Abschluss einer größeren Aufgabe bei der Arbeit nervös bin und hoffe, dass ich keine klitzekleinen Fehler eingebaut habe, über die ich dann nachher stolpere oder - noch schlimmer - über die andere mit lautem Getöse fallen... Wie aufgeregt wäre ich wohl bei einem solchen Herzensprojekt wie einem Buch, in das man so viel Recherche, Herzblut und Schreibstunden gesteckt hat? Da zolle ich Dir meinen ganzen Respekt!


    Aber was mir da einfällt: übergibst Du immer direkt ans Lektorat oder hast Du auch Vertraute, an die Du zum "Testlesen" gibst?


  • Da habe ich also in meiner überbordenden Phantasie doch richtig gelegen, dass Gemmas Vater gar nicht in dem Brand umgekommen ist. Aber die Sache im Polizeirevier, als sie die Fotos in der Akte gesehen hat, das war für mich ein Déjà-vu-Erlebnis, auch ich musste mir solche Bilder vor langer Zeit einmal ansehen und werde dies nie vergessen. Es ist fast so, als wenn man den Schmerz der Toten am eigenen Leib miterlebt. Sisley ist ihr immer wieder mehr als nur ein Freund, eher ihre Stütze und ihr Halt. Die beiden sind einfach füreinander geschaffen!


    Es mag sich blöd anhören, aber ich denke, die beiden haben schon eine besondere Nähe, da sie beide Außenseiter sind. Ich denke einfach, dass sie sich besser in den anderen hineindenken können und begreifen, wann der andere Raum für sich braucht, wann eine Stütze.


    Zitat

    Die Erkenntnis, dass schon jemand anderes Nachforschungen angestellt hat, macht mich stutzig - eine junge Frau namens Morgan Andicott! Jetzt spinne ich mal einfach so rum: Da Andicott ebenfalls Professor war, vermute ich mal, dass es einen Konkurrenzkampf zwischen Gemmas Vater und ihm gegeben hat und dieser auch versucht hat, Gemmas Vater zu töten, um als erster die Ergebnisse zu präsentieren, so er diese denn hat. Und Tochter Morgan versucht nun, den Spuren ebenfalls nachzugehen, wobei ihr nun Gemma in die Quere kommt.


    Eine sehr interessante Theorie - wobei ich mir einen Professor nicht so recht als Mörder vorstellen kann. Denn mindestens einen Menschen hat er ja umgebracht. Hm, ich weiß nicht. Und warum sollte Morgan Andicott so verbissen auf seinen Spuren wandeln?
    Andererseits fällt mir ad hoc auch keine andere plausible Geschichte ein...


    Zitat

    Ehrlich gesagt, finde ich es schrecklich, sollte der Vater noch am Leben sein, dass er über all die Jahre keinen Kontakt zu Gemma gesucht hat. Allerdings könnte es natürlich auch sein, dass er sie in Sicherheit wissen wollte nachdem, was seiner Frau zugestoßen ist. Ich frage mich allerdings auch, wer dann der tote Mann im verbrannten Haus gewesen ist, wenn es nicht Gemmas Vater war – vielleicht Professor Andicott?


    Sollte Gemmas Vater überlebt haben, wäre das eine denkbare Variante. Denn irgendwo muss der Mörder ja abgeblieben und die zweite (männliche) Leiche irgendwo hergekommen sein. Aber was kann den Mörder angetrieben haben? Was kann ihn so weit getrieben haben, dass er fast eine kleine Familie ausgelöscht hat?


  • Dass Sisley ihr zur Seite steht, mit großem Feingefühl, wie ich finde, ist beruhigend und schön. Wenn ich die Andeutungen richtig verstanden habe, sind sie sich zwischendurch schon einmal sehr nahe gekommen, auch körperlich. Gemmas Gefühle Sisley gegenüber werden jedoch im Moment von den Eindrücken und damit verbundenen Emotionen verdrängt, die auf sie einstürmen, da bleibt momentan für Liebe und Romantik kein Platz. Aber Sisley ist zur Stelle, wenn Gemma ihn braucht. Er hat sich mit ihr zusammen quasi in dieses Abenteuer geworfen, was mir zeigt, wie wichtig sie ihm ist, denn so etwas unternimmt man nicht aus reiner Selbstlosigkeit.


    Ich finde nicht, dass sich das widerspricht: Sisley agiert derart selbstlos, weil Gemma mehr für ihn ist als nur eine Kollegin aus New York City.
    Und ja, die beiden waren sich schon nahe: in einer Florentiner Nacht haben sie sich aneinander festgehalten - Pyjama an Pyjama. Ich bin mir sicher, dass dies intimer war als vieles andere, was die beiden so machen. ;)

  • Toll, dass Du das so offen und ehrlich erzählst, Nicole! Ich stelle mir das unheimlich schwierig vor. Wenn ich daran denke, dass ich manchmal nach Abschluss einer größeren Aufgabe bei der Arbeit nervös bin und hoffe, dass ich keine klitzekleinen Fehler eingebaut habe, über die ich dann nachher stolpere oder - noch schlimmer - über die andere mit lautem Getöse fallen... Wie aufgeregt wäre ich wohl bei einem solchen Herzensprojekt wie einem Buch, in das man so viel Recherche, Herzblut und Schreibstunden gesteckt hat? Da zolle ich Dir meinen ganzen Respekt!


    Eine Lektorin erzählte mir einmal von einem Autor, der damit gar keine Mühe hat: sobald alle Arbeiten getan sind, das Manuskript in Druck geht, ist es ihm egal, was damit wird, er kümmert sich schlicht nicht mehr darum. Was definitiv stressfreier und gesünder ist für einen Autor ... Aber so ist eben nicht jeder gestrickt.
    Klar, auf der Verstandesebene weiß ich, dass es unmöglich ist, ein perfektes Buch abzuliefern, keine Fehler zu machen, überhaupt ein Buch zu schreiben, das jedem gefällt. Aber im Gefühl kommt das eben nicht immer an ...
    Ich glaube, das ist auch ein (sehr mühseliger) Lernprozess, den man als Autor durchmachen muss.



    Aber was mir da einfällt: übergibst Du immer direkt ans Lektorat oder hast Du auch Vertraute, an die Du zum "Testlesen" gibst?


    Das ist über die Gesamtheit meiner Romane unterschiedlich. Bei vielen hatte ich zwei Testleserinnern, die die Manuskripte während des Schreibens parallel gelesen haben. Beim "Botaniker" waren es die beiden Lektorinnen, die mitgelesen haben, die eine durchgehend parallel, die andere in größeren Abschnitten. Die Farben waren ein kompletter Sonderfall: meine Verlagslektorin hat den Text bis zum letzten Frankfurt-Kapitel bekommen und mir dazu Feedback gegeben - was mir wichtig war, weil ich wissen wollte, ob ich auf dem richtigen Weg bin. (Fiona verdankt ihre Existenz übrigens meine Lektorin: sie fand, Gemma bräuchte wenigstens eine einzige Freundin, und noch während des Telefongesprächs tauchte Fionas Gesicht vor meinem inneren Auge auf.)
    Danach bin ich ins stille Kämmerlein abgetaucht und habe allein vor mich hingeschrieben. Was viel mit dem Aufbau des Roman zu tun hatte, da ich zwar parallel an den drei Handlungssträngen gearbeitet habe, aber in drei separaten Dateien - und vieles, was ich über Lucrezia und die Barrett Brownings schrieb, verschob ich immer mal wieder in eine jeweils andere Datei.
    Erst als alle drei Ebenen fertig waren, habe ich sie zusammengesetzt - buchstäblich, in der ausgedruckten Papierversion auf dem Boden ausgebreitet. Und dann erst ging das komplette Manuskript an Verlagslektorin, Außenlektorin und an meinen Agenten.