05: Seite 339 - Seite 417 (Kap. 42 - einschl. Kap. 53)

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  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 339 bis Seite 417 (Kapitel 42 - einschl. Kapitel 53) schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Beitrag von kessi69:


    "Leider wurde die arme Kathrina gefoltert und dann ertränkt. Von dieser Methode mit der toten Katze, dem toten Hund und der lebenden Schlange habe ich schon mal etwas gelesen. Das waren doch bestialische Methoden."

  • Es ist wieder sehr viel passiert in diesem Abschnitt:


    Katrina wurde zum Tode verurteilt - niemand hat nach dem Vater des Kindes gefragt. Nicht einmal der Name des Stadtschreibers wurde während des Prozesses genannt. Rische und der Kämmerer hatten Schumann ja versprochen, dass sein Ruf nicht leiden würde -
    "schließlich waren sie ja alle einmal jung gewesen".
    Zum Grausen >:(


    Ich fürchte nur, dass diese Einstellung damals alltäglich war und dass sie über lange Zeit alle möglichen gesellschaftlichen Veränderungen, die im Laufe der Jahrhunderte stattfanden, überdauert hat!
    Die Szenen rund um die Vollstreckung des Todesurteils waren brutal und sind mir wirklich zu Herzen gegangen!


    Aber in die Geschichten um Sophia und ihre Männer kommt auch wieder ein wenig Bewegung: sie sagt dem Stadtschreiber, dass sie ihn nicht heiraten wird. Endlich!
    Dass dieser ihre Entscheidung nicht einfach akzeptiert war ja klar. Erst sabotiert er Niklas Antrag auf die Bürgerrechte. Das gelingt nicht ganz. Aber Schumann hat ja einen Handlanger fürs Grob - Kunz. Er beauftragt ihn ganz klar mit dem Mord an Niklas. Dabei ahnt er nur, ohne genau zu wissen, dass Niklas und Sophia verlobt sind.
    Wie wurde das Anstiften zu einem Mord eigentlich geahndet?


    Der Mordversuch in der Kirche schlägt fehl - wurde da eigentlich irgendwie weiter ermittelt? Denn der Zimmermann hatte ja den Verdacht, dass das Gerüst absichtlich angesägt wurde!


    Simon Weyner ist auf seiner Reise einem Unfall zum Opfer gefallen und hat der Tochter nur sehr wenig hinterlassen. Bemerkenswert fand ich in diesem Zusammenhang Gertruds Einstellung zum Leichenbegräbnis. Es muss prunkvoll sein, damit von vorn herein kein Gerede entsteht!
    Und dass Sophia mit dem Tod des Vaters automatisch einen anderen Vormund bekommen hat. Wie alt ist Sophia eigentlich? Und ab welchem Alter wurde kein Vormund mehr benötigt?


    Und was die Morde angeht: Balthasar Blechschmidt war am Abend, als der Seiler ermordet wurde in der Nähe. Er hat einen Streit belauscht, ist aber nicht zum Seiler in die Werkstatt gegangen. Könnte es sein, dass er die großen Fußspuren hinterlassen hat und der Seiler tatsächlich am Knebel erstickt ist?


    Das Buch selber liegt weiter im Kontor. Alle waren sich einig, dass es ein sehr wertvolles Buch sein muss. Wieviel hat damals die Herstellung eines Buches eigentlich gekostet?
    Sophia vertritt ja die Meinung, dass durchaus eine Frau dieses Buch geschrieben haben könnte. Ich hab mir das ja vorher keine Sekunde überlegt - aber alles was sie sagt, klingt ziemlich logisch! Aber was soll bitte in diesem Zusammenhang Niklas Äußerung "Der Herr bewahre uns vor gelehrten Weibern"? Mich dünkt, er spricht im Fieber ;)


    Überraschend ist dann aber noch Sophias Traum von ihrer Mutter, die ihr das Lesen beibringt und dabei die Seiten des Buches aus dem Kontor vor sich hatte.
    Wissen wir eigentlich, wann genau die Kisten gestohlen wurden? Und wie alt der Stadtschreiber ist? Ich versuche gerade diese Ereignisse zeitlich zu ordnen!


    Der Schluss dieses Abschnitts ist wieder extrem dramatisch: Sophia wird Zeugin, wie Kunz und Niklas auf einem kleinen Boot miteinander kämpfen und dann beide in der Elbe untergehen. Aber am Schluss scheint Niklas doch ein Opfer von Schumann und Kunz geworden zu sein.


    Ich weiß nicht genau, ob ich mir wünschen soll, dass er wieder lebendig auftaucht oder ob ich ihn tatsächlich sterben lassen will :-[
    Das wäre eine sehr unerwartete Wendung der Geschichte, die alles noch einmal so richtig spannend macht - wenn es eben nicht nach Happy End aussieht und alles offen ist.

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()


  • Beitrag von kessi69:


    "Leider wurde die arme Kathrina gefoltert und dann ertränkt. Von dieser Methode mit der toten Katze, dem toten Hund und der lebenden Schlange habe ich schon mal etwas gelesen. Das waren doch bestialische Methoden."


    Welchen Sinn bzw Symbolwert hatten die toten Tiere bzw die lebende Schlange? Bestialische Methoden waren das sicherlich! :'(


  • Wie wurde das Anstiften zu einem Mord eigentlich geahndet?


    Schumann wäre wohl auch zum Tode verurteilt worden, wenn man es ihm hätte nachweisen können.


    Da lag damals allerdings das Hauptproblem: Sobald der Täter nicht auf frischer Tat ertappt wurde oder es glaubwürdige Zeugen gab, blieb im Grunde nur noch die Folter als Mittel der "Wahrheitsfindung". Kritisiert wurde das damals auch schon, aber die meisten kriminalistische Methoden, die für uns heute selbstverständlich sind, gab es nicht. Teilweise wurde damals in Deutschland sogar noch die "Bahrprobe" als Bweis vor Gericht angewendet - dazu musste der vermeintliche Täter an die leiche des Opfers treten - blutete die erneut, war er als Täter überführt.


  • Wie alt ist Sophia eigentlich? Und ab welchem Alter wurde kein Vormund mehr benötigt?


    Sie ist 19. Aber das Alter spielte damals keine Rolle - als ledige Frau hattest du einen männlichen Verwandten, der das Recht hatte, für/über dich zu entscheiden - gab es keinen, wurde ein anderer Mann dazu bestimmt. Als Witwe hattest du ein bisschen mehr Mitbestimmungsrecht - kam aber auch immer auf die konkrete Situation an. Glück hattest du da nur, wenn der Vormund entsprechend tolerant war und dich dein Ding machen ließ.


  • Wieviel hat damals die Herstellung eines Buches eigentlich gekostet?


    Bücher waren damals viel teurer als heute. Am billigsten bekamst du auf Papier gedruckte Bücher, wenn sie nicht gebunden waren. Bücher binden ist eine Heidenarbeit - meine Mutter war Buchbinderin, daher kenne ich das aus eigener Anschauung - und je nach verwendetem Material konnte das dann auch stark im Preis variieren.
    Das Buch aus dem Kontor von Sophias Vater ist aber aus Pergament - das ist viel, viel teurer als Papier. Außerdem ist es handgeschrieben und -gemalt. Das erforderte enormen Arbeitsauffwand und die Farben waren auch teuer.
    Wenn wir mal von dem Buch ausgegehen, das dabei Vorbild stand - dem Voynich-Manuskript - das war schon sowas wie Porsche mit Extraausstattung unter den Büchern... :lesen: ;)


  • Welchen Sinn bzw Symbolwert hatten die toten Tiere bzw die lebende Schlange? Bestialische Methoden waren das sicherlich! :'(


    Das ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich kam diese Art der Hinrichtung aus der Antike. tatsächlich wurde sie bis weit ins 17.Jahrhundert in Sachsen praktiziert. Meine Deutung ist: Die Katze steht für den Teufel, der die Sünderin dazu brachte zu sündigen. Die Schlange ebenfalls - außerdem für Evas Sündenfall. Der Affe bedeutete Eitelkeit (so nach dem Motto: Selber Schuld, wenn sie sich durch schöne Worte von einem Kerl verführen lässt...). Der Hund galt als ganz niederes Tier.

  • Liebe Heike - herzlichen Dank für die geduldige Beantwortung aller meiner Fragen!
    Es sind so viele Details, die mir vorher nicht so bewusst waren! Und ehrlicherweise war es der einfachere Weg, Dich zu fragen, anstatt selber nachzuschlagen! :-[


    Mir war nicht klar, dass Frauen im Prinzip eigentlich ein Leben lang, von einem Vormund abhängig waren! Ein abschreckender Gedanke!


    Mit Deiner Antwort auf die Frage, ob Anstiftung zum Mord auch geahndet wurde, hast Du meine letzte Hoffnung begraben, dass Kunz gegen den Stadtschreiber aussagt! Ihm hätten sie eventuell mehr geglaubt als Katrina! Auch wenn er ein Mörder ist, aber eben ein Mann! >:( Dann wären die Ratsherren vielleicht nicht mehr so begeistert von Schumann! Ich suche noch immer nach einer Möglichkeit, Schumann seiner gerechten Strafe zuzuführen... und mir fällt nix ein! :'(

  • Von der Hinrichtung Kathrinas habe ich ja schon geschrieben :). Wolf wollte unbedingt das Sophia sich das anguckt. Das hat sie nun auch getan und konnte dabei Wolf seinen Gesichtsausdruck beobachten.
    Sie hat ihren Entschluss gefasst, sie wird Wolf nicht heiraten. Gertrud hat dazu nichts weiter zu sagen wie " Recht so" 8)
    Doch als Sophia diesem eine Abfuhr erteilt, ist dieser alles andere als erfreut. Zum Glück waren Gertrud und Heinrich zur Stelle und standen Sophia zur Seite.


    Niklas hat eine freudige Nachricht bekommen, er erbt alles von seinem damaligen Meister. Dies bedeutet das er sich das Bürgerrecht kaufen kann. Er ist gleich aufgebrochen um alles zu regeln.
    Als Sophia beim Pastor in der Kirche ist bekommen wir einen Einblick von der Arbeit die Niklas dort verrichtet. Das war interessant und amüsant. Nach etwas Sorge kam Niklas dann doch zurück nach Pirna. Im Gepäck hat er die Urkunde, die ihm nun ermöglicht das Bürgerecht zu kaufen.
    Doch auch da hat Wolf wieder einmal seine Finger mit im Spiel und sorgt dafür daß die Urkunde noch mal überprüft werden muss.
    Dann landet Niklas in der Fronfeste weil Wolf beim Fechten auf ihn los gegangen ist. Natürlich dreht Wolf auch hier die Tatsache um.
    Wolf plant böses und will Kunz zurück in Pirna. Kunz geht als Bettler unter die Leute um so alles zu beobachten. Und nachdem Niklas aus der Fronfeste ist kommt das nächste Unheil. Durch eine List ist es Kunz gelungen Sophia in die Kirche einzusperren und Niklas von seiner Arbeit fort zu locken. Er sollte zum Werder kommen um noch den schönen Tag mit Sophia zu genießen. Aber was dann passierte war fürchterlich. Sophia musste zusehen wie Niklas auf einem Boot mit jemanden kämpft. Sie glaubt Kunz zu erkennen , in den Sachen des Bettlers. Kann das sein, ich denke ja. Denn Wolf hat Kunz den Auftrag erteilt.
    Sophia musste alles mit ansehen, bis dahin, wo keiner der beiden mehr auftauchte.


    Ich hatte mich so für Sophia und Niklas gefreut, leider ist es in Traurigkeit umgeschlagen.


    Ach, die Diskussion von Niklas, dem Magister und Sophia über das Buch fand ich Klasse. Warum muss das Buch ein Mann geschrieben haben? Stimmt, es könnte auch eine Frau gewesen sein, Sophia spricht ein paar interessante Aspekte an.


    Dann noch die Sache mit den Heuschrecken, da würde mich interessieren ob das historisch belegt ist.
    Ich habe in " Zorn des Himmels" über das Magdalenenhochwassers gelesen. Und bevor auch in Frankfurt die Welt im Jahr 1343 unter ging , kam ein riesiger Heuschrecken Schwarm über Frankfurt hinweg.


  • Liebe Heike - herzlichen Dank für die geduldige Beantwortung aller meiner Fragen!
    Es sind so viele Details, die mir vorher nicht so bewusst waren! Und ehrlicherweise war es der einfachere Weg, Dich zu fragen, anstatt selber nachzuschlagen! :-[


    Mit Deiner Antwort auf die Frage, ob Anstiftung zum Mord auch geahndet wurde, hast Du meine letzte Hoffnung begraben, dass Kunz gegen den Stadtschreiber aussagt! Ihm hätten sie eventuell mehr geglaubt als Katrina! Auch wenn er ein Mörder ist, aber eben ein Mann! >:( Dann wären die Ratsherren vielleicht nicht mehr so begeistert von Schumann! Ich suche noch immer nach einer Möglichkeit, Schumann seiner gerechten Strafe zuzuführen... und mir fällt nix ein! :'(


    Mit den Fragen die du Heike gestellt hast, sind auch meine beantwortet, prima.


    Und auch mir fällt nichts ein, wie man Wolf endlich beseitigen könnte. Aber du weißt ja, es muss immer einen Bösewicht geben. Ich hatte schon ein wenig Hoffnung das vielleicht der Fechtmeister die Wahrheit sagt. Aber eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Und so wird sich das wohl auch mit anderen verhalten. Denn als Stadtschreiber hat er schon ein wenig Macht und da will es sich so schnell keiner mit ihm verscherzen.
    Und Kunz kann nun nicht mehr gegen ihn aussagen.

  • Sie ist 19. Aber das Alter spielte damals keine Rolle - als ledige Frau hattest du einen männlichen Verwandten, der das Recht hatte, für/über dich zu entscheiden - gab es keinen, wurde ein anderer Mann dazu bestimmt. Als Witwe hattest du ein bisschen mehr Mitbestimmungsrecht - kam aber auch immer auf die konkrete Situation an. Glück hattest du da nur, wenn der Vormund entsprechend tolerant war und dich dein Ding machen ließ.


    Es gab doch auch Zeiten, zumindest bei Adligen, das den Frauen bestimmt wurde, nach der Trauerzeit wieder zu heiraten.
    Gab es das bei den Frauen wie Bockewirth und Hewptmann auch? Und was ist aus dem Geschäft geworden, wenn es keinen männlichen Erben gab? Ist das an die Zunft gegangen oder wurde es verkauft?

  • Das war ein sehr emotionaler Abschnitt mit einigen Höhen und Tiefen. Und natürlich bin ich vom Abschnittsende absolut geschockt und traurig.


    Wolf Schumann – wenn es jemanden gibt, dem ich im wahrsten Sinne des Wortes die Pest an den Hals wünsche, dann ist er es! Am Anfang des Abschnitts war ich froh, dass Sophia Wolf so gut bei Katrinas Hinrichtung beobachtet hat und sie die richtigen Konsequenzen daraus gezogen und ihm eine Abfuhr, was die Verlobung angeht, erteilt hat.


    Die Hinrichtung war ja furchtbar – diese Art von Hinrichtung mit den toten Tieren und der lebendigen Schlange plus das Ertränken war mir bisher völlig unbekannt. Wie viele Leben der Stadtschreiber inzwischen schon auf dem Gewissen hat!


    Ich fand es toll, wie Fuchs und Gertrud Sophia in ihrer Entscheidung, Schumann einen Korb zu geben, unterstützt haben. Ich musste ziemlich grinsen, als sie ihm die Show vermasselt haben, indem sie in die Stube platzten, als Wolf Sophia derart zu bedrängen begann.


    Und dann tritt das ein, was wir die ganze Zeit für Niklas und Sophia gehofft haben: Niklas macht eine überraschende Erbschaft und ist damit in der Lage, die Bürgerrechte von Pirna zu bezahlen und kommt somit als adäquater Ehemann für Sophia in Frage. Was habe ich mich in dem Moment für die beiden gefreut. Aber ich muss gestehen, dass es mir wie Sophia ging, danach war ich umso ängstlicher, dass irgendetwas passiert, dass das junge Glück zerstört. Denn es war uns allen ja klar, dass Schumann auf jeden Fall an das Buch kommen will. Und nicht nur dass, inzwischen ist er regelrecht besessen davon, auch Sophia zu besitzen. Der Typ ist echt krank im Kopf.


    Und Schumann erfüllt auch direkt die in ihn gesetzten Befürchtungen, dass er alles versucht, um eine Eheschließung zwischen Niklas und Sophia zu verhindern. Ich kann sehr gut verstehen, dass Niklas ausgerastet ist, als an seiner Urkunde Zweifel angemeldet wurden – und das ausgerechnet von Schumann. Ehrlich gesagt hatte ich die Befürchtung, dass Niklas die Fronfeste so schnell nicht wieder würde verlassen oder er womöglich eine schwerwiegende Verletzung davongetragen hat oder durch die Ratten in seiner Zelle die Pest einfängt oder … Aber das ging nochmal glimpflich vorüber.


    Dann kommt der erste Tiefschlag: Simon Weyner ertrinkt während seiner Geschäftsreise. Wir hatten ja im dritten Abschnitt darüber spekuliert, was so ein Fall für Sophia bedeuten würde, jetzt haben wir die Antwort. Der Weinhandel ist am Ende und Sophia muss einiges verkaufen, aber dadurch ist sie keine so gute Partie mehr und damit ist Niklas mehr als recht als Ehemann. War aber klar, dass sie, obwohl sie nun Waise ist, nicht alleine darüber entscheiden kann, wen sie heiraten möchte, sondern dass ein Verwandter als Vormund einspringen muss. Meine bange Frage war, wird auch er Sophia letztendlich die Entscheidung überlassen oder würde er auf eine Verbindung zu dem Stadtschreiber drängen, weil das aus seiner Sicht eine ausnehmend gute Partie für seine Nichte darstellen würde? Durch diese Fragen wurde die Trauer um den Vater beinahe etwas in den Hintergrund gedrängt.


    Und nun stelle ich mir natürlich die Frage, wie wird der Vormund nach Niklas' Tod entscheiden, wenn nur noch Schumann als williger Kandidat in Frage kommt? Oh man, das darf doch alles nicht wahr sein.


    Eines habe ich mich noch gefragt: was wird denn aus Gertrud, Marten und den Anderen, wenn Sophia sich zukünftig verkleinern wird? Marten ist der Sohn eines Kaufmanns, wird er dann zu seinem Vater zurückkehren oder sich eine neue Stelle suchen? Es ist echt ein Kreuz mit den Standesunterschieden, dass Marten und Maria deswegen nicht zusammenkommen können.


    Als Schumann Kunz zurückholt, hatte ich die allerschlimmsten Befürchtungen, denn Kunz ist leider ziemlich kaltblütig und effektiv. Beim Einsturz des Gerüsts geht es nochmal glimpflich aus, aber schlussendlich erwischt Kunz doch noch Niklas. Warum saß er nur mit dieser Type in einem Boot? Der einzige winzige Trost an der ganzen Geschichte ist, dass es Kunz ebenfalls erwischt hat.


    Ich will mir nicht vorstellen, wie es Sophia nun geht. Und sie kann sich nicht mal ihrer Trauer widmen, denn Schumann wird garantiert demnächst auf der Matte stehen. Und vielleicht ist Sophia sogar schwanger – wobei ich froh bin, dass sie und Niklas wenigstens eine gemeinsame Nacht hatten.


    Ich hoffe jetzt, dass Sophia Schumann gegenüber deutlich misstrauischer wird, wenn er nochmal um ihre Hand anhalten wird, denn eines ist klar, ein Unfall war das diesmal eindeutig nicht – Schumann hat somit sein Ziel nicht erreicht, dass Niklas' Tod wie ein Unfall aussehen sollte. Ich hoffe sehr, dass Sophia dann eins und eins zusammenzählen wird, dass hinter dem Mord das Ausschalten eines Nebenbuhlers steht. Und Balthasar Blechschmidt fällt als Verdächtiger raus, da er von sich aus das Gespräch mit Sophia gesucht hat, was nun von großem Vorteil ist. Von dem abgesehen, fand ich es toll, dass er sie aufgesucht hat, um sich für das Verhalten seines Bruders zu entschuldigen. Außerdem erfährt Sophia auf diesem Weg, dass er damals bei Hewptmann jemanden gehört hat, was ihren Verdacht, dass es sich um Mord handelt, untermauert.


    Nun bin ich sehr gespannt, was uns im letzten Abschnitt noch erwarten wird.


  • Katrina wurde zum Tode verurteilt - niemand hat nach dem Vater des Kindes gefragt. Nicht einmal der Name des Stadtschreibers wurde während des Prozesses genannt. Rische und der Kämmerer hatten Schumann ja versprochen, dass sein Ruf nicht leiden würde -
    "schließlich waren sie ja alle einmal jung gewesen".
    Zum Grausen >:(


    Diese heuchlerische Doppelmoral ist echt zum K.... >:(



    Sophia vertritt ja die Meinung, dass durchaus eine Frau dieses Buch geschrieben haben könnte. Ich hab mir das ja vorher keine Sekunde überlegt - aber alles was sie sagt, klingt ziemlich logisch! Aber was soll bitte in diesem Zusammenhang Niklas Äußerung "Der Herr bewahre uns vor gelehrten Weibern"? Mich dünkt, er spricht im Fieber ;)


    Ja, Sophias Überlegungen zur Autorenschaft ds Buches fand ich auch sehr spannend, ihre Argumentation absolut nachvollziehbar. Ich bin sehr gespannt, ob sich dieses Rätsel irgendwann lösen wird.


  • Sie ist 19. Aber das Alter spielte damals keine Rolle - als ledige Frau hattest du einen männlichen Verwandten, der das Recht hatte, für/über dich zu entscheiden - gab es keinen, wurde ein anderer Mann dazu bestimmt. Als Witwe hattest du ein bisschen mehr Mitbestimmungsrecht - kam aber auch immer auf die konkrete Situation an. Glück hattest du da nur, wenn der Vormund entsprechend tolerant war und dich dein Ding machen ließ.


    Das dachte ich mir schon, dass das Alter der Frau keine große Rolle spielt ::)

  • Bücher waren damals viel teurer als heute. Am billigsten bekamst du auf Papier gedruckte Bücher, wenn sie nicht gebunden waren. Bücher binden ist eine Heidenarbeit - meine Mutter war Buchbinderin, daher kenne ich das aus eigener Anschauung - und je nach verwendetem Material konnte das dann auch stark im Preis variieren.
    Das Buch aus dem Kontor von Sophias Vater ist aber aus Pergament - das ist viel, viel teurer als Papier. Außerdem ist es handgeschrieben und -gemalt. Das erforderte enormen Arbeitsauffwand und die Farben waren auch teuer.
    Wenn wir mal von dem Buch ausgegehen, das dabei Vorbild stand - dem Voynich-Manuskript - das war schon sowas wie Porsche mit Extraausstattung unter den Büchern... :lesen: ;)


    Vielen Dank für diese sehr interessanten Informationen - und die Frage, liebe ysa. Ich muss gestehen, ich habe mir darüber keine so großen Gedanken gemacht; man nimmt heutzutage vieles allzu leicht an.


  • Das ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich kam diese Art der Hinrichtung aus der Antike. tatsächlich wurde sie bis weit ins 17.Jahrhundert in Sachsen praktiziert. Meine Deutung ist: Die Katze steht für den Teufel, der die Sünderin dazu brachte zu sündigen. Die Schlange ebenfalls - außerdem für Evas Sündenfall. Der Affe bedeutete Eitelkeit (so nach dem Motto: Selber Schuld, wenn sie sich durch schöne Worte von einem Kerl verführen lässt...). Der Hund galt als ganz niederes Tier.


    Das hört sich ziemlich einleuchtend an.

  • Was mir auch sehr gut gefallen hat in diesem Abschnitt und mich auch ein wenig zum Lächeln gebracht hat, war die Tatsache, dass Niklas das Stadtschwein in einem Bild verewigen will - als Reittier von Tetzel doch wirklich passend, was meint ihr? :D


    Das haben ja viele Künstler immer wieder gemacht: alltägliches, auch Personen aus ihrem Leben sehr passend in großen und weniger großen Werken verewigt! Und das in Bildern, Statuen oder Gebäuden wiederzufinden, ist überaus spannend!



    Das dachte ich mir schon, dass das Alter der Frau keine große Rolle spielt ::)


    Aber der gesellschaftliche Stand spielte doch eine Rolle. Maria hat ja keinen Vormund, allerdings auch kein leichtes Leben. Ihre Freiheit hat einen hohen Preis!



    Dann noch die Sache mit den Heuschrecken, da würde mich interessieren ob das historisch belegt ist.
    Ich habe in " Zorn des Himmels" über das Magdalenenhochwassers gelesen. Und bevor auch in Frankfurt die Welt im Jahr 1343 unter ging , kam ein riesiger Heuschrecken Schwarm über Frankfurt hinweg.


    Das ist eine ganz interessante Frage! Ich fand die Schilderung der Heuschreckeninvasion richtig gruselig-lebensnah! Der Gedanke, dass solche Vieher überall herumschwirren und alles zusammenfressen - ekelhaft! :o


  • Was mir auch sehr gut gefallen hat in diesem Abschnitt und mich auch ein wenig zum Lächeln gebracht hat, war die Tatsache, dass Niklas das Stadtschwein in einem Bild verewigen will - als Reittier von Tetzel doch wirklich passend, was meint ihr? :D


    Ja, dass das Stadtschwein immer wieder eine Rolle spielt, find ich auch witzig ;D



    Aber der gesellschaftliche Stand spielte doch eine Rolle. Maria hat ja keinen Vormund, allerdings auch kein leichtes Leben. Ihre Freiheit hat einen hohen Preis!


    Du hast recht, Maria ist freier als Sophia, muss aber deutlich mehr kämpfen, um sich einigermaßen durchschlagen zu können.

  • Da gibt es ja diesen kleinen Absatz am Ende des 52 Kapitels. Sophia träumt von ihrer Mutter und dass sie mit ihr das Lesen erlernt hat.
    Die schlanken Finger der Mutter glitten über die Zeilen des Buches aus dem Kontor


    Damit ist doch "unser" Buch gemeint, oder? Aber das ist ja codiert verfasst... wie konnte sie dann lesen?
    Und was hat Sophias Mutter mit dem Buch wirklich zu tun?
    Das ist zwar nur ein kleiner Absatz, aber er geht mir nicht aus dem Kopf und wirft einige Fragen auf!
    :lesen: