01: Anfang - Seite 96 (einschl. Kapitel 10)

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  • Hallo Ihr Lieben,


    hier treffen wir uns ab dem 05.01.2018 zur Leserunde zu dem Buch "Die Fallstricke des Teufels" und ich begrüße alle TeilnehmerInnen und ganz besonders Heike Stöhr, die uns hier zum ersten Mal begleiten wird. Schön, dass Du, liebe Heike, mit dabei bist! :-*


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die neuen Ausführungen zur Netiquette durch.
    Postet hier bitte erst, wenn ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.


    Wenn ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, dann wäre es gut, wenn ihr hier oder per PN an den Moderator kurz Bescheid geben würdet.


    Es wäre schön, wenn ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir größtenteils zusammenbleiben können. Grobe Faustregel ist hierbei, dass bitte pro Tag nicht mehr als ein Abschnitt gelesen und dazu gepostet werden sollte! :winken:


    Hier könnt Ihr vom Anfang bis Seite 96 (bis einschl. Kapitel 10) schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.


    Ich wünsche uns nun allen viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!


    Liebe Grüße
    odenwaldcollies :winken:

  • Hallo zusammen und Hallo an Heike - schön, dass es geklappt hat, ich freue mich auf die Runde!


    Zunächst mal was zur Aufmachung: Die Karte ist echt ein Hingucker! Ich gebe zu, dass ich einen Kartentick habe und so etwas wirklich liebe, aber dennoch finde ich so etwas immer sehr schön und es macht Spaß, sich daran zu orientieren.


    Dann haben wir doch einen spannenden und atmosphärischen Einstieg, wenngleich er auch wirklich mit Hammerschlägen beginnt. Ja, die Pest war wohl kein Spaß und gerade als Kind ist es sicher schwer, mit anzusehen, wie die Familie nach und nach hinweggerafft wird und man dem quasi machtlos gegenübersteht. Was das Ganze auch spannend macht sind die kurzen Kapitel, zumindest sehe ich den Zusammenhang, das kurze Kapitel oft Spannung erzeugen. Bei Thrillern gehört das ja quasi zum guten Ton, aber hier finde ich das auch einen interessanten Ansatz. Gefällt mir gut!


    Sophia und Wolf scheint ja wohl einiges zu verbinden. Beide sehr wissbegierig, gescheit, (richtige) Fragen stellend und von Teilen der Verwandschaft wohl nicht so wirklich angesehen... spannende Konstellation.


    Der Bader ist mir aktuell recht sympathisch, ich finde es absolut richtig, dass er hier Gertrud angeht. Über solche gruseligen Themen hat man beim Essen nicht zu sprechen. Gut, mir selbst würde es nichts ausmachen, aber es gibt empfindliche Menschen und gerade bei Kindern sollte man sowas schon gleich zweimal lassen - man sieht ja, dass Sophia dadurch Flausen ins Ohr gesetzt wurden.


    Das Buch ist auch faszinierend - hast du dich hier in der Beschreibung am Voynich-Manuskript orientiert, Heike? Ich erkenne da einige Paralellen...


    Ein schöner Einstieg, gefällt mir bislang nach fünf Kapiteln, die ich gelesen habe. Ja, natürlich teile ich mir die Abschnitte wieder ein, was dachtet ihr denn? :P :D

  • Hallo Doscho! :winken:
    Du hast das sofort richtig erkannt: Vorbild für "mein" geheimnisvolles Buch ist tatsächlich das Voynich-Manuskript. Ich hatte den Tipp von einer anderen Autorin bekommen und war auf der Stelle fasziniert.
    Mit den besten Wünschen für weiteren Lesespaß
    Heike

  • Grüß Euch alle zusammen und hallo liebe Heike!


    Herzlichen Dank noch einmal an Doscho, der eigentlich verantwortlich für diese Runde ist! :-*


    Also gleich zu Beginn: die Karte ist großartig! Ich bin total begeistert und schau immer wieder nach, wo denn die einzelnen Personen gerade herumirren! Ist das eigentlich eine alte Karte von Pirna oder ist das eher Phantasie?


    Außerdem bin ich sehr dankbar für die Personenübersicht - ist immer wieder hilfreich! Und ganz toll finde ich natürlich das Glossar am Ende! Glücklicherweise hab ich es bemerkt, bevor ich alle möglichen Begriffserklärungen gesucht habe! ;)


    Das Cover selber gefällt mir nur halb - ist ja eh immer Geschmacksache. Die Farbgebung ist genial, altem Pergament nachempfunden. Die Häuser gefallen mir auch, einzig anstelle des Mädchens würde mir ein Codex in Geheimschrift besser gefallen. Ist aber wirklich Geschmacksache! Liebe Heike - wie weit hattest Du Mitspracherecht bei der Gestaltung des Covers?


    Doscho : Danke für den Hinweise auf das Voynich-Manuskript! Kannte ich natürlich nicht! Werde mich jetzt sofort schlau machen! Auf den ersten Blick sieht es wirklich interessant aus!


    Ganz fertig bin ich mit diesem ersten Abschnitt noch nicht - aber ich bin wirklich gut in die Geschichte reingekommen und sie liest sich unterhaltsam, mitreißend - ich mag es gar nicht weglegen und komme somit wieder einmal zur Erkenntnis, dass die Arbeit oft wirklich störend ist :D


    Bis bald...
    ysa

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • Ein großes Hallo in die Runde und ein liebes Hallo an dich Heike. Schön das es jetzt los geht, ich habe mich so auf das Buch gefreut.
    Mir hat schon das Cover so gut gefallen, aber noch eine Karte im Buchdeckel zu entdecken ist ein kleines I Tüpfelchen. Auch ich mag solche Karten und verfolge die Wege die zurück gelegt werden. Von Personenverzeichnissen und Glossar bin ich eh ein großer Fan.


    Zuerst einmal etwas witziges, für mich jedenfalls. Der Name Nack, das ist mein Mädchenname :) und ich habe noch nie in einem historischen Roman den Namen gelesen. In meiner Heimatstadt
    ( in Mecklenburg) gab es ihn nur drei Mal und das auch nur weil alle miteinander verwandt waren.


    Aber jetzt zu Sophia, die mir jetzt schon ans Herz gewachsen ist. Das sie so jung ihren kleinen Bruder und die Mutter verloren hat ist traurig. Für sie schwer zu verkraften, wo sie doch solche Angst hatte auch sterben zu müssen.
    Das aus Verzweiflung eine Hutzlerin ins Haus geholt wurde, muss für Sophia erschreckend gewesen sein, zumal da diese Sache mit dem Huhn war. Das hat doch nichts mit dem zu tun was ein Bader oder Arzt macht? Weiße Magie und dann das Huhn, was sie damit gemacht hat würde mich ja interessieren.
    Und dann noch der Aberglaube mit dem Schmatzen und Scharren unter der Erde ( Wiedergänger). Wie gesagt nicht einfach für Sophia.
    Nach diesen Ereignissen wurde Sophia zu ihrem Onkel und Tante nach Leipzig geschickt um dort Haushaltführung und der gleichen zu lernen. Doch wie es scheint ist sie dafür nicht sehr geeignet, ihre Interessen liegen im Wissen. Sie hatte Glück das der alte Professor mit im Haus lebte und mit ihm das Buch, was hier das erste Mal erwähnt wird, zu studieren. Leider blieb alles ohne Erfolg.
    Nach Jahren kehrt sie nun nach Pirna zurück. Ist diese Sache mit dem Stadtschwein belegt, undenkbar ist es nicht unbedingt. Aber sehr lustig wenn auch gefährlich.
    Es gibt zwei neue Bewohner im Hause Weyner, der Magister Heinrich Fuchs und der Maler Niklas Dorndorf.


    Und dann ist da Wolf Schumann, wir erfahren viel über seine Familiengeschichte und wer sein leiblicher Vater ist. Und von seinem beruflichen Werdegang. Kurz bevor Pater Johannes stirbt erzählt er Wolf von dem Kirchenschatz den er in Sicherheit bringen sollte. Schumanns Ziel war es nun den Schatz zu finden, doch er hat nur eine Kiste gefunden. Wo sind die anderen, das will er wissen und quetscht es aus dem Tischler Andres raus. Er hat sich das Bürgerrecht gekauft und den Bürgereid geschworen.
    Nach allem was ich bis jetzt über Wolf Schumann gelesen habe, glaube ich nicht das er mir noch sympathisch werden wird. Ich vermute das er mit allen Mitteln die ihm Recht sind, versuchen wird sein Ziel zu verfolgen und erreichen.


    Interessant finde ich natürlich die historischen Fakten und Hintergründe.
    Ich habe schon so viele historische Romane gelesen, aber ich erfahre immer wieder etwas neues. Nicht nur über die politische Lage auch über die Gebräuche die es damals gab.
    Ich wusste zum Beispiel nicht, dass das Pirnaer Kloster das ärmste in Sachen gewesen ist. Auch wusste ich nicht so genau das die Kirchenschätze zu der Zeit in die Staatskasse fließen sollten. War das wirklich so?
    Und dann noch diese Sequestration, da hat ein Kloster Bücher und Schätze angesammelt, lebt ansonsten in Armut und dann wird es ihnen weggenommen. Das auch die Bücher mit dazu zählten wusste ich auch nicht.


    Was bedeutet .....sie verbrassen den Zehnten.....?


    Und die Bierglocke kannte ich auch noch nicht


    Ich glaube ich habe jetzt ein wenig zu weit ausgeholt, kann mich immer so schlecht kurz fassen.

  • Sophia und Wolf scheint ja wohl einiges zu verbinden. Beide sehr wissbegierig, gescheit, (richtige) Fragen stellend und von Teilen der Verwandschaft wohl nicht so wirklich angesehen... spannende Konstellation.


    Der Bader ist mir aktuell recht sympathisch, ich finde es absolut richtig, dass er hier Gertrud angeht. Über solche gruseligen Themen hat man beim Essen nicht zu sprechen. Gut, mir selbst würde es nichts ausmachen, aber es gibt empfindliche Menschen und gerade bei Kindern sollte man sowas schon gleich zweimal lassen - man sieht ja, dass Sophia dadurch Flausen ins Ohr gesetzt wurden.


    Ich finde nicht das die beiden etwas verbindet, aber das ist nur das was ich empfinde. Sicher sind beide sehr wissbegierig, aber ich glaube aus unterschiedlichen Gründen. Wolf nur um an seine Ziele zu gelangen und Sophia, weil sie die Dinge interessieren und sie diese auch verstehen möchte.
    Ausser das die Tante von Sophias Fähigkeiten im Haushalt nicht überzeugt ist, wird sie aber glaube ich von allen gemocht.


    Das der Bader die Köchin und Petter zurecht gewiesen hat, hat mir auch gut gefallen. Auch das er ihr anschließend alles erklärt hat.


    Und danke für den Link mit dem Manuskript, sehr interessant der Eintrag bei Wikipedia.

    Liebe Grüße Kerstin

    Einmal editiert, zuletzt von kessi69 ()

  • @Heike: Dachte ich's mir doch, ich bin da im Studium mal darübergestolpert und weiß daher, dass es das gibt, aber genau damit befasst habe ich mich auch nicht. Ein sehr faszinierendes Werk, vielleicht wird das Rätsel darum ja mal gelöst...



    Was bedeutet .....sie verbrassen den Zehnten.....?


    Das wusste ich tatsächlich auch nicht vorher, aber die schlaue Wikipedia lehrt uns, dass der Zehnte gleichzusetzen ist mit der Kirchensteuer (denn die betrug etwa 10%), im Mittelalter wurde die wohl entweder in Geld oder in Naturalien abgegeben. Und wenn die Kirche die lieber für eigene Zwecke, als zum Wohl des Volkes verwendet hat - dann wurde die eben verprasst, heißt soviel wie verschleudert, verschwendet.



    Ich glaube ich habe jetzt ein wenig zu weit ausgeholt, kann mich immer so schlecht kurz fassen.


    Also ich mag das! :-)



    Zum Thema "Sind sich Wolf und Sophia ähnlich?": Ich sehe da schon Parallelen, klar hast du Recht wenn du sagst, sie handeln aus unterschiedlichen Gründen, aber der soziale Hintergrund und das Umfeld erscheinen mir ähnlich. Aber vielleicht täuscht das. Gut, die Tante meint es auf ihre Art und Weise wohl wirklich nur gut, aber gerade nett finde ich sie jetzt auch nicht... Sie hat ja im Grunde Recht: Bildung war damals für eine Frau schwierig und seinen sozialen Status erhöhen konnte man eben meist nur, wenn man in die richtigen Kreise einheiratet. Mein Fokus liegt auch gar nicht so sehr auf der Tante, sondern mehr darauf, dass Sophia herumschleicht, weil sie offenbar von dem Elend isoliert wird/werden soll und es fällt auch die Formulierung, dass sie sich manchmal vorkommt, als wäre sie gar nicht da...

  • Wirklich spannend!


    Sophias Kindheit war gekennzeichnet von den tragischen Todesfällen in ihrer Familie einerseits und dem gesellschaftlichen Aberglauben aber auch den gesellschaftlichen Normen jener Zeit - alles zusammen sicher nicht einfach für eine junge, wissbegierige Frau. Aber auf alle Fälle eine gute Grundlage für eine spannende Geschichte! :lesen:
    Zwischen all diesen Geschehnissen und Personen geht sie tatsächlich irgendwie unter, so als wäre sie gar nicht da - so beschreibt sie es ja auch. Aber das habe ich mal rein auf diese Zeit knapp nach dem Tod ihrer Mutter, also der Zeit der Pest, bezogen. Ob sie es später als junge Erwachsene auch noch so empfunden hat? Glaube ich fast nicht!


    Ich finde die historischen Hinweise immer wieder interessant - auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, was nun eine Hutzlerin ist!


    Was mich in diesem Zusammenhang wirklich interessieren würde: ist diese Leichenschändung, das Herauszerren der Leichen aus ihren Gräbern tatsächlich passiert, oder ist das eher Fiktion? Entschuldigt bitte - aber was diesen Teil der Geschichte angeht, bin ich ziemlich ahnungslos!


    Es macht die Geschichte übrigens wirklich spannend, dass Wolfs und Sophias Geschichte im Wechsel erzählt wird. Ich warte schon darauf, dass diese beiden Erzählstränge zusammenfinden - allerdings vermute ich mal, dass das nicht sehr harmonisch ablaufen wird. Wolf hat doch einige psychopathische Züge... Gewissen oder Empathie scheinen ihm recht fremd zu sein! Und auch wenn ich auch anfänglich gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihm und Sophia gesehen habe, so hat sich das im Laufe des ersten Abschnitts radikal geändert: sie sind die Gegenspieler, Zusammenarbeit ausgeschlossen!


    Die Tatsache, wie er zu Reichtum und Ansehen gekommen ist, ist ja schon gruselig genug! Und er ist besessen von diesen Truhen und deren Inhalt, natürlich vor allem von dem geheimnisvollen Buch. Aber so wie Tischler Andres es erzählt hat, bedeutet es ja eigentlich, dass Simon Weyer der unbekannte Vierte war, der damals im Weinberg mitgeholfen hat, die Kisten auszugraben. Wie sonst soll das Buch im Kontor des Weinhändlers gelandet sein?


    Sophia hat ja durch den Professor eine untypisch umfassende Bildung genossen, sehr zum Missvergnügen ihrer Tante Justina. Obwohl ihr Tipp "Kein Mann schätzt es sehr, wenn ihm seine Frau beweist, dass sie mehr Bildung besitzt als er" (Seite 46) wirklich gut war! Denn Bildung und Wissen war für Frauen damals doch recht gefährlich. War die Zeit der Hexenverfolgung da schon vorbei? Noch nicht ganz, oder?


    Wir wissen jetzt die Vorgeschichte und mittlerweile sind alle Protagonisten erwachsen und wieder in Pirna gelandet - ich bin schon neugierig, wie es weitergeht!


    Die ganze Geschichte um das Stadtschwein ist ebenso interessant wie amüsant. Ich nehme mal an, dass das historisch belegt ist, dass es solche Stadtschweine durchaus gegeben hat! Wurden die Behandlung von Stadtschweinbissen tatsächlich vom Rat bezahlt?
    Gab es den Maler Niklas Dorndorf wirklich? Ich konnte keinen Hinweis darauf finden.


    Und neugierig bin ich schon auf Maria - wir werden sie sicher noch kennenlernen. Hoffe ich jedenfalls!


    Soweit für den Moment...
    :winken:

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • He, Ihr seid ja schon feste am diskutieren! :) Das ist heute mein schönstes Geburtstagsgeschenk! ;D


    @ Miriam
    Ja, die Karte stimmt so ungefähr - am Straßennetz in der Altstadt hat sich über die Jahrunderte nicht viel verändert. Falls du mal nach Pirna kommst, kannst du dich selbst überzeugen, dass die Altstadt im Grunde noch heute so aussieht. Schwieriger war das schon bei den Vorstädten. Die Schifftorvorstadt und die vor dem Obertor sind im 30-jährigen Krieg fast vollkommen zerstört worden. Leider ist auch von der Stdtmauer kaum noch was übrig, aber man kann Verlauf und Aussehen aus alten Plänen und Bildern ganz gut rekonstruieren. Die älteste Stadtansicht von Pirna stammt allerdings aus dem 17. Jahrhundert, ebenso wie der älteste Stadtplan. Da ich aber unbedingt einen Plan für mein Buch wollte, habe ich andere Stadtpläne aus dem 16.Jahrhundert (z.B. von Freiberg) angeschaut und in Pirna einen exzellenten Bauforscher zu Rate gezogen. Falls du das alles noch genauer wissen möchtest - ich habe auf meiner Homepage ausführlicher darüber geschrieben: http://www.buecherskorpion.eu ;)


    Beim Cover ist der DTV tatsächlich auf meine Idee, die alten Pirnaer Stadtansichten von Canaletto zu verwenden, eingegangen. Das fand ich toll. Auch meinen Titel haben sie übernommen.


    @ Kessi


    Ist ja witzig, dass Nack dein Mädchenname ist! :D Das war eine der alteingesessenen Familien in Pirna, sehr verzweigt und vermögend. Die tauchen in den Akten im Stadtarchiv ganz oft auf.


    Das Stadtschwein ist dort übrigens auch zu finden. Es war genauso wie ich es geschrieben habe: Der Rat zahlte dem Bader Geld, damit er die Opfer verarztete. ;D

  • Alles Gute zum Geburtstag! :blume: :blume: :blume:


    Es ist wirklich nett von Dir, dass Du Dir sogar heute Zeit für unsere Fragen nimmst!


    Alles Liebe!

  • @ Miriam


    Noch schnell zur Sequestrierung: Das eingezogene Kirchengut wurde z.T. für die Besoldung der neuen (evangelischen) Pfarrer verwendet - darüber (und auch über deren Anstellung) bestimmete dann aber der Landesherr - und zum Teil wurde es von den Landesherrn auch in Schulen und Universitäten investiert. Einerseits ist Bildung immer gut, andererseits nahmen die Landeherrn natürlich auch dadurch Einfluss. Bisher unterstanden die meisten Bildungseinrichtungen ja der Kirche...


    Und zu Niklas Dorndorf: Wer die Bilder in St. Marien wirklich gemalt hat, ist bis heute unklar. Vermutlich waren es mehrere Maler. Allerdings wird mal ein Maler namens Jobst Dorndorf in den Kämmereirechnungen der Stadt erwähnt. Daher habe ich den Familiennamen - nur Jobst gefiel mir nicht so gut wie Niklas.

  • Einen guten Abend wünsche ich allen Mitlesenden und natürlich der Autorin!


    Der erste Blick auf das Personenverzeichnis hat zum Glück meine Befürchtungen eines unentwirrbaren Knäuels von Namen, die ewig nicht zugeordnet werden können, nicht bestätigt!
    Überraschend leicht und flüssig hat sich zumindest dieser erste Abschnitt gelesen und ein schnelles Hineinfinden in die Handlung und die Zeit, in der sie angesiedelt ist, war dadurch garantiert. Keine kryptischen, unverständlichen Sätze, keine schwammigen Andeutungen - und bis jetzt auch keine Unzahl von losen Fäden. Wunderbar!
    Ja, es macht mir Spaß, hier mitzulesen, obgleich ich historische Romane nicht zu meiner bevorzugten Lektüre zähle. Aber dieser hier hat ja auch Elemente eines Kriminalromans, wie man aus der Inhaltsbeschreibung ersehen kann - und Krimis sind da schon viel eher mein Ding!


    Auch der Schuss Humor, mit dem dieses Buch gewürzt ist, gefällt mir - ein Gegengewicht zu dem doch recht sperrigen Thema. So waren die Szenen mit dem Stadtschwein und Niklas angenehm erheiternd. Wo hier meine Sympathien liegen sollen, weiß ich nicht so recht. Mir geht es da wie Sophia, die eigentlich auf der Seite des angriffslustigen Borstenviehs ist.


    Sophia - eine sympathische Protagonistin! Sie ist eigenwillig, neugierig, wissbegierig, unkonventionell. Somit ist sie also für die Zeit vor etwa 500 Jahren mit doch unweiblichen Eigenschaften ausgestattet, was ihr sicherlich noch Probleme bereiten wird. Wie gut, dachte ich, dass sie das Glück hatte, einmal von ihrer Mutter das Lesen beigebracht bekommen zu haben und danach von dem Professor auf Gebieten unterrichtet zu werden, die Frauen doch besser gar nicht zu betreten hatten.
    Und wieder einmal bin ich dankbar dafür, als Frau und überhaupt in der heutigen Zeit leben zu dürfen, wo all das, zumindest in unserem Kulturkreis, selbstverständlich ist, was in früheren Epochen einem Skandal oder noch Schlimmerem gleichgekommen wäre.
    Aber um zu erreichen, was wir heute als gegeben hinnehmen, hat es lange Jahre gebraucht und zäher Kämpfe bedurft. Aber das gehört hier eigentlich nicht hin, es sind jedoch Gedanken, die mir während der Lektüre in den Sinn kamen.
    Auch die immer wieder gestellte Frage, in welcher Epoche man denn gerne gelebt hätte, fiel mir ein. Unverständlich ist es dann für mich, wenn ich lese, was sich da die Leute als Antworten einfallen lassen... Wie kann man eine so privilegierte Zeit ( immer an unseren eigenen Kulturkreis denkend ) durch irgendein anderes Zeitalter eintauschen wollen!?


    Ansonsten ist der Roman ja wirklich eine Fundgrube an Eindrücken und Informationen zu dem Leben im 16. Jahrhundert, das wirklich hart, mühevoll und voller Gefahren war, wenn ich da nur an das Anfangskapitel denke, in dem die Pest ihre unzähligen Opfer forderte und gleichzeitig dem ohnehin festverankerten Aberglauben Auftrieb gab. Und dieser ist schon vom Allerfeinsten...
    Dann der Kampf der beiden unterschiedlichen Richtungen des Christentums, - hier, in einer protestantisch geprägten Gegend, ging es den Priestern und Klöstern an den Kragen. Das liest man zwar in Geschichtsbüchern, aber es bekommt eine andere Qualität und wird einem viel bewusster, wenn es in einen Roman verwoben wird.


    Von den Klöstern ist es nicht weit bis zu der nächsten Hauptfigur, Wolf, der gegenüber ich so meine Vorbehalte und Zweifel habe.
    Als wir ihm zum ersten Mal begegneten, war er mir recht sympathisch. In Fieberträumen kamen ihm Bilder von dem, was sich in der Zelle des Mönchs Johannes, seines leiblichen Vaters, zugetragen hatte - mit Gedächtnislücken. Ein Unfall, dachte ich zunächst, Mitleid mit Wolf, dem unehelichen Kind verspürend, das für die Verfehlungen seiner Eltern büßen sollte und von dem Ziehvater sehr lieblos behandelt wurde.
    Allmählich aber wird er mir zunehmend unsympathisch! Er ist ein kalter Typ, nur auf seinen Vorteil, auf sein Vorankommen, dem Hochklettern auf der sozialen Leiter bedacht, die Menschen um sich herum benutzend, egal, was er damit anrichtet ( z.B. mit dem Tischler Andres ).
    Hinter jenem geheimnisvollen Buch ist er her, des vermeintlichen ewigen Lebens wegen. Wenn mich nicht alles täuscht, befindet es sich aber längst in Sophias Besitz, noch immer nicht dechiffriert. Und Sophias Interesse an dem Werk ist ein ganz anderes als Wolfs, ein wissenschaftliches, so möchte ich es nennen, mit Augenmerk auf dem, was es der Menschheit nutzen könnte.


    Dem Klappentext nach wird sich dieser Opportunist Wolf um Sophias Hand bewerben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jemanden wie ihn wählen würde, klug wie sie ist und mit einem eigen Kopf ausgestattet. Zwischen ihr und dem Unglücksraben Niklas scheint sich etwas zu entwickeln.
    Und dann ist da noch der so gebildete Magister Fuchs, der Universalgelehrte! Auf Sophia, die Wissensdurstige, müsste der doch eine gehörige Anziehungskraft ausüben....
    So bin ich auf die weitere Entwicklung gespannt!


  • Also gleich zu Beginn: die Karte ist großartig!



    Zunächst mal was zur Aufmachung: Die Karte ist echt ein Hingucker! ( ... )



    Mir hat schon das Cover so gut gefallen, aber noch eine Karte im Buchdeckel zu entdecken ist ein kleines I Tüpfelchen. Auch ich mag solche Karten und verfolge die Wege die zurück gelegt werden.


    Oje! Blind bin ich, blind wie ein Maulwurf! Wie gut, dass ich das Buch in einer Leserunde lese - ansonsten wäre mir die Karte ( ja, Ihr habt Recht - sie ist sehr aufschlussreich! ) sicher nicht vor Beendingung des Romans aufgefallen... ;)


  • Ich finde nicht das die beiden etwas verbindet, aber das ist nur das was ich empfinde. Sicher sind beide sehr wissbegierig, aber ich glaube aus unterschiedlichen Gründen. Wolf nur um an seine Ziele zu gelangen und Sophia, weil sie die Dinge interessieren und sie diese auch verstehen möchte.


    Ich bin da ganz auf Kessis Seite ( aber Doscho postete hier ja nur zu den ersten fünf Abschnitten und da war das Wölfchen noch ganz sympathisch! ). Bei Sophia aber sehe ich nicht nur den reinen Wissensdurst hinter ihrem Verlangen, das Buch lesen zu können. Sie möchte, wie ich sie einschätze, Wissen immer auch praktisch, nutzbringend, anwenden können. Dabei steht sie im krassen Gegensatz zu Wolf, der wirklich nur an sich und seine Vorteile denkt!


  • Ich finde die historischen Hinweise immer wieder interessant - auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, was nun eine Hutzlerin ist!


    Eine weise Frau, eine Heilerin - also nach damaligem Verständnis auch eine Hexe?
    In meinem Teil der Welt werden solche Personen, die durchaus auch Männer sein können, als "Bischpler" bezeichnet. Und sie haben mit ihren Heilmethoden durchaus Erfolg, wenn man den Gerüchten, die über sie im Umlauf sind, Glauben schenken darf...



    ( ... ) Wolf hat doch einige psychopathische Züge... Gewissen oder Empathie scheinen ihm recht fremd zu sein! Und auch wenn ich auch anfänglich gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihm und Sophia gesehen habe, so hat sich das im Laufe des ersten Abschnitts radikal geändert: sie sind die Gegenspieler, Zusammenarbeit ausgeschlossen!


    Da bin ich deiner Meinung - und neugierig auf die erste Begegnung der beiden.
    Und doch wird Wolf, laut Klappentext, um Sophia werben! Vielleicht wird er dem Weinhändler als der passable Gatte erscheinen!? Kann sich Sophia dem Vater dann widersetzen?



    Die Tatsache, wie er zu Reichtum und Ansehen gekommen ist, ist ja schon gruselig genug! Und er ist besessen von diesen Truhen und deren Inhalt, natürlich vor allem von dem geheimnisvollen Buch. Aber so wie Tischler Andres es erzählt hat, bedeutet es ja eigentlich, dass Simon Weyer der unbekannte Vierte war, der damals im Weinberg mitgeholfen hat, die Kisten auszugraben. Wie sonst soll das Buch im Kontor des Weinhändlers gelandet sein?


    Ja, die gleiche Vermutung hege ich auch - und wenn sie zutrifft, muss man um das Leben von Sophias Vater fürchten. Ich glaube nicht, dass der Tischler sich das Leben genommen hat, denn er war, wie Wolf richtig bemerkt, in einem so schlechten Zustand, dass er diesen Akt nicht hätte bewerkstelligen können...


  • Mein Fokus liegt auch gar nicht so sehr auf der Tante, sondern mehr darauf, dass Sophia herumschleicht, weil sie offenbar von dem Elend isoliert wird/werden soll und es fällt auch die Formulierung, dass sie sich manchmal vorkommt, als wäre sie gar nicht da...


    Die Pest, die Sophia zuerst den Bruder und dann die Mutter nimmt, muss ein fürchterliches Erlebnis in Sophias jungem Leben gewesen sein. Und dann fühlte sie sich in ihrer Angst auch noch alleingelassen, noch hilfloser dadurch. Doch andererseits hatten alle anderen im Haushalt Lebenden genug Sorgen, die ja vor allem erstmal den Schwerkranken galten. Da kann so ein kleines Mädchen schonmal "untergehen". Das ist aber keine Nachlässigkeit, keine böse Absicht, sondern einfach den Umständen geschuldet - und für den Rest des ersten Abschnitts hatte ich keineswegs das Gefühl, dass Sophia keine Beachtung zukommt!

  • Eine weise Frau, eine Heilerin - also nach damaligem Verständnis auch eine Hexe?
    In meinem Teil der Welt werden solche Personen, die durchaus auch Männer sein können, als "Bischpler" bezeichnet. Und sie haben mit ihren Heilmethoden durchaus Erfolg, wenn man den Gerüchten, die über sie im Umlauf sind, Glauben schenken darf...


    Hutzlerin ist nicht die "Berufsbezeichnung", sondern der Name. In Sachsen war es damals üblich, bei verheirateten Frauen an den Familiennamen einfach -in ranzuhängen, wenn man über sie sprach. Den Familiennamen Hutzler habe ich mir aus den Kämmereirechnungen (die Rechnungsbücher der Stadt mit allen Einnamen und Ausgaben) der damaligen Zeit geborgt.
    Aber es stimmt auch, dass die Frau Zauberei praktiziert. Das war damals gängige Praxis, und die meisten Leute haben wirklich daran geglaubt - und dass Placebos oft genauso gut helfen wie echte Medikamente, ist ja inzwischen nachgewiesen.


  • Hutzlerin ist nicht die "Berufsbezeichnung", sondern der Name. In Sachsen war es damals üblich, bei verheirateten Frauen an den Familiennamen einfach -in ranzuhängen, wenn man über sie sprach. Den Familiennamen Hutzler habe ich mir aus den Kämmereirechnungen (die Rechnungsbücher der Stadt mit allen Einnamen und Ausgaben) der damaligen Zeit geborgt.
    Aber es stimmt auch, dass die Frau Zauberei praktiziert. Das war damals gängige Praxis, und die meisten Leute haben wirklich daran geglaubt - und dass Placebos oft genauso gut helfen wie echte Medikamente, ist ja inzwischen nachgewiesen.


    Dann ist klar, warum mir dieser "Begriff" völlig fremd war! :verlegen: Das mit dem -in anhängen ist in den ländlichen Gegenden in Österreich auch durchaus üblich! An diese Möglichkeit hab ich aber keine Sekunde gedacht :o Tut mir leid! War wirklich dumm von mir!


    Erstaunlich ist für mich aber, dass Zauberei eigentlich "offen" praktiziert wurde. War das nicht ein sehr riskantes Placebo?


    :winken:

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()