04 - Seite 263 - 311 (Kapitel 15 bis einschl. Kapitel 17)

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  • Stimmt! Das war mir schon wieder entfallen. Ein Pluspunkt also für Gemma es zeigt, dass sie keineswegs in einem Elfenbeinturm lebt - obwohl die freundlichen Gaben natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein können, solange sich das System nicht ändert! Doch das ist ein Thema, über das man tagelang reden könnte und sollte, das hier aber nicht hingehört....


    Es gibt Bestrebungen, das System zu ändern - gerade San Francisco ist vorbildlich, was Programme angeht, das Leben von Obdachlosen zu verändern. Was sicher auch mit der Geschichte der Stadt zu tun hat, mit ihrem ganz eigenen Welt- und Menschenbild.
    Hawaii zieht langsam nach - gerade eben habe ich auf meinem Newsfeed die Meldung entdeckt, dass demnächst ein Homeless Village in Honolulu eröffnet wird:


    "The homeless village near Nimitz is almost open, and families are ready to move in" - Hawaii News Now, 6. Januar 2017

  • Tatsächlich ist die Bedrohung in diesem Abschnitt jetzt handfest geworden.
    Der Feueralarm und das durchsuchte Zimmer sind eindeutig. Diese Entwicklung war für mich schon überraschend. Das hätte ich so gar nicht erwartet, dass die Geschichte sich so entwickelt. ;)

  • In San Fran angekommen, machen sich Gemma und Sisley daran, mit ihren selbstgemachen Flugblättern mit dem Konterfei von Gemmas Vater in der Mission nachzufragen. Ich fand es interessant zu lesen, dass Sisleys Freunde ihn per Computer haben altern lassen, um ein möglichst exaktes Bild von ihm zu bekommen, was sie rumzeigen können. Tatsächlich werden sie fündig, denn es können gleich mehrere Personen ihn identifizieren – den Professor. ...


    Weiterreise nach Hawaii, um dort die Suche unter den Obdachlosen weiterzuführen.


    Sie kommen dem Vater immer näher. Die Vorstellung, dass er tatsächlich als Obdachloser sein Leben gefristet hat, fand ich erschreckend und traurig.

  • Ich frage mich immer wieder, was das für ein Gefühl ist, 30 Jahre lang seinen Vater tot geglaubt zu haben und dann zu vermuten, daß er doch lebt. Für mich wäre das wahrlich kein Grund zur Freude, eher eine große Irritation. Zumal Gemma wegen dem Kindheitserlebnis ständig gehemmt, eingeschränkt ist.


    Aber Sisley ist so zuversichtlich, daß sich alles auflösen wird.


    Für mich wäre die Enttäuschung ein starkes Gefühl, welches ich haben würde. Schließlich war sie ja noch ein kleines Kind und musste den Verlust beider Eltern verkraften. Das ist trotz aller möglichen Bedrohungen trotzdem schwer für mich zu akzeptieren und ich denke, man kann auch nie wieder so eine richtige Nähe aufbauen. Es bleibt immer ein innerer Schmerz.


  • Nicole


    Ich fand den ganzen Moment traurig als wenn ich die Atmosphäre die im Raum stand, mit all den Gefühlen des Klavierspielers und Gemmas, spüren konnte. Das hat mich irgendwie traurig gestimmt.


    Deine Gefühle kann ich gut nachvollziehen, mir ging es ebenso. Es hatte so eine bittersüße Atmosphäre. Zum einen die durch Musik gesandten Nachrichten, zum anderen das Umfeld und der Pianospieler selbst. Ich fand, das war großes Kino.

  • Als ich das eben gelesen habe, musste ich erst mal schlucken und tief durchatmen ( mindestens 20 mal - das ist meine Marotte, die mich davor bewahrt, an die Decke zu gehen, wozu ich leider neige... ;)). Wenn ich reise, möchte ich, sofern es kein reiner Erholungsurlaub ist, was Städtereisen gar nicht sein können, das authentische Land sehen. Und keineswegs vor Missständen die Augen schließen.
    Die ob der vielen Obdachlosen naserümpfenden Touristen sollten vielleicht mal die Möglichkeit ins Auge fassen ( unter anderem ), dass außer den Superreichen niemand davor gefeit ist, selbst mal in Not zu geraten. Es könnte auch ihnen passieren. Mich macht diese empathielose Arroganz einfach nur wütend!


    Man muss gar nicht so weit reisen, um dieses Elend zu sehen. Wir wohnen ja in Berlin und da begegne ich an jeder Ecke diesen armen Menschen. Es ist egal, in welchem Land das stattfindet, es ist eine Schande, dass es sowas überhaupt gibt bei all dem Reichtum in der Welt!

  • Für mich wäre die Enttäuschung ein starkes Gefühl, welches ich haben würde. Schließlich war sie ja noch ein kleines Kind und musste den Verlust beider Eltern verkraften. Das ist trotz aller möglichen Bedrohungen trotzdem schwer für mich zu akzeptieren und ich denke, man kann auch nie wieder so eine richtige Nähe aufbauen. Es bleibt immer ein innerer Schmerz.


    Definitiv, ja.


    Deine Gefühle kann ich gut nachvollziehen, mir ging es ebenso. Es hatte so eine bittersüße Atmosphäre. Zum einen die durch Musik gesandten Nachrichten, zum anderen das Umfeld und der Pianospieler selbst. Ich fand, das war großes Kino.


    Da ist das Autorenherz sehr, sehr glücklich. :)


  • Man muss gar nicht so weit reisen, um dieses Elend zu sehen. Wir wohnen ja in Berlin und da begegne ich an jeder Ecke diesen armen Menschen. Es ist egal, in welchem Land das stattfindet, es ist eine Schande, dass es sowas überhaupt gibt bei all dem Reichtum in der Welt!


    So ist es! Gerade heute Morgen habe ich wieder in einer Ausgabe der ZEIT vom November gelesen, dass 98% des Reichtums dieser Welt in den Händen von 2% der Bevölkerung liegen! Angesichts dieser Zahlen kann man nur entsetzt sein....

  • Wieso mieten sie sich nicht in ein Motel, da gibt es nur einen Weg nach draussen?
    Was mir nicht eingeht:
    In Gemmas Zimmer wurde "eingebrochen, alles liegt durcheinander, das Tablet ist zerstört..warum wurde es nicht mitgenommen? Warum wurde nicht in Sisleys Zimmer gesucht? Es wurde sogar eine Drohung hinterlassen..wieso hat man da nicht die Polizei angerufen oder sonst irgendetwas unternommen?
    Sie reisen einfach weiter, dazwischen ist ein blinder Fleck, kein Handeln, kein Bereden..kein spekulieren..Die beiden "Berufsneurotiker" hätten eine heisse Diskussion darüber haben sollen..


    Lucrezias Abschnitte werden immer düsterer, trauriger und einbahniger..sie trinkt ein Fruchtbarkeitswasser, welches durch den Malachit vergiftet wurde.


    St Anthony mit dem brennenden Herzen, der Schutzheilige der Vermissten.
    (passendes Lied: I left my Heart in San Francisco..)
    Die Nadel im Heuhaufen wird gesucht, trotz geringer Chancen finden sich Leute, die den Mann als "Den Proffessor" identifizieren, Pete am Piano schlägt die Töne zu New York New York an, er spielt musikalische Hinweise sozusagen, als das letzte Lied "Aloha Oe" anklang, dachte ich nur..oh nein, sie werden doch nicht etwa nach Hawaii fliegen und so kam es auch.


    Bei "Somewhere over the Rainbow" hat etwas "geklingelt", da gab es doch dieses nette Schwergewicht aus Honolulu, ein unschuldiges Lächeln wie ein Kind, eine Stimme, wie eine safte Welle..leider wurde er keine 40.
    Ansehen lohnt sich..besonders berührend der Schluß, die traditionelle Beerdigung..


    Sisley hat angeblich telefoniert und um Vertretung gebeten, er ist immer so zuversichtlich, "nur noch ein paar Tage.." wie kann er so sicher sein, er kommt mir vor, wie von Gemmas Vater engagiert..als Gemma explodiert, kann er sie nur noch mit einem unbeholfenen Kuss beruhigen, oh..ich hoffe die beiden sind nicht miteinander verwandt..


    Tatsächlich, Lucrezia wurde vergiftet, ihr Ehemann buhlt schon um die nächste Ehefrau, damit sein Erbe gesichert ist. Die Geschichte der 13jährigen Ehefrau, die noch bei ihren Eltern lebte und bettelte zu ihrem Angetrauten reisen zu dürfen, sich krankgehungert hat, sich blenden ließ und nun mit nur 16 Jahren sterben muss, ist sehr traurig, aber ein bisschen kommt es mir so vor, als gäbe sie sich auch selbst die Schuld daran, weil sie zu "Gold und Aufmerksamkeitsverliebt war. Gerne wäre sie jetzt die Magd gewesen, der es gestattet gewesen wäre, Sandro Liebe zu besitzen..
    Dieser letzte Wunsch klingt wie ein Rätsel:
    "Auch wenn ich nicht mehr sehen werde, wie er in Erfüllung geht.."
    Hat das etwas mit ihrem Mädchen/Frau-Status zu tun?? Ein Kind?

  • Die Szene im Hotel erinnert an einen Krimi - sehr spannend: Wer ist das bloß, der "ES" haben will?


    Sehr traurig fand ich, dass es Lucrezia immer schlechter geht - sie ist so jung und hat noch gar nicht richtig zu leben begonnen...


    Rasant geht es bei Gemma und Sisley weiter: Nach Frisco kommt jetzt Hawaii, auf dieser paradiesischen Insel hätte ich nicht so viele Obdachlose erwartet, hier gefiel mir, dass dieser Punkt nicht ausgespart wurde, da nicht alle Leute so wohlhabend (und intelligent) sind wie Gemma und Sisley: Auch die Brosche kommt wieder ins Spiel: Kennt der schnitzende Mann etwa den Vater Gemmas?


    Gemma wirkt hier am Ende ihrer Kräfte fast, psychisch erschöpft, da ist es auch kein Wunder, dass Zorn in ihr durchbricht, auf ihren Vater...


    Etwas Wundervolles geschieht auch - Sisley küsst sie kurzerhand ;D


    Wieder was dazu gelernt: Der Malachit ist also hochgiftig, wenn er tagsüber in Wasser liegt und später immer wieder getrunken wird: Wie traurig, dass Lucrezia wohl schon lange dieses vergiftete Wasser trank - eine sehr tragische Geschichte, die auch wütend machen kann...


    Sandro ist einfach traumhaft - er malt ihr ihr geliebtes Florenz, alles, was sie liebt - und ihre Familie, nach der sie sich sicher sehr sehnt. Welchen letzten Wunsch sie wohl noch haben mag?

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

    Einmal editiert, zuletzt von Sagota ()

  • Das stimmt wohl meistens auch, heutzutage wenigstens. Doch - wer kennt schon einen anderen Menschen wirklich!?
    In vergangenen Zeiten, als in den Familien noch viel von früher erzählt wurde, war man auf jeden Fall besser über Kindheit, Jugend, junges Erwachsenenalter der Eltern, der Großeltern informiert. Und mit meinen eigenen Kindern habe ich das ebenso gemacht, denn ich finde, sie sollen nicht nur ihre Wurzeln kennen sondern auch wissen, wer ihre Eltern sind, wie sie aufwuchsen, wie sie als junge Menschen waren, etc....


    Dieser post von Emmy hat mir auch sehr gut gefallen - und mir sind dieselben Gegenargumente eingefallen wie Dir, liebe Ulrike:
    Früher habe ich oft (als Kind und auch als Teenager) den Erzählungen meiner Eltern, Tanten und Onkels gelauscht, wenn es um längst vergangene Ereignisse in der Familie ging - das habe ich beibehalten bis zum Schluss (sie leben heute leider alle nicht mehr).
    Manchmal wünschte ich, mein Sohn würde auch oft Fragen stellen - denn es stimmt, was Emmy schrieb, dennoch irgendwie: Am besten kennt man seine Eltern in ihrer Rolle - als Vater oder Mutter... Da muss man sich dafür interessieren, wer sie "vorher" waren - und dieses Interesse nimmt im digitalen Zeitalter rapide ab, fürchte ich bzw. erlebe ich auch so.

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

  • Das war natürlich einerseits einfach ein schöner Plot-Twist hinsichtlich Clifford, aber auch Gemma - wenn ihr euch daran erinnert, dass sie sonntags immer Dollarnoten faltet und unter der Woche dann an Odachlose und Straßenmusiker verteilt ... Aber hauptsächlich war es für mich die Möglichkeit, davon zu erzählen.


    Ich hörte neulich abends eine Radiosendung mit zwei ehemals Obdachlosen aus meiner Stadt (die jetzt eine Bleibe haben, aber sich nur langsam daran gewöhnen konnten, nach so vielen Jahren auf der Straße): Der einhellige Tenor war, dass ein wenig Kleingeld wirklich das Beste ist, was man für sie tun kann (ich habe auch schon Hundefutter neben die Büchse gelegt, da viele Tiere haben). Es war eine wirklich interessante Sendung, da man "die unbekannte Seite" hören konnte. Kein einfaches Leben, das wirklich viele treffen kann.


    An Gemma gefiel mir das anfangs besonders - und nahm mich gleich für sie ein (soziale Kompetenzen finde ich immer gut, liegt an meinem Beruf ;D)

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)


  • Früher habe ich oft (als Kind und auch als Teenager) den Erzählungen meiner Eltern, Tanten und Onkels gelauscht, wenn es um längst vergangene Ereignisse in der Familie ging - das habe ich beibehalten bis zum Schluss (sie leben heute leider alle nicht mehr).
    Manchmal wünschte ich, mein Sohn würde auch oft Fragen stellen - denn es stimmt, was Emmy schrieb, dennoch irgendwie: Am besten kennt man seine Eltern in ihrer Rolle - als Vater oder Mutter... Da muss man sich dafür interessieren, wer sie "vorher" waren - und dieses Interesse nimmt im digitalen Zeitalter rapide ab, fürchte ich bzw. erlebe ich auch so.


    Das kann durchaus noch kommen! Viele Menschen kommen in ihrem Erwachsenenleben an einen Punkt, an dem es ihnen wichtig ist, ihre Wurzeln zu kennen. Oft ist dann aber niemand mehr da, der die alten Familiengeschichten noch kennt - also schreibt man ( Mutter, Vater, Großeltern...) sie doch am besten auf! Auch ein Vermächtnis...

  • @Ulrike:


    Ich glaube, mein Sohn muss mal irgendwann überlegen, was er mit meinen vielen Tagebüchern (seit ich 13 war) anfangen wird, vermutlich wird er da viele alte Familienkisten entdecken ;D, falls er vorher nicht (öfter mal, als er das tut) fragt ;)

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)


  • Autsch! Also liegt hier ein ganz klarer Fall von Überforderung und Überfrachtung mit Mutters Vergangenheit vor.... ;) ;) ;)


    Vermutlich gebe ich die Tagebücher ins Archiv - sicher kann er sie (wenn er will, wenn nicht, ist auch okay) dort auch einsehen. Also musst Du nicht besorgt sein in puncto Überforderung/Überfrachtung ;)


    http://tagebucharchiv.de/

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)


  • Ich finde das in diesem Abschnitt die Spannung so richtig Fahrt aufgenommen hat.


    Aber erst einmal zu Lucrezia. Wie kann man so grausam sein und einen Menschen mit Absicht über einen so langen Zeitraum dahin siechen lassen.
    So ein kleines , junges zartes Leben wir ausgelöscht, ohne das Lucrezia die Möglichkeit bekommen hat ihr Leben zu genießen.


    Der Doktor hat ziemlich schnell die Ursache für ihr leiden feststellen können. Gleich zu Beginn als er auf das Wasser zu sprechen kam, hatte ich den Verdacht das etwas nicht damit stimmt.


    Die ganze Zeit über, wenn sie so erzählt hat, hörte es sich an, als wäre sie eine ausgezehrte Frau, dabei war sie erst 15 als sie an diesen Ort kam.


    Wurde sie jetzt unter dem Deckmantel der Fruchtbarkeits-Heilung vergiftet, man hat doch an solche Sachen geglaubt oder war es pure Absicht, wer hat denn das Wässerchen für sie bestellt? Das war doch gewiss ihr Mann und der wusste bestimmt um die giftige Wirkung. Vielleicht, weil der "nasse Fisch" sich immer noch nicht regte und er es nach außen hin so aussehen lassen wollte, als hätte er eine kranke Ehefrau, dass es an ihr liegt..traue ich ihm zu..

  • Die Dame in grün verfolgt mich schon in meine Träume. Ich sah in den Spiegel und ich hatte rote mittelgescheitelte Haare, nach hinten gebunden,
    ein richtiges Vollmondgesicht hatte ich, rötlich-blass ohne Konturen, ganz ohne Make up, nur ein Geschmeide zierte meinen korsettverdächtigen Ausschnitt. (mit Kleid natürlich) Ich befand mich in einem großen Raum überall lagen auf Regale bunte Steine und ja..auch Make up Utensilien, ich fand dann einen Mascara, den ich sogleich auftrug, da stellte sich mir eine aufgedonnerte blonde Frau in den Weg, wedelte mit dem Finger vor meinem Gesicht herum und zeigte auf ein plötzlich anwesendes Schild: "Schminke nicht anrühren"..mir war das egal, ich wollte wieder ich selbst sein, schminkte meine hellen grünen Augen (ich habe eher ein oliv-braun), da öffneten sich meine Frisur, das rot war weg, sie waren wieder braun mit blonden Strähnen und ich fühlte mich wieder wohl..
    :ohnmacht: