Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines der Autorin) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Die Vergessenen" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Ellen Sandberg als auch ihren Verlag Penguin, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.
    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • Ich hatte "leider" (wegen Urlaub ;) ) keine Zeit für die Leserunde, habe das Buch aber parallel gelesen und bin tief beeindruckt!
    Inge, bitte mehr von Ellen (auch wenn ich Dühnfort ebenfalls sehr mag, aber das hier war für mich einfach ein besonderes Highlight)


    Manolis Lefteris ist Besitzer eines Autohauses in München. Doch nebenbei erledigt er für einen guten alten Freund immer wieder auch andere Aufträge. Aktuell soll er einen Mann namens Chris beschatten, der seinerseits auf der Suche nach Unterlagen ist und ihm diese abnehmen, sobald er sie gefunden hat. Um was es geht und was in diesen Unterlagen steht, wird Manolis nicht gesagt und normalerweise fragt er auch nicht groß nach, denn er vertraut seinem Auftraggeber. Doch bald kommt ihm diese Geschichte merkwürdig vor. Alles scheint mit einer alten Frau zusammenzuhängen, Kathrin, der Tante von Chris. Und mit ihrer Vergangenheit. Auch ihre Nichte Vera beginnt, Nachforschungen anzustellen.


    Den Inhalt zu beschreiben, fällt mir hier sehr schwer, denn das Buch ist äußerst vielschichtig und die Familienverhältnisse der Protagonisten muss man erst einmal durchschauen. Eigentlich sind es 3 Hauptfiguren, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird:


    Zum einen Manolis, Sohn einer Deutschen und eines Griechen, Autohändler und Problemlöser, mit einem schrecklichen Familienschicksal, das sein Vater, ein griechischer Einwanderer, ihm schon in sehr jungen Jahren aufgebürdet hat und das Manolis somit schon sein Leben lang verfolgt.


    Vera, die sich gefangen fühlt in ihrem Job als Redakteurin einer Frauenzeitschrift, obwohl sie doch eigentlich lieber wieder in ihr eigentliches Ressort, Politik und Geschichte, zurückwill. Aber der Stempel Lifestyle hängt ihr nun an und macht es ihr schwer. Als ihre Tante einen Schlaganfall hat, entdeckt sie in ihrer Wohnung ein Foto, das Kathrin in Krankenschwesterntracht vor einer Heilanstalt während der NS-Zeit zeigt. Warum hatte Kathrin diese Zeit nie erwähnt?


    Die dritte Protagonistin ist ebendiese Kathrin, deren Geschichte in der Vergangenheit langsam aufgerollt wird. Hat sie sich an der Ermordung von behinderten und kranken Menschen während des Nationalsozialismus beteiligt?


    Ellen Sandberg, alias Inge Löhnig, verknüpft hier mehrere Handlungsfäden und Schicksale aus Gegenwart und Vergangenheit miteinander. Zum einen geht es um Verbrechen der Wehrmacht in Griechenland, zum anderen um das Thema Euthanasie im Dritten Reich. Es geht um Rache, Gerechtigkeit, Schweigen und Aufarbeitung. Während sich in der ersten Hälfte des Buches erst so langsam die Zusammenhänge herauskristallisieren, gibt es in der zweiten Hälfte, als man eigentlich denkt, man hätte jetzt alles durchschaut, noch diverse Überraschungen, so dass die Geschichte bis zum Ende absolut fesselnd bleibt!


    Beide Themen sind grausam und schockierend, der Umgang der Justiz mit ihnen frustrierend. Auch dies wird entsprechend thematisiert und spielt eine große Rolle, insbesondere für Manolis. Den fiktiven Geschichten hier im Buch liegen reale Ereignisse zugrunde, das macht es umso bedrückender. Ich habe schon viele Romane aus der NS Zeit gelesen, aber so tief hat mich schon lange keiner mehr berührt. Keine leichte Lektüre für nebenbei, aber wer bereit ist, sich auf diese düsteren Kapitel der Vergangenheit einzulassen, wird mit einer ungemein spannenden und tief beeindruckenden Geschichte belohnt, die zumindest bei mir noch lange nachhängen wird.

  • Die Autorin:
    Hinter Ellen Sandberg steckt keine geringere als Inge Löhnig,die hier ein wenig das Genre wechselt.
    Inge Löhnig wurde 1957 in München geboren und wurde bekannt mit ihren Kriminalromanen um Kommissar Dühnfort


    Das Buch:
    1944. Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und meint, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Als die junge Frau kurz darauf dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen. Zu spät merkt sie, dass Landmanns Arbeit das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.
    2013. In München lebt ein Mann für besondere Aufträge, Manolis Lefteris. Als er geheimnisvolle Akten aufspüren soll, die sich im Besitz einer alten Dame befinden, hält er das für reine Routine. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert hat ...Quelle:Amazon


    Meine Meinung:
    Dieses Buch bleibt für mich unvergessen.ich mag es wenn eine Geschichte zwischen zwei Zeiten springt,ich lese sowieso gerne Geschichten auch vergangenen Tagen.Das Thema der Vergangenheit in dieser Geschichte hat mich hier nun auch besonders berührt,Menschen mit Behinderung einfach als nicht lebenswert zu bezeichnen und die sogar zu töten hat mich unfassbar traurig gemacht.Und dann kommt so ein Problemlöser aus unserer Zeit und soll Akten aus dieser Zeit aufspüren.Nach so vielen Jahren.Eigentlich müsste man ihn unsympathisch finden,denn letztendlich ist er nichts anderes als ein Auftragsmörder.Aber das konnte ich während des gesamten Buches nicht,in mir ist wohl zu viel Verständnis für solche Rachegedanken.Auch die Journalistin Vera ist mir sehr ans Herz gewachsen.
    Diese ganze Geschichte ist so ergreifend und spannend aufgeschrieben,das man das Buch kaum aus der Hand legen kann,es viel mir zugegebener Maßen schwer mich an einen Leseabschnitt pro Tag zu halten.
    Es ist alles so aufgeschrieben wie es wahrscheinlich wirklich war,hier wird nichts "schöngeredet".
    Dieses tolle Buch bewirkt,das man wirklich mal über die Zeit nachdenkt,in der die Eltern oder Großeltern gelebt haben.
    Und trotz aller Probleme die wir heute alle so haben,geht es uns doch eigentlich gut !


    Danke,liebe Inge,für dieses Buch.Ich werde es nie vergessen.Und so sollte das bei einem guten Buch sein.Ich hoffe das du noch etwas in dieser Richtung veröffentlichst,ich werde es ganz sicher lesen


    :lesen:

  • " Die Vergessenen" von Ellen Sandberg ist ein spannender und berührender Roman zugleich.
    Es geht um Schuld und Sühne, Macht und Machtlosigkeit, Freue und Leid sowie um einen Kampf um Recht und Gerechtigkeit.
    In verschiedenen Zeitebenen wird dem Leser die Zeit der Nazis mit ihren abscheulichen Methoden, Menschen die des Lebens nicht wert sind, näher gebracht. Sie wurden auf verschiedenste und grausame Weise getötet, wie in den Geschichtsbüchern und auch anderen Autobiographischen Romanen , ausführlich geschildert. Es ist eine Zeit, in der die Euthanasie ihren Höhepunkt erlangte, die nie vergessen werden darf. Und darum geht es auch hier, die Aufarbeitung dieser Zeit, in denen es viele Täter und zu viel Opfer gab. Jedes Opfer ist eins zuviel gewesen.


    Kathrin Händler ist noch jung als sie ihre Arbeit als Krankenschwester in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg antritt. Es ist das Jahr 1944 und der Krieg noch nicht zu Ende.
    Noch jung und unerfahren arbeitet sie unter der Leitung des Anstaltsleiters Karl Landmann. Sie ist fasziniert von ihm , das wird später ihre Entscheidungsgewalt einschlägig beeinflussen.


    Vera Händler ist Journalistin und die Nichte von Kathrin. Als Kathrin im Jahr 2013 einen Schlaganfall erleidet, kümmert sich Vera um die Wohnung ihrer Tante und macht eine rätselhafte Entdeckung.
    Durch ihren Cousin, der etwas von der Vergangenheit von Kathrin in Erfahrung gebracht hat, kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, nicht irgendeines, sonder eines das die Familie betrifft. Bei dem Versuch dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, kreuzt sich ihr Weg mit Manolis Lefteris. Er ist der Mann mit einem Auftrag, er soll Akten finden, die sich in Kathrins Wohnung befinden sollen. Nun heftet es sich wie eine Klette an Vera, die alles versucht das Geheimnis von ihrer Tante zu lüften. Doch wer ist Lefteris sein Auftraggeber?
    Er selber hat von seinem Vater, der ein griechischer Gastarbeiter war, über die Gräueltaten die die Deutschen an seiner Familie im 2. Weltkrieg verübt haben , erfahren. Ein Massaker an die zivile Bevölkerung in Griechenland.
    Bei ihren Untersuchungen erfährt Vera immer mehr aus dem Leben ihrer Tante. Über Jahrzehnte hinweg, wird in den Erzählsträngen erzählt was der Krieg mit den Familien gemacht hat. Wie kann jeder einzelne für sich mit der Schuld, und allem Leid welches den Betroffenen zugefügt würde, umgehen? Was macht es mit den Menschen?


    Meine Meinung:
    Ellen Sandberg ist vor langer Zeit die Idee zu diesem Roman gekommen. Gut das sie sich entschlossen hat, diesen Roman zu schreiben. Die Recherchearbeiten die sie hierfür geleistet hat sind einfach nur erstklassig.
    Mit viel Gefühl und liebe zum Detail erfährt der Leser die Bedeutung von Gerechtigkeit, Schuld und Verbrechen kennen. Die Autorin hat einen mitreißenden Schreibstil, der mich von Beginn an in seinen Bann gezogen hat.
    Ich muss gestehen, an vielen Stellen fiehl es mich schwer weiter zu lesen. Zu grausam waren die Taten, ob an Kindern oder Erwachsenen. Alles liebenswerte Menschen, bei denen über ihren Köpfen hinweg, entschieden wurde, das sie des Lebens nicht lebenswert sind.
    Absolute Leseempfehlung und fünf Sterne.



    Vielen Dank für die Leserunde, das Buch hat mich tief berührt und ebenso fassungslos gemacht. Obwohl ich schon so viel aus der Zeit des zweiten Weltkrieg gelesen habe, gibt es immer noch Dinge über die man zu wenig weiß.


    http://wasliestdu.de/rezension…ressant-und-gefuehlvoll-0


    https://www.lesejury.de/ellen-…8?tab=reviews&s=2#reviews


    https://www.lovelybooks.de/aut…8-w/rezension/1524427796/


    https://www.vorablesen.de/buec…teressant-und-gefuehlvoll


    Weiterhin wird die Rezi bei
    Amazon
    Bücher.de
    Hugendubel
    eBook.de
    Buch.de ..... veröffentlicht

  • Hallo ihr Lieben,


    ihr seid ja schon fertig!


    Ich freue mich, dass euch der Roman so gut gefallen hat, auch wenn er des öfteren an die Nieren geht. Ich hoffe, es hat euch dennoch Vergnügen gemacht, ihn zu lesen. Und danke für die schönen Rezensionen!


    LG, Inge


  • Hallo Inge , es war ja mein erstes Buch von dir. Ich war von deinem tollen Schreibstil so begeistert. Vielleicht lesen wir uns mal wieder, würde mich freuen.


    Liebe Grüße Kerstin

  • :winken: Vielen Dank, dass ich hier dabei sein durfte. "Die Vergessenen" ist ein wirklich tolles Buch. Absolute Lesempfehlung!


    Manolis Lefteris ist heute Inhaber eines Autohauses. Ihm geht es gut, obwohl das in seinem Leben zunächst anders aussah. Erst die Begegnung mit Bernd Köster hat ihm sein heutiges Leben ermöglicht. Doch immer noch lasten die Vergangenheit und besonders die einstige Beichte seines Vaters auf ihm. Er ist auf der Suche nach Gerechtigkeit, nach wahrer Gerechtigkeit und genau deshalb erledigt er ganz spezielle Aufträge für Bernd Köster nebenher. Sein neuester Auftrag besteht darin Unterlagen aus den Händen eines gewissen Christian Wiesinger zu entwenden. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet.


    Die Besitzerin der Unterlagen, Kathrin, liegt mit einem Schlaganfall im Krankenhaus und deren Nichte Vera kümmert sich um ihre Wohnung und alles was zu regeln ist. Dabei stößt sie auf ein Fotoalbum mit Bildern ihrer Tante als junge Frau im Jahr 1944 in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg. Vera ist verwundert, denn über diese Tätigkeit und diese Zeit hat ihre Tante nie geredet. Veras Neugier als Journalistin ist geweckt. Nicht unbedingt zufällig begegnet Vera im Zuge ihrer Nachforschungen auch Manolis Lefteris.


    Mit „Die Vergessenen“ präsentiert Inge Löhnig unter ihrem Pseudonym Ellen Sandberg einen Spannungsroman, der den Leser nicht mehr loslässt. Die Spuren des Nationalsozialismus werden hier greifbar nah, seine Gräueltaten eindringlich und intensiv geschildert. Bis heute sind Familien davon betroffen und leiden unter den Geschehnissen von damals. Das wird am Beispiel von Manolis und auch von Kathrin und weiteren handelnden Personen sehr deutlich. Dieser Roman weckt Emotionen umso mehr, weil er nicht nur fiktiv ist, sondern eben auf reale Ereignisse zurückgreift. Er beleuchtet Geschehnisse, wirft aber dabei auch einen kritischen Blick auf unsere heutigen Gesetze und deren Umsetzung.


    Das Anliegen der Autorin den Leser wachzurütteln und zu sensibilisieren, damit die damaligen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten, ist ihr mit diesem Roman auf vortreffliche Weise gelungen. So ist „Die Vergessenen“ ein Appell an jeden Leser mit wachsamen Augen durchs Leben zu gehen.


    Copyright © 2018 by Iris Gasper


    Hier kommen noch meine links zur Rezension:


    Literaturschockhauptseite:
    https://literaturschock.de/lit…scussions/review?id=13208


    Großes Bücherforum:
    https://literaturschock.de/lit….msg996511.html#msg996511


    Buchrezicenter:
    http://buchrezicenter.filmbesp…storisch/die-vergessenen/


    Amazon:
    https://www.amazon.de/gp/revie…_full_review_link?ie=UTF8


    Was liest du:
    http://wasliestdu.de/rezension/die-vergessenen

  • Wir sollten nicht vergessen


    Kathrin Mändler ist gerade 17 Jahre alt, hat ihre Ausbildung abgeschlossen und bekommt 1944 eine Stelle als Krankenschwester in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg. Hier trifft sie auf den charismatischen Anstaltsleiter Dr. Karl Landmann. Sie, die sich selbst als graues Mauerblümchen fühlt, nimmt seine Avancen schnell an. Bis sie erkennt, was sich hinter den Mauern der Anstalt abspielt.
    Ihre Nichte Vera Mändler beginnt sich 2013 für ein Dossier zu interessieren, das ihrem Cousin Christian wahrscheinlich das Leben gekostet hat. Diese brisanten Unterlagen soll ihre Tante haben.


    Aber auch Manolis Lefteris, der sehr sympathische Inhaber eines Münchner Autohauses und Auftragnehmer für besondere Fälle, interessiert sich für seinen Auftraggeber für diese Unterlagen und untersucht alles, um sie in seinen Besitz zu bekommen.



    Unter dem Pseudonym Ellen Sandberg schreibt eine meiner deutschen Lieblingsautorinnen Inge Löhnig einen spannenden, interessanten, mich faszinierenden und berührenden Roman über die Geschehnisse in einem kleinen Dorf in Griechenland 1944 und in einer Heil- und Pflegeanstalt aus den letzten Kriegsjahren. Es ist eine Geschichte, die die beiden Handlungsstränge aus der Vergangenheit mit dem Heute verbindet. Eine Geschichte mit einer ganz andere Form der Spannung: aufgeladen, unvorstellbar und erschreckend.
    Es geht um Recht, Gerechtigkeit und unsere Justiz, die immer wieder die Augen zugedrückt hat; um Schuld, Schweigen und Sühne; um sexuelle Hörigkeit, Verdrängen und Macht; um Seilschaften, die bis in unsere heutige Zeit reichen. Nach einigen Stellen musste ich mich erst mal wieder fassen um weiterlesen zu können, so sehr hat mich die Erzählung seelisch mitgenommen. Vor allem, weil ich mir immer wieder sagen musste, dass dieser Roman sich an historische Fakten hält. Das war für mich hier und da nur schwer auszuhalten.


    Es geht hier zum großen Teil um eine Heil- und Pflegeanstalt in denen Kinder und Erwachsene mit Behinderungen während der Kriegswirren gut aufgehoben sein sollten. Aber leider ging es damals in diesen Häusern wohl zum Teil ganz anders zu. Diese Menschen wurden als lebensunwürdig, als Idioten bezeichnet, sie „nahmen unseren treuen Soldaten das Essen weg“. Solche Aussagen machen mich traurig, wütend und fassungslos. Ganz langsam wurden diese Menschen zu Tode gepflegt.


    Es ist mir trotz einiger Stellen, wo ich doch eine Pause brauchte um das Gelesene zu verarbeiten, sehr schwer gefallen, dieses Buch doch immer mal wieder aus der Hand zu legen. So eine spannende, fesselnde und berührende Geschichte habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Und sie wird noch lange in mir nachwirken. Vor allem, wenn ich bedenke, wir lange die Geschehnisse von damals ihre Arme zu den heute lebenden Familienangehörigen noch ausstrecken.


    Aber auch etwas anderes hat mich stark beschäftigt: Manolis Lefteris – der Mann, der für seinen Auftraggeber (fast) alles tut. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es sein kann, dass ich diesen Mörder sympathisch finde. Ich denke, es ist der Mensch, der mir einfach gefällt, der sich für Unrecht einsetzt und der für seine Familie alles tun würde.


    Ellen Sandberg hat einen Roman geschrieben, den ich spannender und fesselnder finde, als manchen Krimi. Keine leichte Kost, aber absolut lesens- und empfehlenswert! :buchtipp:



    Vielen, vielen Dank, dass ich bei der Leserunde dabei sein durfte. Das Buch wird noch lange in mir nachwirken.


    Hier die Links zu dieser Rezension, die am 23.01.2018 unter dem Titel "Wir dürfen nicht vergessen" als


    Gaby2707 / Gaby H. / eine Kundin aus München eingestellt wurde:


    https://literaturschock.de/lit…/47311.msg996703.html#new


    https://literaturschock.de/lit…-sandberg-die-vergessenen


    https://www.amazon.de/review/R…m?ie=UTF8&ASIN=332810089X


    https://www.lovelybooks.de/aut…8-w/rezension/1525415881/


    http://wasliestdu.de/rezension/wir-sollten-nicht-vergessen


    http://www.lesejury.de/rezensionen/deeplink/105189/Product


    https://www.blogger.com/blogge…postID=368191775462507050


    https://www.buecher.de/shop/de…/detail/prod_id/48069888/


    https://www.thalia.de/shop/hom…328100898/ID62292488.html


    https://www.hugendubel.de/de/a…customerNumber=00gChXtcxT


    https://www.weltbild.de/kommen…2901024-1?sterne=5&sort=2


    https://www.jokers.de/kommenta…essenen_22901024-1?sort=2


    https://www.pustet.de/shop/art…berg_die_vergessenen.html


    https://www.heyn.at/list?back=…b7339c78a92b&xid=12102185


    https://www.heymann-buecher.de…berg_die_vergessenen.html


    https://fachbuch-schaper.buchh…berg_die_vergessenen.html


    https://www.buch.de/shop/home/…essenen&stype=productName


    https://www.bol.de/shop/home/s…328100898/ID62292488.html

  • Hallo allerseits,


    inzwischen sind gute drei Wochen seit dem Start unserer Runde vergangen, deshalb möchte ich mich bei allen, die sich hier rege beteiligt und ausgetauscht haben, bedanken.
    Allerdings muss ich - auch mit etwas Abstand - gestehen, dass ich über die in meinen Augen etwas zu heftig geratene Diskussion zum Lesetempo enttäuscht war. Dass dann in der Folge die Leserunde teilweise nicht einmal zu Ende geführt wurde, hat weder Inge noch ihr großartiger Roman verdient! :(


    Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht auch an dieser Stelle an Dich, Inge! :-* Es war toll, dass Du Dir die Zeit genommen hast und uns offen und aufmerksam beim Lesen begleitet hast. Ich wünsche Deinem neuesten Buch ganz besonders viele LeserInnen, da ich der Meinung bin, dass es ein sehr guter Weg ist, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen - dem Titel Deines Buches zum Trotz!
    Viel Erfolg mit diesem Roman und weiterhin viel Freude beim Schreiben!


    Herzliche Grüße
    Tabea


    PS. Meine Rezension folgt am kommenden Sonntag, da ich morgen für ein paar Tage verreise.

  • Manolis Lefteris ist Sohn eines sogenannten Gastarbeiters aus Griechenland und einer Deutschen. Was man bei einem erfolgreichen Besitzer eines Münchner Luxus-Autohauses nicht unbedingt annimmt, ist die Tatsache, dass Manolis nebenbei auch noch andere, deutlich ungewöhnlichere Aufträge annimmt. Sein neuester Fall scheint auf den ersten Blick allerdings sehr einfach zu sein: er soll Akten für einen unbekannten Auftraggeber aufstöbern. Doch weit gefehlt - Manolis ist im Begriff, ein altes Verbrechen aufzudecken...


    Knapp 70 Jahre früher tritt Kathrin Mändler eine Stelle als Krankenschwester an. Die junge Frau hofft auf eine selbstbestimmte, glückliche Zukunft und ahnt nicht im Entferntesten, in welch lebensbedrohliche Situation sie bei ihrer neuen Anstellung geraten wird...


    "Die Vergessenen" spielt auf zwei Zeitebenen - wobei der größere Teil der von Manolis im Jahr 2014 ist. Er begibt sich auf Spurensuche und nicht nur sein eigenes Leben gibt anfangs einige ziemlich spannende Fragen auf, nein, der Versuch, an die gewünschten Unterlagen zu kommen, entpuppt sich als eine nicht weniger packende Geschichte. Zu Beginn ficht das alles Manolis nicht sonderlich an, aber dann erkennt er allmählich, um was es bei seinem Auftrag in Wirklichkeit gehen könnte... Die Figur des Manolis' ist wirklich hervorragend gestrickt: anfangs habe ich ihn viel stärker hinterfragt, doch meine Sympathie ist ihm immer mehr zugeflogen. Dieser Kerl ist schlicht und ergreifend interessant! Auch wenn man sicherlich nicht jede seiner Methoden gutheißen kann oder sollte, so ist Manolis zudem niemals unglaubwürdig oder gar überzogen. Letztlich zeigt sich mal wieder: in der Regel ist es besser, wenn man jemanden besser kennenlernt, bevor man über ihn urteilt.


    Der Strang, der in der Vergangenheit spielt, erzählt von der allerdunkelsten Stunde der deutschen Geschichte. Ellen Sandberg, hinter der übrigens die sehr erfolgreichen Krimiautorin Inge Löhnig steckt, widmet sich einem Thema, das schon jetzt kaum mehr Aufmerksamkeit erhält. Dabei ist es so wichtig, dass es nicht in Vergessenheit gerät! Besonders gekonnt hat die Autorin hier in meinen Augen den Zwiespalt einzelner Menschen eingefangen und so das Diametrale zwischen Verstand und Handeln eingefangen.


    Ganz im Gegensatz zum Titel des Buches hoffe ich, dass dieser Roman sehr viele Leser*Innen findet. Nicht nur, weil er schlicht und ergreifend großartig geschrieben und geplottet ist, nein, ganz einfach, weil ich der Meinung bin, dass die Lektüre ein sehr guter Weg ist, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Manchmal schafft ein famos geschriebener Roman mehr als ein Schul- oder Sachbuch - in heutigen Zeiten in meinen Augen wichtiger denn je!


    Volle Punktzahl.


    Die Links:

    Literaturschock-Forum

    Literaturschock-Hauptseite

    Amazon

    Goodreads

    LovelyBooks